Reflexvisiere

Jeder, der ´ne Me-109 fliegt, kennt das REVI von Carl Zeiss Jena.... ;-)

Beim Schießen befinden sich Ziel und Viseireinrichtung in extrem unterschiedlichen Fokussierbereichen (Visier nah; Ziel fern), so daß bei "offenen Visierungen" (das sind "Kimme und Korn" oder Drahtvisiere) entweder nur das Ziel oder nur das Visier "scharf" gesehen werden kann.

Um dieses Problem zu lösen, sind mehrere Wege denkbar und es werden auch alle entsprechend ihrer jeweiligen Vorzüge angewendet.

Die einfachste Lösung ist wohl das Dioptervisier(Garand M1 und G3; Sportwaffen) . Hier wird Ziel und Korn durch eine kleine Blende betrachtet, so daß beide im "Tiefenschärfenbereich" (den Begriff pumpe ich mir hier einmal aus der Fotographie) liegen.
Vorteil: Konstruktive Einfachheit.
Nachteil: Ein großer Teil des Zieles wird bedeckt und es sind gute Lichtverhältnisse sowie entsprechende Zeit zum sorgfältigen Richten erforderlich. Die Anwendung beschränkt sich daher auf das Schießen mit Handfeuerwaffen.

Aufwendiger ist eine andere, weit bekannte Lösung: Das Zielfernrohr.
Vorteilhaft wirkt sich die mögliche Vergrößerung aus, so daß mit einem Zielfernfohr sehr exakt angerichtet werden kann.
Entscheidender Nachteil des Zielfernrohres ist jedoch, daß es sich nicht für Schnellschüsse eignet.
Bis das Ziel sorgfältig angerichtet ist, vergeht Zeit, die nicht immer - insbesondere nicht beim Schießen auf sich schnell bewegende Ziele - zur Verfügung steht.

Von einer sich schnell bewegenden Feuerstellung (aus einem Flugzeug) oder auf ein sich schnell bewegendes Ziel zu schießen (FLAK (=FLugAbwehrKanone)), erfordert eine extrem rasche Zielerfassung.
Diese Schnelligkeit kann am besten mit dem Reflexvisier erzielt werden:
Bei Bodenwaffen sind Reflexvisiere daher klassische Flugabwehrvisiere.
Das Absehen (die Zielmarke) ist wie ein Diabild auf der Strichplatte dargestellt,  es wird als helles Bild durch ein Projektionsobjektiv wie mit einem Diaprojektor auf einem halbdurchlässigen Spiegel abgebildet (daher der Name: Das Absehen wird reflektiert).
Die Abbildung erfolgt so, daß das Absehen in der unendlichen Bildlage erscheint und damit immer gleichscharf mit dem Ziel gesehen wird.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Es drängt sich geradezu auf, mit einem Reflexvisier beidäugig zu zielen, was bedeutet, daß das Sehfeld keinen Beschränkungen unterworfen ist.
Aus der Natur der Konstruktion ergibt sich, daß das Absehen trotz aufgebrachter Bauart sehr leicht beleuchtbar ist.
Die Beleuchtung erfolgt am Tage mit Tageslicht, wobei dann oft ein Graufilter  zum Abdunkeln des Zielbildes verwendet  werden muß, um den Kontrast zum Absehen zu erhöhen.

Sehr interessante und technisch aufwendige Ausführungen dieser Konstruktionsart befinden sich in Kampfflugzeugen, wo Reflexvisiere als "rechnende Visiere" verwendet werden:
Das Absehen wird mit Hilfe eines Bordrechners teilweise an die vordere Kanzelscheibe projiziert, wobei über das Bordradar (RADio navigation And Rangeing) die Entfernungs- und Lageparamter laufend zur Verfügung stehen und über gesteuerte bewegliche Meßmarken unter simultaner Berücksichtigung eigener und waffenmäßiger Lageänderungsparameter eingespiegelt werden.
- "Genau wie im Computerspiel..."
Der Pilot hat so jederzeit alle wichtigen Anzeigewerte jederzeit im Blickfeld und muß nicht erst auf seine Instrumente schauen.
...Wenn man mit 2000 km/h durch eine geschlossene Ortschaft fliegt, kann man eben nicht mehr auf den Tacho schauen. - Man muß sich konzentriern, um kein Stopschild zu übersehen.;-)
Diese sehr komplexen Anlagen kann ich hier allerdings leider nicht darstellen, da es wohl unmöglich sein wird, einmal ein "Belegexemplar" zur eingehenden "Erprobung" in die Finger zu bekommen.

Beispiele für einfache Reflexvisiere sind das K-10-T für das schwere 12,7 mm Maschinengewehr DshKM, und das WK-4, das ich zur Zeit noch keiner Waffe zuordnen kann.
 
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