| Das militärische Winkelmaß "Strich" |
Da die Rechnerei mit Altgrad, Minuten und Sekunden oder Neugrad und
Centigon für den militärischen Gebrauch oft zu genau und viel
zu schwierig zu handhaben ist, bedient man sich dort eines "eigenen" Winkelmaßes:
"Strich" oder "Mil-Strich".
Einer Einheit soll etwa die Länge 1 m in 1000 m Entfernung entsprechen.
Während in den Ländern des ehemaligen Ostblocks traditionell der artilleristische Vollkreis in 6000 Strich aufgeteilt war, verwendete man "im Westen" genauso traditionell den artilleristischen Vollkreis mit 6400 Strich.
Aber was ist nun ein Strich?
Ein Kreis mit einem Radius von 1000 m hat einen Umfang von (2 x Pi x
R) entspricht 6280 m.
- Zugegeben: Etwas unpraktisch.
Vor allem wenn man mit diesen Zahlen dann im Gefechtswirrwarr auch
noch in rechtwinkligen Koordinatensystemen herumdoktern muß. Da bietet
es sich an, die nächst runde Zahl zu nehmen, die durch 4 teilbar ist.
Tja: Was für ein Zufall: das wären 6000 oder 6400!
Wenn man nun vereinfacht davon ausgeht, daß der Umfang des Kreises
der Summe der Sehnen der 6000stel oder 6400stel entspricht (Jedenfalls
in für artilleristische Zwecke hinreichender Form), kann man mit dieser
Konvention schon etwas anfangen: 6280:6000=1,047; 6280:6400=0,982
- heißt: 1 Strich, ob Ost, ob West, entspricht etwa einem Meter auf
1000 m. Der Unterschied zwischen Ost und West beträgt 6,5 cm auf 1000
m je Strich. Damit hat man einen gut rechenbaren Anhaltswert für allerlei
geometrische Berechnungen.
Die Berechnungen, die für uns hier sehr interessant sind, sind die mit den sogenannten Strichplatten, deren Vorhandensein in einem optischen Instrument regelmäßig auf dessen militärische Verwendung hindeutet.
Man nutzt die Strichplatte zum Ermitteln von Entfernungen. Dazu bedient
man sich der Formel:
Bekannte Größe mal Tausend durch
abgelesene Strichzahl.
Und man hat die Distanz.
Beispiel: Ein LKW ist regelmäßig (Laut StvZO: Höchstens)
2,5 m breit.
Er erscheint auf der Strichplatte so groß, daß man ihn
genau mit zwei großen Teilstrichen einfangen kann.
Meldemäßig hieße das : "0-10" sprich: Null-Zehn.
1000 mal 2,5 sind 2500; durch 10 sind 250 m.
Der LKW ist also 250 m entfernt.
Man merke sich also, daß Wegplatten 50 cm Kantenlänge
haben - und wie lang und breit ein Golf ist...
Dann hat man eigentlich immer und überall einen
Bezugswert zur Stelle ;-)
Die mit einer notwendigen Umrüstung verbundenen Kosten mögen
wohl das entscheidende Kriterium dafür gewesen sein, daß zahlreiche
Waffensysteme der ehemaligen NVA in der Bundeswehr nicht mehr verwendet
werden konnten und großteils sinnlos - auch noch mit erheblichem
Kostenaufwand - vernichtet wurden.
Aber für solchen Unsinn ist unser Land ja bekannt - man merkt
es gerade wieder am Handling der BSE-Krise.
Was ich da hörte: Die Zielfernrohre für die Panzerfaust RPG-7
sollen mit einem Kostenaufwand von DM 3,-- pro Stück nach "Glas" und
"Metall" getrennt worden sein.
Ich bin mir indes sicher: Jeder, der auch überhaupt nicht mit
solchen Optiken zu tun hat, hätte auf einem Flohmarkt mindestens DM5,--
dafür ausgegeben...
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