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Erstmal möchte ich ein paar weit verbreitete Irrtümer aufklären:

Viele haben Angst vor möglichen Folgeschäden bei der Knochenmarkspende, da vermeintlich im Rücken bzw. der Wirbelsäule hantiert wird. Knochenmark hat aber nichts mit Rückenmark zu tun, es wird lediglich etwas Flüssigkeit aus dem Beckenknochen entnommen. Meist werden die Stammzellen heute sogar einfach aus dem peripheren Blut gefiltert (siehe unten).

Auch hat die mögliche Übereinstimmung von Patient und Spender nichts mit der Blutgruppe zu tun. Ich zum Beispiel habe jetzt eine andere Blutgruppe als vorher, die des Spenders.

Warum sollte man sich als Spender registrieren lassen?

Pro Jahr erkranken mehrere tausend Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie zum Beispiel Leukämie. Einem Teil der Patienten kann mit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie geholfen werden, für viele ist die Übertragung von Stammzellen jedoch die einzige Möglichkeit auf Heilung. Zunächst wird für eine Übertragung von Stammzellen ein passender Spender im Familienkreis gesucht, da dort die Chance einer guten Übereinstimmung der Gewebemerkmale am größten ist. Dennoch findet man nur für ca. ein Drittel der Patienten ein gewebeverträgliches Familienmitglied.

Dann besteht die einzige Möglichkeit in der Suche nach einem nicht verwandten, freiwilligen Knochenmarkspender mit passenden Gewebemerkmalen. Weltweit gibt es in den Datenbanken ca. 9,5 Mio freiwillige Spender, davon ungefähr 1,5 Mio in Deutschland. Es gibt jedoch eine so enorme Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung bei nicht verwandten Personen sehr gering ist. Je größer die Zahl der potentiellen Spender also ist, desto größer ist die Chance einen geeigneten Spender zu finden. Diese Suche ist mit der Suche nach einem genetischen Zwilling vergleichbar.

-> Jeder vierte bedürftige Leukämiepatient findet keinen passenden Spender.


Wer kann sich registrieren lassen?

Alle gesunden Personen zwischen 18 und 55 Jahren können sich als Stammzellspender registrieren lassen. Es dürfen keine schweren Erkrankungen vorliegen, mögliche Ausschlussgründe sind zum Beispiel: starkes Übergewicht, Rheuma, Diabetes, schwere Erkrankungen von Herz, Lunge, Niere oder anderen Organen, Krebserkrankungen (auch ausgeheilt) etc. Genauere Infos hierzu erhält man z.B. bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS)


Wo und wie kann man sich registrieren lassen?

Neben einem Röhrchen Blut ist zunächst nur das Ausfüllen und unterschreiben einer Einverständniserklärung notwendig. Schon ist man als möglicher Spender registriert. Die Einverständniserklärung kann später noch widerrufen werden.
In Deutschland gibt es einige verschiedene Organisationen (z.B. DKMS, Rotes Kreuz, Stefan- Morsch-Stiftung) bei denen man sich typisieren lassen kann. Die Daten werden von diesen anonymisiert (Spendernummer + Gewebemerkmale) an die zentrale deutsche Datei (ZKRD) weitergegeben. Daher reicht eine Registrierung bei einer Organisation völlig aus.

Um sich als Stammzellspender registrieren zu lassen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Als sogenannter Briefspender kann man die Unterlagen und Blutentnahmeröhrchen zum Beispiel bei der DKMS anfordern. Nach der Blutentnahme z. B. beim Hausarzt werden Blutröhrchen + Einverständniserklärung dann wieder zurückgeschickt, dort im Labor untersucht und die Daten registriert.
  2. Bei bestimmten Aktionen/Spendenaufrufen (in der Presse oder auf www.dkms.de)
  3. Beim Blutspendetermin beim DRK ist häufig auch eine Registrierung möglich. Es wird dann ein Röhrchen mehr (ca. 5ml) abgenommen. Einfach dort bei den Ärzten oder Helfern nachfragen.

Die Registrierung bzw. die Blutuntersuchung kostet ca. 50 Euro, die leider nicht von der Krankenkasse o.ä. übernommen werden, da niemand weiß, ob oder wann ein registrierter Spender tatsächlich für eine Spende in Frage kommt. Daher ist man auf Geldspenden angewiesen. Es ist also erwünscht, dass der neue Spender die Kosten seiner Registrierung (zumindest teilweise) selbst übernimmt, es ist jedoch kein Muss.
Die entstehenden Kosten für Untersuchungen, eventuellen Krankenhausaufenthalt, Verdienstausfall, Reisekosten und so weiter übernimmt die Krankenkasse.

Was passiert bei einer Übereinstimmung?

Sollte irgendwann einmal der Fall eintreten, dass die Übereinstimmung zwischen den Befunden eines Patienten und den registrierten Werten festgestellt wird, so wird der entsprechende Spender angeschrieben und zu einer erneuten Blutentnahme gebeten. Nun wird eine noch genauere Gewebetypisierung vorgenommen. Bis hierher kann der potentielle Spender es sich noch anders überlegen und die Einverständiserklärung widerrufen.
Sind alle Vorraussetzungen erfüllt, beginnt für den Patienten die sog. Konditionierungsphase, in der das kranke Knochenmark durch eine hochdosierte Chemotherapie und/oder Ganzkörperbestrahlung zerstört wird. Danach muss schnell eine Transplantation folgen und ein Rückzieher des Spenders könnte jetzt fatale Folgen haben.


Wie läuft die Spende ab?

Es gibt zwei Möglichkeiten für die Stammzellentnahme. Die beiden Verfahren unterscheiden sich in der Art und Weise, wie die Stammzellen entnommen werden. Welches Verfahren angewendet wird, richtet sich nach den Belangen des Patienten (Art der Krankheit, Alter, Allgemeinzustand...), nach Möglichkeit wird aber auch auf die Wünsche des Spenders Rücksicht genommen.

  1. Entnahme von Knochenmark
    Knochenmark hat nichts mit Rückenmark zu tun! Dem Spender wird das Knochenmark unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen. Dabei genügen einige Einstiche im Bereich des hinteren Beckenknochens. Diese entnommene Menge an Knochenmark, ist nach zwei Wochen wieder vollständig nachgebildet. In der Regel wird der Spender einen Tag vor der Entnahme ins Krankenhaus aufgenommen, bleibt zur Beobachtung noch die Nacht nach der Entnahme im Krankenhaus und kann üblicherweise am nächsten Tag nach Hause entlassen werden. Das Risiko ist für den Spender sehr gering (übliches Narkoserisiko).
  2. Entnahme der Stammzellen aus dem Blut
    Dieses Verfahren wird heute in den meisten Fällen angewendet. Hierbei wird dem Spender über fünf Tage ein körpereigener, hormonähnlicher Stoff (G-CSF) gespritzt (zum Beispiel beim Hausarzt). Dieser Stoff bewirkt, dass die Stammzellen, die hauptsächlich im Knochenmark vorkommen, vermehrt ins Blut ausgeschwemmt werden. Das ist ein natürlicher Vorgang, wie er auch im Körper bei Infektionen festgestellt werden kann. Nach dieser Vorbehandlung werden die Stammzellen in der Entnahmeklinik über ein spezielles Verfahren, die Apherese, entnommen. Das Blut fließt durch einen Zellseparator, in dem die Stammzellen ausgefiltert werden und wird dann über einen zweiten Zugang in den Körper zurückgeleitet. Das dauert in der Regel drei bis vier Stunden. Der
    Spender muss nicht stationär aufgenommen werden und kann nach der Spende wieder nach Hause. Während der fünftägigen Gabe des Medikaments vor der Entnahme können grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen auftreten (kann bei Bedarf mit leichten Schmerzmitteln behandelt werden).


Eine Stammzellspende ist also für den Spender nichts Schlimmes, für viele Patienten jedoch die einzige Heilungschance.

Mehr Informationen gibts unter www.dkms.de,
bei Fragen könnt ihr mir aber auch gern mailen.