ORIGINALTITEL:: World Without End, Book II
AUTOR: Rachel Anton
E-MAIL: RAnton1013@aol.com
ÜBERSETZUNG: Kristin (tini243@crosswinds.net )
RATING: NC-17
SPOILERS: Einige für den Mythologie Handlungsbogen. Keine besonderen, die mir einfallen würden.
DISCLAIMER: Alle Charaktere, die du wiedererkennst gehören nicht mir.
Autorenbemerkung: Diese Story ist die zweite in einer Serie von drei Büchern. Es ist wahrscheinlich eine gute Idee das erste Buch erst zu lesen, bevor man das hier liest. Du kannst es auf meiner Page finden.
http://members.aol.com/ranton1013/page/index.htm
Anmerkung des Übersetzers: Oder auf dieser Seite in der deutschen Übersetzung.
WORLD WITHOUT END
Zweiter Band
Ich bin weit mit meinem neuen Master gereist. Ich war noch nie so weit vom Haupthaus entfernt gewesen. Diese Wochen des Herumreisens waren die eigenartigsten meines Lebens. Zumindestens so weit ich mich erinnern kann.
Mein alter Master war ein Freund von dem, den sie Jeffrey nennen. Der, der mich aus der Zeit vorher zu kennen scheint. Derjenige, dessen Augen mir so vertraut vorkommen.
Vor vielen Wochen kam Jeffrey in das große Haus. Er sprach viele Stunden hinter verschlossenen Türen mit meinem Master. Als sie rauskamen sagte mir Jeffrey, dass wir einen Ausflug machen. Dass ich einen neuen Master bekommen würde.
Ich verstand nicht den Sinn eines ‚Ausflugs', aber als ich an diesem Abend schlafen ging, fühlte ich etwas in mir schwingen. Etwas, das ich nicht definieren konnte, das mir aber sehr bekannt vor kam. Ich denke die Auserwählten nennen es Aufregung.
Am nächsten Tag brachte mich Jeffrey aus dem großen Haus weg. Er brachte mich in die Stadt zu einem sehr großen Haus. Dort traf ich meinen neuen Master. Den, den sie Mulder nannten.
Den, den ich Mulder nenne.
Ich wollte ihn Master nennen, aber er befahl mir, das nicht zu tun. Ich habe allerdings noch Probleme damit, immer daran zu denken.
Master Mulder brachte mich in ein Auto und fuhr mit mir aus der Stadt weg. Der Mann an der Brücke stoppte uns und Master Mulder sagte ihm, dass er mich in den Norden bringt, in eine andere Kolonie.
Als wir dann über der Brücke waren sagte er zu mir, "Das war eine Lüge. Du kommst nicht in eine andere Kolonie. Du wirst frei sein."
Ich fragte ihn, was frei denn bedeutet. Er sagte es bedeutet, dass man tun kann, was immer man möchte. Ich fragte ihn was ich möchte aber darauf wusste er keine Antwort.
Wir sind viele, viele Tage gemeinsam gefahren. Ich habe den Überblick darüber verloren, wie viele Tage. Wir sind an vielen Kontrollpunkten vorbeigekommen und an jedem gab mein neuer Master den Männern eine Karte und einige Papiere und die Männer ließen uns durch. Wir haben jeden Tag an einem anderen Ort gegessen. Ich habe noch nie woanders als in der Küche des großen Hauses gegessen. Master Mulder hat Karten für uns und wir zeigen diese den Leuten in den Restaurants der Kolonien, durch die wir durchfahren und dann lassen sie uns dort essen. Sie lassen uns auch Benzin in unser Auto füllen. Diese Karten scheinen etwas sehr nützliches zu sein, aber jedes Mal, wenn Master Mulder sie benutzt, schaut er sich ganz nervös um und kaut auf seiner Lippe.
Master Mulder sagte mir, dass er mich aus der Zeit vorher kennt. Ich sagte ihm, dass ich mich daran nicht erinnern kann. Er hat danach nicht mehr sehr viel mit mir gesprochen. Er scheint allgemein nicht sehr viel zu reden.
Unsere Reise brachte uns an einen leeren Platz, wo früher ein Gebäude war. Master Mulder lief herum und suchte nach ‚Hinweisen' und ich saß im Auto. Er fand keine Hinweise und nach vielen Stunden entschied er, dass wir den Platz verlassen und durch den Wald laufen sollten. Wir liefen sehr lange. Vor einigen Stunden hatte Master Mulder mir gesagt, dass wir vielleicht kehrt machen und zum Auto zurücklaufen sollten. Er hat gegen einen Stein getreten und ein Schimpfwort gesagt. Da kamen die Männer.
Die Männer hatten Waffen. Sie sagten, dass wir uns auf ihrem Eigentum befinden würden und uns erklären sollten. Master Mulder fragte die Männer, wer sie sind. Dann schlugen die Männer ihn. Sie zogen eine schwarze Haube über seinen Kopf und hielten eine Art Waffe in seinen Rücken.
Sie zogen auch eine Haube über meinen Kopf und führten uns durch den Wald. Wir marschierten einige Minuten. Sie brachten uns nach drinnen und führten uns in einen Raum. Sie setzten uns hin und banden uns am Stuhl fest. Ich denke, dass wir mehr als eine Stunde hier waren.
Ich kann Master Mulder neben mir hören. Er atmet sehr heftig und alle paar Minuten schreit er "Scully!". Er sagt das Wort oft. Ich denke, dass wir hier sind, um einen Scully zu finden. Die Männer sagen ihm immer wieder, dass er die Klappe halten soll, aber er tut es nicht.
Ich höre eine Bewegung. Ich höre eine Tür aufgehen, zugehen und Leute umherlaufen. Ich höre Stimmen.
"Wo habt ihr sie gefunden?"
"In der Südecke des Nadelwaldes."
"Was haben sie gemacht?"
"Sie sind nur herumgelaufen."
Plötzlich verschwindet die Dunkelheit über meinen Augen. Jemand hat mir die Haube abgenommen.
Das Licht ist so hell, dass ich einige Sekunden nichts weiter als weiß sehen kann.
Langsam kann ich den Raum klarer erkennen. Die Wände sind aus weißem Beton. Der Boden besteht aus weißen Fliesen mit blauen Punkten. Es gibt eine sehr alt aussehende Couch, die neben einem großen, eigenartig aussehenden Kasten steht, der vorn ein Glaspaneel hat. Ich sitze auf einem Klappstuhl vor einem grünen Tisch auf den weiße Linien gemalt sind. Ich denke, dass die Leute früher so was wie Ping-Pong auf dieser Art Tische gespielt haben. Die Männer aus dem Wald sind hier. Sie stehen mit ihren Waffen in den Ecken des Raumes. Und da sind auch noch andere.
Eine Frau. Die einzige Frau außer mir in diesem Raum. Sie muss eine Sklavin sein. Es gibt in jeder Kolonie höchstens zwei Frauen, die Herrinnen sind. Der Rest sind Sklavinnen. Sicher ist es uns jetzt noch nicht erlaubt, die Herrin zu sehen. Aber sie steht eigenartig für eine Sklavin da. Sie steht sehr gerade und aufrecht da. Ihre Kleidung ist abgetragen und schäbig und es scheint, dass jeder in dieser Kolonie so gekleidet ist. Es muss eine unterprivilegierte Gruppe sein.
Da ist noch ein anderer Mann. Derjenige, der die beiden befragt, die uns gefunden haben. Er muss der höchste Master dieser Kolonie sein.
Er ist derjenige, der meine Haube abgenommen hat. Er steht vor mir und blinzelt. Dann kniet er sich vor mich. Er sieht mein Gesicht aus der Nähe an.
"Marita?"
"Was...was tust du hier?"
"Ich bin mit meinem Master hergekommen. Bist du jetzt mein neuer Master?"
Der Mann steht wieder auf und fährt sich mit den Händen durch die Haare. Dann schleudert er meine Haube auf den Ping-Pong Tisch und macht ein seltsames Geräusch.
Er sieht die Frau an und die Frau sieht Master Mulder an.
"Dein Master, ja?" sagt er und wendet sich Master Mulder zu.
Er greift nach Master Mulders Haube, hört dann aber auf. Er dreht sich wieder zu der Frau, aber sie sieht es nicht. Sie starrt immer noch Master Mulder an.
Er schluckt und schließt seine Augen. Dann zieht er Master Mulder die Haube vom Kopf.
Die Frau schnappt sehr laut nach Luft und legt ihre Hand über ihren Mund. Sie geht rückwärts bis sie irgendwann an die Wand stößt. Es ist sehr interessant, dem zuzusehen. Ich habe niemals einen Sklaven gesehen, der sich so verhalten hätte.
Der Mann sieht nur Master Mulder an. Er scheint sehr wütend zu sein. Die meisten Master sind die meiste Zeit wütend.
"Scully!" sagt Master Mulder wieder und dieses Mal sieht er direkt die Sklavin an. In ihren Augen sammelt sich Flüssigkeit und sie schüttelt ihren Kopf. Er versucht aufzustehen, aber er ist angebunden und kommt nicht sehr weit. Dann stößt ihn der andere Master wieder auf seinen Sitz zurück.
"Setz dich", sagt er. Er muss ein sehr hoher Master sein, wenn er Master Mulder sagen kann, was er tun soll. Master Mulder sieht allerdings auch sehr wütend aus. Er starrt den anderen Master an und versucht sich aus dem Stuhl zu befreien.
"Nettes Fleckchen hast du hier, Krycek. Ich mag die Schläger. Sehr stilvoll."
Niemand bewegt sich oder sagt etwas für eine Minute, die selbst mir extrem lang vorkommt. Dann zuckt das Gesicht des anderen Masters und die Frau sagt "Alex" und dann schlägt er Master Mulder mit seiner Faust ins Gesicht.
"Nein!" schreit die Frau und rennt zu ihm. Blut fließt aus der Nase von Master Mulder und färbt die Hand des anderen Masters schwarz. Die Frau hört auf zu laufen, als sie das sieht und starrt Master Mulder an.
"Scully", sagt er.
Der andere Master, ich nehme an es ist Master Alex, sieht auch auf das Blut und dann schüttelt er seine Hand als würde er versuchen, es von seiner Haut abzubekommen.
Es kommt jetzt viel mehr Flüssigkeit aus den Augen der Frau und ihr Mund öffnet und schließt sich mehrmals. Sie macht Geräusche, als wenn sie Schmerzen hätte. Master Mulder sagt schon wieder "Scully",, aber das scheint nur zu ihrem Leid beizutragen. Ich verstehe den Grund ihres Schmerzes nicht. Sie wird nicht geschlagen, aber sie verhält sich so, als wenn es so wäre. Sie ist die eigenartigste Sklavin, die ich je gesehen habe.
"Bring sie hier raus", sagt Master Alex zu einem sehr großen Mann mit blonden Haaren. Der Mann nimmt die eigenartige rothaarige Frau am Arm und führt sie aus dem Raum. Sie zittert während sie läuft.
"Sie auch", sagt Master Alex zu einem anderen Mann und zeigt auf mich. Ich tue wie mir befohlen, da es sowohl der Wunsch von Master Alex als auch der von Master Mulder zu sein scheint.
Wir gehen in einen weniger hell erleuchteten Flur und ein paar Schritte weiter sehe ich die Frau, die hin und her läuft, Arme über der Brust verschränkt. Der große Mann sitzt auf einer Bank neben ihr. Als sie uns sieht, kommt sie auf mich zu.
"Wer bist du?" fragt sie mich.
"Man nennt mich drei null acht."
Sie sieht Richtung Himmel und dann wieder zu mir.
"Hör zu, ich nehme dir das nicht ab. Nichts davon. Wer bist du wirklich? Und wer ist das...wer ist das?"
"Ich bin drei null acht und der mit dem ich herkam wird Master Mulder genannt."
"Master..." Sie schüttelt ihren Kopf. "Hör einfach damit auf. Das ist...das ist er nicht und...und diese kleine Sklavennummer, die du da spielst zieht bei mir nicht. Wer zur Hölle seid ihr beide und was macht ihr hier?"
Sie schreit jetzt. Ich bin noch nie von einem anderen Sklaven angeschrieen worden. Ich verstehe das überhaupt nicht.
"Ich weiß nicht, warum wir hier sind. Ich denke wir sind hier, um nach einem Scully zu suchen."
***************
Gott, Scully. Es tut mir so Leid. Ich wollte nicht, dass du es so herausfindest. Ich wollte nicht, dass es so ist.
"Wer bist du?"
Ich denke, er hat mich das schon ein paar Mal gefragt. Ich glaube es nicht. Was zum Teufel denkt er, wer er ist? Versteht er nicht, was ich durchmachen musste, um hierher zu kommen?
"Verdammt, Krycek."
Ich winde mich in den Fesseln um meine Hand- und Fußgelenke, aber wer immer diese verdammten Dinger festgeknotet hat, war ein verdammt guter Pfadfinder.
"Wer bist du? Was tust du hier?"
Er merkt, was ich zu tun versuche und entsichert die Waffe, die er auf mich gerichtet hat.
"Was willst du?"
"Ich habe es gesagt. Ich wollte nur zu Scully. Das ist alles."
Er schüttelt seinen Kopf.
"Nein. Keine Chance. Nicht, solange ich nicht weiß, wer ... was du verdammt noch mal bist."
Gottverdammt. Ich will mich diesem Bastard gegenüber nicht erklären müssen. Wenn ich nur mit Scully reden könnte. Sie würde es wissen. Sie würde es verstehen.
Aber aus irgendeinem Grund scheint es, dass Krycek im Moment das größte Hindernis zwischen mir und ihr ist, und der einzige Weg, an ihm vorbei zu kommen scheint zu sein, ihm zu sagen, was er wissen will.
Mein Gott, sie sah so schön aus. Und so unglücklich, so verwirrt. Wegen mir. Wegen dem, was ich bin.
"Ich bin Mulder, Krycek. Egal ob du es glaubst, oder nicht. Offen gesagt ist es mir egal, ob du es tust."
"Das ... das ergibt keinen Sinn", stammelt er.
"Was weißt du über den Umwandlungsprozess", frage ich. Krycek lacht kurz auf. Dann kommt er auf mich zu, bis er direkt vor mir steht.
"Nein. Das ist Quatsch. Mulder würde nicht ... hätte nicht ..."
Er greift nach meinem Gesicht und wischt mit seinen Fingern etwas von dem dicken, öligen Blut unter meiner Nase ab.
"Mulder hätte niemals das hier gewählt", sagt er, indem er mir das Zeug vor die Augen hält und es dann angewidert an den Tisch schmiert.
"Außerdem ist Mulder tot. Sie sah ihn sterben. Ich sah die Bilder, ich habe die Berichte gelesen. Er ist tot. Du bist nicht er. Du bist nicht Mulder."
"Weswegen glaubst du, dass ein Mensch die Wahl hat?"
"Jeder hat die Wahl. Jeder hat in einer gewissen Weise die Wahl. Der Mulder, den ich kenne, hätte sich eher selbst umgebracht, als einer von denen zu werden."
Der Mulder, den er kannte? Er sagt das, als wenn er mich überhaupt gekannt hätte. Allerdings hat mich dieser Kommentar ziemlich getroffen. Ich mag mir nicht ausgesucht haben, wozu ich geworden bin, aber ich habe verschiedene Entscheidungen getroffen. Verschiedene, dumme Entscheidungen. Entscheidungen, die ich mir niemals werde vergeben können, bis ich mit Scully reden konnte und weiß, dass sie in Ordnung ist. Dass sie mir vergibt.
"Ich habe es mir nicht ausgesucht, dazu gemacht zu werden, Krycek. Nicht mehr, als ein Sklave sich aussuchen konnte, zu einem Sklaven zu werden. Es ist mir passiert. Das ist es, was du auf den Bildern gesehen hast. Was Scully gesehen hat. Das Ding, das aus mir raus kam ... das war der Umwandlungsprozess. Kein Tod. Wiedergeburt. Irgend etwas wurde in mir platziert und lebte dort, wurde ausgetragen, bis zu dem Zeitpunkt, als es geboren wurde. Als es aus meinem Bauch herausbrach, war das der Geburtsprozess und danach ... wurde es wieder zu mir selbst. Der Mensch, den du jetzt siehst, ist Fox Mulder. Die gleichen Gefühle, Erfahrungen, Erinnerungen. Der einzige Unterschied ist physiologisch."
Er starrt mich einfach in seiner Neandertaler Weise an und setzt sich dann mir gegenüber auf einen Stuhl.
"Nein, auf diese Weise passiert es nicht. Du lügst."
"Es passiert auf diese Weise nicht jedem. Nur denen, die nicht wählen. Denen, die ausgewählt wurden. Deswegen der Name 'Die Auserwählten'."
"Warum habe ich nie davon gehört? Warum habe ich es nie vorher gesehen?"
"Ich weiß es nicht. Vielleicht musst du mehr raus gehen."
"Wie viel Zeit haben wir?"
"Bis was?"
"Bis deine anderen alienblütigen Freunde dir folgen und uns finden?"
"Das werden sie nicht. Ich wollte nicht gefunden werden. Ich habe Vorsichtsmassnahmen getroffen, damit das nicht passiert. Alles, was ich will, ist Scully zu sehen. Das ist der einzige Grund, aus dem ich hier bin. Wenn du mich nur mit ihr reden lässt ..."
Er schüttelt seine Kopf und lacht. Allerdings ist es kein fröhlicher Klang. Es ist ein bitteres Lachen. Ein ärgerliches Lachen.
"Du willst Scully sehen, ja? Vielleicht hättest du daran vor fünf oder sechs Jahren denken sollen."
"Schau, du weißt nicht ... du verstehst nicht. Ich habe getan, was ich tun musste. Ich muss es ihr sagen. Ich muss es erklären..."
"Was erklären? Dass du ein Verräter bist? Ein Mutant? Dass du sie verkauft hast, damit du deine Ruhe hast?"
"Verdammt, so war es nicht!"
Oh Gott, ich hätte nicht gedacht, dass ich diesem Mann noch mehr hassen könnte, als zuvor, aber er übertrifft meine Erwartungen.
"Hast du überhaupt eine Vorstellung davon, was sie in den letzten sechs Jahren für eine Hölle durchgemacht hat? Macht es dir überhaupt etwas aus?"
"Na...natürlich macht es mir etwas aus, Krycek."
Die Frage ist, warum zur Hölle macht es ihm so viel aus? Warum geht ihn das überhaupt etwas an?
"Hör zu, sie scheint gesund zu sein, sie scheint ... ich denke es ist gut, dass du sie gefunden hast. Es wurde sich scheinbar gut um sie gekümmert und ich bin dir dafür dankbar aber ... aber sie gehört hier nicht her, Krycek. Zumindest nicht, wenn es um ihre Gesundheit geht. Ohne diesen Chip wird sie ... sie könnte jederzeit einen Rückfall erleiden. Sie muss dorthin, wo man sie heilen kann, wo ..."
"NEIN! So funktioniert es nicht", schreit er und er ist wieder auf seine Füßen uns sieht so aus, als wollte er mich wieder schlagen.
"Ich bin keine verdammte Gepäckabgabestelle hier, Mulder. Du kannst sie nicht einfach vor sechs Jahren hier abgeben und dann wieder hier hereintanzen, als ob sich nichts geändert hätte und sie wieder hier auflesen und mitnehmen. Du denkst, dass das so funktioniert? Nur weil du DENKST, dass du sie mehr liebst, als irgend jemand sonst einen anderen lieben könnte?"
Er hat die Mündung seiner Waffe auf meinen Brustkorb gedrückt und brüllt mir ins Gesicht. Irgendwie ist das alles sehr merkwürdig, gruselig.
"Sieh mal, Krycek, ich weiß, dass ihr alle eine Menge durchgemacht habt..."
Gott ist mein Zeuge, sie sehen furchtbar aus. Wie ich sagte gesund, aber trotzdem abgerissen.
"Du weißt einen Scheißdreck darüber, was wir durchgemacht haben. Versuch erst gar nicht so zu tun, als würdest du es verstehen oder als würde es dich kümmern", flüstert er finster.
"Sieh mal, wenn du mich einfach mit ihr reden lassen würdest könnten wir uns sicher einig werden."
Er sieht mich mit mehr Ekel und Hass an, als ich jemals bei ihm gesehen habe. Und das will wirklich was heißen. Dann spuckt er mir ins Gesicht.
"Zur Hölle mit dir", knurrt er und verlässt den Raum. Er lässt mich mit seinen Schlägern allein.
Als er aus der Tür geht, rufe ich nach Scully und hoffe, dass sie noch in Hörweite ist. Ich brülle aus Leibeskräften.
Niemand antwortet mir.
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Als ich Dana Scully das erste Mal traf, war ich fünfundzwanzig Jahre alt. Mit leuchtenden Augen und dem Kopf voller Unsinn, sicher, dass ich auf der 'richtigen Seite' stand, bevor ich bemerkte, dass die einzige Seite die zählt deine eigene ist. Mein Auftrag bestand zuerst nur daraus, sie auszuspionieren, herauszufinden, an welchen subversiven Aktivitäten sie sich beteiligten. Ich habe meinen Job gemacht und ich habe ihn gut gemacht. Zu gut.
Ich erinnere mich daran, wie sie damals waren. Ich erinnere mich daran, wie die beiden in leisem Ton miteinander geredet haben, nur miteinander, selbst wenn sie allein waren. Ich erinnere mich daran, dass mich ihre abweisende Haltung mir gegenüber genervt hat. Ich erinnere mich daran, die Verbindung zwischen den beiden gespürt zu haben. Ich erinnere mich daran, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte mich ebenso gut auf einem anderen Planeten befinden, wenn es nach ihnen ginge. Ich erinnere mich daran das Gefühl zu haben, als würde ich etwas privates, fast sexuelles beobachten, wenn die beiden miteinander sprachen. Ich erinnere mich daran, dass mir das ziemlich egal war.
Als ich die Haube von diesem...diesem Ding dort runterzog, als die beiden sich ansahen, war es das gleiche. Die verdammte gleiche Sache wieder von vorn. Nur dieses Mal war es mir nicht egal. Dieses Mal, als die Wände zwischen ihnen und dem Rest der Welt hochgingen und ich auf der Seite mit jedem anderen war, machte es mir etwas aus. Es machte mir so viel aus, dass ich ihn schlug. Als wenn das etwas ändern würde.
Nun ist also die Frage, wenn es geht wie ein Mulder, redet wie ein Mulder, sich verhält wie ein verdammter Mulder, heißt das, es ist ein Mulder?
Gott weiß, dass dieser arrogante, unausstehliche Hurensohn auf mich die selbe Wirkung hat, wie es ein Mulder gehabt hätte. Allein in seiner Gegenwart zu sein hat in mir so viele widersprüchliche und verdrehte Gefühle ausgelöst, dass ich dachte ich müsste mich davon übergeben. All die Gefühle der Unzulänglichkeit, der Eifersucht, der Wut und der Frustration flossen durch meine Seele wie Wasser durch eine alte rostige Leitung, die jemand angestellt hat, nach dem sie jahrelang abgestellt war.
Dieser Mann macht mich zu jemandem, den ich nicht besonders mag.
Aber mal ehrlich, was für einen Empfang hat er erwartet? Einen roten Teppich und eine Empfangskapelle? Himmel Herrgott. Wie hätte ich reagieren sollen? Soweit ich weiß ist er ein verdammter Spion.
Alles was ich weiß ist, dass ich ihn im Moment nicht ertragen kann. Ich kann es einfach nicht.
"Djewotschka?"
Das Zimmer ist dunkel doch es fällt bereits Licht durch die Fenster. Es dämmert schon. Ich habe fast die ganze Nacht damit verbracht, auf dem Campus herumzulaufen und nach Dana zu suchen.
Als ich das Mulder-ähnliche Ding verließ, fand ich Brian in der Vorhalle. Er sagte, dass sie ihm gesagt hatte, sie würde nach Hause gehen, dass er sie selbst hingebracht hätte. Aber als ich das erste Mal dorthin zurückkam, war das Zimmer leer.
Meine Panik steigerte sich auf ein beängstigendes Niveau und ich rannte in die Nacht hinaus um sie zu finden. Je länger ich sie nicht fand, desto schlimmer wurde es.
Was wenn das Wiedersehen mit Mulder ihr klargemacht hat, dass sie nicht wirklich hier sein will? Was wenn sie dadurch verrückt wird? Was wenn sie gegangen ist?
Ich bin dem Nervenzusammenbruch momentan selbst ziemlich nahe. Wenn sie immer noch nicht zu Hause ist, weiß ich nicht was ich tun werde.
Ich höre ein leises "Ich bin hier", von der Couch kommen und drehe mich um. Gott sei Dank. Gott sei Dank.
Sie hat sich in der Ecke des Sofas zusammengerollt, die Arme um die Knie gelegt und schaukelt leicht vor und zurück. Sie sieht so klein und verletzt aus. Sie sieht so sehr wie die Frau aus, die sie vor fünf Jahren war, als sie angefangen hatte an Mulders Tod zu glauben, dass es mir den Magen umdreht.
Ich setze mich auf die andere Seite der Couch und möchte sie berühren, aber das erste Mal seit langer Zeit bin ich mir nicht mehr sicher, wie gut diese Geste bei ihr ankommen würde.
Ich räuspere mich und versuche mich zu entscheiden, was zum Teufel ich sagen soll.
"Möchtest du, dass ich deine Haare bürste, Djewotschka?" frage ich schließlich. Ich weiß nicht. Manchmal findet sie es beruhigend. Und mir würde es im Moment unheimlich helfen. Es wäre etwas vertrautes. Etwas zum festhalten.
Aber sie schüttelt ihren Kopf.
"Sollten wir versuchen, ein wenig zu schlafen", schlage ich vor, aber ich sehe als Antwort ein weiteres Kopfschütteln.
"Geh ruhig, ich...ich kann nicht."
Als wenn ich das könnte während ich weiß, dass sie ...so hier draußen sitzt.
"Dana..."
"Ist er es, Alex? Ist er es?"
Ich sage ihr das einzige, was ich kann.
"Ich weiß es nicht, Djewotschka. Ich weiß es nicht."
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Ende Kapitel 1
Kapitel 2
Ich bin mir relativ sicher, dass ich seit drei Tagen hier bin. Es ist schwer zu sagen, weil es hier keine Fenster gibt. Nur drei weiß verputzte Wände und ein Maschendrahtgitter, das mich von dem Rest des Kellers trennt. Es steht ein kleines Bett auf dem Betonboden, es gibt ein Waschbecken und eine Toilette und ich habe einen kleinen, pelzigen Nagetierfreund, den ich Krycek nenne.
Der Bastard selbst war seit dieser ersten Nacht nicht mehr hier unten, um nach mir zu sehen. Der einzige, den ich gesehen habe, ist ein bedrohlich aussehender Wärter, der mir in einigermaßen regelmäßigen Abständen etwas zu Essen und Wasser bringt. Bis jetzt habe ich von ihm sechs Kartoffeln bekommen. Ich denke, dass ich zwei pro Tag bekomme, daher kommt auch die drei-Tage-Vermutung. Er schiebt sie durch die kleine Tür in dem Zaun. Genau wie in einem Frettchen Käfig. Er sagt nichts. Niemals. Ich habe versucht, mit ihm zu reden. Ich habe versucht ihn darum zu bitten, mich hier raus zu lassen, so dass ich sie sehen kann, oder wenigstens Krycek hier herunter zu schicken, damit ich ihn anspucken kann und sehe, wie ihm das gefällt. Aber er reagiert auf nichts von dem, was ich sage oder tue.
Ich habe versucht zu schreien, aber niemand hört mich. Niemand kommt.
Als ich das Öffnen der Tür und Schritte die Treppe herunterkommen höre, nehme ich an, es ist der Kartoffelmann und dass vielleicht ein weiterer Tag vorbeigegangen ist.
Aber die Schritte sind anders. Weicher. Könnte es sein? Ich versuche, mir keine Hoffnung zu machen, aber ich tue es trotzdem. Als ich sie vor meiner Zelle stehen sehe denke ich, dass mich die Isolation vielleicht verrückt gemacht hat. Vielleicht habe ich Halluzinationen.
Ich renne zu dem Gitter und drücke mein Gesicht an den Draht, reiche mit den Fingern durch die Löcher, versuche sie zu berühren um zu sehen, ob sie real ist.
"Sc...Scully?"
Ich merke erst jetzt, als ich ihren Namen sage, wie rau und ausgetrocknet ich klinge.
Sie nickt und sagt sehr leise "Ja",. Sie steht ein Stück weit weg. Aber sie ist hier. Mein Gott, sie ist wirklich hier.
Und ich habe keine Ahnung, was ich zu ihr sagen soll.
"Geht es...geht es dir gut, Scully?"
Sie sieht mich eigenartig an, mit einem Gesichtsausdruck, den ich nicht wiedererkenne, den ich nicht einordnen kann.
"Du...du klingst als könntest du etwas Wasser gebrauchen. Ich bin gleich zurück."
"NEIN!" Mein Hals schmerzt bei der Anstrengung, die das Schreien verursacht, erinnert mich daran, wie dringend ich Wasser brauche, aber ich habe Angst davor, sie aus den Augen zu lassen, jetzt, wo sie hier ist. Was wenn sie niemals zurückkommt?
"Nein, Scully, nur...bleib nur eine Minute."
Sie steht da, mit den Armen schützend vor ihrer Brust verschränkt, Mund zu einer festen, schmalen Linie zusammengepresst, sieht demonstrativ von mir weg und alles was ich tun kann ist sie anzustarren. Sie sieht so unglaublich schön aus. Ich möchte einfach vor ihr auf die Knie fallen und weinen. Allerdings komme ich nicht bis zu ihren Füssen, weil ich in diesem verdammten Käfig bin.
"Es tut ... mir leid. Das hier..." sagt sie und deutet auf meine Umgebung. "Es war mir...es war mir nicht bewusst."
"Das ist, nein, Scully, das ist nicht deine Schuld. Mein Gott, gib dir nicht die Schuld. Es liegt nicht an dir. Das ist mir klar. Er ist es. Er ist ein Bastard, Scully. Das ist..."
Sie zuckt zusammen und schüttelt den Kopf.
"Nein, es ist teilweise meine Schuld. Du hast nicht..."
"Nein, das glaube ich nicht Scully. Das hat nichts mit dir zu tun und alles mit mit mit...IHM."
Sie seufzt und sieht mich endlich direkt an, suchend.
"Auf jeden Fall verhältst du dich wie er", murmelt sie und ich sehe, wie sich eine Träne in ihrem Augenwinkel bildet.
"Ich...was?"
"Wer bist du? Wer bist du wirklich?"
Mein Herz sinkt in meine Schuhe und mein Mund wird völlig trocken.
"Ich...Sc...Scully?" flüstere ich und sie legt ihre Hand auf ihren Mund.
"Weißt du es nicht? Erkennst du mich nicht, Scully? Mein Gott, bitte tu mir das nicht an."
"Ich...ich dachte.."
"Was?"
"Ich sah...ich sah dich sterben! Ich habe es gesehen. Ich habe es gesehen."
Der Schmerz und die Qual in ihren Augen ist fast überwältigend. Es ist fast genug, dass ich am liebsten von ihr wegsehen würde. Oh Gott, Scully, es tut mir so leid.
"Du hast gesehen...was du gesehen hast..." stammle ich und spüre die Erinnerung an einen alten Streit. Hältst du dich immer noch an deine wissenschaftlichen Beobachtungen, Scully? Ist das nach all dem immer noch deine Wahrheit? Ich hoffe es. Aber ich hoffe auch, dass es da noch Spielraum für das Verständnis von dem gibt, was ich bin. Was mit mir geschehen ist.
Ich frage mich, ob du die Ironie hierin erkennen kannst. Ich bin das geworden, dessen Existenz ich die ganze Zeit beweisen wollte. Ganz besonders dir.
"Und...und wenn du nicht gestorben bist, wenn das, was du Alex gesagt hast wahr ist, dann .... dann wo warst du? Wo, wo bist du gewesen, Mulder?"
Jetzt kann ich sie wirklich nicht mehr ansehen. Wie kann ich das erklären? Wie könnte sie das jemals akzeptieren? Wie habe ich nur alles so sehr verderben können?
"Wo?" flüstert sie und kommt näher an die Absperrung zwischen uns heran. Irgendwas in meinem Hinterkopf registriert die Tatsache, dass sie ein weiteres Mal von dem, der mich hier gefangen hält als 'Alex' spricht, aber ich verdränge es, ohne überhaupt erst darüber nachzudenken.
Dann wird mir klar, dass sie ihre Informationen über mich von ihm hat und es somit kein Wunder ist, dass sie nicht weiß, was sie davon halten soll.
Gott allein weiß, was er ihr erzählt hat.
"Warte, warte. Was hat er, was hat 'Alex' dir erzählt?"
"Dass du ihm gesagt hast, dass du umgewandelt wurdest. Gegen deinen Willen. Dass es das war, was ich gesehen habe."
Ich nicke nur, sprachlos vor Schreck, dass das kleine Dreckstück einmal in seinem Leben die Wahrheit gesagt hat.
"Ist es das, was wirklich passiert ist?"
"Ja."
"Also dann, wo...wo warst du, Mulder? Ich meine warum..."
Es gibt tausende unausgesprochene Fragen in diesem einen Wort. Warum, Mulder? Warum? Warum hast du das mit mir geschehen lassen? Warum bist du weg geblieben? Warum?
Ich kann es noch nicht mal mehr ertragen, sie anzusehen, die Fragen zu sehen, die Verwirrung in ihren Augen. Ich drehe mich um und sehe eine Weile die Wand an, atme ein paar Mal tief ein und ringe um die Worte der Erklärung.
"Mulder?"
"Ich äh...als ich aufwachte, nach, ich hatte keine Erinnerung an das, was mit mir passiert war. Ich dachte...ich dachte ich wäre eingeschlafen und hätte ein Nickerchen auf meiner Couch gemacht."
Ich lache ein bisschen und drehe mich wieder zu ihr um in der Hoffnung, wenigstens einen ihrer Mundwinkel ein winzigen Millimeter nach oben gehen zu sehen. Sie hat immer noch die Arme verschränkt und jetzt runzelt sie die Stirn. Es wird schlimmer.
"Äh... jedenfalls stellte sich heraus, dass ich wochenlang weggetreten war. Als ich endlich wieder zu mir kam, sah ich unseren alten Freund Smokey neben meinem Bett. Ich konnte nicht glauben, dass er immer noch lebte, Scully. Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte, dass er vielleicht der Teufel wäre, der gekommen war, um mich in die Hölle mitzunehmen."
Ich suche in ihren Augen nach einem Funken des Verstehens, aber sie ist mir gegenüber so verschlossen.
"Was passierte dann?"
"Äh..dann. Dann sprang ich aus dem Bett in dem ich lag und versuchte den Bastard zu erwürgen."
Sie seufzt ungeduldig und schließt ihre Augen.
"Und danach?"
"Danach fühlte ich einen Stich in meine Arm und verlor wieder das Bewusstsein. Und dann ...dann wachte ich auf und er äh...er sagte mir, was mit mir passiert war. Und...mit dir."
"Mit mir."
"Er sagte mir, dass du eine Sklavin bist."
Ihr Mund geht ein kleines bisschen auf und sie atmet hörbar aus.
"Er...Scully..."
"Du hast es also gewusst. Du hast gewusst, dass ich lebte und dass ich eine Sklavin war."
"Ja", flüstere ich und nehme meinen Kopf so weit wie möglich nach unten.
"Du wusstest...wusstest du, dass ich es gesehen hatte, wusstest du, dass ich dachte, du wärst tot?"
"Er hat mir einen Handel vorgeschlagen, Scully", platze ich heraus, jetzt verzweifelt dazu entschlossen, alles offenzulegen und jeder Art Zorn von ihr gegenüberzutreten.
"Handel?"
"Er sagte mir, dass wenn ich sieben Jahre für ihn arbeite und nicht versuche, dich oder etwas anderes zu finden, wir beide nach den sieben Jahren frei sein würden. Und...und er sagte, dass sie den Chip rausnehmen würden und sie dich heilen würden, so dass du nicht an Krebs erkrankst. Er sagte, sie würden dich umwandeln und du würdest nicht krank werden."
"Sieben Ja...ich hätte sieben Jahre lang Sklavin sein sollen?"
"Ich konnte nicht...er sagte, du würdest den Unterschied nicht bemerken, Scully. Dass es besser für dich wäre."
Ich bemerke, wie absolut lahm das klingt und halte meinen Mund. Mein Gott, wenn ich noch einmal "er sagte" sage, wird mir schlecht.
"Mulder..."
"Scully, ich wollte dich nur wieder sehen können. Ich wollte wissen, dass es dir gut geht und wir wieder zusammen sein können. Ich wusste nicht... ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun sollen. Sie hätten dich sonst getötet!"
"Mulder..." sagt sie wieder und dieses Mal unterdrücke ich meinen Drang, mehr Rechtfertigungen in die Stille hineinzuplappern.
"Mulder, ich wäre lieber tot gewesen, als sieben Jahre lang Sklavin zu sein."
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich nehme an, dass ein Teil von mir wusste, dass das wahr ist, aber ich habe mich nicht darüber nachdenken lassen. Wie hätte ich das tun können?
"Mulder, ich kann es ... einfach ...nicht fassen. Du warst die ganze Zeit am Leben..."
Ich nicke einfach, weil ich nicht sprechen kann. Ich beisse mir auf die Lippen um nicht zu weinen.
"Weißt du was ich...was...mein Gott, Mulder!"
"Ich wusste nicht...ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun sollen."
"Du hättest nein sagen können."
"Scully, sie haben sich um dich gekümmert und...und ich wollte einfach nur wieder mit dir zusammensein können. Ich dachte...ich dachte du würdest das auch wollen."
"Ich wollte das, Mulder. Als ich meine Verstand zurück bekam. Aber damals dachte ich, du wärst tot."
"Ich weiß. Ich...es sollte nicht so sein."
Es sollte so sein, dass ich da bin, wenn sie sich erinnert. Ich hätte den Chip rausnehmen sollen. Ich hätte in der Lage sein sollen ihr zu zeigen, dass ich nicht tot war.
"Nein, ich nehme an, wenn es so gelaufen wäre wie es hätte sein sollen, dann wäre ich jetzt noch Sklavin. Nur noch ein Jahr oder so bis ich 'umgewandelt' worden wäre und ich nehme an, das wäre es dann wert gewesen."
"Es...es tut mir leid, Scully. Ich dachte nur, ich dachte es war die einzige Möglichkeit. Ich dachte ich beschütze dich."
Sie nickt langsam und sieht weg, versucht die Tatsache zu verbergen, dass sie auch weint.
Nach ein paar Momenten schmerzhaften, quälenden Schweigens fragt sie, "Warum hast du ihm vertraut, Mulder? Nach allem?"
"Ich... ich habe nicht...ich wollte nur wieder mir dir zusammensein, Scully. Ich dachte es wäre die einzige Möglichkeit."
Sie ist wieder einen Augenblick lang still und starrt mich an. Ihre Augen werden dunkel und noch kälter.
"Es gibt immer eine andere Möglichkeit", sagt sie mit einer Endgültigkeit, die wie ich annehme das Ende der Unterhaltung signalisiert. Ich weiß sowieso nicht, was ich jetzt noch sagen könnte, um es ihr zu erklären. Außerdem gibt es im Moment wichtiger Dinge zu klären. Wenn wir erst mal einen Ort haben, an dem wir einfach zusammen sein können, können wir die Vergangenheit ausdiskutieren. Ich kann es wieder gut machen. Ich weiß, dass ich das kann.
"Scully, wir können, wir können hier weggehen weißt du. Wir können heute Abend weggehen."
"Mulder..." unterbricht sie mich mit einem Seufzen und schüttelt ihren Kopf.
"Wir können es, Scully. Sag es einfach. Ich kann ... ich kann dich hier herausholen."
"Mich hier ..." sie lächelt endlich und lacht sogar ein kleines, trauriges Lachen. Aber es macht mich nicht glücklich. Ich habe nicht versucht lustig <komisch> zu sein.
"Mulder, ich denke du bist derjenige, der mich braucht, um hier raus zu kommen."
"Naja, okay, aber...ich meine, ich sage nur, dass wir nicht hier bleiben müssen."
"Das ... Mulder, ich werde hier nicht gefangengehalten. Das ist mein Zuhause."
"Dein Zuhause? Hier? Mit...mit, mit IHM?"
"Ja, Mulder, mit ihm und den vier oder fünfhundert anderen Leuten, die hier leben. Ich bin seit fünf Jahren hier. Es ist das einzige Zuhause, das ich kenne."
"Aber, Scully, es ist... es ist KRYCEK!"
Sie verdreht ihre Augen und legt ihre Hände an die Hüften und ich schwöre bei Gott, sie sieht fast beleidigt aus. Ich beginne zu glauben, dass der Bastard selbst ein wenig Gehirnwäsche betrieben hat.
"Mulder, was soll das bedeuten?"
"Was meinst du, was soll das bedeuten? Scully, er...sieh mich an! Er hat mich hier eingesperrt wie ein verdammtes Tier!"
"Mulder, er hat es nicht gewusst. Er wusste nicht, was du bist. Du hättest ein Spion sein können, ein Killer, Gott weiß was. Sieh mal, ich sage ja nicht, dass es angemessen war, so damit umzugehen. Ich entschuldige es nicht aber..."
"Scully! Das ist Blödsinn! Er hat mich hier reingesteckt, weil er mich hasst. Weil er sich dadurch wie ein größerer Mann fühlt."
"Mulder, bitte. Das ist nicht..."
"Warum verteidigst du ihn?"
Ihr Gesicht wird rot und ich kann nicht sagen, ob aus Ärger oder aus Verlegenheit.
"Er war...er ist ein Freund...für mich."
"Ein Freund? Krycek?"
"Mulder er...er hat mir geholfen, eine Menge Dinge durchzustehen. Er...er hat mein Leben gerettet, er hat mich davon abgehalten aufzugeben, davon..."
Sie sieht auf ihre Hände hinunter, die zu einem festen Knoten verschlungen sind und ich folge ihren Blick und bemerke das erste Mal die zwei kleinen Narben an der Innenseite ihrer Handgelenke. Das kann nicht sein, wonach es ....
Oh Gott. Oh, Scully.
"Sc..."
"Das ist ein guter Ort, Mulder. Er tut eine gute Sache. Ich werde den Schlüssel holen und dich hier rauslassen, so dass du entscheiden kannst, ob du hierbleiben willst oder nicht. So weit es mich betrifft bist du willkommen."
Sie dreht sich um, um zu gehen und ich habe das Gefühl, dass diese Unterhaltung viel zu schnell vorbeigegangen ist. Ich bin nicht dazu gekommen, irgend etwas wichtiges zu sagen und ich spüre, dass sie jetzt weiter von mir entfernt ist, als sie es war, bevor wir miteinander gesprochen hatten.
"Scully, warte!"
"Mulder?"
"Ich...ich wollte nur...ich wollte dich fragen...äh..."
Sie dreht sich wieder zu mir um und ihr Körper ist immer noch steif und kalt, aber in ihren Augen schimmert ein wenig Wärme. Ein klitzekleiner Schimmer.
"Denkst du, dass du mir je vergeben wirst, Scully?"
"Ich...ich kann es versuchen, Mulder. Das Ganze wird etwas Zeit brauchen. Wir...wir brauchen etwas Zeit, um uns aneinander zu gewöhnen."
Ich nicke obwohl ich weiß, dass ich diese Zeit nicht brauche. Ich weiß, was ich will. Ich weiß, was wir tun müssen. Mein Gott, ich kann nicht noch mehr Zeit verschwenden.
"Wir können dir ein Zimmer und eine Essenskarte und all das besorgen. Wenn du dich dann entscheidest hier zu bleiben, werden wir für dich eine Aufgabe finden."
"Wirst du mich abends zudecken?"
Sie antwortet nicht, aber ich nehme an ich hatte das nicht erwartet. Es ist ja nicht so, dass sie das früher getan hätte.
"Ich bin gleich zurück."
"Scully, du...du siehst gut aus. Wirklich, wirklich ... du siehst schön aus. Ich habe niemals, niemals wirklich die Chance gehabt... dir das zu sagen."
Sie sieht mich sehr eigenartig und undeutbar an und murmelt "Danke". Dann dreht sie sich um, rennt die Treppen hinauf und weg von mir.
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Ende Kapitel 2
Kapitel 3
"Was meinst du damit, sie hat ihn rausgelassen?"
"Äh, sie, äh ..sie sagte uns, dass Sie seine Freilassung genehmigt hätten, Sir."
Jesus Christus. Was zur Hölle denkt sich diese verrückte Frau? Ich kann es kaum fassen, dass sie die Frechheit hatte, nicht nur einen meiner Männer sondern MICH anzulügen. Mir direkt in mein verdammtes Gesicht zu lügen.
Ich gehe spazieren, Alex. Ich brauche etwas frische Luft, Alex. Nein, du musst nicht mitkommen, Alex. Ich werde nicht lange weg sein.
Und nun muss ich hier stehen und Haltung bewahren und so tun, als wenn es nichts geben würde, worüber man in Panik ausbrechen müsste.
"Wo sind sie hingegangen?"
"Ich denke...ich denke sie hat ihm ein Zimmer besorgt, Sir."
"Was für ein Zimmer?"
"Wahrscheinlich in Dakin nehme ich an. Dort gibt es die meisten leeren Zimmer."
Dieser blöde Hurensohn ist hier seit wann, drei Tage? Meine Autorität ist bereits untergraben und der einzige Mensch, von dem ich angenommen hatte, dass er mich nie anlügen würde hat mich angelogen. Es muss an Mulder liegen. Wer sonst könnte innerhalb von zweiundsiebzig kurzen Stunden so viel Elend in mein Leben bringen?
Ich kann diese Kerle noch nicht mal dafür anschreien, dass sie Danas Befehle ohne nachzufragen ausgeführt haben. Ich war derjenige, der ihnen anfangs eingetrichtert hatte, das zu tun. Ich hätte nie gedacht, dass sie das mal gegen mich verwenden würde.
Als ich schließlich in Dakin angekommen bin, kann ich mein Blut praktisch unter meiner Haut kochen fühlen.
Ich brauche nicht sehr lange, das kleine Dreckstück zu finden. Er macht sich auf jeden Fall nicht die Mühe, diskret zu sein. Sie haben ihm einen Raum in der ersten Etage gegeben und er sitzt dort bei weit geöffneter Tür, und hüpft mit dem Rücken zur Tür auf dem Bett auf und ab.
Schön zu sehen, dass er sich so schnell eingelebt hat. Offensichtlich hat das Leben unter den Drohnen seinen Überlebensinstinkt verkümmern lassen.
"Hättest du mir kein Wasserbett besorgen können, Scully?"
"Nein, aber wir können es sicher arrangieren, dass du im Fluss schläfst."
Sein Kopf fährt herum und er schaut für den Bruchteil einer Sekunde ängstlich und dann verdammt eingebildet.
"Was zur Hölle geht hier vor, Mulder?"
"Sieht so aus, als wäre ich befördert worden. Weißt du, ich bin froh, dass du hier bist, weil ich ein paar Reklamationen meiner vorherige Unterkunft betreffend habe. Behandelst du alle deine Gäste so?"
"Nur die, durch deren Adern Öl fließt."
Ich höre eine Seufzen hinter mir und Dana drängt sich mit einem Stapel gebrauchter Kleidung auf dem Arm an mir vorbei.
"Oh gut", sagt Mulder zu ihr. "Ich wollte gerade den Sicherheitsdienst rufen. Scully, ich will mich ja nicht beschweren, aber ich glaube ich habe ein Nagetierproblem in meinem Zimmer."
So ein komischer verdammter Mistkerl.
Sie schaut nervös zwischen uns beiden hin und her und seufzt wieder.
"Dana, kann ich dich einen Augenblick sprechen?" frage ich im ruhigsten und am wenigsten wütenden Tonfall, den ich zustande bringe.
"Ich..." beginnt sie, aber Mulder kann nicht widerstehen, sie zu unterbrechen.
"Du musst nicht, Scully." Sagt er und springt in einer Art pseudo beschützerischen Geste auf seine Füße. Immer muss er seine Riesennase in jede blöde Sache hineinstecken.
"Mulder, halte dich da raus. Es geht dich nichts an."
"Und ob es das tut! Was denkst du wer du bist, dass du sie so rumkommandieren kannst?"
"Rumko...Mulder, setzt dich und halt die Klappe."
Er kommt mir näher so dass er direkt vor mir steht, Auge in Auge, sein Gesicht ist das einzige, was ich sehen kann.
"Warum sorgst du nicht dafür, harter Kerl?"
"Okay! Das reicht!" schreit Dana und schmeißt die Sachen auf Mulders Bett. Es verlangt alle Selbstkontrolle die ich habe, nicht dieses dämliche Grinsen aus seinem Gesicht zu schlagen.
"Mulder, das sind deine Schlüssel, deine Essenmarken und deine Versorgungsmarken", sagt sie, holt die Gegenstände aus ihrer Tasche und lässt sie auf den Tisch fallen. "Genieße deinen Aufenthalt in der Zauberhaften Gemeinde. Ich sehe euch beide dann später."
Sie läuft wieder an mir vorbei in Richtung Tür und ich will ihr gerade folgen, aber Mulder springt zwischen uns.
"Warte Scully, wohin gehst du?"
"Ich gehe spazieren. Auf Wiedersehen."
"Warte, ich...ich komme mit", sagt er wobei er offensichtlich die Bedeutung der Worte 'AUF WIEDERSEHEN' missverstanden hat. Dann greift er nach ihrem Arm, um sie zu berühren, aber bevor er sie erreichen kann, fange ich mit meiner Hand sein Handgelenk auf.
"Fass sie nicht an", warne ich ihn. Sein verwirrter und ungläubiger Gesichtsausdruck verrät mir, dass, worüber auch immer die beiden sich heute unterhalten haben, dies nicht ihre Beziehung mit mir mit eingeschlossen hat. Sie hat es ihm nicht erzählt. Sie hat es ihm verdammt noch mal nicht erzählt und jetzt denkt er ich führe mich wie ein Psychopath auf und er hat das Recht, seine Hände nicht von ihr zu lassen.
Er versucht seine Hand wegzuziehen aber ich fasse sein Handgelenk noch fester.
"Tu's nicht."
Ein Ausdruck der Besorgnis huscht kurz über Danas Gesicht und sie sieht mich flehend an.
"Mulder, ich muss jetzt wirklich allein sein, okay?"
"Oh...äh, okay, natürlich", murmelt er aber ich kann ihn anscheinend immer noch nicht los lassen. Ich habe das Gefühl ich müsste ihn so lange fest halten, bis sie außer Sichtweite ist.
Als sie weggeht wird mir klar, dass ich jetzt Mulder lieber vergesse und hinter ihr herlaufe, oder ich werde sie wieder verlieren. Ich lasse seinen Arm los, starre ihn noch ein letztes Mal an und laufe Richtung Flur. Verdammt, sie ist schon weg. Sie muss gerannt sein.
"Warte!" ruft Mulder mir nach und dieses Mal greift er meinen Arm. "Sie hat gesagt, sie will allein sein."
"Geh mir aus den Augen, Mulder."
"Lass sie in Ruhe."
Mein Gott, das ist einfach zu viel. Das ist alles einfach viel zu viel.
"Sieh mal, ich weiß nicht was du glaubst, wer du bist, aber du hast kein Recht, kein VERDAMMTES Recht, so mit mir zu reden."
"Oh und warum? Weil du hier der große Chef bist? Ich habe keine Angst vor dir, Krycek. Und ich werde nicht zulassen, dass du sie weiterhin rumkommandierst und und ... sie einer Gehirnwäsche unterziehst!"
Gehirnwäsche? Ist es das, was er denkt? Dass sie nur hier bei mir ist, weil ich so eine Art Jedi-Gedankenkontrolle über sie habe oder so? Mein Verlangen, ihm ganz genau zu erzählen, wie gern sie hier ist und warum reicht fast aus, meine verzweifeltes Bedürfnis, sofort mit ihr zu sprechen, zu übertönen. Aber nicht ganz. Nicht jetzt. Außerdem sollte sie diejenige sein, die es ihm erzählt. Nicht ich. Er würde es mir sowieso nicht glauben und ich möchte verdammt sicher gehen, dass er es glaubt.
"Hör mir zu du Hurensohn", sage ich zu ihm während ich meinen Ärmel aus seiner Hand befreie. "So weit es mich betrifft kannst du froh sein, dass du überhaupt noch lebst. Stell mich nicht auf die Probe, Mulder. Ich warne dich. Halt dich aus meinen Angelegenheiten raus und geh mir aus den Augen."
"Und ich warne dich, wenn du noch etwas tust, dass ihr wehtut, dann werde ich dich umbringen."
"Ihr wehtun? Oh das ist großartig, Mulder. Das kommt von dem Menschen, der sie mehr verletzt hat, als irgend jemand sonst es könnte oder jemals können wird."
Ich bin nicht überrascht, als ich seine Faust mit meinem Kinn kollidieren fühle. Es ist sicher nicht das erste Mal, dass sich Mulder mir gegenüber auf diese Weise ausgedrückt hat. Aber ich bin von der Tatsache überrascht, dass mein dringendster Wunsch immer noch darin besteht, Dana zu finden. Ich habe keine Zeit hier herumzustehen und mit Mulder zu streiten.
"Alle Schläge dieser Welt können die Tatsachen nicht ändern, Mulder. Und Tatsache ist, ich habe nicht eine verfluchte Sache gemacht, um ihr wehzutun. Nun sorge nicht dafür, dass ich dir wehtue."
Er tritt ein Stück von mir zurück und fährt mit der Hand durch seine Haare. Seine Finger sind mit meinem Blut bedeckt. Großartig. Ich frage mich, ob meine Lippe schon anfängt anzuschwellen. Es ist so schön, Mulder wieder zu haben.
"Geh aus meinem Zimmer, Krycek. Geh..." sagt er zu mir und ich tue es, weil ich ernsthaft befürchte, dass ich ihn umbringen könnte, wenn ich bleibe.
Ich brauche fast zwanzig Minuten, um Dana zu finden und als ich sie endlich sehe, als ich sie rufe und hinter ihr her renne, läuft sie nicht ein bisschen langsamer. Diese kleinen Beine bewegen sich ziemlich schnell.
Sie läuft auf dem Weg zwischen dem Wohnheim und dem Labor. Ich denke allerdings nicht, dass sie auf Arbeit geht. Ich denke sie will noch weiter als zum Labor, in den Wald. Sie hat diese Bestrebung, in den Wald zu laufen, wenn sie durcheinander ist. Vor allem, wenn es draußen eiskalt ist.
"Dana! Was zur Hölle sollte das bedeuten?"
"Was sollte was bedeuten?" fragt sie, während sie immer noch läuft und mich nicht ansieht.
"Du hast in einfach, einfach frei gelassen? Ihn eingeladen, hier zu leben? Ohne vorher mit mir darüber zu reden?"
"Er ist harmlos, Alex."
"Harmlos? Dana, wir wissen noch nicht einmal, wer er wirklich ist, ob er wirklich Mulder ist."
"Er ist Mulder", sagt sie mit einer Endgültigkeit, die mir auf die Nerven geht.
"Wir wissen noch nicht mal, warum er hier ist."
"Er ist es und ich weiß, warum er hier ist."
"Okay, darf ich es auch erfahren?"
Sie zieht ihre Jacke fester um sich als der Wind auffrischt und durch uns hindurch weht.
"Er ist hier, um mich zu sehen."
Und wie soll mich das jetzt bitte beruhigen?
"Um dich zu sehen."
"Ja, das hat er mir erzählt."
"Und du glaubst ihm einfach? Bedingungslos?"
Sie hört endlich auf zu laufen und dreht sich auf dem Absatz um, um mir ins Gesicht zu sehen. Einige Schneeflocken wirbeln in der Luft herum und landen auf ihren Haaren.
"Ja ich glaube ihm. Und weil wir gerade davon sprechen miteinander zu reden; wer denkst du bist du, dass du ihn wie ein verdammtes Tier eingesperrt hast und nicht mit MIR darüber gesprochen hast?"
"Ich wollte nicht...ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst. Gott, Dana, was zur Hölle hätte ich mit ihm tun sollen? Ich dachte er ist eine Gefahr für uns, für jeden."
"Ersten, du wusstest nicht, ob er eine Gefahr ist. Zweitens, das ist keine Entschuldigung dafür, jemanden zu isolieren, ihm so gut wie nichts zu essen zu geben und nicht genug Wasser um ihn vor dem Austrocknen zu bewahren..."
"Er schien gesund genug zu sein", murmle ich und reibe verlegen mein Kinn. Ich denke meine Lippe blutet immer noch.
"Und drittens Alex, das hier hat nichts mit der Sicherheit der Gruppe oder irgend etwas anderem zu tun, als der Tatsache, dass er für dich eine Bedrohung darstellt. Persönlich." Sie flüstert das letzte Wort, als wäre es etwas obszönes. Da sei Gott vor, dass ich hier etwas persönlich nehme.
"Oh, weiß er es? Ist mir nicht aufgefallen."
Sie schließt ihre Augen und schüttelt den Kopf und ich fühle plötzlich eine übelerregende Schwere in meinem Magen, als wenn ich mich übergeben müsste.
"Ich werde noch weiterlaufen, Alex. Und ich möchte nicht, dass du mit folgst."
"Dana, tu das nicht. Es ist so kalt. Komm einfach...komm einfach rein."
Ich berühre ihre Schulter und sie zuckt von mir weg.
"Ich werde rein kommen, wenn ich so weit bin. Und ich will nicht, dass du mir sagst wann!"
"Dana..."
"Bitte gib Ret etwas Wasser. Ich werde in einer Stunde oder so wieder zu Hause sein."
Ich zucke mit den Schultern, ergebe mich in das Ende dieser bizarren Geisterbahn einer Unterhaltung und sie fängt an, wegzugehen.
"Djewotschka, warte! Zieh dich... wenigstens warm an."
Ich ziehe meine Jacke aus und lege sie um ihre Schultern. Ich nehme an, ich sollte an diesem Punkt dankbar sein, dass sie diese nicht auf den Boden wirft und draufspuckt.
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Ich bin für gewöhnlich in die Wälder gegangen, wenn ich einsam war, wenn ich dachte, dass der Schmerz über Mulders Verlust mich zerstören würde. Die Art, wie die das Eis auf den Zweigen aussieht, der Klang des Wasser das nie zu gefrieren scheint und gleichmässig über die Felsen läuft, die Art, wie die Luft in meiner Kehle brennt, wenn ich einatme, all diese Dinge erinnern mich an die Leere, die Sehnsucht. Zuerst war ich verbittert über die Gleichheit der Natur, ihre Weigerung sich zu ändern, obwohl meine ganze Welt auseinander gefallen war. Aber allmählich habe ich Trost darin gefunden.
Ich war schon lange nicht mehr hier. Es sieht heute anders aus. Ich frage mich, was das bedeutet.
Ich frage mich, was ich tun werde.
Es gab einmal eine Zeit, da hätte ich alles getan; morden, sterben, durchs Feuer gehen, um diesen Tag zu sehen. Um Mulder zu sehen, lebendig, mit mir. Hier. Er ist hier.
Und jetzt...jetzt...
Ich ist alles was ich denken kann; Wie zur Hölle halte ich Mulder und Alex davon ab, sich gegenseitig umzubringen? Und alles was ich fühlen kann ist ...
Kälte. Mein Gott, es ist so kalt.
Ich sollte wirklich zurück gehen. Alex wird sich bald Sorgen machen. Es sind schon fast zwei Stunden.
Als ich nach Hause komme ist es schon fast dunkel draußen. Ich halte vor der Tür kurz inne, bereite mich selbst auf eine Fortsetzung des lächerlichen Streits von vorhin vor, aber als ich eintrete bin ich überrascht, Alex tief schlafend auf der Couch vorzufinden.
Mein Gott, was für ein krasser Kontrast zu dem wütenden Verrückten in Schwarz, mit dem ich mich erst vor ein paar Stunden gestritten habe. Er hat sich umgezogen und trägt jetzt eine alte, ausgeleierte, graue Jogginghose und ein abgetragenes, weinrotes Shirt mit drei Knöpfen oben, die alle geöffnet sind. Auf seiner Brust liegt ein Buch und Ret ist auf seinem Bauch ausgebreitet und Mann und Hund schnarchen, ohne davon Notiz zu nehmen, dass ich sie beobachte. Seine Haare sind feucht und durcheinander. Er muss sich ausgiebig geduscht haben, während ich weg war.
Es wäre so schön, sich einfach neben ihn zu legen und sich an ihn zu kuscheln und einfach zu vergessen...alles.
Ich schließe vorsichtig die Tür, aber er öffnet bei dem Geräusch die Augen.
"Hi, Babe", lächelt er mich an, die Stimme noch rau vom Schlaf.
"Hi."
Ich ziehe seine Jacke aus und dann meine und hänge sie neben die Tür, beobachte ihn aufmerksam und frage mich, wann er sich daran erinnern wird, dass wir uns gestritten haben.
Er gähnt und streckt sich und reibt sich die Augen. Dann sagt er zu mir "Ich habe Nudeln zum Abendessen gemacht. Sie sind auf dem Herd, wenn du welche möchtest."
Ich gehe hinüber zum Herd und tatsächlich köchelt dort ein Topf voller Spaghetti mit Tomatensauce.
Wer ist dieser Mann und was hat er mit dem stinksauren Typen gemacht, mit dem ich vorhin geredet habe?
Ich nehme an ich sollte fragen, aber es ist mir wirklich egal. Es ist so schön ein wenig Frieden zu haben.
Ich beuge mich über die Herdplatte und beginne damit, direkt aus dem Topf zu essen, plötzlich so hungrig, dass ich noch nicht einmal den Gedanken daran, mir erst einen Teller zu holen ertragen kann. Es ist nett und heiß und es wärmt mich von innen.
Nach einer Minute oder so spüre ich einen Arm um meinen Bauch und einen feuchten Kopf an meinem Hals.
"Jesus, Dana, du bist eiskalt. Ich wünschte, du würdest bei dem Wetter nicht so lange draußen bleiben."
"Ich...ich brauchte ein bisschen Zeit. Zum ...denken", sage ich ihm mit vollem Mund.
"Und hast du?"
Gute Frage. Zählt es als Nachdenken, wenn man danach verwirrter ist, als am Anfang?
"Äh...ich nehme an ja. Ein bisschen. Keine Ahnung, du scheinst viel entspannter zu sein als ich. Vielleicht hätte ich einfach hierher zurückkommen sollen."
"Naja, ich habe...ich habe auch ein bisschen nachgedacht."
"Oh ja? Irgendetwas tief greifendes?"
"Mir ist klar geworden, dass es Dinge gibt, Dinge in dieser Welt, die mir sehr wichtig sind. Und ich muss sehr aufmerksam auf diese Dinge Acht geben..."
Oh Gott. Ich denke ich weiß, worauf das hinausläuft. Wenn er mir sagt, dass er Mulder in diesen Käfig gesperrt hat, um mich "zu beschützen" dann steh mir Gott bei. So viel zum Thema Frieden.
"Ich verstehe das, Alex aber..."
"Und ich werde nicht in der Lage sein, auf diese Dinge Acht zu geben, wenn ich all meine Zeit damit vergeude, mich mit Mulder anzulegen."
Er küsst meinen Hals und tritt dann zur Seite, so dass ich sein Gesicht sehen kann. Er sieht aufrichtig aus. Mein Gott, ich hoffe er ist aufrichtig. Ich lächle und schaufle mehr Essen in meinen Mund.
"Da hast du gut nachgedacht, Captain."
"Mir ist auch klar geworden, dass...dass ich dich liebe. Ich liebe dich so sehr und ich sollte dir das sagen. Also...äh, ich liebe dich, Dana. Liebe dich."
Zuerst bin ich mir ziemlich sicher, dass die vergangenen fünfzehn Sekunden eine Erfindung meiner Phantasie waren. Dann sehe ich in diese Augen und sehe dieses weiche Lächeln und die Art wie er von einem Fuß auf den anderen tritt und immer wieder schluckt und zittert und ..
Oh Gott. Ich habe keinen Hunger mehr. Tatsache ist, ich möchte am liebsten all das Essen ausspucken, das noch in meinem Mund ist. Allein bei dem Gedanken an Schlucken dreht sich mir der Magen um. Mein Gott.
Was wenn ich mich übergebe?
Oh Gott.
Als ich sechzehn Jahre alt war bin ich das erste Mal in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten. Ich hatte gerade erst meinen Führerschein bekommen und bin im Cadillac meines Vaters auf dem Freeway langgerauscht auf dem Weg zum Strand um mich mit meiner Freundin Sylvia zu treffen. Mir war nicht bewusst, dass ich so schnell gefahren war. Ich habe einfach nicht aufgepasst.
Ich werde nie vergessen, wie ich mich gefühlt habe, als ich die roten Rundumleuchten im Rückspiegel gesehen habe. Ich sass so tief in der Tinte und ich hatte keine Ahnung, wie ich da raus kommen sollte. Wie ich es meinen Eltern erklären sollte.
Warum fühle ich mich jetzt genau so? Ist es wegen Mulder? Ist es, weil ich denke es könnte vielleicht eine neue Chance für mich und Mulder geben? Denke ich das wirklich? Hätte Alex das überhaupt gesagt, wenn Mulder nicht hier wäre? Macht das einen Unterschied, da ich ja weiß, dass es stimmt unabhängig davon, was es zur Sprache gebracht hat?
Mein Gott. Schlucken.
"Äh, Dana..."
Er deutet auf sein Kinn mit einer Geste die bedeutet, "du sabberst" und ich wische an meinem Gesicht.
"W...wo?"
"Hier", er zeigt auf einen Punkt unterhalb meine Lippe. Dann lehnt er sich zu mir und leckt den Tropfen Soße von meinem Kinn. Und er küsst mich und die Panik und Verwirrung macht einem kurzen Moment lang Platz für unbändige Freude. Er liebt mich. Oh Gott, er liebt mich.
Ich muss mich setzen.
Meine zitternden Beine tragen mich zur Couch, wo ich immer noch Alex Körperwärme spüren kann. Ich setze mich und Ret plumpst auf meinen Schoss, sucht nach mehr Zuwendung. Ich streichle ihn abwesend und Alex setzt sich auf den Boden neben meine Beine.
Ich möchte mit ihm reden, aber meine Kehle ist so trocken und ich weiß sowieso nicht, was ich sagen soll, also sitze ich einfach hier. Er sagt lange Zeit auch nichts weiter und ich frage mich, was er denkt, was er fühlt. Er wird wahrscheinlich eine wahnsinnige Angst haben.
Dann beginnt er damit, meine Stiefel aufzubinden. Er braucht eine Weile dazu aber irgendwann hat er sie beide vollständig aufgeschnürt und zieht sie von meinen Füssen. Dann zieht er die dicken Wollsocken aus. Er lacht, als er sieht, dass ich darunter noch eine dünnere Lage Baumwollsocken trage.
"Wo sind deine Füße?"
"Ich denke die sind da drunter."
Er sieht wieder lächelnd zu mir auf und zieht sie aus. Meine Zehen wackeln, glücklich darüber, an der frischen Luft zu sein. Er nimmt meinen linken Fuß in die Hand und massiert zärtlich meine Fußsohle und mein Kopf fällt auf die Couch zurück. Ich seufze zufrieden, auch wenn es in meinem Inneren immer noch drunter und drüber geht.
Ich halte meine Augen geschlossen und mein Verstand schaltet sich ab, so dass ich diese wundervolle Massage vollständig genießen kann. Nach ein paar Minuten habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich so einschlafen könnte.
Aber dann höre ich aus weiter Ferne eine Stimme.
"...wollte ich dir sagen, dass es mir Leid tut."
"Hmmmwa...?"
"Ich sagte, dass ich über ein paar...Dinge nachgedacht habe. Aus der Vergangenheit. Unserer Vergangenheit. Und, ich wollte nur dass du weißt, dass ich all das bereue, was ich getan habe, das dich verletzt hat. Ich...ich wollte dich nicht verletzen, Dana. Das war niemals etwas, das ich gewollt habe."
Es schmerzt, das zu tun, aber ich öffne meine Augen.
"Vergangenheit...?"
"Ich wollte nur, ich wollte es vielleicht erklären. Damit wir mal darüber reden, weißt du? Weil ich..."
"Alex, wovon redest du?"
Er hört auf, mich zu massieren und dreht seinen Kopf zu mir, um mich anzusehen. Er zieht ein Gesicht, als wenn er Schmerzen hätte. Ich erinnere mich nicht an das letzte Mal, als ich solche Furcht in seinen Augen gesehen habe. Vielleicht das erste Mal, als wir uns geliebt haben.
"Ich...ich spreche darüber, was ich getan habe, Dana. All die Dinge, die schließlich dazu geführt haben, dir wehzutun. Vorher. Bevor du her kamst...weißt du?"
Oh mein Gott. Was tut er? Was versucht er mir anzutun?
"Alex, warte. Lass uns...lass und das nicht tun."
"Aber..."
"Es ist nicht, es ist nicht notwendig."
"Nicht notwendig?"
"Nein. Es ist..."
"Bedeutet das, dass du mir verzeihst, Dana? Dass du verstehst, warum..."
"Alex, es ist nicht.... es ist nicht notwendig. Meine Vergangenheit mir dir begann vor fünf Jahren."
"Aber es..."
"Meine Vergangenheit mir dir begann vor fünf Jahren. Der Rest spielt keine Rolle. Er zählt nicht. Also...also lass uns nicht davon reden, okay?"
Er zuckt mit den Schultern und ich schwöre bei Gott, wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, er sieht so aus, als wäre er den Tränen nahe.
"Äh...ja, okay. Ich habe nur gedacht...naja ich liebe dich, also sollte ich...ich weiß nicht."
"Alex, was ist mit deiner Lippe passiert?"
Ja, ich habe das vorhin schon bemerkt. Ja, ich kann mir ziemlich gut vorstellen, was passiert ist. Ja, ich bin verzweifelt darum bemüht, das Thema zu wechseln, auch wenn es ihn wütend macht, darüber zu reden.
"Mulder", grollt er.
"Es ist ganz angeschwollen. Wir sollten ein wenig Eis darauf legen."
Ich ziehe meinen Fuß aus seiner Hand und gehe in den Küchenbereich auf der Suche nach Eis und einem Beutel, in den ich es stecken kann.
"Dana, du...du solltest ihm vielleicht davon erzählen. Von uns, weißt du? Du solltest ihm sagen, dass ich dich liebe."
Mein Gott, Alex. Bitte hör damit auf, das zu sagen. Ich kann damit im Moment noch nichts anfangen.
"Das... das werde ich. Ich werde es ihm sagen. Ich hatte nur .... ich hatte bis jetzt nur noch keine gute Gelegenheit."
Ich nehme einige Eiswürfel und lege sie in einen Plastikbeutel und frage mich, ob für eine solche Sache überhaupt eine gute Gelegenheit existieren könnte.
"Tu es nur...tu es bald, Djewotschka. Tu es bald."
Ende Kapitel 3
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Ich vermisse meinen Alex.
Die Erkenntnis traf mich, wie es alle Dinge die Alex betreffen zu tun scheinen. Plötzlich und heftig. Ich habe heute in der Krankenstation statt im Forschungslabor gearbeitet. Die Grippewelle hat ziemlich hart zugeschlagen, besonders unter den wenigen Kindern, die wir hier haben. Ich habe an diesem Tag alles getan was ich konnte, um zu helfen. Es war ein geschäftiger, stressiger Tag, aber aus irgendeinem Grund, heute Nachmittag, als ich gerade das zwanzigste Mal Fieber gemessen habe, schlich sich der Gedanke ohne Vorwarnung in mein Bewusstsein. Wir haben uns nicht mehr geliebt, seit Mulder hier ist.
Es sind schon zwei Wochen.
Und zwei Wochen, seit Alex mir gesagt hat, dass er mich liebt.
Ich weiß nicht, warum das passiert ist, oder besser, nicht passiert ist, aber ich mag es nicht. Wir sind beide sehr beschäftigt, aber wir waren immer sehr beschäftigt. Ich möchte mir einreden, dass es nichts mit Mulder zu tun hat, aber ich nehme an, das ist die einzige Erklärung. Die Dinge waren einfach ... eigenartig zwischen uns in letzter Zeit. Ich denke dass keiner von uns bis jetzt herausgefunden hat, wie wir uns verhalten sollen. Ich denke, dass er Angst hat, mich zu berühren. Nein, ich mag das nicht.
Ich habe Mulder immer noch nicht von uns erzählt. Vielleicht ist das auch einer der Gründe. Vielleicht hat irgendein erbärmlicher, von Leugnen zerfressener Teil von mir das Gefühl, dass ich so lange, wie wir nicht tatsächlich Sex haben, nichts vor Mulder verberge.
An dem Morgen nach diesem ersten, eigenartigen Tag, als ich Mulder aus seinem Käfig gelassen habe, bin ich zu seinem Zimmer zurückgelaufen und habe ihn etwas gefragt, das ich vergessen hatte. Etwas sehr wichtiges. Ich fragte ihn, wie um alles in der Welt er es geschafft hatte, uns zu finden.
Er erzählte mir von dem Band und von Spender und dem rauchenden Bastard. Er erzählte mir, dass sie wahrscheinlich wissen, wo wir sind. Ich erzählte Alex davon und wir müssen entscheiden, was wir dagegen tun können. Oder was das überhaupt bedeutet. Es war eine sehr erschütternde Sache, das herauszufinden. Aber die Tatsache, dass Mulder mir das erzählt hat, war das erste Zeichen, das ich bekam, dass ich wieder anfangen kann, ihm zu vertrauen.
Und danach hat er mir von seinem Leben erzählt, was er all die Jahre getan hatte. Wie er mich vermisst hatte. Die Arbeit, die er getan hatte. Die beschränkten Informationen, zu denen er Zugriff hatte.
Ich habe seit dem einige Zeit mit ihm verbracht, habe ihn daran gewöhnt, hier zu leben, ihm erklärt, wie die Dinge hier laufen und so was. Meine Wut auf ihn ist etwas abgeflaut und wir haben uns aneinander gewöhnt, wir sind an den Punkt gekommen, wo wir uns miteinander wieder einigermaßen wohl fühlen. Und es war ganz nett. Und ich habe Angst, dass die Dinge nicht mehr so nett sein werden, wenn ich ihm von Alex erzähle. Ich weiß nicht, warum ich deswegen so ein Feigling bin. Ich wünschte, ich könnte damit aufhören.
Er hat mich letzte Woche gefragt, wo ich wohne und ich habe einfach nur wie ein Idiot in die allgemeine Richtung des Gebäudes gezeigt, habe die offensichtliche Chance total ignoriert, ihm alles erklären zu können. Mein Ausweichen fängt an, Alex zu verärgern.
Eine Menge Dinge fangen an, Alex zu verärgern. Nicht das Letzte in der Aufzählung ist ganz sicher die Tatsache, dass wir uns seit zwei verdammten Wochen nicht mehr geliebt haben. Heute abend...heute abend werde ich es versuchen. Ich werde versuchen, ihm zu zeigen, was ich scheinbar immer noch nicht sagen kann.
Mein Gott, es ist schon so spät. Ich bin seit einer Ewigkeit hier. Ich bin mir sicher, dass ich das Abendessen verpasst habe. Alex ist sicher schon drüben im Labor und sucht nach mir. Ich glaube nicht dass er weiß, dass ich heute in der Krankenstation war.
Ich beeile mich mit dem, was ich noch fertig machen muss, so dass ich hier raus komme und nach Hause gehen kann. Das Sterilisieren medizinischer Instrument ist eine öde Aufgabe und während ich das tue, erwische ich mich beim Tagträumen, in einer Weise, die ich mir schon seit ziemlich langer Zeit nicht mehr gestattet habe. Ich denke daran, wie er mich küsst, mich berührt, meine Haare kämmt und ich fühle mich im Inneren so warm. Mein Gott, warum habe ich uns das angetan?
Ich muss hier raus.
Ich muss nur noch diese Thermometer in den Untersuchungsraum zurückbringen und dann bin ich fertig. Ich drücke die Tür zum Hinterzimmer auf und als ich sie dort sehe, fühle ich, wie sich ein übelkeitserregender Knoten in meinem Magen bildet.
Es ist Alex. Und diese...Frau. Ich habe sie nur ein paar Mal gesehen, seit sie her kam. Mulder hat mir ein bisschen was über sie erzählt, wer sie früher war und warum er sie mitgenommen hatte. Alex hat sie nie erwähnt, obwohl er sie kannte, ihren Namen gesagt hatte, als er sie gesehen hatte.
Sie sitzt auf dem Stuhl, den ich den ganzen Tag für die Untersuchungen benutzt habe und Alex sitzt auf dem Stuhl hinter ihr, seine Knie um ihre Hüfte und seine Hand in ihren Haaren vergraben. Er schaut intensiv nach unten auf ihren Nacken.
Ich fange an, etwas zu sagen, aber meine Kehle ist zu trocken zum Sprechen. Mein Gott, was...
Er sieht plötzlich auf, erschrocken. Als wenn ich ihn dabei erwischt hätte, etwas schlechtes zu tun. Habe ich das?
Dann sehe ich die Pinzette in seiner Hand und das Blut.
"Al...Alex, was tust du da?"
"Ich äh...nehme das raus", murmelt er und hält die Pinzette in die Höhe. Ein kleiner, runder Metallchip ist zwischen den beiden Spitzen eingeklemmt.
"Oh, nein nein nein. Alex, du trägst noch nicht einmal Handschuhe!"
Jetzt, wo ich weiß, was passiert, wenigstens oberflächlich, ebbt meine Panik etwas ab und macht Verärgerung und Unglauben Platz. Was zur Hölle denkt er sich?
Ich laufe zu ihnen rüber und er steht schnell auf, so dass ich Zugang zu ihr habe. Ihr Hals blutet ziemlich stark. Ich nehme ein Paar Gummihandschuhe aus meiner Tasche und ziehe sie an während ich Alex befehle, mir Desinfektionsmittel und einen Waschlappen zu bringen.
Ich beginne damit, die Wunde an ihrem Hals zu behandeln und Alex steht gaffend daneben, öffnet und schließt seinen Mund. Marita hat sich immer noch nicht bewegt oder gesprochen.
"Marita, ich bin Dana. Wie geht es dir?"
Als ich sie anspreche schreckt sie zusammen und dreht sich zu mir, um mich anzusehen. Es sieht nicht so aus, als wenn sie mich nach den zwei Wochen überhaupt wiedererkennen würde.
Ich kann nicht widerstehen, Alex anzustarren. Ich kann noch nicht mal glauben, dass er versucht hat, es allein zu tun.
"So...so habe ich deinen raus genommen..." sagt er in einem schrillen, defensiven Tonfall. Ja, so war es. Und es lief so prima damals, richtig.
"Marita? Geht es dir gut?"
Sie atmet auf einmal zu schnell und Tränen sammeln sich in ihren Augen. Sie sieht völlig verwirrt und verschreckt aus.
"Es ist in Ordnung, Marita. Atme..."
Sie springt plötzlich auf und fasst nach ihrem Nacken. Dann schaut sie Alex an. Sie sieht Alex an und sie sieht absolut verängstigt aus.
"Alex...?" flüstert sie. Ich stehe auch und sehe ihn an. Er sieht auf den Boden.
"Alex, oh Gott...was hast du mir angetan?"
Sie beginnt, an dem Verband zu reißen, den ich ihr gerade umgelegt habe und kratzt an ihrer Haut.
"Nein, Marita fass es nicht an", sage ich ihr und eigenartigerweise hört sie auf mich.
"Was hast du getan, Alex? Wo bin ich? Was zur HÖLLE geht hier vor?"
Ich sehe wieder Alex an, hoffe auf eine Art Versicherung aber von ihm kommt nichts. Er steht nur wie ein Blödmann da. Mein Gott, was zur Hölle hat er sich dabei gedacht?
"Marita, es ist in Ordnung. Ich bringe dich in dein Zimmer und wir können darüber reden und etwas essen und..."
"Wo zur Hölle bin ich?"
Sie schreit jetzt, und weint und Gott verfluche dich Alex, auf diese Weise wollte ich diese Nacht NICHT verbringen.
Ich lege meine Hände auf ihre Schultern und versuche sie in Richtung Tür zu schieben, aber sie entzieht sich mir, fährt mich an "Nimm deine Hände von mir!" und starrt dann ebenfalls Alex an.
"Was zur Hölle hast du mir angetan du Hurensohn?"
"Äh...vielleicht...ich sollte vielleicht gehen", sagt er. Großartig. Das ist einfach wirklich großartig.
"Na klar, geh ruhig. Lass mich deinen Mist aufräumen. Ganz mein Vergnügen."
"Ich...ich rege sie nur auf. Ich kann nicht..."
Und dann, als wenn sie seine Aussage beweisen wolle, greift Marita nach seinen Schultern und beginnt ihn zu schütteln.
"Was zur Hölle hast du mit mir gemacht? Sag es mir du Bastard!"
Er entzieht sich ihr und läuft rückwärts Richtung Tür mit einem verschreckten Gesichtsausdruck. Ich kann noch nicht mal ansatzweise verstehen, was er dachte, was passieren würde, als er das tat. Und ich kann nicht anders, als mich zu fragen, wie genau die beiden sich kannten. Was für eine Beziehung es auch immer gewesen sein mag, es sieht nicht so aus, als wäre es eine gute gewesen. Aber warum hat er dann das Bedürfnis gehabt, den Chip ganz allein rauszunehmen?
Mein Gott, ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie weint wieder und kratzt sich an ihrem Nacken und Alex windet sich wie eine kleine Schlange aus der Tür.
"Ich...ich werde noch einen anderen Arzt holen oder so", murmelt er.
"Bemüh dich nicht. Ich werde ihr erzählen, was sie wissen will. Ich werde bei ihr bleiben."
Er nickt, steht für einen Moment in der Tür und starrt einfach vor sich hin.
"Alex..."
"Es...es tut mir leid", sagt er leise. Und dann geht er.
Marita ist in dem Stuhl zusammengesunken, auf dem sie vorhin gesessen hat und schluchzt jetzt. Ich versuche sie in den Arm zu nehmen, aber sie will mich das nicht tun lassen. Das wird wohl eine lange Nacht werden.
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Es ist schon fast fünf Stunden her, seit ich sie allein gelassen habe. Ungefähr vor zwei Stunden habe ich mit dem Gedanken gespielt, wieder zurückzugehen, aber ich sagte mir, dass sie zu dieser Zeit sicher schon gegangen waren und dass ich dann keine Ahnung hätte, wo ich sie suchen sollte. Ja, ich weiß, wo Maritas Zimmer ist. Nein, ich bin kein Feigling.
Ich bin es nicht. Ich weiß, dass sie das jetzt wahrscheinlich von mir denkt. Ich habe es in ihren Augen gesehen, als sie sah, wie ich sie mit 'meinem Mist' allein gelassen habe. Sie denkt, ich habe alles versaut und bin dann weggerannt, als kompliziert wurde. Sie versteht es nicht.
Ich musste es tun. Es war meine Verantwortung. Warum versteht sie das nicht? Wir waren früher bei solchen Sachen immer so einer Meinung. Sie hat mich früher verstanden.
Eine kleine Stimme in meinem Kopf erinnert mich daran, dass ich nicht gerade sehr offen mit ihr war, dass es besser gewesen wäre, im Vorhinein mit ihr über die Situation zu sprechen, sie vielleicht um ihre Hilfe zu bitten. Aber die kleine Stimme hält schnell die Klappe, als die laute Stimme anfängt darüber nachzudenken, mit welchem Mist ich mich in letzter Zeit herumschlagen musste. Wie sollte ich noch mit ihr über irgendwas sprechen können? Sie ist nie da.
Es scheint so, dass ich immer weniger von ihr sehe, seit Mulder hierher kam. Und wer weiß, wie viel Zeit sie mit ihm verbringt, wenn sie nicht mit mir zusammen ist. Ich habe mein Versprechen gehalten, mich von ihm fernzuhalten. Ich habe ihn seit den ersten paar Tagen nicht mehr als ein oder zwei Mal gesehen. Aber ich fühle seine Anwesenheit hier so stark, als wenn er seine Sachen gepackt hätte und in mein Wohnzimmer gezogen wäre.
Sie hat ihm immer noch nichts von uns erzählt. Ich weiß nicht wie viel länger sie glaubt, das geheim halten zu können. Es wird langsam lächerlich.
Und wie lange ist es her, dass ich ihr endlich mein Herz ausgeschüttet habe? Ich fange an zu glauben, dass ihr zu sagen, dass ich sie liebe und zu versuche, mich bei ihr für alles, was ich getan habe, das sie verletzt hat zu entschuldigen, der größte Fehler war, den ich je gemacht habe. Sie ist so distanziert seit diesem Abend.
Das erbärmlichste daran ist, dass ich ständig diese Idiotie wiederhole. Es scheint so, dass jedes Mal, wenn ich sie sehe dieser Blödsinn aus meinem Mund kommt. Ich liebe dich, Dana. Oh, ich liebe dich so sehr. Und sie sitzt einfach da und starrt an die Wand, als wenn ich ihr Steuergesetze vorlese. Verdammt erbärmlich.
Und verflucht noch mal, wie lange ist es eigentlich her, dass wir das letzte Mal Sex hatten? Oh, na klar, seit Mulder herkam. Lustig wie das funktioniert.
Na gut, ja, nichts davon hat irgendwas mit dem zu tun, was gerade passiert ist, aber es fängt wirklich an, mich stinksauer zu machen und verhindert, dass ich irgendetwas unvoreingenommen betrachten kann.
Vielleicht sollte ich ihr von Marita und mir erzählen. Vielleicht wäre sie eifersüchtig. Vielleicht würde sie sich dann wieder um uns Gedanken machen.
Sehr wahrscheinlich nicht. Es ist nicht so, dass da irgendwas wäre, worauf man eifersüchtig sein müsste. Die Geschichte ist vor allem beschämend und im Moment will ich mich auf keine Fall beschämt fühlen.
Das Geräusch einer zugeschlagenen Tür unterbricht meine Gedanken. Endlich.
Ret rennt zu ihr, legt seine Pfoten auf ihre Brust und leckt ihr Gesicht. Ich wünschte, es wäre für mich so leicht. Sie lächelt und küsst ihn und befiehlt ihm, sich hinzusetzten und er tut es. Der blöde Hund ist noch geschlagener als ich.
Sie sieht mich böse an.
"Hast du gegessen?" fragt sie in einem demonstrativ zickigen Tonfall. Ich sitze am Tisch also denke ich, dass dies eine naheliegende Frage ist, aber aus irgendeinem Grund macht sie mich wütend.
"Nein."
"Also was hast du hier die ganze Zeit gemacht?"
"Dagesessen."
Sie macht ein angewidertes Gesicht und verlässt das Zimmer.
"Ich habe Kaffee gekocht", rufe ich ihr hinterher, als sie ins Schlafzimmer läuft. Frag nicht warum. Ich nehme an, um ihr zu beweisen, dass ich noch was anderes getan habe, als ohne sie vor mich hin zu brüten.
"Hast du mir welchen übriggelassen?" fragt sie in demselben Tonfall. Dann knallt sie mit den Schubladen.
"Jede Menge. Er ist allerdings nicht besonders gut."
"Natürlich", brummt sie. Als wenn es meine Schuld ist, dass die Kaffeemaschine aus den Siebzigern stammt, blöde Kuh.
Oh Gott, was zur Hölle passiert mit uns?
"Wo zum Teufel ist mein grünes Shirt?" schreit sie zwischen weiterem Knallen und Krachen.
"Unter den Kissen auf der Couch."
Genau da, wo ich es hingestopft hatte, als wir vor das letzt Mal vor zehn Millionen Jahren Sex hatten. Ich war nicht in der Lage, rüberzugehen und es rauszuholen, weil ich allein dadurch daran denken muss und ich kann nicht mehr daran denken, mit ihr Sex zu haben. Es fängt sogar jetzt an, meinem Schwanz wehzutun.
Gerade als ich in Erwägung ziehe, das Sofa zu verbrennen, kommt sie aus dem Schlafzimmer gerannt und hat nichts weiter an, als eine Pyjama Hose aus Flannel. Kein Oberteil. Kein BH. Nichts.
Sie geht zur Couch und fängt an, zwischen den Kissen herumzuwühlen und ihre Brüste wogen und hüpfen und sie hat den Knoten in ihren Haaren gelöst und nun hängen sie an ihrem Rücken herab und streifen gerade die Spitzen ihrer Brustwarzen, die hart sind und rosig und...mein Gott. Worüber habe ich gerade nachgedacht?
Sie findet schließlich das Shirt und zieht es dort heraus, wo es eingeklemmt war, doch bevor sie es anziehen kann gehe ich zu ihr und greife nach einem Stück davon.
"Tu das nicht", sage ich wie ich hoffe zärtlich.
"Tu was nicht? Alex, gib mir mein Shirt."
"Zieh es nicht an."
Ich zerre an dem Shirt, ziehe sie näher an mich heran.
"Komm her."
"Nein, Alex, ich mache keinen Spaß. Lass mein Shirt los. Ich gehe ins Bett."
"Wozu brauchst du ein Shirt, wenn du ins Bett gehst?"
"Mir ist kalt."
"Ich kann dich wärmen. Komm her."
Ich lasse das blöde Shirt los und komme ihr näher. Ich hebe meinen Arm, um ihn um ihre Hüfte zu legen, aber sie zieht sich erschrocken zurück, als meine Hand ihre Haut berührt.
"Nicht! Fass mich nicht an."
Ich trete sofort von ihr zurück. Weit zurück. Sie klingt fast ängstlich. Himmel. Ich kann das nicht mehr ertragen. Ich weiß noch nicht mal, was ich zu ihr sagen soll. Was gut ist, wie ich annehmen, weil sie sowieso weggeht, ihr blödes Shirt über den Kopf zieht und in das Schlafzimmer verschwindet.
Ich kann mich noch nicht mal bewegen. Alles was ich tun kann ist hier stehen und auf den Punkt starren, wo sie mir gerade gesagt hat, dass ich sie nicht anfassen soll.
Und plötzlich ist sie wieder das. Hinter mir.
"Woher kennst du sie?"
Ich drehe mich vorsichtig um und frage mich, in welcher Stimmung sie wohl jetzt ist.
"Was?"
"Marita. Woher kennst du sie?"
"Ich dachte wir wollten nicht über die Zeit vorher reden", sage ich wahrscheinlich schnippisch. Aber warum zum Teufel kümmert sie sich überhaupt darum? Sie trifft eine wirklich eigenartige Auswahl, wenn es um die Vergangenheit geht, die ich nicht nachvollziehen kann. Unsere Vergangenheit hat vor fünf Jahren angefangen. Von allem anderen ist nichts von Bedeutung. Außer Mulder natürlich. Er ist von Bedeutung. Ihre Vergangenheit ist bedeutsam. Und jetzt sind offensichtlich alle die blödsinnige Dinge, die ich getan haben könnte und die nichts mit ihr zu tun hatten, ebenfalls von Bedeutung.
"Hat sie für die gearbeitet?"
"Ja, hat sie. Irgendwie."
"Verdammt, Alex. Spiel nicht dieses Spielchen mit mir. Sag mir woher du sie kennst!"
Ich fasse es nicht. Ich kann es verdammt noch mal nicht fassen.
"Ich habe es einfach. Sie war ... keine Ahnung, sie war einfach da..."
"Wie gut hast du sie gekannt?"
"Keine Ahnung, nicht allzu gut."
Das ist Gottes reine Wahrheit, aber sie sieht mich an, als würde sie es nicht glauben.
"Du lügst mich an. Ich weiß es."
"Ich lüge nicht. Mein Gott, warum bezweifelst du das auf einmal?"
"Weil ich gerade fünf Stunden mit einer hysterischen Frau zusammengesessen habe, die nicht aufhören wollte darüber zu lamentieren, was für ein Bastard du bist und was du ihr furchtbares angetan haben musst. Und ich wäre erst gar nicht dort gewesen, wenn du nicht versucht hättest, ganz allein den Chip rauszunehmen, ohne mir etwas davon zu erzählen und dann fortgerannt wärst, als die Sache brenzlig wurde. Und ich weiß, dass du etwas vor mir verbirgst, Alex! Und das fühlt sich an, als würdest du mich anlügen und ich hasse das!"
Ich weiß nicht was zur Hölle ich jetzt tun soll. Ich denke ich wollte, dass sie eifersüchtig ist, aber das ist es nicht, woran ich dabei gedacht hatte. Ich weiß noch nicht mal was das ist. Es ist so, als könnte sie mir nicht mal mehr vertrauen.
Sie starrt mich eine weitere Minute an und stürmt dann ins Schlafzimmer zurück. Als sie wiederkommt trägt sie mein Kissen.
"Wofür ist das?"
Sie wirft es einfach nur auf die Couch und sagt "Gute Nacht."
"Dana..."
"Komm schon Ret. Zeit zum Schlafengehen."
"Verdammt, Dana!"
Das ist eine verfluchte Erpressung. Als wenn es überhaupt eine Rolle spielt, wo ich schlafe. Sie wird nicht zulassen, dass ich sie anfasse, egal wo ich bin.
"In Ordnung, schön. Ich habe mit ihr geschlafen. Okay? Ich habe mit Marita vor langer Zeit geschlafen. Ist es das, was du hören wolltest?"
Sie ist eine Minute lang still und ihr Rücken ist mir zugewendet, so dass ich nicht sagen kann, was sie denkt. Wieso ist das eine so verdammt grosse Sache? Ich habe es doch sowieso praktisch mit jeder getrieben, die sie hier kennt.
"Wie oft?" fragt sie.
"Wie oft? Was zum Teufel soll das bedeuten?"
"Ich meine war es eine einmalige Sache oder hattest du eine Art Beziehung mit ihr."
Beziehung? Mein Gott, ich habe keine Ahnung, ob ich darüber lachen soll oder nicht. Weiß sie nicht, dass sie der einzige Mensch ist, mit dem ich je etwas ähnliches wie eine richtige Beziehung gehabt habe?
"Keine Ahnung, Dana. Es war irgendwas dazwischen. Vielleicht fünf oder sechs mal. Ich weiß nicht."
"Warum hast du sie nicht eingesperrt?"
"Weil sie eine Sklavin war, Dana! Was zur Hölle hätte sie anstellen können?"
Sie nickt ein wenig, aber sagt nichts. Sie könnte genauso gut eine Million Kilometer weit weg sein. Und ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ich kann es einfach nicht.
"Verdammt Dana, warum bist du so verflucht sauer auf mich?" frage ich mit einer Stimme, die lauter ist, als ich beabsichtigt hatte. Allerdings nicht so laut wie ich gewollt hätte. Mir ist nach Schreien zumute.
Sie gibt mir keine Antwort. Mit dem Rücken zu mir steht sie einfach da und macht wahrscheinlich eine Liste in ihrem Kopf. Gründe, warum ich dich nicht mehr ausstehen kann.
"Ich ... ich weiß nicht..." sagt sie schließlich leise und ihre Schultern sacken nach unten. "Hast du...hast du sie geliebt?"
Oh mein Gott. Das ist grossartig. Das ist so verdammt perfekt, dass ich es kaum fassen kann. Ich wünschte fast, dass es so gewesen wäre.
"Ich habe sie kaum gekannt", sage ich ihr noch mal. "Sie ist mir in den Rücken gefallen", füge ich dümmlich hinzu. Als wenn ich nicht sowieso schon wie ein Waschlappen dastehe. Vielleicht sollte ich ihr gleich meine Eier auf einem Silbertablett überreichen und es hinter mich bringen.
"Es...es tut mir leid. Ich muss ins Bett gehen..."
Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dafür entschuldigt, dass sie wütend auf mich war oder dafür, dass sie schlafen gehen will. Ich bin mir nicht sicher, ob es bedeutet, dass es jetzt in Ordnung ist, dass ich in meinem eigenen Bett schlafe.
"In Ordnung. Ich sehe dich morgen früh."
Sie nickt und geht Richtung Schlafzimmer, hört dann aber auf und räuspert sich. Willst du mir etwas sagen, Dana? Irgendwas? Irgendeine Sache?
"Alex, du...du musst nicht hier draußen schlafen."
Naja, ich nehme an, das ist schon etwas. Nicht viel wenn man bedenkt, dass es meine Unterkunft ist, wenn man bedenkt, wie verdammt erbärmlich ich bin, sie bestimmen zu lassen, wo ich nachts schlafe und wo nicht.
"Wie du willst. Es ist deine Entscheidung."
Sie dreht sich um und lächelt ein sehr kleines, aber süsses Lächeln.
"Komm ins Bett, Alex."
Und das tue ich. Ich lege mich neben sie mit weit geöffneten Augen und meinem Körper unbeweglich wie ein Brett und ich bleibe sehr lange in diesem Zustand. Ich denke das sie neben mir genauso wach ist, aber wir berühren uns nicht. Sie hat ihre Schlafanzughosen an und ihr verdammtes grünes Shirt und ich trage meine Boxershorts, weil ich befürchte, sie mit meiner Nacktheit zu beleidigen. Wir sagen nichts weiter.
Und ich frage mich, ob ich jemals wieder in der Lage sein werde, sie zu berühren, ohne die Worte in meinen Ohren widerhallen zu hören.
Fass mich nicht an, Alex. Fass mich nicht an.
Ende Kapitel 4
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Kapitel 5
Der Raum war grau und metallverkleidet und er schmeckte Blut in seinem Mund. Mahlende, krachende Geräusche dröhnten in seinen Ohren und es hörte sich an, als wenn Knochen geschreddert würden. Es gab keine Türen und keine Fenster. Nur endlose Reihen von leeren Metalliegen und der Mann war dort, der Mann, der ihm erzählte, dass Krieg war und dass er auf der richtigen Seite stand. Er tat es. Es musste einfach so sein.
Er trug einen Anzug, gestärkt und kratzig. Blau und hässlich und billig und das erste Mal in wer weiß wie langer Zeit einen Schlips.
Dana...Dana war dort. Dana aber nicht Dana. Sie war Scully. Sie war Mulders Partner. Sie war dieses mollige Mädchen aus dem Autopsiekeller. Sie war ein Problem. Sie war ein notwendiger Verlust. Sie lag auf einer der Metallliegen, nackt, ihr Körper von einer unnatürlichen Schwangerschaft aufgebläht, ihre Augen geöffnet, aber glasig.
Er stand zu ihren Füßen und befahl ihr, ruhig und kalt, "Spreizen Sie Ihre Beine, Miss Scully."
Der Mann hinter ihm übergab ihm ein Instrument, ein stählernes Gerät mit scharfen Spitzen und harten Kanten, eine sich drehende, stechende Höllenmaschine. Er ließ es auf den Boden fallen und benutzte lieber seine eigenen Hände.
Hände. Wieder zwei. Mehr von ihm äußerlich gesehen, weniger im Inneren.
Ihr Knie bogen sich und ihre Schenkel spreizten sich auseinander, enthüllten sie völlig vor ihm und dem Mann, der neben ihm stand.
Er zögerte einen Moment, erschrocken, unsicher. Wie kann das nur irgendwie richtig sein? Sein Vater....er verstand es nicht.
"Tu es, Alex", flüsterte der Mann hinter ihm dringlich. Er nahm nicht an, dass er die Wahl hatte.
Er hob beide Hände, vergrub sie in ihrer unvorstellbar gedehnten, unvorstellbar weit geöffneten Vagina. Er tastete innen herum, wühlte sich durch Blut und Körperflüssigkeiten, tief in ihr, an dem Ort, der eigentlich mit Freude und Leben gefüllt seine sollte, der aber jetzt voller Tod und Verwesung war, bis er es fühlte. Ein kleiner Fuß. Er hielt ihn mit beiden Händen fest in seinem Griff und zog so stark er nur konnte.
Sie sah zu ihm hinunter mit einem leeren Blick des Unverständnisses. Sie hat bestimmt Schmerzen, dachte er, aber sie schrie nicht. Das kleine Leben kam in seinen Händen heraus, blutig, voller Schleim, aufgesperrter, schreiender Mund. Er zog noch heftiger, versuchte das Ding von ihrem Körper zu trennen, aber die Nabelschnur war endlos, klumpig und verknotet.
Er legte seine Hand um den Hals des halbtoten, halb menschlichen Dings und als es immer noch atmete, zerschlug er den Schädel auf dem Boden wie eine Eierschale, beobachtete, wie die grüne Flüssigkeit auf die Fliesen lief und alles auf ihrem Weg verätzte.
Er zog an der Nabelschnur wie an einem Seil beim Tauziehen und bald kam eine weitere Kreatur aus ihr heraus und noch eine und noch eine und er schlachtete ohne Reue eine nach der anderen ab.
Die Geräusche und die Gerüche, ekelerregend. Er hatte das Gefühl, als würde er sich jeden Moment davon übergeben müssen, aber konnte sich nicht davon abhalten, die kleinen Monster herauszuziehen.
Ihre Augen wurden blutunterlaufen, geweitet und sie setzte sich hin, während er ihre Kinder umbrachte und fragte ihn ruhig, "Warum Alex? Warum?"
Er konnte ihr nicht antworten, weil er es nicht wusste.
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"DANA!"
Ich wache schreiend und mich herumwerfen in den feuchten und verknäulten Decken auf. Allein.
"Dana?" rufe ich wieder, mein Herz schlägt so schnell, dass ich kaum Luft holen kann. Sie ist nicht hier. Mein Gott. Oh Gott.
Alptraum. Es war nur ein Alptraum. Ein weiterer. Das war bis jetzt der schlimmste. Der absolut übelste. Normalerweise basieren meine Alpträume auf Dingen, die ich ihr wirklich angetan habe, Dinge, die ich gesehen habe, wie sie ihr angetan wurden. Aber dieser hier....
Wo zum Teufel ist sie? Ich rolle mich stöhnend auf die Seite und versuche den Schlaf und die Verwirrung aus meinen Augen zu reiben. Dann sehe ich auf die Uhr.
Großartig. Es ist fast Nachmittag. Ich muss im Morgengrauen eingeschlafen sein oder irgend so was blödes. Das letzte woran ich mich erinnere, ist stundenlang wach neben ihr gelegen zu haben nach diesem schrecklichen Gespräch über Marita und daran zu denken, dass ich überhaupt nicht würde einschlafen können. Ich nehme an, ich habe mich geirrt.
Ich rolle mich aus dem Bett und laufe ins Badezimmer um zu duschen und mich zu rasieren und dann fällt mir das verdammte Meeting ein. Es hätte vor einer dreiviertel Stunde anfangen sollen. All die Komitee Vorstände, ich, Scully und Mulder sollten darüber diskutieren, welche Aufgaben Mulder zugeteilt werden sollten, jetzt da er sich entschieden hat hier zu bleiben. Ich war drauf und dran ihn dazu einzuteilen, den Müll rauszutragen, aber ich bin spät dran und sie haben wahrscheinlich ohne mich angefangen.
Warum zum Teufel hat sie mich nicht geweckt?
Ich putze mir schnell die Zähne, ziehe mir etwas an, lasse die Dusche und versuche den Schweiß zu ignorieren, der von der unruhigen Nacht an mir klebt. Das Meeting ist wichtiger, als frühlingsfrisch zu sein.
Ich beeile mich so schnell wie möglich nach Patterson zu kommen, abgelenkt aber immer noch verfolgt von den Bildern aus diesem Traum. Als ich das Gebäude betrete und Dana sehe, die gerade auf dem Flur vor dem Konferenzraum mit Roseanne redet, muss ich mich zurückhalten, nicht auf sie zu zu rennen und sie an mich zu drücken.
Stattdessen laufe ich ruhig zu ihnen, versuche die Erleichterung darüber, sie völlig gesund zu sehen, nicht zu zeigen. Immerhin bin ich noch irgendwie sauer auf sie.
Als Roseanne mich kommen sieht, verschwindet sie wieder im Raum und berührt Dana kurz an der Schulter bevor sie geht.
"Warum hast du mich nicht geweckt?" frage ich sie, mehr außer Puste, als mir bewusst war.
"Ich bin um sechs ins Labor gegangen. Du hast endlich geschlafen, also habe ich mir gedacht ich lasse dich schlafen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du bis Nachmittag im Koma liegen würdest", sagt sie leise mit einem Lächeln. Sie hält eine Schreibunterlage gegen ihre Brust und schaukelt mit einem schüchternen Gesichtsausdruck ein wenig auf ihren Fersen hin und her. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
"Nun gut, was habe ich verpasst? Es ist noch nicht vorbei, oder?"
"Nein, wir haben noch gar nicht angefangen. Alle warten auf dich."
"Oh...gut, danke. Danke für's Warten."
"Alex, warum sollten wir das nicht tun?" fragt sie mit so viel Zärtlichkeit in der Stimme, dass ich mich nach besseren Zeiten sehne. Einer Zeit in der ich mich wohl dabei gefühlt hätte, sie genau hier und jetzt zu küssen, sie gegen die Wand zu drücken und ihre Wärme zu teilen. Dann greift sie unter ihre Schreibunterlage und holt ein kleines, gefaltetes Stück Papier hervor. Sie gibt es mir und lächelt wieder. Dann dreht sie sich um und geht in den Konferenzraum zurück.
Ich falte den Zettel auseinander und starre auf die Worte, nicht ganz sicher, ob sie auch wirklich dort stehen.
Alex,
Es ist Dienstag...
Um zehn?
Ist das ein Witz? Sie würde nicht so grausam sein, oder? Ich nehme an, dass ich das nur herausfinden werde, wenn ich heute Abend dort hingehe und es mir selbst ansehe.
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Das muss ich Krycek zugestehen. Der kleine Bastard hat sich hier ein nettes Plätzchen geschaffen. Okay, er hat ihn nicht gebaut oder so, aber trotzdem, er führt ihn ziemlich gut. Sicher nicht der blanke Luxus, was das Materielle anbetrifft, aber ich habe mich in den letzten Wochen wohler gefühlt, als jemals in der Kolonie.
Ich habe ordentlich gegessen und gut geschlafen. Die Leute hier sind nett und freundlich zu mir. Es gibt eine überdachte Laufstrecke, auf der ich joggen kann und ich mache gerade Dehnungsübungen, um genau das zu tun. Und das beste von allem ist natürlich Scully.
Ich denke, sie hat mir verziehen. Sie ist immer besser mit mir klargekommen seit diesem ersten Tag und erzählte mir, was sie die ganze Zeit getan hat, worum es dieser Gruppe geht. Ich bin immer noch nicht ganz mit deren Taktik einverstanden, aber ich beginne zu verstehen, warum sie hier bleibt. Es scheint immer mehr die beste aller schlimmen Möglichkeiten zu sein.
Mein größtes Problem bis jetzt ist wirklich die Langeweile. Ohne eine richtige Beschäftigung und ein Ziel fange ich an verrückt zu werden. Scullys Besuche sind der Lichtblick in meinem Tagesablauf, aber ich sehe sie nicht so häufig, wie ich gerne möchte. Aber das wird sich jetzt ändern. Auf Grund dessen, was wir bei dem heutigen Meeting beschlossen haben, werde ich sie in Zukunft sehr viel häufiger sehen.
Es war meine Idee. Scully hat mir von ihrer Arbeit erzählt, ihrer Suche nach einer Heilung für den Krebs, der droht wieder in ihren Körper und in die der anderen Frauen hier zurückzukehren. Ich wurde daran erinnert, wie es für mich war, sie vor so vielen Jahren beinahe dieser Krankheit erliegen zu sehen und warum ich eigentlich diesem blöden Handel zugestimmt hatte. Nämlich deswegen, damit ich das nie wieder sehen muss. Ich würde alles tun, alles, um sie davor zu bewahren, das noch mal durchmachen zu müssen. Sie fragte mich, ob ich irgendwas über das Heilmittel wüsste, aber alles was ich weiß ist, dass es eines gibt. Und das der Umwandlungsprozess die Umgewandelten immun macht.
Also habe ich heute, als die Frage danach aufkam, zu welcher Tätigkeit ich am besten geeignet wäre, vorgeschlagen, dass ich vielleicht als Versuchskaninchen sehr nützlich sein könnte. Scullys Versuchskaninchen. Ich bin der einzige, den sie haben, der den Umwandlungsprozess durchgemacht hat und die Antwort auf die Fragen die sie stellt, ist in meinem Körper, in meinem Blut. Dessen bin ich mir sicher.
Scully stimmte mir zu, genau wie jeder andere. Außer Krycek. Er dachte ich sollte etwas machen, was mehr in Richtung harter Arbeit geht. Wahrscheinlich wollte er, dass ich seinen Müll rausbringe oder so was. Aber nach dem Scully feststellte, dass das vielleicht die einzige Hoffnung wäre, die sie hat, sah er mich böse an und fügte sich. Es ist mir ausreichend klar geworden, dass er sehr starke Gefühle für sie hat, auch wenn ich bis jetzt die Natur dieser Gefühle nicht so genau bestimmen konnte. Was es auch immer für Gefühle sind, sie bestimmen sein Handeln. Sie nicht krank werden zu lassen war ihm wichtiger, als seine Wut auf mich.
Gelinde gesagt, überrascht mich das. Nicht, dass er sich nach all der Zeit Sorgen um sie macht. Welcher einigermaßen normale Mensch könnte eine Weile mit Scully zusammen sein und sich nicht um sie Sorgen machen? Was mich schockiert ist die Tatsache, dass er sich genug Sorgen macht, um ihre Interessen über seine eigenen zu stellen. Es schockiert mich und es macht mich nervös, weil ich nicht aufhören kann mich zu fragen, was er wirklich im Schilde führt. Ich nehme ihm sein selbstloses Handeln einfach nicht ab. Nicht bei ihm.
Andererseits spielt es keine Rolle. Scully und ich können damit umgehen, egal welchen Unsinn er auch versucht. Wir werden stärker sein als je zuvor.
Nun gut, ich weiß, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Sie ist immer noch ein bisschen distanziert und verschlossen mir gegenüber. Mann, sie hat mir noch immer nicht erzählt, wo sie wohnt. Ich denke sie befürchtet, dass ich nachts um zwei in ihrer Wohnung auftauchen könnte, so wie ich es früher getan habe, verzweifelt und nach Hilfe suchend. Nicht diesmal, Scully. Diesmal wird es anders sein. Besser.
Alles klar, noch eine Kniebeuge und es kann losgehen. Aber gerade, als ich loslaufen will, gehen alle Lichter im Gebäude aus. Ich nehme an es ist eine dieser stromlosen Stunden. So wie es aussieht stellen sie im Winter für einige Stunden pro Woche den Strom und die Heizung aus. Scully hat mir aber den Zeitplan gegeben und ich kann mich nicht entsinnen, dass heute einer dieser Tage gewesen ist.
Als sich meine Augen an die Dunkelheit in der Sporthalle gewöhnt haben, bemerke ich, dass von irgendwoher Licht kommt. Von unten. Ich gehe zum Rand der Laufstrecke und schaue über das Geländer nach unten zu dem innenliegenden Swimmingpool. Das Wasser leuchtet.
Und dann sehe ich sie.
Sie hat wahrscheinlich alle Lichter ausgeschaltet bis auf das im Pool. Sie trägt einen Badeanzug. Einen schwarzen mit einem Reißverschluss vorn. Er sieht so aus, als wenn er zwanzig Jahre alt wäre. Und so sieht auch sie aus. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, bei all dem Mist, den sie durchmachen musste, ein so jugendliches Äußeres zu behalten. Aber ich könnte schwören, dass sie jünger als je zuvor aussieht. Und schöner.
Sie läuft um den Pool herum und als sie die tiefe Seite erreicht, springt sie graziös ins Wasser. Sie fängt an, Bahnen zu schwimmen, hin und her, und ich bin etwas unschlüssig. Sollte ich etwas sagen? Dort hinuntergehen? Oder einfach im Schatten stehen und mich an ihrem Anblick weiden? Sie scheint diesen privaten Moment der Ruhe zu genießen und ich möchte sie nicht stören, aber ich komme mir auch ein bisschen daneben vor, sie zu beobachten, ohne auf mich aufmerksam zu machen. Natürlich könnte ich auch einfach gehen.
Ja sicher.
Es ist keine durchweg willentliche Entscheidung meinerseits, aber ich beobachte sie schließlich, spioniere, wie ich annehme.
Meine Beine wollen mich einfach nicht dort hinuntertragen und meine Kehle will nicht die Wort formen, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie ist einfach so erstaunlich.
Und dann sehe ich ihn.
Ich erkenne ihn an der Art, wie er in Richtung des Poolrandes läuft, ganz in Schwarz wie immer. Er sieht so fremd aus mit seinen Stiefeln und seinem Koppel und seinem Gehabe in dieser mutterleibsähnlichen Atmosphäre der Stille, die Scully geschaffen hat. Und er beobachtet sie. Ich beobachte, wie er sie beobachtet. Und ich warte.
Nach ungefähr vier weiteren Runden doppelten Voyeurismus hört Scully auf zu schwimmen und stellt sich im flachen Teil des Pools hin. Als sie Krycek sieht, der dort wie ein Psychophat herumlungert, zuckt sie ein wenig zusammen und mein Herz beginnt ein wenig schneller zu schlagen. Was macht er hier überhaupt?
"Wie lange hast du schon hier gestanden?" fragt sie, fährt mit den Fingern durch ihr Haar und atmet heftig.
"Seit vier Bahnen."
"Warum hast du nichts gesagt, Alex?"
"Ich wollte dich nicht stören", sagt er in einem frechen und sarkastischen Tonfall. Es ist ein bisschen schwierig, ihren Gesichtsausdruck von hier oben zu erkennen, aber sie sieht völlig erstaunt über seinen Kommentar oder den Tonfall aus. Oder auch über beides.
Etwas sehr eigenartiges passiert hier. Etwas das anfängt, mir Angst zu machen. Die Art, wie er sich ihr gegenüber verhält...es ist beinah, als hätte er irgendeine kranke Fixierung auf sie oder so was.
"Mich stören? Alex, ich habe dich gebeten herzukommen."
Ihre Stimme ist weich und lieb.
Ihn gebeten herzukommen?
"Ich weiß. Wozu?"
Die Frage wollte ich auch gerade stellen, Krycek. Arbeit? Vielleicht muss sie irgendwas mit ihm klären wegen des heutigen Meetings? Sie senkt ihren Kopf und fährt mit den Fingern über die Wasseroberfläche.
"Was denkst du, Alex?" flüstert sie, aber die Akustik hier führt dazu, dass ihre Worte von den Wänden zurückgeworfen werden und in meinen Ohren widerhallen. Ich sollte gehen. Das ist etwas persönliches, etwas, das ich nicht beobachten sollte. Es hat nichts mit Arbeit zu tun. Scully spricht nicht in diesem Ton von Arbeit. Um genau zu sein, ich weiß nicht, ob ich jemals gehört habe, dass Scully ihn benutzt hat. Ich sollte gehen. Aber ich kann nicht. Ich kann nicht.
"Ich habe ehrlich keine Ahnung, Dana."
"Alex..."
Mein Gott, ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass sie ihn so nennt. Oder dass er sie Dana nennt.
"Dana, ich weiß wirklich nicht mehr, was du von mir willst, also wirst du etwa konkreter werden müssen, wenn du nicht willst, dass ich es verderbe."
Sie reißt ihren Kopf nach oben und schaut ihn mit einem herzzerreißend traurigen Gesichtsausdruck an. Sie sieht total verwundbar aus, halbnackt und tropfnass, wie sie zulässt, dass er da steht und diese Dinge zu ihr sagt. Ich habe sie noch nie so verwundbar gesehen.
Dann läuft sie zu den Treppen, die in den Pool führen und setzt sich auf die erste Stufe, so dass die Hälfte ihres Körpers an der Luft ist.
"Okay. Was ist nicht in Ordnung?" fragt sie und er lacht kurz.
"Wo soll ich anfangen?"
"Irgendwo. Ich möchte nur wissen, was du denkst. Ich möchte...ich möchte, dass wir die Probleme beim Namen nennen und sie lösen."
Verdammt, Krycek. Was immer dein blödes Problem ist, komme darüber hinweg. Kannst du nicht sehen, wie sehr es ihr zu schaffen macht?
"Gut, in Ordnung. Hast du es Mulder schon gesagt?"
Es Mulder schon gesagt? Sie senkt ihren Kopf und seufzt und ich habe den Eindruck, sie hat es mir noch nicht gesagt. Ich beginne zu glauben, dass sie mir eine ganze Menge Dinge noch nicht gesagt hat.
"Noch...noch nicht. Ich..."
"Das ist eins."
"Ich hatte keine ... keine Zeit. Ich werde es tun, Alex. Ich werde es tun."
"Du hast das vor zwei Wochen gesagt, Dana. Und ich habe gesagt in Ordnung. Aber es wird langsam lächerlich. Es ist nicht fair. Zu keinem von uns."
Sie drückt ihre Knie an ihre Brust und schaudert, da jetzt beinahe ihr ganzer Körper nicht mehr im Wasser ist. Mein Magen dreht sich um und mir wird schlecht. Oh Scully. Was tust du da?
"Ich...ich weiß. Ich werde es ihm sagen. Morgen. Ich verspreche es."
Zu spät, Scully. Verdammt zu spät.
"Alles klar, du hast vorhin Zeit erwähnt. Du hattest nicht die ‚Zeit', es ihm zu sagen. Was hast du mit all deiner Zeit gemacht, Dana? Weil du sie auf jeden Fall nicht mit mir verbracht hast."
Sie treibt es mit ihm. Oh Gott. Sie treibt es mit ihm. Wie konnte mir das bloß entgehen? Wie konnte ich nur so lange brauchen, die Hinweise richtig zu deuten?
"Ich habe gearbeitet, Alex. Habe mich um kranke Kinder gekümmert und die Nächte im Labor verbracht. Versucht, ein Krebsheilmittel zu finden. Mal ganz abgesehen von dem Widerstands Koordinations Komitee, für das du mich verantwortlich gemacht hast. Und um Himmels Willen, Alex, du bist nicht öfter zu Hause als ich."
Zu Hause? So wie ihr Zuhause und sein Zuhause? Nein, das ist unmöglich. Sie hätte es mir gesagt, wenn sie zusammenleben würden.
Scheiße.
"Möglich. Aber, Dana, wenn wir doch mal zusammen zu Hause sind..."
Zusammen. Zusammen zu Hause. Mein Gott, Scully. Mein Gott.
"Naja, wenn wir in letzter Zeit zusammen sind scheinen die vier kleinen Worte von gestern Abend das Gesetz des Handelns zu sein."
"Vier kleine Worte? Alex...was..."
"Fass. Mich. Nicht. An", bringt er böse hervor, die Arme über der Brust verschränkt.
Alles klar, also, sie haben es miteinander getrieben. Sie hat es mir nicht gesagt und das ist Mist, aber vielleicht...vielleicht will sie es beenden. Vielleicht ist er deswegen so wütend. Vielleicht hat sie sich nicht die Mühe gemacht, es mir zu sagen, weil es keine große Sache ist und sie es einfach beenden will, so dass wir zusammensein können. Vielleicht...
"Oh Alex", seufzt sie, steht auf, steigt aus dem Pool und läuft auf ihn zu.
"Und obwohl du es eigentlich nur ein Mal gesagt hast, strahlst du diese Einstellung schon seit zwei Wochen aus. Also wirst du sicher verstehen, dass ich ein bisschen verwirrt darüber bin, was du im Moment wohl von mir wollen könntest."
"Alex, es ... es tut mir Leid, dass ich das gesagt habe. Und es tut mir Leid, dass wir uns nicht genug Zeit genommen haben. Ich war gestern Abend so wütend und verwirrt und ich hatte das Gefühl ... ich weiß nicht, ich hatte einfach das Gefühl, dass du etwas vor mir verbirgst."
Er hockt sich hin und hebt eines der Handtücher auf, die sie mitgebracht hat und legt es um ihre Schultern. Zu sehen, wie er sie berührt, weckt in mir das Bedürfnis, mich zu übergeben.
"Alex, ich konnte einfach nicht verstehen, warum du so etwas Dummes tust. Und das auch noch allein. Ich meine, ich kann verstehen, warum du derjenige sein wolltest, aber warum hast du mich nicht gebeten, dir zu helfen? Ich hätte dir geholfen. Ich hatte das Gefühl, du würdest mich absichtlich ausschließen."
"Ich habe nur...ich habe mich nicht wohl dabei gefühlt, dich um Hilfe zu bitten, Dana."
"Aber warum? Weil du was mit ihr hattest?"
Sie nähert sich ihm. Sie ist ihm so nah. Ich glaube nicht mehr daran, dass sie mit ihm Schluss machen will.
"Nein, Dana, es hatte nichts mit ihr zu tun. Es hat...es hat mit uns zu tun. Mit dir und mir. Ich habe das Gefühl...ich habe nicht das Gefühl..."
Er fährt sich mit der Hand durch die Haare und sieht zu Boden. Traurig. Er sieht traurig aus. Oder zumindestens betrübter, als ich ihn je gesehen habe. Vielleicht will er mit ihr Schluss machen. Vielleicht...
"Alex?"
"Mein Gott, Dana. Du bist mir gegenüber in letzter Zeit so verschlossen. Ich habe das Gefühl, ich kann noch nicht mal mehr mit dir reden."
"Aber Alex das kannst du. Ich möchte, dass du das tust."
Sie berührt seinen Arm und fährt mit der Hand nach unten, um seine Hand in ihre zu nehmen. Warum bin ich immer noch hier? Oh Gott, ich denke wirklich, dass es mir gleich hochkommt. Wie kann das passieren? Ich warte darauf, dass es aufhört, aber das tut es nicht.
"Ich vermisse dich, Alex. Ich vermisse es, mit dir zu reden, ich vermisse...alles."
"Oh Gott, Djewotschka, ich vermisse dich auch", krächzt er.
Dje was? Nein, ich will's lieber gar nicht wissen.
"Alex, lass uns...lass uns einfach heute Abend zusammen sein. Lass uns die letzten zwei Wochen vergessen und wieder von vorn anfangen."
Ich verstehe das nicht. Das kann nicht Scully sein. Vielleicht ist sie ein Klon. Vielleicht setzt er sie unter Drogen. Vielleicht...
Oh mein Gott, er küsst sie. Er hat seine Hand an ihrem Hinterkopf und seine Zunge in ihrem Mund und beide stöhnen und klammern sich aneinander und ich kann nicht hinsehen, aber ich kann auch nicht wegsehen. Der blöde, widerwärtige Kuss scheint Ewigkeiten zu dauern und jedes Geräusch, das sie machen, jedes Seufzen und jedes Schmatzen und der Klang ihres nassen Badeanzugs, der gegen seine Lederjacke klatscht, all das hallt durch den Raum und durch meinen Kopf. Es ist die lauteste beschissene Sache, die ich je gehört habe.
Mein Gott, Scully, wie konntest du? Wie konntest du mir das antun? Uns? Wir waren dem hier so nahe. Das sollte ich sein, der dich küsst. Ich.
Schließlich löst sie sich von ihm und geht zum Rand des Pools während sie an seiner Hand zieht.
"Komm ins Wasser mit mir, Alex."
Sie lässt seine Hand los und geht wieder in den flachen Teil des Pools zurück. Dann fängt sie an, den Reißverschluss ihres Badeanzuges zu öffnen.
Ich muss gehen. Bitte lieber Gott, mach das ich gehe. Ich kann nicht hier stehen und zusehen, wie sie sich für ihn auszieht.
"Dana..."
"Kommst du nicht?"
"Dana, bist...bist du sicher? Weil wenn nicht ich...ich meine ich kann das wirklich nicht mehr ertragen", bringt er atemlos heraus. Jaa, armer Junge. Zwei Wochen sind wirklich eine verdammt lange Zeit. Verdammtes Arschloch.
"Ich bin mir sicher, Alex. Ich bin mir so sicher, dass es wehtut", säuselt sie mit einer Stimme, von der ich eigentlich dachte, dass sie nur Pornostars und Telefonsexmiezen tatsächlich benutzen. Dann kreuzt sie die Arme über ihrer Brust und zieht die Träger ihres Badeanzuges nach unten.
Ich versuche wegzusehen, aber...
Mann, sie ist so verdammt schön. Ich kann das nicht ertragen. Ich kann es nicht. Wie kann das nur passieren? Wie kann das fair sein?
"Vorsicht, es ist sehr ... sehr nass", sagt sie und wirft ihren abgelegten Anzug aus dem Pool und auf seine Stiefel. Ich sehe das erste Mal seit langen wieder zu ihm. Er hat schon seine Jacke ausgezogen und kämpft mit seinem Hemd. Er bewegt sich so schnell und rasend, er sieht aus, als würde er jeden Moment umfallen.
Sie lacht, als sie seine verzweifelten Bemühungen beobachtet, sich so schnell wie möglich völlig auszuziehen.
"Lass die Zeit, Tschiwodnoje", kichert sie. Tschiwodnoje. Klingt wie Russisch. Ich möchte wissen, was das heißt. Ich frage mich, ob es Bastard heißt. Ich frage mich, ob es hinterhältiger, verlogener, mordender, veräterischer Hurensohn heißt.
"Du lachst mich aus Frau? Hast du eine Ahnung wie das ist, zwei Wochen lang blaue Eier zu haben?"
"Nein, das habe ich nicht, Alex. Warum erzählst du es mir nicht? Sag mir, wie sehr du das willst. Sag mir, wie sehr du das brauchst", murmelt sie wieder in dieser...dieser Stimme. Sie lässt sich auf ihren Rücken fallen, so dass sie im Wasser treibt. So, dass ihre Brüste aus dem Wasser zeigen, in die Dunkelheit, dorthin, wo ich stehe. Ich fühle wie mein Schwanz als Antwort darauf steif wird, ungeachtet dessen, was in meinem Kopf vorgeht und was von meinem Herzen übrig ist.
Ich kann sie nicht mehr ansehen, aber wenn ich ihn ansehen wird mir noch übler. Er ist jetzt nackt und genauso hart wie ich für sie. Und er sieht sie an wie ein verdammtes Raubtier, dass seine Beute verschlingen will.
Sie wird es wirklich zulassen, dass er sie vögelt.
Vielleicht ist es ein Abschied. Vielleicht ist es nur ein letztes Mal, bevor sie ihn sitzenlässt und zu mir zurückkehrt. Vielleicht...
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Ende Kapitel 5
Kapitel 6
Mein Gott, ist es erst zwei Wochen her? Es scheint mir eine Ewigkeit gewesen zu sein.
Eine Ewigkeit, seit dem ich ihn so gesehen habe. Nackt, oh ich habe ihn oft nackt gesehen. Es ist schwierig, das nicht zu tun, wenn man mit jemandem in einem Wohnheimzimmer zusammen lebt. Aber nackt und glühend und erregt und lächelnd...endlich lächelnd, das ist etwas ganz anderes. Etwas, das ich mehr vermisst habe, als mir bewusst war.
"Alex..."
Ich kann kaum sprechen. Ich bin tatsächlich sprachlos.
"Oh Gott, Djewotschka, ich wäre vor Verlangen nach dir fast verrückt geworden. Ich konnte an nichts anderes denken."
Er setzt sich auf die Treppe und winkt mich zu sich. Als ich dort hin geschwommen bin, greift er nach mir und zieht mich auf seinen Schoß. Ich erwarte, vollständig von ihm überwältigt zu werden, aber er hält mich einfach gegen seine Brust gedrückt und wiegt mich auf seinen Oberschenkeln.
"Ich vermisse dich", flüstert er in meine nasse Haare und ich schlinge meine Arme um seinen Hals.
"Ich vermisse dich auch, Alex."
Mein Gott, ich vermisse ihn so sehr. Es fühlt sich wunderbar an, ihm so nahe zu sein. Ich kann es nicht fassen, dass ich mir das so lange verweigert habe, dass ich mich ihm so lange verweigert habe.
Ich wende mich ihm zu, um ihn zu küssen und seine Zunge füllt sacht meinen Mund und sendet ein Beben durch meinen Körper, wie nichts anderes das je vermocht hätte. Wie konnte ich ihm nur sagen, er solle mich nicht anfassen? Egal wie wütend ich auch war, es war schrecklich und idiotisch, das zu sagen. Ich könnte es nicht ertragen, wenn er mich niemals wieder berühren würde.
"Mmmtut mir Leid, Alex", flüstere ich in sein Ohr und er zieht mich näher an sich heran. "Es tut mir so Leid, dass ich gesagt habe...was ich gesagt habe. Ich hätte das nicht tun sollen."
"Ist schon okay. Es war nicht leicht für dich in letzter Zeit."
"Aber trotzdem. Ich hätte es einfach nicht sagen sollen. Punkt."
Ich denke mir war nicht klar, wie es auf ihn wirken würde. Mir war nicht klar, dass er es sich so zu Herzen nehmen würde. Das war wirklich, wirklich blöd von mir.
"Ist schon okay. Nur...sag es einfach nicht noch mal, okay?"
Mein Gott, er klingt genau wie ein kleiner Junge. Es erstaunt mich manchmal immer noch, wie verwundbar er wird, wenn er mit mir zusammen ist. Es zerreißt mir das Herz in viele eigenartige Stücke.
"Niemals", verspreche ich ihm mit einem weiteren Kuss. "Niemals wieder."
Ich will ihn so sehr. Ich halte es nicht aus. Ich will ihn einfach.
"Lass uns jetzt von vorn anfangen, Alex."
Ich drehe mich auf seinem Schoß um, klettere auf ihn drauf und setze mich rittlings auf ihn, genieße das Gefühl seines Schwanzes, der unter Wasser gegen mich gedrückt wird. Ich beuge mich zu ihm und fange an, die Seite seines Halses zu lecken und zu beißen und bemerke wie ich mich beinahe unbewusst im Rhythmus gegen ihn wiege. Ich denke ich bin so weit, dass ich ihn gleich jetzt in mich aufnehmen könnte.
Aber er zieht sich von mir zurück. Er scheint nicht so verzweifelt wie ich zu sein. Vielleicht hat er immer noch Angst, wegen der Art, wie ich ihn zurückgewiesen habe.
"Mmm Dana..."
"Hmm?"
Ich nehme seine Hand in meine und lasse sie lüstern an meinem Körper hoch und runter gleiten, um ihn zu ermutigen, um ihn zu zeigen, wie sehr ich seine Berührung will.
"Was brauchst du, Alex"" frage ich, ziehe seine Finger wieder zu meinem Mund und nehme seinen Zeigefinger zwischen meine Lippen. Ich sauge gierig an ihm, erregt von der Art, wie er meine Show anstarrt, mit großen Augen und offenem Mund.
"Ich...äh..."
Er schluckt und schließt seine Augen. Was immer es ist, es muss gut sein. Ich habe noch nie gesehen, dass er so verlegen ausgesehen hat, mich um etwas Derartiges zu bitten.
"Ich wollte nur...kann ich dich einen Augenblick im Arm halten?"
"Halten...äh...sssicher. Ja ja. Okay."
Ich bin einen Moment lang ernüchtert, aber versuche wirklich angestrengt, meine Enttäuschung nicht zu zeigen. Es ist wirklich süß und ich liebe es, von ihm im Arm gehalten zu werden. Es ist nur, naja, ich nehme an ich warte ein bisschen ungeduldig auf das Hauptereignis des heutigen Abends.
Ich atme tief durch und setze mich wieder mit geschlossenen Beinen auf seine Schoß und er zieht mich gegen seine Brust.
"Ist das in Ordnung?" fragt er, während er mich immer fester drückt.
"Ja ja. Ja, das ist nett."
Es ist nett, aber er fängt an, mich zu zerdrücken. Ich versuche, mich zu entspannen und auf seinen Herzschlag an meinem Ohr zu lauschen. Es schlägt so schnell. Und ich beginne Schwierigkeiten mit meiner Atmung zu bekommen.
Ich lasse zu, dass er mich ein paar weitere Minuten in seinem Todesgriff hält, aus Angst davor ihm zu sagen, dass ich bald ersticken werde und ich genieße die Nähe tatsächlich, trotz allem. Aber nach nicht allzu langer Zeit fühle ich, wie sich mein Brustkorb verkrampft und fange an, mir um körperliche Schäden Sorgen zu machen. Tod durch Alex Umarmung.
Ich räuspere mich und huste ein wenig, aber er scheint es nicht zu bemerken. Er quetscht mich immer noch fast zu Tode und atmet schwer über meinem Kopf.
"Äh, Alex..."
"Hmm? Oh. Oh Gott, entschuldige", stammelt er und lockert seinen Griff spürbar. "Ich hatte nicht die Absicht, dich zu erwürgen."
"Ist in Ordnung", seufze ich und kuschle mich an ihn. Wir sitzen eine Weile wortlos da, hängen aneinander und genießen das Gefühl und ich bin dankbar, mit jemandem zusammen zu sein, der so wunderbar ist. Das war eine sehr gute Idee.
"Mein Gott, Dana, ich fühle mich so eigenartig. Das ist alles so eigenartig."
Darüber muss ich lachen. Es gibt nichts an diesem Leben, was *nicht* eigenartig ist.
"Ich meine dieses ganze vergangene Jahr war für mich eigenartig", fährt er fort und mir fällt plötzlich ein, dass gestern unser Jahrestag gewesen ist. Vor einem Jahr haben wir uns das erste Mal geliebt. Ich kann es nicht fassen, dass wir diesen Tag auf so furchtbare Weise verbracht haben. Gott sei Dank machen wir das jetzt wieder gut.
"Ich meine ich...ich habe nie erwartet, dass mir so was passieren würde, Dana."
"Naja, ich hätte es auch nicht erwartet. Aber ich bin froh, dass es passiert ist. So froh."
Ich fange wieder damit an, seinen Hals zu küssen, unfähig, dagegen anzukämpfen und versuche mich auf diesen speziellen Teil seines Körpers zu konzentrieren um mich davon abzuhalten, nach seinem Schwanz zu greifen.
"Ich weiß nur manchmal nicht, was ich mit mir anfangen soll", spricht er weiter, anscheinend unbeeindruckt von meinen Bemühungen. "Ich nehme an, dass ich manchmal das Gefühl habe, wenn ich dich nur fest genug an mich drücke, würde ich dich nicht verlieren."
Ich höre mit dem was ich tue auf, setze mich zurück und sehe in seine Augen.
"Alex, ich will dich auch nicht verlieren. Glaubst du das nicht?"
Er antwortet mir nicht, was mir einen ziemlichen Schrecken einjagt. War ich so zurückhaltend? So kühl? Oder ist er etwa viel unsicherer, als ich es mir je hätte träumen lassen?
"Ich hoffe nur, dass du niemals das Gefühl hast, du *musst* bei mir bleiben", sagt er leise, fast so, als wollte er nicht, dass ich es höre. Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich mich jemals dazu verpflichtet fühlen könnte, seine Geliebte zu sein. Weil er mein Leben gerettet hat? Weil ich es ihm schulde? Ich kann nicht glauben, dass er das je in Erwägung ziehen würde.
Oder ist es noch etwas viel schlimmeres? Etwas, das er nie sagen würde. Denkt er, ich habe Angst vor ihm? Dass ich um mein Leben fürchte, wenn ich ihn verlasse?
Ich wende mich ihm zu und nehme sein Gesicht in meine Hände, drücke seine Wangen mit meinen Handflächen zusammen.
"Alex, das betrifft uns alle beide. Okay?"
Er zuckt mit den Schultern und ich lache fast laut auf, weil er so ein erbärmliches Bild abgibt mit seinem zusammengeknautschten, stirnrunzelnden Gesicht.
"Und das ist es, was du willst?" fragt er mit seinem Fischmund und dieses Mal lache ich.
"Ja! Alex, ja. Ich will das. Ich will dich."
Ich betone diese Erklärung mit einem weiteren Kuss, aber als ich mich wieder zurückziehe hat er immer noch diese skeptischen Ausdruck auf seinem Gesicht.
"Sieh mal, Alex, ich werde dir was sagen. Wenn es mir mies gehen sollte, dann kannst du mich rausschmeißen, okay? Auf diese Weise liegt es ganz bei dir."
"Naja, das ist eine ziemlich große Verantwortung. Wie werde ich das wissen?"
"Du denkst nicht, dass du mich gut genug kennst, um zu wissen, wann es mir mies geht?"
"Keine Ahnung, Dana. Für mich sah es so aus, als wenn es dir in den letzten zwei Wochen ziemlich mies ging."
"Das lag nicht an dir, Alex."
"Aber..."
"Alex. Hör mir zu. Ich will nicht gehen. Ich will niemals gehen."
Er öffnet seinen Mund, um einen weiteren Protest loszuwerden, aber ich unterbreche ihn mit einem Kuss. Hauptsächlich deswegen, weil ich ihn küssen will, aber teilweise auch deshalb, weil ich möchte, dass er jetzt aufhört zu reden. Ich möchte einfach all das vergessen und wieder so sein, wie wir früher waren. Nur für eine Nacht.
"Das ist alles einfach eigenartig für mich, Dana", sagt er wieder, als wir uns trennen. "Ich war noch nie..."
Er hört von selbst damit auf, diesen Gedanken zu Ende zu bringen und das macht mich unaussprechlich traurig. Er fängt an das Gefühl zu haben, als könnte er es nicht mehr sagen. Wahrscheinlich wegen meiner nicht vorhandenen Reaktion. Manchmal weiß ich nicht, was mit mir nicht in Ordnung ist. Warum muss das alles so verwirrend sein?
"Ich habe noch niemals so gefühlt. Und ich weiß wirklich nicht, wie das sein sollte. Was ich tun sollte..."
"Du machst das ganz prima, Alex", flüstere ich in sein Ohr und er schaudert ein wenig. Ob es ein Reaktion auf den verführerischen Tonfall ist, den ich versuche zustande zu bringen oder die Tatsache, dass sein halber Oberkörper aus dem Wasser schaut kann ich nicht genau sagen.
"Mein Gott, Dana. Es tut mir so Leid. Ich weiß nicht, was mit mir nicht in Ordnung ist."
"Mit dir ist alles in Ordnung."
Ich fahre mit meiner Hand über seine glatte, harte Brust und weiter hinunter über seine dicken, muskulösen Oberschenkel. Nö, alles in Ordnung hier.
"Du bist perfekt, Alex. Perfekt."
Er lächelt das erste Mal seit einer langen Zeit, besänftigt von meiner ehrlichen aber völlig schamlosen Schmeichelei. Naja, es hat doch funktioniert, oder?
"Das sag ich ja immer", sagt er grinsend zu mir. "Aber niemand außer dir glaubt mir."
"Hmmm, mysteriös. Vielleicht hast du mich einer Gehirnwäsche unterzogen."
"Vielleicht. Ich nehme an, es gibt keine Möglichkeit, das herauszufinden, hm?"
"Naja, man sagt die Unwissenden sind glücklich..."
"Und bist du glücklich?"
"Ich weiß es nicht. Ich bin zu unwissend, um das rauszufinden."
Ich schlängle mich aus seiner Umarmung und schwimme von ihm weg, weil mir plötzlich spielerisch zumute ist. Er schaut mir mit einem Schmollmund hinterher.
"Was denkst du was du gerade tust?"
"Schwimmen. Ist es nicht das, was man normalerweise in einem Pool tun sollte?"
Er sieht nach unten und streicht mit seinen Händen über die Wasseroberfläche mit einem sehr gespielten und sehr albernen Stirnrunzeln.
"Naja weißt du, es gibt andere Sachen, die man im Pool tun kann. Meine Dana Voodoo Puppe würde wissen, was zu tun ist."
"Deine was?"
"Ja ja, sie ist eine kleine Wäscheklammer mit roten Haaren, die mit Buntstift aufgemalt sind."
Ich muss aufhören umherzuschwimmen, weil ich jetzt so sehr lache und ich könnte ertrinken.
"Naja, manchmal reicht Gehirnwäsche nicht aus. Manchmal braucht ein Mann ein bisschen zusätzliche Hilfe. Also immer wenn ich geil werde halte ich sie einfach neben meinen Schwanz und dann tauchst du wundersamerweise auf."
"Alex, du solltest das Spielzeug den Kindern überlassen", sage ich kichernd zu ihm.
"Ja, sie hat in der letzten Zeit sowie nicht funktioniert. Ich denke der Zauber hat sich abgenutzt."
"Oder du bist einfach verrückt."
"Ich nehme an, das ist durchaus immer möglich."
Wir beide lachen und es fühlt sich so gut an. So, so gut, so zu sein. Ich denke, ich habe genauso lange nicht so gelacht, wie wir keinen Sex hatten. Es war mir nicht klar, wie sehr ich das gebraucht habe.
Ich glaube mir war der Wert von Albernheit nicht bekannt, bis Alex und ich zusammenkamen. Ich bin mir sicher ihm auch nicht.
Ich sehe zu ihm hinüber, wie er immer noch auf den Stufen sitzt, halb im halb aus dem Wasser, und ich frage mich, ob er *immer noch* Bedenken hat, mich richtig zu berühren.
"Was ist los, kleiner Junge? Warum sitzt du immer noch auf der Treppe? Hast du Angst vor dem Wasser?"
"Nö. Ich habe Angst davor, was im Wasser ist", sagt er und stürzt sich unerwartet auf mich. Er fasst mich um die Hüfte und hebt mich hoch und ich kreische wie eine Dreizehnjährige. Er wirbelt mich herum und ich schlinge meine Arme um seinen Hals, um nicht davonzufliegen.
"Weißt du, es gibt ein Monster hier drin", brummt er in mein Ohr. "Ein geiles Pool Biest."
"Ich glaube nicht an Mon...Monster!" versuche ich kichernd zu betonen. "Und wenn ich das täte wäre ich nicht so ängstlich wie du, du großes Baby."
"Oh, das ist ein Fehler, Dana. Das Pool Biest ist sehr gefährlich. Er nimmt hübsche kleine Mädchen wie dich und tut das..."
Er schiebt mich gegen die Wand und beginnt damit, spielerisch an meinem Hals zu nagen. Es kitzelt und es ist warm und ich kann nicht aufhören zu lachen und mich zu winden und erfolglos zu versuchen, ihn wegzuschieben, so dass ich wieder zu Atem komme.
Er hört schließlich auf, aber ich bekomme das kaum mit, weil ich immer noch lache und praktisch hyperventiliere. Ich höre ihn etwas sagen, aber ich kann nicht genau sagen, was es ist.
"Hmmwa...was?" frage ich und versuche, Luft zu bekommen. Er sieht mich plötzlich sehr ernsthaft an.
"Ich habe gesagt du bist schön", flüstert er rau. "Die allerschönste Sache auf der Welt."
Bevor ich auf diese Erklärung antworten kann, außer damit, ihn anzustarren, küsst er mich wieder, so zart und so süß, dass es mich fast zerbricht. Ich vergrabe meine Finger in seinen Haaren und ziehe seinen Kopf näher und unsere Münder öffnen sich, unsere Zungen berühren sich leicht. Er weiß immer genau, was er sagen muss, um meine Inneres nach außen zu kehren.
Könnte ich es jetzt sagen, frage ich mich, als wir uns küssen und küssen und küssen. Könnte ich?
Als wir uns schließlich trennen und ich mich zurücklehne, fällt mein Blick auf die Sterne über uns. Ich werde von einem Rausch von Erinnerungen und Gefühlen überwältigt, die an dem Tag beginnen, an dem wir das erste Mal hierher kamen und die sich über die Jahre fortsetzen, die wir zusammen verbracht haben, als Freunde und in letzter Zeit als Liebespaar, über all die Dienstage, die wir hier damit verbracht haben, miteinander zu reden und uns zu lieben und einfach Spaß zu haben. Ich könnte es sagen.
Vielleicht...
"Alex, denkst du jemals an diese erste Nacht, als wir her kamen?"
"Manchmal, ja."
Ich nehme sein Gesicht in die Hand und drehe es nach oben und er lächelt.
"Sie sehen besser aus", sagt er. "Allerdings nicht so gut wie du."
"Mmm...klar."
"Nein, ernsthaft. Das ist alles, woran ich an diesem Abend denken konnte, weißt du. Du hast die ganze Zeit gesagt, ich solle mir die Sterne ansehen und alles, was ich mir ansehen wollte warst du."
Er senkt seine Kopf und sieht mir in die Augen und ich schmelze schon wieder.
"Sogar damals?"
"Natürlich. Wie könnte ich nicht?"
"Mein Gott, Alex. Ich war damals so ein Wrack."
"Trotzdem schön. Immer", flüstert er und lehnt sich zu mir, um mich wieder zu küssen. Dieser Kuss ist hungriger, leidenschaftlicher und feuchter als der vorhin. Seine Zunge stößt in meinen Mund hinein und hinaus als Imitation dessen, wofür ich mittlerweile zu sterben bereit wäre und ich kralle mich gierig an ihm fest.
"Also, wo ist das Pool Biest?" frage ich, als er mein Kinn und meinen Hals küsst.
"Hmmm?"
"Pool Biest? Geiles Monster? Ich warte die ganze Zeit darauf, dass es mich attackiert, aber hier sitze ich nun und bekomme Küsse vom alten, langweiligen Alex."
Er lächelt und scheint sowohl seinen Sinn für Humor als auch sein Selbstvertrauen zurückbekommen zu haben. Gott sei Dank.
"Ah, ich verstehe was du meinst. Naja, du musst etwas tun, um das Monster zu rufen. Er erscheint nicht einfach so unaufgefordert."
"Oh, ich verstehe. Was soll ich tun?"
"Nun, er könnte es mögen, wenn du meinen Hals küsst, so wie du es vorhin getan hast. Ich glaube, ich habe gehört, wie er sich genähert hat, als du das getan hast."
"Ist das so? Er mag es, wenn ich *deinen* Hals küsse?"
Er nickt kurz mit diesem "du weißt du willst es" Grinsen und ich kichere schon wieder.
"Er ist ein Voyeur."
"Na gut, alles klar, ich nehme an es kann nicht schaden, es mal zu versuchen..."
Ich schabe mit meinen Zähnen über die Haut an der Seite seines Halses in dem Versuch, verführerisch zu sein und seine Reaktion ist ein Stöhnen. Ich kann das allerdings nicht lange so weiterführen. Ich lache zu sehr.
"Weißt du, ich habe nicht den Eindruck, dass du das Biest besonders ernst nimmst", sagt er rau zwischen seinem eigenen leisen Lachen.
"Oh, mir war nicht klar, dass es ein ernstes Biest ist."
"Es ist sehr ernst."
Ich versuche, mein Lachen herunterzuschlucken, aber ich kann es nicht. Es ist ein erstaunliches Gefühl, nicht in der Lage zu sein, mit Lachen aufzuhören.
"Das ist sehr schlecht. Weißt du, was es mit kleinen Mädchen macht, die es auslachen?"
Ich schüttle meinen Kopf, begierig, die Antwort zu erfahren.
"Es macht...das!"
Er fasst nach unten und beginnt gnadenlos meinen Bauch zu kitzeln. Ich versuche davonzukommen, aber ich bin am Ende zwischen der Wand und ihm gefangen. Ich lache so sehr, dass ich weine. Kreische und quietsche und zapple.
"Halt!! Alex, ich krieg...ich krieg keine Luft!"
Er hört auf mit Kitzeln, aber ich bin immer noch zwischen ihm und der Seite des Pools eingeklemmt. Nicht das ich mich beschwere.
"Wirst du das Biest von jetzt an ernst nehmen?" fragt er mit seinem Finger gefährlich nahe an meiner Bauchdecke.
"Ja", sage ich, aber kann es mir nicht verkneifen, hinterher loszuprusten.
"Weißt du was deinen Spott vielleicht noch wieder gut machen könnte?"
"Was?"
"Wenn du magst, hebe deine Beine und schlinge sie um meine Hüfte."
"Oh, er mag das, ja?"
Interessant. Diese Theorie muss ich testen. Ich lege meine Arme um seinen Hals und hebe mich selbst nach oben, fast schwerelos durch das Wasser, und schlinge mich um ihn. Oh ja. Das funktioniert nun endlich für mich. Alex macht eine Geräusch irgendwo zwischen einem Stöhnen und einem Lachen und drückt sich gegen mich. Er ist wieder hart. Oder immer noch. Ich bin nicht sicher, ob er es die ganze Zeit war oder nicht. Ich war von seinem Herumgealbere zu abgelenkt.
"Also, das Biest, wie du es nennst, lebt es ausschließlich im Wasser?"
"Ausschließlich? Nein, ich denke nicht", sagt er und lässt seine Hüften verlockend kreisen. "Ich habe es auch schon an anderen Orten hier in der Gegend gesehen."
"Naja, ich nehme an das was ich wissen wollte war, wie lange es deiner Meinung nach unter Wasser die Luft anhalten kann."
Er lächelt und stößt noch absichtlicher gegen mich mit einem weiteren Stöhnen/Lachen.
"Ich verstehe was du meinst", flüstert er durchtrieben und seine Lippen sind nahe genug, um ihn zu küssen. "Unglücklicherweise denke ich, dass er vorwiegend Luft atmet. Vielleicht könntest du ihm ein paar Tauchstunden geben."
"Tauchstunden?!"
"Ja, ich weiß. Er ist kein sehr effektives Monster."
"Nun gut..." ich höre kurz auf, um meinen Mund kurz an seine zu drücken, aber sobald wir uns berühren, teilen sich seine Lippen und unserer Zungen treffen sich in einer rasenden, feuchten Verschlingung.
"Mmmmgut", setze ich fort, als eine Küsse sich weiter über mein Gesicht und zu meinem Ohr hin bewegen. Er beginnt, an meinem Ohrläppchen zu saugen und an den Wirbeln zu lecken und ich vergesse wieder, was ich sagen wollte.
"Das klingt....ughmmm....das klingt so, als wenn er überhaupt kein Monster ist."
Das Zungenbad hört abrupt auf und er sieht mich mit gespieltem Unglauben an.
"Stellst du die Existenz des Biests in Frage?"
"Vielleicht."
"Also das ist die allerschlimmste Beleidigung. Weißt du was das Monster macht, wenn du ihn in Frage stellst?"
"Nö."
"Er hebt dich so aus dem Wasser."
Er hebt mich hoch und schmeißt mich auf den Rand des Pools. Es ist eiskalt und der Boden ist hart und unbequem und ich kreische missbilligend. Allerdings weiß ich, wohin das führt und ich werde nicht in den Pool zurückgehen und das verpassen.
"Und dann kommt er heraus und beißt in deine Oberschenkel", sagt er zu mir und fängt damit an, genau das zu tun.
"Naja, so viel dazu, dass ich auf dich als ...mmmmbeschützer zählen kann."
"Oh, ich bin hilflos gegen das geile Biest", murmelt er an meinem Bein. Ich fange an, das Unwohlsein im Rest meines Körpers recht schnell zu vergessen, als seine Zähne und Lippen die Innenseiten meiner Oberschenkel streifen, höher und höher...
"Glaubst du jetzt an das Biest?"
"Hmmwaa..."
"Oder muss ich die Demonstration fortführen?"
Oh Gott. Bitte führe sie fort.
"Es gibt kein Monster. Nur den Wahnsinnigen, mit dem ich ein Bett teile."
"Okay, jetzt ist das Monster wirklich sauer. Er mag es nicht, wenn du mich beschimpfst. Ich denke, es wird langsam Zeit für eine Lektion in Monstermanieren."
"Monster was?!"
"Ja, du musst lernen, höflich zu dem Monster zu sein. Ihn zu respektieren und anzubeten."
"Anbeten?"
"Ja, er wird sich nicht mit weniger zufrieden geben. Ansonsten tut er das..."
"Ich denke das ist ein bisschen vieeeeee, oh Gott..."
Oh Gott. Oh mein Gott. Er ist da. Endlich. Meine Beinen spreizen sich sofort instinktiv so weit wie es geht, als ich seine Zunge spüre, die langsame, Delirium verursachende Kreise um meine Klitoris zieht. Worte können dem nicht genüge tun, wie gut sich das anfühlt.
Ich lehne mich auf meine Ellbogen zurück und bereite mich auf den Orgasmus vor, dem ich schon sehr nahe bin und dann, ganz plötzlich, ist er wieder weg.
"Und dann hört er einfach so auf und dann tut es dir wirklich Leid", sagt er mit dem unerträglichsten Grinsen, das ich je gesehen habe.
Oh, Alex. Du kleiner Bastard.
"Alssso...also was?" keuche ich mit dem erbärmlichen Bemühen, unbeeindruckt zu erscheinen.
"Also was? Gut, okay. Wenn du weiterhin das Monster nicht respektieren willst, wirst du den Preis zahlen müssen."
Er sieht zu mir auf, wartet auf meine Kapitulation. Ich setze mich hin und nehme seinen Kopf in meine Hände. Ich erwäge, ihn wieder zwischen meine Beine zu schieben, aber überlege es mir dann anders. Ich bin noch nicht bereit, jetzt schon aufzugeben. Also tauche ich ihn stattdessen unter. Er kommt wieder hoch und spuckt und schüttelt seinen Kopf wie ein nasser Hund.
"Jetzt bist du *wirklich* in Schwierigkeiten, Frau."
Er brummt ein wenig und fängt wieder damit an, diesmal etwas langsamer. Er leckt zärtlich *überall* an mir, außer an *dem* Punkt und mein ganzer Körper wird zu Gelatine und meine Hüften zucken und schieben sich gegen ihn. Zu gut. Gott, das ist zu gut. Ich kann nicht glauben wie lange es her ist, dass ich das gefühlt habe. Ich habe das Gefühl, als würde ich mir nach zweiwöchigem Hungern wieder richtig den Bauch voll schlagen.
Als er seine Zunge langsam in mich hineinstößt, kann ich nur noch Wimmern.
"Oh Gooo...hör nicht aufff", bettle ich schamlos und natürlich, tut er das.
Ich versuche, ihn gefährlich anzustarren, aber er grinst mich nur an wie der große Idiot, der er nun mal ist.
"Also du siehst, es ist das Beste, wenn du ihn einfach besänftigst."
"Du denkst wohl du bist das anbetungswürdigste Geschöpf auf dieser Erde, oder?"
Er lacht leise ganz tief aus seiner Kehle heraus und leckt seine Lippen. Mein Gott, diese Lippen. Ich stelle fest, dass ich sie einfach anstarre und wieder zwischen meinen Beinen haben will.
"Das ist es, was das Monster mir immer sagt. Er mag mich. Weil ich ihn anbete."
"Naja dann braucht ihr zwei mich ja eigentlich nicht, wenn ihr einander habt."
"Oh aber Dana, wir sind so einsam ohne dich."
"Bist du sicher? Weil ich die Dinge auch allein in die Hand nehmen kann..."
Seine Augen werden heller und glitzern mit feuchter Verzückung und er nickt langsam und zustimmend.
"Ich denke dem Monster würde das sehr gefallen."
Ich fahre mit meinen Händen durch meine Haare und zu meinem Oberkörper hinunter. Meine Brust in die Hand zu nehmen und die harte Brustwarze zwischen zwei Fingern zu reiben, fühlt sich erstaunlich gut an und ich stöhne völlig selbstvergessen auf. Ich beobachte ihn, wie er mich beobachtet und es fühlt sich sogar noch besser an.
"Mag dein Monster das?" frage ich ihn und stelle mich selbst ziemlich zur Schau. "Mmmjaaa, er ist wirklich glücklich. Mach weiter."
Meine Hand gleitet weiter an meinem Körper herunter und ich fange an, ohne Scheu direkt vor Alex Nase zu masturbieren. Sein Stöhnen und Keuchen ist fast so laut wie meines während er mir zusieht.
Manchmal kann ich es kaum glauben, wie ich mich benehme, wenn ich mit ihm zusammen bin. Normalerweise bin ich sehr leise, wenn ich das tue. Übrig gebliebene pubertäre Schuldgefühle oder so was. Aber jetzt stöhne ich wie ein Pornostar. Weil er es mag. Weil ich mag, dass er es mag. Weil ihn zu erregen *mich* mehr erregt, als irgendetwas anderes auf der Welt.
Nach kurzer Zeit spüre ich das vertraute Kribbeln und ich weiß, dass wenn ich das weiter tue, ich mich selbst so weit bringen werde. Ich werde mich nicht davon abhalten können.
"Oh, Aleeex", wimmere ich und er greift nach meiner Hand und zieht sie weg. Er nimmt die zwei Finger, die ich benutzt habe in seinen Mund und saugt daran. Seine Augen schließen sich und er stöhnt, genießt meinen Geschmack. Es ist unerträglich.
"Gott, Alex, bitte..."
Ohne ein weiteres Wort greift er meine Hüften, zieht mich nach vorn und bringt es mit seiner Zunge für mich zu Ende. Mein Orgasmus ist so machtvoll und so schnell. Es ist, als würde ich aus einem Fenster fallen. Es ist wie sterben. Ich denke ich verstehe jetzt endlich, was zur Hölle das bedeutet.
Als es vorbei ist, rutsche ich wieder zurück in den Pool und in seine Umarmung. Er hält lange Zeit meinen zitternden, ausgelaugten Körper.
"Gut?" flüstert er in mein Ohr.
"Ich habe Sterne gesehen."
"Hey, was du nicht sagst, ich auch."
Wir beide lächeln und ich fühle, wie er sich gegen mich drückt. Gott, ich will ihn in mir. Ich möchte ihn sofort in mir haben.
Und zu meinem Glück will er das auch.
Ich hebe meine Beine und lege sie um seine Hüfte und er braucht keine weitere Ermutigung.
"Bosche Moi", schnaubt er, als er sich in mich schiebt. Ich bin ziemlich sicher, dass das 'Mein Gott' heißt. Diese Sache mit der Übersetzung hat nur was mit Kontext zu tun.
Es ist so lange her, das es mir tatsächlich ein wenig wehtut, aber darüber hinaus erfüllt es mich mit einer süßen, bebenden Spannung, die ich nicht ansatzweise beschreiben kann.
Er fängt langsam an, versucht es hinauszuzögern, aber ich habe keine Geduld mehr. Ich treibe ihn mit meinen Fersen an seinem Rücken an, ziehe ihn tiefer in mich hinein.
"Mehr", flüstere ich und das scheint das gewesen zu sein, was er hören wollte. Er vögelt mich, schnell und hart, knallt mich gegen die Wand und ich werfe meinen Kopf zurück und stöhne.
Egal wie wir es beginnen, es endet immer auf diese Weise. Wir können zärtlich und liebevoll sein, wir können albern und sorglos sein, wir können leidenschaftlich und intensiv sein. Aber wenn wir an diesen Punkt kommen, dann scheint es so, als wenn wir es nicht verhindern könnten, es zu treiben wie heiße Hunde. Es gibt einen Ort, an den wir uns beide bringen und wir verpassen es niemals, dort gemeinsam hinzugelangen.
"Das ist so gut...du bist so gut", summt er und ich greife nach ein paar Strähnen seiner feuchten, zerzausten Haare und ziehe sein Gesicht zu mir. Seine Zunge stößt aus seinem Mund in meinen und ich mag es. Das tue ich wirklich. Es fühlt sich an, als wenn er überall ist.
Ich erinnere mich an eine längst vergangene Unterhaltung mit Roseanne, als sie mir erzählte, wie es ist, mit Alex Krycek Sex zu haben. Sie sagte, dass die ganze Welt verschwinden würde. Dass das einzige, was dann noch existieren würde du und er sind, die es miteinander treiben. Das es so ist, wie von einem Tornado erfasst zu werden. Ihre Worte, nicht meine. Ich erinnere mich daran, dass ich gedacht habe, wie albern das klingt und trotzdem hat es mich unausweichlich fasziniert. Ich denke ich weiß jetzt, worüber sie gesprochen hat. Ich möchte glauben, dass das, was ich mit ihm erlebe, das, was ich gerade erlebe, Roseannes Erfahrung mal zwanzig ist. Mal hunderttausend. Ich denke das ist es. Weil er Roseanne nicht geliebt hat.
Er liebt mich. Mich.
Und alles andere verschwindet. Ich sehe nach oben zu den Sternen am Himmel, aber sie zählen nicht mehr. Alles was ich sehe und höre und fühle und schmecke ist Alex. Der Geruch seines Schweißes, das Kratzen seiner Zähne und das Kitzeln seiner Zunge auf der Haut an der Seite meines Halses, das Zittern der Muskeln in seinem Arm, während er mich gegen sich drückt, die Glätte seines Oberkörpers, das Schlagen seines Herzens gegen meine Brust, seine Kehle, sein Adamsapfel, der auf und nieder hüpft, während er scharf und keuchend atmet, sein Penis, pulsierend und stoßend in mir. Das ist es, was ich fühle; was ich bin.
Ich spüre nicht die Kälte, die soweit ich weiß die obere, entblößte Hälfte meines Körpers treffen muss. Ich spüre nicht das Scharren der Haut meines Rückens an den Betonwänden des Pools.
Ich spüre...oh, ich spüre...
Ich spüre wie meine Hände auf seiner Schulter ruhen und ich spüre, wie das frühe Zittern eines herausragend langen und köstlichen Orgasmus meinen Körper erschüttert. Ich grabe meine Nägel in sein Fleisch bis Blut kommt, markiere ihn. Mir. Er gehört mir.
Seine Zähne schließen sich fest um die Haut an meinem Hals und als seine Hand an meinem Rücken hinuntergleitet, um nach meinem Hintern zu fassen, knurrt er und schüttelt seine Kopf wie ein Welpe, der auf Leder herumbeißt. Es sollte wehtun, aber das tut es nicht. Es treibt mich nur noch weiter voran. Und dann fühle ich seine Finger, die sich erkundend nach unten bewegen. Er erreicht den Ort, an dem wir beide verbunden sind und das Gefühl von seiner Berührung dort reicht aus, um die Sache für mich zu Ende zu bringen.
"Oh Gott, Alex, oh MEIN GOTT", schreie ich laut und er stößt in mich wie ein Wahnsinniger. Ich komme zweimal und irgendwo dazwischen fühle ich, wie er in mir größer wird und explodiert. Seine orgasmischer Schrei wird von den Wänden zurückgeworfen und ist ungefähr das lauteste, was ich je in meinem Leben gehört habe.
Als er sich wieder erholt, hält er mich gegen sich und flüstert, während er immer noch in mich stößt, "liebe dich, liebe dich, liebe dich." Mein Brustkorb krampft sich dabei mit diesem nun schon vertrauten Gefühl einer Kombination aus Panik, Freude und Delirium zusammen. Ich denke das ist das erste Mal, dass das jemals jemand in einer solchen Situation zu mir gesagt und auch ehrlich gemeint hat.
Ich bedecke sein Gesicht und seinen Hals und diese wunderschönen Wimpern mit Küssen und lasse mich gegen ihn fallen.
"Danke, Alex", murmle ich in sein Ohr und er drückt mich fester. Wir bleiben eine Weile ganz still und dann höre ich ein Geräusch. Ein kleines, polterndes Geräusch. Fast, als wenn jemand hier ist. Ich hebe meinen Kopf und schaue mich nervös um, genau wie Alex.
"Was ist das?" frage ich.
"Ich denke, das ist das Pool Monster", sagt er grinsend. Ich denke ich bin zu müde und erledigt, um mir darum Gedanken zu machen. Ich denke ich bin berauscht genug, um ihm zu glauben.
"Lass uns nach Hause gehen, Alex."
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Ende Kapitel 6