Rachel Anton
World Without End – Zweiter Band
Kapitel 13
Einfach weitermachen. Rückblickend erscheint das, als wäre es ziemlich dumm gewesen, das zu sagen. Es hätte so viele andere Möglichkeiten gegeben, Dinge, die ich hätte vorschlagen können, die verhindert hätten, dass wir an diesen Punkt gelangt wären.
Zum Beispiel hätte ich sagen können, "Warum fangen wir nicht einfach damit an, dass du mir sagst, was vorgeht?"
Vielleicht wollte ich es einfach nicht wissen. Vielleicht habe ich es schon gewusst und konnte nicht ertragen, es zu hören.
Die Zeichen waren alle da. Sie war so lange distanziert und eigenartig gewesen, dass ich sie mir schon gar nicht mehr anders vorstellen kann. Sie verschwindet für lange Zeit ohne Erklärung, ziemlich oft, seit mindestens einem Monat. Sie in seinen Armen zu erwischen war nur die Glasur auf dem Kuchen.
Aber ich habe mich immer noch geweigert, es zu glauben. Als sie an diesem Tag zu mir kam, habe ich wirklich geglaubt, dass sie aufrichtig war, dass ich vielleicht paranoid und unsicher bin. Ich dachte, dass sie es versuchen wollte. Und ich habe es auch versucht. In der letzten Woche habe ich mein äußerstes versucht, die Dinge zwischen uns wieder gerade zu biegen, trotz der Tatsache, dass ich mit der Planung des Einsatzes noch mehr beschäftigt war als je zuvor, trotz meiner Zweifel und meiner Ängste. Sie schien mit mir daran zu arbeiten, hat mir sogar vor einigen Tagen das Privileg gestattet, mit ihr zu schlafen.
Ich dachte, wir befänden uns in einer weiteren Aufwärtskurve auf dieser verdammten Achterbahnfahrt der Gefühle, die wir seit den letzen fünf Monaten durchmachen. Ich nehme an, ich habe mich geirrt.
Manchmal frage ich mich, ob sie denkt, dass ich der dümmste Mensch bin, der jemals gelebt hat. Hat sie gedacht, ich würde es nicht herausfinden? Ich war früher ein verdammter Spion um Himmels Willen.
Nein. Nach heute Abend denke ich, dass es sicher ist zu sagen, dass sie wollte, dass ich es herausfinde, aber nicht den Mumm hatte, es mir ins Gesicht zu sagen. Das ist es, was mich am meisten traurig macht. Ich habe so viel von ihr erwartet. Ich dachte, sie wäre mutig.
Ich bin kein Verfechter von Regeln.
Ich habe mich nicht daran gehalten und ich habe nicht allzuviele davon aufgestellt. So weit es mich betrifft, sind die meisten davon heuchlerisch und einfallslos, mehr eine Krücke für die Leute, die nicht selbst zwischen Gut und Böse unterscheiden können, als irgendeine Art von Schutz.
Nicht dass ich die verlässlichste Quelle dieses Thema betreffend bin...
Jedenfalls ist der Punkt, dass Dana und ich nicht sehr viele Regeln in unserer Beziehung haben. Die meisten unserer gegenseitigen Erwartungen blieben unausgesprochen. In der ganzen Zeit, in der wir zusammen waren, hatte ich nur eine einzige Forderung, einen einfchen Gefallen, um den ich sie gebeten habe.
Nein, nicht Treue, obwohl ich beginne zu denken, dass es vielleicht eine gute Idee gewesen wäre, diese gleich von Anfang an festzulegen, als sie blind von ihr zu erwarten.
Die Regel ist, dass wir beide an dem Abend vor einem Kampf, einem Einsatz oder einer anderen potentiell lebensbedrohlichen Situation, zeitig von der Arbeit nach Hause kommen, Abendbrot essen, uns unterhalten und ins Bett gehen. Gemeinsam.
Ich habe ihr das schon sehr frühzeitig gesagt, dass ich das brauche, noch bevor wir überhaupt zusammen gewohnt haben und sie war immer sehr entgegenkommend. So sehr, dass ich dazu verleitet wurde zu glauben, dass sie das auch brauchte.
Eine weitere fehlerhafte Schlussfolgerung.
Ich werde morgen wegfahren. Die Lastwagen sind alle bepackt, der Plan ist festgelegt, die Uhren verglichen und all dieser Mist. Ich leitete unsere last-minute Strategiesitzung in rasender Geschwindigkeit, habe in meiner Eile, schnell nach Hause zu kommen ein paar wichtige Punkte übersprungen und bin hierher zurückgekommen, um das zu kochen, was durchaus mein letztes Essen mit Dana sein könnte. Gewesen wäre, wenn sie aufgetaucht wäre.
Die ersten paar Stunden waren nicht all zu schlimm. Ich war ein bisschen früh dran, wie sich herausstellte und habe die zusätzliche Zeit damit verbracht, das Essen bis zur Perfektion zu verfeinern. Als ich schließlich mit essen fertig war, war sie ein wenig spät dran, aber ich dachte mir, dass ich das Essen in den Ofen stellen würde und es wäre dann immer noch warm, wenn sie heimkommen würde.
Es ist jetzt verbrannt. Verbrannt zu einer erbärmlichen schwarzen Masse.
Schon seit sechs Stunden ist es in diesem Zustand. Ich weiß noch nicht einmal mehr, was es einmal war.
Ich muss sagen, dass diese sechs Stunden die längsten meines Lebens waren. Ich ging durch verschiedene Stadien als mir klar wurde, dass sie nicht nach Hause kommen würde. Zuerst Leugnen. Na klar, jede Minute würde sie durch diese Tür kommen, voll der Entschuldigung und mit nachvollziehbaren, glaubhaften Erklärungen.
Das wandelte sich gegen neun oder zehn Uhr in Ärger.
Wie kann sie es wagen, mich so zu versetzen? Könnte sie es vergessen haben? Was für eine blöde Kuh...
Nach einigen Stunden wütenden Herumlaufens und Stuhltretens fing ich an, mir Sorgen zu machen. Was, wenn ihr etwas zugestoßen wäre? Sicher könnte sie es nicht vergessen haben. Sicher würde sie mir das nicht absichtlich antun. Die Dinge waren angespannt zwischen uns, um es mal vorsichtig zu sagen, aber sie würde sich niemals dazu herablassen, mir weh zu tun. Sie muss verletzt sein oder in irgendwelchen anderen Schwierigkeiten.
An diesem Punkt habe ich mich dazu entschieden, nach ihr zu suchen.
Ich hatte mir nicht gewünscht, dass es dazu kommt. Ich nehme an, dass das Leugnen sehr fest in mir verankert war und dass ein großer Teil von mir immer noch darauf wartete, dass sie von selbst zurückkommen würde.
Aber ich konnte nicht einfach hier sitzen und warten, wenn sie meine Hilfe brauchte.
Der erste Ort zu dem ich ging war natürlich auch der naheliegendste. Wenn ich gleich hierher gegangen wäre, um fünf oder sechs, als sie hätte nach Hause kommen sollen, wären die Dinge vielleicht anders gewesen. Vielleicht wäre ich in der Lage gewesen, mich weiterhin in meiner glücklichen, Scheinwelt zu verkriechen.
Aber ich bin nicht vor um eins in der Nacht ins Labor gegangen. Ich nehme an, dass es der Spanner in mir war, der zuerst durchs Fenster schauen wollte, anstatt an die Tür zu klopfen. Der Spanner und der Realist, derjenige, der von Anfang an wusste, was wirklich vorging.
Sie war dort, alles klar. Sie sah post-orgasmisch glücklich aus und zerwühlt und einen Moment lang war ich tatsächlich erleichtert. Ihr ging es gut. Gott sei Dank war sie in Ordnung.
Und dann sah ich sie mit dem selben übelkeitserregenden Gesichtsausdruck, wie er über ihr lehnte. Sie sprang in seine Arme und ich sah so lange dabei zu wie ich es aushalten konnte, wie sie sich umarmten wie zwei liebeskranke Teenager. Vielleicht habe ich darauf gewartet, dass sie damit aufhören würden. Aber sie haben nicht aufgehört. Sie haben sich einfach umarmt und gelacht und sind verdammt noch mal auf und ab gesprungen und ich habe schließlich aufgegeben.
Völlig.
Und jetzt, fast zwei Stunden später, sitze ich hier an dem, was frühere mal unser Küchentisch gewesen ist und warte immer noch darauf, dass sie nach Hause kommt. Aber dieses Mal ist es mit Einsicht.
Ihre Taschen sind gepackt und draußen im Flur übereinandergestapelt. Wenn sie nicht zurückkommt, bevor ich weggehe, wird es keine Notwendigkeit für eine schreckliche Szene geben. Sie wird die Taschen sehen und verstehen, dass ich ihr endlich gegeben habe, was sie wollte. Ich glaube das erste Mal überhaupt.
Vielleicht bin ich zu gutmütig, lasse sie zu einfach davonkommen.
Vielleicht wäre es besser, wenn ich vorgeben würde, nichts zu wissen und einfach weitermachen würde, es ihr so schwer wie möglich machen würde, mit ihrer wahren Liebe zusammen zu sein. Aber traurigerweise habe ich das nicht in mir. Ich könnte die Qual selbst nicht ertragen.
Nein, die Zeit ist reif. Es gibt nichts mehr zu sagen, keinen Schmerz mehr, den wir uns noch gegenseitig zufügen könnten. Ich hoffe nur, dass es mich nicht zerstören wird, sie zu verlieren.
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Am Ende war die Antwort so einfach, dass es schwierig zu verstehen war, warum wir soviel Zeit gebraucht haben, sie zu finden.
Wie konnten wir so lange etwas so grundlegendes, so völlig offensichtliches übersehen? Ich nehme an ich wusste, dass die Lösung in Mulders Blut steckt, aber wer hätte gedacht, dass es das Blut selbst sein würde?
Es spielt keine Rolle mehr. Wir haben es gefunden. Einen Weg sich umzuwandeln ohne die Umwandlung. Die richtige Mischung, die richtige Temperatur, alles richtig. Das ist alles, was zählt.
Wir werden natürlich noch mehr Tests durchführen müssen. Wir werden das Serum erst mal jemandem injizieren müssen, der mit dem Krebs infiziert ist. Ein menschliches Versuchskaninchen. Ich habe mich schon selbst auf dieses Schicksal vorbereitet, weil ich mir fast völlig sicher bin, dass es funktionieren wird.
Ich hätte Alex sagen sollen, dass ich später kommen werde. Es ist sicher schon früh um vier. Der Mond ist schon weg und die Nacht ist in ihrer dunkelsten Phase.
Das einzige Geräusch auf dem Campus ist das von meinen Füßen, die das gefrorene Gras berühren, während ich nach Hause gehe. Er macht sich sicher Sorgen.
Es spielt keine Rolle. Wenn ich ihm erst mal erzählt habe, wo ich gewesen bin, was ich heute Nacht getan habe, wird er es vergessen. Er wird glücklich sein. Sogar euphorisch. Und das beste von allem ist, dass meine Entdeckung sicher ausreichen wird, um ihn von dieser Wahnsinnsmission abzuhalten, die er morgen vor hatte. Es wird so sein müssen. Ich werde ihn nicht gehen lassen, bevor er richtig mit mir geschlafen hat und es ist einfach nicht mehr genug Zeit. Er sollte in zwei Stunden wegfahren.
Als ich in das Wohnheim komme, habe ich das Gefühl, als müsste ich die Gänge auf und ab rennen, an jede Tür hämmern und alle Welt aufwecken um ihnen zu sagen, dass ich es getan habe. Ich habe es endlich getan.
Aber da gibt es nur eine Tür, die wirklich wichtig ist und ich stürze die Treppen hoch, zwei Stufen auf einmal nehmend, um das vierte Stockwerk und mein Zuhause zu erreichen.
In meiner Aufregung und meiner Eile stolpere ich fast über den Haufen Müll, der vor unserer Tür steht.
Vielleicht hat Alex ein bisschen aufgeräumt. Es sieht allerdings nach ein bisschen zuviel Sachen aus, um sie einfach wegzuwerfen.
Ich steige darüber, mache mir eine geistige Notiz, sie morgen auszusortieren und sicherzugehen, dass er nichts wegwerfen, was wir noch brauchen und schließe die Tür auf.
Alle Lichter sind aus und der Raum fühlt sich sehr leer an, als ich eintrete. Er ist sicher schon schlafen gegangen. Ich schließe und verriegele die Tür hinter mir und fange an, durch die Dunkelheit zu laufen. Als ich die Schlafzimmertür erreiche, höre ich ein Geräusch, so etwas wie ein Seufzen, aus dem Küchenbereich kommen. Ich drehe mich erschrocken um.
"Alex?"
Stille. Ohrenbetäubende, unheimliche Stille.
Ich taste im Dunkeln herum, suche gleichzeitig nach dem Lichtschalter und der kleinen Pistole, die an meinen Stiefel geschnallt ist.
"Wer ist da?"
Keine Antwort.
Ich greife die Waffe mit der rechten Hand und bewege den Schalter mit der linken. Die kleine, gedämpfte Glühbirne der Küchenlampe flackert und ich atme erleichtert aus. Es ist Alex.
"Warum hast du mir nicht geantwortet?" frage ich. Er zuckt mit den Schultern und hebt seinen Blick nicht von der Tischplatte.
"Warum sitzt du hier im Dunkeln?" versuche ich wieder und stecke meine Waffe dorthin zurück, wo sie hingehört. Immer noch keine Antwort.
"Alex, du wirst nicht glauben, was heute nacht passiert ist," platze ich heraus, einfach berstend mit dem Wunsch, die guten Neuigkeiten mit ihm zu teilen. Seine Augen richten sich nach oben und er schnieft, lacht höhnisch. Da gibt es etwas gefährliches in diesen Augen.
"Es ... es tut mir Leid, dass ich so spät dran bin, Alex, aber es gibt einen Grund. Einen sehr guten Grund."
"Wirklich," sagt er, aber es ist keine Frage. Es ist der gleiche hölzerne Ton, den er an diesem Tag im Büro mir gegenüber benutzt hat.
"Ja, wirklich. Ich denke dass... ich denke dass wir es gefunden haben, Alex."
"Es?"
Ich kann mich nicht davon abhalten, zu ihm hinüber zu laufen und meine Arme um seine Schultern zu legen. Er mag jetzt genervt aussehen, aber wenn er versteht...
"Alex, das ist so aufregend!"
Ich lehne mich nach vorn und küsse ihn auf den Mundwinkel, will einfach nur in seinen Schoß fallen und von ihm umschlossen werden. Aber sein Körper wird steif, hart und kalt und er zuckt.
"Was hast du gefunden, Dana?"
"Alex, wir sind gerettet. Ich bin gerettet!" flüstere ich in sein Ohr und er zuckt weg.
"Wovon sprichst du?"
"Ich habe es gefunden."
Ich bewege mich so, dass ich auf dem Boden vor ihm knie, so dass ich sein Gesicht sehen kann, wenn er versteht.
"Ein Heilmittel, Alex. Ich habe ein Heilmittel gefunden."
Seine Augen weiten sich und ich lache, lache einfach. Es fühlt sich so real an es so laut zu sagen.
"Bist du sicher?"
"Ziemlich absolut sicher."
Ich lehne mich nach vorn, um ihn ganz auf den Mund zu küssen, aber diesmal steht er auf und geht ganz von mir weg, lässt mich allein auf dem Boden sitzen. Er dreht mir den Rücken zu und stützt seine Hand auf den Rand der Spüle. Mehr Stille.
"Alex, willst du nichts sagen?"
Ich werde nicht sterben, Alex. Ist dir das egal?
Natürlich weiß er nicht, wie nahe ich dem gekommen bin. Trotzdem dachte ich, er würde begeistert sein. Er wollte das eine zeitlang genauso sehr wie ich.
"Ich freue mich. Ich weiß, dass du lange daran gearbeitet hast. Herzlichen Glückwunsch."
"Freuen? Du freust dich? Glückwunsch? Alex, verstehst du nicht, was das bedeutet? Siehst du nicht, wie sehr uns das helfen wird?"
"Ja, ich weiß, was es bedeutet. Du hast einen sehr guten Job gemacht. Das wird belohnt werden."
Ich weiß noch nicht einmal, wie ich darauf antworten soll. Nicht nur die Worte, auch der Ton. Selbst an diesem Tag im Büro war er nicht so kalt zu mir. Das kann nicht nur deswegen sein, weil ich zu spät komme. Nicht jetzt, da er weiß warum.
Ich stehe auf und gehe zu ihm, lege von hinten die Arme um seine Hüfte und schmiege meinen Kopf in die Neigung seiner Schulter.
"Alex, was ist los? Bist du darüber nicht glücklich?"
Ich spüre, wie sein Brustkorb sich hebt und senkt, als er seufzt.
"Ich muss bald gehen. Ich muss mich fertig machen."
"Gehen? Alex...du gehst nicht immer noch, oder?"
"Ja."
"Aber Alex, wir haben, was wir von ihnen brauchen. Du musst nicht mehr gehen. Dass ist es, was ich versuche, dir zu sagen. Warum bleibst du nicht hier bei mir?"
Ich greife mit meiner Hand durch die Knöpfe seines Hemdes und streichle zart seinen Bauch. Ich fühle seine Muskeln unter mir zucken und dann spüre ich, wie er schaudert und sich gewaltsam von mir losreißt.
"Das ist nicht alles, was wir brauchen, Dana. Nicht alles, was ich brauche."
Er geht zurück zum Tisch und ich falle fast gegen den Rand.
"Warum gehst du, Alex?"
"Die Waffen. Ich habe es dir gesagt."
Nein. Ich weigere mich zu glauben, dass er so viel für so wenig riskieren würde. Das ist es nicht, was ihn jetzt antreibt. Ich habe eine Ahnung, was wirklich seine Motivation ist und es macht mir schreckliche Angst.
"Warum gehst du *wirklich* Alex?"
"Die Waffen. Und weil wir zu oft zum Narren gehalten wurden."
"Also gehst du aus Rache? Du riskierst dein Leben und das Leben all dieser Menschen, um zu beweisen, dass niemand Alex Krycek zum Narren hält?"
Er schaut zur Decke auf und lacht kurz durch die Nase.
"So in etwa ..."
"Alex, du kannst nicht..."
Sein Kopf sinkt nach unten und seine Augen sehen über das Zimmer hin weg in meine. Er ist jetzt so weit weg und er sieht wütend aus. Sehr, sehr wütend.
"Was tust du hier, Dana?"
"Was ich ... was meinst du, Alex? Was ist los mit dir?"
"Ist dir nicht etwas aufgefallen, als du hier reinkamst, Dana? Vielleicht habe ich es nicht deutlich genug gemacht."
"Alex," atme ich und werde immer beunruhigter und verwirrter, als er seine Stimme hebt.
"Muss ich dir erst eine Zeichnung machen?" brüllt er. Er schließt fest seine Augen und atmet heftig ein. Seine Wut ist beängstigend, aber wenigstens zeigt er mir etwas. Es ist besser, als die kalte Schulter.
"Nein, Alex, ich möchte, dass du mit mir redest. Ich möchte dass du mir sagst, was nicht in Ordnung ist."
"Womit soll ich anfangen?"
"Womit du anfangen willst."
"Na ja, wir haben nicht viel Zeit, also bleibe ich besser nur bei heute Abend."
Heute Abend? Ist es das, worum es geht? Könnte er wirklich so wütend sein, weil ich zu spät bekommen bin? Mir war klar, dass er vielleicht ein wenig gereizt oder besorgt sein würde, aber ich dachte mir, dass wenn ich ihm erst mal gesagt hätte weswegen, ihm klar werden würde, wie wichtig es war. Natürlich dachte ich auch, dass es ihn davon abhalten würde zu gehen und dass das Verpassen dieser Nacht nicht so eine riesige Sache sein würde.
"Alex, es tut mir Leid. Es tut mir Leid, dass ich heute Abend nicht da war. Das tut es wirklich. Ich dachte dass du, wenn ich dir erzähle ... ich dachte wir hätten mehr Zeit."
"Nun, da lagst du falsch, Dana. Wir haben keine Zeit mehr."
Seine Stimme ist wieder kalt und ausdruckslos und mit einer beängstigenden Endgültigkeit wiederholt er, "Gar keine."
Beim Klang dieser Worte sinkt mein Herz in meinen Bauch, weil ich auf einmal bemerke, dass er sich nicht nur auf unsere Zeit heute Abend bezieht. Hier passiert etwas sehr viel größeres und es fängt endlich an, durch das Delirium meiner Entdeckung hindurchzusinken.
"Alex, warum bist du nicht runter ins Labor gekommen, wenn du auf mich gewartet hast?"
"Ich bin erst nicht gekommen, weil ich sehen wollte, wie lange du brauchen würdest, um von selbst her zu kommen."
Ein Test? Ist es das? Was für ein Spiel spielt er hier mit mir zur Hölle?
"Aber als ich hörte, wie die Vögel zu singen begannen, habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht. Also bin ich runter ins Labor gegangen, Dana."
"Ja? Ich habe dich nicht dort gesehen."
"Nein, das kann ich mir gut vorstellen. Du schienst ziemlich abgelenkt zu sein. Ziemlich glücklich abgelenkt."
"Ja, Alex. Weil ich gearbeitet habe."
Er wimmert und schleudert mir entgegen, "Woran genau, Dana? Ist das Heilmittel gegen Krebs in Mulders Hosen?"
Ich kann es nicht verhindern, dass bei diesem Kommentar meine Kinnlade auf den Boden kracht. Ich denke ich würde ihm eine runterhauen, wenn der Tisch nicht zwischen uns stehen würde.
"Was genau ist es, dessen du mich hier beschuldigst?" kriege ich fertig, durch meinen Ärger und meine Verwirrung herauszubringen.
"Alles was ich weiß ist, was ich gesehen habe. Wieder."
"Und das wäre?"
"Du und ... er. Wie ihr euch um zwei Uhr nachts angegrapscht habt, sieben Stunden, nachdem du zu Hause sein und mit mir zusammensein solltest."
"Alex, das war ... es war nichts. Es war eine Umarmung. Wir haben uns umarmt, weil wir glücklich darüber waren, das Heilmittel gefunden zu haben. Ich kann nicht ... ich kann nicht glauben, dass ich diese Unterhaltung führe. Du benimmst dich lächerlich. Wieder."
Er starrt mich einfach an mit diesen bewegungslosen Augen und diesem offen stehenden Mund, die Einkerbung über seiner Nase tiefer als je zuvor. Abscheu. So schaut er.
Unglauben und Abscheu.
"Ich werde schlafen gehen, Alex."
Ich fange an auf zitternden Beinen Richtung Schlafzimmer zu gehen. Er seufzt schwer hinter mir.
"Ich denke du übersiehst hier immer noch den Punkt."
"Alex, wo ist Ret?" frage ich, weil mir plötzlich bewusst wird, warum mir dieser Ort so leer erschien, als ich nach Hause kam. Keine schlabbernde Masse von Hund, die an mir hochsprang, als ich durch die Tür kam.
"Er ist in Brians Zimmer. "
"Wozu, zur Hölle?"
"Weil er und sein Besitzer hier nicht mehr wohnen."
Ich drehe mich um, um ihn wieder anzusehen und verdammt sei er, er sieht tatsächlich schadenfroh aus. Seine Arme sind über seiner Brust verschränkt und grinst mich verdammt noch mal an.
"Was tust du, Alex?" frage ich leise während die Angst meine Brust in einem eisernen Griff hält.
"Es tut mir Leid. Ich dachte, dass wäre jetzt schon offensichtlich. Ich werfe dich raus ... Scully."
"Du tust ... was? Du wirst nicht ... Alex, nein."
"Dein Zeug ist schon draußen. Du kannst dir jedes Zimmer hier aussuchen, das du möchtest, so lange es nicht in diesem Gebäude ist. Du kannst deinen Job behalten und alles andere. Nur geh mir aus dem Weg."
"Ich kann das nicht fassen. Ich kann dich nicht begreifen. Ich kann nicht fassen, dass du das tust!"
Und es so verdammt einfach tust. Es aushandelst, als wäre es ein verfluchtes Geschäftsabkommen oder so. Kann er nicht sehen, dass er mich wieder damit umbringt? Bringt es ihn nicht um? Ich möchte ihn schütteln, ihn schlagen, damit er wieder zu dem Alex wird, den ich kenne, aber ich befürchte, von dem ist nichts mehr übrig.
"Du willst einfach ... du gibst uns einfach auf? Mich? Weil du eine völlig unschuldige Umarmung falsch interpretiert hast?"
"Es ist nicht nur die Umarmung, Dana. Erinnerst du dich daran, was du mir an dem Abend im Pool gesagt hast?"
"Welcher Abend? Wovon redest du?"
Mein Gott, das ist so völlig surreal. Ich habe das Gefühl, als würde das Universum unter meinen Füßen auseinanderfallen. Was um alles in der Welt passiert hier?
"Du hast gesagt, dass ich deine Erlaubnis hätte, dich rauszuschmeißen, wenn du nicht glücklich bist und ich wüsste, dass du nicht glücklich bist. Also, hier sind wir."
"Ich habe nie gesagt, dass ich unglücklich bin! Ich habe das nie gesagt! Niemals..."
Ich fühle die Tränen der Panik und des Horrors in meiner Kehle brennen, meine Wangen hinunterlaufen und ich wische sie verzweifelt weg. Warum soll er sie, wie ich zerbreche, wenn es ihm überhaupt nichts ausmacht?
"Du musst es nicht sagen. Meinst du nicht, dass ich es sehen kann, wenn ich jeden Tag mit dir zusammenlebe? Dana, die einzigen zwei Male, in denen ich dich in den letzten fünf Monaten glücklich gesehen habe, waren die zwei Male, in denen ich dich in seinen Armen gesehen habe."
Bastard. Verflucht seist du, du Bastard. Warum tust du mir das an?
"Ich kann das nicht fassen. Ich kann es nicht FASSEN! Weißt du was, Alex? Ich wünschte, dass ich es mit Mulder getrieben hätte, so dass ich diese Art der Behandlung wirklich verdient hätte. Aber das haben wir NICHT! Wir haben ÜBERHAUPT NICHTS getan!"
Oh Gott, das ganze entgleitet mir wirklich. Ich muss hier raus, bevor ich anfange zu Hyperventilieren.
Tief durchatmen. Lass ihn nicht sehen, dass du hysterisch bist.
"Es spielt keine Rollen, ob ihr es getan habt, oder nicht," sagt er leise und ruhig. Verdammt seist du, Alex Krycek. Verdammt.
"Nein, offensichtlich tut es das nicht."
"Der Punkt ist, egal ob du es zugeben kannst, dir selbst gegenüber, mir gegenüber oder irgendjemand sonst gegenüber, du möchtest mit ihm zusammen sein. Du bist nur glücklich, wenn du mit ihm zusammen bist."
Die Sonne ist aufgegangen. Er muss bald weg zu seinem blöden, kleinen Abenteuer und ich kann nicht mehr hier sein. Ich kann einfach nicht.
"Du wirst dich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen, egal was ich sage, Alex. Es gibt keinen Grund, überhaupt noch darüber zu reden."
Wir starren uns in die Augen und ich warte einen langen Moment lang, den längsten in meinem Leben, dass er dem ein Ende setzt. Aber er tut es nicht und das Messer schneidet noch ein wenig tiefer.
Ich kann noch nicht mal mehr die Tränen wegwischen, weil sie zu schnell kommen.
"Schöne Reise," sage ich zu ihm, laufe schnell an ihm vorbei und zur Tür, ertrage die Schmerzen, dass kein Teil meines Körpers einen Teil seines Körpers berühren kann. Ich schwöre, als ich meine Hand auf die Türklinke lege, brennt sie wie Feuer.
"Schönes Leben," flüstere ich und meine Stimme bricht irreparabel.
"Ich kann das einfach nicht mehr ertragen, Dana. Ich versuche nicht, dich zu verletzen," sagt er zart und das ist einfach der letzte Stich.
"Zu spät."
Ich ziehe die Tür auf und gehe hindurch, schließe sie schnell hinter mir, so dass ich nicht mehr auf sein verdammtes leeres Gesicht schauen muss. Dieses Mal falle ich über den blöden Haufen Müllbeutel im Flur und mich trifft schließlich die Erkenntnis, dass das wirklich alles meine Sachen sind. Alle davon.
Ich lasse mich in dem Kram fallen, lasse nun endlich zu, dass ich weine, weil ich weiß, dass er diese Tür so lange nicht öffnen wird, bis er sicher ist, dass ich gegangen bin. Ich lehne mich gegen die Tür, wimmere, ja wimmere wie ein geschlagener Welpe, berühre das Holz und wünschte, dass ich wieder zurück auf die andere Seite könnte.
Und dann höre ich ihn.
Oder besser, höre, was er tut. Glas zerschlagen, Holz zerbrechen, Dinge zerstören. Er ist darin und schlägt Dinge kaputt, reißt unser zu Hause in Stücke. Es tröstet mich nicht, dass seine stoische Fassade zerbröckelt ist. Tatsächlich vertieft es irgendwie nur noch den Schmerz. Und das schlimmst von allem ist, dass ich, obwohl ich ihn im Moment mehr als alles andere hasse, die Welt dafür hergeben würde in der Lage zu sein, da hineinzugehen und ihn zum Aufhören zu bewegen. Ihn zu trösten und es wieder besser zu machen.
Aber ich kann es nicht besser machen. Und ich fürchte, ich werde es nie wieder können.
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Ende Kapitel 13
Das unglücklichste Kapitel
Kapitel 14
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Eine blauschwarze Flüssigkeit wirbelt in einem Reagenzglas in meiner Hand herum, als ich es immer wieder und wieder und wieder hin und her drehe. Erinnert mich an eine dieser Entspannungs-, Lavalampen-Dinger, die Geschäftsleute und Psychologen früher immer auf ihren Schreibtischen stehen hatten. Wie kann etwas so einfaches, so viel Hoffnung in sich tragen, so viele Antworten?
Ich konnte nicht schlafen, als ich letzte Nacht nach Hause kam. Na ja, technisch gesehen, heute Morgen. Nicht, dass das etwas Neues ist, aber diesmal war meine Schlaflosigkeit nicht auf Angst und Melancholie begründet. Ich war einfach nur zu aufgeregt, um zur Ruhe zu kommen.
Ich ging bei Einbruch des Morgengrauens ins Labor, ungeduldig, die Arbeit fortzusetzen, die Scully und ich letzte Nacht begonnen hatten. Ich konnte allerdings ohne sie nicht wirklich etwas tun, also habe ich die letzen zwei oder drei Stunden damit verbracht, auf die eigenartige, glibberige Substanz zu starren und darüber zu staunen, wie viel wir beide zusammen erreichen können.
Roseanne ist vor ungefähr fünfzehn Minuten aufgetaucht und sie hat mir beim Starren und Staunen Gesellschaft geleistet. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie es schon völlig erfasst hat. Ich nehme an, dass sie sich wünscht, dass sie letzte Nacht hier gewesen wäre. Ich bin froh, dass es nicht so war. Es war unser Moment, meiner und Scullys.
"Denkst du, dass sich jemand freiwillig melden wird?" fragt sie nach einigen Momenten der andächtigen Stille zwischen uns.
"Ich könnte mir nicht vorstellen, warum nicht. Jeder, der krank ist wird wahrscheinlich willens sein, das Risiko auf sich zu nehmen."
Und zur Hölle, es ist nicht gerade so, dass wir einen Mangel an kranken Menschen hier hätten. Wir haben Listen über Listen von Leuten, die mit Symptomen zu uns gekommen sind. Menschen, die mit der Bitte um Hilfe zu uns gekommen sind. Hilfe, die wir ihnen nicht geben konnten, außer ihnen etwas Blut abzunehmen und ihnen eine dürftige Ration Medikamente auszuhändigen, die die Symptome ein ganz klein wenig lindern sollten.
"Ich denke, sie werden sich vor der Tür anstellen, Roseanne."
Sie nickt zustimmend und schüttelt dann ungläubig ihren Kopf.
"Das ist unwirklich, Mulder. Ihr beide sein einfach ... wow."
"Es war hauptsächlich Scully," sage ich ihr aufrichtig. Scully hat an dieser Sache hart gearbeitet, so lange, wie ich hier bin, aber seit dem letzten Monat oder so hat sie das mit einer heftigen Zähigkeit verfolgt. Und die letzte Woche war der absolute Höhepunkt dessen. Ich habe wirklich nicht viel mehr dazu beigetragen, als Flüssigkeit. Und Ermutigung. Und eine nervende Stimme, die alles bezweifelt hat, was sie sagte. Ich nehme an, dass das genau die richtige Kombination war.
"Das ist nicht wirklich wahr," hören wir eine Stimme aus der Richtung der Tür murmeln. Wir drehen uns um und brechen beide bei ihrem Anblick in spontanen Applaus aus.
Unsere Retterin. Meine Scully.
Meine Scully, die ... die für mich immer schön ist, aber im Moment wie ein Müllhaufen aussieht. Ich habe sie die abgrundtiefsten Tiefs des Lebens durchleiden sehen und trotz allem habe ich sie noch niemals in einem solchen Zustand erlebt.
Sie war immer sehr sorgfältig, was ihre Erscheinung anbelangte, selbst unter den widrigsten Umständen.
Heute hängen ihre Haare in Büscheln um ihr Gesicht, verfitzt und fettig. Ihr Augen sind von dunklen, waschbärenartigen Ringen umgeben. Ihre Jeans ist schmutzig und ihr Shirt ist falsch zugeknöpft.
Aber da steckt mehr dahinter, als nur oberflächliches Zerzaust sein. Es umgibt sie eine Energie, eine Aura von Niederlage und Enttäuschung. Eine Atmosphäre des Todes, die sie absolut nicht zu dem Moment passt, losgelöst ist von jeder Art Realität, wie ich sie im Moment begreife.
"Hört auf damit, Leute," murrt sie, starrt auf den Boden und hebt eine Hand, um unsere Anerkennung zurückzuweisen.
Roseanne läuft zu ihr hinüber, um sie fest zu umarmen, worauf Scully kaum reagiert. Ihre Arme hängen schlaff an ihrer Seite und sie lächelt nicht.
"Dana, ich kann es nicht fassen! Bist du nicht aufgeregt?"
"Ja. Ja, das ist sehr aufregend," lässt Scully flach und ausdruckslos hören. Roseanne zieht sich von ihr zurück und sieht sich ihr Gesicht das erste Mal richtig an.
"Dana, was ist los? Du siehst furchtbar aus."
"Es geht mir gut. Ich habe nur ... ich habe nicht sehr viel geschlafen."
Sie läuft an Roseanne vorbei und setzt sich mir gegenüber an den Tisch.
"Scully..."
"Es geht mir gut, Mulder. Hast du die Injektion vorbereitet?"
"Noch nicht. Ich hatte mir gedacht, dass wir zuerst so etwas wie eine Ankündigung machen und um einen Freiwilligen bitten. Ich dachte du würdest ein Meeting einberufen wollen. Die Leute auf der Liste zusammenrufen und ..."
"Bereite einfach die Injektion vor, Mulder."
"Du willst nicht..."
"Bereite einfach die verdammte Injektion vor, Mulder."
Roseanne und ich tauschen einen mit Verwirrung und Sorge beladenen Blick aus. Sie geht zur Spüle hinüber und nimmt eine Nadel aus dem Sterilisationsgerät und bringt sie zu mir. Ich tauche die Spitze in das Reagenzglas und fülle die Spritze. Roseanne steht hinter mir und beobachtet mich still. Ich kann ihren nervösen Atem auf meinem Hals fühlen.
"Na ja, ich nehme an, alles was wir jetzt brauchen ist ein Arm."
Scully beginnt damit, ihren Ärmel hochzukrempeln und eine schreckliche Wahrheit beginnt mir aufzugehen. Etwas, von dem ich annehme, das ich es tief in mir gewusst haben muss. Muss. Wie hätte ich es nicht wissen können?
Sie lässt ihren nackten Arm mit einer beängstigenden Wucht auf den Holztisch fallen und wir alle drei starren einen grenzenlos langen Moment lang auf die weiße Haut und die bläulichen Venen.
"Wirst du es nun tun oder nicht?" fragt Scully schließlich.
Die Spritze zittert in meiner Hand. Ich habe Angst ich könnte sie fallen lassen oder zerdrücken.
"Scu..."
Meine Kehle weigert sich, auch nur etwas mehr als diese eine Silbe hervorzubringen.
"Gib mir die Injektion, Mulder."
Hat sie die ganze Zeit schon so ausgesehen? War sie die ganze Zeit schon so krank? Nein, das wäre mir aufgefallen.
Sicher wäre mir das aufgefallen.
Mein Gott, Scully. Wie konntest du mir das nicht erzählen?
"Dana, was zur Hölle tust du da?" flüstert Roseanne und klingt dabei so gekränkt, wie ich mich fühle. Ich nehme an, dass sie genauso im Dunkeln gestanden hat.
"Ich möchte, dass du mir die Injektion gibst," betont Scully wieder.
"Aber du ... oh mein Gott, Dana. Du ... warum hast du mir das nicht erzählt?"
Ich bin froh, dass Roseanne in der Lage ist, diese Frage zu stellen, weil ich die Fähigkeit zu sprechen verloren zu haben scheine.
"Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht," antwortet sie. Als wenn diese Erklärung für uns beide ausreichen würde.
"Weiß es Alex?" fragt Roseanne und ich habe das Gefühl als müsste ich ihr dafür eine runterhauen, dass sie meine schlimmste Angst ausgesprochen hat. Dafür, dass ich jetzt eine krankmachende Eifersucht fühle, wenn alles, worum ich mich sorgen sollte ihre Gesundheit ist. Konnte sie das mit ihm teilen? Mit ihm und niemand anderem?
"Gib mir einfach diese verdammte Injektion!"
Sie schlägt ihren Arm nachdrücklich auf den Tisch, wobei dieser wackelt. Roseanne und ich tauschen nervöse Blick aus. Die Aufregung, die ich vor nur fünf Minuten kaum im Zaum halten konnte, hat sich zu völligem Terror verwandelt.
"Scully, bist ... bist du dir sicher? Es könnte Nebenwirkungen geben. Ich meine, wir wissen nicht wirklich, was es anrichten kann."
"Nebenwirkungen? Mulder..."
Ich sehe ihre blutunterlaufenen Augen und ihre eingesunkenen Wangen und mir wird klar, dass das, was ich vorhin dachte, auf sie ebenso wie auf jeden anderen zutrifft. Welche Nebenwirkungen es auch immer geben könnte, sie könnten nicht schlimmer sein, als an Krebs zu sterben.
Ich schlucke einmal heftig und greife nach ihrem Arm.
Mit zitternden Händen steche ich die Nadel in ihr Fleisch und teile mein Blut mit ihrem.
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Metall. Es war überall. Glänzendes, silbernes Flachmetall.
Die Böden, die Wände, die Decke. Es war, als würde man durch eine Blechbüchse laufen. Die Bastarde liebten einfach Metall. Er konnte sich selbst in jeder Richtung wiedergespiegelt sehen.
Verschwitzt, blutverschmiert, von einer wahnsinnigen Verzweiflung besessen.
Sie hatten verloren. Waren verloren. Zerstört.
Selbst mit den zusätzlichen Truppen, die der alte Brite geschickt hatte, um ihnen zu helfen, waren sie einfach nicht genug gewesen.
Sie hätten niemals genug sein können.
Er hatte so viele in seinem Leben sterben sehen. Er sollte in der Lage sein, den Anblick auszuhalten, aber er war es nicht. Nicht, wenn es seine Männer waren. Nicht, wenn es seine Schuld war.
Also rannte er. Um sein Leben und um ihres. Um ihrem Tod eine Bedeutung zu geben. Er rannte durch die kalten, unmenschlichen Flure, durch den Gestank von Qualm und Tod, über Berge gefallener Körper. Er würde finden, weswegen er hergekommen war. Er würde es finden und wenn es ihn umbringen würde.
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Tot. Spröde und gebrochen.
Sie hielt die Enden zwischen ihren Fingern und betrachtete ihr Ebenbild in dem fremden Spiegel, der in einem fremden Zimmer an einer fremden Wand hing. Ihr neues zu Hause. Ihre Taschen auf dem Bett und auf dem Boden, obwohl es schon zwei Tage her ist.
Er hatte ihr es normalerweise immer geschnitten. Überall gerade Linien, geschnitten mit einer unglaublich ruhigen Hand. Er hatte es gern gemacht. Die feurigen Strähnen zu streicheln und die gesplissenen Spitzen abzuschneiden.
Ihr Blick glitt von den Spitzen ihrer Fingernägel nach unten, über ihre Handflächen und die weiße Ausdehnung ihres Armes. Ein Verband direkt unterhalb der Unterseite ihres Ellenbogens. Weiße Gaze, um die punktförmige Wunde zu verdecken, die die Nadel hinterlassen hatte, die ihr ein neues Leben gegeben hatte. Neue Hoffnung.
Aber welche Hoffnung gab es hier für sie, wenn er niemals mehr ihr Haar berühren würde?
Ein weitere Welle von Übelkeit. Die dritte, seit sie die Injektion bekommen hatte.
Schon Nebenwirkungen?
Kalte Stahlklingen und ein schwerer schwarzer Griff lagen auf dem Tisch vor ihr. Sie fuhr mit ihren Fingern zögernd über das scharfe Metall, legte sie um den Griff.
Vielleicht könnte sie es allein tun. Vielleicht brauchte sie nichts mehr von ihm. Vielleicht würde es ein Teil ihres neuen Leben sein los zu lassen. Alles los zu lassen.
Sie führte die Klingen zu ihren Haaren und begann zu schneiden.
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Spitze Nadel, Stahlklinge in den Nacken. Gründe Flüssigkeit tritt aus der Wunde aus, als der Mann auf den Boden des Treppenhauses fällt. Der dritte Wächter, den er umbringen musste, um in diesen Raum zu gelangen.
Er hatte sich daran immer als an eine einfache Aufgabe erinnert. Hatte vergessen, wie viel Kraft und Präzision, wie viel Intensität dazu nötig ist. Sie sterben nicht leicht.
Schon erschöpft davon, es schon so oft getan zu haben, stieg er über die den gefallenen Körper, nur leicht abgelenkt davon, wie das Blut ein Loch in den Boden ätzte.
Es war der Raum, der eine, der ihm schon so oft beschrieben worden war. Es war alles hier. Alles. Alles und Nichts. Ein Heilmittel, das schon entdeckt worden war und eine Waffe, die nutzlos sein würde, wenn sie nicht lebend hier herauskämen.
Kalt, so kalt, er konnte seinen eigenen Atem sehen. Der Raum, größer, als ihm gesagt wurde Riesig. Endlos.
Ausrüstung von Eis bedeckt und Glasschränke, gefüllt mit mysteriösen Substanzen verschiedener Farben und Größen. Etiketten in einer Sprache, die er nie zu lesen gelernt hatte.
Wie sollte er es finden?
Er zog den zerfetzen Zettel aus seiner Tasche, Beschreibungen und Codes, die ihn zu der Sache führen sollten. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr erfasste er die Zeit. Es war fast soweit. Der ganze Ort würde in wenigen Minuten in Flammen aufgehen.
Aufblitzen von Panik, weißglühend und abscheulich. Wenn sie nur hier wäre. Sie könnte ihm helfen, das herauszufinden, schnell und ruhig.
Auch keine Zeit, an sie zu denken. Eine weitere seiner Brücken, hinter ihm bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Handfläche gegen das Glas gedrückt, der Griff dreht sich nicht, vor Verzweiflung die Plastikfaust durch das Glas geschlagen und damit wer weiß was in die Atmenluft freigelassen. Rasend Fläschen und Gefäße rausgezerrt, einige auf den Boden fallengelassen. Diese nicht. Diese auch nicht. Alle davon sind kalt wie Eis und verbrennen seine Haut.
Schritte hinter ihm.
Blondes Haar und eiskaltes Lächeln. Sie würde ihm helfen. Jemand musste das tun.
Sie hielt eine papierdünne Plastikkarte hoch. Ging ruhig zu einer der Vitrinen und zog den Schlüssel durch, öffnete sie.
Sie wusste. Wusste sofort, in welcher Vitrine die Waffe war. Reihen weißer Fläschen, gefüllt mit einer rötlichen, zäh aussehenden Flüssigkeit. An sich nicht genug, aber zusammen damit, was er schon hatte, würde es ausreichen. Es war die Substanz, die sie brauchten, die fehlende Verbindung. Die einzige Sache im Universum, die all die Verluste wert gewesen wäre. Das könnte ihn retten.
Wie hatte sie das gewusst?
Wie konnte sie es so schnell wissen?
Die Antwort kroch in sein Bewusstsein, während er auf sie zuging. Aber zu spät. Sie hielt schon eine Waffe auf ihn gerichtet.
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Sie hatte zuviel abgeschnitten. Fast bis zu ihren Schultern und ungleichmäßig. Keine geraden Linien mehr.
Sie sah lächerlich aus, wie ein Kind, dem ein Missgeschick mit einer Schere passiert war. Zu viele Haare, zu dick und lang, um sie genau abzuschneiden. Wie hatte er das gemacht?
Sie versuchte die längern Strähnen etwas zu kürzen, damit sie zu den kürzeren passten, aber sie schnitt sie nur zu weit ab.
Frustriert schmiss sie die Schere auf den Tisch. Tränen verwischten einen Moment lang ihren Blick. Ein Segen, wirklich. Sie konnte ihren eigenen Anblick nicht länger ertragen.
Aber, nein. Wieder zu weinen würde heißen, die Niederlage zuzugeben. Diese Reaktion war am Anfang verständlich. Natürlich. Aber jetzt, erbärmlich.
Mit den Fäusten über die Augenlider reiben, ein Versuch, ihre Schwäche zu bannen. Sie würde das schaffen. Musste es. So eine einfache Aufgabe. Auf jeden Fall hätte sie nicht so abhängig werden dürfen.
Tief durchatmen und das Metall wieder in die Hand nehmen. Es gibt keinen Grund mehr zu versuchen, ihre äußere Erscheinung beizubehalten. Sie hatte den Schnitt schon zerstört. Es ist besser anders zu sein, neu.
Sie führte ihre Hand an ihr Kinn, nahm eine Haarsträhne zwischen ihre Finger und begann zu kreieren.
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Er war schon hier gewesen.
Nicht körperlich, aber innerlich, emotional. Das war zu vertraut, um überraschend zu sein.
Sie hatte es ihm wieder angetan. Er war ihr Narr. Wieder.
Der Unterschied, signifikant. Diesmal richtete sie zusammen mit ihm die ganze Welt zugrunde.
Für wen arbeitete sie dieses Mal? Den rauchenden Bastard? Die Rebellen? Oder war sie nur auf ihren persönlichen Ruhm aus? Spielte es eine Rolle? Sie hatte ihn verraten. Betrogen. Wieder.
Er war ein Meister in diesem Spiel gewesen. In einem anderen Leben, einer anderen Seele. Nein, keine andere Seele. Er hatte sich nicht mit einer Seele belasten müssen. Die hatte sie ihm gegeben. Er dachte, dass es ein Segen wäre, aber jetzt war es vielleicht sein Fluch.
Warum?
Er fragte sie warum. Warum tat sie das? Worauf war sie aus?
Sie zeigte ihm ein makaberes Lächeln und sagte ihm, dass er jetzt an der Reihe wäre, bevor sie die Reihe von Fläschchen auf den Boden fegte.
Zerbrochenes Glas und rote Flüssigkeit auf den Boden. Nutzlos jetzt. Sogar für sie.
Hass. Das war ihr einziger Grund. Für jede Allianz, die sie vielleicht geschmiedet hatte oder was sie gehofft hatte, für Nutzen daraus zu ziehen. Es spielte keine Rolle. Sie war von Hass und Wut erfüllt. Das war die wirkliche Motivation dahinter.
Sie wollte, dass er leidet. Es war so einfach. Oder so kompliziert.
Er fragte sich, ob ihr Vater ein Teil dieses Verrates war. Ob all das eine ausgeklügelte Falle war, für ihn aufgestellt, wie für ein gejagtes Tier.
Wie auch immer, sie war wahrscheinlich beschützt.
Zeit. Er hatte so wenig Zeit. Es gab keine Möglichkeit, die biologische Waffe zu retten, keine Chance, einen seiner Männer zu retten. Keine Zeit. Aus dem Gebäude herauszukommen musste seine einzige Priorität sein.
Sie stand in der Tür, bis zu den Zähnen bewaffnet.
Versperrte ihm den Weg, verspottete ihn.
Er sagte ihr, dass dieser Ort explodieren würde, dass sie beide hier zusammen sterben würden, wenn sie ihn nicht durchließ. Eigenartigerweise schien das ihr Plan zu sein.
Er fragte sich kurz, ob er das verdiente.
Wahrscheinlich.
Aber trotzdem war er nicht willens aufzugeben. Selbst jetzt, als nichts mehr übrig war.
Sie zu überwältigen stellte sich als relativ einfach heraus. Er war schon fast aus der Tür, als er sie von dort aus nach ihm rufen hörte, wo er sie zu Boden geworfen hatte. Er hielt ihre Waffe.
"Du wirst alles verlieren, Alex."
Er drehte sich zu ihr um und sagte, "Das habe ich schon, Marita. Das habe ich schon."
Und dann erschoss er sie.
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Neuer Stil, aber auch ebenso alt. Vertraut. Zu vertraut.
Sie hatte diesmal gute Arbeit geleistet. Kinnlanger Bob.
Nichts verschnitten. Etwas lockiger, als sie es früher hatte aber es war das selbe, mehr oder weniger. Scully's Haare.
Es war immer noch falsch.
Sie brauchte etwas anderes. Etwas noch einfacheres, kälteres, roheres. Gerade Linien.
Es würde sie sehr viel unattraktiver machen. Sie fand, dass dieser Gedanke tatsächlich motivierend war.
Sie bewegte die Klingen ein bisschen höher und dann noch höher.
Sie machte einen Schnitt direkt oberhalb ihres Ohrs. Kürzer, als es jemals war.
Als sie fertig war, erkannte sie die Frau im Spiegel kaum. Ein Haufen Haare bedeckte ihre Füße und den Boden um sie herum.
Sie lächelte.
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Ende Kapitel 14
Kapitel 15
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Diese Straße hatte einen Namen. Damals, als es noch ein Interstate Highway war und nicht ein Pfad voller zerfallendem Schutt.
Sie wissen nicht, dass er immer noch existiert. Es gibt keine Kontrollstellen auf ihm, überhaupt keine Anzeichen der Kolonisation. Außer der Tatsache, dass alles was ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue, tiefe, schwarze Leere ist. Es ist eine geheime Straße.
Aber es war nicht immer so. Es gab einmal eine Zeit, als auf ihr Familien in den Urlaub gefahren sind, Studenten nach Hause und Oma und Opa mit ihrem klapprigen alten Campinganhänger. Es gab Mautstellen und Ausfahrten mit kleinen blauen Schildern, die diesen Leuten angezeigt haben, dass die nächste Raststätte bald kommen würde, die nächste Texaco Tankstelle.
Ich bin früher auf dieser Straße gefahren. Von der Universität in Boston zum Haus meines Vaters in Conneticut. Nicht oft. Aber manchmal.
Wie zur Hölle wurde sie genannt?
Ich schaue aus dem Fenster auf der Beifahrerseite raus in die Nacht, suche vergeblich nach einem Überrest, einem Hinweis. Brian fährt ruhelos weiter. Wir haben auf dem Hinweg angehalten, um zu übernachten, aber auf dem Heimweg werden wir durchfahren. Drei Nächte.
Es sind genug von uns übrig, um in Schichten zu fahren. Zehn. Zehn Leute. Zwei Lastwagen.
Mein Gott, es gibt nichts da draußen. Wie zur Hölle war die Bezeichnung dieser blöden Straße?
"Brian, wie hat man diese Straße genannt?"
Er trommelt mit den Fingern gegen das Lenkrad und zuckt dann mit den Schultern.
"Keine Ahnung, Boss. Ich erinnere mich nicht."
Ich frage mich, ob sich sonst irgendjemand erinnert. Ich werfe einen Blick in den hinteren Teil des Lastwagen, aber die drei Mann, die mit uns fahren schlafen. Drei Mann. Fünf in diesem Wagen und fünf in dem anderen. Wir sind mit über einhundert losgegangen. Fast ein fünftel unserer gesamten Einwohnerzahl.
Warum kann ich mich nicht erinnern? War es eine Nummer? 84? 91?
Verdammt.
Ich kneife meine Augen frustriert zusammen, aber als ich Tränen hinter den Lidern aufsteigen spüre, öffne ich sie schnell wieder. Es ist nur eine dumme Straße. Nichts worüber man weint.
Ich wünschte, dass wir etwas Musik hätten. Einen Kassettenrecorder oder sogar eine Radiostation, die etwas anderes sendet als die Berichte, die nicht wahr sind, maßgeschneidert, um die Drohnen in ihrer Sklaverei zu beschwichtigen. Es ist so verdammt still hier. So dunkel.
Ich wünschte, sie würden mit mir sprechen. Ich frage mich, ob sie überhaupt schlafen, oder ob sie einfach nur so tun, damit sie sich nicht mit der Eigenartigkeit auseinandersetzen müssen, mit dem Unbehagen, ihren Anführer ansehen zu müssen und ihn umbringen zu wollen. Ich frage mich, ob Brian das auch fühlt.
Er hat auch nicht viel zu mir gesagt, aber er ist allgemein ein sehr ruhiger Mensch. Hasst er mich, so wie es die anderen jetzt tun? Wird er mich verteidigen, wenn wir zurückkehren und der Lynchprozess beginnt?
Ich wünschte, dass wir nicht zurückkommen müssten, dass wir einfach weiterfahren könnten, bis wir vom Angesicht der Erde herunterfallen. Oder vielleicht in den Ozean.
Aber zugleich kann ich nicht schnell genug nach Hause kommen. Ich kann nicht anders als mich zu fragen, wie ich die nächsten zwei Tage des Wartens auf die Rückkehr überstehen soll. Der Rückkehr zu ihr. Zu meiner Liebe, meinem Leben.
Wird sie immer noch da sein, oder hat sie aufgegeben? Habe ich sie für immer verloren? Oh, Djewotschka, was habe ich getan? Dir angetan, mir, uns allen?
Schauen wir mal. Was habe ich getan? Mir den einzigen Menschen entfremdet, dem ich etwas bedeutet habe, den einzigen Menschen, den ich jemals geliebt habe. Sie vielleicht in die Arme eines anderen Mannes geschickt, wenn sie nicht schon dort gewesen ist. Ein Fünftel unserer Einwohner in den Tod geführt. Eine Frau aus purer Bösartigkeit umgebracht. Eine perfekte symbiotische Beziehung mit der einzigen Gruppe beendet, die in der Lage war, uns zu helfen.
Alles an einem Tag, nehme ich an.
"Denkst du, dass es eine Zahl war?" frage ich in die Stille hinein. Brian nickt langsam.
"Ja...ja, ich denke das könnte es gewesen sein."
78? 101?
Scheiße.
Ich frage mich, ob sie mir verzeihen wird. Alles. Selbst eine Sache würde ein Segen sein.
Ich wünschte, dass es einen Weg für mich gäbe, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Handys wären nett. Oder vielleicht eine telepatische Nachricht. Ein singendes Telegramm. Ich wäre willens alles auszuprobieren, wenn es bedeuten würde ihr sagen zu können, dass es mir Leid tut. Dass ich sie liebe. Dass ich der größte Mistkerl bin, der jemals gelebt hat, aber wenn sie mich zurücknehmen würde, würde ich mein bestmöglichstes für sie tun. Dass ich sie selbst dann, wenn sie mit Mulder glücklicher wäre, immer noch haben wollte. Ich will sie immer noch.
Ich schließe meine Augen wieder und hoffe, dass der Schlaf mich überkommt, aber diesmal sehe ich Maritas kalte, tote Augen hinter meinen Lidern.
Als ich meine Augen öffne, fühle ich sie hinter mir und ich drehe mich schnell in meinem Sitz um.
Wird sie mich für immer heimsuchen?
Wird sie in meinen Träumen erscheinen? Ich warte geradezu auf den ersten Alptraum, wenn Danas Körper anstatt Maritas zu Boden fällt.
Es hätte genauso gut Dana sein können. Genauso gut.
Mein Gott, noch zwei Tage. Ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann. Ich wünschte, ich könnte mich daran erinnern, wie sie riecht. Ich habe das über dem Gestank verbrannter Körper vergessen.
"Was zur Hölle ist der Name dieser blöden Straße?"
Brian schaut besorgt zu mir hinüber. Meine Augen tränen wieder. Ich drehe mich von ihm weg und starre aus dem Fenster.
Er räuspert sich und fährt weiter.
Die Nacht scheint immer dunkler zu werden.
"Es ist nicht so schlimm, Boss," sagt er nach einigen Momenten der Stille. Und ich lache. Und schließlich tut er das auch.
Nicht so schlimm. Könnte es noch schlimmer sein?
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Mein Blut fließt durch ihre Adern. Komisch, dass die Intimität dieser Geste mir erst jetzt auffällt, drei Tage nachdem es passiert ist. Ich nehme an ich war zu besorgt, zu krank, bis in mein tiefstes Inneres und heimgesucht von Schlaflosigkeit, um überhaupt richtig über etwas nachdenken zu können.
Aber jetzt, gegen Abend, werde ich langsam wieder klarer im Kopf. Und der Himmel ist so klar, es ist wirklich ziemlich schön.
Aber ich kann es nicht genießen. Nicht wirklich.
Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit wir ihr die Injektion gegeben haben. Wir haben uns entschlossen, das es das Beste wäre, nichts bekannt zu geben, bis wir uns sicher sind, dass das Heilmittel wirkt und wir werden das noch mindestens ein paar Tage lang nicht wissen. Es ist zu früh, irgendwelche Blutuntersuchungen bei ihr vorzunehmen, also gibt es für uns nicht wirklich etwas im Labor zu tun. Keinen Grund, einander zu sehen.
Keinen Grund für mich, sie zu fragen, ob es ihr gut geht.
Natürlich, wenn ich ein bisschen Mumm hätte, würde ich zu ihr hoch gehen und klopfen. Aber das würde bedeuten, den Ort zu sehen, an dem sie lebt, das Zimmer zu sehen, das sie mit ... ihm teilt. Ich weiß nicht, ob ich das ertragen könnte. Und es würde auch bedeuten mit ihr zu reden, was mich, offen gestanden, im Moment zu Tode ängstigt.
Ich bin mir einfach nicht sicher, wie ich auf ein weiteres ‚Es geht mir gut, Mulder' reagieren würde. Und ich weiß, egal wie schrecklich sie aussieht, wie furchtbar sie sich fühlt, das wäre die Antwort, die ich bekommen würde.
Ich fürchte, ich würde ihr eine runterhauen. Oder sie küssen. Und ich weiß noch nicht einmal, was davon schlimmer wäre.
Mein Laufweg endet in der Nähe der Cafeteria. Es sind immer noch ein paar Lichter drinnen an, sogar obwohl es bestimmt schon nach Mitternacht ist. Ich könnte ein Glas Wasser vertragen und vielleicht ein bisschen Obst.
Zum Teufel, wem mache ich was vor? Ich könnte im Moment einen verdammten Riesen Cheeseburger und eine Riesenportion Pommes von McDonald's vertragen.
Aber Wasser und Obst wird ausreichen müssen.
Ich dehne mich eine Minute lang und gehe dann hinein. Es ist nur noch eine weitere Person hier, außer den Leuten, die ich die Küche saubermachen höre. Einen Augenblick lang erkenne ich sie nicht.
Sie sitzt an einem Tisch, an dem wahrscheinlich zwanzig Leute sitzen könnten, an einem Fenster, aus dem sie intensiv herausschaut. Ein Tasse Kaffe steht vor ihr, unberührt. Ret ist unter dem Tisch, an ihren Füßen zusammengerollt. Sie hat keine Haare.
Naja, das ist nicht ganz richtig. Sie ist nicht kahl. Aber im Gegensatz zu der früheren hüftlangen Frisur, hat dieser neue, kurze Schnitt den gleichen Effekt.
Sie sieht anders aus. Sehr, sehr anders. Aber ein bisschen besser als das letzte Mal, als ich sie sah. Ein bisschen gesünder. Nicht viel, aber ein bisschen.
Ich ziehe es kurz in Erwägung zu gehen, aber das erscheint mir so offenkundig feige. Ich muss mit ihr reden. Oder es wenigstens versuchen.
Sie sieht allerdings nicht so aus, als wenn ihr nach Reden zu Mute wäre. Vielleicht sollte ich einfach gehen. Sie hat mich noch nicht gesehen.
Scheiße. Das ist blöd.
Ich gehe leise auf sie zu und setze mich ihr gegenüber. Sie sieht mich nicht an, aber sie weiß offensichtlich, dass ich da bin. Oder das jemand da ist.
"Denkst du, dass es heute nacht Sturm gibt?" fragt sie.
"Keine...keine Ahnung," antworte ich mit meiner üblichen Cleverness. "Tut es das im Frühling hier oft?"
Sie zuckt mit den Schultern und starrt weiter aus dem Fenster. Ein paar Lichter gehen aus und der Klang von fließendem Wasser und klappernden Tellern hallt weiter aus der Küche.
"Es ist ziemlich warm geworden, oder?" setze ich die spannende Wetterdiskussion fort. Sie nickt.
"Hast du dir deshalb die Haar abgeschnitten?"
Sie sieht mich endlich an. Unsere Augen treffen sich kurz, bevor sie auf ihre Tasse schaut.
"Möchtest du etwas Kaffee? Ich bin sicher, sie haben noch welchen."
"Nein, nein danke. Es sieht hübsch aus."
"Der Kaffee?"
"Deine Haare."
Sie sieht zu mir auf und lächelt zaghaft.
"D-danke. Danke."
Das tut es wirklich, jetzt wenn ich sie ansehe. Es lenkt nicht von ihrem Gesicht ab, so wie es die andere Frisur getan hat. Sie sieht ein bisschen älter aus, ein bisschen härter. Aber immer noch schön.
"Ich bin irgendwie überrascht, die hier zu treffen," sage ich zu ihr. "Normalerweise bin ich der einzige, der um diese Zeit wach ist."
"Naja, Ret musste ausgeführt werden und ich...ich wollte nicht drin sein."
Ich nicke. Sie nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee und schaut finster.
"Kalt?"
"Irgendwie schon."
Die Frage, die ich mich fürchte zu stellen, wird unausweichlich. Ich kann nicht hier sitzen und sie eine Minute länger anstarren, ohne es zu wissen.
"Wie geht es dir, Scully?"
"Es geht mir ... besser."
"Wirklich?"
"Ich denke. Ein bisschen Übelkeit aber ... ich denke es funktioniert."
Erleichterung überfällt mich. Sie wird nicht sterben. Und sie hat nicht einmal das Wort ‚gut' gesagt.
Ich schaue an ihr vorbei uns bemerke einen kleinen, schnauzbärtigen Mann mit Schürze, der mit in die Hüfte gestemmten Armen in der Tür steht. Er sieht ein wenig zornig aus.
"Scully, ich empfange eine ziemlich klare Nachricht von unserem Wirt da drüben."
Sie dreht ihren Kopf und winkt, während sie aufsteht.
"Gute Nacht, Louis. Danke für den Kaffee."
Der Mann nickt und winkt glücklich, entbietet uns eine gute Nacht. Ich stehe auch auf, Scullys Hinweis folgend.
"Gute Nacht, Mulder. Komm schon Ret."
Sie geht zur Tür und Ret folgt ihr dicht auf den Fersen.
"Möchtest du, dass ich dich zu deinem Zimmer begleite?"
Sie dreht sich auf dem Absatz um und starrt mich an, erschrocken, fast ängstlich.
"Nein! Nein...nein, ich...nein."
"Bist du sicher? Es ist ziemlich spät."
Sie klang ziemlich verdammt sicher, Mulder.
Was zur Hölle tue ich?
"Nein, das ist in Ordnung. Ich denke, ich laufe sowieso noch ein wenig herum. Gute Nacht."
Sie dreht sich um und läuft weiter. Ich sollte sie gehen lassen. Ich muss sie gehen lassen. Warum kann ich sie nicht gehen lassen?
"Na gut, warte. Wo gehst du hin?"
Ich laufe neben ihr, wage mich nicht ihren, sicher mittlerweile ziemlich verärgerten Gesichtsausdruck anzusehen.
"Ich, ich weiß nicht. Vielleicht in die Scheune, um nach den Tieren zu sehen. Vielleicht zum Pool. Keine Ahnung, Mulder."
Ich schrecke bei dem Wort Pool unfreiwillig zusammen, aber fahre unbeirrt fort.
"Das klingt nett. Warum lässt du mich dich nicht begleiten?"
"Es wird mir nichts passieren. Ret ist bei mir."
Sie hört auf und fährt mit ihrer Hand durch das, was von ihren Haaren übriggeblieben ist. Mit ihrer linken Hand. Der verdammte Ring reflektiert das fluoreszierende Licht direkt in meine Augen.
"Du musst dich nicht um mich kümmern, Mulder."
"Ich weiß, ich weiß das," antworte ich, vielleicht ein bisschen zu schnell. "Ich bin nur selbst nicht gern drin. Ich dachte wir könnten zusammen gehen."
Sie kaut auf ihren Lippen und vermeidet weiterhin angestrengt jeglichen Augenkontakt mit mir, während sie über den Vorschlag nachdenkt. Ist es ihr durch mich unbehaglich? Erscheint mein Benehmen unangemessen?
"Äh..ich nehme an, ich nehme an, das wäre in Ordnung," antwortet sie schließlich.
Wir gehen zusammen in die Nacht hinaus.
Eine lange Zeit laufen wir ohne miteinander zu sprechen herum. Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll. Ich habe das Gefühl, als würde mein Inneres jeden Moment durch meine Haut platzen.
Trotzdem ist es keinen unangenehme Stille. Sie ist tatsächlich sehr friedlich. Sehr nett.
Schließlich befinden wir uns vor einem der Wohnheime. Sie hört auf zu laufen.
"Ich werde Ret reinbringen. Ich bin gleich zurück."
Sie schließt die Eingangstür des Gebäudes auf und verschwindet mit dem Hund, bevor ich die Chance habe, irgendwelche Fragen zu stellen. Zum Beispiel die, warum sie Ret hier lässt, anstatt in ihrem eigenen Zimmer?
Außer...
Zu dem Zeitpunkt, an dem sie zurückkommt, habe ich mich gerade selbst davon überzeugt. Aus irgendeinem Grund lebt sie nicht mehr mit ihm zusammen.
Sie steht vor mir, mit einem völlig rätselhaften Gesichtsausdruck und einem Sweater, den sie nicht getragen hat, bevor sie reinging. Sie verschränkt ihre Arme vor der Brust.
Sie trägt den Ring nicht mehr.
Und dann sagt sie etwas, was dazu führt, dass sich mein gesamtes Universum um die eigene Achse dreht.
"Mulder, denkst du, dass wir zu dir gehen können?"
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Ende Kapitel 15
Kapitel 16
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Die Buddhisten glaubten, dass es kein richtiges Selbst gäbe. Dass das, was uns als menschliche Wesen ausmacht sich so gewaltig, so häufig ändert, dass es nichts angeborenes in uns gibt, was während unseres ganzen Lebens Bestand hat. Nicht, was uns als die selbst Person bezeichnet, wenn wir dreißig sind, die wir mit sechs Jahren waren. Jeden Tag eine andere Reinkarnation.
Da ich katholisch erzogen wurde, hatte ich immer Probleme mit diesem Konzept. Kein Selbst bedeutet keine Seele und keine Seele bedeutet... na ja, irgendetwas schlechtes, so viel ist sicher.
Aber es gibt keine Katholiken mehr. Ebenso wenig wie Buddhisten. Überhaupt keine organisierte Religion mehr. Die Menschen mögen immer noch an ihrem Glauben festhalten, aber sie halten ihn jetzt versteckt. Privat.
Ich begann mein Leben als Dana Katherine Scully. Ein kluges, wenn auch ein wenig gewöhnliches Mädchen. Ein Wildfang, der sich entschloss, zum FBI zu gehen, um jemandem in den Hintern zu treten.
Eines Tages traf Dana Katherine auf einen Mann namens Fox Mulder. Und dann wurde sie zu Scully. Eine stille, harte und einsame Frau. Verzweifelt verliebt, aber zu unterdrückt und ängstlich, um etwas deswegen zu unternehmen. Eine Frau, die einen von vornherein verlorenen Kampf gegen unbekannte Kräfte geführt hat.
Dann kamen sie und haben Scully weggenommen. Haben sie zu Vierundzwanzig gemacht, eine Sklavin ohne eigene Gedanken, ohne eigene Gefühle. Sie hatte Gedankeblitze, kurze Erinnerungen an ihr früheres Leben, aber ihr wesentlicher Zweck war zu dienen.
Alex fand Vierundzwanzig und machte sie zu seiner Djewotschka. Widerstandskämpferin, Geliebte, Ärztin. Eine neue Frau, wieder aufgebaut aus der Asche.
Aber seit er gegangen ist, hat sich Djewotschka wieder verändert. Ist zu jemand anderem geworden. Einem neuen Selbst. Neues Blut, neue Frisur, neue Leere.
Es ist jetzt weniger in mir, was wiedererkennbar wäre, als gestern. Und gestern war ich ein völlig anderer Mensch als vor zwei Tagen.
Ich weiß nicht, wer ich heute bin, aber vor drei Tagen hätte ich mit größter Sicherheit Mulder nicht gebeten, mich mitten in der Nacht mit auf sein Zimmer zu nehmen. Aber wie auch immer, hier sind wir.
Er beschäftigt sich mit dem Schloss an seiner Tür, wobei er zittert wie ein verängstigtes Kaninchen. Ich bin so ruhig, dass es fast verstörend ist.
Unheimlich.
Ich sollte Angst haben. Nervös sein. Wenigstens vorsichtig.
"Ist irgendjemand in diesen Flur gezogen?" frage ich, während er weiterhin den Schlüssel hin und herdreht und bei seinem Türöffnungsprojekt keinen Fortschritt macht.
"Äh...nein, nein. Nur in den darüber."
"Direkt über deinem Zimmer? Oder weiter den Flur hinunter?"
Er hält in seiner Bewegung inne und starrt mich eine Sekunde lang an. Ich lache über mich selbst wegen der Paranoia.
"Keine Sorge. Es ist nicht wichtig."
"Ich denke sie wohnen den Flur hinunter," sagt er schnell zu mir und fügt dann hinzu, "viel weiter unten."
Ich kann mir ein Lächeln über seine Überschwänglichkeit nicht verkneifen.
Schließlich geht die Tür auf und er tritt hinein. Ich folge ihm und schließe die Tür hinter mir, verschließe sie. Er tastet nach dem Lichtschalter an der Wand, aber ich greife nach seiner Hand.
"Nicht. Es kommt genug Licht vom Mond."
Er hat ein großes Fenster neben dem Bett und der Vorhang ist zurückgezogen. Der Mond ist voll und er leuchtet das Zimmer aus. Genug, dass ich sehen kann, wie klein dieses Zimmer ist. Gerade genug Platz für eine kleine Garderobe, Kleiderschrank und ... das Bett natürlich.
Ich habe es schon gesehen. Ich war diejenige, die ihn hergebracht hat. Ich nehme an, ich habe nicht darüber nachgedacht.
"Na ja, ich würde dir ja einen Stuhl anbieten..."
Wir beide lachen leise und ich setze mich aufs Bett, mit dem Rücken zum Fenster und lasse meine Beine an der Seite herunterbaumeln.
"Es tut mir leid, Mulder."
"Was tut dir Leid?"
"Das..." ich mache eine ausladende Geste mit meinen Händen.
"Da ist nichts, was dir Leid tun müsste," sagt er leise und setzt sich neben mich. "Ich brauche nicht mehr als das."
"Ich sollte trotzdem sehen, was ich tun kann, um dir ein anderes Zimmer zu besorgen. Wirklich, ich hätte das schon vor sehr langer Zeit tun sollen."
"Nein, Scully, die meisten der anderen Zimmer, die ich gesehen habe sind so. Es ist wirklich in Ordnung."
Mein Zimmer ist größer. Viel, viel größer. Aber es ist nicht mehr mein Zimmer, also nehme ich an dass es nichts mehr gibt, weswegen ich mich schuldig fühlen müsste.
"Ich bin ohnehin sehr selten hier," sagt er und das macht mich neugierig.
"Wohin gehst du, Mulder? Ich sehe dich normalerweise nur im Labor."
"Oh, keine Ahnung. Einfach herumschnüffeln."
"Hältst du Ausschau nach weiteren Kassetten, die du hören kannst?"
Er lächelt in Erinnerung an diesen Tag und ich tue das auch, obwohl es mich erinnert. Das war der Tag, an dem ich ihn wirklich verloren habe...
"Manchmal."
"Hast du Freunde gefunden?"
"Oh ja, du kennst mich doch. Der Kontaktfreudige."
Ich lache ein bisschen und runzle dann Stirn wegen des Anflugs von Traurigkeit, den ich empfinde.
"Ich vermisse dich, Mulder."
"Ich...ich misse dich auch, Scully. Sehr."
"Ich meine ich vermisse ... uns. Weißt du?"
"Ich weiß. Glaube mir. Ich weiß."
Ich höre, wie er tief ein- und dann wieder langsam ausatmet. Er scheint mir näher zu sein, als zu dem Zeitpunkt, als wir uns hingesetzt hatten.
"Kann ich dir etwas gestehen, Mulder?"
"Natürlich."
"Manchmal wünschte ich, dass die Dinge nicht so gekommen wären. Manchmal wünschte ich ... ich wünsche mir so sehr, dass es alles weggehen würde und ich wiederhaben könnte, was ich hatte."
"Ich denke jeder hat manchmal dieses Gefühl. Ich fühle fast die ganze Zeit so."
Wie erträgst du das, Mulder? Wie werde ich das ertragen?
"Ich habe jetzt das Gefühl, Mulder."
Ich rutsche ein wenig herum, drehe mich zu ihm, so dass ich in sein Gesicht sehen kann und das Bett quietscht laut unter mir.
"Naja, du bist schon halb dort." Er zeigt in Richtung meiner Haare mit einem kleinen Grinsen.
"Ja, das nehme ich an."
"Es sieht großartig aus. Wirklich."
"Es tut mir leid, Mulder. Wir sollten nicht ... nicht ...."
"Nicht deine Schuld."
"Doch, doch das ist es. Ich hätte sagen sollen..."
"Nein, Scully, ich wusste es. Ich wusste es."
"Warum nicht, Mulder? Warum waren wir so dumm?"
Doch ich weiß die Antwort bereits.
Angst. Einfach Angst.
Ist er das, der immer weiter an mich heranrutscht, oder bin ich das?
"Keine Ahnung, Scully. Aber selbst wenn wir hätten, wären wir trotzdem jetzt in der gleichen Situation."
"Mulder, lass uns ... lass uns das jetzt vergessen. Bitte."
"Vergessen?"
Meine Hände bewegen sich, offensichtlich aus eigenem Antrieb, in Richtung seines Gesichtes. Ich stelle fest, dass ich seine Wangen streichle, mit meinen Fingern durch seine Haare fahre. Es sieht silbern im Mondlicht aus.
"Hilf mir zu vergessen, Mulder. Bitte."
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Vergessen sich zu erinnern, Scully? Oder vergessen zu vergessen?
"Scully..."
"Du weißt, dass dir Skinner in den Hintern treten wird, Mulder. Du hättest diese Berichte schon vor über einem Monat bei ihm abliefern sollen."
Sie flüstert diese Worte leise und verführerisch ganz in der Nähe meines Mundes.
Es macht mich traurig, Skinners Namen zu hören. Ich war nie in der Lage herauszufinden, was aus unserem alten Chef und Freund geworden ist. Ich klammere mich immer noch an die Hoffnung, dass er noch irgendwo am Leben ist, erfolgreich, kämpfend...
Aber das ist nicht die Welt, an die ich jetzt denken sollte.
Das ist eigenartig.
Aber es ist mir egal. Es ist mir einfach egal. Ich kann dieses Spiel mitspielen, wenn es das ist, was nötig ist.
"Be..äh, Berichte? Scully, du kannst nicht, du kannst die Wahrheit nicht in einen kleinen netten Bericht verpacken."
"Die Wahrheit? Die Wahrheit ist das, was du willst, das es die Wahrheit ist, richtig Mulder?"
Sie küsst mein Kinn.
Es sollte eine Stimme in meinem Kopf geben, die mir sagt, dass das nicht richtig ist. Aber es gibt sie nicht. Ich nehme an, dass sich das Schicksal manchmal gegen einen verschwört und einen zu einem bestimmten Punkt bringt und man keine andere Chance als mitzumachen. Manchmal muss man die Möglichkeiten nutzen, die sich einem bieten, die Türen, die sich schnell öffnen und noch viel schneller wieder schließen.
Manchmal denken sich verzweifelte Menschen verzweifelte Entschuldigungen aus.
"Was ist nötig, damit du glaubst, Scully?" versuche ich zu flüstern, aber es kommt mehr als ein hohes Quietschen heraus. Es scheint ihr nichts auszumachen.
"Beweise, Mulder. Das weißt du."
Ihre Zunge umrundet mein Ohr und ich schaudere unfreiwillig. Ich weiß nicht, wie ich es anstellen könnte, dass das andauert.
"Alles, was du mir anbietest ist Spekulation."
Ich schließe meine Augen und sie küsst die Lider mit ihren zärtlichen, süßen Lippen.
"Du warst dort, Scully. Du hast das gleiche gesehen wie ich. Wie kannst du das immer noch leugnen?"
Hinter meinen Augen ist das Zimmer nicht mehr länger das, was es ist. Es ist irgendein Hotelzimmer, in irgendeiner Stadt, während irgendeines Falles. Und Scully sitzt mit mir auf dem Hotelbett, erzählt mir, dass ich mir Illusionen mache, fordert mich mit ihrem Gesichtsausdruck heraus.
"Ich habe etwas gesehen. Ich werde nicht einfach schlussfolgern, dass es außerirdisch war. Ich habe Lichter gesehen, das ist alles."
Sie knabbert an meiner Nase. Ich lache nervös und kralle mich an meiner Decke fest, als wenn es um mein Leben ginge.
"Es hätte ein Testflugzeug sein können," murmelt sie in die Beuge meines Halses.
"Vielleicht war es der Goodyear Zeppelin."
Sie lacht leise und der Klang vibriert gegen meine Haut. Pulsiert gegen meine Adern. Ihre Finger vergraben sich in meinem Haar und sie beginnt damit, an meinem Adamsapfel zu saugen. Ich öffne meine Augen wieder und das erste was ich sehe ist rot.
"Scully..."
"Ja?"
"Es verstößt gegen die Regeln des Bureaus, wenn FBI Agenten auf diese Weise in Hotelzimmern zusammen sind."
"Na ja, dann müssen wir diese Besprechung eben geheim halten, oder? Und die Aussage verweigern, wenn wir deswegen befragt werden."
"Bist du sicher, dass du deinen Job dafür riskieren willst?"
Sie antwortet mir, in dem sie mit ihrer Zunge an meinen Hals nach oben fährt und sie dann zwischen meine Lippen gleiten lässt. Ich greife nach ihrem Hinterkopf und ziehe sie an mich, verzichte auf jede Hoffnung auf gesunden Menschenverstand.
Wir küssen uns langsam, sehnsüchtig, erforschend. All die Jahre der Vorstellung, wie es sein würde, all die verschiedenen Phantasien, die ich hatte und ich habe es mir nicht ein Mal so vorgestellt. Warum sollte ich?
Aber trotzdem ist es wunderbar. Es ist schön.
Das ist es, was ich all die Jahre verpasst habe. Das ist der Geschmack und das Gefühl, vor dem ich all die Jahre wie ein verschrecktes Kaninchen davongelaufen bin.
Sie ist die erstaunlichste Sache, die ich je gekannt habe.
Sie beginnt, mit ruhiger Hand mein Hemd aufzuknöpfen. Ich zittere wie Espenlaub. Nein, so habe ich mir das definitiv nicht vorgestellt.
Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr.
Einmal, heute Nacht, darf ich nur an das hier und jetzt denken. Scully mag versuchen, die Gegenwart zu vergessen. Ich werde versuchen, die Vergangenheit und die Zukunft zu vergessen.
Dieser Moment, dieses Geschenk, das ist der Grund für alles, was passiert ist. Das gibt meinen Fehlern einen Sinn.
Wie liegen gemeinsam auf dem Bett, schauen einander an, ziehen uns langsam gegenseitig aus. Als wir schließlich völlig voreinander entblößt sind, beginnen wir, uns zu berühren, zu schmecken, unsere Sensibilität zu erkunden.
Es fühlt sich gut an, wenn sie mich berührt. Körperlich gut. Aber das ist wirklich weniger wichtig. Das wichtigste ist, dass ich sie berühre. Endlich.
Als ich mich auf sie rolle, seufzt sie und dieser Klang gibt mir Hoffnung. Hoffnung, dass in dieser Welt noch Schönheit und Liebe übrig ist. Hoffnung, dass wir nach dieser Nacht, unserer ersten und letzten gemeinsamen Nacht, immer noch etwas besonderes haben werden. Etwas wirklich einzigartiges.
"Ich möchte dich lieben, Scully," flüstere ich.
Sie murmelt ihre Zustimmung in meine Schulter.
Ich liebe sie mehr als mein Leben. Mehr als jedes Wort oder jede Tat es je ausdrücken könnten. Und in diesem Moment, in dieser Nacht, gehört sie mir.
Ich werde niemals fähig sein, ihr dafür genug zu danken.
Ich sinke mit Leichtigkeit in sie hinein, schmerzlich langsam. Sie stöhnt sanft und fährt mit ihren Fingern an meinem Rücken hinab.
Bevor ich mich bewegen kann, muss ich es ihr sagen. Sie muss es von mir hören, endlich.
"Ich liebe dich, Scully."
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"Ich liebe dich auch."
Mühelos. So einfach. Warum ist es so viel einfach zu sagen, wenn es Auf Wiedersehen bedeutet?
Ich spüre, wie sich ein zittriges Schluchzen in meiner Brust bildet. All die vergebenen Möglichkeit, die Gelegenheiten, die ich hatte, diese Worte zu sagen. Zu Mulder. Zu Alex. Sogar zu meiner Mutter. Wie konnte ich nicht bemerken, wie gut es sich anfühlen würde, sie einfach zu sagen?
Ich schlucke es runter, aber ich kann die Tränen nicht aufhalten, die aus meinen Augenwinkeln rinnen, als sich Mulder in mir bewegt.
Mulder. Mulder macht mit mir Liebe. Und es ist genauso, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Er ist so zärtlich, so von seiner ganz eigenen Art der Anbetung erfüllt, dass es fast herzzerreißend ist.
Wir sind so oft diesem Moment so nahe gewesen. So oft habe ich fast nach ihm gegriffen, um ihn zu berühren, um es ihm zu sagen.
Ich spüre seien Mund auf meinem Gesicht und bemerke, dass er versucht, meine Tränen wegzuküssen.
"Weine nicht Scully. Bereue es nicht."
"Keine Reue."
Zumindest denke ich nicht, dass ich es bereue.
Aber als mein Körper beginnt, auf Mulders zu reagieren, sich langsam ein Orgasmus aufbaut, fühle ich plötzlich einen Anflug von Panik. Und Schuld.
Würde ich mich schuldig fühlen, wenn es sich nicht gut anfühlen würde? Zählt es nicht als Sex, wenn man keinen Orgasmus hat? Was für eine verdrehte Moralvorstellung ist das?
Oder ist es einfach so, dass ich tief in mir gehofft hatte, dass es eine fürchterliche Erfahrung sein würde? Dass, wenn es vorbei wäre, meine Situation schärfer umrissen wäre?
Ist es wirklich Verrat, wenn du von dem Menschen unwiderruflich weggeschickt wurdest, den du betrügst? Ist es überhaupt Betrug? Ich nehme an, dass es das nicht ist, technisch gesehen. Und aus irgendeinem Grund macht es das sogar noch schlimmer.
Mein Gott, ich vermisse ihn.
Aber das sind lächerliche Fragen. Der Punkt ist, dass ich mit Mulder Liebe mache und es sich gut anfühlt. Alex sollte in meinen Gedanken überhaupt nicht vorkommen. Die Tatsache, dass ich mich frei und lebendig fühle, wenn ich mit Alex Liebe mache und dass diese Erfahrung mit Mulder von Tod und Verlust gezeichnet ist, sollte überhaupt keine Rolle spielen. Oder doch?
Mulder stöhnt in meine Schulter und ich fühle ihn zittern, seiner eigenen Erlösung nahe. Ich greife herum nach seiner Kehrseite, ziehe ihn näher an mich heran, tiefer in mich hinein und reibe mich gegen ihn. Mein Orgasmus und langsam und zart und als ich komme ist meine Zunge in seinem Mund.
Er folgt kurz nach mir, wimmert meinen Namen und eine weitere Liebeserklärung.
Ja, es ist gut.
Warum wünsche ich, dass es das nicht gewesen wäre?
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Dies ist das letzte Mal, dass ich Scully jemals küssen werde. Dies ist unser Lebewohl. Und unser Hallo.
Ich werde sie jetzt im Arm halten, an meine Brust geschmiegt und glücklich schnurrend in ihrer post-koitalen Betäubung. Aber sie wird mich verlassen und sie wird nicht wiederkommen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und des wie.
Wird sie mir eine ganze Nacht geben? Oder wird sie noch innerhalb der nächsten Stunde gehen? Vielleicht wird sie einschlafen und in meinen Armen aufwachen.
Wahrscheinlich nicht.
Ich wünschte fast, dass ich mir einreden könnte, ich wäre in der Lage, diese Situation zu ändern. Wenn ich ein anderer Mensch wäre, könnte ich es vielleicht. Vielleicht könnte ich sie anflehen und ihr ein schlechtes Gewissen einreden, so dass sie länger bei mir bleibt, als diese Nacht, diesen Moment. Aber ich kann mich nicht auf dieses Niveau der Idiotie herunterbegeben. Nicht nach all dem, was wir durchgemacht haben. Die leere Hülle einer Beziehung zu haben, würde nur all das billig aussehen lassen, was wir miteinander erlebt haben.
Also werde ich sie jetzt halten, weil ich es jetzt kann. Und wenn sie sagt, dass sie gehen muss, werde ich sie gehen lassen. Und ich werde wissen, dass wir unseren Moment der Erfüllung hatten, der Verbindung. Und dass wir weitermachen werden. Wir werden es müssen.
Ich hoffe nur, dass sie auf diese Nacht niemals mit Kummer zurückblicken wird. Ich werde sie für immer in meinem Herzen bewahren.
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Ende Kapitel 16
Kapitel 17
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Ich hatte unrecht. Sie hat die Nacht hier verbracht. Sie ist bei mir geblieben, bis die Sonne aufging. Ich denke, dass sie sogar ein paar Minuten lang eingeschlafen ist. Aber sobald das Sonnenlicht anfing, durch das Fenster zu scheinen, wand sie sich aus meinen Armen und zog ihre Sachen an. Ich habe sie fast gefragt, ob sie sich in einen Kürbis verwandeln würde, wenn sie vor sechs Uhr früh nicht zu Hause sein würde, aber ich habe es mir anders überlegt.
Als sie sich fertig gemacht hatte, drehte sie sich mit einem entschuldigenden kleinen Lächeln zu mir um. Ich lag immer noch da, rücklings und nackt, mit klaffenden emotionalen Wunden und sie lehnte sich über mich und drückte einen flüchtigen Kuss auf meine Wange.
Ich denke, dass da ein Danke in diesem Kuss war. Und ein bisschen Bedauern darüber, dass sie gehen musste. Aber sie hat nichts tatsächlich in Worte gefasst, bevor sie aus der Tür ging. Und wir haben seit dem nicht mehr miteinander gesprochen. Es ist schon fast zwei Tage her.
Heute Abend werde ich sie wieder sehen. Als wir ihr das Serum injiziert hatten, haben wir beschlossen, die Test zur Wirksamkeit des Heilmittels durchzuführen, so bald es möglich war, dies zu tun und es stellte sich heraus, dass es dieser Abend war, um acht Uhr. Es ist jetzt 7:45.
Roseanne und ich sind schon im Labor und warten nervös auf ihre Ankunft. Na ja, ich bin jedenfalls nervös. Roseanne sieht vor allem müde aus.
Ich denke, meine Sorge kommt mehr aus der Unsicherheit über Scullys Gesundheit, als über den Zustand unserer Beziehung. Ich denke, dass ich jetzt weiß, was ich das letztere betreffend zu erwarten habe. Ich mag mir wünschen, dass es nicht so wäre, aber Wünsche können nichts an der Realität ändern, die ich in den letzten Tagen zu akzeptieren gelernt habe.
Die Realität ist, dass Scully nicht mehr derselbe Mensch ist, als den ich sie früher kannte. Obwohl ich sie immer lieben werde, ist sie nicht die Person, in die ich mich verliebt habe. Ich vermisse diese Person. Ich vermisse sie mehr als alles andere aus meinen alten Leben und ich wünschte, ich wäre nicht gezwungen gewesen, vor zwei Nächten zu ihr Lebewohl zu sagen.
Zur Hölle, wem mache ich was vor? Ich habe vor sechs Jahren zu ihr Lebewohl gesagt. Die Person, mit der ich Liebe gemacht habe, mit der ich eine Phantasie geteilt habe, einen Genuss, ist nicht die Person, die ich früher kannte. Sie hat nur vorgegeben, diese Person zu sein. Und es braucht keinen Raketenwissenschaftler, noch nicht einmal einen ausgebildeten Psychologen, um zu erkennen, dass wenn die Person, mit der du geschlafen hast, sich vorstellen muss, jemand anderer zu sein, um die ganze Sache hinter sich zu bringen, die Chancen auf weiteren Verkehr ziemlich gering sind.
Ja, das macht mich traurig. Ja, das macht mich bitter. Ja, ich habe bei mehr als einer Gelegenheit während des letzten Wochenendes in Erwägung gezogen, mir mit dem Skalpell die Kehle durchzuschneiden. Aber das Verlangen, die verzweifelte Sehnsucht nach ihr ist nicht mehr so schlimm wie vorher. Es ist weniger das wütende Verlangen nach einem Menschen, der für immer außerhalb der eigenen Reichweite liegt, sondern mehr eine Nostalgie, die Trauer um eine verlorene Liebe.
Und ich weiß eines; egal, was man über unsere gemeinsame Nacht sagen mag; die Person, die sie jetzt ist, ist immer noch eine Person, die mich liebt. Das ist geblieben, auch wenn es etwas mutiert ist.
"Reagenzglas für deine Gedanken?"
Ich höre auf, ausdruckslos auf meine Finger zu starren, sehe nach oben und sehe Roseanne, mit einer Plastikschüssel voller schmutziger Laborgegenstände in der Hand, neben mir stehen.
Bevor mir eine passende geistreiche Antwort einfällt, hat Scully ihren großen Auftritt. Sie sieht nur ein wenig besser aus, als ich mich fühle. Aber nicht so schlecht, wie das letzte mal, als ich sie gesehen habe.
Unabsichtlich stiehlt sich mein Blick sofort nach unten zu ihrem Finger, bevor sie überhaupt ihren Mund aufgemacht hat. Sie trägt ihn wieder. Das überrascht mich nicht.
Als sie zu sprechen beginnt, ist sie ganz geschäftlich. Es geht alles um Tests und Blut und ihre gute alte Wissenschaft. Und das ist gut. Ich denke nicht, dass ich irgendetwas anderes von ihr im Moment ertragen könnte. Ganz besonders nicht vor einem anderen Menschen.
Aber ich werde dazu in der Lage sein, irgendwann. Irgendwann in nächster Zukunft werde ich wieder in der Lage sein, ihr Freund zu sein. Ich weiß dass, denn als sie neben mir steht und mir in die Augen sieht und lächelt, spüre ich nicht die typische verschmähter Liebhaber Reaktion. Ich möchte ihr nicht die Augen aus den Höhlen kratzen und ihr Herz herausreißen und darauf herumtrampeln. Ich möchte nur, dass wir mit den Tests beginnen, so dass wir sicher wissen, dass es ihr besser geht. Und das tun wir.
Und drei Stunden später weiß ich zwei Dinge. Erstens, und am wichtigsten, es geht ihr besser. Es gibt keine Spuren von Krebszellen mehr in ihrem Blut. Und zweitens, ich weiß, dass Scully und ich immer noch ziemlich gut und mit minimalem Unbehagen zusammenarbeiten können. Tatsache ist, ich fühle mich in gewisser Weise jetzt wohler in ihrer Nähe als vorher.
Vielleicht wird es in Ordnung kommen mit uns. Vielleicht werde ich nicht ohne sie sterben. Vielleicht.
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Ich erinnere mich an eine Zeit, gar nicht so lange her, obwohl es mir wie ein ganzes Leben vorkommt, als ich zu ihr zurückkam und stolz war. Ich ging durch genau diese Tür, verwundet und blutend aber lächelnd und stolzierte in das Labor hinein. Und ich zeigte ihr, was ich getan, was ich erreicht hatte. Dann bin ich zusammengebrochen.
Sie hat sich damals um mich gekümmert, meinen beschädigten Körper gepflegt. Was wird sie jetzt tun, wenn es meine Seele ist, die verstümmelt ist?
Ich habe nichts, was ich ihr diesmal zeigen könnte. Keine Siegestrophäe, keine prächtigen Verwundungen, die es mit viel 'oohs' und 'aahs' zu bestaunen gäbe, nichts als die Geschichte einer vernichtenden Niederlage. Und meine Reue. Meine tiefe Angst, dass die Art, wie ich gegangen bin, für immer bestimmen wird, wie sie mich ansieht, was sie fühlt.
Es ist jetzt dunkel draußen, aber es ist nicht so spät, dass sie schlafen würde. Zum Glück konnte ich mich unter dem Deckmantel der Nacht hierher schleichen, ohne gesehen zu werden. Es sind nicht genug von uns zurückgekommen, um eine Willkommensfeier zu rechtfertigen. Ich denke noch nicht mal, dass irgendjemand die bedauernswert leeren Lastwagen bemerkt hat, die auf den Parkplatz gefahren sind. Trotzdem ist es nur eine Frage der Zeit, bevor die paar Männer, die zurückgekommen sind, anfangen werden zu reden. Ich muss mit ihr reden, bevor es jemand anderes tut. Nicht dass ich ihr Lügen darüber erzählen werde, was geschehen ist. Ich will ihr alles erzählen, wenn sie mich lässt. Aber sie muss es von mir hören.
Als ich sie finde, ist sie nicht allein. Roseanne sitzt an einem Schreibtisch, schreibt irgendetwas und Mulder ... Mulder ist da, steht neben ihr, spricht mit ihr. Auf einmal erinnere ich mich wieder daran, warum ich sie rausgeworfen habe und all das, was ich befürchtet habe, trifft mich in den Magen wie ein Ziegelstein. Ich hatte recht. Sie schläft mit ihm. Sie tut es.
Aber dann sieht sie auf und sieht mich dort in der Tür stehen und unsere Augen treffen sich und nein ... nein sie tut es nicht. Nein.
Ich nehme am Rande wahr, wie Roseanne auf mich zu geht, mich an der Schulter berührt und mich fragt, ob alles "in Ordnung" ist. Ich kann ihr aber nicht antworten. Ich kann sie kaum sehen. Alles, was ich sehen kann ist Dana, ihr Körper erstarrt wie bei einer Marionette ohne Fäden, aber ihre Blicke gleiten über mich. Erzählen mir Dinge.
Und dann geht Roseanne, der Gummi ihrer Schuhe quietscht auf dem gefliesten Boden, aber Mulder bleibt. Er sieht zwischen uns hin und her, nervös und fragend, bewacht sie, wie es ihr verdammter Hund tut.
"Es ist in Ordnung, Mulder" flüstert sie, während sich ihre Lippen kaum bewegen. Er kräuselt seine Lippen und sieht mich finster an, aber er beginnt zu laufen. Als er an mir vorbeiläuft, murmelt er irgendetwas spöttisches in seinen Bart, aber ich höre es nicht wirklich.
Endlich schließt sich die Tür hinter mir und wir sind allein.
Der Umstand, der mich nach Hause gebracht hat, kommt mir wieder zu Bewusstsein und ich werde durch den Raum zu ihr gezogen.
Als ich nur ein paar Zentimeter von ihr entfernt bin, fragt sie auch, "Bist du in Ordnung?"
Ich fange an zu nicken, ja. Ja, ich bin in Ordnung. Aber das bin ich nicht wirklich. Nicht im geringsten. Und sofort schüttle ich verneinend meinen Kopf und bevor ich über meine Handlungen überhaupt überdenken kann, bin ich vor ihr auf den Knien und umklammere ihre Beine wie ein verlorenes Kind, dass endlich seine Mutter im Supermarkt wiedergefunden hat.
Sie bewegt sich immer noch nicht. Sie fühlt sich steif und kalt an. Widerstrebend und ängstlich.
"Dana...oh Gott, Dana. Es tut mir so Leid. So, so Leid. Oh, Gott."
Meine Stimme klingt rau und gebrochen, selbst in meinen eigenen Ohren. Ich klinge erbärmlich. Ich bin erbärmlich. Und sie erbarmt sich meiner.
Nach einem kurzen Zögern fühle ich ihre Hände in meinen Haaren, langsam streichelnd und ich glaube nicht, dass ich jemals etwas so tröstendes in meinem Leben erfahren habe.
"Es tut mir Leid, es tut mir Leid ... so Leid," wiederhole ich endlos. Es gibt so viel mehr, was ich sagen will, aber dies sind die einzigen Worte, die ich anscheinend im Moment herausbringen kann.
Sie kniet sich vor mir hin und streichelt meine Wangen mit ihren Fingern.
"Es ist gut. Alex, es ist gut."
"Nein, nein das ist es nicht. Es ist nicht gut. Ich war dumm. Dumm und im Unrecht und ich vertraue dir, Dana. Das tue ich. Ich hatte einfach so viel Angst, ich war so... ich dachte du würdest mich verlassen und ich hatte Angst und so habe ich einfach...ich dachte...Gott, es tut mir so Leid..."
"Alex, schh, es ist gut."
Sie drückt eine Kuss auf meine Wange und das sollte ausreichend, um den Strom von unverständlichem Nonsense zu stillen, der aus meinem Mund kommt. Aber das tut es nicht. Da ist einfach zu viel, was ich loswerden muss.
"Nein, nein, Dana. Ich hätte sterben können. Ich bin fast gestorben und alles, woran ich denken konnte war, dass wenn ich gestorben wäre, dies die letzten Dinge gewesen wären, die ich zu dir gesagt hätte und sie waren so falsch und so dumm und ich konnte das einfach nicht ertragen und wenn...ich möchte nicht, dass du unglücklich bist, aber wenn du unglücklich bist, weißt du, dann kann ich mich ändern. Das kann ich. Ich kann mich ändern, wenn dich das glücklich machen würde."
"Nein, nein, Alex. Oh Gott. Ändere dich nicht. Bitte. Nicht."
Sie nimmt mein Gesicht in ihre Hände und kommt mit ihrem Mund meinem gefährlich nahe.
"Nicht."
"Ich habe es wirklich ganz schlimm versaut, Baby," flüstere ich gegen ihre Lippen.
"Es ist gut. Es ist gut."
Sie küsst mich. Oder ich küsse sie. Irgendwie küssen wir uns. Und zittern, oh Gott, sie zittert genauso wie ich.
Das gibt es so viel, so viel mehr, das ich ihr erzählen muss. Aber noch mehr als das brauche ich sie einfach. Ich muss sie spüren, will mich in ihr so tief vergraben, dass ich niemals wieder den Weg nach draußen finde.
Ich küsse sie mit diesem Verlangen und ich denke, dass sie das auch empfindet. Sie stöhnt und gräbt ihre Nägel in meine Kopfhaut und wir beiden atmen viel zu schnell. Zu, zu schnell.
"Alex...Alex," seufzt sie und beginnt dann, mit einem Laut an den Knöpfen meines Hemdes zu ziehen, der mich an ein sterbendes Tier denken lässt. So etwas wie ein Schluchzen oder ein Schmerzensschrei oder ein...Gott, spielt das überhaupt eine Rolle? Sie ist verrückt nach mir. Sie will mich immer noch.
Ich ziehe ihren Körper näher an mich heran und setze eine Spur an ihrem Hals hinunter mit meiner Zunge in Flammen. Sie zappelt und keucht in meiner Umarmung, so empfänglich für die kleinste Berührung, dass es einen um den Verstand bringt. Sie will mich nicht einfach. Sie will mich mehr als je zuvor.
"Ich habe dich vermisst, Djewotschka. So sehr."
"Mmoh Gott. Ich auch. Ich auch."
Sie fährt mit ihren Händen über meine Brust, gierig greifend und kratzend und nach unten zu meinem Hintern, meinen Schenkeln.
Mein Kopf fällt in die Beuge ihres Halses und einen Moment lang halte ich keuchend still, sonne mich in der Empfindung davon, dass sie mich überall berührt.
Aber bald ruft die Verführung ihrer Haut wieder nach mir und ich ziehe an ihrem Shirt, ziehe es aus ihrer Jeans und greife darunter. Ihr Bauch ist heiß und zittert. Gott sei dank trägt sie keinen BH. Ihre Brustwarzen sind herrlich hart und als ich mit dem Daumen über eine davon streiche, schreit sie fast.
Ich küsse sie wieder, wenn man das überhaupt einen Kuss nennen kann. Es ist mehr das wahnsinnige Knirschen von Zähnen, Zungen und Lippen. Meine Hand zittert so sehr, dass es mich wundert, als ich es schaffe, den Reißverschluss ihrer Hose aufzubekommen. Sie mag heute Abend keinen BH tragen, aber sie hat einen Slip an und der ist im Moment nichts weiter als ein Hindernis.
Ich kann ihn ihr nicht schnell genug ausziehen, so dass es meinen Bedürfnissen gerecht werden würde, also schiebe ich nur meine Finger hinein. Sie ist schon feucht. So sehr feucht. Ich lasse zwei Finger in sie hineingleiten und streichle ihre Klitoris mit meinem Daumen.
"Oh mein Gott," stöhnt sie und wiegt sich mit fest geschlossenen Augen gegen mich. Ich spüre ihre Hand an meiner Hüfte, die ungeduldig mit meiner Jeans kämpft. Ich würde ihr ja helfen, aber meine Hand ist anderweitig beschäftigt. Allerdings schafft sie es sehr bald, ihren Weg hinein zu finden. Sehr bald ist mein Schwanz in ihren hungrigen kleine Händen und sie greift und zerrt ungeschickt an mir. Ich habe Angst, dass sie mir weh tun könnte.
"Dana, Dana, ich wi...wi..."
"Gott, nimm mich einfach. Nimm mich, Alex."
Es wird mir plötzlich bewusst, dass wir tatsächlich auf dem Boden des Labors knien, unter dem harten Licht der Leuchtstofflampen, hinter einer Tür, die geschlossen, aber nicht verschlossen ist. Ich nehme an, dass es zu spät ist, sich jetzt darüber Gedanken zu machen.
Ich nehme meine Hand zwischen ihren Beinen weg und ziehe ihr Hosen und ihren Slip nach unten zu ihren Knien. Wir stehen hier einem vertrauten Problem gegenüber. Diese verdammten Stiefel. Ah, was soll's. Sie weiß jetzt, dass ich es besser kann als so. Ich muss sie diesmal nicht mit meiner Leistungsfähigkeit beeindrucken. Ich will einfach in ihr sein. Jetzt.
Sie dreht sich um und beugt sich nach vorn, bietet mir die einfachste Möglichkeit des Eindringens an diesem Punkt an und ich nehme das Angebot an.
Oh. Oh, Gott. Ja.
Das ist es. Dort gehöre ich hin. Das bin ich. Wie habe ich nur jemals etwas anderes in Betracht ziehen können?
"Alexxx," keucht sie, drückt sich gegen mich und dann noch einmal. "Alex Alex Alex," fast, als würde sie jemand anderen erwarten und ist freudig überrascht zu entdecken, dass ich es tatsächlich bin.
Ich mache mir erst gar nicht die Mühe zu versuchen, es langsam angehen zu lassen. Zärtlichkeit kann später kommen. Genau in diesem Moment ist alles was ich tun kann immer und immer wieder in sie hineinzustoßen, zwischen ihren Beinen herumzutasten und zu hoffen, dass es sich für sie wenigstens halb so gut anfühlt, wie für mich. Nichts. Nichts könnte jemals so gut sein.
Schneller, als ich es erwartet hätte, fühle ich, wie sie sich um mich verengt. Ihre Atmung geht in kurzen, ultraschnellen Atemstößen und sie greift nach meiner Hand und presst sie fester gegen ihre Klitoris.
"Alex, Alex, ich...oh..."
Ein weiterer, besonders tiefer, fester Stoß und sie schreit wortlos, ihre Kontraktionen ziehen sich noch tiefer in sie hinein.
Dann zieht sie meine Hand weg, überstimuliert, aber sie drückt sich immer noch gegen mich. So nah, so gut. Sie ist so gut.
Ich greife nach oben, nach etwas anderem zum Anfassen. Nach ihren Haaren. Ihre Haare.
Ihre Haare sind weg. Oh mein Gott. Ihre Haare.
"Wu...wo...Ha...Haare?" krächze ich, verwirrt und erschrocken.
"Is weg. Tut mir Leid."
Ich verstehe das immer noch nicht, aber das reicht nicht aus, um die Brandungswelle meines Orgasmus aufzuhalten. Ich komme in ihr mit einem langen, tiefen Stöhnen der Erleichterung und Ekstase und so vieler anderer Dinge, die ich niemals in Worte fassen könnte.
Ich lege mich über sie, habe das Bedürfnis zusammenzubrechen mich um sie zu schlingen und ein Jahrhundert lang zu schlafen. Aber wir sind immer noch auf dem blöden Boden und jetzt, wo meine sexuelle Energie verbraucht ist, fangen meine Knie an zu schmerzen.
Dana kichert.
Ich berühre mit meiner Nase die Hinterseite ihres Halses, vermisse immer noch ihre Haare, aber ich liebe es, wie ihre Haut nach dem Sex riecht.
"Lass uns nach Hause gehen, Baby."
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Ende Kapitel 17
Kapitel 18
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Zu Hause. Ja, das ist mein Zuhause. Es ist eigenartig, es so vorzufinden, wie ich es verlassen habe. So, wie er es verlassen hat. Der Geist der letzten Nacht, die wir gemeinsam hier verbracht haben, liegt immer noch über allem.
Wir werden etwas dagegen tun müssen.
Wir gehen zusammen ins Schlafzimmer, ziehen uns wortlos aus und ich erinnere mich an die erste Nacht, in der wir dieses Bett geteilt haben. Diese Nacht war ein Anfang und ich denke, dass das diese hier auch ist. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich ziemlich bemerkenswert.
Ich winde mich als erste aus meinen Sachen heraus und krieche unter die Decken, um ihn zu beobachte, genauso, wie ich es damals in jener Nacht getan habe. Aber damals musste ich so tun, als würde ich nicht hinsehen. Ich wollte nicht, dass er sich unwohl fühlt. Heute schaue ich ihn offen an und er schaut zu mir.
Er steht nackt vor mir und diesmal muss ich ihm nicht sagen, dass er seine Prothese abnehmen soll. Er seufzt erleichtert, als er die Riemen komplett gelöst hat und ich bemerke, dass er sie wahrscheinlich die ganze Zeit getragen hat. Die Haut darunter sieht rot und entzündet aus.
"Komm her," sage ich zu ihm und er klettert zu mir aufs Bett. Wir kuscheln uns aneinander und tiefer in die Decken hinein. Einige Minuten lange halten wir uns einfach fest, genießen das kleine Sanktuarium, das wir zusammen gefunden haben, strahlen, weil wir es geschafft haben, den Weg zurück zu finden.
Aber es gibt immer noch Dinge, die wir ausdiskutieren müssen, bevor wir dem Rest der Welt wieder gegenüber treten können, bevor wir unseren Kokon verlassen können. Es gibt Dinge, die ich ihm sagen muss und ich spüre, dass es sehr viel gibt, was er mir sagen will.
"Alex, was...was ist passiert?"
Er seufzt schwer und ich fühle, wie seine Hand meine Schulter fester umfasst.
"Ich habe es versaut. Ich habe es wirklich ganz furchtbar versaut."
"Du hast nicht gefunden, wonach du gesucht hast?"
"Es ist schlimmer als das, Dana. Wir haben eine Menge Leute verloren. Eine Menge. Und die Rebellen...ich habe keine Ahnung, was passieren wird, Dana. Ich denke, ich habe uns einen ganz neuen Schwung Feinde verschafft. Und wir haben nichts erreicht. Absolut nichts."
Ich bin nicht überrascht genug, um darauf eine Reaktion parat zu haben. Ich habe erwartet, dass es so ausgehen würde. Ich hätte ihm das sagen können. Ich hätte ihn aufhalten können. Aber das habe ich nicht. Weil ich ihm nicht alles sagen konnte.
"Was ist mit deinem Freund, diesem Briten und seiner Gruppe? Hat er euch nicht geholfen?"
"Er hat es versucht. Es war trotzdem ein ziemlich aussichtsloser Kampf."
"Denkst du, dass sie uns jetzt helfen können? Mit Vorräten und so ..."
"Ich weiß es nicht. Ich habe mit einigen seiner Männer Pläne gemacht. Er wird in ein paar Wochen zu einem Treffen zwischen unseren Gruppen herkommen. Vielleicht können wir irgendwas ausarbeiten."
Er scheint von dieser Aussicht nicht sonderlich ermutigt zu werden. Ich habe das Gefühlt, dass die anderer Gruppe in der gleichen Verfassung ist wie wir.
"Alex, es tut mir Leid. Ich hätte dir sagen sollen...na ja, ich hatte das Gefühl, dass das passieren würde."
"Ich hätte nicht auf dich gehört."
Da mag er Recht haben. Trotzdem hätte ich ihm sagen sollen, wie ich darüber dachte. Wenn die Dinge anders gewesen wären, wenn ich ihm davon erzählt hätte, dass ich...
"Alex, da gibt es etwas, das ich dir erzählen muss."
"Was ist es? Du schneidest nicht noch mehr von deinen Haaren ab, oder?"
Er fährt mit seinen Fingern durch das, was von meinen Haaren übrig ist und küsst mich auf die Stirn.
"Nein, nein es ist... Alex, ich war, ich war krank. Vorher. Ich bin es nicht mehr. Aber ich war es."
"Krank? Wie krank?"
Mein Gott, ich habe immer noch Angst. Ich weiß nicht, ob ich alles, was ich sagen will sagen kann, ohne zusammenzubrechen und zu heulen.
Ich greife auf den Boden neben dem Bett, wo meine abgelegte Hose auf einem Haufen liegt und fange an, die Taschen zu durchwühlen. Mit übelkeitserregenden Schmetterlingen in meinem Bauch gebe ich ihm den zusammengeknüllten Zettel. Ich hatte vorgehabt, diesen Brief wegzuwerfen, seit ich ihn geschrieben habe, aber ich konnte es aus irgendeinem Grund nicht übers Herz bringen. Jetzt weiß ich warum. Es ist so viel einfacher, ihm den Brief zu geben, als zu versuchen, ihm das zu erklären.
Er setzt sich auf und beginnt zu lesen, seine Augenbrauen ziehen sich immer weiter zusammen, je weiter er liest. Bald ist sein Gesicht zum tiefsten Stirnrunzeln verzogen, dass ich bei ihm seit ziemlich langer Zeit gesehen habe. Mein Herz macht eine kleinen Überschlag in meiner Brust und mein Magen dreht sich immer noch um.
Ein Ausdruck von blankem Horror steht auf seinem Gesicht und ich bin mir sicher, dass er die Worte erreicht hat, "Ich sterbe, Alex."
Als er fertig ist, fällt der Brief aus seiner Hand und flattert auf seinen nackten Oberkörper. Er sieht mich lange nicht an. Als er es tut, sind seine Augen geweitet und feucht.
Aus seiner Kehle kommt ein abgewürgter, quietschender Laut und er schüttelt seinen Kopf und sieht wieder weg. Er nimmt den Brief, dreht sich herum, so dass seine Beine aus dem Bett hängen und sein Rücken mir zugewandt ist.
"Wie lange?"
"Wie...lange?"
"Wie lange hast du gewusst, dass du Krebs hattest, Dana?"
Seine Stimme ist so kalt. So ähnlichem dem Klang, den sie in dieser letzten Nacht hatte. Er verschließt sich wieder, erzwingt einen Abstand zwischen uns.
"Ein paar, ungefähr zwei Monate."
"Zwei Mon..."
"Ich...ich habe es niemandem gesagt, Alex," biete ich ihm schwach an. Als wenn das mein Schweigen entschuldigen würde. Ich will nur nicht, dass er denkt, dass das etwas mit Vertrauen zu tun hatte. Dass etwas an ihm gewesen wäre, weswegen ich das nicht mit ihm teilen konnte.
Aber natürlich ist das nächste was er fragt, "Warum? Warum konntest du dich mir damit nicht anvertrauen?"
"Es hatte nichts mit Vertrauen zu tun, Alex. Es hatte etwas mit mir zu tun und mit meinen Ängsten und mit dem Wissen, was es dir antun würde, wenn du es wüsstest. Und was das mir antun würde. Und du warst so weit weg von mir, Alex...."
"Ich war weit weg, weil ich wusste, dass du etwas vor mir verheimlichst."
Huhn. Ei. Wer weiß, wie es angefangen hat. Ich hätte es besser wissen sollen, als unsere Probleme als Ausrede zu nehmen.
"Es wäre nur ..." Seine Stimme bricht ein wenig und er unterbricht, um sich zu räuspern. Ich kann praktisch spüren, wie das Leid, der Schmerz in Wellen von ihm ausgehen. "Es hätte uns einfach eine Menge geholfen, wenn ich gewusst hätte, was mit dir los ist."
"Ich weiß. Ich weiß das. Es tut mir Leid, Alex. Ich weiß nicht, was ich sagen soll."
Sein Rücken ist so angespannt. Hart. Ich möchte ihn berühren, aber ich weiß nicht, ob er das noch möchte.
"Also dieses Heilmittel..."
"Es hat funktioniert. Ich habe es an mir selbst ausprobiert. Und es hat funktioniert. Er ist weg, Alex. Ich bin nicht me..."
"Du hast es an dir *selbst* ausprobiert?"
Dabei dreht er endlich seinen Kopf, so dass er mich ansehen kann. Er sieht unbestreitbar erschüttert aus.
"Es...es hat funktioniert, Alex."
"Das freut mich. Aber weißt du was? Es hätte nicht funktionieren können. Nur die verdammte Injektion hätte dich schon umbringen können, das wusstest du! Ich kann nicht ..."
Er dreht sich wieder weg und lehnt seinen Ellbogen auf sein Knie, legt seinen Kopf auf seine Hand. Ich sehe, wie er mit seinen Fingern ungefähr fünf oder sechs Mal hintereinander durch seine Haare fährt.
"Ich kann nicht fassen, dass du mir das nicht erzählt hast," sagt er und dann steht er auf und geht aus dem Zimmer.
Ich liege im Bett und höre zu, wie er durch das Wohnzimmer läuft, den Kühlschrank öffnet und wieder schließt, etwas Wasser im Bad laufen lässt und sich, so wie es scheint, schließlich auf die Couch setzt.
Ich möchte mehr als alles andere auf der Welt da hinausgehen, aber ich weiß, dass er eine Weile von mir weg sein muss, um zu verarbeiten, was ich ihm erzählt habe und zu entscheiden, ob er mir jemals wieder ins Gesicht sehen kann mit dem Wissen darüber, wie ich ihn angelogen habe.
Die Knoten in meinem Magen vervielfachen sich exponentiell und meine Kehle und mein Mund fühlen sich so trocken an, wie die Wüste. Ich denke nicht, dass ich jemals in meinem Leben so angespannt war.
Ich denke nicht, dass ich damit umgehen könnte, ihn noch einmal zu verlieren.
Ich frage mich, ob er überhaupt weiß, was es mir antut, daran überhaupt zu denken. Ich frage mich, ob er weiß, was ich durchgemacht habe, seit er mich verlassen hat.
Plötzlich wechselt meine Stimmung von Besorgnis zu Zorn. Er hat mich verlassen. Mich einfach verlassen, ohne mir die Möglichkeit zu geben zu erklären, und ja, es tut ihm Leid und ja, ich verstehe warum. Aber ich denke wirklich nicht, dass er weiß, wie ich mich dadurch gefühlt habe.
Aber wie kann ich ihm davon erzählen, ohne das, was mit Mulder geschehen ist zur Sprache zu bringen? Wie kann ich es ihm erzählen, wenn er draußen im Wohnzimmer sitzt wie ein Feigling? Mich wieder ausschließt.
Ich schaffe es lange genug, mich davon abzuhalten hinauszustürmen und eine Konfrontation herauszufordern. Nach ungefähr fünfzehn Minuten kommt er ins Bett zurück.
Er klettert neben mir unter die Decke, aber er berührt mich nicht.
"Ich kann es nicht fassen, dass du das allein durchmachen musstest," flüstert er und starrt an die Decke. Er klingt so verloren und besorgt, dass mein Ärger sich schnell zu verflüchtigen beginnt.
"Ich wollte stark sein. Für dich, für mich selbst...Ich nehme an, ich habe am Ende alles nur noch schlimmer gemacht."
"Nein, das warst nicht nur du. Ich war nicht wirklich für dich da, so dass du es mir hättest erzählen können. Ich war weit weg. Du hast Recht."
"Ich nehme an, wir haben beide jede Menge Fehler gemacht."
"Denkst du, dass wir zurückbekommen können, was wir hatten?"
"Nein, Alex. Ich denke, dass....was ich hoffe ist, dass wir sogar noch etwas viel besseres haben können."
"Wo fangen wir an?"
"Ich denke, dass wir schon angefangen haben, Alex. Ich, ich muss nur wissen, dass du wirklich hier bist. Dass du mir wirklich vertraust und dass du nicht wieder... dass ..."
"Es tut mir Leid."
"Ich weiß, dass es dir Leid tut, Alex, aber es erschreckt mich, wie schnell du mir die kalte Schulter zudrehen kannst. Ich weiß, das ist nur ein Abwehrmechanismus, aber ich möchte...ich möchte nicht, dass du dich mir gegenüber verteidigen musst.
Er dreht sich leicht zur Seite und sieht mir in die Augen. Ich nehme an, dass ich weine, weil ich spüre, wie seine Finger über meine Wangen streichen und die Tränen wegwischen.
"Es war mir nicht bewusst. Ich wusste nicht, dass es dir so sehr weh tun würde. Ich vertraue dir, Dana. Und ich möchte nicht das Gefühl haben, dass ich mich vor dir beschützen muss. Aber ich muss auch wissen, dass du mir erzählst, was mit dir los ist. Ich muss solche Sachen wissen wie...na ja, wie wenn du an Krebs stirbst, zum Beispiel."
Ich nehme an, dass es ein Zeichen von Fortschritt ist, dass wir beide darüber leise lachen. Trotzdem habe ich ziemliche Gewissensbisse. Völlige Offenheit scheint sein Wunsch für unsere Beziehung zu sein. Ich nehme an, dass es schon immer das war, was er wollte. Das ist es, was ich auch will, aber da gibt es noch eine Sache, bei der ich mich nicht durchringen kann, sie ihm zu erzählen. Nicht aus Angst davor, ihn zu verlieren oder irgendeiner Angst, aber aus dem Bedürfnis heraus, ihn zu beschützen.
Ihm zu erzählen, was zwischen mir und Mulder passiert ist, würde keinen anderen Zweck haben, als mein eigenes schlechtes Gewissen zu erleichtern. Es würde ihm so sehr weh tun, so tief schmerzen und es gibt keine Notwendigkeit dafür, dass er es wissen muss. Es gibt keinen Grund dafür, das was passiert ist auf unsere Beziehung Auswirkungen haben zu lassen. Das hat es nicht und das wird es nicht. Ich werde das nicht zulassen. Er wird niemals erfahren, wie ich es geschafft habe, diese Tür in meinem Leben zu schließen.
Er schlingt seinen Arm um meine Schultern und zieht mich in eine Umarmung.
"Ich bin einfach froh, dass es dir gut geht," flüstert er und küsst meinen Kopf. "Es geht dir gut? Ehrlich?"
"Ja, es geht in die Richtung."
"Du wirst es mir sagen, wenn es nicht so ist?"
"Ja. Ich verspreche es. Es tut mir Leid, Alex. So Leid."
"Mir auch. Alles..."
"Das muss es nicht. Bitte."
Ich fange an mir zu wünschen, er würde endlich aufhören, sich zu entschuldigen. Ich verstehe, dass es ihm Leid tut. Er versteht, dass es mir Leid tut. Wir sind zwei bedauernde Individuen. Das sollte das Ende der Unterhaltung sein.
Aber wieder schafft er es, meine Gedanken zu lesen und ein Thema hervorzuholen, über das zu reden ich mich immer noch fürchte.
"Also...in diesem Brief hast du, äh, du hast etwas gesagt über äh...über nicht wirklich...äh," er hebt das Blatt wieder von dort auf, wo er es auf den Nachttisch gelegt hatte und fängt an, laut vorzulesen.
"Ich dachte, wir würden uns streiten, nachdem du mich gefunden hast, als ich mit Mulder tanzte. Ich habe erwartet, dass du verletzt und wütend sein würdest und ich war darauf vorbereitet, damit umzugehen, zu versuchen, deine Ängste bezüglich dieser Situation zu beschwichtigen. Ich habe mich fast auf die Möglichkeit gefreut, es auszudiskutieren. Vielleicht wäre ich mir meiner Gefühle dir gegenüber klarer geworden, wenn ich gezwungen gewesen wäre, sie dir zu erklären."
Ich nicke nur und weiß sehr gut, worauf er damit hinauswill und fürchte das Minenfeld, durch das wir gehen werden.
"Also, hast du...hast du dazu irgendwas zu sagen?" fragt er und legt den Brief wieder zurück auf den Nachttisch. "Willst du es ausdiskutieren, Dana?"
"Ich...habe nicht...ich war...ich denke, ich denke, dass ich mir über meine Gefühle jetzt sehr viel mehr im Klaren bin, als ich es war, als ich den Brief geschrieben habe."
"Und die sind?"
"Die sind dass...dass ich mit dir zusammensein will. Dass ich nur glücklich und wirklich ich selbst bin, wenn ich mit dir zusammen bin. Du lässt mich .... alles fühlen. Durch dich fühle ich mich lebendig, Alex. Ich wäre nirgendwo auf der Welt lieber als hier, bei dir. Nichts könnte das jemals ändern."
Er seufzt schwer, was entweder ein Zeichen für Erleichterung oder Gereiztheit ist. Bin ich dem Thema in seinen Augen jetzt ausgewichen?
Nein, es ist Erleichterung. Er drückt mich fest an sich und sagt, "Das ist alles, was ich wissen muss."
Ja, ja das ist es.
Wir halten uns gegenseitig lange Zeit und irgendwann scheint er eingeschlafen zu sein. Gott weiß, dass er eine gute Nacht voll Schlaf gebrauchen kann. Gerade als ich das Gefühl habe, ich könnte selbst eindösen, beginnt er wieder zu sprechen.
"Ich muss dir etwas erzählen, Dana. Etwas...ziemlich schlimmes."
Aus irgendeinem Grund ist das erste, was mir in den Kopf schießt, dass er mit Marita geschlafen hat. Der Drang mich zu übergeben, sofort gefolgt von den Drang, jemanden umzubringen, den dieser Gedanke erzeugt, reicht aus, um mich davon zu überzeugen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, ihm nichts von Mulder zu erzählen.
"Ich habe etwas...schlimmes getan. Einfach, schlimm."
Bitte, lieber Gott, wenn sich herausstellt, dass dies hier ist was es ist, dann lass mich nicht zu einer heuchlerischen, psychotischen Schlampe werden. Bitte?
"Möchtest du mir davon erzählen?"
Ich fahre mit meiner Hand über sein Gesicht gerade als er herausplatzt, "Ich habe sie umgebracht."
Sollte ich darüber besorgt sein, dass ich erleichtert bin? Wahrscheinlich. Aber ich bin es. Es spielt noch nicht mal eine Rolle, von wem er spricht.
"Wen umgebracht?"
"Marita."
Oh ja, sehr erleichtert, tatsächlich. Verdreht. Aber ich habe plötzlich wieder in einer neuen Hinsicht Angst. Was könnte ihn dazu getrieben haben?
"Warum, Alex? Was hat sie getan?"
"Sie ...sie muss für jemand anderen gearbeitet haben. Ich weiß noch nicht einmal für wen. Vielleicht nur für sich selbst. Vielleicht für den rauchenden Bastard, ich weiß es nicht. Aber ich hatte es. Wir hatten es und warf es auf den Boden, warf es einfach weg. Sie wollte es noch nicht einmal. Gott, ich weiß nicht, was zur Hölle sie wollte."
"Hatte was? Die Waffe?"
"Ja. Die Waffe. Das einzige, weswegen sich diese ganze Sache gelohnt haben könnte."
Ich wusste, dass so etwas passieren würde, wenn er ihr wieder vertrauen würde. Ich wusste es in meinem tiefsten Inneren. Und wieder habe ich es ihm nicht gesagt. Ich habe es nicht klar gemacht. Ich habe ihn nicht aufgehalten. Nicht, dass ich das gekonnt hätte, aber ‚Das habe ich dir gesagt' ist hier noch nicht mal eine Option. Ich habe es nicht. Und es wird mir endlich klar, was für ein schrecklicher Fehler das war. Es wird mir endlich klar, dass die Dinge, die zwischen uns passieren, Auswirkungen haben, die weit darüber hinausreichen, in wessen Bett ich schlafe und ob meine Haare kurz sind oder nicht.
Und ich bin so froh, dass wir diese kleine Chance haben, das alles zu besprechen, bevor wir rausgehen und all den anderen gegenübertreten müssen. Bevor hier wirklich alles dem Bach runtergeht. Wir müssen zusammen sein. Wirklich, wirklich zusammen, wenn wir das durchstehen wollen.
"Ich musste sie aber nicht töten, Dana. Es war keine Notwehr. Es war einfach...einfach Mord."
"Aber Alex, wenn sie das getan hat, hätte sie vielleicht noch mehr getan..."
"Nicht. Versuche es nicht zu rechtfertigen. Ich habe über nichts dergleichen nachgedacht, als ich es getan habe. Ich habe überhaupt nicht gedacht. Ich wollte einfach, dass sie stirbt."
"Alex..."
"Erkennst du das, Dana? Erkennst du, was für ein Mensch ich bin? Wie ich im Inneren bin? Wozu ich werde, wenn ich nicht bei dir bin..."
Sein Atem stockt in seiner Brust und ich streiche mit meiner Hand über ihn, versuche, ihn zu beruhigen.
"Nein, Alex, das ist nicht...nicht, wer du bist. Du hast dich selbst deswegen schon schlecht gefühlt, richtig? Sonst hättest du es mir gar nicht erst erzählt."
"Ich habe mich schlecht gefühlt, weil ich wusste, dass ich dich enttäuschen würde. Weil ich wusste, dass ich mich in jemanden zurückverwandelt hatte, den du hassen würdest."
"Aber das ist es, was ich versuche zu sagen, Alex. Du hast dich nicht zurückverwandelt. Vielleicht hast du es versucht. Vielleicht wolltest du in die Vergangenheit zurückkehren, zu dem Menschen, der du früher mal warst. Weil du Angst hattest, vor dem Menschen, der du geworden bist, vor den Gefühlen, die du hattest und wie sehr sie dir wehgetan haben. Du hast versucht zu werden, was du früher warst. Aber es hat nicht funktioniert, richtig? Weil du das nicht mehr bist. Egal was du getan hast, die Tatsache, dass es dir Leid tut, dass du die Frage überhaupt in Erwägung ziehst, ob es das richtige war, was du getan hast, zeigt, wie sehr du dich geändert hast."
Er starrt mich einfach eine Minute lang an, wobei er sich wahrscheinlich fragt, woher dieser Ausbruch von Einsicht plötzlich kommt. Aber seine Augen sagen mir, dass ich Recht habe. Wir haben etwas sehr ähnliches durchgemacht, wir beide.
"Aber...ich habe es getan. Macht dir das nicht Angst? Fragst du dich da nicht..."
"Schh. Ich liebe dich, Alex. I liebe dich. Alex...I liebe dich."
Er sieht so schockiert aus, so erschrocken und verwirrt, dass ich weinen könnte. Hat er das nicht gewusst? Nein, wie hätte er das? Mein Gott, könnte ich noch dämlicher sein?
Dann lächelt er. Seine Augen werden feucht und er sieht so unglaublich glücklich aus, dass ich mich in den Hintern treten könnte, dafür, dass ich es nicht schon eher gesagt habe. Dass ich es nicht gesagt habe, als ich es das erste Mal fühlte, vor all den Jahren.
"Ich liebe dich," sage ich ihm wieder und dann noch mal. Ich werde es die ganze Nacht lang sagen, wenn es all die Gelegenheiten wieder gut macht, an dem ich es hätte sagen sollen und das nicht getan habe.
"Ich wusste...ich wusste, dass sie dich entführen würden," krächzt er mit tränenerstickter Stimme und es wird mir bewusst, dass dies das erste Mal ist, dass ich ihn weinen sehe. Wirklich, richtig weinen. Und es wird mir auch bewusst, dass was auch immer er mir jetzt sagt keine Rolle spielt. Ich habe keine Angst mehr davor, es zu hören.
"Ich habe ihnen geholfen. Ich habe dafür gesorgt, dass Mulder dich nicht rechtzeitig erreicht. Der Chip, Emily, der Krebs ... all das. Ich hätte all das verhindern können."
Natürlich überbewertet er seine Rolle im gesamten System. Ich habe keinen Zweifel daran, dass all diese Dinge passiert wären, ob er überhaupt geboren gewesen wäre oder nicht. Aber er fühlt sich natürlich verantwortlich. Mitschuldig. Und das war er. Ich küsse ihn auf die Wange, die tränennass ist.
"Ich liebe dich, Alex."
"Und deine Schwester. Ich war auch dort. Ich hätte das aufhalten können. Und es hättest du sein sollen. Ich hätte ihm helfen sollen, dich zu töten. Und das hätten wir getan. Wenn du diejenige gewesen wärst, die durch diese Tür gekommen wäre, hätte er dich erschossen und ich hätte ihn das tun lassen."
Mein Gott, ich hatte so lange Angst, das zu hören. Nicht, weil ich nicht glauben könnte, dass es wahr ist, sondern weil ich tief in meinem Herzen gewusst habe, dass es wahr ist und ich Angst hatte, dass ich ihm nicht vergeben könnte, wenn er mir das erzählt. Dass ich ihn nicht so lieben könnte, wie ich es tue.
Was ich bis zu diesem Moment unfähig war zu bemerken, ist, dass ich ihm das schon vor langer, langer Zeit vergeben habe. Ich denke ich habe ihm das an dem Tag vergeben, als er die Klinge aus meiner Hand zog und mich davon abhielt, mir meinen eigenen Pulsadern aufzuschneiden.
Ich muss keine Angst mehr davor haben, wer er ist oder wer er war. Ich liebe ihn ohne Wenn und Aber und wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben lasse ich dieses Gefühl auch zu. Ich öffne mich selbst der Freiheit der bedingungslosen Liebe.
"Ich liebe dich," murmle ich in seine Brust.
"Ich habe Mulders Vater umgebracht. Ich habe... ich habe so viele Menschen umgebracht."
"Ich weiß. Ich liebe dich. Liebe dich."
Ich küsse ihn diesmal auf die Lippen. Sein Mund ist weich und nachgiebig. Sein Körper zittert. Tränen fließen aus seinen Augen über seine Nase und in unsere Münder.
"Es tut mir so Leid, Dana. Es ..."
"Ich weiß. Ich weiß. Ich vergebe dir, Alex. Ich liebe dich."
"Ich weiß, dass du denkst ich bin mutig und stark, aber das bin ich nicht. Ich war es nicht. Ich hatte Angst. Ich habe immer Angst..."
"Das ist mir egal. Ich habe auch Angst. Und du bist jetzt in meinen Augen stark, Alex. Stärker, als ich dich je gesehen habe."
"Da gibt es noch andere Sachen..."
"Willst du es mir erzählen?"
"Ich möchte dir alles erzählen, aber..."
"Nichts könnte mich davon abbringen, dich zu lieben, Alex. Nichts."
Und das ist wahr. Ich habe fürchte mich vor nichts von dem, was er mir erzählen könnte. Ich weiß, dass er diese Dinge schon seit einer ganzen Zeit erzählen wollte. Also lasse ich ihn, obwohl es für mich jetzt keinen Unterschied mehr macht. Ich kuschle mich auf ihn und höre der Litanei von Missetaten zu, endlos und betäubend und irgendwann schlafe ich in seinen Armen ein, der Klang seiner Stimme wiegt mich in eine friedliche Traumwelt.
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Ich habe mich heute morgen wieder übergeben.
Das macht dann drei Mal in der letzten Woche. Ich erinnere mich daran, dass ich mich während der ersten Behandlung gegen den Krebs, vor drei Wochen, schlecht gefühlt habe. Eine Nebenwirkung der Behandlung, die nach ein paar Tagen verschwunden war. Als diese neue Anfall anfing, dachte ich erst, dass es die gleiche Nebenwirkung sei. Ich war nervös wegen all der Injektionen, die wir in letzter Zeit im Labor ausgeteilt haben. Würde es jedem so schlecht gehen wie mir?
Allerdings glaube ich nicht, dass ich mir darüber Sorgen machen muss, soweit es das betrifft.
Nachdem diese ‚Nebenwirkungen' wieder aufgetreten sind, habe ich eine Reihe von Untersuchungen an mir durchgeführt. An meinem Blut, meiner DNA, an allem. Dabei habe ich etwas sehr merkwürdiges festgestellt. Es scheint so, als hätte das Serum einige unerwartete Ereignisse in meinem Körper ausgelöst. Am wichtigsten und am unerklärlichsten, scheint es die Regeneration einiger meiner Eizellen bewirkt zu haben. Es hat mich wieder fruchtbar gemacht.
Diese Neuigkeiten werde ich der Gruppe mitteilen. Es liegt sicher Hoffnung darin. Wir haben nicht sehr viele Kinder hier. Diejenigen, die bei uns sind, waren, mit ein oder zwei Ausnahmen, schon vor der Invasion am Leben. Keine der früheren Sklavinnen oder Klone war bis jetzt in der Lage, schwanger zu werden. Wir sind eine sterbende Gesellschaft. Genauso, wie sie es gewollt haben.
Aber jetzt, wenn diese Behandlung auf die anderen so wirkt, wie auf mich, könnten wir ein Heilmittel sowohl gegen die Unfruchtbarkeit als auch gegen den Krebs haben. Wir könnten neue Hoffnung für die Menschheit haben.
Unglücklicherweise hat das, was für den Rest der Gruppe gut ist, das Potential, mich auf einem sehr persönlichen Niveau zu vernichten. Deswegen habe ich das Thema vielleicht vermieden, habe mich geweigert, die Möglichkeit anzuerkennen, selbst in meinem eigenen Kopf. Aber Tatsache ist, ich habe jede andere Möglichkeit ausgeschlossen. Es gibt noch einen Test den ich machen muss.
Wir haben heute Nachmittag ein Gruppenmeeting. Alex ist seit fast zwei Wochen zurück und die Kunde von dem, was passiert ist, ist zu jedem durchgedrungen.
Die Leute sind nicht glücklich über ihn. Die Leute sind nicht glücklich. Ich kann die Unzufriedenheit jedes Mal spüren, wenn ich mich an einem öffentlichen Ort aufhalte. Ich höre, wie sie in der Cafeteria reden. Ich sehe sie die Stirn runzeln, wenn wir vorbeigehen. Es wird Zeit, sich damit auseinander zusetzen.
Es wird Zeit, sich mit einer Menge Dinge auseinander zusetzen.
Wir waren glücklich, Alex und ich. Wir haben in unserer kleinen Blase gelebt und gewartet, bis sie platzt. In dem Wissen, dass sie es früher oder später tun würde.
Ich dachte, dass wir, wenn wir diesen Punkt erreichen, wenn es Zeit ist, die Truppe wieder neu aufzustellen und unsere taumelnde Gemeinschaft wieder auf Kurs zu bringen, zusammen wären. Und das sind wir. Bis jetzt.
Wir werden für dieses Meeting zusammensein, weil ich ihm nichts davon erzählen werde, bis es vorbei ist. Bis wir uns den Wölfen zum Fraß vorgeworfen haben.
Ich werde es ihm aber trotzdem erzählen müssen. Wenn sich herausstellt, dass dieser Test positiv ist, wovon ich mittlerweile fast überzeugt bin, werde ich ihm früher oder später erzählen müssen, dass ich schwanger bin. Ich werde ihm erzählen müssen, dass es sehr gut möglich ist, dass er nicht der Vater ist.
Und ich weiß nicht, was wir dann deswegen tun werden. Ich habe keine Ahnung.
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Ende Kapitel 18
Ende Zweiter Band
Autorenbemerkung: Wow. Ihr habt es geschafft. Gratulation und danke für das lesen dieses ganzen verdammten Dings. Es wird einen Dritten Band geben, aber ich bin mir nicht sicher, wann das erste Kapitel fertig sein wird. Hoffentlich in ein paar Wochen.
Speziellen riesengroßen Dank an mein tapferes und herzliches Team von Betalesern. Laura, Cynthia, Alanna und Spicedrum haben alle mehr zu dieser Story beigetragen, als ich sagen könnte. Ihr Unterstützung war eine endlose Quelle der Inspiration für mich. Ich möchte auch jedem auf RATales dafür danken, dass ich das an ihnen austesten konnte, bevor ich es öffentlich gepostet habe.
Bemerkung des Übersetzers:
Natürlich hat Rachel schon weitergeschrieben (bis jetzt bis Kapitel 9) und ich werde diese Kapitel asap übersetzen, wenn ihr mir sagt, ob es euch interessiert, wie es weitergeht.
Und natürlich habe ich auch Danke zu sagen, nämlich an meine unermüdliche Betaleserin ClaudiaQueequeg. Was wäre ich ohne dich!