HINWEIS!

Die Texte und Bilder stammen von der Onkelz-HP!

Rechtschreibfehler liegen daher beim Verfasser auf der BO-HP!

Quelle: www.onkelz.de

Ich habe NICHT alle Texten übernommen, auf der Seite findet Ihr noch mehr Infos und Hörproben!

1980
Bandgründung

... November 1980 in dem Keller eines Reihenhauses in Hösbach bei Aschaffenburg. Die Gründungsmitglieder sind Stephan Weidner damals 17 Jahre alt, Kevin Russell, damals 16 Jahre alt und Peter Schorowsky, damals 17 Jahre alt. Inspiriert durch Punkbands wie die Sex Pistols, The Ramones, The Clash, The Stranglers und Sham 69, erscheint es den drei Jugendlichen als eine logische Konsequenz, ebenfalls eine Punkband zu gründen. Den Namen geben ihnen mehrere Kinder, die im Winter 80/81 die grünbehaarten Jugendlichen im ländlichen Hösbach als "böse Onkels" bezeichnen. Der Name bleibt hängen und sollte auch später nicht mehr geändert werden. Die Familienhintergründe sind bieder bis asozial.

Punk und der frühe Einfluß
Bedingt durch die Begrenztheit des Ortes Hösbach, lernen sich Stephan, Peter und Kevin 1978/79 kennen und werden unzertrennliche Freunde. Der Punkrock setzt sich in der Gedankenwelt der drei Jugendlichen fest und bestimmt fortan ihr Handeln. Zum Zeitpunkt der Bandgründung im November 1980 besitzen sie einen alten Bass, einen antiken Röhrenverstärker, zwei Dashtrommeln, ein Tischmicro und ein Plektron. Die Band beginnt ihre ersten Songs zu schreiben, die nicht viel mehr sind, als atonale Gröhlereien. Uns liegt ein Tape vor, daß noch die, mit einem Sharp Kassettenrecorder aufgezeichnete Originalaufnahme einiger frühen Punksongs aus dem Hösbacher Keller enthält.

Zu dieser Zeit, als die Böhsen Onkelz sich an der Grenze zur Volljährigkeit befinden, beginnen sie damit, sich von der Enge Hösbachs zu lösen und an den Wochenenden nach Frankfurt zu fahren. Stephan, dem bereits 1979 ein "Schulverbot" für alle Schulen in Hessen ausgesprochen wurde, und der während der Woche in der "Kneipe" seines Vaters gearbeitet hat, löst sich von der autoritären und dominanten Vaterperson und versucht ohne Schulabschluß in der Frankfurter Punkszene auf eigenen Füßen zu stehen. Peter Schorowsky beendet die Hauptschule in Hösbach und beginnt eine Lehre als Schweißer, während Kevin Russell sich mehr schlecht als recht um seinen Hauptschulabschluß bemüht. Alle drei übernachten, zusammen mit Stephans Schwestern und Stephans Mutter während der Wochenenden in Frankfurt in der Sozialwohnung am Frankfurter Berg.

1981
Bandgründung

"Türken raus"
Entgegen vieler Behauptungen, die Böhsen Onkelz hätten ihren Skandalsong "Türken raus", der ihnen bis heute angelastet wird, als Skinheadband geschrieben, muß hier darauf hingewiesen werden, daß "Türken raus" einer der ersten Songs im Repertoire gewesen ist und auf die Zusammenstöße zwischen den Jugendlichen verschiedener Kulturen in den Frankfurter Vororten zurückzuführen ist. Daß die Böhsen Onkelz in den nächsten 5 Jahren eine ausländerfeindliche Haltung anehmen, ist dagegen unbestritten und soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Die ersten Auftritte
1980 steigen die Böhsen Onkelz während vieler Wochenendfahrten nach Frankfurt in die dortige Punkszene ein und machen sich schnell einen Namen als asoziale, authentische Punkband. Zusätzlich muß erwähnt werden, daß gerade in Frankfurt, aufgrund der "Startbahn-West-Krawalle" und der blühenden Punkbewegung eine allgemein agressive Stimmung herrscht. Die "Hippies" und die "Alt 68er" gelten den Punks als Feindbild Nr.1. Diese Frankfurter Punkbewegung konzentriert ihre Aktivitäten auf mehrere Orte, die Hauptwache und den Goetheplatz in der Innenstadt, den Flohmarkt am Eisernen Steg, die "Batschkapp"(ein alternativer Veranstaltungsort, wo viele Punkkonzerte stattfinden) und das Jugendzentrum Bockenheim.

20.02.'81 erster dokumentierter Auftritt im Juz Bockenheim mit Incapables, Mutation und Kreppelkaffee.

08.05.'81 zweiter dokumentierter Auftritt im Juz Bockenheim mit Boopy Traps, Middle Class Fantasies und Antikörper.

Von diesen beiden ersten Gigs gibt es leider kein Foto- oder Audiomaterial. Erwähnung finden die Böhsen Onkelz während dieses frühen Stadiums lediglich in lokalen Fanzines und Undergroundpublikationen.

Noch mehr Punk
Während der ersten zwei Jahre spielen die Böhsen Onkelz 4 Gigs im Juz Bockenheim. Ihr Repertoire beinhaltet neben "Türken raus" noch einige typische Punksongs, "Bullenschwein", "Hinein in das schäumende Bier", "Schöner Tag", "Deutsche Welle", "Bruno Baumann" und andere. Gonzo bringt als erster eine gewisse, rudimentäre Professionalität in die Band, in dem er die Songs durch sein Können erheblich aufwertet. Aus dem anfänglichen Gegröhle werden nun richtige Punksongs, die vom meist jungen Publikum auch so verstanden und aufgenommen werden.
Der Punk, als solcher findet zwar in den einschlägigen Musikzeitschriften seine Erwähnung, aber der Focus der Berichterstattung liegt ausschließlich auf den "großen" und "bekannten" Bands, die zumeist aus England kommen. Gleichzeitig wird in Deutschland die "neue deutsche Welle" etabliert. Weniger aggressives Songmaterial mit deutschen Texten, das in seiner Beliebigkeit und seiner "Softheit" dem Punk das Wasser abgräbt. Während NDW-Bands wie Fehlfarben, DAF oder Ideal das Rampenlicht auf sich ziehen, haben es die authentischen Punkbands wie Slime, Abwärts, die Böhsen Onkelz oder ZK schwer. Ihre Popularität ist begrenzt und beschränkt sich auf ihren Herkunftsort. Die Fans rekrutieren sich ausschließlich aus der lokalen Punkszene. Nur mühsam erspielen sich diese Bands einen größeren Hörerkreis, der sich auf das gesamte Westdeutschland erstreckt. Hilfreich hierbei sind lokale "Fanzines", kleine, zusammengebastelte Heftchen, die die "Szene" mit all ihren Konzerten, Skandalen und Ausschreitungen beschreiben. Jede größere westdeutsche Stadt mit einer Punkbewegung, hat auch mindestens ein Fanzine. In Frankfurt gibt es zu Beginn der achtziger Jahre 3-4 verschiedene Fanzines, von denen "Primitiefes Leben" von Patrik Orth das bedeutendste ist. Die Böhsen Onkelz sind gegen 81/82 ein wesentlicher Bestandteil der Frankfurter Punkbewegung, ihre sporadischen Konzerte und Auftritte jedoch, finden ausschließlich in "Primitiefes Leben" Erwähnung.

1982
Oi wird härter
"Oi" wird innerhalb kürzester Zeit ein Schlachtruf für eine ganze Generation von jugendlichen Working-Class-Kids, die kaum der Pubertät entwachsen, sich am Wochenende im Stadion mit gegnerischen Fans prügeln. Oi bedeutet zunächst, unpolitisch zu sein, schnellen Punk mit harten Texten zu singen, sich ein wenig "ordentlicher" als die Gossenpunks zu kleiden und vor nichts und niemandem zurückzuweichen. Neben den Cockney Rejects gibt es noch eine große Anzahl an Oi Bands, die dem neuen Trend zu einem schnellen Aufstieg verhelfen. Das alles geschieht auch, jedoch mit ca. eineinhalbjähriger Verspätung, in Deutschland. Zunächst bietet "Oi" den deutschen Punks, die weder bei der NDW, noch bei den Anarcho-Punks mitmischen wollen, ein willkommenes Auffangbecken, in dem sie weiterhin ihre unangepasste Musik machen können, ohne sich politisch vereinahmen zu lassen. Während Bands wie Slime aus Hamburg den radikalen linken Weg einschlagen, springen die Onkelz zunächst auf den unpolitischen Oi-Zug auf, der ihnen Gelegenheit genug bietet, ihrem Ärger Luft zu machen. Songs wie "Religion", "Hippies" und "Oi, Oi, Oi" sollen als Nachweis genügen.

Was in Großbritannien schneller vollzogen wird, findet nun auch in Deutschland statt. Die radikale Rechte, beginnt den Stolz und auch den latenten Patriotismus der Oi-Szene für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Was in England als eine unpolitische Jugendszene beginnt, die ihre Wurzeln in der Arbeiterklasse sieht, wird schon bald von der ultrarechten "National Front" und dem "British Movement" vereinnahmt. Die Bewegung der "Skinheads" die in England bereits 1969 entstand und der sich die Söhne der Werftarbeiter zugehörig fühlten, war eine Strömung, die ursprünglich zusammen mit den schwarzen jamaikanischen Einwanderern aus der "Rude Boy"Bewegung entstanden war. "Ska" und "Skinheadreggae" waren die vorherrschenden Musikstile der ausgehenden sechziger und beginnenden siebziger gewesen. Mitte der siebziger war die britische Skinheadszene bereits vollständig von der politischen Rechten vereinnahmt und restlos ausgebrannt. Erst die Oi-Bewegung zu Beginn der achtziger beschert der Skinheadbewegung in England einen neuen Schub und dehnt sich auch sehr schnell auf das europäische Festland aus. Ist die Oi-Bewegung zunächst unpolitisch und orientiert sie sich zunächst an den ganz und gar unpolitischen Working Class Bands wie "Cockney Rejects", "Angelic Upstarts", "The Gonads", "Agnostic Front", "The Blitz", "The Business" und "Cock Sparrer" sowie an den "softeren" Ska-Varianten wie "Madness", "The Specials", "Selecter" oder "Bad Manners"so kann man auch 1982/83 in Deutschland bereits den Einfluß der rechten politischen Parteien in diesen Szenen spüren. Der Zusammenhalt der Jugendbewegungen in der Punk- und in der jungen Skinheadszene, kann dem politischen Druck nicht standhalten und fällt sehr schnell einer radikalen Trennung zum Opfer.

1983
Oi ist noch nicht hart genug

bereits den Schädel rasiert und Stephan schreibt die ersten Lieder, die sich explizit mit dem Thema "Skinhead" befassen. Der Ska-Einfluß ist zwar noch zu spüren, und auch der Bezug zur Arbeiterklasse, aber diese Einstellung wird aufgrund der politischen Einmischung in die Szene schnell verwässert.

Matrosen und Gelegenheitsjobs
Kevin beginnt 1983 seine Lehre als Schiffsmechaniker in Hamburg, ist bald als Matrose in Richtung Sibirien unterwegs und steht der Band nur sporadisch zur Verfügung. Gleichzeitig beginnt er, bedingt durch seine frühen Kindesjahre in Hamburg und durch seine Wochenendaufenthalte bei seiner Großmutter in der Hansestadt, in die radikale Hamburger Glatzen-Szene einzutauchen. Der Schritt von dort in die HSV-Fußball-Fan-Bewegung ist nicht weit.

Stephan, Gonzo,Pe
Stephan hält sich als inzwischen verheirateter Mann mit Gelgenheitsjobs über Wasser, während Gonzo seinen Wehrdienst bei der Marine in Norddeutschland absolviert und Pe als Schweißer arbeitet.

1984
Rock O Rama und der nette Mann
Im Frühjahr 1984 wird Herbert Egoldt, Inhaber des Rock O Rama Labels und des gleichnamigen Mailorder Vertriebs aus Brühl auf die Onkelz aufmerksam. Herbert Egoldt hatte es in den vorangegangenen Jahren verstanden, den Import mit Independent Musik zu einem florierenden Geschäftszweig auszubauen. Sein Label galt während der letzten Jahre als kompetenteste Institution in Sachen Punk- und New Wave Import. 1984 jedoch beginnt er seinen Repertoirebereich auf die wachsende rechte Musikszene in England und Deutschland auszuweiten. Er bietet den Onkelz einen einseitigen Vertrag über drei Alben an, verspricht der Band eine Zahlung von 1,-- DM pro verkaufter Platte und sichert sich die Rechte an den Songs auf Lebzeiten. Die Böhsen Onkelz sind noch unerfahren im Musikgeschäft und gehen begeistert auf den Deal ein. 1984 ist für die Böhsen Onkelz das Schlüsseljahr, in dem sie ihre erste LP "Der nette Mann" in den Frankfurter MTV Studios mit Lazlo Viragh aufnehmen und sich den Titel "Kultband der Skinheadszene" sichern. "Der nette Mann" ist das erste Album einer deutschen Band, deren Mitglieder zu 100% Skinheads sind und sich auch dieser Szene verbunden fühlen. Musikalisch läßt es bereits die spätere Professionalität und Härte erkennen und gerade Gonzo hebt sich mit seinem inzwischen weit fortgeschrittenen Können von der Masse deutscher Bands ab. Die Texte drehen sich fast ausschließlich um Gewalt, Alkohol und Sex. Gerade das Titelstück in seiner ganzen Scheußlichkeit, findet bei den Skinheads in Deutschland großen Anklang. Das Stück "Der nette Mann" handelt von einem Kindermörder, der getarnt als netter Nachbar praktisch nicht auffindbar ist, da er sich hinter der Maske des "netten Mannes" versteckt. Der Song, der in der ersten Person Singular gesungen und mit Kevins rauhem Organ vorgetragen wird, gilt in Deutschland als massiver Tabubruch. Zum ersten Mal setzt sich eine Band auf ihre eigene Art und Weise mit dem Thema Kindesmißbrauch auseinander. Der Täter wird hier als "perverses Schwein" dargestellt und die "Ich-Form", in der das Lied vorgetragen wird, sorgt für große Empörung bei den Jugendschutzvereinen, Kommunen und Gemeinden. Man unterstellt der Band, sie selbst würden zum Kindermord aufrufen. Ebenso skandalös empfindet man das Lied "Mädchen" in dem es um nichts anderes als "ficken", "ficken" und nochmals "ficken" und um "blasen", "blasen" und nochmals "blasen" geht. Der Song "Frankreich '84", der die anstehende Fußball Europameisterschaft in Frankreich thematisiert und in dem das Wort "Frankreichüberfall" fällt, wird später als Hauptgrund für die angeblich faschistoide Gesinnung der Musiker herhalten müssen. Desweiteren befindet sich auf dem Debütalbum "Der nette Mann" das Lied "Deutschland", ein Song, in dem zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg eine deutsche Band die Textzeile "wir sind stolz darauf, Deutsche zu sein" verwendet. Merkwürdigerweise wird dieser Song, in den man unverblümt einen übertriebenen und gefährlichen Patriotismus, hineininterpretieren könnte, bei der späteren Beanstandung des Albums durch die Bundesprüfstelle, nicht nur nicht besprochen, sondern, er wird nicht einmal erwähnt.

"Der nette Mann" wird Kult
Das Debüt Album "Der nette Mann" schlägt in der kleinen Skinheadszene, die in den Verfassungsschutzberichten des Jahres '84 mit ca. 2000 Personen beziffert wird, ein, wie eine Bombe. Die Böhsen Onkelz sind seit ihrem "Demo" von '83, seit ihrem Gig im Bunker '83 und seit ihrem ersten Album "Der nette Mann" die Band der Stunde. Die Gerüchte über die Frankfurter Band innerhalb der Skinheadszene nehmen groteske Formen an und so schnell, wie die Onkelz sich in der Szene etabliert haben, so schnell wird es ihnen auch schon wieder zu eng.

Zagabarta
Im Sommer 1984 werden die Böhsen Onkelz von der Berliner Regisseurin Tabea Blumenschein zu einem Filmdreh eingeladen. Zusammen mit der Berliner Punkband "Tödliche Doris" liefern sie den Soundtrack. Der Film "Zagarbarta", der 1985 vom ZDF in der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausgestrahlt wird, und der die Böhsen Onkelz in seiner Anfangssequenz für 4 Minuten während eines gestellten Gigs im Berliner "Loft" zeigt, gilt mit Recht als der schlechteste Film, der jemals über Punks und Skinheads gedreht wurde. Später wird der Film oft von den Medien im Fernsehen fälschlicherweise als "Böhse Onkelz Film" zitiert und muß oft herhalten als einziges Archivmaterial, das die Böhsen Onkelz als Skinheadband auf einer Bühne zeigt.

1985
Das zweite Album

Bereits im Ferbruar 1985 nehmen die Onkelz ihre zweite Langspielplatte "Böse Menschen - böse Lieder" auf. Herbert Egoldt hat zu diesem Zeitpunkt noch keinen Pfennig für die Verkäufe der ersten LP gezahlt, ist aber der Meinung, daß dringend ein zweites Album aufgenommen werden muß. Von diesen Aufnahmen existiert Filmmaterial auf Video. Zusätzlich werden die Stücke der zweiten LP in Halbplayback und in Farbe für ein frühes Fanvideo in geringer Stückzahl aufgenommen. Auch dieses Material liegt uns vor. Während das Cover zum "netten Mann" noch auf dem Coverfoto (zerstörte, blutüberströmte Kinderpuppe in der Gosse, daneben ein paar Springerstiefel) einen klaren Bezug zur Skinheadszene aufweist, ist der Cover des neuen Albums mit einer Zeichnung aus einem Comic wesentlich neutraler und während sich die Songtexte des ersten Albums noch mit dem Thema "Deutschland" auseinandersetzen, sucht man auf der zweiten Scheibe solche Titel vergebens. Die Inhalte handeln fast ausschließlich von Alkohol und Straßenkampf, davon, daß die Gewalt nicht mehr als etwas Gutes und Wichtiges, sondern nun als etwas Erzwungenes, etwas zum Überleben auf der Straße Notwendiges angesehen wird. An dieser Stelle muß darauf hingewiesen werden, daß 1985 auch die rechten Parteien die Onkelz für sich entdecken und sie immer wieder für "ihre Sache" zu gewinnen versuchen. Es gibt während dieser Zeit zahlreiche Angebote von rechten Parteien und Vereinigungen an die Böhsen Onkelz, auf einer ihrer Kundgebungen oder Grillfeste zu spielen. Alle Angebote werden abgelehnt und die Böhsen Onkelz haben bis heute keine Note für eine politische Partei angeschlagen. In diesem Zusammenhang sind auch die Texte der beiden Songs "Signum des Verrats" (ein Song für Mitläufer und Skinheads, die ihre Ideale an die Politik verkauft haben) und "Hässlich, brutal und gewalttätig" (ein Song über die plakative Darstellung der Skinheads in den Medien) zu verstehen.

Der größte dokumentierte Glatzengig
Den vierten und größten Gig vor einer Skinheadgemeinde spielen die Onkelz zusammen mit der englischen Band "Indecent Exposure" und den deutschen "Die Hards" im August '85 in der Nähe von Lübeck. Vor rund 700 Glatzen und Glatzenähnlichen, von denen man einige ganz klar dem rechten Lager zuordnen muß, läßt sich Kevin zu einer weiteren Dummheit hinreißen. Obwohl die Band den Aufforderungen "Türken raus" oder "Deutschland den Deutschen" vom Demotape zu spielen, nicht nachkommt, tragen sie dennoch den Song "Deutschland" vom ersten Album vor. Die originale Textzeile "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz rot gold wir steh'n zu Dir" wird während des Gigs von Kevin auf eigene Faust umgestaltet und er singt nun "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz weiß rot wir steh'n zu Dir" Die Band ist außer sich vor Wut über diesen Alleingang und es kommt zu Spannungen innerhalb der Band.

Skandalsendung "Live aus dem Alabama"
Noch immer in der Skinheadszene verhaftet, stellen sich die Böhsen Onkelz im September einer Fernsehdiskussion zum Thema Ausländerfeindlichkeit im Rahmen der "Live aus dem Alabama"-Serie des Bayerischen Rundfunks. Nach dem Live Vortrag des Songs "Stolz" in einer schnelleren Version, währendessen man Gonzo schon in Jeansweste, Motörhead T-Shirt und Cowboystiefeln (!) auf der Bühne sieht, nehmen Stephan und Kevin an der Diskussion teil.

Ebenfalls eingeladen sind ein türkischer Graphik-Designer und eine griechische Abiturientin. Fast unnötig zu erwähnen, daß diese Diskussion nicht viel bringt. Kevin, noch als traditioneller Skinhead gekleidet, redet sich um Kopf und Kragen, in dem er tatsächlich die Ausländer für seine persönlichen Fehler und Versäumnisse verantwortlich zu machen versucht. Stephan ist bemüht die Diskussion seriös zu gestalten, muß aber einsehen, daß es nichts bringt, als der Moderator zwei jugendliche Neonazis der Wiking Jugend zu Wort kommen läßt, denen man scheinbar vor der Sendung noch bügelfrische Onkelz T-shirts übergezogen hat. Diese beiden Jugendlichen, die keine unpolitischen Skinheads, sondern rechte Scheitelträger sind, dürfen ihre Hetzparolen vortragen und sorgen somit dafür, daß auch die Onkelz in dieser Diskussion als rechte Band dargestellt werden. Die Kernchance, die wohl darin liegen sollte, eine fruchtbare Diskussion zu führen, wird kläglich vertan.

"Mexico" - die letzte Rock o Rama Veröffentlichung
Im Herbst 1985 entscheiden sich die Böhsen Onkelz dazu, ihren Vertrag bei Herbert Egoldt und Rock 'O'Rama zu erfüllen, in dem sie noch ein letztes Album mit ihm aufnehmen. Egoldt hat bis jetzt keinen Pfennig gezahlt und ein persönlicher Besuch bei ihm bringt einen Scheck über 4000,-- DM. Dies bleibt die erste und letzte Zahlung, die Herbert Egoldt den Böhsen Onkelz bis heute ausgezahlt hat. Dazu hat Egoldt nun ein großes Sortiment an Faschobands aus England auf seinem Label versammelt und die Böhsen Onkelz fühlen sich zunehmend verarscht und unwohl. Um den Vertrag zu erfüllen und Egoldt dabei so wenig Songmaterial wie möglich zu liefern, veröffentlichen die Onkelz lediglich 6 Songs auf der "Mexico" EP. Das dritte Studioalbum "Mexico" mit dem gleichnamigen Stadionknaller zur Fußballweltmeisterschaft '86 stößt in der Skinheadszene erneut auf große Zustimmung und gilt bis heute als das dritte und letzte Skinheadalbum der Böhsen Onkelz.

1986
Kevin und die Tattoos
1986 ist das Jahr, in dem Kevin seine Laufbahn als Tättowierer beginnt. Er hat schon seit geraumer Zeit am eigenen Körper experimentiert, hat hunderte von Zeichnungen entworfen und findet nach seiner Lehre als Matrose, die mit einem Rauswurf endet, nun einen Job im Studio des Frankfurter Tattoo-Künstlers Alf Diamond. Auf privater Ebene ist er mit Stephans jüngster Schwester Moni zusammen und treibt den Alkoholkonsum und die Gewalt auf die Spitze.

Indizierung "Der nette Mann"

Die Bundesprüfstelle indiziert im September '86 das Debüt Album "Der nette Mann" mit der Begründung der Titelsong würde zum Mord an kleinen Kindern aufrufen, der Song "Frankreich '84" beinhalte rassistische Tendenzen, der Song "Mädchen" sei pornographisch, der Song "Dr. Marten's Beat" sei gewaltverherrlichend und der Song "Böhse Onkelz" würde unreflektiert den Nationalsozialismus verherrlichen. Die Songs in ihrer Abschrift, weisen viele Fehler und Entstellungen auf - manche Passagen sind von der Bundesprüfstelle frei erfunden worden - und das Verbot des Albums sorgt dafür, daß es bundesweit "Kultstatus" erlangt. Die spätere Behauptung, die Böhsen Onkelz hätten diese Indizierung beabsichtigt, sie sei Teil einer gewaltig angelegten Marketingkampagne gewesen, ist unhaltbar und unzutreffend. Das Verbot der Platte kommt zwar überraschend, wird aber von der Band schulterzuckend hingenommen. Verdient haben sie an den ersten drei Alben sowieso nichts.

Nochmal Rock o Rama?
Die in den letzten Jahren angestrengten Prozesse gegen das Label Rock'O'Rama, verfolgen nur einen Zweck, nämlich die Auswertung der Alben "Der nette Mann", "Böse Menschen, böse Lieder" und "Mexico" zu stoppen und die Produktion einzustellen. Die Böhsen Onkelz versuchen diese drei Alben seit Mitte der neunziger Jahre vom Markt zu nehmen. Herbert Egoldt jedoch vertreibt diese Alben bis heute mit großem Erfolg. Die Diskussion um die Böhsen Onkelz hat erst dafür gesorgt, daß diese drei, angeblich "schwer zu bekommenden" Veröffentlichungen Kultstatus erlangt haben. Der Kontakt zu Egoldt ist seit 1985 abgebrochen und findet nur noch über Anwaltstermine statt.

Der Ausstieg und die Presse
1986 sind die Onkelz für eine kurze Zeit ohne Vertrag und ohne neue Songs. Ein Playback-Benefiz-Gig für das S.O.S.-Kinderdorf unter der Leitung von Manfred Sexauer verläuft mehr als chaotisch, als der betrunkene Kevin Russell in das Schlagzeug fällt und nicht mehr alleine hochkommt. Danach gibt es bis 1989 keine Konzerte mehr und die Presse hat von der Band, ihrer bisherigen Geschichte und ihrem Ausstieg aus der Skinheadszene keine Kenntnis und zeigt auch kein Interesse. Innerhalb der Szene jedoch gibt es die wildesten Auflösungsgerüchte und Erwähnung finden die Onkelz allerhöchstens in einschlägigen Skinheadfanzines. Hier zwei Zitate:

Stephan: "Ein für allemal: Die Böhsen Onkelz haben sich nicht aufgelöst. Ich weiß nicht, welcher Verrückte auf die Idee gekommen ist, dieses Gerücht in die Welt zu setzen. Es stimmt jedenfalls nicht. Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spaß haben und das war zum Schluß nicht mehr möglich. Für die Zukunft der Skinbewegung sehe ich einigermaßen schwarz. Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben sind verschwunden, zu viele Leute, die diesen Ruf nicht halten können, sind dazu gekommen. Wir brauchen uns von diesen Leuten nichts vorwerfen und schon garnichts sagen zu lassen. Wir kennen die Sache. Die Skins, die von sich behaupten können, 4-6 Jahre dazu gehört zu haben, kann man an einer Hand abzählen."
aus: "Singen und Tanzen", Skinheadfanzine Duisburg, Frühjahr 1986

Frage: "Ihr seid im letzten Jahr in der Alabamahalle aufgetreten, um in einer Diskussion mit dem Thema "Skinheads" Rede und Antwort zu stehen. Würdet ihr das heute nochmal machen?"
Stephan: "Das mit der Alabamahalle würden wir mit Sicherheit nicht nochmal tun. Wir haben da mitgemacht, weil wir endlich mal Gelegenheit hatten, den Ruf der Skins ein wenig in ein anderes Licht zu rücken, weg von diesem Neo-Nazi-Klischee."
aus: "oi - the bulldog", Skinheadfanzine Augsburg, Frühjahr 1986

1987
Nach dem Ausstieg
Das Jahr 1987 markiert das zweite Jahr nach dem Ausstieg der Böhsen Onkelz aus der Skinheadszene und ihr erstes Metal Album, das im Sommer des Jahres bei Metal Enterprises erscheint. "Onkelz wie wir" erspielt sich schnell den Ruf einer reinen Rockscheibe innerhalb der wachsenden Fangemeinde. Die Presse ist immer noch weitgehend uninteressiert. Nur einige Musikmagazine haben von dem Ausstieg der Onkelz aus der Glatzenbewegung etwas mit bekommen, wollen die Wandlung aber nicht anerkennen. Das einzige Dokument aus dieser Zeit, ist ein längeres Interview, daß der Soziologe Markus Eberwein mit den Böhsen Onkelz im Rahmen des Buchprojekts "Skinheads in Deutschland" durchführt. Hier einige Auszüge:

Stephan: "Und wenn man dann hier so was liest: "Früher eine aufmüpfige Punkband, ist die Kapelle unter ihrem Lead-Sänger Ian Stuart inzwischen voll auf der Linie der faschistischen "National Front". "Skrewdriver" hat überall in Europa Nachahmer gefunden. Die Gruppen nennen sich "Blut und Ehre", so in der Schweiz, in Frankfurt "BÖHSE ONKELZ" oder in Westberlin "Kraft durch Froide".
Pe: "Es gibt sicherlich Gruppen, die faschistisches im Sinn haben!"
Gonzo: "Aber mit so was haben wir nie was am Hut gehabt!"
Pe: "Dazu gehören wir aber wirklich nicht!"
Gonzo: "Von wegen parteipolitisch: Ist nie was gelaufen bei uns!"
Kevin: "Politik ist ja total uninteressant. Das ist überhaupt kein Thema, weil Politik ist in diesem Land undurchführbar. Deswegen interessiert mich Politik einen Scheißdreck, ja? Ich will nur leben, wie ich will, das ist alles. Politik und sich politisch überhaupt zu organisieren ist das Letzte! Das ist so eine Zeitverschwendung. Also in der Zeit kann ich etwas Besseres machen."

(...)
Stephan: "Man muß sich mal eins überlegen. Wir waren damals, wo es angefangen hat, dabei und haben die ganze Bewegung mit aufgebaut. Und dann siehst du, wie ein paar Idioten die ganze Sache kaputt machen."

(...)
Stephan: "Und bei uns hat es aufgehört, wo der Punk ins Linke reingezogen worden ist. Punk bedeutete am Anfang für uns nur, Außenseiter zu sein und Spaß zu haben."
Kevin: "Und so ist es jetzt auch bei den Skins, das wird nur ins Rechte gerückt. Und da hört es für mich dann auch auf. Genauso war es damals als Punks."
Gonzo: "Die Linken haben sich die Punks unter den Nagel gerissen und die Rechten versuchen sich die Skins unter den Nagel zu reißen."
Kevin: "Also ein richtiger Skinhead ist politisch total negativ eingestellt, politlos."

(...)
Gonzo: "Wir waren als Punks politisch uninteressiert gewesen. Dann haben wir gesehen: jetzt kommt das Ganze in eine politische Sache rein, was machen wir jetzt? Das wollen wir nicht, wir wollen mit den Leuten nichts zu tun haben! Naja, ich weiß auch nicht, wie es kam: jedenfalls wurden die Haare kürzer, und dann sind wir Skinheads gewesen. Dann waren wir zwar noch dieselben wie vor einem halben Jahr, aber wir sind nicht Skinheads geworden aus dem Grund, weil: Sieg Heil! Und rechts!"
Kevin: "Auf keinen Fall!"

(...)
Kevin: "Man wollte halt alles ein bisschen mehr auf Härte machen, anstatt so auf: viel trinken, und Koma, und: Eh, ihr Blöden! Und nichts mit Politik, von wegen: `Heil Hitler!` Das überhaupt nicht, was soll denn das? So?n Quatsch! Ich meine, wenn man damals leben würde. Ist doch Scheiße! Ich meine, in der Hitlerjugend hier, ich würde mir doch die Kugel geben! Was soll das denn?"
Gonzo: "Stell dir mal vor, da wärst du ein größeres Arschloch als die Bullen!"
Kevin: "Da hast du zehn Arschlöcher am Tag, die dir sagen, du sollst das und das machen. Das ist einfach logisches Denken, dass so eine Politik Scheiße ist!"

(..)
Kevin: "Ich lasse mir doch von keinem Arsch sagen: Weil ich Skinhead bin, muss ich jetzt singen: `Sieg Heil!` und `Gewalt!"
aus: "Skinheads in Deutschland" von Markus Eberwein und Josef Drexler, Selbstverlag, Hannover/München 1987)

So, wie der Song "Stolz" wohl für viele Jugendliche der Einstieg in die Szene gewesen sein mag und so, wie, der Song "Deutschland" den nicht ganz ungefährlichen Patriotismus thematisierte, genauso gilt der Song "Erinnerungen" auf dem Album "Onkelz wie wir" als der klassische Ausstiegssong und wird von den Fans, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, begeistert aufgenommen.

Für die Böhsen Onkelz war damit ihre Zugehörigkeit zur Skinheadszene abgeschlossen, der Ausstieg vollzogen und dokumentiert. Man muß jedoch davon ausgehen, daß die Medien von dieser Entwicklung nichts mitbekommen haben und daß die Bewußtwerdung der Böhsen Onkelz zu diesem Zeitpunkt kein Thema darstellte. Anders sind die späteren Recherchefehler und Behauptungen insbesondere der Tagespresse nicht zu erklären.

1988
Onkelz? Nie gehört!
Im Jahr 1988 gibt es, wie auch schon im vorangegangenen Jahr keine Konzerte. Die Massenmedien interessieren sich noch immer nicht für die Geschichte der Böhsen Onkelz. Weder ihre Musik, noch ihr Ausstieg aus der Skinheadszene wird in der Tages- oder Stadtpresse erwähnt. Der Metal Hammer macht den ersten Schritt im Februar ?88. Nachdem er bereits im Vorjahr die "Onkelz wie wir" als "Nazi-Skin-Platte" verrissen hatte und nachdem sich Stephan und Gonzo daraufhin bei der Redaktion beschwert hatten, lädt der damalige Chefredakteur Edgar Klüsener die beiden Musiker zu einem Gespräch ein. Hier einige Auszüge:

Stephan: "Vor allem in den letzten Jahren ist ein Teil der Skins klar nach rechts abgedriftet. Tatsache ist, daß auch politische Organisationen versuchen, direkten Einfluß auf Skins zu gewinnen. Das geht soweit, daß sie zu unseren Konzerten kommen und Stände aufbauen oder Flugblätter verteilen wollen. Das lassen wir jedoch unter keinen Umständen zu. Die fliegen ganz einfach raus!"
(...)
Stephan: "Einer von uns zum Beispiel hat den Wehrdienst verweigert und leistet zur Zeit seinen Zivildienst ab - aus welchen Gründen auch immer. Und da sagt man uns noch ernsthaft nach, wir würden Neo-Faschisten unterstützen oder seien gar selbst welche. Wir sind zwar Musiker, aber keine Idioten!"

(...)
Stephan: "Was heute noch als Skinhead auftritt, hat meistens nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich mal das Skin-Movement war. Übriggeblieben sind oft nur noch die, die tatsächlich rechstradikal eingestellt sind. Die anderen, die von Anfang an dabei waren und die Bewegung mit aufgebaut haben, die haben sich inzwischen weitgehend abgesetzt und distanziert."

(...)
Stephan: "Es war eine Bewegung der Kids von der Straße und eine Bewegung, die aus der Arbeiterklasse entstanden ist, aus der Klasse also, aus der auch wir stammen und in der wir verwurzelt sind. Eine andere Sache allerdings ist, daß für uns die Politik, so wie sie uns von den herrschenden gesellschaftlichen Gruppen und Parteien jeden Tag vorgespielt wird, absolut unglaubwürdig geworden ist. Politik ist ein pures Gerangel um Macht und Geld. Der Mensch und seine Bedürfnisse gelten nichts. Die einzige Partei, die zur Zeit noch einen Hauch von Glaubwürdigkeit besitzt, sind die Grünen. Sie könnten eine echte Alternative bieten, wenn sie zur Geschlossenheit zurückfinden würden."

(...)
Stephan: "Als wir erstmals mitbekamen, wohin der Zug plötzlich fuhr, auf dem wir als Kultband der Skins irgenwo mit draufsaßen, haben wir damit begonnen, gegen unsere eigenen Leute zu schreiben, um irgendwie zu bremsen."

(...)
Stephan: "Seitdem sind wir alle noch um einiges bewußter geworden. Wir glauben, daß unser einzige Chance sowohl musikalisch, wie auch menschlich-politisch im Crossover liegt. Es hat keinen Sinn, wenn Glatzen auf Punks, Metaller auf Hippies und jeder gegen jeden losgeht. Statt uns zu bekämpfen, sollten wir viel mehr zusammenhalten gegen die, die uns alle zusammen be- und unterdrücken, gegen korrupte Politiker, Umweltzerstörer, Kriegstreiber und gegen ein politisches System, für das der Einzelne Dreck ist."
aus "Metal Hammer" Hard Rock Zeitschrift "Böse ja, rechtsradikal nein" von Edgar Klüsener, München Februar 1988

Kurz daruf druckt das semi-professionelle Heavy Metal Magazin "Mega Mosch" im Sommer 1988 ein weiteres Interview mit Stephan Weidner ab. Es folgen Auszüge.

Stephan: "Es gab dann halt regelmäßig Ausschreitungen und uns wurde ein faschistisches Image angelastet, worauf die Veranstalter halt auch keinen Bock hatten, was ein Auftrittsverbot für uns in Frankfurt und Umgebung zur Folge hatte. So hat sich das dann halt entwickelt und immer mehr verschlimmert, durch Mund-zu-Mund-Propaganda."

(...)
Stephan: "Ja, das ist richtig. Zu dieser Zeit (84) waren wir halt auch Skins gewesen und haben voll hinter der Bewegung gestanden. Wir wollten deshalb auch eine Platte für diese Bewegung machen. Inzwischen haben wir mit dieser Szene eigentlich nichts mehr am Hut."

(...)
Stephan: "Rock-O-Rama haben uns finanziell ziemlich beschissen und nahmen außerdem immer mehr rechte Gruppen in ihr Repertoire auf, was uns auch nicht so gelegen hat."
aus "Mega Mosch" Heavy Metal Zeitschrift, Sommer 1988

1989
Immer noch im Untergrund
Im Jahre 1989 finden die Böhsen Onkelz in den Medien noch immer nicht statt. Weder Tageszeitungen noch Musikmagazine interessieren sich für die Band. Die Kneipenterroristen LP vom Vorjahr wird kaum erwähnt und ebenso wenig ihr Ausstieg aus der Glatzenszene oder die wachsende Fangemeinde, die sich nun aus vereinzelten Alt-Skins, Punks und Rockern zusammen setzt. Wohl aber finden wieder erste Konzerte statt. 5 Shows spielen die Onkelz im Raum Wiesbaden und Frankfurt vor einer Crowd von 800 bis 1200 Leuten. In Offenbach tauchen ca. 30 Skinheads mit Deutschland Fahnen auf und pöbeln im Publikum. Stephan macht eine seiner ersten öffentlichen anti-rechts Ansagen von der Bühne herunter. Leider gibt es hiervon kein Video- oder Tonmaterial.
Ein weiteres erwähnenswertes Interview findet im Herbst des Jahres statt, als der Redakteur eines bekannten Nachrichten Magazins die Böhsen Onkelz in ihrem Proberaum in Frankfurt besucht. Von diesem Interview liegt uns die ungeschnittene Rohfassung vor, die wir hier in Auszügen ablegen. Augrund bestehender Copyrights, können wir leider die Quelle nicht angeben, da man uns die Genehmigung zur Veröffentlichung des Materials verweigert hat. Wir tun es dennoch:

Bermerkenswerterweise werden diese Aufnahmen der Öffentlichkeit vorenthalten, da sich die Redaktion dazu entschließt, den Beitrag nicht zu senden. Möglicherweise ist die unprofessionelle Vorgehensweise des Interviewers ein Grund dafür, möglicherweise entsprechen die Onkelz aber auch nicht dem gewünschten Bild einer "unglaubwürdigen Nazi-Skinband", die man hier zu portraitieren versucht.

Ebenso, sollte an dieser Stelle ein Interview mit der Metal Zeitschrift "Reborn" erwähnt werden, daß im Herbst des Jahres geführt wird...

Stephan: "Wir wollten eigentlich schon auf jeder LP die Texte abgedruckt haben, weil wir gemerkt haben, dass gerade bei den alten Platten die Texte zum Großteil nicht verstanden wurden. Durch den etwas undeutlichen Gesang und die schnell aufeinander folgenden Worte sind häufig Missverständnisse aufgetreten. Viele Leute haben den Text nicht richtig verstanden und somit wurde der wahre Sinn des jeweiligen Liedes verfälscht. Deswegen wurde uns bei manchen Texten auch unterstellt, sie seien rechtsradikal. Und das stimmt nicht!"
aus: "Reborn" Nr.2, Heavy-Metal-Fanzine, Herbst 1989

... und ein weiteres Interview, daß zwar 1988 für ein Skate-Fanzine geführt wird, aber merkwürdigerweise in einer rechten Publikation im Jahre 1989 ohne Quellenangabe wieder auftaucht:

Frage: "Also, wir haben ja auch von Euch 1-2 Platten auf Kassette aufgenommen und haben auch versucht, da ein bisschen was rauszuhören, textmäßig, und da gibt es ein Lied, auf "Der nette Mann" ist es glaub' ich drauf, das geht über die EM in Frankreich '84. Da heißt es so was wie "Frankreichüberfall", da hab ich gleich an Hitler gedacht so ein bisschen. Wie ist das denn aufzufassen?"

Stephan: "Da ging das Interesse am Fußball, vielleicht auch an Ausschreitungen unter Fans usw., das ging halt ein bisschen verloren, das wurde vielleicht ein bisschen zu politisch dargestellt. Vielleicht haben wir auch einen Fehler gemacht im Textschreiben und das nicht deutlich genug ausgedrückt, was wir damit meinen. Ich meine, wir haben einen ziemlichen Hals auf die Franzosen gehabt zu dieser Zeit, wir haben da so auf die Schnauze bekommen von den Bullen, und das war so ein bisschen Hasstirade auch auf die, das war schon dabei, aber es sollte eigentlich keine Volksverhetzung oder irgendso ein Quatsch sein, damit haben wir nichts am Hut."
aus: Rock Nord, Winter 1989/90

1990
Ein dunkles Jahr

Das Jahr 1990 entwickelt sich im Sommer zu einem der dunkelsten Jahre für die Böhsen Onkelz. Kevins Drogeneskapaden in der "28" inspirieren Stephan zu den düstersten Texten, die er je geschrieben hat. Songs wie "Leiden", "Necrophil" und "Hast du Sehnsucht nach der Nadel" drücken diese Stimmung eindrucksvoll aus.

Der Wechsel zu Bellaphon und ein heimtückischer Mord
Der Tiefpunkt des Jahres 1990 ist erreicht, als am 16. Juni der beste Freund der Band, der 23jährige Elektrikergeselle Andreas Trimborn im "Speak Easy", einer Kneipe in Alt-Sachsenhausen erstochen wird. Ein weiteres Schlüsselerlebnis, das die Band zwar unzertrennlich zusammenschweißt und viel Material für neue Lieder gibt, ("Nur die besten sterben jung", "Ganz egal" 1991, "Das Messer und die Wunde" 1993, "Der Platz neben mir" 1998) aber gleichzeitig auch dafür sorgt, daß Kevin ganz und gar im Drogensumpf versackt. Er nimmt nun täglich große Dosen an Kokain und Heroin zu sich und verwahrlost zusehends. Die 90er Veröffentlichung "Es ist soweit", das sechste Studioalbum der Onkelz, das sich hervorragend verkauft, ist auch das letzte Album, das die Band mit Ingo Nowotny aufnimmt. Ebenso wie Herbert Egoldt, beginnt sich Ingo Nowotny mit grottenschlechten Bands zu umgeben, von denen einige eine sehr zweifelhafte Gesinnung haben und auch er scheint von pünktlichen Lizenzzahlungen oder von Auszahlungen generell nicht viel zu halten. Die Böhsen Onkelz überwerfen sich mit Nowotny und finden gegen Ende des Jahres einen neuen Vertragspartner in der alteingesessenen Frankfurter Firma Bellaphon.
Stephan erweitert seinen Horizont zunehmend, in dem er auf einem Walforschungsschiff vor der Küste Mexicos segelt, Vegetarier wird, nach Fidji und Australien reist und eine große Anzahl an Büchern verschlingt.

Die Presse erwacht...
Geringe Medienpräsenz in Tageszeitungen und Musikzeitschriften, machen bereits deutlich, daß die Böhsen Onkelz von der Musikindustrie nicht aktzeptiert werden und ihr Ausstieg nicht anerkannt wird. Die wenigen Artikel, die sich mit dem Thema "Onkelz" auseinandersetzen, werfen der Band vor, sie sei immer noch in der "rechten Szene" aktiv, würde sich nur aus marketingtechnischen Aspekten nun anders und vorsichtiger ausdrücken, sei aber im Grunde nichts anderes, als eine "Nazi-Skin-Kombo", die keine Musik machen könne und die man am besten totschweigt. In der Zwischenzeit werden von der "Es ist soweit"- LP 30.000 Einheiten in kürzester Zeit abgesetzt.

1991
"Warum ändert Ihr nicht einfach Euren Namen?"
Die 91er Veröffentlichung, die erste LP bei Bellaphon, die den Titel "Wir ham' noch lange nicht genug" trägt, steht ganz unter dem Zeichen der Verarbeitung persönlicher Erlebnisse. Nicht nur wird dieses siebte Studioalbum dem ermordeten Freund "Trimmi" gewidmet, sondern man schreibt auch ein Lied für ihn "Nur die besten sterben jung", ein Lied für seinen Mörder "Ganz egal", ein Lied gegen die einflußnehmende und uninformierte Presse "Zeig mir den Weg" und ein Lied über die Sinnlosigkeit versoffener Tage "Wieder mal 'nen Tag verschenkt". Das Album verkauft über 100.000 Einheiten in wenigen Monaten. Während die Presse allmählich auf das Phänomen der "Onkelz" aufmerksam wird und ihre Popularität einzig und allein auf ihren "Kultstatus" in der Skinheadszene zurückzuführen versucht, werden gleichzeitig die Forderungen nach einer Namensänderung laut. Bisher hat die Band keinen Videoclip für einen Musiksender gedreht und findet im Radio nicht statt. Die Musikindustrie ruft öffentlich zum Boykott der Band auf und beginnt, massiv auf den Handel einzuwirken. Ziel ist es, die Band entweder mundtot zu machen oder aber unter einem anderen Namen mit möglicherweise englischen Texten neu zu erfinden. Angebote, die das bestätigen gibt es in größerer Anzahl. Die Band lehnt weiterhin jede Diskussion darüber ab und antwortet stattdessen mit ihren Songs. Es muß möglich sein, in Deutschland, so die Band, seine Meinung zu ändern, Fehler einzugestehen und geistig zu reifen. Bewußtwerdung soll zugestanden werden. Stephan und die Band sind fest dazu entschlossen, den Namen "Böhse Onkelz" zu einem Symbol des Umdenkens zu machen und sich dem Druck nicht zu beugen.

Böhse Onkelz live in Wien
Ein Gig in Wien zum Jahresende '91 bringt 5000 Konzertbesucher in den Messepalast. Dieses Konzert wird von mehreren mobilen Kameras mitgeschnitten, um später ein VHS Verkaufsvideo von dem gefilmten Material erstellen zu können. Erstmals geht Stephan in Wien bereits vor dem Konzert auf die Bühne und macht eine Ansage an die Fans...

Zusätzlich nimmt die Band einige Interviews auf, die der Metal Hammer Redakteur Rainer Funk mit der Band führt und die später in das Live Video integriert werden.

Die Band entschließt sich, von nun an rigoros gegen Störer aus dem Publikum vorzugehen. Aufgrund der vielen Kameras in Wien gibt es von einem dieser Zwischenfälle Filmmaterial, das wir hier abgelegt haben. Auslöser des Zwischenfalls war ein Skingirl, das Stephans iranische Freundin vor der Bühne angepöbelt hat.

Zunehmende rechte Gewalt in Deutschland
Gegen Ende des Jahres '91 beginnt auch die Tagespresse verschärft damit, die Böhsen Onkelz in ihren Artikeln über rechte Gewalt zu erwähnen. Die Berichterstattung über die Band ist defizitär, lückenhaft und ungenügend. Daten, Fakten, Namen, Zahlen, alles wird bunt durcheinander geworfen und schlecht bis gar nicht recherchiert an die Leser verfüttert. In Radio, Fernsehen und Tagespresse wird die Band als schlimme "Nazi-Skin-Kombo" dargestellt und es wird in den Medien zu öffentlichen Boykotten aufgerufen. Kein Radioairplay, keine Videoclips, keine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema "Böhse Onkelz". Eine objektive Berichterstattung findet nur vereinzelt in wenigen Rock Zeitschriften statt. Hier einig Zitate aus dieser Zeit:

Stephan: "Wir haben uns letztendlich nie als rechte Band gesehen, oder uns als Angehörige der rechten Szene gefühlt."
aus "Animalize" Nr.10, Oktober 1991)

Frage: "Warum, glaubst du, fühlen sich so viele Rechtsradikale von euren Texten angesprochen?"
Stephan: "Es wird immer Leute geben, die zu primitiv sind, um das Ätzende, die Ironie in unseren Texten richtig zu verstehen."
aus "Wild Axes" Nr.4, Heavy-Metal-Magazin, Österreich, Oktober/November 1991)

Frage: "Kommt bei euch jetzt das schlechte Gewissen raus?"
Stephan: "Als es hier in Deutschland mit den Skinheads anfing, gab's keine rechte Szene in der Bewegung; es war eine Skinbewegung, die sich mehr zur Arbeiterklasse hingezogen fühlte, also mehr zur Mittelschicht, "working-class-kids" sozusagen. Wir haben größtenteils auch schwarze Musik gehört, Soul und Ska. Die Politik kam eigentlich viel später in die Bewegung, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo wir schon dabei waren - auch aus diesen Gründen - uns von dieser Bewegung zu distanzieren."
aus "RockHard" Nr.55, November 1991)

1992
Kevin scheint verloren
...Er ist jetzt Alkoholiker und Heroinjunkie und kann nur noch unter äußerster Anstrengung die wenigen Konzerte absolvieren. Die Band befindet sich in ihrer größten Krise, seit ihrer Gründung im Herbst 1980. Während Kevin täglich 2 Liter Jägermeister und mehrere Gramm Heroin konsumiert, während er zielstrebig an seiner eigenen Vernichtung arbeitet, stellt sich Stephan in unzähligen Pressekonferenzen und Interviewterminen den Vorwürfen.

Bellaphons glücklicher Griff
Das achte Studioalbum "Heilige Lieder" erscheint auf dem Bellaphon-Label und bringt die Onkelz erstmalig in die Top Ten.

Die Presse von 1992, ein Höhepunkt schlechter Recherche und die Onkelz stürmen die Charts
Der neue Begriff "Rechtsrock", ein Medienphänomen von erlogener Größe. Die Böhsen Onkelz sind an allem schuld und Distanzierungen im TV Gonzo: "Dass Fremdenhass gestoppt werden muß, ist wohl allen klar, die noch einen vernünftigen Gedanken im Kopf haben!" aus "Action Club", Zeitschrift der Sparkasse 1822, Frankfurt, Jan/Feb. 1992 Im Jahre 1992 erreicht der Pressekrieg gegen die Böhsen Onkelz einen vorläufigen Höhepunkt. Die Berichterstattung nimmt immer groteskere Ausmaße an. Als sich im Frühjahr die "Live in Vienna"- Aufnahmen, als VHS-Verkaufsvideo und als Doppel- Live-Album sehr gut verkaufen und als die Veröffentlichung des Sommers '92, das achte Studioalbum "Heilige Lieder", ohne Werbung, ohne Radioairplay und ohne Videoclip von null auf Platz 5 der deutschen Media Control Charts schießt, bricht ein Sturm der Empörung los. Die Platte verkauft über 200.000 Einheiten in kürzester Zeit und erstmals wird der medienwirksame Begriff "Rechtsrock" unter die verängstigten Leser gebracht. In vielen Artikeln der Tagespresse wird den Onkelz die Schuld an den rechtsradikalen Übergriffen in Mölln, Solingen, Hoyerswerda, Hünxe u.a. zugewiesen. Man bezeichnet sie als die Speerpitze der Neonaziszene, nennt sie mit rechtsradikalen Fascho-Bands in einem Atemzug, obwohl diese Bands nicht mehr als 500 Platten verkaufen, und manche Journalisten sind sich nicht zu schade, Onkelztexte rückwärts abzuspielen und Buchstaben zu verdrehen, um versteckte faschistische Botschaften nachzuweisen. Bereits nach dem vorangegangenen Album 1991, hatte sich die Band dazu entschlossen, überhaupt keine Interviews mehr zu geben. Die Vorfälle in Deutschland allerdings zwingen die Böhsen Onkelz dazu, sich noch deutlicher zu erklären und so beginnt nun Stephan Weidner im Herbst des Jahres damit, im Wochentakt von einem Interviewtermin zum nächsten zu eilen.

1993
Es gibt aber auch Onkelzbefürworter
Obwohl sich bereits namhafte Persönlichkeiten, wie Wolfgang Niedecken, Daniel Cohn-Bendit, Matthias Beltz, Klaus Farin oder Alice Schwarzer positiv über die Band äußern, obwohl sogar die FAZ darauf hinweist, daß es vielleicht klüger wäre, die Böhsen Onkelz als Tool, als Werkzeug also, einzusetzen, um so den nach Identität suchenden Jugendlichen ein positives Beispiel der Veränderung nahe zu bringen, reagiert die Musikindustrie und die Presse mit immer haars

träubenderen Hetzartikeln. Dass sogar der Spiegel die Band als Speerspitze der rechtsradikalen Musikszene darstellt und gleichzeitig ein falsches Foto veröffentlicht, soll als kleiner Nachweis für die skandalöse, schlampige Recherche genügen. Der Ausstieg der Band aus der Skinheadszene wird von den Medien plötzlich auf 1990-1992 verlegt, also als etwas gerade Stattgefundenes dargestellt, als etwas, das man nur aus finanziellen und marketingtechnischen Beweggründen hatte machen müssen. Die 92er LP "Heilige Lieder" wird als die gerade wegen Ausländerfeindlichkeit und Naziverherrlichung indizierte LP "der nette Mann" ausgegeben und überall wird mit falschen Fakten und dreisten Lügen Verwirrung gestiftet. Zum Jahreswechsel 92/93 hatte es vor der Frankfurter Festhalle ein großes Anti-Rechts-Festival gegeben, daß von den Konzertriesen Lieberberg und Rau veranstaltet wurde. Man hatte klugerweise vor dem Konzert auch die Onkez eingeladen, die ohne zu zögern ihre Beteiligung versichert haben. Daraufhin haben Peter Maffay, Udo Lindenberg, Herbert Gröhnemeyer und andere ihren Auftritt abgesagt, mit der Begründung, daß sie sich nicht mit den Böhsen Onkelz auf eine Bühen stellen. Die logische Konsequenz der Veranstalter war daraufhin, die Onkelz wieder auszuladen und es später so darzustellen, als wenn man sie gar nicht erst eingeladen hätte. Unnötig zu erwähnen, daß die rechtsradikalen Übergriffe nach 1992 nicht weniger werden und daß die Neonazis sich von den stattfindenden Lichterketten unbeeindruckt zeigen.

Stephan bei MTV
Als Teilnehmer an einer Diskussion über Hate Rock, spricht Stephan, neben Campino, Jean Paul Gaultier und Nina Hagen in einer Folge der Reihe "Free your mind" auf MTV im Frühjahr 93.

Der Onkelzvirus bricht aus
Dass in einem solchen Klima die Onkelzfangemeinde nur immer weiter wächst und daß die Plattenverkäufe nun mit Leichtigkeit die 250.000er Marke überschreiten, erscheint da schon fast logisch. Immer mehr Jugendliche entdecken die Band für sich und sind bald hoffnungslos mit dem Onkelzvirus infiziert. Aber auch Schulbücher, Sozialarbeiter, Pfarrer, Lehrer und Uni-Professoren setzen sich mit der unangepaßten Straßenlyrik der Onkelz auseinander. Die Presselandschaft, die Musikindustrie und der Handel sind komplett gespalten. Zum einen machen viele Zeitschriften ihre lupenreine, politisch korrekte Einstellung an der Ablehnung der Onkelz fest, zum anderen gibt es zahlreiche Künstler und Musiker, die sich eine Imageaufwertung davon versprechen, in dem sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Onkelz als ihr Feindbild Nr. 1 bezeichnen. Innerhalb der Fangemeinde hat es sich schon lange herumgesprochen, daß es "schick" ist, sich als Onkelzfan zu outen, um somit einen möglichst hohen Provokationsfaktor zu erzielen. Noch nie hat eine Band in Deutschland die Meinungen so gespalten, die Fans und Kritiker so polarisiert und noch nie ist eine Musikband dermaßen als Mittel dümmlicher politischer Agitation mißbraucht worden.

1994
Und noch mehr Distanzierungen
Im Jahr 1994 gönnen sich die Böhsen Onkelz eine Pause, was das Schreiben neuer Songs betrifft. Außer einer "Best of...", die Bellaphon im Alleingang veröffentlicht, ist kein neues Album geplant. Außerdem läuft der Vertrag mit der Frankfurter Plattenfirma aus und die Böhsen Onkelz wollen ihn nicht verlängern. Das heißt aber nicht, daß sie nur rumsitzen. Ganz im Gegenteil. Nach der, nur unter stärkstem Gegenwind durchgeführten '92er Tour und einigen Gigs im Jahre '93, touren die Onkelz im Jahre '94 durch die gesamte Republik und spielen ganze 35 Konzerte vor je 4-5000 Leuten. Stephan erklärt sich in Pressekonferenzen (siehe Video Völklingen) und macht eindeutige Ansagen von der Bühne (siehe B.O.S.C.Video)

Aber auch der Tagespresse geben die Böhsen Onkelz einige Interviews:

Frage: "Wie setzt sich Euer Publikum heutzutage zusammen?"
Gonzo: "Es scheint komischerweise immer jünger zu werden. Auf keinen Fall - das haben die letzten Touren gezeigt - tauchen noch erkennbar Rechtsradikale auf. Diese Leute haben inzwischen geschnallt, dass wir nichts mit ihnen zu tun haben. Abgesehen davon geht unser Ordnungsdienst kompromisslos gegen Rechte vor."
aus "Göttinger Tageblatt", 17.11.1994

Ansage Stephan (nachdem einige Konzertbesucher den Hitlergruß gezeigt hatten): "Wer noch einmal den Arm so ausstreckt, kriegt von mir persönlich was auf die Fresse! Unser Konzert ist kein Podium für Rechtsradikale!"
aus "Mindener Tageblatt", 1.12.1994

Stephan: "Wir haben gleich nach der Maueröffnung beschlossen, erstmal nicht im Osten aufzutreten, obwohl wir viele Angebote bekamen. Aber wir wollten unseren Standpunkt gegen Rechts deutlich machen. Einige potentielle Veranstalter dort haben uns jedoch keine Chance gegeben, unseren Einfluss auf die Fans positiv auszunutzen. Das halten wir aber für unsere Pflicht, um - ohne schulmeisterlich zu sein - auch Leute zu erreichen, die vielleicht gar nicht mal rechts denken, sondern einfach aus Provokation irgendwas in der Art anstellen. Und denen wollen wir zeigen ?Jungs, das ist es nicht!?"
Ausriß Tagesezeitung, ohne Quelle, Mai 1994

Im Juni wird ein Konzert in der Frankfurter Music Hall migeschnitten, um aus dem aufgenommenen Material ein Fanvideo für den neu gegründeten Böhse Onkelz Fanclub B.O.S.C. zu erstellen. Der Fanclub ist ein uneigennütziger Verein, dessen Mitgliederzahl auf 2000 Personen begrenzt ist. Während des Konzertes kommt es auch hier zu einem kleinen Zwischenfall, der, dank der Kameras für die Nachwelt erhalten bleibt.

Kevin entzieht
...zu Krankenhaus gezogen ist und überall seine Drogensucht zu therapieren versucht hat, nimmt ihn Stephan mit zu sich nach Hause und sorgt dafür, daß er bei ihm im Keller entzieht. Kevin scheint die Heroin- und Alkoholsucht in den Griff zu bekommen, ist aber noch für geraume Zeit von Ersatzdrogen und codeinhaltigen Präparaten abhängig. Auch im Privatleben isoliert er sich zusehends.

Die Onkelz gehen zu Virgin Music
Die Band selbst hat jetzt einen professionellen Status erreicht. Das heißt, daß alle Bandmitglieder den Beruf des Musikers mit jeder nur erdenklichen Konsequenz gewählt haben und keine anderen Berufe mehr ausüben. Das wiederum beschert den Böhsen Onkelz einen neuen Vertrag bei der renomierten Plattenfirma Virgin Records aus München zum Jahresende '94.

1995
Virgin und die Onkelz
1995 erhalten die Onkelz für 250.000 verkaufte Exemplare der "Heilige Lieder" ihr erstes Gold. Ebenso schießt die aktuelle '95er Veröffentlichung auf dem Virgin Label ohne große Probleme von null auf sechs in den Top 100 Longplay der Media Control Charts. Der Handel ist gespalten, wie nie zuvor. Allen voran, die Ladenkette WOM (World of Music), die die Böhsen Onkelz massiv boykottieren und auch zum öffentlichen Boykott in der Branche aufrufen. WOM veröffentlicht in seinem WOM-Journal einen "offenen Brief" an Stephan Weidner, in dem die Geschäftsleitung der Band vorwirft, "aus den Sünden von einst" Kapital zu schlagen, ohne diese "Sünden" genauer zu beschreiben und nimmt der Band den Wandel ohne Namensänderung nicht ab.

In den Chartregalen bei WOM werden alle Interpreten eine Position nach oben geschoben, damit es den Kunden nicht auffällt, daß es dort in den TOP TEN ein freies Feld gibt und man womöglich neugierig werden könnte. Udo Lange, Geschäftsführer von Virgin Records und angesehener Mann in der Branche, muß sich im Wochentakt in Radio- und Presseinterviews für seine Entscheidung rechtfertigen, die Böhsen Onkelz unter Vertrag genommen zu haben. "Schockierende Uninformiertheit", so bezeichnet er den allgemeinen Wissenstand der Musikindustrie bezüglich der Böhsen Onkelz. Pressekonferenzen und Händlerseminare werde gehalten, während derer Stephan und Gonzo wie die Kamele ihere eigene Historie erklären und wiederkäuen müssen. Das hindert die Presse nicht daran, die Band weiterhin als verruchte und berüchtigte "Nazi-Kombo" zu bezeichnen. Immer und immer wieder werden den Lesern die pawlowschen Köder "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" von 1983 vorgeworfen, ohne daß man sich auch nur ansatzweise mit der Bewußtwerdung der Band auseinandersetzt, oder ihre Songs analysiert. Bereits 1993 hatten die Böhsen Onkelz in Geiselwind ein "Rock gegen rechts" Konzert organisiert und dem dortigen Bürgermeister einen Scheck über 8000,--DM zur Ausgabe für die Jugendarbeit überreicht. In Bremen hatte man im Oktober '93, zusammen mit dem DGB und der grünen Abgeordneten Helga Trüpel eine Veranstaltung gegen rechte Gewalt organisiert, gesponsort und finanziert. Ebenso fließen Geld- und Sachspenden in den Kosovo.
Alle diese Dinge werden nicht nur nicht erwähnt, sondern man macht sie vielmehr zum Teil der Gegenargumentation. Die Onkelz seien eine "hinterhältige Nazi-Band", die sich nur verstelle und die diese Dinge nur unter marketingtechnischen Gesichtspunkten mache, um dem Image des Underdog, der Unverstandenen zu entsprechen. Dass es in den Köpfen der Musiker ganz anders aussieht, und dass es der Band im Prinzip egal ist, was über sie geschrieben wird, machen die Songs aus dieser Zeit deutlich. Der Musiksender Viva drängelt und bettelt, um eine großangelegte Dokumentation im Viva-Jam Format in den Räumen des B.O. Management aufnehmen zu dürfen. Nach langem hin und her willigt die Band ein. Kameras werden aufgebaut, die Band und das Management werden interviewt. Intelligente Fragen und intelligente Antworten. Zwei Tage vor der Ausstrahlung entscheidet die Programmleitung, dass der Bericht zu positiv ist und kippt die Sendung. Wertvolle Informationen werden nicht gesendet. Wie sich später noch häufiger zeigen wird, scheint das eine gängige Praxis zu sein.
Ein Open Air Konzert in der Waldbühne Nordheim bringt 8000 Onkelzfans zusammen. Grund genug für die Göttinger Presse von einem "Alt-Nazi-Treff" zu sprechen. Dieser und ähnliche Artikel sorgen dafür, daß die Onkelz von nun an mit ihren Anwälten gegen jede Redaktion vorgehen, die die Böhsen Onkelz als "Nazis" bezeichnet oder in irgend einer Weise schlampig recherchiert und somit die Band weiterhin in die rechte Ecke drängt.

1996
Onkelz vs. Rock o Rama
Den einzelenen Interviews, in denen die Band unzensiert zu Wort kommt, stehen hunderte von Artikeln gegenüber, die sich des wieder entdeckten Instrumentariums der Greuelpropaganda bedienen. Die gegen null tendierende Sachkenntnis der Journalisten, wird durch das Abbrennen rethorischer Feuerwerke kaschiert und Recherchefaulheit wird durch bloße Behauptungen und haarsträubende Erfindungen ausgeglichen. 1996 ist die Diskussion um die Böhsen Onkelz soweit fortgeschritten, daß nur noch wenige Journalisten den Durchblick haben. Der Rest schreibt von einander ab und legt nur Wert darauf, sich nicht festzulegen zu müssen. Noch immer werden Namen, Zahlen, Daten und Fakten vertauscht, ohne, daß es jemanden stören würde. Die Prozesse gegen bestimmte Redaktionen häufen sich. Gleichzeitig laufen Gerichtsverfahren gegen Herbert Egoldt und Ingo Nowotny. Die Band will Egoldt endgültig die Kontrolle über die ersten drei Alben ("Der nette Mann", "Böse Menschen, böse Lieder" und "Mexico") entziehen, um sie vom Markt nehmen zu können. Egoldt wertet das Songmaterial seit 1984 aus, ohne jemals Lizenzen gezahlt zu haben. "Der nette Mann" das Debütalbum der Onkelz ist inzwischen, aufgrund des Verbotes der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften im Jahre 1986 zum absoluten "Kultalbum" geworden und selbst für Jugendliche unter 18 Jahren kinderleicht zu besorgen.

Die am meisten gebootlegte Band Deutschlands
Desweiteren werden nun die Onkelzsongs gebootlegt. Illegale Live-Mitschnitte werden angefertigt, als Raubkopien über dunkle Kanäle vertrieben und auf Floh- und Straßenmärkten in der ganzen Republik verkauft. Die Anwälte haben alle Hände voll zu tun, die Bootlegger dingfest zu machen und den Markt auszutrocknen. Aber der Reiz des Verbotenen, des Anrüchigen, scheint dafür zu sorgen, daß es immer mehr Raubkopien gibt. Von 1996 an explodiert der Markt mit illegalen Onkelztonträgern und bis zum Jahre 2002 sind es über 700 verschiedene CD's in immer anderen Zusammenstellungen. Da es auch Bootlegs aus der rechten Szene gibt, ist es nicht verwunderlich, daß die zwei Titel "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" vom `83er Demo Tape, nun digital remastered auf diversen Bootlegs wieder auftauchen. Das wiederum sorgt bei der Bundesprüfstelle und beim Verfassungsschutz für totale Verwirrung. Hier weiß niemand so genau, was offiziell ist und was nicht, und plötzlich spricht man im Zusammenhang mit den Onkelz von mehr als 7 indizierten Tonträgern. Viel Arbeit für die Anwälte und viel Arbeit für die Presseabteilung des B.O. Managements hier den Überblick zu bewahren und Aufklärung zu leisten.

E.I.N.S - das zwölfte Studioalbum
Im Sommer/Herbst des Jahres 1996, kurz vor einer ausgedehnten Deutschland Tour, veröffentlichen die Böhsen Onkelz bei Virgin Records ihr mittlerweile zwölftes Studioalbum, das den Titel E.I.N.S. trägt. Obwohl der Titel einfach nur den Zusammenhalt der Musiker darstellen soll, was auch durch das Covermotiv unterstrichen wird, schließt die Presse daraus wieder etwas vollkommen anderes. Die Punkte zwischen den Buchstaben, so meinen manche Journalisten, zeige, daß es sich um eine Abkürzung handelt und schon findet jemand heraus, es hieße doch bestimmt: "Eigentlich immer noch Skins". Die Band kann über solche Entgleisungen und Klimmzüge inzwischen nur noch lachen und konzentriert sich auf die Tour im Herbst. E.I.N.S. verkauft sich über 400.000 mal in kürzester Zeit und steigt auf Platz 3 in den Longplay Charts der Media Control ein.

1997
Kein Airplay, keine Videoclips, schlechte Presse und trotzdem in den Charts
Seit zehn Jahren ist die Band nun in der rechten Szene als "Verräter", "Motherfucker" und "linke Zecken" verrufen, während die linke Szene sie als "Nazischweine" bezeichnet. Seit zehn Jahren, weigert sich die Presse, die Bewußtwerdung der Böhsen Onkelz anzuerkennen. Eine Clownerie, die in der Musikgeschichte der Bundesrepublik ohne Beispiel ist. Seit siebzehn Jahren werden die Alben der Böshen Onkelz nicht im Radio gespielt oder im Fernsehen durch Viedoclips beworben und seit siebzehn Jahren wächst ihre Fangemeinschaft beständig an. Das "Live in Dortmund"- Video führt wochenlang die Videocharts an und das dazugehörige Doppel-Live Album verkauft über 300.000 Einheiten und steigt bis auf Platz 6 der LongPlay Top 100. Nie zuvor hat es eine Band gegeben, die die deutsche Musikszene und den Handel in einer solchen Form durcheinander gebracht, die so viele unterschiedliche Meinungen provoziert hat. Böhse Onkelz Konzerte müssen kaum beworben werden und sind Monate im Vorraus ausverkauft. Tonträger verkaufen sich in rasender Geschwindigkeit und stoßen regelmäßig in die Top Ten vor. Eine goldene Schallplatte für 250.000 verkaufte Einheiten ist längst nichts Besonderes mehr. Dennoch empfinden die Böhsen Onkelz es als ennervierend und unverständlich, daß gerade die Öffentlichkeit, die sich zunehmend gegen rechte Gewalt zu organisieren versucht, nicht versteht, daß sie mit den Onkelz ein unglaublich wirksames Tool in der Hand haben könnte, um auf gefährdete Jugenliche einzuwirken. Gerade die Auseinandersetzung mit fremden Inhalten sind die Grundlagen demokratischer Prozesse, die in Deutschland den Jugendlichen jedoch nicht vorgelebt, sondern blanco von ihnen eingefordert werden.

Die Onkelz veröffentlichen ihre Biographie
Um den Gerüchten und Spekulationen über die Böhsen Onkelz ein für allemal den Boden zu entziehen, entscheidet sich die Band zur Veröffentlichung ihrer Biographie. Edmund Hartsch, ein Freund der Band, arbeitet in einer zwei-einhalbjährigen Schreibphase die siebzehn Jahre Bandgeschichte auf und veröffentlicht beim B.O. Management das Buch unter dem Titel "Danke für nichts" im Oktober 1997. Bis heute hat sich das Buch über 60.000 mal verkauft und gilt unter den Fans und interessierten Kritikern als das Standardwerk zum Thema. Auf 270 großformatigen Seiten und über 400 Abbildungen, wird der Weg der Band bis in das kleinste Detail nachgezeichnet und beleuchtet. Schonungslos wird hier die komplette Historie der Band aufgezeigt, Elternhaus, Jugend und Subkultur in Frankfurt, Kevins Drogensucht und der nie-endende Pressekrieg. Zu einer wirklichen Entspannung des Reizthemas "Böhse Onkelz" konnte das Buch allerdings nicht beitragen, weil es von den meisten Journalisten ungelesen blieb.

1998

Was bedeutet eigentlich "Matapalo"?
1998 geht die Onkelzdiskussion munter weiter. Stephan, der sich inzwischen ein kleines Grundstück in Mittelamerika gekauft hat und dort zum surfen hinfliegt, schreibt ein surf-gitarren-inspiriertes friedliches Instrumental Stück mit dem Titel "Matapalo". Daß dieser spanische Name für die südamerikanische Würgefeige steht und daß es in Süd- und Mittelamerika viele Strände gibt, die so heißen, weiß die Presse allerdings nicht. Also kramen mehrere Journalisten, allen voran die dpa, ihren Langenscheidt heraus und siehe da: "matar" bedeutet töten und ein "palo" ist eine Latte, ein Kantholz oder eben ein Baum. Schon wird das friedliche Stück über die Würgefeige, über "den Baum der tötet" = "Matapalo" mit "Totschläger" übersetzt und schon werden die Musiker als "in die Jahre gekommene Plattenmillionäre mit Großgrundbesitz in Spanien" bezeichnet. Dieser eher lustige Ausrutscher der uninformierten Presse ist jedoch nur ein kleiner Zwischenfall im bizarren Gesamtbild der Medienlandschaft.

Zum ersten Mal auf Platz 1. der Charts
Als die Böhsen Onkelz im Herbst ihr dreizehntes Studioalbum "Viva los Tioz" veröffentlichen, platzt der Knoten. Die Scheibe verkauft über 300.000 Einheiten in den ersten 48 Stunden nach der Veröffentlichung und steigt von null auf Platz 1 in den Media Control Top 100 Longplay Charts ein. Ebenso steigt die Single "Terpentin" auf Platz 7 der Single Charts ein. Unangenehm für Radio- und Fernsehsender wie Viva und MTV, die in ihrer Chartshow keinen Nr. 1 Clip zeigen können, und sich mit unzulänglichen Anti-Onkelzstatements aus der Affaire zu ziehen versuchen. Unangenehm auch für große Ladenketten wie WOM, die ihre Chartregale erneut umsortieren müssen. Die Musikindustrie ist empört und verärgert, nicht nur über die 1 in den Charts, sondern auch darüber, daß die Onkelz aufgrund der hohen Verkaufszahlen für den "Echo" in der Sparte "beste Rockband national" nominiert werden. Ist die Nominierung noch von den Verkaufszahlen abghängig, so ist die Verleihung des Preises eine reine Symphatieangelegenheit und von daher, geben sich die Onkelz keinen Illusionen hin, daß sie den Preis jemals erhalten werden. Für den Fall einer unerwarteten Verleihung jedoch, entscheidet man sich bandintern bereits im Vorfeld für eine Ablehnung des Preises.
Die 98er Tour, seit mehr als einem halben Jahr im Voraus ausverkauft, führt die Onkelz mit 26 Konzerten durch Deutschland und Österreich. Erstmals spielen sie auch in Bozen und Straßbourg.
Besondere Erwähnung sollte hier der Song "Ohne mich" vom neuen Album finden, in dem sich die Band deutlich gegen die Diffamierungen von links und rechts äußert.

1999
Eine kurze Ruhephase
Im Jahr 1999 gönnen sich die Onkelz eine kleine Pause und veröffentlichen keine neuen Platten. Die Medien verschnaufen ebenfalls und für eine kurze Zeit ist es ruhig. Bis zum Ende des Jahres hört man nichts von den Onkelz, die nun ihre Wohnsitze nach Irland verlegt haben und zwischen Deutschland, Irland, Mittelamerika und Spanien hin-und herreisen. Erst im Herbst, als die ARD ihre umfangreiche und sehr gut recherchierte, 12-teilige Dokumentation "Pop 2000" ausstrahlt, sieht man Stephan und andere Künstler im Interview Stellung beziehen. Grönemeyer spricht von "Etikettenschwindel" und fordert eine Namensänderung, merkt allerdings nicht, daß genau das Geforderte einem "Etikettenschwindel" gleich käme. "Raider heißt jetzt Twix", der gleiche Schokoriegel, aber ein anderes Etikett. DJ-Legende Sven Väth, langjähriger Freund von Stephan Weidner, fordert mehr Akzeptanz für Leute, die sich ändern möchten und Stephan spricht über Stolz.

Der erste Videoclip "Dunkler Ort"
Im Dezember entschließen sich die Onkelz auf ihrem neugegründeten eigenen Label "rule23 recordings", einen neuen Song als Single auszukoppeln und ihn in einem Video visuell umzusetzen. Der Song heißt "Dunkler Ort" und das Drehbuch zum Videoclip stammt von Axel Glittenberg und Edmund Hartsch. Um den "Dunklen Ort" passend in Szene zu setzen engagiert man den weltbekannten schweizer Surrealisten und Oscar-Preisträger H.R. Giger. Da sich nur wenige kompetente Clip-Regisseure bereit erklären, mit den Böhsen Onkelz zusammen zu arbeiten, geht dieser Auftrag an den in München lebenden, schwedischen Clip-Regisseur Fred Gun. Gun erfährt zum ersten mal in der Clip-Branche, was es heißt, wenn man mit den Onkelz zusammenarbeitet und stellt sich dem Gegenwind, der ihm von Seiten der Musikindustrie entgegenbläst.

Er holt den amerikanischen Kameramann Roger Pistol aus L.A. und den Set-Designer Phil Goodwin mit ins Boot. H.R. Giger, aufgrund seiner düsteren Zukunftsvisionen ebenfalls von vielen Leuten verleumdet, und gerade in der Schweiz sehr verhasst, erweist sich als starker Rückhalt, als er kurzerhand sein komplettes Museum in La Gruyère zur Verfügung stellt. Die Dreharbeiten in der Schweiz und in Berlin werden von Axel Glittenberg auf Video und Super 8 festgehalten, um später ein "Making of... " zu erstellen und um die Arbeit zu dokumentieren. Der fertige Clip wird als Multimediatrack auf die Single gepresst und das fertige Produkt steigt von null auf 2 in die Charts ein. Zum ersten Mal haben die Onkelz, die eigentlich eher als "Live-" und als "Album Act" gehandelt werden, eine Single in den Top Five. MTV zeigt den Clip nur während seiner Chartshow und auch nicht ohne entsprechende negative An- und Abmodertion. Viva dagegen erhält von den Onkelz und ihrem Management keine Kopie des Clips.

2000
Das böse Märchen geht weiter...

Der im März auf rule23 erscheinende 14. Longplayer "Ein böses Märchen aus tausend finsteren Nächten" verkauft in weniger als 48 Stunden über 370.000 Einheiten und steigt von null auf 1 in den Charts ein. Wiederum geht ein lautes Stöhnen durch den Äther der Radiostationen und Medienlandschaften. Die Radiosender boykottieren in ihrer Gesamtheit die Veröffentlichung. Nur eine Handvoll Sender sind bereit, einige Songs vom neuen Album zu spielen. Eine ausverkaufte Tour im Sommer mit mehr als 130.000 Besuchern führt die Onkelz zum Abschlußkonzert seit langer Zeit zum ersten Mal wieder nach Berlin, wo sie in der ausverkauften Waldbühne vor 22.000 Zuschauern einen furiosen Gig spielen.

2001
Das große Benefiz Konzert der Onkelz in Bremen
Die geplanten Konzerte des letzten Jahres werden im März 2001 nachgeholt. Das 20-Jahre Jubiläumskonzert in der Frankfurter Festhalle vor 14.000 Fans am 03.03. wird ebenfalls von 16 mobilen Kameras und 2 Ü-Wagen mitgeschnitten.

Am 08.03. stellt sich Stephan in Bremen einer Diskussion über "Hass" unter der Leitung von Prof. Dr. Leifhäuser. Weiterhin nehmen Onkelzfans und Onkelzkritiker, so wie Götz Elbertshagen (Manager von Marius Müller-Westernhagen) und Daniel Wirtz (Sänger der Band Sub 7even) an der Diskussion teil. Die Sendung wird im Offenen Kanal Bremerhaven übertragen und soll auch auf die am darauf folgenden Tage stattfindende Veranstaltung in der Bremer Stadthalle hinweisen. Unter der Schirmherrschaft der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen Frau Dr. Dagmar Lill und unter der Mitwirkung des Rock Hard Magazins treten die Böhsen Onkelz zusammen mit Sub 7even, Megaherz, Kreator und Destruction vor 13.000 Fans auf. Die Veranstaltung spielt über 100.000,-- DM ein, die nun an die Opfer rechter Gewalt ausbezahlt werden sollen. Drei Monate später ist die organisatorische Arbeit abgeschlossen und Stephan Weidner fährt mit Edmund Hartsch nach Bremen um mit der Ausländerbeauftragten Frau Dr. Lill über die schlimmsten Fälle rechter Gewalt zu diskutieren und um zu entscheiden, an welche Opfer die Beträge ausbezahlt werden sollen. (siehe auch "Aktivitäten")

Mit einer Triple CD in die Top 5? Geht das überhaupt?
Ebenfalls im März veröffentlichen die Böhsen Onkelz auf ihrem Label eine Triple Box Best of, die zum ersten Mal Songs aus der gesamten 20jährigen Karriere der Böhsen Onkelz auf einem Tonträger vereint. Obwohl es sich um eine Triple Box handelt, kann die Veröffentlichung dennoch in den Top Ten auf Platz 3 einsteigen.

Der Pressekrieg entflammt von neuem.
Ebenfalls im Frühjahr 2001 streben die Anwälte der Onkelz ein Verfahren gegen die Berliner TAZ und die Berliner Stadtzeitung TIP an. Beide Organe hatten die Böhsen Onkelz zuvor zum wiederholten Male als "berüchtigt rechtsradikal" bezeichnet. Die Klagen werden zunächst mit dem Hinweis auf das Recht zur "freien Meinungsäußerung" abgewiesen und sowohl die TAZ, als auch der TIP versäumen es nicht in ihren Ausgaben auf diesen "Sieg" hinzuweisen. Die TAZ erhält daraufhin über 2000 e-mails von empörten Onkelzfans. Der Fall wird von der übrigen Presse maßlos hochgespielt und überall ist zu lesen, daß ein Gericht nun entschieden habe, man dürfe die Onkelz als "berüchtigt rechtsradikal" bezeichnen. Die inzwischen 15 Jahre andauernde Onkelzdiskussion hat sich einmal im Kreis gedreht und steht wieder da, wo sie am Anfang stand.

2002
Die Skandalsingle und der Gegenschlag der Onkelz
Das Jahr 2002 beginnt gut für die Böhsen Onkelz. Die Texte für das neue Album schreibt Stephan Weidner in Irland, die ersten Einspielungen der neuen Songs entstehen auf Ibiza. In seiner typischen Eigenart greift Stephan Weidner das Thema "MTV - Masters" noch einmal auf und schreibt den Song "Keine Amnestie für MTV", der als Singleauskopplung am 18. Februar 2002 auf rule23 veröffentlicht wird. Nicht nur wird der Text des Liedes bis zum Veröffentlichungstag geheim gehalten, sondern man überlegt sich für diesen Tag auch eine begleitende Aktion. Ohne die großen TV-Medien oder die Tagespresse davon zu informieren, fährt Stephan Weidner in Begleitung des Bandmanagements und ca.70-80 Onkelzfans in die Fußgängerzone vor dem Münchener Rathaus vor und lädt einen 40t Sandkipper mit 150 schrottreifen Fernsehern ab. Eine Aktion, die auf die "Verblödung" durch das deutsche Fernsehen aufmerksam machen soll. Der Musiksender MTV berichtet am gleichen Tag über diese Aktion und spielt sie als lächerlichen und albernen Kinderstreich herunter.

Eine Woche später steigt die Single auf Platz 2 in die Top 100 Single Media Control Charts ein. Große Ladenketten wie WOM beginnen nun die Böhsen Onkelz in ihr Programm aufzunehmen und handeln somit entgegen ihren noch vor kurzer Zeit verkündeten "Onkelz? -Bei-uns-niemals"-Strategien. Daß die Onkelz nun auch für große Handelsketten ein nicht mehr zu ignorierender Wirtschaftsfaktor geworden sind, lässt sich nicht mehr leugnen. Der "Stachel" der angeblich niemanden mehr juckt, scheint den Musiksender MTV eben doch zu jucken. Dort versucht man witzig zu sein und lässt mehrmals pro Tag ein zusammengeschnittenes Backstreetboys- und N-Sync-video zum MTV-Song der Onkelz laufen, was zur Folge hat, daß der Song, der inzwischen auf die Position 8 gerutscht ist, eine Woche später wieder auf die 4 steigt.

Um zu demonstrieren, daß sie unberechenbar auch für ihre Fans bleiben wollen und nie die Lust am experimentieren verlieren, veröffentlichen die Böhsen Onkelz auf ihrer Single auch zwei Coverversionen. "Coz I luv you" von den englischen Glamrockern "Slade" aus den siebziger Jahren, verdeutlicht, daß die Onkelz auch vor einem englischen Song nicht zurückschrecken. Um noch einen draufzusetzen, wagen sie sich ebenfalls an eine Interpretation des Skandalsongs der sechziger Jahre von Serge Gainsbourgh - "Je t `aime, moi non plus". Wider Erwarten regen sich die Onkelzfans darüber aber keineswegs auf, sondern nehmen die beiden Songs so auf, wie man sie auch gedacht hatte, als einen großen Spaß.

Das Jahr 2003 wird im Februar mit einer späten „Ehrung“ für DOPAMIN eingeläutet...
Zum zweiten Mal nach 2001 waren die Onkelz für den Echo in der Kategorie „Beste Band Rock/Pop national“ nominiert – zusammen mit Szene-Koryphäen wie „Wonderwall“, den „No Angels“ oder „Bro´Sis“, dazu noch die Hosen. Natürlich war es weniger der Wertschätzung durch die Musikindustrie zu verdanken, als den wieder einmal sehr starken Verkaufszahlen der Onkelz, dass man in den Kreis aufgenommen wurde. Dass die Onkelz letztendlich sowieso nicht gewinnen würden, war jedem von vornherein klar... Da es von den Onkelz wieder mal keinen Clip gab, brach bei der zuständigen Produktionsfirma im Vorfeld der Sendung der Angstschweiss aus. „Was sollen wir denn bei Ihnen machen, ich meine, Sie haben ja keinen Clip...“ . Am Ende wurden dann vier Einzelportraits der Onkelz aneinander gereiht, dazu „Keine Amnestie...“ drüber gelegt und fertig. Nichts Außergewöhnliches und auch ansonsten keine Seitenhiebe von Seiten der Laudatoren oder Moderatoren. Immerhin... Aber wäre es anders gewesen hätte es – ganz ehrlich – auch niemanden interessiert. Elegant totgeschwiegen... Gewonnen haben dann übrigens die Hosen. Von den Onkelz war auf jeden Fall niemand in der Halle.

Im Frühjahr 2003 entschließen sich die Böhsen Onkelz dazu eine Clubtour in Deutschland zu spielen...
... Ursprünglich sollten auch Knäste auf dem Programm stehen. Die Band hielt es für eine gute Idee, einmal Konzerte für die Insassen von Strafvollzugsanstalten zu geben. Zunächst gab es einige Zusagen, die dann aber leider komplett abgesagt wurden, da Gefängnisleitungen und Stadträte Bedenken anmeldeten. Eine nette Sache, so sagte man den Onkelz, aber man könne sich keine Ausschreitungen innerhalb der Anstalten leisten. Enttäuscht wurden die Gigs gestrichen und weiter an dem Plan festgehalten, eine Clubtour zu organisieren.
Gründe hierfür waren zum einen der Wunsch, einmal wieder in einem kleinen Club zu spielen, den direkteren Kontakt zu den Fans zu spüren und echtes, schwitzendes, enges Rock´n´Roll Feeling aufkommen zu lassen und zum anderen, sollten diese Clubgigs auch eine Art Aufwärmtraining für die kommenden Open Air Festivals werden. Die Clubtour im Juli 2003 durch Bremen (Aladin – 1800 Leute), Hannover (Capitol – 1800), Osnabrück (Hyde Park – 1500), Berlin (Music Hall – 900), Nürnberg (Hirsch – 800) und nach Pratteln in der Schweiz (Z 7 – 1700). Saunamäßige Temperaturen und höllisches Gedränge sorgten für eine unvergleichliche Stimmung im familären Rahmen, wobei die Fans aus Hannover und Pratteln (Basel) den hochfliegenden Vogel der Euphorie abschossen. Selten wurden die Onkelz von einer so kleinen Fangemeinde so heftig abgefeiert.

Im Frühsommer 2003 gab es eine Anfrage von der „Deutschen Entertainment AG“ an das B.O. Management....
... ob man sich vorstellen könne, dass die Böhsen Onkelz die Rolling Stones während ihres letzten Gigs auf ihrer Deutschland Tournee in Hannover am 08. August supporten würden. Auch wenn diese Anfrage ziemlich überraschend kam, brauchten die Onkelz nicht lange über ihre Antwort nachzudenken. Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, würde man sicherlich die Stones supporten. Stephan sagte einmal mitte der Neunziger, dass „Metallica“ die einzige Band der Welt sei, die er mit den Onkelz noch supporten würde. Damals hatte allerdings niemand daran gedacht, dass es jemals eine Anfrage der Rolling Stones geben könnte.
In den darauf folgenden Interviews, sagte Stephan, dass er zwar nie ein großer Rolling Stones Fan gewesen sei, aber dass auch er schon zu „Angie“ in seiner Jugend Blues getanzt habe und dass er die Rolling Stones für die letzte große noch lebende Rock Band halte und man hier bei den Onkelz natürlich großen Respekt vor der Lebensleistung der Stones habe. Auch würde es sicherlich keinen Musiker geben, der sich eine solche Gelegenheit entgehen lassen würde und infolgedessen würde man die Stones auf alle Fälle in Hannover supporten.
Allen Beteiligten im Onkelz Lager war jedoch sofort klar, dass es ein gefundenes Fressen für die Medien sein würde, sobald die Neuigkeit veröffentlicht werden würde. Auf Seiten der „Deutschen Entertainment AG“ und des Stones Managements wurde das „Onkelzproblem“ zunächst unterschätzt. So war es für die Onkelz auch nicht verwunderlich, als erst die englische, dann die amerikanische und kurz darauf auch die deutsche Presse loslegte. „German Nazi-Punkband to open for the Rolling Stones“ schrieb die New York Post am 2. Juni. Der Daily Mirror, CNN, die bbc und andere äußerten sich in ähnlicher Weise. So veröffentlichte zum Beispiel der „Jewish Telegraph“ in grotesker Übertreibung und totaler Fehleinschätzung der Fakten am 20. Juni einen Leserbrief: „... Evil Uncles have a following of an estimated 12 million in the nine-year-old upwards age group.“
Ein großer Aufschrei des Entsetzens und der Empörung ging von England aus über den Atlantik nach New York, danach zurück nach London und schließlich nach Deutschland und dort von den einschlägigen Presseagenturen bis in die Redaktionsräume auch der letzten, unwichtigsten und kleinsten deutschen Tageszeitungen. Kein Blatt, das sich nicht an der Skandalstory beteiligen wollte.
Man muß wissen, dass die Rolling Stones in einer Position sind, in der sie ganz sicher nicht ihre Vorbands selber buchen, oder sich um die Auswahl dieser Bands kümmern. So war in diesem Falle die Deutsche Entertainment AG, als deutscher Veranstalter und Promoter der Stones Tournee dafür verantwortlich, als er auf die Böhsen Onkelz zuging. Die Stones pflegen die Tradition auf einem ihrer letzten Gigs in einem Land, einen lokalen, größeren Act zu buchen. Auch Peter Maffay oder die Toten Hosen haben schon in der Vergangenheit die Stones supportet. Der laute Medienaufschrei, als man die Onkelz verpflichtete, rief also auch schnell das Rolling Stones Management auf den Plan, das sich in der Historie der Onkelz bis dahin noch nicht auskannte. Schnell versuchten nun die Medien, sowohl in England, als auch in Deutschland, Druck auf die Stones auszuüben, indem sie bereits die Entscheidung der Stones in ihren Schlagzeilen vorwegnahmen: „Jagger not amused“ oder „Stones machen Böhse Onkelz salonfähig“ oder „Konzert ohne Böhse Onkelz“ oder „Rolling Stones wollen Onkelz aus dem Programm kicken“ und all das, bevor sich das Rolling Stones Management überhaupt geäußert hatte. Dort ging man mit dem ganzen Thema extrem entspannt um und Telefonkonferenzen zwischen den Managements beider Bands, der gemeinsamen Plattenfirma Virgin Records und dem deutschen Promoterbüro der „Deutschen Entertainment AG“ bestätigten, dass man an den Onkelz, nach eingängier Überprüfung der Fakten, festhalten würde. Auf einer Pressekonferenz anlässlich des Tourneestartes der Rolling Stones in München, sagte Mick Jagger schließlich vor rund 200 internationalen Journalisten, dass sie sich mit dem Thema befasst hätten und zu der Übereinkunft gekommen seien, dass die Böhsen Onkelz eine gute Band seien und man weiterhin zu ihnen als Support Act in Hannover stehen würde. Damit war das Thema für beide Bands zunächst einmal erledigt.
Der NDR und auch T-Mobile, als Sponsoren der Veranstaltung in Hannover, kündigten ihre Verträge aus Angst vor einem Imageschaden und die Büros der „Deutschen Entertainment AG“ wurde mit Beschwerdemails von empörten Stonesfans bombadiert. Es fanden sich andere Sponsoren und die Stonesfans beruhigten sich ebenfalls schnell. Alles in allem wurde – wieder einmal – ein großer Wirbel um nichts, ein grenzenlos übertriebener Hype für eine Veranstaltung kreiert, die absolut friedlich verlief. Nichts von dem, was man im Vorfeld befürchtete trat ein. Es gab schlicht und einfach keine Gewalt und auch keine Probleme, Ausschreitungen etc. Eine große Party bei 36°C und unter blauem Himmel.

Goodbye Virgin - Hello SPV
Die Buschtrommeln waren schon seit dem Spätsommer zu hören und die Spatzen pfiffen es von den Dächern. „Die Onkelz werden Virgin Records verlassen“. 8 Jahre lang dauerte die Freundschaft zwischen Virgin Records und den Onkelz. Insbesondere Virgin Chef Udo Lange, der damals 1995 den mutigen Schritt unternahm, die Onkelz unter Vertrag zu nehmen, hatte sich in den letzten 8 Jahren bei jeder Gelegenheit für die Onkelz stark gemacht. Oft musste er sich in den ersten Jahren für seine Entscheidung rechtfertigen und hatte somit viel Aufklärungsarbeit in Sachen Onkelz zu leisten. Das erfolgreiche Kapitel Onkelz-Virgin ging allerdings dem Ende entgegen, als der Virginvertrieb im Jahre 2002 endgültig von der E.M.I.-Gruppe eingestellt wurde. Auch die Tatsache, dass Udo Lange zum Deutschlandchef der E.M.I. ernannt wurde, konnte nicht recht über die Anonymität hinwegtäuschen, die plötzlich das Verhältnis zwischen Künstler und Plattenfirma trübte. Wie es bei den Onkelz aber in der Vergangenheit schon viele male der Fall war, kam auch diesmal der richtige Geschäftspartner zur richtigen Zeit daher. Die hannoveranische Independentfirma SPV bemühte sich um die Onkelz und sollte ab dem 1.11.2003 den Vertrieb der Onkelzscheiben üebernehmen. Dass Udo Lange seinen Job als Chef der E.M.I. ebenfalls zu diesem Datum kündigte, machte den Onkelz die Entscheidung nur noch leichter. Bei SPV einem gut organisierten und durchstrukturierten Vertrieb auf europäischer Ebene, einem an keinen Industriekonzern gebundenen, unabhängigen Label, unterzeichneten die Onkelz zunächst für eine Veröffentlichung. Es ist aber zu vermuten, dass sich das Verhältnis zwischen den Onkelz und SPV gut entwickeln und sich die Band bei diesem Indi-Label wohl fühlen wird.

2004
Die Single 2004: "Onkelz vs. Jesus"
Gegen Ende April geben die Onkelz den Titel ihrer neuen Single bekannt. „Onkelz vs. Jesus“ heißt die Veröffentlichung und reiht sich somit ein in die Lange Reihe größenwahnsinniger Provokationen, die alle in bester Onkelz-Tradition die eigene Legende hochleben lassen. Es geht in dem Song nicht etwa darum, am Image des Erlösers zu kratzen, sondern vielmehr darum, das eigene Image nicht ganz so ernst zu nehmen, wie es sicherlich der Großteil der deutschen Öffentlichkeit tut. Die Choruszeile unterstreicht diese Aussage noch, in der es heißt: „schock-non-stop bis jeder versteh´n muss, wir sind die Onkelz und bekannter als Jesus.“ Weiterhin geht es in „Onkelz vs. Jesus“ um 24 Jahre eigene kontroverse, meist planlose und nicht vorhersagbare Historie, die nun irgendwie und irgendwo an einem Höhepunkt angekommen zu sein scheint. Die Onkelz blicken zurück und tun dies in dem Kontext von „24 Jahre Onkelz“ gegen „2004 Jahre Jesus“.
Zusätzlich zum Titelsong enthält die Single jedoch noch die Anklage „Superstar“. Ein Song, in dem die Onkelz endlich ein Thema verarbeiten, das ihnen schon lange auf den Nägeln brennt. Die Verdummung der deutschen Musikindustrie, die Verarmung der musikalischen Vielflalt, hervorgerufen und voran getrieben durch elendige und langweilige Castingshows, in denen Manager wie Thomas M. Stein oder Dieter Bohlen, der von den Frankfurtern als die Wurzel allen Übels ausgemacht wurde, sich nicht zu schade sind, sich auf peinlichste Art und Weise in Szene zu setzen. Vielleicht ist es nicht der Untergang der deutschen Musik, aber sie ist durch diese Fernsehformate dem Abgrund auf alle Fälle ein ganzes Stück näher gekommen.
„Prinz Valium“, eine treibende Instrumentalnummer, rundet das Onkelzrepertoire auf dieser Single ab, das schließlich in der Coverversion des alten Who-Klassikers „My Generation“ seinen Höhepunkt findet. Nur wenige Interpreten haben sich im Laufe der letzten dreißig Jahre an diese „heilige Kuh“ heran gewagt. Zeit also, dass die Onkelz hingehen und das Vieh endlich schlachten. Ohne Zurückhaltung und ohne Respekt wird „My Generation“ von den Onkelz interpretiert und getreu dem eigenen Motto – Wir sind die Geilsten – heißt es konsequenterweise im Hause Onkelz nur noch: „besser als das Original!“
Für das Artwork der Single und des kommenden Albums, kann Stephan Weidner seinen langjährigen Freund, den kubanischen Künstler Pozo verpflichten. Stephan, der viele Bilder von Pozo in seinem Privatbesitz hat und den Künstler oft bei sich zu Hause begrüßt, erkennt sofort das Potential in Pozos Arbeit und schlägt vor, zu „Onkelz vs. Jesus“ ein Video zu drehen, was man später als DVD mit auf das Album legen kann. Pozo, der sein Atelier gerade von Barcelona nach Berlin verlegt hat, und dessen Arbeiten bereits weltweit ausgestellt werden, beginnt seine Zusammenarbeit mit der renomierten Berliner Graphik Agentur „die Gestalten“ und fortan hört man nur gute Neuigkeiten aus Berlin. Das Artwork sei fantastisch, und man müsse unbedingt alles verwenden, was Pozo ablieferte. Pozo nimmt sich nun auch alle anderen Onkelzsonge vor und bringt dazu seine Visionen auf die Leinwand.
Die Single erscheint am Montag den 21. Juni und schießt eine Woche später von null auf zwei in die Media Control Charts. Die Presse hält sich bedeckt und ignoriert den Song weitgehend. MTV und Viva machen ihre üblichen Ansagen während ihrer Chartshows und die noch seichteren Formate wie Top of the Pops, Bravo, Yam und dergleichen werden vom B.O. Management freundlich aber bestimmt abgewiesen.

Das Ende der Onkelz
Fuer alle Onkelzfans ueberraschend verkuenden die Onkelz am 24.Mai 2004 auf ihrer Homepage ihr Ende. Dabei faengt das neue Jahr so gut an. Das Management vermeldet sensationellen Kartenabsatz fuer die im Herbst geplante Deutschlandtournee und muss schon am siebten Januar die Konzerte fuer Berlin und das Abschlusskonzert in der Colourline Arena Hamburg, geplant fuer den 5. Oktober, als ausverkauft melden. Kurze Zeit spaeter gibt es auch fuer die Konzerte in der Frankfurter Festhalle und der Dortmunder Westfalenhalle keine Karten mehr und auch fuer den Gastauftritt waehrend des fuer August geplanten Open Air Festivals in Wacken werden die Tickets noch im Winter knapp. Dennoch scheinen die Onkelz mit ihrem kommerziellen Hoehepunkt an einem ideellen Endpunkt angekommen zu sein. Man will die Onkelzaera auf dem Hoehepunkt beenden, ohne zu einer Karikatur seiner selbst zu werden und veroeffentlicht hierzu ein Videostatement auf der eigenen Homepage. Das folgende Sudioalbum sei definitiv das letzte Studioalbum der Onkelz und die kommende Tour sei definitiv die letzte Tour heisst es in diesem Statement. Die Fans reagieren enttaeuscht und koennen nicht glauben, was sie hoeren. Sie spekulieren in den Foren der Band ueber den Split und wilde Geruechte machen die Runde, aber die Band ist wie immer fest entschlossen. Die Presse nimmt sich des Themas an und berichtet in gewohnter Polemik. Tatsaechlich sind die Gruende fuer die Aufloesung der angeblich kontroversesten deutschen Rockband jedoch viel alltaeglicher und nachvollziehbarer, als die Fans vermuten. Jeder Onkelzsong sei gesungen, sagt sie und jedes Bier sei getrunken. Es sei alles erreicht. Das Onkelzding sei ausgereitzt und mehr sei aus der Sache nicht mehr rauszuholen. Man ist sich einig innerhalb der Band, dass dieses Lebenswerk zu wertvoll sei, als dass man es in eine langweilige Mittelmaessigkeit abrutschen lassen moechte und bevor die Onkelz im Lager ihrer eigenen Fans an Glaubwuerdigkeit verlieren, beschliessen sie im gegenseitigen Einvernehmen das Ende der Boehsen Onkelz zu verkuenden. Die Enttaeuschung der Fans kennt keine Grenzen und wird auf den Fanseiten im Internet hitzig diskutiert, so wie in unzaeahligen Briefen und E-mails an die Band in Worte gefasst. Fuer die Onkelz jedoch gibt es kein Zurueck mehr. Sie sind der Meinung, dass gerade eine Band, die sich so oft auf ihre eigene Konsequenz berufen und so oft ihren Widerstand gegen Vereinnahmung oder Kommerz artikuliert hat, nicht den Zeitpunkt verpassen darf, an dem es genug ist. Sie sind weiterhin der Meinung, dass nur ein Ende der Boehsen Onkelz zu diesem unerwarteten Zeitpunkt ihre eigene Glaubwuerdigkeit zementiert und den Hoehepunkt der Karriere darstellen kann. Das Unkommerziellste, was man zu einem solchen Zeitpunkt tun kann, ist aufzuhoeren, heisst es im Bandlager und tatsaechlich kommt der Split zu einer Zeit, in der die Plattenverkaeufe trotz schlechter Wirtschaftslage der Musikbranche neue Hoehepunkte erreichen. Die Boehsen Onkelz sind in Deutschland zu einem einzigartigen Phaenomen heran gewachsen. Sie sind die kommerziellste Underground Band, die es je gegeben hat, der kontroverseste Mikrokosmos im Musikbusiness, der unabhaengige und autarke, allen Marktgesetzen zum Trotz blendend funktionierende Mainstream, eine Mutation im musikalischen Einheitsbrei und eine eigene Schublade im Verwaltungsapperat der Phono Akademie. Keine Band hat es jemals geschafft, die Hoerer- oder auch Nichthoererschaft so zu polarisieren, wie es die Onkelz getan haben. Keine Band ist in Deutschland jemals so heftig geliebt und so heftig abgelehnt worden. Waehrend die beiden groessten deutschen Rockmagazine, das Rock Hard und der Metal Hammer Titelgeschichten und Sondermeldungen zum Thema herausbringen und mehrfach in Frankfurt zum Interviewtermin auftauchen, bringen die unwichtigeren Magazine, die nicht mehr von ihrer voreingenommenen Haltung abweichen koennen, kleine polemische Hassmeldungen. So schreibt zum Beispiel Josef Winkler vom Musikexpress: ... Aber heissa! Da kommt die Meldung rein, dass sich die Boehsen Onkelz aufgeloest haben. Wer eine Abfuehrhilfe braucht, gehe einmal und dann nie wieder auf www.onkelz.de und lese das unfassbar schwuelstige Statement-Geseiere der Bandmitglieder...
Genauso soll man die Onkelz in Erinnerung behalten, fordert die Band, gehasst, verdammt, vergoettert?. Und so machen die Onkelz Schluss, weil sie Schluss machen muessen. Zuvor jedoch, und das sieht die Band als Versprechen an ihre Fans und als Pflicht gegenueber ihren Kritikern an, wird es ein letztes Studioalbum geben, dass die Charts erstuermen wird und eine zu 100% ausverkaufte Hallentournee unter Ausschluss der Presse.

Das Album 2004: "Adios"
Passend zu ihrem Abschied nennen die Onkelz ihr letzes Studioalbum „Adios“. Für die Öffentlichkeit platzt die Bombe erst am 24.05.2004, als die Band den Titel ihres 16. Studioalbums auf ihrer News-Seite bekannt gibt und auch gleich die nötige Erklärung liefert. Bandintern steht der Entschluss jedoch schon länger fest. Spätestens seit dem Frühjahr, als man sich darauf einigt dieses kommende Album das Letzte sein zu lassen und im Herbst die letzte Tour zu spielen, weiß man, dass die Tage der Böhsen Onkelz gezählt sind. „Die Onkelz haben ein Haltbarkeitsdatum...“ antwortet die Band oft auf die Frage nach dem „WARUM“ und fügt hinzu: „... wenn dieses Haltbarkeitsdatum überschritten wird, dann machen wir uns selbst lächerlich und ziehen alles mit in den Schmutz, was wir aufgebaut und wofür wir so lange gekämpft haben.“ Die Fans wollen davon nichts hören, werden in dieser Angelegenheit aber auch nicht gefragt. Mit 15 Songs melden sich die Onkelz ein letztes mal zu Wort und sowohl textlich, als auch musikalisch sind die Onkelz auf dem Zenit ihrer Karriere angekommen. Die Band bezeichnet „Adios“ als einen „krönenden Abschluss“ ihrer Karriere, einen letzten Tritt in die Ärsche ihrer Kritiker und einen letzten, rockigen Gruss an ihre Fans. Die Texte sind wie immer streng autobiographisch und von einer Reife, wie sie zuvor nur auf dem „weißen“ und „schwarzen“ Album zu hören war. In Irland geschrieben und in Frankfurt aufgenommen, handeln sie von Wut, Verzweiflung, Sucht und Frustration, was jedem Journalisten, der sich nur oberflächlich damit beschäftigt, ein müdes „schon wieder“ entlockt, die Fans aber reihenweise zum tanzen bringt. Keine Band in Deutschland schafft es, ihre Texte so griffig und treffend zu formulieren und sie dabei noch so hart, druckvoll und glaubwürdig vorzutragen. Als das Album am 26. Juli erscheint, steht es eine Woche später, als Neueinsteiger auf der 1 der Media Control Charts Top 100 Longplay und hält sich dort 3 Wochen lang. Das Album erreicht schließlich Platin-Status und erhält Höchstnoten in den einschlägigen Fachmagazinen.
Wie auch schon auf der Single, zeichnet der kubanische Künstler Pozo für das Artwork verantwortlich. Zusammen mit den Onkelz-Haus-und-Hof-Graphikern der „Gestalten“ Agentur in Berlin entwirft er die Welt, in der er die Songs von „Adios“ sieht. Abbröckelnder, zerfallender, kubanisch inspirierter Charme mit einer zerkratzten, rauhen Patina, schwarze Palmen und flüchtige Momente, Impressionen von Hotels, von Kommen und Gehen. Nicht nur verfügt das Album über einen mittlerweile bei Onkelzproduktionen zum Standard gewordenen, sensationellen 5:1 Sound, sondern auch das „Onkelz vs. Jesus“ Video ist als DVD beigefügt und jeder einzelne Track hat eine auf DVD abrufbare von Pozo umgesetzte, graphische Untermalung erhalten, die gerade für PC-User eine willkommene Abwechslung zum herkömmlichen Booklet darstellt.

Ebenso wie beim Thema der Bandauflösung ist die Presse auch bei der Bewertung des Albums in zwei Lager gespalten. „Die tumbe Promille Punkband meldet sich mit einem erneut ideen-, witz- und geschmacklos zusammendiletierten Longplayer zurück...“ beginnt eine Leserbewertung bei amazon.de, wo die „Adios“ drei Wochen lang als erfolgreichstes Produkt gelistet ist, und mehr verkauft, als sämtliche CDs, DVD´s und Bücher zusammen.
„Die Onkelz werden eine Lücke hinterlassen, die wohl nie geschlossen werden kann. Nie zuvor hat es eine Band gegeben, die die deutsche Musikszene und den Handel in einer solchen Form durcheinander gebracht, die so viele unterschiedliche Meinungen provoziert hat und so von ihren Fans verehrt wurde. Was bleibt, sind unendliche Hymnen über das Leben! Respekt und Danke dafür! Hut ab, vor dieser konsequenten Entscheidung!“ schreibt Sebastian Lipski im AMM Magazin nach einem langen Interview mit Stephan Weidner, während die Berliner Zeitung in ihrem Feuilleton mit „Eklige Onkelz“ titelt. „Die Böhsen Onkelz sind nicht nur die ekligste, sondern auch die erfolgreichste deutsche Rockband...“ weiß man in der Hauptstadt, wo traditionell von taz und Berliner Zeitung gegen die Onkelz Front gemacht wird. In Frankfurt interessiert sich schon längst niemand mehr für die Presse und man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass sich die Alben und die Konzerttickets von alleine verkaufen. Im Gegenteil, man bemustert die Redaktionen nur sehr spärlich mit dem neuen Album und lehnt 90% der Akkreditierungen für die anstehende Tour ab.

Die letzte Tour der Onkelz
Im Herbst 2004 fahren die Onkelz ihre zu 100% ausverkaufte Abschiedstournee durch Deutschland. Gebucht sind 24 Hallen mit einer Durschnittskapazität von 10.000 Leuten. Die großen Hallen, München, Dortmund, Frankfurt, Stuttgart und Berlin sind bereits im Frühjahr ausverkauft. Ebenso das Abschlusskonzert in der neuen Hamburger Colourline Arena. Bis zum Sommer sind alle 250.000 Tickets vergriffen und auf dem Schwarzmarkt werden Preise bis zu 200,--€ verlangt und gezahlt. Die 28 Song starke Setlist umfasst das ganze Onkelzspektrum, bietet eine Mischung von neuem und altem Material, wobei die Band wie immer vor dem Problem steht, einige Songs nicht weglassen zu können, trotzdem aber auch möglichst viele neue Songs spielen möchte.
Die Onkelzbühne während der Abschiedstournee geht weg vom Glamour der letzten Tour und wieder hin zu dreckigerem Rock´n´Roll. Zwei große Türme, links und rechts der Bühne erinnern an Ölbohrtürme und geben der komplett in schwarz gehaltenen Bühne den Eindruck einer Ödlandschaft nach einem Atomkrieg. Große Leinwände, links und rechts, die mittlerweile zum Standard bei Onkelzkonzerten gehören, werden noch durch Leinwände auf der Bühne unterstützt. Der Graben vor der Bühne wird neben der Security von mindestens drei Kameramännern bevölkert, die die Leinwände mit Livebildern der Musiker und der Fans beleben. Auch wird auf dieser Tour der Einsatz von Pyrotechnik noch erhöht, den man auf der letzten Tour zum ersten mal ausprobiert hatte. Der Abschied von den Fans, das stellt sich sehr schnell heraus, wird schwieriger und trauriger, als zunächst erwartet. Bis zur Tour, ist der Gedanke an das Ende der Onkelz noch abstrakt und nicht greifbar, aber schon während des ersten Gigs in Kreuth wird deutlich, dass die Emotionen in den nächsten sechs Wochen überkochen werden. Und das gilt nicht nur für die Fans. Auch innerhalb der Band kommt es zu Spannungen und mitunter bleibt der Tourspaß auf der Strecke. Bis zum Ende der Tour hat sich die Traurigkeit der Fans so hochgeschaukelt, dass der Abschiedssong am Ende des Sets „Ihr hättet es wissen müssen“ grundsätzlich in Tränen endet. Stepans letzte Worte machen es nicht besser und in Frankfurt, der Heimatstadt der Onkelz, vor knapp 14.000 Zuschauern hat auch die Band Tränen in den Augen. Die Fans machen es den Onkelz so schwer wie möglich. In den ersten Reihen sieht man junge Mädchen und Jungs, gleich neben Familienvätern und gestandenen Hooligans und keiner kann seine Niedergeschlagenheit über das Ende der Onkelz zurückhalten. Diese kollektive Trauer, bei gleichzeitigem Respekt vor der Band und in Verbindung mit dem Wunsch sich für „25 Jahre Onkelz“ zu bedanken, lässt die Fans in Dortmund, während der Schlußakkorde des vorletzten Konzertes etwas tun, was in der Geschichte des internationalen Rock´n´ Rolls möglicherweise einzigartig ist. Innerhalb von 10 Sekunden, ohne sich vorher abzusprechen, ohne ein Signal oder einen besonderen Impuls, gehen alle Fans im Innenraum der Dortmunder Westfalenhalle auf die Kniee. Ein spektakuläres Bild, aus dem absoluter Respekt und die totale Dankbarkeit sprechen und was die Band sicher nicht so schnell vergessen wird. Als sich diese Szene während des letzten Songs, des letzten Konzertes in Hamburg, zwei Tage später wiederholt, ist die Band vorbereitet und geht ihrerseits vor ihren Fans auf die Knie. Besser und würdevoller kann man 25 Jahre puren Rock´n´Roll nicht beenden. Die Onkelz gehen auf dem Zenit ihres Erfolges, etwas das sogar einige Kritiker der Band hoch anrechnen.

2005
VAYA CON TIOZ

Wieso der Juni des Jahres 2005 für immer im Gedächtnis bleiben soll? Lasst uns ein bisschen zurück denken... Meteorologisch gesehen war Juni okay, ja sogar bis zu 2,1°C wärmer als im langjährigen Mittel, obwohl er sich mit nächtlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt angekündigt hatte. Was sagt der Arbeitsmarkt? Saisonaler Rückgang der Zahl der Beschäftigungslosen. Juni halt... Im Iran gewinnt Mahmud Ahmadinedschad im zweiten Wahlgang und der Papst erklärt die Homo-Ehe zu einer Pseudo-Partnerschaft. Die deutsche Nationalelf schlägt sich beim Confederations-Cup ordentlich, ist aber von der großen Euphorie noch weit entfernt. Denkwürdig ist was anderes. Wäre da nicht dieses eine Event im Osten Deutschlands gewesen. Irgendwo zwischen Cottbus und Leipzig wurde für 5 Tage ein Retorten-Städtchen aus dem Boden gestampft, das mehr Menschen beherbergte als Kaiserslautern, Flensburg oder Fürth und zwischenzeitlich zu einer der 50 einwohnerreichsten Städte des Landes avancierte und der Region quasi im Vorbeigehen zweistellige Millionenumsätze bescherte. Was war passiert? Umsiedlung? Nein! Goldrausch? Schon lange vorbei! Begegnung der 3. Art? Irgendwie auch... Nein, die Onkelz hatten geladen und alle kamen. 120.000 Menschen fanden den Weg in die Lausitz, um gemeinsam mit der Band einen Abschied zu zelebrieren, wie man ihn (denk-)würdiger nicht gestalten könnte. Dass das Wochenende vom 17. und 18.6. seinen verdienten Eintrag in die Annalen des Rock´n´Roll wird finden können, ist einigen schicksalhaften Ereignissen Anfang der 80er des geschuldet, die hier nicht weiter thematisiert werden sollen – ja sowieso schon bekannt sind. Als im Mai 2004 – kurz vor der Veröffentlichung des letzten Studioalbums „Adios“ – die Weichen auf Abschied gestellt wurden, gab es kein Zurück. Nach 25 Jahren Karriere, hatte man sich auf dem Höhepunkt selbst „Auf Wiedersehen!“ gesagt, um mit 6 Millionen verkauften Platten, 5 Nummer 1-Platzierungen, ausverkauften Tourneen und – viel wichtiger noch – einer einmaligen Vita voller Widerstände, erbitterter Bekämpfer und dafür einer gewaltigen Masse loyalster Anhänger im Rücken abzutreten. Wenn das Wort „einzigartig“ jemals legitim anzubringen war, dann doch wohl in diesem Zusammenhang. Um dieser Laufbahn gerecht zu werden – und das war schnell klar – genügte ein einfaches Farewell-Konzert nicht. Ein Festival musste her und das an zwei Abenden, um möglichst vielen Fans möglichst viel Material präsentieren zu können.
VAYA CON TIOZ hiess das Motto und wer sich die Dimension dieser Veranstaltung vor Augen führen möchte, der verinnerliche bitte folgende Zahlen, die recht wahllos, aber doch exemplarisch aus der Reihe der Superlative heraus gegriffen sind:

- 700.000 Watt Tonleistung
- rund 60 Tonnen Material alleine für Bühne und P.A.
- 600 Tonnen Müll
- 2 Millionen Liter Abwasser
- 120.000 Zuschauer und 80.000 auf der Warteliste, die leer ausgehen mussten
- mehr als 1000 Securities

Dass es gleichzeitig für eine Großstadt unterdurchschnittlich wenige Straftaten, Unfälle und sonstige Unrühmlichkeiten zu vermelden gab, dass von allen externen Instanzen wie Behörden, Anwohnern oder Gastronomen nur Lob und Anerkennung gezollt wurde, ist euch, unseren Gästen zu verdanken.

Liest sich gut, oder? Allerdings fehlen die Referenzgrößen. Was sind 700.000 Watt? Viel? Gigantisch? Was macht meine Bang&Olufsen im Wohnzimmer? Keine Ahnung... Wie groß das ganze Ding war, ließ sich erst erahnen, als die Zahlen begannen, plastisch begreifbar zu werden. Mittwochs am frühen Morgen öffneten sich die Schleusen und eine Flutwelle von Onkelznomaden ergoss sich aufs Veranstaltungsgelände. Die Vorhut sozusagen, schließlich sollte es ja erst am Freitag richtig losgehen.

Schon der Donnerstag hat eine erste ernste Idee parat, was sich abspielen könnte, an den nächsten zwei Tagen. Diese Retortenstadt, zeitlich stark begrenzt aus dem Boden gestampft, ist erfüllt mit Leben. Der große Onkelzfan-Exodus gen Osten scheint beinahe abgeschlossen, zwischen 50- und 80.000 sollen es am frühen Nachmittag schon sein. Die ersten Siedler haben sich niedergelassen und begonnen, heimisch zu werden. Jeder richtet sich sein Refugium ein und sozialisiert sich und sein Umfeld. Piratenflaggen an Fahnenmasten, ein Meer aus Wohnmobilen, Zelten und Autos, begrenzt von Wald und Autobahn. Zäune, hunderte, tausende Metern von Zäunen, Zäune die in Betonblöcken stehen, Securityposten, Kontrollen, breite Schultern, schwarze Hemden, Sonnenbrillen, ein endloser Treck in schwarz, aufgerollte Schlafmatten unter dem Arm, über Zelte, Grillerei, Rauchfahnen, Leute haben ihre Wohnzimmergarnitur mitgebracht, Boxen, Liegestühle, Sofas, überall Sombreros, noch mehr Boxen, dort ein desolates Camp mit Technomusik, pralle Sonne, Kiefer knirschen, so schön kann Vorfreude sein. Weiter westwärts noch endlose Autoschlangen im Stau in einem Anfahrtssystem, das schon vor Stunden kollabiert ist. Leute schieben ihre Autos, Bierflaschen auf dem Autodach wackelnd, andere sitzen biertrinkend und sombrero-behelmt auf den Dächern fahrender oder fahrbereit scheinender Autos, wenn es nur weiter ginge und die Bullen schauen nur doof und wären sicher zu einem guten Teil selber gerne dabei.

Irgendwie sieht alles nach einem gigantischen Barbecue aus. Mittendrin Federball, noch mehr Rauchfahnen, Kotelett auf dem Grill, der Typ, Kippe im Mund, Bierflasche in einer Hand, Grillzange in der anderen, Kleinstadt-Idylle in der Diaspora. An den Duschcamps, quer übers Gelände verteilt, herrscht ganztägig Hochbetrieb. Die Sonne knallt und der Staub kriecht in alle Poren. Gewaltige Fußmärsche zu den Wasserstellen nehmen die Reinlichsten mehrmals täglich auf sich, Leute mit Waschzeug unter dem Arm überall und hunderte, Gieskannen, Eimer mit Wasser werden quer übers ganze Gelände geschleppt. Die Luft knistert und es ist doch erst Donnerstag Nachmittag.

Die Bühne ist keine Bühne, das ist ein Monstrum. 75m breit, 15m hoch, Vaya con Tioz – Deko, 40 Tonnen Stahl sind hier verbaut, dazu 16 Tonnen fürs Licht und immerhin noch acht für den Ton, dazu zentnerweise Deko-Fragmente. Vaya Con Tioz-Engel überall. Genickstarre für die ersten 15 Reihen! Von hier aus also sollten die Tioz-Jünger aus den Händen der Onkelz an zwei Abenden hintereinander die Hostie empfangen.
2 Leinwände hängen rechts und links an der Bühne, dazu 6 Delay-Tower – jeweils 2 gegenüber - die im Abstand von 80 Metern Ton und Bild in den 400 Meter langen Zuschauerbereich transportieren sollen.

Am Donnerstag kommen auch die Onkelz zum ersten Mal zum Soundcheck aufs Gelände. Sonst so cool, kommen die vier aus dem Staunen erstmal gar nicht raus. Auf dem Papier sind 75 Meter Breite doch noch etwas ganz anderes als in der Natur.
Die ersten zaghaften Töne erklingen und an den Zäunen rund um den Bühnebereich versammeln sich Tausende, zunächst ungläubig, dann staunend. 400 Meter Entfernung zur Band lassen zwar keine Close-ups zu, aber wenigstens gibt es freie Sicht über das gesamte weite Feld, wo morgen über 100.000 Mann ameisengleich durcheinanderwuseln würden. Kein Fleck unbedeckt. wo sich zahlreiche Crew-Mitglieder tummeln und sich den Soundcheck anschauen. „Onkelz 2000“, „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“, „28“ und „Hier sind die Onkelz“ werden komplett geprobt, alles schon hunderte, tausende Male gemacht. Es wirkt doch alles sehr routiniert – im positiven Sinne. Die Handgriffe sitzen perfekt, die Technik läuft sowieso. Heute steht in erster Linie Dimensionsanalyse auf dem Plan, gewöhnen an die neuen Ausmessungen. Eine Generalprobe konnte es nicht geben, auch wenn man ja nicht vollkommen unbeleckt ist, was große Bühnen angeht. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und nach einer Stunde ist der Spuk schon wieder vorbei. Auf der Autobahn nebenan staut sich der Verkehr weiterhin kilometerweit. Die Blechlawine rollt ganz gemächlich weiter, während der Mensch auf dem Seitenstreifen grillt oder Fußball spielt. Null Stress. Trotzdem: Glücklich der, der schon sein Plätzchen gefunden hat.

Im Infield lassen die Speedfreaks langsam ihre Dragster und Muscle Cars heiß laufen. Kaum zu glauben, wie laut diese Dragster sind. Die Luft dröhnt und der Sound wird von der Haupttribüne mehrfach zurück geworfen. 15.000 Leute sitzen da und lassen sich die Trommelfelle durchschütteln. Hochstimmung und die Racer werden begeistert abgefeiert. Die mobile Zeitnahme steht und Peter Ritscher, der Onkelz Dragster Pilot hat die ganze Szene mobilisiert, um hier eine wirklich beeindruckende Show abzuziehen.
Neben den Profis bestreiten die „Public Racer“ den Hauptteil des Programms. 128 Teilnehmer aus eurer Mitte sind dem Ruf gefolgt und haben ihre Kisten an den Start gebracht. Und was für geniale Kreationen dort auf die Piste rollten. Ein Onkelz-Trabbi mit einer „28“ auf den Türen und satten 250 PS, eine gelbe Renn-Ente, ein Golf mit Flügeltüren, eine Cobra, ein uralter 50er Jahre Käfer mit zwei Hippie-Piloten aus Essen, Mustangs und Corvettes, Pick-ups und Mantas und eine ganze Reihe von professionellen Dragstern und Topfuelern. Erst wurden die Karren paarweise an die Startlinie gebeten, um dann zunächst einen dezenten Burnout hinzulegen und gleich danach wurde die Quarter-Mile geballert. 8,7 Sekunden und 230 Sachen für den Onkelz-Dragster von Peter Ritscher ist definitiv rekordverdächtig.

Ein nettes Budget hatte der B.O.S.C. von den Onkelz zur Verfügung gestellt, um für die kickwütigen unter den Besuchern ein sehr nettes Fußballturnierchen anzubieten. 16 Mannschaften kämpfen jeweils stellvertretend für ihr Bundesland um Ruhm, Ehre und die Anerkennung der rund 300 Fans, die den Weg vom Ring ins benachbarte Klettwitz gefunden haben. 10 Mann pro Team wurden Wochen vorher ausgewählt, vor Ort eingekleidet und direkt ohne größere Umwege auf den Platz geschickt. Großer Sport auf kleinem Feld, immer 1x15 Minuten, ohne Seitenwechsel. Dafür mit mehr oder weniger qualifizierter Kommentierung durch die Anwesenden. Die einen, durch Alkohol, undisziplinierte Mitspieler oder andere Katastrophen leicht desolat, andere bis in die Haarspitzen motiviert, alle lustig. Im Finale behielten schließlich übrigens die technisch versierten Baden-Württemberger die Oberhand gegen die aufopferungsvoll kämpfende Auswahl aus Sachsen-Anhalt.

In den beiden Partyzelten – strategisch günstig an beiden Enden des Areals platziert – ist seit gestern beinahe rund um die Uhr Programm. Wer Bock hat, kann hier sieben Mal pro Tag „Mexico“, „So sind wir“ oder „Die Firma“ hören, die Bands aus der zweiten Reihe geben sich die Klinken in die Hand und nutzen die Gelegenheit, mal vor vollem Haus zu zocken. Diverse Coverbands, ausgewählt unter zig Bewerbern, spielen eigentlich immer dasselbe, aber der Onkelz-Fan ist eben wegen Onkelz da und will es sich am liebsten ununterbrochen geben. Dazwischen gerne auch mal ein ganz kurzer, beinahe verschämter Blick über den Tellerrand hinaus. Doomfoxx, V8Wankers, Wonderfools, Bettie Ford und Junkhead. Zelt-Pogo vom Feinsten, es ist rutschig und ständig packt sich irgendwer hin. Egal, keine Verschnaupause und weiter, bis der Zeltboden vor Schmerzen schreit und schließlich irgendwann am Freitag Abend nachgibt. Kann passieren, ist ja schließlich Onkelz-Exstase. Auf jeden Fall ist Zelt Nummer eins, das neben dem „Titty Twister“, erstmal dicht...

... und kommt so auch nicht mehr zu Onkelz-Ehren. Nein, nicht Coverband-Ehren... Echte Onkelz, getarnt, inkognito, unangekündigt und vor allem zum Anfassen, angelockt von der Produktionsleitung. Gonzo und Pe hatten sich Gitarre und Drumsticks geschnappt, um sich auf altbekanntes Terrain zu wagen und vor 60 Nasen die Bühne einer perplexen Coverband geentert. Kurz die Lage gecheckt, zwei Songs drauflosgerockt, ein paar Photos gemacht und direkt wieder abgedüst. Eine sehr lässige Aktion, die die Beteiligten sicher nicht mehr so schnell vergessen werden.

Als sich gegen Mittag die Schleusen öffnen, schwappen die Schwarzen Horden sturmflutartig aufs Gelände. Nicht tröpfchenweise, sondern sturmflutartig. Zu groß ist die Angst, etwas zu verpassen. Schnell mal alles angeschaut, wo steht die Bühne? Boah! Wo gibt’s was zu trinken? Die Spielzeiten der Vorbands waren zwar bekannt, aber klar, hier und heute geht es nur um eins. Onkelz – nicht mehr, nicht weniger! Die erste Reihe entfaltet wieder ihre gewohnte Wirkung und hat schon die ersten Opfer angesogen, die, die immer dastehen und andere, die es sich zum Abschluss noch mal richtig besorgen wollen inkl. 10 Stunden Anlauf, Stehmarathon und immer dicht vor der Dehydrierung.
An den beiden Tagen geben sich im Vorprogramm Acts die Klinke in die Hand, die entweder schon mit den Onkelz gespielt haben oder schon länger zu den Favoriten der Band zählen. Dazu die eine oder andere Reminiszenz an den Publikumsgeschmack. In loser Folge: Motörhead, Wonderfools, D-A-D, Psychopunch, Sub7even, In Extremo, Discipline, Children of Bodom, Machine Head, Pro-Pain, Rose Tattoo und J.B.O. Da machten die unerfreulichen Absagen im Vorfeld – Marky Ramone, Turbonegro und Bombshell Rocks hatten trotz Zusagen noch gekniffen, Monster Magnet schoben anderweitige Verpflichtungen vor.

Als dann endlich jeweils um kurz nach 11 die Onkelz auf der Bühne auftauchten, brachen natürlich alle Dämme. Man kann es wirklich kaum in Worte fassen, dieses Meer aus Armen und Händen, diese Euphorie und diese totale Hingabe von beiden Seiten. 200.000 Hände im Takt und 200.000 Arme die hin und hergehen und aus 100.000 Kehlen kommt ein Sturm an Begeisterung und Dankbarkeit. Das Echo, das teilweise über den Platz flog, holte sich selber ein und trug zu einer Stimmung bei, die eigentlich nur als eine Art Trance oder Rock´n Roll Glückseeligkeit oder irgendetwas schwer Definierbares in dieser Richtung bezeichnet werden kann. Zweimal jeweils 2 _ Stunden Vollgas, bis an die Grenzen der Belastbarkeit.

2006
Kevin – Rückfall

Im Januar sorgt Kevin für einen Schock in seinem Umfeld und innerhalb der Fangemeinde. Nach einem Drogenrückfall wird er an seinem Geburtstag von Stephan im seinem Hotelzimmer gefunden und in der gleichen Nacht in ein künstliches Koma versetzt. Neben verschiedenen weiteren Symptomen ist unter anderem sein Gehirn aufgrund eines bakteriellen Infekts angegriffen, was mehrere Operationen und einen längeren Aufenthalt auf der Intensivstation nötig macht. Lange lässt sich keine Diagnose wagen, ob und in welcher Form Kevin wieder auf die Beine kommt. Wie durch ein Wunder macht er während seiner Reha-Maßnahmen allerdings solche Fortschritte, dass er mittlerweile praktisch komplett wieder hergestellt ist.

Unterdessen schickten die Onkelz-Fans kistenweise Genesungswünsche an die Adresse des B.O. Managements, die den Heilungsprozess nach Kevins Angaben beschleunigten. „Das hat mir soviel Kraft und Mut gegeben in Situationen, in denen ich schon am verzweifeln war und dachte, ich werde nie mehr der alte Käfer!“

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So, viel ist es nicht mehr was ich nicht reingestellt habe, aber lesen solltete ihr es trotzdem auf der Onkelz-Seite!

 

Meine besuchten Konzerte:

 

2000 HANNOVER

Bericht (QUELLE):

In der EXPO - Stadt
Ab 7 Uhr begann in Hannover die Crew mit dem Load out an der Stadion Sporthalle, die sich unmittelbar neben dem Niedersachsen - Stadion befindet. Bereits gegen 8 30 Uhr waren zwei Trucks bereits vollständig entladen. Aber wie des öfteren kam plötzlich alles ganz anders, und zweitens als man denkt. Die letzten Trucks kamen erst gegen 11 Uhr an der Halle an, weil sie rund um Hannover richtig fett im Stau steckten.

Da die Halle mit einer Maximalkapazität von 5.000 Besuchern sehr klein war, gab es im Laufe des Aufbaus immer wieder Schwierigkeiten bei den einzelnen Abteilungen, was dazu führte, daß die Produktion teilweise mehr als drei Stunden hinter dem Zeitplan herhinkte. Hunderte von Entscheidungen mußten unter Zeitdruck direkt vor Ort getroffen werden, was natürlich die Anspannung innerhalb der Crew enorm ansteigen ließ. Neben der normalen Stromversorgung mußte am heutigen Tag auch noch ein zusätzlicher Stromerzeuger vor Ort sein, um die ganze Show mit ausreichend Elektrizität zu versorgen. Denn e.i.n.s. war klar: Ohne Ohm kein Strom!

An die Onkelz ging zwischenzeitlich eine Alarmmeldung per Telefon raus, in der ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, daß der Soundcheck deutlich nach hinten verschoben werden mußte.

In der Crew wurde konzentriert weitergearbeitet, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, und eventuell noch rechtzeitig vor Door open fertig zu sein. Gegen 17 15 Uhr trafen die Onkelz ein und es ging sofort mit dem Soundcheck los. Zu allem Überfluß platzte dabei auch noch ein Becken von Pe's Schlagzeug. Und beim örtlichen Runner wurde dieser Verlust jetzt zur absoluten Chefsache erklärt. Das anschließende Abendessen der Vier fiel aufgrund eines Stromausfalls im Hausnetz auch noch aus, so daß sich die Band stinksauer wieder zurück ins Hotel fahren ließ.

Das Problem mit dem Strom konnte aber bald wieder behoben werden und auch ein neues Becken konnte noch in Rekordzeit besorgt werden. Um 18 15 Uhr wurden dann die Türen geöffnet. Der Einlaß erfolgte zügig und so konnte pünktlich um 20 Uhr mit Suprasod die Show beginnen. In der Halle herrschten auch am Abend noch tropische Temperaturen, so daß auch heute wieder viel Schweiß fließen sollte.

Um 20 45 Uhr war es dann wieder soweit. "Jetzt geht's los", hatten die Fans schon lange vorher skandiert. Das Intro, der Knall, - und der Vorhang fiel. Wieder eine glückliche Crew und das schon oft beschriebene Abklatschen. In der restlos ausverkauften Stadionsporthalle ging in den nächsten zweieinhalb Stunden voll die Post ab, und das bei Temperaturen von ca. 50 Grad. Die Hitze wurde von Minute zu Minute unerträglicher. Trotzdem blieben aber die Einsätze der Sanitäter im Rahmen. Um 23 15 Uhr war Schluß und Hannover kann sich jetzt wieder auf die Expo konzentrieren, denn der Troß der Könige für einen Tag ist wieder on the road, weiter Richtung Norden.

Heute wollen wir Euch auch mal wieder eine Abteilung unserer Crew vorstellen, die dafür sorgt, daß das gesamte Equipment von einem zum nächsten Konzertort transportiert wird. Und zwar das Trucking. Bei den Produktionen der Onkelz ist es seit Jahren Tradition, daß man (fast) alles selbst organisiert. Der Großteil der Lkw-Fahrer der Tour sind Angestellte der IH Security und bewältigen bei einer solchen Produktion einen Doppel - Job. Entweder als Security oder in anderen Teilbereichen der Veranstaltungstechnik.

Diese Abteilung wird von Jonny geführt und es ist mittlerweile seine vierte B.O. Tour. Er hat damals als Security angefangen. Dann fuhr er ein Jahr die Band auf Tour und jetzt ist er als Cheftrucker tätig. Er organisierte auch mit dem Produktionsleiter die entsprechenden Buchungen und die notwendige Logistik, d.h., Anmietung der Züge und Trailer und die entsprechende Auswahl der Fahrer. Denn es ist für die Leute eigentlich das Höchste, einmal eine B.O. Produktion in dieser Größenordnung zu fahren.

Zur Technik: wir haben bei dieser Produktion sechs MANs und zwei IVECOs, die aus organisatorischen Gründen von A bis H gekennzeichnet sind. Dabei sind zwei Planen Tautliner dabei. Diese können von der Seite beladen werden und somit übergroßes Material wie z.B. Trassen, Gitter oder das Hydraulikaggregat aufnehmen und werden von Jonny und Stefan gefahren. Weiterhin sind noch vier Jumbo -Koffer im Einsatz, die von Marko, Armin, Rainer und Jörg gefahren werden. In diesen Lkws wird Licht, Ton, Backstage, Catering und die Videoausstattung transportiert. Dazu kam jetzt ab Frankfurt noch der Dirk mit einem Jumbo - Koffer (Planen - Spriegel Aufbau). Und last, but not least rollt noch den Merchandise-Lkw mit Klaus am Steuer, der dafür sorgt, daß Ihr auf den Konzerten mit der kompletten Merchandisekollektion versorgt werden könnt.

Die Fahrer kümmern sich selbst um entsprechende Vignetten und halten auch spätestens alle zwei Tage ein Meeting ab. Darin wird festgelegt, wie gefahren wird: ob Kolonne oder mindestens zu zweit. Denn ein Lkw sollte nicht alleine fahren, da er sonst auf fremde Hilfe angewiesen ist, wenn etwas Unvorhersehbares passiert. Insgesamt werden die Trucks auf dieser Tour eine Laufleistung von ca. 12.500 Kilometer herunterspulen. Bei einem Dieselverbrauch von ca. 30 Liter auf 100 Kilometer werden die acht Trucks im Laufe der diesjährigen Tour um die 30.000 Liter Sprit verbrauchen.

 

 

2001 BREMEN

kein Bericht

 

HILDESHEIM

Kein Bericht

 

2002 HANNOVER

Bericht (QUELLE):

Fritz Walter ist tot, aber der Fussball lebt, wie das extrem spannende Achtelfinale zwischen den Azurris und dem Gastgeber Südkorea zeigt. Dass die Asiaten das glücklichere Ende für sich verbuchen können, wird von der B.O.-Crew vor allem deshalb lautstark bejubelt, um Weidners italienischen Roadie Marco auf die Schippe zu nehmen. Schadenfreude war, ist und bleibt halt immer noch die größte Freude! Gottlob lässt es sich in der eigens für die Expo errichteten Preussag-Arena, die innen fast wie eine 1:1-Kopie der Kieler Ostseehalle ausschaut, trotz der erbarmungslos sengenden Sonne und Temperaturen um die 35 Grad dank der auf Hochtouren arbeitenden Klimaanlage ohne nennenswerte Schweißausbrüche aushalten. Für den Soundcheck der Onkelz sorgen im Laufe des Nachmittags einmal mehr Ulsch (Schlagzeug), Marco (Bass) und Django von der Heavy Metal-Kapelle Stormhammer (Gitarre), weshalb Kevin, Gonzo, Stephan und Pe erst spät eintrudeln. Nachdem gestern in Kiel erneut ein paar „Rattenfänger“ (O-Ton Weidner) der NPD versucht hatten, direkt vor der Halle Unterschriften zu sammeln, passt die Security beim Einlass heute noch einen Tick besser auf. Dabei ist der Umgangston hart, aber herzlich und das Wörtchen „bitte“ wird auch dann angewandt, wenn sich ein Fan als unfreundliches, aggressives oder angetrunkenes Arschloch entpuppt. Stichwort Arschloch: Wenn man wie in der Preussag-Arena unverschämte drei Euro für 0,3 Liter Bier aufruft, braucht sich der Betreiber nicht wundern, dass sich viele Besucher bereits vor der Show die Lampen ausschießen bzw. auf den Toiletten hektoliterweise Leitungswasser saufen. Und über das Rauchverbot in der Halle, in der normalerweise die Eishockeycracks der Hannover Scorpions dem Puck hinterherjagen, können selbst überzeugte Nichtraucher wie meine „Kaiserlichkeit“ nur den Kopf schütteln. Oder liegt die Niedersachsen-Metropole seit neustem im Land der unbegrenzten Dämlichkeiten? Schon während des Sub7even-Auftritts hält sich kein Schwein an diese dämliche Verordnung. Erwartungsgemäß erntet das „basslose Gesindel“ wie gehabt ordentlich Applaus, und auch ansonsten kann sich das Quintett nicht beschweren. Im Gegensatz zu so manch anderem großem Act, machen es die Böhsen Onkelz ihren Vorgruppen schon aus Überzeugung nicht unnötig schwer.
Wenn man einen Teil des schier endlos langen Sets des Headliners vom Monitorpult auf der linken Bühnenseite aus verfolgen darf, verändert sich logischerweise auch die Sicht der Dinge. Vor allem sehe ich aus nächster Nähe endlich einmal, wie hart gerade Gonzo, der sich im Laufe der Jahren zweifelsfrei zu einem exzellenten Gitarrero entwickelt hat, und Stephan auf der Bühne ackern. Nach dem gestrigen Triumphzug sind die Onkelz auch in „Schröder-City“ bis in die Haarspitzen motiviert und räumen wieder dermaßen ab, dass selbst ein alter Hase wie der technische Leiter der Frankfurter mit dem wenig zutreffenden Spitznamen „Schlanky“ aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Immerhin hat der im fränkischen „Asyl“ lebende Hesse in der Vergangenheit schon für Heavy Metal-Institutionen wie Saxon, Motörhead und Manowar gearbeitet. Und ob bei den selbsternannten „Kings Of Metal“ in all den Jahren so viele Leute unters Sauerstoffzelt mussten wie am heutigen Abend, darf ebenfalls bezweifelt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass morgen auch all jene B.O.-Supporter wieder auf dem Damm sind, die mit der Bahre abtransportiert wurden.
Da ich morgen zurück nach Frankfurt muss, wird Onkelz- Pressebetreuer und Bandbiograph Mr. Ed alias Edmund Hartsch ab Bremen wieder die Tasten seines Notebooks malträtieren, um euch weiter auf dem laufenden zu halten. Danke und tschüß!

 

 

DORTMUND 1

Bericht:

Paaaaarty... Scheisse war das geil. Doppelshow in der Dortmunder Westfalenhalle. Beide Konzerte sind seit über einem halben Jahr restlos ausverkauft. Das Wetter? Regnerisch - alles andere als sommerlich. Die Stimmung? Hektisch – alles andere als entspannt. Das Handy auf „ignore“ die Gästeliste geschlossen. Wer jetzt noch anruft, hat Pech gehabt. Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht und bei der Tourleitung ist sie schon lange überschritten. Es kommt keiner mehr rein und wenn er noch so viel „Recht“ hat und noch so „wichtig“ ist. Feierabend. Ein Riesenaufwand wird hier und heute betrieben. 2 LKW´s zusätzliches Material, was soviel heisst wie: 420m zusätzliche Lichttraverse, 3km zusätzliches Kabel, 60 zusätzliche Moving Lights. Dazu 60 Mann Security on top, 10 mobile Kameras, 2 Kräne, ein Steady-Cam Operator vor der Bühne, 1 Ü-Wagen für den Ton und 1 Ü-Wagen für das Bild. Morgen kommt noch ein 5köpfiges Team für die Live-Stream Übertragung ins Internet dazu, das ebenfalls nochmal einen eigenen Ü-Wagen dabei hat. Also das ganz, ganz grosse Programm wird hier an diesem Wochenende aufgefahren. Schneller, höher, Weidner. Und nicht etwa, weil man aus dem aufgezeichneten Material eine DVD oder ähnliches erstellen will, sondern einfach nur, um sensationell gutes Archivmaterial von der Tour 2002 zu haben, auf das man eventuell in späteren Jahren einmal zurückgreifen kann, wenn es nötig sein sollte. Die Band ist bereits um 16:00 Uhr in der Halle und checkt den Aufbau, das Licht und den Sound. Zusätzlich zum normalen Soundcheck, kommt heute auch noch Sub 7even mit auf die Bühne. Man probt zusammen „Nur wenn ich besoffen bin“, um den Fans zum Abschluss noch eine kleine Zugabe mehr bieten zu können. Bereits in Erfurt wurde dieses Bonusstück einstudiert und begeistert von den Erfurter Fans aufgenommen. Kommt aber auch wirklich extrem geil, nach „Erinnerungen“, als krönender Abschluss sozusagen. Ein lustiges Bild mit 10 Musikern auf der Bühne. Sub 7even Drummer Christos und Keyboarder Christian singen Arm in Arm, während sich Gonzo und Spiros ein Gitarrenduell liefern. Kevin und Daniel singen logischerweise auch, Stefan Weiler klimpert und der W. spielt die Bassline zu Sven´s Leadgitarre. Ein weiteres Dokument und ein weiterer Nachweis für die gute Chemie zwischen beiden Bands. Wie ich bereits anfangs der Tour einmal erwähnte, verstehen sich die Jungs sehr gut miteinander und selten habe ich die Onkelz nach der Show so oft noch im Bus der Vorband abhängen, Bier trinken und lachen sehen.
Die Westfalenhalle selbst, das Monstrum, wird bereits seit 15:00 Uhr von tausenden von Onkelzfans belagert. Es regnet wie aus Eimern, was niemanden sonderlich zu stören scheint. Um 18:00 Uhr beginnen die Jungs mit dem Einlass, weil aber noch nicht komplett eingeleuchtet ist und weil der Vorhang noch nicht oben ist, werden die Massen zwar ins Foyer, aber noch nicht in die Halle gelassen. Das hat zur Folge, dass um ca. 18:15 Uhr, als schliesslich auch die letzten Türen aufgehen, eine galliermässige Invasion losbricht, vergleichbar mit dem durchbrechenden Oderhochwasser vor zwei/drei Jahren. Natürlich habe ich die Kamera gerade wieder nicht griffbereit, egal. So, jetzt ist es 19:00 Uhr, die Band ist nochmal ins Hotel gefahren, die Fans singen sich ein und ich warte ab, was noch kommt. Ach übrigens, was die Gästeliste bzw. die zwei, drei Prommis aus Sport und Musik angeht, von denen ich im letzten Eintrag sprach, hat man sich ja gestern im Forum auf www.onkelz.de auf´s infantilste darüber aufgeregt. Man vermutete, die Onkelz würden jetzt neuerdings mit irgendeinem Prommiklüngel abhängen und abfeiern. Das ist nicht nur absurd, falsch und dämlich, sondern im höchsten Masse ungerecht, denn gerade die Onkelz legen überhaupt keinen Wert auf V.I.P.-Geplänkel. Wenn aber jemand, der im öffentlichen Interesse steht, sich zu den Onkelz bekennt, ohne grosse Rücksicht auf den zu erwartenden eigenen Imageschaden zu nehmen, dann wird hier schon mal ein Auge zugedrückt und diese Leute können gerne kommen und sich ein Bild von der Band machen. Und zusätzlich gibt es natürlich beim Tourabschlussgig, zu dem in Dortmund, eine lange Liste von Bandfreunden und Verwandten. Das ist nur legitim. Da sich einige Fans im Forum aber dermassen lächerlich gemacht und aufgeregt haben, werde ich über dieses Thema kein Wort mehr verlieren.
Bereits um kurz vor acht brodelt die Westfalenhalle und die Fans stimmen die üblichen Chöre an. „Finale“, „steht auf, wenn Ihr Onkelz seid“ etc... sensationell. Sub 7even hat hier heute ein Heimspiel. Alle Musiker kommen aus Dortmund City und gehen dementsprechend motiviert zur Sache. Ich denke, dass es auch für Sub 7even das Hightlight der Tour ist. Korrekt Jungs, guter Job. Habe ich schon gesagt, dass Sub 7even ohne Ende Groupies haben? Was da so manchmal neben der Bühne stand, hat sogar dem hartgesottensten Securitymann mitunter das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Tourspruch unserer Vorband: „Die kann grad nicht, die kommt gleich.“
Jetzt aber zu den wirklich wichtigen Dingen. Nein, nicht das WM Finale und ja, ja, ich freue mich ja auch, wenn Deutschland gewinnen würde, bin aber immer noch ein wenig skeptisch. Wie cool eigentlich, dass am Freitag und Samstag die Onkelz in Dortmund spielen und am Sonntag WM Finale ist, oder? Gut, genug davon. 21:00 Uhr und die Halle ist dem Siedepunkt nahe. Die Energie brutzelt förmlich und legt einen breiten Teppich der Euphorie über alle die dabei sind. Gänsehaut. Die Band nimmt´s wie immer gelassen. Blödeleien und dümme Sprüche in der Garderobe bis zum letzten Augenblick, wenn Thomas kommt und die Jungs abholt. Diesen „Walk-In“, wie beim Boxen, finde ich immer wieder spannend. Das ist für mich eigentlich, neben dem letzten Song immer der aufregendste Moment. Da denkt man immer, „so, jetzt geht´s ab...!!“ Und in der Tat, Kevin im Schottenrock und mit offenem Haar ist schon ziemlich sehenswert. Dass das Publikum von der ersten Note an ausrastet, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Onkelzparty pur, mit 14.000 Gästen. Bei Mexico, das dürfte klar sein, gibt´s kein Halten mehr. Hier geht heute keiner unbefriedigt nach Hause und die Nörgler, denen alles „zu gross“ oder „zu un-onkelzmässig“ ist, oder die, denen wieder ein ganz bestimmter Song auf der Setlist fehlt... who gives a fuck? Auch „Der Platz neben mir“ kommt heute noch geiler, als ohnehin schon. Feuerzeuge soweit man gucken kann. Dortmund ist und bleibt die Killer-Location für einen Onkelzgig. Keine Atempause, im warhsten Sinne des Wortes. Die Jungs rocken von der ersten bis zur letzten Sekunde und die Fans gehen so dermassen ab, dass Stephan sich zu dem Statement hinreissen lässt: „Ich sag´s nicht gerne, aber Ihr seid ein noch geileres Publikum als in Frankfurt!“ worauf die gesamte Halle mit „Ruhrpott – Ruhrpott“ kontert. Genial. Sehr genial ist allerdings wieder der Auftritt nach dem Auftritt, das Bonusstück mit Sub 7even. „Nur wenn ich besoffen bin“ hat ganz klar das Zeug zu einer neuen Live-Hymne und zusammen mit den Dortmundern knallt es noch mehr. Sehr schöner Abschluss und morgen wird noch eine Schippe drauf gelegt. Alles klar? Prost und bis morgen...

 

 

2003 HANNOVER

„Onkelz in Hannover“, oder „was ist die Steigerung zu: „Einfach der nackte Wahnsinn“?“

„Ohne Worte“? „Ich kann nicht mehr“? Oder „Erschiess mich, besser kann´s nicht mehr werden“? Egal, überlegt euch am besten selber was, mir sind seit gestern die Superlative ausgegangen. „Sag mal... Das war doch das geilste Onkelz-Konzert aller Zeiten, oder?“ Gestern in Hannover die gleichen Reaktionen wie in Bremen. Kinder, wenn das so weiter geht. Es war doch erst der zweite Gig. Wo soll das alles noch hin führen? Die Latte ist nach dem ersten 2er-Block jedenfalls verdammt hoch gelegt – sowohl von eurer Seite, als auch von den Onkelz. Bremen zeigte sich von seiner Schokoladenseite – schöner Club, Riesenstimmung und nicht ein Fascho, der einem die Laune vermiesen konnte. Kann eigentlich nicht mehr besser werden. Kann nicht? Kann doch! Hannover ging nochmal ein Stückchen mehr aus dem Sattel, noch mehr „Wir wolln die Onkelz sehn“, noch mehr „Oooooooohooooohoooooo....“ bei und nach „Terpentin“ und noch mehr Pogo als in Bremen. Um den Bremern aber nicht unverdienterweise Unrecht angedeihen zu lassen, sage ich mal unentschieden, mit leichter Feldüberlegenheit Hannover. Leute, ihr seid der Wahnsinn. Osnabrück, Berlin, Nürnberg und Pratteln: Ihr müsst euch verdammt ins Zeug legen, wenn ihr da mithalten wollt.

Aber auf gehts, Dopaminproduktion langsam wieder auf ein gesundes Normalmaß zurück fahren und ein wenig Struktur in diesen Bericht bringen. Mit anderen Worten: Der Reihe nach!
Nachdem sich im Vorfeld mal wieder der lokale KV der NPDeppen über zwei kleine, aber dreiste Pressemeldungen zum Konzert in den Vordergrund schummeln wollte und sich deswegen bereits der Verfassungsschutz und anderes in grün gewandetes Bundespersonal angesagt hatte, war doch leichte Nervosität angesagt – obwohl man aus Erfahrung weiss, dass solche Nummern in 9 von 10 Fällen nichts als ein Haufen heisse Luft sind. Denn wie bereits Marx zu vermelden wusste: Die Empirie besitzt keinen Beweischarakter oder auch: Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen. Deshalb: Zusätzliches Sicherheitspersonal und ein noch wachsameres Auge auf die Besucher, ob sich nicht doch eine kleine Abordnung an klar erkennbaren Unruhestiftern ausmachen ließ. Aber wie erwartet: Keine (Fascho-)Sau zu sehen und auch die AntiFa ist wohlweisslich geschlossen zuhause geblieben. Eine kleine nächtliche Aufkleberaktion rund ums Capitol konnten sie sich dann doch nicht ersparen. Aber wenns nur das ist, 50 Aufkleber kann man auch manuell wieder abreissen. Erfreulicherweise hat auch zumindest ein Teil der hannoverschen Presse davon Notiz genommen, dass das Konzert absolut ohne jegliche Zwischenfälle abgelaufen ist. Sehr schön. Wer also mal eine echt coole Kritik lesen will, sollte sich mal die Neue Presse von heute zu Gemüte führen.

Genug der Begleiterscheinungen, auf ins Konzert. Das Capitol ist eine richtig schöne Location. Nettes Flair, prima Akkustik und nicht ganz so verwinkelt wie das Aladin. Unten mit „Innenraum“, oben drüber eine Tribüne und reichlich Getränkestände (mit allerdings horrenden Preisen...). Im Gegensatz zum Aladin füllte sich das Capitol richtig gemächlich (oh Wunder, es hat ja auch nicht so geschüttet...), sodass die Junkhead-Jungs vor noch nicht ganz versammelter Mannschaft loslegten. Die Anwesenden werden es allerdings nicht bereut haben, denn der Fünfer machte mächtig einen los und kam – was man so hörte – auch mächtig gut an. Scheinen euern Geschmack zu treffen. Leider mussten sie mit einem leicht abgespeckten Set an den Start, denn der Start der Onkelz wurde aufgrund anschließender Disco (!) im Capitol im Vergleich zu Bremen um eine halbe Stunde vorverlegt.

Nach Junkhead das übliche Spiel: Kurze Umbaupause, „Onkelz, Onkelz“-Gesänge und dann gehts los. Kleines Intro, Stephan Bass, Gonzo Gitarre und Kevin mit einem „JAAAAAAAAAA“, das einem die erste Gänsehaut des Abends auf die Arme treibt. „Hier sind die Onkelz“ – und wie. Wie gestern zack, zack, zack. Ein Song nach dem andern aus der Hüfte geballert. Ein Wahnsinn! Alles schwitzt, tanzt, singt, hüpft, schmeisst BHs (okay... War nur einer) auf die Bühne und die Band wieder in Topform. Gut, dass die Setlist in der Mitte mit „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ in der alten Version für alle einen Durchschnauf-Song parat hält...
Wer Kevin nur von der letzten Tour in Erinnerung hat, konnte wahrscheinlich kaum glauben, dass da der selbe Mann auf der Bühne stand, tanzte, mit den Armen ruderte und die Haare kreisen ließ. Der dritte Frühling... Gonzo schwer agil, top-motiviert und wie immer tadellos mit ein paar netten Fingerübungen am Hals seiner blau-weissen Tausch (sehr geiles Ding!), Pe mit einer riesen Energieleistung und Stephan am Dauerbangen bis zum Nackenmuskelkater und mit punktgenauen Ansagen zu NPD und Stones. Angenehm auch, dass es gestern nicht ganz so heiss war wie im Glutofen Aladin, wo dem einen oder anderen – Fan wie Musiker – kurzzeitig – zumindest fast – die Lichter ausgegangen sind. Aber diese Luftfeuchtigkeit... Im Treppenhaus in Richtung Bandgarderobe kamen einem förmlich Sturzbäche an Kondenswasser entgegen. Krass... Klubtour-Feeling pur, sollte man eigentlich öfter machen... Nach wieder gut zwei Stunden und 4 Zugaben war dann Feierabend und ein wahnsinnig geiler Abend zu Ende. Naja, man sieht sich ja wieder Hannover, oder?

Heute day off, die Bandbusbesatzung relaxt noch ein wenig in Hannover, während die Crew direkt nach dem Gig schon weiter nach Osnabrück gereist ist. Klubtour als Tort(o)ur. Morgen steigt dann also Osnabrück. Weiss jemand, ob es im Hydepark auch einen Balkon gibt? Dieses „Auf und nieder, immer wieder“ sieht zwar so rückblickend ganz nett aus, aber muss auch nicht zur Tradition werden... Mal sehen, ob Osnabrück die Regler bis auf 11 schieben kann... Gebt euer Bestes!
Ich werde morgen das Staffelholz wieder an den Ed übergeben, hoffentlich haut das jetzt alles so hin, wie wir uns das erhoffen.

Danke für eure Aufmerksamkeit und bis dann!

 

2004 HAMBURG

Wenn es etwas gibt, mit dem wir uns nicht zurückhalten und mit dem wir auch nicht gerade sparsam umgehen hier auf der Onkelztour, dann sind das Superlative. Till hatte es bereits angesprochen, aber ich muss es noch einmal wiederholen, Dortmund II war das Größte, was die Welt des Rock´n Roll je gesehen hat. Größer als Ozzy, der im Executive-Meeting einer lebendigen weißen Taube den Kopf abbiss, größer als Jimmy Hendrix´ epochale Interpretation des „Starspangled Banner“ am Woodstockmontag, als er seiner Gitarre Bombenteppiche, Schmerzensschreie und ein weithinhörbares und höchst regimekritisches Anti-Vietnam-Gequietsche entlockte, größer noch als Joan Baez´ „We shall overcome“ auf den Stufen des Lincoln Memorial, nachdem Luther-King seine Rede mit „I have a dream...“ begann und auch sicherlich größer als Frank Zappas Schiss auf die Bühne. Naja, „let´s leave the church in the village“, wenigstens aus meiner Sicht, denn bei den aufgezählten Ereignissen war ich nicht dabei. Aber in Dortmund II 2004 war ich dabei und hatte zum Ende hin eine hübsch kultivierte Ganzkörpergänsehaut. Wo gibt´s denn sowas? Da hocken oder knieen sich die Fans im Innenraum bei „Ihr hättet es wissen müssen“ doch glatt auf den Boden. So eine spontane und hingebungsvolle Geste des Respekts und der Dankbarkeit hat es – so viel ich weiß – in der Geschichte der Rockkonzerte noch nicht gegeben. Ok, vielleicht bei den Grateful Dead, aber da ist die Belegschaft geschlossen auf LSD und man kann nicht genau sagen, was die eigentlich sehen, also zählt das nicht. Auf der Bühne? Verwirrung, offene Münder. Die Band ist konsterniert, gerührt, schockiert, sprachlos. Ob das in Hamburg zu toppen sein wird? Keine Ahnung, muss es das überhaupt? Ist doch vollkommen egal. Kann man das nicht einfach so stehen lassen?

Hamburg? Wen interessiert der Stress im Vorfeld? Keinen Menschen, habe ich oft genug erwähnt und jeder kann sich denken, dass so ein Abschlusskonzert Anstrengung bedeutet und Stress mit sich bringt. Die Fakten? Würde ich gerne berichten, weiß aber nicht, ob das nicht zu intim ist. Nur soviel, es wurde bandintern schon vor dem Konzert geweint und geredet und sich in den Arm genommen und die Stimmung war... hmm... traurig bis katastrophal. Wer genau hingehört hat, dem ist aufgefallen, dass Kevins „Jaaaa“, als er auf die Bühne kam, ungefähr fünf mal so lang war, wie sonst und dass die Band förmlich explodierte. Die Anspannung musste raus, dringend, und die Schwere des Augenblicks, die Last der Situation musste einfach weggespielt werden. Da war sie, die große schwarze Wolke und sie entlud sich mit allem, was sie hatte. Das hat sich natürlich auch spontan auf das Publikum übertragen und es wurde gesungen, geschrieen und gebrüllt, wie selten. Der Innenraum war in zwei Hälften unterteilt worden. Schlau wie unsere DVD Filmer nun mal sind, haben sie nicht ganz so viele Leute unmittelbar vor die Bühne gelassen, damit nicht so viel gedrückt werden konnte und die Security nicht so viele Leute rauszuziehen hatte. Aus dem einfachen Grunde, weil der komplette Graben mit Kameras zugestellt und von Kameraleuten, Kabelträgern und Fotografen belagert war. DVD-Traffic. Wenn diese Bilder rüberkommen und der Regisseur in der Lage ist, das ganze Thema objektiv zu beleuchten, dann wird das eine ziemlich sensationelle DVD werden. Gut, die Onkelz also. Man hat sich verspielt und auch schon mal versungen oder verhaspelt, aber letztendlich dennoch das totale Live-Brett abgeliefert. Ungehobeltes gehört zu einem Live-Konzert, sonst wäre es ja nicht live. Ich habe auf dieser Tour eine Menge Leute dabei gehabt, die zum ersten mal ein Onkelzkonzert gesehen haben und allen ist die Kinnlade runtergefallen. Mein Ami-Freund aus Massachusetts hatte es in Frankfurt schon in Worte gefasst.
„I have tickets to see Green Day next month. I won´t go, fuck Green Day, after seeing the Onkelz, I can´t see another Rock´n Roll Show anymore.That´s it. There is nothing like it.“ Das ist das Dilemma, nach so einer Onkelzshow liegt die Latte hoch, das ist nur schwer bis gar nicht zu überbieten. Achja, Thomas Hess traf Udo Lindenberg im Atlantic Hotel und wieder einmal wurde er eingeladen und wieder sagte er, er würde kommen und wieder einmal kam er nicht. „Dumm gelaufen Udo, Du hast es wieder verbockt und verpasst und wirst es nicht mehr nachholen können. Selbst Schuld.“
Was gab´s noch? Einen handgeschriebenen Brief von Peter Maffay zur Bandauflösung, persönlich adressiert an Stephan Weidner, den Maffay-Managerin Kathy Standley (eine gute Freundin von Stephan und mir) an Bandbetreuer Axel übergab und den Axel dann ganz locker irgendwo liegen ließ, bis es ihm einfiel und er plötzlich kreidebleich wurde. Ach-Du-Scheiße! Ein gefundenes Fressen für e-bay Anbieter. Wer würde dafür nicht ein paar Euros zahlen? Also sah man Axel schweißnass durch die Gegend rennen, fahrig und genervt und dem Kollaps nahe. Der Brief wurde gefunden (im BOSC Bus, auf dem Fußboden unter dem Tisch), übergeben an Axel und von Axel an Stephan und Axel musste sich mal kurz setzen, durchatmen und einen Schnaps runterstürzen. Wir haben sehr gelacht.
Die Show war mehr als furios. Ob das Hamburger Publikum das von Dortmund getoppt hat, kann ich nicht sagen und es ist mir auch egal. Es waren Onkelzfans und Onkelzfans gehen ab, traditionell, schon immer, die können nicht anders, die müssen Vollgas geben und so gab auch Hamburg Vollgas. Von der ersten bis zur letzten Note. Irgendwann holte Stephan Thomas Hess auf die Bühne, stellte ihn dem Publikum als „fünften Onkel“ vor und nahm ihn in den Arm, was sogar dem harten Hess die Tränen in die Augen trieb. Thomas Hess war es auch, der irgendwann drei gepiercte, tätowierte, bestrapste und aufsilikonierte Mädels vom Kiez reinbringen ließ, die zunächst den Fans in den ersten Reihen das Wasser reichten und später bei Mexico im Poncho und mit Sombreros bekleidet auf die Bühne stiegen. Sehr zur Überraschung und auch zur Freude der Band. Halb nackt zappelten die drei dann um Kevin, Gonzo und Stephan herrum. Schade, dass die Jungs von der Security im Graben standen und in die andere Richtung schauen mussten, aber Job ist Job. „So kann ich einfach nicht arbeiten...“ rief mir einer grinsend zu. Und lustig auch, wie eines der Mädels ohne nachzudenken ihren Poncho dem Pe auf´s Schlagzeug warf. Ok, zum Denken waren die ja auch nicht eingeladen worden, gell? Mexico war also der fulminante und energiegeladene Höhepunkt und während der „Stelle zum Tanzen“ flogen auch noch die Bikinioberteile weg und angetan mit Slip, Stifeln, Patronengurten und Pistolen taten die drei Sirenen dann das, was sie am besten konnten, sich bewegen. Nach so einem Ding kann eigentlich nur noch der Absturz kommen. Wir haben zusammen getrunken, getanzt, gefeiert und gelacht, jetzt lasst uns zusammen weinen und Abschied nehmen. Wie Stephan seine Ansage zu „Ihr hättet es wlssen müssen“ dennoch ohne Tränen hinter sich gebracht hat, wird ein Rätsel bleiben. Den ganzen Tag hat ihm schon dieser Stein im Magen glegen. „Die schwerste Ansage meines Lebens“ hatte er mehrfach gesagt. Die Bilder, die ich während dieser Tour sah, werde ich nicht so schnell vergessen. Mir persönlich werden auch ein paar unschöne Dinge in Erinnerung bleiben, aber ich bin mir sicher, dass irgendwann die Zeit den Blick verklären wird und ich alles in einem rosa/gold farbenen Licht betrachten werde. Gott sei gesegnet, dass er es so eingerichtet hat, dass Erinnerungen irgendwann verblassen und nur die wirklich herausragenden Dinge übrig bleiben.

Ich will heute, während meines letzten Tourtagebucheintrags aber noch etwas anderes ausprobieren. Ich habe am Ende des zweiten Dortmund-Gigs eine junge Dame in der ersten Reihe kennengelernt, (siehe Foto 7 bei Dortmund II) Sie heißt Sahar, kommt aus dem Iran, ist in Recklinghausen aufgewachsen, liebt den Pott, studiert Journalismus und ihr Freund, mit dem sie auf dem Konzert war, ist Hard-core Onkelzfans. Auf alle Fälle eine kuriose Mischung, die es unbedingt näher zu beleuchten galt. So habe ich Sahar, ganz im Stile des US-innovativen „embedded journalism“ darum gebeten, doch mal aufzuschreiben, wie sie die Sache wahrgenommen hat. Flugs nach Hamburg eingeladen die beiden und sie ein paar Sätze schreiben lassen. Hier sind ihre Eindrücke:

Es dauert nicht mehr lange bis es endlich losgeht. Allen ist die riesige Anspannung
Anzusehen. Ich muss sagen, ich habe die Organisation einiger Events und Konzerte miterlebt, doch der heutige Abend ist etwas ganz anderes. Es ist nicht nur der gewöhnliche Stress und die Arbeit, die auf allen lastet, was schon genug wäre, hinzu kommen große Emotionen und die Tränen sind nicht zu übersehen. Ich sah Stephan mit verheulten Augen hinter der Bühne und ich muss ehrlich gestehen, mir fehlten einfach die Worte. Es muss ein unheimlich bedrückendes Gefühl sein, wenn man realisiert, dass nach 24 Jahren nun das letzte Konzert ansteht. Ein Gefühl, dass wir nicht nachempfinden können. Auch wenn die Onkelz sich selbst zu diesem Schritt entschieden haben, ist die Entscheidung für sie nicht einfach zu verkraften.
Heute Abend endet in Hamburg die Abschiedstour der Onkelz. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen, es geht los.
Der Empfang ist grandios. Die Onkelz haben gerade angefangen zu singen und die Halle bebt. Von Trauerstimmung kann keine Rede mehr sein. Jetzt wird gefeiert. „Heute sind wir Könige für einen Tag.“
Unzählige Feuerzeuge erleuchten die Color Line Arena.
Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen wie die Fans in der Arena abgegangen sind, dazu muss ich wohl nichts mehr sagen?! Doch eines noch an diejenigen nicht da waren. Ihr habt was verpasst meine Lieben! Eine gute Show, coole Stimmung und einpaar heiße Mädels, die für Überraschungen gesorgt haben. Doch ich bin sicher, dass das Management sich nächstes Jahr (Lausitzring), zum 25 jährigen Jubiläum der Jungs, viel mehr einfallen lassen wird und das dürft Ihr auf keinen Fall verpassen.
Das Konzert nährt sich dem Ende, die Jungs spielen ihre letzten Songs und dann passiert dass worauf die Onkelz in Dortmund schon nicht gefasst waren. Die Fans knieten vor ihnen und wieder waren sie sprachlos. Stephan überraschte die Menge indem er sich auch vor ihnen kniete und hielt danach eine sehr ergreifende Dankensrede. Alle bedanken sich für die Treue ihrer Fans und verlassen mit Tränen in den Augen die Bühne. Ob es die Onkelz oder ihre männlichen Fans waren, hier wurden aus harten Männern weiche Jungs. Das ist ein Moment den man nur schwer in Worte fassen kann, wenn man ihn nicht selbst erlebt hat.
Schon komisch wie die Dinge sich verändern können. Wenn mir jemand vor einem Jahr noch gesagt hätte, dass ich Onkelz hören, ihre Konzerte besuchen, für bzw. über sie schreiben würde, hätte ich für absolut verrückt erklärt. No way! Tja wie sagt man so schön, es kommt alles anders als man denkt. In dem Fall war es gut so.
Ich muss es kurz erklären; die ersten Erfahrungen, die ich mit Onkelzsongs machte waren leider nicht angenehm. Als Ausländerin nimmt man natürlich alles etwas sensibler auf als die meisten von Euch. Einige Menschen, die mich aufgrund meiner Nationalität ablehnen, identifizieren sich mit den Songs der Onkelz. Diese Leute haben leider immer noch nicht KAPIERT, dass Zeiten sich ändern können und Menschen auch. Sie verstehen die Lieder wie sie sie verstehen wollen. Das ist abschreckend und sehr schade aber da sage ich Euch bestimmt nichts Neues?!
Nun was nicht ist kann ja noch werden; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
So genug davon und zudem wie ich zu den Onkelz kam.
Mein Freund ist großer Onkelz Fan und konnte mich überreden mich näher mit den Jungs zu befassen. Ich besorgte sogar Konzertkarten und machte mir meinen eigenen Eindruck. Die Konzerte waren eine sehr positive Erfahrung, die Fans, die ich kennen lernte waren nett und sympathisch. An dieser Stelle, einen schönen Gruß an Michael aus Euskirchen.
Ich bekam die Gelegenheit mit den Bandmitgliedern zu sprechen und hautnah alles mitzuerleben. Die Jungs sind sympathisch und ich denke vor allem bodenständige Menschen geblieben, besonders Stephan, mit dem ich die Gelegenheit hatte, öfter zu reden. Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich möchte mich auch bei den Leuten hinter der Bühne bedanken, die sich rührend um mich gekümmert haben. Bleibt so wie Ihr seid, denn Ihr seid spitze.
Vielen herzlichen Dank an die Onkelz und vor allem viel viel Glück auf dem weiteren Weg.

Herzliche Grüße Sahar.

Ich habe noch ein paar Worte nachzuliefern. Nämlich die Abschlussparty im Café Keese auf der Reeperbahn. „Warum können keine Fans auf die Party?“ bin ich immer wieder gefragt worden. Wie soll das denn gehen, muss ich dann zurückfragen, wie stellt Ihr Euch das vor? Es sind ja Fans auf der Party, nur eben nicht so viele. In erster Linie ist so eine Tourabschlussparty mal eine Crewparty. Von den Onkelz für alle diejenigen organisiert, die sich 6 Wochen lang den Arsch aufgerissen haben, damit alles steht und flutscht und funktioniert und die Konzerte ein Erfolg werden. Security und Trucker, Stagehands und Roadies, Küche, Koch und Spüler, Licht und Ton, Rigging und Technik, Bühne und Projektion, Merchandise und Bandbetreuung, alle die vielen Leute, die man normalerweise nicht sieht, ohne die aber nichts funktionieren würde. Alle die waren am Dienstag abend eingeladen, dazu noch eine Handvoll glücklicher Fans, die einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Die Party selbst, ahja, was soll ich sagen. Ich kam spät und war noch sehr gestresst, brauchte mindestens eine Stunde und zwei Jackie/Cola zum Runterkommen. Kevin und Gonzo glänzten durch Abwesenheit. Kevin wahrscheinlich, weil er zu traurig war und nicht abstürzen wollte und Gonzo? Keine Ahnung, wahrscheinlich war ihm nicht nach Party zu Mute. Pe und Stephan waren auf alle Fälle da und feierten mit der Crew und mit ihren Freunden bis in die frühen Stunden. Der DJ hat zwar zwischenzeitlich genervt, aber im Großen und Ganzen war es schon ziemlich wild. Wunderbar auch die Stripperinnen, die Thomas Hess bis auf seine Shorts auszogen und ihn eincremten. Thomas verzog keine Miene, stoisch, versteinertes Gesicht, Hess halt. Titten in seinem Gesicht, Nippel, die gegen seine Nase dotzten, aber Thomas zuckt nicht einmal mit der Wimper. Cool sehr, sehr. Bis eines von den Mädels ihm dann irgendetwas total Doofes ins Ohr flüsterte und er plötzlich losprustete. Ein großer Spaß. Spätestens seit dem Moment ist Hess mein Held, auch wenn er mich auf dieser Tour fast bis zur Weißglut genervt hat. Gegen 09:00 am nächsten Morgen übergebe ich meinen Audi an Micha von der Filmcrew und steige, zum ersten mal während dieser Tour, in den Bandbus und fahre mit Stephan, seiner Frau, Axel, Kia aus Peru, dem Management und noch ein paar Freunden nach Frankfurt. Müde, stinkend, leer. Ich fühle mich, als wenn man mir ein Körperteil amputiert hätte, was ich gar nicht kannte, aber trotzdem vermissen werde.

 

 

 

Ich wollte noch die Diskographie hier angeben, aber es wird zu groß, lest diese doch auf www.onkelz.de nach!

 

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LIEBE GRÜSSE AN ALLE ONKELZ-FANS!