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ATEM
UND ANSATZ DER MENSCHLICHEN STIMME
Vortrag
von Frau Professor Dagmar Freiwald-Lange in der Musikhochschule
Budapest anlässlich ihres Meisterkurses 1974
Jemand,
der vor Fachleuten ein so heikles und umstrittenes Thema wie
"ATEM UND ANSATZ DER MENSCHLICHEN STIMME" behandeln
will, wird ebenso Kritik wie Zustimmung erwarten - übrigens
fordert das Thema beides heraus. Denn das Thema ist ein Teil für
das Ganze, aber ein - meiner Meinung nach - sehr wichtiges,
vielleicht das Wichtigste überhaupt, wenn man an die
Schulung der menschlichen Stimme denkt. Es ist in der
Stimmerziehnung eigentümlich bekannt, dass ihre Worte und
Begriffe, - mögen sie noch so einfach und eindeutig
erscheinen - durchaus nicht in jedem Pädagogen die gleichen
tonbildnerischen Anschauungen erwecken, vor allem aber nicht die
gleichen organischen Empfindungen und klanglichen Vorstellungen
hervorrufen. Das geistige wie das funktionelle Hören ist
unglaublich verschieden, so werden Worte und Begriffe wie
"Stütze", "Decken", "Resonanz"
und "Register" uneinheitlich gedeutet und ausgelegt.
Jeder versteht unter "Appogio" etwas anderes und fühlt
auch ganz verschiedene Muskelstellungen, erklärt auch das
Stimm- und Klangprodukt anders.
Ich brauche ja nicht zu
wiederholen, dass die Schwierigkeit des Singenlernens - wie
Lehrens - darin besteht, dass der Sänger selbst sich ganz
anders hört als der Hörer, als das Publikum. Ein
Blüthnerflügel bleibt ein Blüthnerflügel, ein
Bechstein ein Bechstein als Instrument und ist ausserhalb von
uns. Lehrer und Schüler können nun ihr Spiel und ihre
Arbeit an diesem fertigen Instrument schulen, -
selbstverständlich erklingt das Instrument unter den Händen
eines Meisters anders als beim Anfänger. Ich könnte
natürlich ebenso ein Streich- oder Blasinstrument zum
Vergleich hernaziehen. Die menschliche Stimme aber wird als
Instrument erst gebaut, erbaut, bekommt Höhe und Tiefe,
Halt, Festigkeit, Volumen Umfang, Durchschlagskraft u.s.w., und
zwar nicht zuletzt durch das Kennenlernen und Beherrschen der
verschiedenen Muskelgruppen. Und ich glaube, dass wir uns bei der
uns zur Verfügung stehenden knappen Zeit vor allem mit zwei
Begriffen beschäftigen sollten, um dieses Gesangsinstrument
auszubauen, nämlich mit der Atem- und Ansatzfrage, zwei
Dingen übrigens, die ganz eng miteinander gekuppelt sind,
und nicht nur den Umfang und das Volumen, sondern auch die
Qualität und die Schönheit der menschlichen Stimme
entscheidend beeinflussen. Ich habe nicht die Absicht, mich in
grossen theoretischen Vorträgen zu ergehen, sondern möchte
so schnell wie meine Anschauungen und Erfahrungen in der
praktischen Arbeit zeigen, denn nur der praktische Erfolg
berechtigt zu Behauptungen.
Lassen Sie mich daher bitte
die wichtigsten Punkte der Sängeratmung klarlegen. Es ist
wirklich erschütternd, festzustellen, dass langjährige
Sänger, die schon in der Praxis stehen, und mit Klagen über
unruhige Tongebung, gepresste Höhe, mangelnde Tiefe,
Registerbrüche und dergleichen mehr, auf Fragen nach den
physiologischen und anatomischen Zusammenhänge des
Atemapparates oft SEHR unsicher und auch völlig falsch
antworten, am wenigsten aber über die Wichtigkeit der
Funktionen des Zwerchfelles wissen - doch darüber später
ausführlicher.
Es ist erwiesen, dass der Sänger
nie eine vollendete Herrschaft über seine Stimme erlangen
kann, solange er seinen Atemapparat falsch oder nur unvollständig
gebraucht. Dazu ist die vereinte Tätigkeit aller
dazugehörigen Muskeln nötig, also nicht nur einer
Gruppe von Muskeln, wie so oft gelehrt wird. Wir brauchen also
die Kosto - Abdominal - Atmung.
Ich setze voraus, dass
Ihnen die Anatomie des Brustkorbes sowie die verschiedenen
Atemtypen bekannt sind, möchte aber zum besseren Verständnis
unserer Arbeit nochmals klarmachen!
Der Brustkorb, in dem
die Lungen liegen, muss als ein geschlossenes, kegelförmiges
Gehäuse betrachtet werden, das mit dem schmaleren Ende
aufwärts gekehrt ist, dessen hintere Wand durch das
Rückgrat, die vordere durch das Brustbein und die seitlichen
Wände durch 12 Paar Rippen gebildet werden. Die Rippen sind
mit beweglichen Gelenken an beiden Seiten des Rückgrats
befestigt, die sieben oberen Rippenpaare ausserdem vorne am
Brustbein. Die 8., 9., und 10. Rippen sind untereinander durch
Knorpelstangen verbunden, während die zwei letzten Paare,
die auch kurze oder falsche Rippen genannt werden, nach vorne zu
frei enden. Die Abstände zwischen den Rippen sind durch zwei
dünne Muskelschichten, die Zwischenrippenmuskeln,
ausgefüllt. Die Brusthöhle wird nach unten vom
Zwerchfell angeschlossen, dieses trennt also Brusthöhle von
der Bauchhöhle.
In dem Brustkorb befinden sich nun
die beiden Lungen, sie füllen den ganzen Brustkorb aus, nur
das Herz hat noch seinen Platz. Die Lungenflügel umgibt eine
dünne Haut, das Brustfell. Die Lungenflügel umgibt eine
dünne Haut, das Brustfell. Dieses Brustfell ist ein sehr
elastischer Beutel, der mit der Aussenwand an den Innenflächen
der Brust und an der Oberfläche des Zwerchfells befestigt
ist und die Lungen luftdicht einschliesst. Nun lagern um den
Brustkorb herum verschiedene Muskelschichten, die wir willkürlich
beeinflussen können und die imstande sind, den Brustkorb zu
erweitern.
Soweit ganz kurz zu den physiologischen
Verhältnissen in unserem Brustraum. Weshalb müssen wir
sie genau kennen? Weil wir, wenn wir BEWUSST singen wollen,
völlig klar kontrollieren lernen müssen, welche
Muskelgruppe in welcher Stimmlage, bei welcher Tonstärke
eingesetzt werden muss. Ich möchte Sie nicht belasten mit
Namen der verschiedenen Halsmuskeln, sonder wir wollen gemeinsam,
wie ich vorhin schon sagte, versuchen, die Grundbegriffe des
Atmens und des Ansatzes, - die beide ganz eng zusammenhängen
- kennenlernen.
Es gibt vier Atemtypen: 1. Schlüsselbein
oder Hochatmung 2. Flanken- oder Rippenatmung (Kostal-Atmung
genannt) 3. Zwerchfell - Bauchatmung (Abdominal-Atmung) 4. Kosto
- Abdominal - Atmung, die ich als die wichtigste erkannt habe.
Weswegen sollte uns die Natur die Atemmuskeln gegeben haben, wenn
wir sie alle nutzen und BEWUSST einsetzen? Einen gesunden
Menschen im Schlaf oder einen Säugling müssen wir
beobachten, wie ALLE Muskeln eigesetzt werden! Die
SCHLÜSSELBEINATMUNG wird wohl von uns allen - allein gesehen
- theoretisch abgelehnt, denn wir erreichen mit ihr bei grösster
Körperanstrengung die geringste Wirkung, da wir mit der
Hebung des Körpers nicht nur belastet werden, sondern wir
verengen auch die Kehltätigkeit.
Die KOSTAL, also
Flanken- oder Rippenatmung, die bei vielen Sängern
verbreitet ist, reisst die Rippen auseinander und zieht den Bauch
ein. Durch die Zwangstellung der eingezwängten Bauchwand
wird das Zwerchfell, welches der eigentliche und wichtigstes
Phonations - Muskel und die Zentrale seines Willensimpulses ist,
zur Untätigkeit verdammt.
Die ABDOMINAL - ATMUNG,
also die Zwerchfell - Bauch -Atmung, konzentriert sich vor allem
auf die Aktivität des Zwerchfells. In der Ruhe ist das
Zwerchfell ein grosser Flachmuskel, der - ich sagte es schon -
als Scheidewand zwischen Brust- und Bauchhöhle liegt. Im
Zustand der Ruhe ist er immer gegen den Brustkorb gewölbt.
In der Tätigkeit zieht er sich - wie jeder Muskel im
Arbeitsprozess - zusammen, dabei flacht sich der obere Teil ab
und senkt sich in den Leib hinein. Wie beeinflussen mit der
Senkung des Zwerchfells auch den Kehlkopf und dessen
Tiefstellung, da Kehlkopf und Zwerchfell eng miteinander
verbunden sind - wir werden davon noch genaues hören.
Jeder der 3 genannten Atmungstypen beeinflusst also einen
Teil des Körpers, resp. die Ausdehnung der Lunge. Wenn wir
aber die Kosto - Abdonial - Atmung, also die vereinte Tätigkeit
aller Atmungsmuskeln anwenden, und in sehr langer Arbeit
trainieren, dann nutzen wir die uns von der Natur gegebenen
Möglichkeiten voll aus, ohne EINZELNE Muskelpartien
ÜBERzubelasten und dadurch die Gefahr der Festigkeit
hervorzurufen.
Der AKT DER EINMATUNG geschieht also so:
wir beeinflussen willkürlich die äusseren
Zwischenrippenmuskeln und die Rippenheber, die durch ihre
Tätigkeit die 7 oberen Rippen heben, zu gleicher Zeit senkt
sich das Zwerchfell und zieht die unteren Rippen abwärts und
nach aussen. Die fächerartige Ausbreitung der Rippen bewirkt
die Vergrösserung der Brusthöhle, es entsteht ein
Vakuum und die Einströmung der Aussenluft beginnt, die Lunge
wird bei der Ausdehnung des Brustkorbes mit ausgedehnt, da sie
den Bewegungen des äusseren Brustkorbes folgen muss. Die
Lunge selbst ist also bei diesem Vorgang der Einatmung ganz
passiv, wir WERDEN "ERATMET".
Was geschieht bei
der AUSATMUNG: das Zwerchfell spannt sie aab und hebt sich dabei,
und die Elastizität der Lungen treibt die Luft wieder heraus
und kehrt in den Ruhestand zurück. Die Elastizität
zwingt sie, sich zusammenzuziehen, dadurch werden die
Lungenbläschen verkleinert, die darin enthaltene Luft wird
herausgedrückt und muss auf dem gleichen Wege, auf dem sie
kam, nämlich durch die Bronchien, die Luftröhre und den
Kehlkopf, Rachen und Nase und Mund entweichen.
Wir fassen
noch einmal zusammen: bei der vereinten Tätigkeit aller
Muskeln wollen wir unseren Körper beeinflussen, die für
das Singen nötige Atemreserve zu nehmen, d.h. wir
beeinflussen die Muskeln, die Lungen selbst sind nicht tätig
beim Akt der Einatmung, wir ziehen also unseren Atem nicht ein,
sondern schaffen nur die Möglichkeit, uns eratmen zu lassen.
Durch ständiges und langes Training muss der Körper
schnell reagieren lernen, um nahtlos die Sängerbereitschaft
in der Körperhaltung herzustellen.
Ich sagte vorhin,
durch die Tiefstellung des Zwerchfells öffnen wir
automatisch die Kehle. Wieso? Es ist so erstaunlich
festzustellen, dass SEHR viele Sänger diesen Zusammenhang
nicht kennen. Es wird zwar stets von der offenen, weiten Kehle,
von tiefgestellter Kehle, als zum Singen dringend notwendig
gesprochen. Man erarbeitet mit Löffeln, um die Kehle tief zu
stellen, man drückt mit dem Finger den Kehlkopf herunter
usw., aber man arbeitet nicht oder zu wenig, vor allem aber nicht
bewusst an der Quelle vieler Übel, nämlich an der
Elastizität des Zwerchfells. Stelle ich bewusst das
Zwerchfell tief, steht die Kehle tief, sie ist "offen".
Die alten Italiener sagten schon: "Gut atmen heisst den
Grund der Kehle öffnen." Ich bitte Sie aber, auch
dieses zu bedenken: "tief einatmen" hört man oft
von Laien. Ja, das ist richtig, wobei tief tief im Körper
ist, bis zu den Leisten herunter, aber nicht tief = viel, wir
müssen lernen, bei einem geöffneten Körper mit
einem Minimum an Luft auszukommen. Das Geheimnis ist nicht die
vollgepumpte Lunge, sondern das lockerste und beweglichste
Zwerchfell, um die Innervierung, also Anregung, zu erreichen,
denn das Zwerchfell ist der wichtigste Phonationsmuskel, das muss
uns bewusst werden. Bei Vollatmung entsteht leicht ein Stauen,
das ist die Singfunktion bei grösserem Aufwand von
Lungenkräften und stärkster Pressung und Fesselung der
Zwerchfellmuskulatur. Wir wollen aber erreichen: ein
MUSKELENTSPANNTES Singen, und dabei sind wir bei einem ganz
wichtigen Punkt: wir müssen, wie gesagt, unsere
Muskelpartien kennen und beherrschen lernen, um uns weiten und
eratmen zu lassen, aber wir dürfen unseren Körper auf
keinen Fall mit Luft vollpumpen, sondern wir müssen
versuchen, mit dem geringsten Quantum an Luft, mit Minimalluft,
auszukommen. Das muss natürlich geübt und trainiert
werden. Denken Sie bitten wie selbstverständlich Sie
sprechen, ohne vorher BEWUSST zu atmen und wie lange Sie sprechen
können. Gute Schauspieler stellen einen grossen Ton, einen
grossen Ausbruch in einen grossen Raum, ohne sich vorher mit Atem
vollzupumpen, aber sie können schlagartig alle Räume
des Körpers öffnen, um dem Ton die die Rundung, die
Wölbung und die Resonanz zu geben.
Begriff des
freudigen Schreckens, des Staunens, dabei öffnet man den
ganzen Körper.
Wir haben also einen Teil der Arbeit
zur Erlangung des ersehnten appoggio - Gefühls gestreift,
die Arbeit an der Bauch- Brust-, Zwerchfellmuskulatur. Welches
ist der zweite, mindestens so wichtige Teil zur Erlangung eines
"appoggiare la voce" ? Die BEWUSSTE Arbeit an der 2.
STÜTZE, nämlich der Kopfstütze. Das einfache
physikalische Gesetz "Raum gibt Kraft" muss uns auch
hier leiten.
Wenn Sie den Versuch und Begriff des schon
erwähnten "freudigen Schreckens" oder "Blume
- Riechens" anwenden, merken Sie, dass nicht nur der Körper
sofort in die oben besprochene weite Stellung geht durch Öffnen
aller Räume, sondern, dass sich zugleich auch die oberen
Schallräume weit auftun. Diese Räume nicht nur
zufällig, sondern bewusst fühlen und finden lernen, ist
unbedingt wichtig. Wie machen wir das, was können wir tun,
das zu erreichen? Wir müssen versuchen, mit einem Minimum an
Luft ein Dehnen und Weiten der ausserordentlich dehnungsfähigen
Schallräume des Schädels zu erreichen, das tun wir vor
allem durch die Erweckung der Partialtöne. Wir erleben dann
einen starken Reflex des Kopfanschlags durch die Weitung des
Sinus-, Keil- und Siebbeines und ein Durchschlagen der Schallwell
von oben nach unten, haben dann damit die Verbindung mit dem
Zwerchfell hergestellt. Die auf- und abwärts gleitende
Schallwelle schlägt an die harten Resonanzräume des
Schädels an. Wir werden erleben, dass ein Arbeiten am
Partialton zugleich ein Erwecken der tiefen Register ist, denn
die Partialtöne stehen in ursächlichem Zusammenhang mit
der Tiefe. Vom elastischen Zwerchfell bis zur zum Schädeldach
sind alle Instrumententeile der menschlichen Stimme im appoggio
bei richtiger Einstellung so hingestellt, so zurechtgerückt,
dass kein Hindernis mehr da ist, um die Resonanzräume
klingen zu lassen, natürlich bei der richtigen Atembalance,,
dem richtigen Verhältnis zwischen Atem und Klang. Ein zuviel
des eingenommenen Atems gibt leicht einen Stau, der uns beengt
und ein Anschlagen der Partialtöne ist unmöglich. Wir
müssen die erste Zeit versuchen, beinahe ohne Atem die
Partialtöne anschlagen zu lassen - wir werden gerade diese
Dinge beim praktischen Arbeiten sehr zu trainieren versuchen.
Allerdings müssen wir uns da vor der Verspannung des
Gaumensegels hüten, um die resonanzmässige Ausnutzung
der über dem Gaumen liegenden Räume und Wände zu
erreichen. Wir dürfen also nicht durch Atemdruck uns die
Räume ZU machen, die wir zum Klingen zu Erreichen der
Obertöne gebrauchen.
Haben wir erst einmal den
Anschlag spielerisch und locker gefunden, ist auch das Problem
der Registerbrüche durch die Ausnutzung dieses Anschlags und
durch das Herunterziehen der Obert ne ber mehrere Oktoven
überwunden und die Erarbeitung des Einregisters kann
erreicht werden. Es besteht dann also nicht mehr die Divergenz
der Register, sondern sie gehen nahtlos ineinander über. Bei
dieser Arbeit geht der Willensimpuls vom Zwerchfell aus. Das
Zwerchfell erweckt durch seine Schleuderkraft den Reflex in den
hochliegenden Muskelgruppen (aber in Gedanken immer von oben nach
unten, nicht umgekehrt).
Die Partialtöne, die in den
obersten Tonskalen schweben und nicht mit Vollfunktion durch den
Körper gezogen sind, lernen wir, wie schon gesagt, bis zur
Tiefe mitzunehmen und gehen dabei in Vollfunktion über.
Auch das "filare la voce", das Tonspinnen ist
ein Ansatzstudium unter ständiger Zwerchfellkontrolle.
(filare la voce = Regenbogen!)
Wenn die Bauchmuskeln
eingezogen und festgestellt sind, und das Zwerchfell nicht ganz
elastisch federn kann, entsteht leicht ein Kehl- oder Halsdruck,
und die fliessende Form des Tonspinnens kann nicht erreicht
werden.
Ein CRESCENDIEREN eines Tones ist nahtlos auch
nur möglich durch schwebendes beinahe atemloses Ansetzen in
den Randschwingungen. Dieser Ansatz fällt dann von der
Kopfstimme in den bereitstehenden Körper und entwickelt sich
zur Vollstimme, aber nur die Bance der Tonsäule und des
Zwerchfells verhilft zur Kopfresonanz.
So wie wir also
zum Atemstudium alle Räume im Brustkorb und Körper
öffnen lernen müssen, um dann nur die nötigsten
Muskeln anzuspannen, so m ssen wir die Kopfstütze mit den
oberen Schallräumen ausnutzen lernen. Sie alle wissen genau,
was für ein grosser, sehr komplizierter Komplex der Aufbau
einer menschlichen Stimme ist, und dass diese beiden Teile, die
wir eben kurz gestreift haben, eine Stufe auf dem schwierigen
Wege sind. Aber ich meine, ein Haus beginnt man mit dem Keller,
dem Fundament, erst sehr viel später kommen die Fenster, das
Dach, die Verzierungen, und für mich ist der Atem das
Fundament. Und wir wollen versuchen etwas an diesem Keller
gemeinsam zu bauen, damit nie Gefahr besteht, dass ein Haus mal
einst rzt im Sturm. Wenn Ihnen die Arbeit in den nächsten
Wochen auch nur etwas hilft, die Grundmauern zu festigen, so ist
der Sinn dieses Seminars erreicht. Ich hoffe, wir haben eine
schöne Zeit miteinander, ich freue mich auf die Arbeit!
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