In vielen Kulturen gibt es den Brauch auf Anhöhen, Gipfeln,
Graten oder an besonderen Stellen in der Landschaft "heilige" oder
"besondere" Plätze zu kennzeichnen. Häufig weisen Kreuze,
Gebetsfahnen, geschmückte Bäume, Steinmandl, Fahnenstangen usw. auf diese Stellen hin.
Die ursprüngliche Bedeutung dieser Symbole ist wahrscheinlich in allen Kulturkreisen
ähnlich.
An diese Stellen begeben sich bewusst noch heute viele Leute um zu
beten, zu danken, innere Ruhe zu finden oder sie kommen einfach zufällig daran vorbei.
Ich glaube es ist unerheblich welcher Religion oder spirituellen Ausrichtung man näher
steht oder aus welchem Land man kommt, man verbindet mit diesen Stellen oft etwas
"Besonderes".
Bei meinen Nachforschungen bin ich auf die unterschiedlichsten
Theorien gestoßen. Wobei ich einige interessante Anregungen aus dem Buch: "Dem
Himmel so nah ... von Paganini, Claudia ehemals Matthis Claudia" entnommen habe.
Erst seit dem 19. und 20. Jahrhundert werden vermehrt Gipfelkreuze aus
den unterschiedlichsten Gründen in den Alpen aufgestellt. Begonnen hatte die Tradition
des Aufstellens von Kreuzen mit der Christianisierung.
Bevor ich die Geschichte der Gipfelkreuze behandele,
gehe ich auf
das Kreuzsymbol an sich ein.
Kreuzsymbole in anderen Kulturen:
Das Kreuz ist mit seinen zahlreichen Varianten in vielen Kulturen
verbreitet. Es wurde nicht, wie viele meinen, erst mit dem Christentum als Symbol
eingeführt, sondern bereits viel früher. Die ersten Kreuzsymbole bestanden aus vier
gleichlangen Armen. Wobei häufig die Arme als Symbole für die vier Himmelsrichtungen,
die vier Jahreszeiten usw. galten.
Die bedeutendsten außerchristlichen Kreuze sind das ägyptische
Henkelkreuz und das Rad- oder Hakenkreuz. Das ägyptische Henkelkreuz (Anch-Zeichen) wurde
als Hieroglyphe oder als Symbol für das "Leben" verwendet.1
Es verkörpert sowohl das irdische Leben als auch das Leben nach dem Totengericht. Erst
bei der Christianisierung haben dann die Kopten das Anch-Zeichen als ihr Lebenszeichen
also als christliches Symbol verwendet.

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ägyptisches Henkelkreuz
Anch-Zeichen
um 1300 v. Chr. |
Radkreuz
(altes vorchristliches Licht- und
Sonnensymbol /
Symbol für den Lebenslauf /
Verbreitung im germanischen und
asiatischen Raum) |
Hieroglyphen auf ägyptischen Stelen,
Statuen usw.
um 1300 v. Chr. |
Im orientalischen Altertum war das Kreuz bzw. ein Kreuz mit
teilweise
rechtwinklig umgebogenen Ecken (sanskr. Swastika) ein Sonnen-, Feuer- und
Unsterblichkeitssymbol (Sonnenrad).
Das Kreuz im Christentum
"Die erste datierte Darstellung eines Kreuzes auf einem
christlichen Denkmal findet sich auf einer Inschrift aus Palmyra von 134 n. Chr."10
Das Kreuz als christliches Symbol fand erst, nachdem Kaiser Konstantin
(272- 337 n Chr.; Amtszeit 306- 337 n. Chr.) das Kreuz im Jahr 312 n. Chr. als
Christusmonogramm zum siegreichen Feldzeichen erhoben hatte, als Symbol für das
Christentum eine weitere Verbreitung.11 Als im
Jahr 327 n. Chr. die Mutter (Helena) des Kaisers Konstantin die Reliquie des Kreuzes
Jesu fand, setzte ein regelrechter Kreuzkult ein.14
Offiziell
wurde dann das Kreuz 431 n. Chr. durch das Konzil von Ephesos als christliches Zeichen
eingeführt.12
Das Kreuz als christliches Symbol löste in den ersten Jahrhunderten n.
Chr. nur sehr zögerlich das ursprüngliche christliche Fischsymbol ab.
Erst im Mittelalter entstanden dann die heute bekannten vielfältigen
Ausgestaltungen des Kreuzsymbols wie z.B. Antonius-Kreuz, Päpstliches Kreuz, Malteser-
oder Johanniter Kreuz usw.. Die zahlreichen Kreuzvariationen standen teilweise für die
unterschiedlichen christlichen Strömungen. Noch in der karolingischen Zeit war die
sogenannte griechische Kreuzform üblich, d. h. die 4 Arme des Kreuzes waren gleich lang.
Im Laufe der Zeit verschob sich der Schnittpunkt nach oben. Dieses lateinische Kreuz ist
bis heute in Europa die am weitesten verbreitete Kreuzform.
Das Kreuzsymbol in der Landschaft
Bereits während des 1. Kreuzzuges errichteten die Kreuzfahrer
hölzerne und eiserne Kreuze entlang des Weges durch die Gebirge Kleinasiens. Diese Kreuze
sollten den Nachkommenden den Weg weisen.
"Auf dem Cisapass in den Pyrenäen, über den einer der Pilgerwege
nach Santiago des Compostela führte, stand ein spätestens 1108 nachgewiesenes Kreuz, das
wegen der angeblichen Errichtung durch Kaiser Karl den Großen "Karlskreuz"
genannt wurde. ...
Auf einer Darstellung der Stadt Klausen (Südtirol) im Schwazer Bergbuch aus dem Jahr 1561
findet sich ein Kreuz auf einem gerodeten Hang nahe dem Gipfel"14
Das erste größere Gipfelkreuz wurde 1799 von den Gebrüdern Klotz auf dem Kleinglockner
aufgestellt.3
1871 wurde wahrscheinlich Deutschlands berühmtestes Gipfelkreuz das
Zugspitzkreuz errichtet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, als die Mystifikation der Berge
allmählich schwand und der touristische Reiz der Bergwelt entdeckt wurde, wurden vermehrt
Gipfelkreuze errichtet.
Deutungsversuche für die Entstehung bzw. Motive für das Aufstellen von
Gipfelkreuzen / Flurkreuzen:
- Ursprung bei den Römern
- Christianisierung / Flurdenkmäler
- Kennzeichnung von Alm- und Gemeindegrenzen
- Kreuze als Hoheitszeichen
- Gedächtnis an überstandene Gefahren
- Wetterkreuze
- Sühne- / Gelübdekreuze
- Sieg über den Gipfel
- Hinweis auf heilige christliche Plätze
- Bergopfer-Gedenkkreuze
- Gefallenen- / Vermissten-Gedenkkreuze
- Dankeskreuze
- "Marketing-Kreuze"
- "Stifterkreuze"
- Sonstige Gründe und aktuelle Beispiele
- Ursprung bei den Römern:
"Den Brauch, den Höchsten Punkt besonders zu markieren, stammt wahrscheinlich
von den Römern. Ihnen waren die Höhen ein Graus. Sie haben auf den höchsten Punkten
ihrer Übergänge den Passheiligen Opfer dargebracht. Das bekannteste Gipfelheiligtum
befand sich auf dem Großen St. Bernhard." 3
Dort wurden Münzen und Goldstücke den Göttern geopfert.
Wahrscheinlich befanden sich auf allen alten Passübergängen ähnliche Opferstellen.
-
Christianisierung / Flurdenkmäler:
Während der Christianisierung wurden erstmals in Stuben, Schlafkammern,
Gebetsräumen und in den Kirchen Kreuze aufgestellt. Diese Kreuze sollten Schutz und
Zuversicht den Besitzen bringen und sie an den "wahren" Glauben erinnern.
Später wurden auch Kreuze und Bildstöcke (Materln / Bezeichnung der Bildstöcke aus Holz
oder Stein in Bayern) an Weggabelungen oder einsamen Pfaden aufgestellt. Diese
Flurdenkmäler wurden bis zum Jahre 1532 sowohl als Sühne für begangene Straftaten, als
auch zur seelischen Erbauung der Vorüberreisenden oder zur Erinnerung an Unglücksfälle
aufgestellt (siehe Sühnekreuze). Erst 1532 wurde das Aufstellen von Sühnekreuzen als
anerkannte Art der Buße offiziell untersagt.8
Danach wurden die Flurdenkmäler vorrangig von den
Angehörigen der Opfer und nicht mehr von den Tätern selber aufgestellt. Die Denkmäler
dienten z.T. im Volksglauben, wie es bereits in vorchristlicher Zeit üblich war, als
"Rastplatz" für die Seele des gewaltsam aus dem Leben Gerissenen. Sie wurden
daher meistens direkt an dem "Todesplatz" errichtet. Noch heute sieht man
häufig an Straßen, an denen Personen verunglückten, privat aufgestellte Kreuze.
Die Motive, die zum Aufstellen von Flurdenkmälern führten, wurden mit der Zeit immer
profaner. So galten bereits im 18. Jahrhundert die Flurdenkmäler als Statussymbol. Jeder
Grundstücksbesitzer / Hofbesitzer, der seinen Reichtum zur Schau stellen wollte,
errichtete an der Hofgrenze oder beim Anstieg zum Hof Bildstöcke. Je größer und
protziger ein Bildstock ausfiel, desto höher war das angebliche Ansehen dieser Person in
der Gesellschaft.
Flurdenkmäler, also auch Kreuzdenkmäler wurden in der Vergangenheit, je nach dem
Aufstellungsmotiv, an den unterschiedlichsten Stellen in der Landschaft aufgestellt:
- markante Punkte in der Landschaft
- Wegkreuzungen
- Passhöhen
- Hofgrenzen
- Anstieg zum Hof
Diese Tradition begünstigte natürlich den Brauch, der ab dem 19. Jahrhundert
entstand, Gipfelkreuze zu errichten.
Wer jetzt aber davon ausgeht, das die einfache Bevölkerung begann Gipfelkreuze zu
errichten, der irrt gewaltig.
Der gewöhnliche Bergbauer (bis Ende des 19. Jahrhunderts) wäre gar nicht auf die Idee
gekommen, Gipfel aus "reiner Lust" zu besteigen. Die Bergbauern kämpften zu
dieser Zeit noch um das tägliche Überleben. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass
Flurdenkmäler den (alleinigen) geistigen Hintergrund für das Aufstellen von
Gipfelkreuzen darstellten.4
Ab dem Ende des 13. Jahrhunderts wurden erstmals in der Literatur Gipfelkreuze erwähnt.
Diese Gipfelkreuze beschränkten sich jedoch in dieser Epoche auf sehr wenige Ausnahmen.
Im Jahr 1492 errichteten die Erstbesteiger des Mont Aiguille (2097 m) in den
französischen Alpen drei Kreuze zu Ehren der Dreifaltigkeit.14

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Wegkruzifix an einem Weg bei dem Höhenzug
(Emmeringer Leite bei Emmering)
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- Wetterkreuze:
Schon immer wurden Unwetter wie Sturm und Gewitter dem Spiel von Dämonen
zugeschrieben. Um die Höfe, das Vieh und Felder vor diesen Dämonen zu schützen ersuchte
man Hilfe durch das Kreuz. So wurden die Kreuze dann, um möglichst nah bei den Unwettern
(Dämonen) zu sein, auf den Gipfeln, von wo die Unwetter kamen, aufgestellt.
Wetterkreuze sind Kreuze mit drei Querbalken.
Warum Wetterkreuze 3 Querbalken haben ist unklar. Vielleicht sollten die zwei weiteren
Querbalken die magische Kraft der Kreuze verstärken. Diese Kreuze stehen meist auf
Anhöhen und tragen keine Christusfigur. Teilweise wurden Tafeln mit Bittsprüchen gegen
Blitz, Donner, Hagel und andere Wetterkatastrophen angebracht.
In einigen Gebieten Österreichs wird Petrus Martyr am
29. April gedacht. Petrus gilt als Schutzpatron gegen Unwettern. "An diesem Tag
werden mancherorts kleine Bündel von Weidenruten in der Kirche gesegnet, aus denen man
Kreuze mit drei Querbalken anfertigt. Diese werden dann von den Bauern an die Ackerraine
gesteckt, um auf ihren Fluren den Schutz des Wetterpatrons zu erhalten. ... An den
Wetterkreuzen werden auch, solange Getreide auf den Halmen steht, gemeinsame
Wetterandachten abgehalten."5
- Sühne- und Gelübdekreuze
"In machen Landschaften wie Thüringen und Hessen mussten Kreuze als Sühnezeichen
für begangene Straftaten gesetzt werden. Auch dienten sie zur Erfüllung
eines Gelübdes, zur Erinnerung an ein denkwürdiges Geschehen."4
- Marterl
An Stellen, an denen sich Unglücke ereigneten, stellte man früher so genannte
Marterln auf. Eine Marterl kann in Kreuzform, in Säulenform oder als Tafel errichtet
werden. Diese Marterln fordern einen häufig auf inne zu halten und ein Gebet für einen
Verstorbenen zu sprechen.
- Sieg über den Gipfel
Im 19. Jahrhundert demonstrierte man mit dem Aufstellen eines Kreuzes
den Sieg über einen Berg.
Man zeigt teilweise damit einen "moralischen" Besitzanspruch auf den Gipfel an.
- Hinweis auf heilige christliche Plätze
An Stellen, an denen in der Vergangenheit Kirchen oder Kapellen standen,
kann man hin und wieder Kreuze entdecken. Gerade im 17./18. Jahrhundert wurden Kreuze zur
Erinnerung an verfallene Klöster, Grabkapellen und Gotteshäuser errichtet.4

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Kreuz auf einem Hügel mitten im Wald.
An dieser Stelle stand früher eine Kapelle. (Ludwigshöhe bei Emmering)
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- Bergopfer-Gedenkkreuze
Kreuze wurden und werden noch heute für verunglückte
Bergkameraden aufgestellt. Heutzutage findet man diese Kreuze häufig an Bergflanken oder
an Wanderwegen. Seltener werden diese Art von Kreuzen direkt auf einem Gipfel aufgestellt.

Bergopfer-Gedenkkreuz an einer Flanke
des Ursprungsattels
(Nördlinger Hütte / Österreich) |
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Bergopfer-Gedenkkreuz beim
Hirschberg (Kreuth)
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- Gefallenen- / Vermissten-Gedenkkreuze
Gipfelkreuze wurden auch zur Erinnerung an gefallene Kameraden bzw. Erinnerung an die
Opfer der beiden Weltkriege errichtet. Diese Kreuze wurden jeweils vermehrt nach einem
Krieg aufgestellt. Einige Erinnerungstafeln wurden nach einem weiteren Krieg um die
zusätzlichen Jahreszahlen ergänzt oder sie wurden komplett ausgetauscht. Bisher konnte
ich kein derzeit noch stehendes Gipfelkreuz entdecken, bei dem ausschließlich für die
Opfer eines bestimmten Weltkrieges gedacht wird. Besonders viele Gipfelkreuze wurden nach
dem 2. Weltkrieg aufgestellt.

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Gipfelkruzifix Hinteres Hörnle /
Bad Kohlgrub
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Inschrift:
14 - 18
39 - 45
(Jahreszahlen ggf. nachträglich eingefügt)
Von dieser stille Bergeshöh
grüßen wir unsere Helden
es möge ihr Geist und Opfermut im
Volk niemals verwelken
Errichtet vom Geb Trach ? Erb Verein
Edelweiß
Bad Kohlgrub
1934 (ggf. 1984, ich kann es nicht genau
entziffern) |
=>
Fotodokumente über weitere Gefallenen- / Vermissten-Gedenkkreuze
- Dankeskreuze
Gipfelkreuze werden auch anlässlich einer bestandenen Prüfung oder einer Genesung
nach langer Krankheit errichtet. Auf einem "unbenannten" Gipfelgrat über
Fischhausen-Neuhaus wurde z.B. ein Gipfelkreuz zum Dank über eine bestandene
Abiturprüfung aufgestellt.
- "Marketing-Kreuze"
Einige Gemeinden haben Gipfelkreuze lediglich aus rein profanen Gründen errichtet. Nach
dem Motto: "Ein Tourist, der nicht am Gipfel sein obligatorisches Gipfelfoto mit
Gipfelkreuz knipsen kann, ist ein enttäuschter Tourist und ein enttäuschter Tourist ist
schlecht fürs Geschäft. Ein Gipfelkreuz gehört halt zu einem richtigem Gipfel."
Normalerweise sagt man immer nur den Japanern nach, dass das obligatorische Gruppenfoto
vor der jeweiligen Sehenswürdigkeit zu einer gelungenen Reise gehört. Viele
Bergtouristen können sich in dieser Hinsicht durchaus mit den Japaner messen.
- "Stifterkreuze"
Im Mittelalter war es üblich, dass reiche Adlige sich auf sogenannten Stifterbildern, die
sie den Kirchen und Klöstern schenkten, bildlich verewigen ließen. Auch an einigen
Gipfelkreuzen kann man heute die Namen der "Stifter" bzw. "Errichter"
erkennen. Der Mensch hat immer wieder das Bedürfnis sich ein eigenes Denkmal zu setzten
oder der ganzen Welt mitzuteilen, wie "großzügig" er sei. Nach dem weit
verbreiteten Motto: "Tue Gutes und sprich darüber!"
- Sonstige Gründe und aktuelle Beispiele
- Eine nette Dokumentation über das Aufstellen eines
Gipfelkreuzes fand ich auf der Homepage www.madau.com.
"Irgendwann im Juli 1997 saßen einige Leute am Stammtisch in Madau und sprachen
über den Großstein. Irgend jemand sagte zu mir, den Stock auf dem Gipfel hätte mein
Vater Edgar Frey aufgestellt. Darauf hin versprach ich: "Wenn der Vater einen Stock
auf dem Gipfel aufgestellt hat, dann stell' ich ein Kreuz auf." Es saßen auch Gäste
aus Bremen mit am Tisch und diese erklärten sich bereit, die Materialien zu besorgen und
das Kreuz zu bauen. Gesagt - getan: Im Laufe des Winters 1997-1998 bauten Wilfried Kopmann
und Manfred Nienaber in Klosterseelte auf 28 m Seehöhe in vielen Arbeitsstunden bei viel
Schweiß dieses hoffentlich lang währende Kreuz. Zum ersten Mal wurde es in Klosterseelte
probeweise aufgestellt. Danach ging das Kreuz mittels einer Spedition bis nach Bach im
Lechtal. Von dort erreichte es am 20.06.1998 Madau, wo es abermals aufstellt wurde. Nach
eingehender Besichtigung vieler Fachleute und einheimischer Gutheißung wurde am
25.06.1998 von mir der Fuß, von Manfred Nienaber und Hannes Emmler das Seil bzw. die
Gipfelbuchkassette auf den Berggipfel hochgetragen und am 05.07.1998 dann die endgültig
restlichen Teile des Kreuzes."7
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Klaus Frey
- Ein Bergretter schrieb zum Beispiel in einem Forum: " ... Oft ist es so, dass bei
uns in Tirol Kreuze als Dank oder als Erinnerung aufgestellt werden. Ich habe z.B. im
September ein Kreuzl aufgestellt - als Dank, dass ich eigentlich immer wieder von meinen
vielen Touren gesund nach Hause gekommen bin. ..."6
- In der Mitgliederzeitung "Panorama 2/2005" des DAV
wurde mitgeteilt, dass am 24.10.2004 ein Gipfelkreuz auf der Hinteren
Steinkarspitze (Lechtaler Alpen, Leigfeistgruppe) feierlich von den Allgäuer Bergsteigern
Hans Maurus, Martin Sirch, Hubert Mayer und Christian Lieb eingeweiht wurde. Das Kreuz
wurde der Hl. Crescentia von Kaufbeuren gewidmet.
- => Fotodokumentation
weiterer Kreuze in der Landschaft
Fazit:
Die Anlässe zum Aufstellen von Gipfelkreuzen sind derart mannigfaltig,
so dass man gar nicht mehr von "dem Gipfelkreuz" sprechen kann. Für den einen
ist es zum reinen Marketinginstrument verkommen, um Touristen anzulocken, für den anderen
hat es eine tiefe spirituelle Bedeutung. Das Gipfelkreuz ist also mehr als ein bloßes
christliches Symbol. Letztendlich bleibt es jedem selber überlassen, was man mit diesem
Symbol verbinden möchte.
In der letzten Zeit werden immer weniger neue Gipfelkreuze in Bayern und Österreich
erreichtet. Lediglich beschädigte Gipfelkreuze werden noch ersetzt. Der Grund mag in der
strengeren Genehmigungspraxis beim Aufstellen neuer "Bauwerke" in den Alpen
liegen oder auch, dass auf den meisten Bergen bereits Kreuze erreichtet wurden. Die
Ursprünglichkeit der Natur bzw. was davon noch übrig geblieben ist, bleibt somit
erhalten.
Jeder, der weitere Fragen zu dieser Thematik hat, kann sich gerne
jederzeit an mich wenden. Ich freue mich über jede Mitteilung.
Anybody who whishes further information can contact me. I am looking
forward to your message.
Sonstiges zum Thema Gipfelkreuz
Warum gibt es Gipfelkreuze überwiegend in den
Alpen und in anderen Ländern fast gar nicht?
Der deutsche Maler Casper David Friedrich war einer der ersten Maler,
der Gipfelkreuze als Motive für seine Bilder wählte. Ein bekanntes Gipfelkreuz-Bild von
C. D. Friedrich entstand 1808/09 in Dresden "Kreuz im Gebirge". "In
abertausenden von Reproduktionen gehörten seine Kreuzlandschaften bald zum lebendigen
Erbe der deutschen Romantik."4
Gerade diese Begebenheit beeinflusste zu einem nicht unerheblichen Teil
den Brauch, Gipfelkreuze im deutschsprachigen Raum zu errichten.
Bei den Schweizern, Deutschen und Österreicher gibt es
überdurchschnittlich viele Menschen, die als Freizeitbeschäftigung das Wandern bzw. das
Bergwandern ausüben. In den übrigen Ländern ist dagegen dieses Hobby nicht so populär.
Fremdenführer in aller Welt bestätigen einem immer wieder, dass geführte Wandertouren
überwiegend von deutschsprachigen Touristen nachgefragt werden.
In Afrika meiden sogar die Einheimischen die Gipfel der Berge. Auf den
Berggipfeln ist nach ihrer Weltanschauung der Sitz der Götter und Geister und diese
heiligen Plätze hat man nicht durch das Betreten zu entweihen.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Einstellungen, der vorherrschenden
christlichen Religion im Alpenraum und den im vorherigen Kapitel aufgeführten Traditionen
Kreuze in der Landschaft zu errichten, ist es nicht verwunderlich, dass im
deutschsprachigen Raum vermehrt die Gipfel mit Kreuzen gekennzeichnet wurden bzw. werden.
Werden Gipfelkreuze häufig nach einer bestimmten Himmelsrichtung
ausgerichtet?
Eine strikte Ausrichtung von Gipfelkreuzen nach den Himmelsrichtungen
kann man nicht feststellen. Untermauert wird diese Feststellung auch noch durch die
unterschiedlichsten Motive für eine Gipfelkreuzaufstellung. Es wäre sehr
unwahrscheinlich, dass alle diese Gipfelkreuze nach einem bestimmten Muster aufgestellt
werden. Häufig werden die Gipfelkreuze so ausgerichtet, so dass man sie vom jeweiligen
Talort sehr gut erkennen kann.2 Ebenfalls kann man
teilweise beobachten, dass die Ausrichtung des Gipfelkreuzes sich irgendwie nach der
Bergform richtet. Das Kreuz soll sich harmonisch in die Landschaft einfügen.2
Gibt es bestimmte Vorgaben nach denen die Gipfelkreuze
erreichtet werden?
Bestimmte Vorgaben, nach denen Gipfelkreuze errichtet
werden, gibt es nicht. Ebenfalls gibt es keine Vorgabe bezüglich des
Materials oder der Form. Generell wird nur Wert darauf gelegt, dass man
eine Kreuzform erkennen kann. Neuerdings muss zusätzlich darauf geachtet
werden, dass die Standfestigkeit eines Kreuzes ausreichend ist. Der
Errichter eines Kreuzes ist für die Standsicherheit verantwortlich. Er
hat ein "Bauwerk" bzw. eine Gefahrenstelle an einer öffentlich
zugänglichen Stelle eingerichtet und daher haftet er für möglich
Unfälle. Anders sieht es aus, wenn der Errichter nicht bekannt oder nicht
mehr am Leben ist, in diesem Fällen haftet die Gemeinde, die diesen
"Schwarzbau" toleriert hat. Aber auch hierüber streiten sich
die Rechtsgelehrten.
Viele Gipfelkreuze wurden in der Vergangenheit auch durch Blitze oder
andere Naturgewalten zerstört. Infolgedessen war es wichtig einen
funktionsfähigen Blitzableiter anzubringen.
Auch ist es seit vielen Jahren nicht mehr möglich einfach auf noch
"gipfelkreuzlosen" Bergen Kreuze zu erreichten. Die Gemeinden
müssen häufig vorher eine sogenannte "Bauerlaubnis" erteilen.
In gewisser Hinsicht hat diese Bürokratie auch einen Sinn, denn ansonsten
würden an allen möglichen Stellen in der Landschaft, ob passend oder
nicht, Kreuze oder sonstige Zeichen, Symbole usw. errichtet werden.
Warum befinden sich auf einzelnen
Gipfeln Kreuze und auf andern wiederum nicht?
Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach. Es gab
einfach keinen Grund (Gründe siehe oben) auf allen möglichen Gipfeln
Kreuze zu erreichten.
Gibt es bestimmte Stellen am Berg,
an denen die Kreuze erreichtet werden?
Wie schon der Name "Gipfelkreuz" besagt, werden Kreuze häufig
an der höchsten Stelle des Berges, also dem Gipfel errichtet. Es gibt
aber unzählige Ausnahmen, bei denen man von dieser Regel abgewichen ist.
Sofern der Berg in Sichtweite einer Ortschaft war, legte man Wert darauf,
dass das Kreuz vom Ort bzw. vom Tal aus zu sehen war. In diesen Fällen
wurde das Kreuz einfach nicht an dem höchsten Punkt aufgestellt. In der
Regel versuchte man aber möglichst nahe des höchsten Punktes des Berges
das Gipfelkreuz zu errichten.
Wer waren die ersten Bergsteiger?
Lange Zeit wurden die Bergpässe ausschließlich von:
- Kriegsheeren
- Kaufmannszügen
- Pilgern
- Kaisern, Königen, Päpste
- Hirten, die ihr verirrtes Vieh suchten
überquert.
Vereinzelte alpinistische Pioniere waren Petrarca 1336 und Leonado da
Vinci 1511.9 Eine Erkundung aus reiner Neugierde fand
erst im 18. Jahrhundert statt. Der erste Alpenclub wurde 1857 in London gegründet.
Kritische Stimmen
Das Aufstellen von Gipfelkreuzen wird nicht von allen
"Zeitgenossen" mit Wohlwollen betrachtet. So schrieb Eugen Guido Lammer in einem
Aufsatz 1928 unter dem Originaltitel "Naturfreunde und Naturschutz":
"... Was hat das Kreuz in der Gebirgsöde zu sagen? Dieses Denkmal
des scheußlichsten Justizmordes aller Zeiten! Lasset doch die Sprache der Elemente rein
erklingen, lasset die Natur unverfälscht zu eurer Seele sprechen! ... Soll es
Gottesdienst sein, diese gottatmende Einöde, diese uralte reine Gottnatur zu verfälschen
mit aufdringlicher , keim menschlicher Sentimentalität? Wollt ihr auf den Bergen beten, so
betet nicht zu euren süß-kitschigen Bildern, sondern verehrt eure Gottheit in der
furchtbaren Erhabenheit der Naturelemente!
Ist es mit Kriegerdenkmälern auf Bergeshöhe besser? ... Auch andere Menschendenkmale
haben nichts in der Wildnis zu tun. Zum Beispiel Gedenktafeln für Verunglückte: Im
Herzen der Nahestehenden mag das Andenken der Armen fortleben, aber in der großen Natur
da verweh sein kleiner Name wie sein kleines Leben."15
Eugen Guido Lammer (1863 - 1945) war ein niederösterreichischer
Bergsteiger, Gymnasiallehrer und Schriftsteller. Schon damals warnte er vor der
Verschandelung der Berge. Er ließ es sich nicht nehmen immer wieder seine Mitmenschen zu
ermahnen der Natur mit Erfurcht zu begegnen. Genützt haben aber sein Ermahnungen wenig.
Die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, ist inzwischen zu einem betonierten
Rummelplatz verkommen. Jeder, der diesen Berg einmal bestiegen hat, wird am Gipfel
regelrecht von Menschenmassen erdrückt. In diesen Momenten wünscht man sich, dass die
Menschheit etwas weniger auf Profit ausgerichtet ist und sich der Natur etwas mehr
unterordnen würde. Lammer beendet seinen Aufsatz mit den Worten:
"In diesem Geist also und nicht aus volksfeindlichem Hochmut rufe ich allen
Sinnesgleichen, also alle wahren Naturfreunde, dazu auf, die Berge von unwürdigem
Menschenwerk rein zu halten oder wieder zu reinigen, damit wir dieses hehre Naturdenkmal
für uns alle und für unsere Kinder und Enkel unversehrt retten."15
Postings im Internet zur Thematik
Gipfelkreuz
" ... One thing I love is that many of their mountain summits, (large
and small), have a cross at or very close to the summit. Some very big,
some small. I love them. They give me a target to go for that I can
sometimes see from my starting point. They give me a focal point if/when I
reach the summit. And somewhere to say a very short prayer of thanks that
I have made it to the top, (one of the reassons the Germans put them there).
..."
(Nickname: tlspiegel / https://answers.google.com/answers/browse?catid=1900)
"... I usually say a short prayer when I am lucky enough to reach
one. Others just touch the cross. We all have our little rituals I guess.
But whatever the ritual, they are a wonderful target to aim at for a days
mountain hiking. ..."
(Nickname: tlspiegel / https://answers.google.com/answers/browse?catid=1900)
"... Wenn ich länger darüber nachdenke, komm ich zu dem Schluss,
dass es mit dem christlichen Symbol allein nicht getan ist. Ich war in
Griechenland auf Bergen und auch in Spanien - beide Länder wird man
sicher als christlich einschätzen können, aber auf den Bergen, auf denen
ich war, gab es keine Gipfelkreuze. Meist hat ein Steinmann den höchsten
Punkt angezeigt. ...
Nickname: tonion / http://www.gipfeltreffen.at/archive/index.php/f-33.html
"... Besonders kurios wird´s, wenn Gipfelkreuze ohne Gipfel
installiert werden, wie zB am Peilstein, wo das Kreuz, wenn schon, dann
eigentlich irgendwo im Wald, oder am Dach des P´hauses aufgestellt werden
müsste, wenn man schon den höchsten Punkt des Berges schmücken will.
Ohne jemanden in seinen Gefühlen kränken zu wollen: für mich sind die
meisten dieser klobigen Protzkreuze eine Verschandelung, es gibt aber auch
positive Gegenbeispiele von bescheiden gestalteten (Holz-)Kreuzen die eine
gewisse Demut vor der Natur und wenn man so will Schöpfung ausstrahlen
und für mich dadurch dem Geist des Bergsteigens sehr schön entsprechen.
..."
Nickname: freeze / http://www.gipfeltreffen.at/archive/index.php/f-33.html
"... Das Kreuz ist ein christliches Symbol und da wir in einer vom
Christentum geprägten Gesellschaft leben, stehen bei uns deswegen auch
Kreuze dort oben und keine Buddhastatuen oder Mohammed Bilder. Im Himalaya
z.B. stehen auf sehr vielen Gipfeln Gebetsfahnen. Dort ists also mehr oder
weniger genauso wie bei uns, nur das Symbol ist ein anderes. ..."
Nickname: deconstruct / http://www.gipfeltreffen.at/archive/index.php/f-33.html
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diskutieren, dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Ich freue mich über
alle Mitteilungen.
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English isn´t so perfect.
Ihr
Tom
(c) Tom
Quellennachweis:
- Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden, Bertelsmann Lexikon
Verlag GmbH Gütersloh 1995
- www.lexikon-definintion.de
- Dem Himmel so nah...; Claudia Matthis, Berenkamp-Verlag, Innsbruck 2002 / 18,50 Euro /
neuerdings wird Claudia Matthis unter Claudia Paganini geführt.
(Über die Bibliothek des Deutschen Alpenvereins kann man dieses Buch ausleihen,
Buchnummer: 0001/2003 A 496)
- 1 Brockhaus-Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, F. A. Brockhaus
Mannheim
- 2 Magazin: Alpin 2/2004, Rubrik: Olaf klärt das schon ...
- 3 Magazin: Alpin 4/2002, Rubrik Olaf klärt das schon ...
- 4 Buch über die Entstehung der Kreuze (Titel muss noch eruiert
werden)
- 5 www.miesenbach-birkfeld.steiermark.at/bildung/wetterkreuz.html
- 6 http://www.gipfeltreffen.at
- 7 http://www.madau.com/html/hausberg.html
/ Klaus Frey, Madau
- 8 Das Kreuz: Symbol - Gestalt - Bedeutung; Wilhelm Ziehr; Stuttgart; Zürich
- 9 Vom Materl bis zum Gipfelkreuz - Flurdenkmale in Oberbayern; Paul Werner,
Richilde Werner; Berchtesgaden: Verlag: Plenk 1991
- 10 www.kirchenweb.at
- 11 Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden
- 12 www.lexikon-definition.de
- 13 www.press.tirol.at (Bericht
vom Juli 2004)
- 14 Zur Geschichte des
Gipfelkreuzes, Dr. Peter Danner, Vereinszeitung des ÖAV, Alpernverein 2/00
- 15 Eugen Guido Lammer: Durst nach Todesgefahr / hrsg. von Reinhold
Messner und Horst Höfler. - Augsburg: Steiger, 1999
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