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Literatur

Elmedin und der Zaubertukan

von Bernadette Grohmann-Németh


128 Seiten
©April 2013 by Bernadette Grohmann-Németh
Dortmund-Verlag.de
www.dortmund-verlag.de
ISBN 978-3-943262-58-2



"Erbsenbrei, ich zähl' bis drei, Feuervogel, Herrmannskogel ..." krächzt jenes seltsame Wesen. Es sitzt auf der Fensterbank des Kinderkrankenhauses "Kinderspital Süd", schwingt seinen Zauberstab und wird in seiner Tätigkeit jäh unterbrochen, als etwas von außen gegen die Fensterscheibe knallt. Das nur eine Handbreit große, orangefarbene Zottelwesen öffnet neugierig das Fenster, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Ein Vogel ist gegen die Scheibe geflogen. Aber nicht irgendein Vogel, sondern ein Exemplar, wie es Elmedin noch nie gesehen hat: Ziemlich bunt und mit einem riesigen Schnabel. Etwas benommen öffnet der seltsame Vogel die Augen und begreift im ersten Moment nicht, wie ihm geschehen ist und wo er sich befindet. Erst langsam kehren jene Ereignisse in Ricos Bewusstsein zurück, die zu seiner Flucht geführt haben ...

Elmedin stellt sich dem verdutzten Tukan als ein "Ideengeist" vor. Für die meisten Menschen wäre er unsichtbar, jedenfalls was Erwachsene betrifft. Nur kleine Menschen, "auch Kinder genannt", können ihn sehen. Viel Arbeit hätte er in diesem Krankenhaus, da er den Kindern Ideen schenken würde, was gar nicht so einfach wäre. Doch er macht es gerne, denn letztlich hat er den Kindern viel zu verdanken ...

Lena hat Bauchschmerzen. Zum Arzt ist sie noch nie gerne gegangen, doch jetzt scheint es sogar noch schlimmer zu kommen: Sie muss ins Krankenhaus. Dr. Bitterlich tippt auf den Blinddarm und stellt sicherheitshalber eine Überweisung aus. Lena soll sich mit ihrer Mutter sofort in der Ambulanz des Kinderspitals Süd melden. Lena ist nicht begeistert, doch sie ahnt nicht, dass sich ihr Krankenhausaufenthalt unterhaltsamer gestalten wird, als sie zunächst vermutet ...

Kinderbücher sind oft etwas Besonderes. Sie sind eine Bereicherung nicht nur für junge Leser/innen, sondern auch und insbesondere für den Rezensenten, der somit einfach mal wieder auf andere Gedanken kommt. Und wenn man die Autorin kennt, ergeben sich zudem interessante Perspektiven, denn Bernadette Grohmann-Németh konnte bereits vor drei Jahren mit ihrer Kurzgeschichtensammlung "Der zweite Blick" überzeugen. Damals war es die schwer verunglückte "Perdita", die in einem Krankenhaus in Costa Rica Geschichten aufschrieb, und heute haben wir es wiederum mit einer "Hauptperson" aus Costa Rica zu tun - mit Rico, einem Tukan.

Ihre Wandlungsfähigkeit unterstreicht die Autorin in "Elmedin und der Zaubertukan", indem sie diesmal ein reines Kinderbuch vorstellt. Primär richtet es sich an kranke Kinder, denen sie ganz gezielt die Angst vor dem Krankenhaus nehmen möchte. Als Ärztin weiß sie, wovon sie schreibt und genau jene Kompetenz zaubert in Verbindung mit ihrem Ideenreichtum, wie in meiner letzten Rezension schon näher ausgeführt, ein zauberhaftes Werk für Kinder und all jene, die sich ein Stück ihrer kindlichen Phantasie bewahrt haben.

Auch für Medizinstudenten ist das Buch eine Überlegung wert, denn es zeigt auf wunderbare Weise die andere Seite der Schul- und Apparatemedizin. Die Ängste, insbesondere die der kleinen Patienten, werden thematisiert und somit können der künftigen Ärzteschaft Impulse vermittelt werden, wie die vielen notwendigen Übel vielleicht mit etwas mehr Verständnis und Menschlichkeit vermittelt und umgesetzt werden könnten. 

So spart Bernadette Grohmann-Németh so ganz nebenbei nicht mit Kritik an Kollegen, die sich nicht die Zeit für einen etwas persönlicher gestalteten Umgang, insbesondere mit jungen Patienten, nehmen (und aufgrund des vorhandenen Zeitdrucks meist auch gar nicht können). Doch schon mit einem relativ geringen Aufwand ließe sich das Herz der Kleinen gewinnen und die traumatische Erfahrung Krankenhaus, und die damit verbundene Trennung von Eltern und häuslichem Bereich, in ein völlig anderes Licht rücken. Wenn dieses hinreißende Kinderbuch den einen oder anderen Beitrag dazu leisten könnte, wäre viel erreicht.

 

Thomas Lawall - Juli 2013

 

 

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