Live

TRIO CANTRAIANO "Sonnengesänge"         
Kugelkirche Marburg 03. Oktober 2007


Am Anfang sind die Ideen. Und genau mit diesen ist das TRIO CANTRAIANO wahrhaft gesegnet. Dies bewiesen in der Vergangenheit Programme wie „Bouquet de Chansons“ - Französische Musik des Impressionismus, "So wie der Rauch des Fujiyama... " - Haiku Vertonungen des 20. und 21. Jahrhunderts, „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche...“ - Vertonte Liebeslyrik, „Die Landlust“ oder „Musikalische Gemütsergötzungen der Barockzeit“ - Italienische und deutsche Lieder und Kantaten und "Spanische Stunde – La hora espanola“.

Mit “So wie der Rauch des Fujiyama” (2002) und “Es war die Nachtigall und nicht die Lerche” (2004) wurden bereits zwei  "Konzept-Alben" veröffentlicht ...

... doch bereits zur Jahrtausendwende ist die Idee für die "Sonnengesänge" entstanden. Tatsächlich sollte es dann aber sieben Jahre dauern, bis dieser zarte Keimling erstarken sollte. Die stets thematisch ausgerichteten Konzertprojekte fixierten sich nunmehr auf ein zentrales Thema - die Sonne. Als Mittelpunkt unseres bescheidenen Planetensystems ermöglicht sie uns nicht nur unsere Existenz, sondern beschäftigt unser Denken in allen Zeiten und ohne Unterlass. Ein unscheinbarer Stern, der gemeinsam mit 200 Milliarden "Kollegen" unsere Milchstraße, welche sich wiederum in Milliarden anderer Galaxien verliert, mit Licht durchflutet und für eine gigantische, letztlich aber unbedeutende Zeitspanne, die Vorraussetzungen für unser Leben spendet.

Am Anfang war also die Idee, und nicht wenige zeitgenössische Komponisten ließen sich genau für diese begeistern! Thomas Buchholz, Jörg Duda, Albert Kaul, Frank Michael, Thomas Daniel Schlee, Bernhard Schneyer, Walter Steffens und Michael Töpel nahmen die Herausforderung an. Acht Komponisten aus Deutschland und Österreich, welche in der Vielschichtigkeit ihrer musikalischen Ausdrucksweisen unterschiedlicher nicht sein können, verlieren sich aber keineswegs in pragmatischem Gleichklang. Allein in der Auswahl der Dichtungen bewiesen sie eine ungeheuerliche Bandbreite und Vielfalt ... die wiederum dem Emsemble wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint!

Die Texte (s.u.: Programm Marburg) umfassen den für unsere Zeitbegriffe gigantischen Bereich von 1372 v.Chr. bis in die Gegenwart! Also in etwa 3400 Jahre. Die gegebene Thematik sprengt somit in jeder Hinsicht den Rahmen. Doch eines scheint Komponisten, Dichter und Emsemble gleichermaßen zu faszinieren wie zu einen, nämlich die symbolische Kraft der Sonne. Und so stimmt man, trotz aller Gegensätze, in der aktuellen Konzeption des Ensembles überein, welche treffender nicht formuliert werden konnte:

"Verherrlichung des Göttlichen in Hymnen und Gedichten seit pharaonischer Zeit"

Musikalisch begibt man sich auf zeitgenössische Pfade sowie ganz neue Wege. Nun ist das mit dieser sog. "Neuen Musik" so eine Sache. Was ist das überhaupt, denn diese gibt es ja schon eine ganze Weile ... ! Folglich war sie vor zehn Jahren bereits "neu". Doch wie sieht es morgen und in der weiteren Zukunft aus? Heißt sie dann vielleicht "Ganz neue Musik"? Der Begriff stolpert leicht über sich selbst, denn schalte ich beispielsweise das Radio ein, höre ich permanent "zeitgenössische" Kompositionen ... und zwar die Charts rauf und runter! Alles neu! Neue Musik braucht also dringend eine neue Definition ...

Wie dem auch sei. "Anstrengend" war sie gestern wie heute, und sie wird es auch morgen sein. Sie geht andere Wege und verlangt vom Hörer ein Höchstmaß an Aufnahmebereitschaft, Flexibilität und Aufgeschlossenheit.
Ich habe Leute in der vollbesetzten Kugelkirche gesehen, die nach der ersten Pause verschwunden waren. Diese haben sich wohl in ihrer eigenen Erwartungshaltung irgendwie verlaufen! Macht ja nichts, denn viel zu viel wird ja sowieso versäumt. Und diejenigen, die den weiteren Verlauf verpasst haben, wissen ohnehin nicht, was ihnen entgangen ist.

Mir bleibt nur, mich zu beschränken. Und zwar in der Aussage, dass mich zwar weniger diese nicht unbedingt sofort zugängliche "Neue Musik" zu Begeisterungsstürmen bewegen kann, als vielmehr die Art und Weise der Interpretation! "Herzblut" mag eine Floskel sein. Vielleicht, aber mit jeder einzelnen Note ist und war es mit allen Sinnen zu erfahren, dass dieses TRIO CANTRAIANO keine Nebensächlichkeiten zum Vortrage bringt!


 Sopranistin Brigitte Krey, Pianist u. Komponist Albert Kaul, Flötistin Ele Grau,
 

Wer die Uraufführungen verpasst hat, kann sich auf die (geplante) dritte CD freuen. Oft frage ich mich, wie wohl die "Live-Umsetzung" eines bereits vorhandenen Tonträgers klingen mag. Seit dem 3. Oktober 2007 hat sich das Blatt aber gewendet, denn nun frage ich mich - in "Ernst-Haft" schmorend, wie wohl ein derartiges Gesamtkunstwerk auf einen lächerlichen Tonträger gepresst bzw. "reduziert" werden kann! Ich halte dies für ziemlich undenkbar - allein die einzigartige Atmosphäre während der Uraufführung in der Kugelkirche zu Marburg wäre auf jeden Fall verloren. Das Abendprogramm wurde aber komplett aufgenommen, und ich darf meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass dieser Mitschnitt brauchbares "Material" liefern wird, denn eine Vielzahl der Kompositionen kann wohl unmöglich in einem simplen Studio "konserviert" werden.

Na ja, gut. Die Realisierung des dritten CD-Projektes wird für alle Beteiligten sowie für das Publikum mehr als spannend werden. Schade nur, dass auf der visuellen Ebene nichts verewigt wurde. Denn Töne sind nicht unbedingt alles bei diesem Ensemble. Man sollte dieses auch bei der Ausübung derselben beobachten können! So bleibt der Wunsch nach einer DVD vorerst ein Traum.

Der Aufführung in Marburg ging ein Konzert in St. Marien, am 18.08.2007, in Lemgo, voraus. Weitere Konzerte sind im nächsten Jahr geplant.


von links: Bernhard Schneyer, Sopranistin Brigitte Krey, Frank Michael, Flötistin Ele Grau,
Jörg Duda, Michael Töpel, Pianist u. Komponist Albert Kaul

 

Thomas Lawall - Oktober 2007
Fotos: T. Lawall

 

Besetzung und Programm

Besetzung:

Brigitte Krey: Sopran
Ele Grau: Flöten
Albert Kaul: Klavier

Programm Marburg:

Walter Steffens (*1934), Sonnengesang - Cantico delle creature **, op 81, für Sopran und Altflöte in G; Hymnus des Francesco d'Assisi (1181/82-1226)

Frank Michael (*1943), Sonnengesänge, verwehend op. 113, für Sopran, Flöte, Altflöte in G und Klavier; Gedichte von Nikolaus Cybinski (*1936)

Michael Töpel (*1958), Pastorella, für Sopran und Altflöte in G; über einen eigenen Text

- Pause -

Jörg Duda (*1968), Sonnenaufgang op. 49a **, Zwei Lieder für Altflöte in G, Sopran und Klavier; "An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang", Gedicht von Eduard Mörike (1804 - 1875); "Sängers Morgenlied", Gedicht von Theodor Körner (1791-1818)

Bernhard Schneyer (*1968), Sonne, für Sopran, Flöten, Klavier; Gedicht von Thomas Lawall

- Pause -

Albert Kaul (*1963), Der Aton-Hymnus des Pharao Echnaton **, für Sopran, Flöte und Klavier; Hymnus des Echnaton (1372-1354 v.Chr.)


** Die Uraufführung dieser Kompositionen fand am 18.08.2007 in St. Marien, Lemgo statt.


www.trio-cantraiano.de

Kompositionen, Werkbeschreibungen und Programme:
trio-cantraiano.de/html/sonnengesange.html

 

 

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