„Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."
 
(Ps. 119, 105)

 

Advent - Zeit für köstliche Nutzlosigkeit

Jeden Tag einige Minuten innehalten. Passivität, die kreativ ist,
indem sie bereit ist aufzunehmen.

 

Die Tageslosung wahrnehmen. Eine besondere Kerze anzünden.
Vielleicht Rast machen in unserer offenen Kirche. Gott einladen:
 „Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."
(Ps. 119, 105).
Licht einströmen lassen in mein Leben.

Licht, das Protest ist gegen die Vereinzelung und Vereinsamung.
„Licht kann nicht lügen." sagt Michael Batz, ein Lichtkünstler aus Hamburg.
Sehr schnell merken wir, ob einer nur sich selber leuchten möchte.
Die Grenze zwischen dem Wunderbaren und dem Entsetzlichen ist schmal.
Der Lichtkünstler kann sogar zum Hüter der Dunkelheit werden. Die Welt ist oft
zu hell und zu grell, es gibt geradezu ein „Wettrüsten mit Licht".

Licht gibt es nicht ohne Dunkelheit. „Die Dunkelheit ist ein Rohstoff,
den wir sorgfältig bewahren sollten. Eine einzelne brennende Kerze, die mich
in unserer Kirche begrüßt, ist der vielleicht stärkste innere Eindruck von Licht."

Mit dem Kind in Bethlehem ist das Licht auf einzigartige Weise
in die Welt gekommen.

I

Ich möchte lernen,
wie es einer Kerze gelingt,
mit einer kleinen Flamme
die abgrundtiefe Finsternis
eines Raumes zu durchbrechen

wie es ein Lachen anstellt,
mit einem einzigen Ton
die meterdicke Mauer
des Schweigens zu überwinden

wie es ein Windhauch schafft,
mit einem winzigen Stoß
das Blatt zu wenden

wie es das Feuer anfängt,
mit einem glimmenden Funken
ein Pulverfass zu entzünden

wie es ein Glas bewirkt,
mit einer farbigen Scherbe
die Welt zu verzaubern

Ich möchte lernen,
wie wirksam und wie wertvoll
die unbeachteten und unscheinbaren Dinge meines Lebens sind,
und möchte gern ihr Schüler werden.

 

 

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
wünscht Ihnen im Namen der gesamten Redaktion

Heike Oberwelland, Pfarrerin