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Was muss sich dieser Mann alles heißen lassen: Als King of Kuschelrock kündigt ihn ein lokales Veranstaltungsmagazin an, und wie um diesen Titel ad absurdum zu führen, rotzen die Gitarren gleich lautstark los. Room Service hat Bryan Adams sein neues Album genannt, und mit dem gleichnamigen Stück eröffnet der Kanadier sein Konzert in der ausverkauften Schleyerhalle. Wie seine vierköpfige Begleitband in blaue Jeans und ein schwarzes T-Shirt gekleidet steht der 45-Jährige mit dem vernarbten Gesicht am Mikrofon und lässt seine Reibeisenstimme ertönen, die diese Bezeichnung wie kaum eine andere verdient. Vielleicht ist es gerade dieses Organ, das aus Balladen wie dem unvermeidlichen (Everything I Do) I Do It For You Hits macht, weil die raue Qualität des Gesangs die simplen Songs eben doch noch an der Schnulze vorbeischrammen lässt.
Kernige Nummern
Unbestreitbar jedenfalls passt der Sänger Adams ganz vorzüglich in einen rockigeren Kontext: Live Is An Open Road, The Only Thing That Looks Good On Me Is You oder Can't Stop This Things We Started das sind die typischen Titel des Abends, kernige Nummern, seit Jahrzehnten auch durch die songdienliche Gitarrenarbeit von Keith Scott geprägt. Selbst das autobiografische Summer Of '69, das Adams in einer zarten Akustik-Variante präsentiert, strahlt noch Saft und Kraft eines Rockklassikers aus.
Doch es sind nicht nur die musikalischen Qualitäten, die ein Konzert von Bryan Adams zum Ereignis machen: Der Typ wirkt einfach unglaublich nett. Am deutlichsten wird dies, wenn er für When You're Gone in gewohnter Manier eine Duettpartnerin aus dem Publikum sucht, die das Ex-Spice-Girl Mel C. in dieser Rolle beerben mag. An diesem Abend fällt die Wahl auf Sarah. Die Begeisterung der Schülerin aus Lahr ist zwar ausgeprägter als ihre Sangeskunst, aber der Sänger sorgt charmant für lockere Stimmung: mit frisch erworbenen Geografie-Kenntnissen (Do you know Lahr? That's near Freiburg!) und indem er der Freiwilligen nochmals den Text erklärt, den eine helfende Hand rasch in Papierform auf die Bühne bringt. Nach dem mutigen Gesangseinsatz peitscht Bryan Adams das Publikum zu stürmischem Applaus für seinen Gast an, bevor er das Mädchen mit T-Shirts und Büchern beschenkt zu den wartenden Eltern zurückschickt.
Kurz nach diesem Intermezzo kündigt der Musiker bereits das nächste Duett an, It's Only Love, das er einst mit Tina Turner eingespielt hat. Doch die habe ihm gesagt, sie sei beschäftigt, deshalb müsse heute ein anderer ran: Wir haben Keith Scott! Der zeigt,
dass das Stück auch ohne weibliche Hilfe funktioniert und ergeht sich als Ausgleich zu den ungewohnten stimmlichen Anstrengungen zudem in minutenlangen Gitarrensoli. Als schließlich der Schlussakkord ertönt, verabschiedet sich die Band von einer begeisterten Menge. Doch Adams wäre nicht Adams, hätte er nicht eine ganze Menge Zugaben auf Lager: Cloud No. 9, Run To You und weitere Klassiker legt die Band nach. Dann stellt sich der Sänger nochmals allein seinen Fans. Nur von seiner Akustik-Gitarre begleitet intoniert er eine Handvoll weiterer Nummern. Und lässt bei der Ballade Flying erkennen, dass ihn das Schubladendenken der Kritiker ziemlich kalt lässt. Das könnte ein Schlager sein, oder?, fragt er am Ende des sehr schlichten Liedchens. Und fügt, Schunkelbewegungen andeutend, hinzu: Stellt euch mal eine bayerische Version vor.
Na, vielleicht verleiht ihm dann irgendein Medium auch noch den
Titel eines King of Schunkelrock.
 
 

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