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Über den Wandel vom Umgang mit Fehlern im Schriftspracherwerb
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Das Prinzip der Wortbildspeichertheorie und die Folgen für den Rechtschreibunterricht Lange Zeit war es das oberste Prinzip des Rechtschreibunterrichtes Fehler zu vermeiden. Das wichtigste Ziel des Unterrichtes war es, die Kinder davor zu bewahren Fehler zu machen. Im Heft und an der Tafel durfte kein falsches Wort stehen. Der Hintergrund dieses Prinzips war der Gedanke, dass sich die Schreibweise von Wörtern, ob falsch oder richtig, einprägen. Dieser Gedanke wird zum Beispiel in der Wortbildspeichertheorie (vgl. Balhorn, Heiko: Der Mythos der Wortbildspeichertheorie. In: Grundschule 7-8/ 1985, S.10) gestützt. Der Unterricht bestand somit zum größten Teil nur aus Abschreiben oder dem Schreiben von geübten Diktaten, um das Entstehen von Fehlern so gut wie möglich zu verhindern. Erst ab dem dritten Schuljahr durften die Schüler selbstverfasste Texte schreiben. |
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Dass das Erlernen der Schriftsprache sich nicht ausschließlich durch das Einprägen des Wortbildes vollzieht, zeigen tägliche Erfahrungen. Denn wenn der Schriftspracherwerb so ablaufen würde, würde man als Schreiber die Wörter, die man schon einmal in richtiger Schreibweise gesehen hat, nicht mehr falsch schreiben. Und das kann wohl jeder Schreiber aus seiner eigenen Erfahrung dementieren. Auch wir Erwachsenen, als langjährige Schreiber, müssen das ein oder andere Mal über die richtige Schreibweise eines Wortes nachdenken. |
Betrachtung von „Fehlern“ in anderen LernprozessenDie lernpsychologische und didaktische Einschätzung von Fehlern hat sich heute stark geändert. Heute werden Fehler als „Fenster“ in den Lernprozess des Kindes angesehen. Warum diese Sichtweise erst so spät in den Rechtschreibunterricht eingeflossen ist, ist bei Betrachtung anderer Lernprozesse verwunderlich. Denn in sämtlichen Lernprozessen vollzieht sich das Lernen über „Fehler“, nur werden sie hier nicht als solche tituliert! Betrachten wir zum Beispiel das Erlernen des Laufens eines Kleinkindes, so empfinden wir das Krabbeln, das erste Stehen und die ersten Gehversuche keineswegs als fehlerhaft oder mangelhaft. Ganz im Gegenteil, diese „Zwischenstationen des Könnens“ werden als etwas natürliches und entwicklungsspezifisches angesehen und nicht selten mit einer großen Begeisterung quittiert. Auch erhebt hier niemand die Befürchtung, dass das Kind sich etwas fehlerhaftes einprägt und dieses dann nicht mehr korrigierbar ist. |
Vom Umgang mit Fehlern aus heutiger Sicht- die AnlauttabelleWie bereits erwähnt hat sich der Umgang mit Fehlern im Schriftspracherwerb heute gewandelt. Sie werden als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden und es wird versucht sie produktiv zu nutzen. Es besteht die Ansicht, dass Fehler Einsichten in den Lernprozess des Kindes ermöglichen und dass aus ihnen gelernt werden kann! Diese Ansichten spiegeln sich auch in den Lernmaterialien wieder. Als Beispiel sei der Schriftspracherwerb mit der Anlauttabelle nach Jürgen Reichen genannt. Hier fängt das Rechtschreiblernen nicht mit dem Schreiben von orthographisch richtigen Wörtern an, sondern mit lautorientierten Wörtern. Das Ziel und auch die Grenze der Anlauttabelle ist das lauttreue Schreiben als Basisprinzip der Orthographie. Aber es kann mit ihr nicht die vollständige Orthographie erlernt werden. Das Fehlermachen ist hier also eine notwendige und unvermeidbare Grundlage des Lernprozesses! |
Literatur- Die Grundschulzeitschrift 12/1988, Vom Umgang mit Fehlern- Menzel, W. (2000): Lesen lernen- schreiben lernen Erstellt von: Julia |