G e s c h i c h t e u n s e r e r K i r c h e
Der Gründer des Ortes, ein deutscher Ritter, soll eine Kapelle erbaut haben. Später, beim Anwachsen der Gemeinde, soll diese Kapelle zu einer Pfarrkirche erhoben worden sein. Nach damaligem Gesetz genügten dazu 10 Familien.
Im Jahre 1404 erteilte Papst Innozenz VII. die Erlaubnis zu einem Kirchenerneuerungsbau. Im Mai 1410 erfolgte die Fertigstellung. Am 9.Oktober des gleichen Jahres fand die feierliche Weihe nach katholischem Ritus statt.
1715 hatte man beim Neubau im Inneren des Altars folgende Nachricht gefunden " Im Jahre 1410, den 9.10. am Tage des Heiligen Dionysius ist die gegenwärtige Kirche und der Altar durch den ehrwürdigen Vater in Christo, Herrn Johannes, Titular-Bischof von Garden ( oder Gardes ) zu Ehren der Heil. Dreifaltigkeit, des Leibes Christi, der Heil. Jungfrau Maria, des Heil. Bischofs Nikolaus und aller Heiligen geweiht worden ". Ihr Name ist zur " Heiligen Dreifaltigkeit ".
1424 wurde die Kirche ausgebessert. Der Glockenturm 1449 vollendet. 1509 wurden dann letztendlich Turm und Kirche zu einem Ganzen vereinigt. Dies bedeutete, daß aus der Kapelle eine Kirche wurde. Auf der größten Glocke stand " Viros voco, mortuos plango, fulgura frango ", was ins Deutsche übersetzt soviel bedeutet wie " Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich ". Die Friedhofsmauer wurde 1518 errichtet. Bei den Kriegswirren hatten die Einwohner einen besseren Schutz.
1678 wurde die Kirche in nördliche Richtung erweitert und der Altar erneuert. Von 1715 bis 1718 erfolgte der Umbau/Neubau in der Form, wie unsere Kirche vor dem Abbau erstrahlte. Zu Pfingsten im Jahre 1718 erfolgte die Kirchweihe zur "Heiligen Dreifaltigkeit". 1774 wurde die Orgel gebaut und Anfang des 20.Jahrhunderts erneuert.
Um die Jahrhundertwende war unsere Kirche die " Hochzeitskirche " der Görlitzer. Sicherlich vor allem wegen ihrer inneren Pracht. Mit großem Aufwand pflegte man die " Hochzeitspartie " nach Deutsch-Ossig anzutreten. Im " Neuen Görlitzer Anzeiger " war zu lesen " Als es Mode wurde, sich in der Dorfkirche in Deutsch-Ossig trauen zu lassen, fuhren Postillone mit Extrapost in Gala-Uniformen, weißen Hosen, Kanonenstiefeln und Zylinderhut mit Fderstutz nach Deutsch-Ossig. Vierspännig ging es unter fröhlichem Trompetenklang nach Deutsch-Ossig ". Das konnten sich allerdings nur die reichen Leute leisten.
1977 wurde der Abriss des Dorfes Deutsch-Ossig und somit auch der Kirche beschlossen. Der Beschluß zur Umsetzung der Kirche wurde 1987 durch die staatl. Organe gefasst. Ganz wichtig war das Jahr 1988 für unsere Kirche. Nicht nur wichtig, sondern auch entscheidend. "Die Kirche als Ganzes zu erhalten" wurde in diesem Jahr vom GKR Deutsch-Ossig beschlossen. Zu Pfingsten 1988 wurde die Kirche endwidmet. In den Jahren 1988/89 erfolgte der Rückbau der Kirche.
1992 Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Kirche in Görlitz-Königshofen. 1993 erstes Glockengeläut. Im Dezember 1994 wurde der Rohbau fertiggestellt. 1997 beginnt die Kirche ihr "Innenleben" wieder zu bekommen und die alte Orgel erklingt erstmals wieder. Zu Pfingsten 1998 Kirchweihe der Hoffnungskirche.
Die Deutsch-Ossiger Kirche ist eine der schönsten deutschen Landkirchen. Für mich ist sie die schönste überhaupt.
In einem alten Verzeichnis deutscher Kulturdenkmäler kann man nachlesen, dass " Die Kirche zu Deutsch-Ossig eine weiträumige, vierjochige Halle mit nach außen vorspringenden Strebepfeilern, deren Deckensims nach Art der Strebepfeiler der Peterskirche in Görlitz geschweift ist, eingewölbt mit einer Spitzkappentonne. Das Innere mit seiner gesamten Ausstattung, so insbesondere die Logen zu Seiten des Altars mit kostbarem holzgeschnitzten Prospekt, das Orgelgehäuse und die mehrfarbigen ornamentalen Deckenmalereien sind einheitlich in treu durchgeführten Stilformen des Rococo durchgebildet ".
1945 erfolte die Teilung der Kirchgemeinden Deutsch-Ossig und Wendisch-Ossig.
28.08.1986 Bekanntgabe der Umsetzung der Kirche, in Folge der Räumung des Ortes Deutsch-Ossig.
1989 wurde die Kirchengemeinde geschlossen.
1993 wurde die Kirchenruine abgerissen.
Um die Kirche war noch manches Denkmal aus alter Zeit erhalten. Auf einem Grabstein konnte man folgende Innschrift lesen
Joh. Elisabeth Günther
1631
In 18-jähriger friedl. Ehe
8 Kinder gezeugt.
Glauben und gutes Gewissen zu bewahren
und zwar durch viel Trübsal ins Reich
Gottes zu gehen,
allen Fleiß angewndet.
Gleichwohl ein sündlich Mensch gewesen,
wie du, sogar daß ich am 6.Okt. 1669
im 66.Jahre meines Alters darüber gestorben,
daß ich dich lehrte, daß auch du sterben mußtest.
Hebr. 10,31,33