|
Impulsgeber
gesucht
Ein Hoffnungsträger ist und bleibt für
Berchtold die weltgrößte IT-Messe
CeBIT, die vom 12. bis zum 19.März in Hannover
ihre Tore öffnet. "Die CeBIT ist ein
Impulsgeber für Innovationen und Investitionen",
sagte Berchtold. "Und die Branche hat diesen
Impulsgeber für Investitionen noch nie
so dringend gebraucht wie 2003." Tatsächlich
wird die Entwicklung des deutschen IT-Markts
inzwischen von ausländischen Fachleuten
fast ungläubig beobachtet.
Deutschland
"weniger und weniger wettbewerbsfähig"
"Für uns besteht derzeit die größte
Chance darin, den Marktanteil in Deutschland
zu steigern - in einem stagnierenden Markt für
Informationstechnologie." Für neue
Investitionen sei das Land "weniger und
weniger wettbewerbsfähig". Dieses
Urteil fällt Carly Fiorina, Vorstandschefin
des US-Computerriesen HP Compaq. Zwar rechnet
auch sie mit einem auf Dauer abgeschwächten
Plus der Branche. "Wir werden niemals mehr
zu den Wachstumsraten von 20, 30 oder 40 Prozent
zurückkehren." Doch will sie in ihrem
Unternehmen um sieben bis neun Prozent jährlich
zulegen.
Erste
Lichtblicke mit Internet- und Onlinediensten
Davon sind die meisten deutschen IT-Unternehmen
weit entfernt, gerade mal 8,2 Prozent von ihnen
gehen laut Bitkom-Branchenbarometer in diesem
Jahr von einem mehr als zehnprozentigen Plus
aus. Berchtold verweist auf Lichtblicke: "Wir
haben im Jahr 2002 mit Internet- und Onlinediensten
in Deutschland 6,4 Milliarden Euro umgesetzt
und erwarten 2003 mehr als 7,4 Milliarden Euro.
Das entspricht dem gesamten Volumen der Unterhaltungselektronik."
Mit dem Start des UMTS-Angebots Ende 2003 werde
Bewegung in den Markt kommen. Die Investitionen
in der Telekommunikation zögen ohnehin
wieder an.
Asiatische
und US-Hersteller zeigen kaum Neues
Diese Probleme sind allerdings kein rein deutsches
Phänomen: Auch die asiatischen und amerikanischen
Hersteller haben derzeit wenig Spektakuläres
zu zeigen. Der Hype mit immer neuen Trends,
Visionen und innovativen Produktneuheiten ist
vorbei. Füllten bisher spätestens
ab Mitte Januar jede Menge neue Produktneuheiten
und Ankündigungen die Newsticker und Magazine,
ist 2003 die Normalität eingekehrt - nur
vereinzelt Interessantes, keine Sensationen.
Neue
Prozessoren, Grafikkarten, Handies und Digicams
Intel und AMD zeigen ihre neuen, noch leistungsfähigeren
Prozessorlinien. Hersteller wie Samsung oder
Benq stellen eine eine weitere Generation von
TFT-Displays vor. Nvidias neue Power-Grafikkarten,
Notebooks mit DVD-Brenner, MMS- und UMTS-Handies
sowie noch leistungsfähigere Digicams werden
wieder die Publikumsmagneten sein. Doch die
Luft ist raus: Die Geräte werden - wie
jedes Jahr - leistungsfähiger und günstiger;
impulsgebende Ideen fehlen.
Deutlich
weniger Aussteller
Doch nichts zeigt deutlicher die Krise der gesamten
IT-Branche wie der Rückgang von Cebit-Ausstellern
und -Besuchern. Der für die Computerschau
zuständige Vorstand der Deutschen Messe
AG, Ernst Raue, geht von nur noch rund 6500
Ausstellern aus. 2002 waren es noch 7300. Auch
die vermietete Ausstellungsfläche ist deutlich
kleiner geworden: Sie schrumpfte von 397.000
Quadratmeter im vergangenen Jahr auf 360.000
Quadratmeter. Schwache Konjunktur und vor allem
die Irak-Krise lassen auch die Erwartungen an
die Besucherprognose sehr vorsichtig ausfallen.
Er gehe von mehr als 600.000 aus, sagt Raue.
2002 waren es mit 674 000 erstmals seit sechs
Jahren deutlich weniger als 700.000 Gäste;
im Vergleich zu 2001 kamen vor einem Jahr schon
18 Prozent weniger Besucher.
Apple,
Adobe und Corel bleiben zuhause
Auch hat der Messe-Manager einige Absagen zu
verzeichnen: Apple und die großen Softwarehersteller
Adobe und Corel bleiben lieber zuhause. Auch
Intel hatte zunächst eine Stornierung geschickt,
sich aber dann doch noch zur Teilnahme entschlossen.
Zudem backe selbst mancher Riese dieses Mal
auf der CeBIT kleinere Brötchen, fahre
deutlich kleinere Präsentationen auf, fügte
Raue hinzu. Auch die Messestände wachsen
eben nicht mehr in den Himmel.
|