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Start in die dritte Dimension

Start mit einem modernen turmlosen Hängegleiter in hochalpinem Gelände. Das Fliegen in den Alpen erfordert ein hohes Maß an Können. Besonders die Beurteilung der Wetterlage ist für die Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Wetterumschwünge,  kräftige Talwinde, oder gar Föhn können einen Flug schnell zum Höllentripp werden lassen. Eine fundierte Ausbildung in einer bewährten  Flugschule gibt die Gewähr, dass man die Situation richtig beurteilt und wieder nach stundenlangen Flügen heil runterkommt.
Start vom Übungshang

Start von einem Übungshang mit einem Einfachgerät und Kniehängern als Gurtzeug.

 

Auch das Gurtzeug ist zweckmäßig einfach. Ein Rettungsschirm ist erst ab ca. 100 m Höhe vorgeschrieben.

Die Drachen werden je nach Anforderung ihrer Beherrschung in drei Klassen eingeteilt. Einfach zu fliegende Geräte haben die Klasse 1. Klasse 2 sollte versierten  Vielfliegern vorbehalten bleiben. Klasse 3 sind Geräte, die einer Spezialeinweisung bedürfen, hauptsächlich Starrflügler. Anfänger sind damit hoffnungslos überfordert. Und das ist gefährlich!

Aller Anfang ist schwer: Anfänger üben Start und Landung von kleinen Hügeln mit Einfachgeräten unter Anleitung eines Fluglehrers.

 Start mit Starrflügler

Fortgeschrittene können mit dem nötigen Kleingeld von mindestens 10.000,- Euro mit einem Starrflügler und aerodynamisch geschnittenem Gurtzeug die Luft erobern. Gebraucht wird´s etwas billiger!

Die geniale Erfindung des Amerikaners Francis Rogallo 1948 bestand  darin,  dass er drei Stangen durch ein Segel   fächerförmig verbunden hat, auseinandergespreizt durch eine vierte Querstange. Dieser "Rogallo-Gleiter" wurde zum Urvater für alle späteren  Hängegleiter, wie die Drachen in der Behördensprache heißen. In den 60iger Jahren erhoben mutige Pioniere, oder nennen wir sie besser todesmutige Flugfanatiker, solche Geräte erstmals an den Meeresklippen Australiens und Kaliforniens in die Luft. Der Flug von Mike Harker 1972 von der Zugspitze, mit TV-Berichterstattung,  machte das Drachenfliegen mit einem Schlag in Deutschland bekannt.           

Heutige Drachen haben ein hohes Maß an passiver und aktiver Sicherheit. Sie bestehen aus hochfesten Aluminiumrohren (spezielle Legierung), Edelstahlseilen und Kunststoffsegeln. Die Segelfläche liegt zwischen 13 und 17 qm, die Spannweite bei gut 10 m und einem Gewicht zwischen 25 und 35 kg. Neugeräte kosten zwischen 3000,- und 5500.- Euro.

Flamingo  um 1978 der Verfasser mit Windfex 1981

Und so sahen Hängegleiter vor 30 bis 35 Jahren aus.

Gesteuert wird der Drachen durch Schwerpunktverlagerung mit Hilfe eines Steuerbügels. Der Pilot ist unter der Segelfläche im sogenannten Gurtzeug liegend aufgehängt. In dieser strömungsgünstigen Position erbringen heutige Geräte mindestens eine Gleitleistung von ca. 1 : 12; das heißt, dass der Drachen bei einem Höhenunterschied von 1000 m bis zu 12 km zurücklegen kann. Beim Famingo (oben) waren das maximal 4 - 5 km.

Swift Auch dieses "Ding" ist   noch ein Hängegleiter, oder sollte man dazu besser fußstartfähiges Leichtflugzeug sagen?

Der Swift wird wie ein Flugzeug aerodynamisch um die drei Achsen gesteuert.

In Wettbewerben fliegen solche Gerät in einer eigenen Klasse. Ihre Leistungen sind den Drachen weit überlegen, v. a. wenn es um das reine Gleiten geht.

Der Transport und der Aufbau erfordern schon beinahe eine eigene Logistik.

Solche Fluggeräte sind die Ausnahme, allein schon ein Preis ab 18.000 €  ist nicht eben verbreitungsfördernd.

 

Wie kommt man mit dem Drachen in die Luft?

Es gibt drei verschiedene Starttechniken, für die man jeweils eine eigene Lizenz erwerben muss.
1. Geländestart - mit Anlauf an einem Hang erreicht man die Geschwindigkeit mit der der Hängegleiter abhebt. Ist das Gelände felsig oder sonst wie ungeeignet wird häufig eine Rampe benutzt.
2. Windenstart - mit einer Seilwinde wird der Pilot, flugbereit eingehängt in sein Gerät, einige hundert Meter in die Luft gezogen.
3. UL-Schlepp - mit einem Ultraleichtflugzeug - einem Trike (eine Ausnahme gibt es als Dreiachser: Dragonfly) wird der Pilot in die Luft geschleppt.

Schlepptrike auf der Startbahn

HG auf dem Rollwagen

Start mit einem Rollwagen; der Pilot muss kein Supersprinter sein um die Abhebegeschwindigkeit zu erlaufen. Starts bei leichtem Seitenwind sind kein Problem.

Über ein ca. 50 m langes Seil sind Schlepptrike und Hängegleiter verbunden.

F-Schlepp

Seit 1999 ist ein neuer Typ von Drachen auf dem Markt:  Starrflügler. Ihre aufwändige Konstruktion muss mit einem Preis ab 10000,- Euro teuer bezahlt werden. Ihre Leistung allerdings ist gegenüber den Flexiblen deutlich höher. Bei Wettkämpfen starten die Geräte in einer eigenen Klasse.

Anfänger kaufen sich üblicherweise zunächst ein Gebrauchtgerät. Angebote gibt auf der Homepage des Verbandes (www.dhv.de). Ab 1000 Euro ist schon etwas Vernünftiges dabei. Später kann dann mit zunehmender Praxis auf ein leistungsfähiges Gerät umgestiegen werden. Als Einsteiger, frisch von der Schulung, ist man mit einem Hochleister ganz sicher hoffnungslos überfordert.

Die Zahl der HG-Piloten ist stark rückläufig. Neulinge schulen fast ausschließlich auf Gleitschirm. Das ist wesentlich einfacher. Das Gerät passt in den Kofferraum, der Aufbau bzw. der Abbau ist in 2 - 3  Minuten erledigt.  Doch das Fliegen selbst ist keineswegs weniger anspruchsvoll.


         Ausbildung - Lizenzen für GS, HG und Ultraleicht

Die Ausbildung durchläuft verschiedene Stufen. Sie ist bei Gleitschirm - GS - und Hängegleiter - HG - weitgehend analog. Auf einzelne Unterschiede wird extra hingewiesen.

Prinzipiell braucht man für alle Luftsportarten eine Erlaubnis (Schein, Lizenz), die man in einer anerkannten Flugschule erwerben kann. Siehe dazu unter links. Das Mindestalter bei Beginn der Ausbildung ist 14, den Schein bekommt man mit 16 Jahren.

Kosten: Die Preise differieren je nach Flugschule

Grundausbildung: ca. 400,- + Anfahrtskosten, ev. Übernachtung

A-Schein: ca. 700,- + Anfahrtskosten + ev. Liftkosten, eigenes Gerät! Manche Flugschulen vermieten Fluggeräte, hauptsächlich aber nur Gleitschirmausrüstung

Bis zum "Freiflugschein" sollte man realistisch mit mindestens 5000,- rechnen. Ganz billig ist die Sache wirklich nicht.

Voraussetzung: Mindestalter, normal sportlich; mobil, am besten eigenes Auto, die komplette Ausrüstung stellt die Flugschule.

Für den A/B-Schein braucht man eine eigene Ausrüstung. Drachen (ab 4000,- bis 10.000,-) - Gleitschirm (2500,- bis 4000,-) Sinnvollerweise wird man sich zunächst ein Gebrauchtgerät zulegen (ab 1000,-) + Gurtzeug + Rettungsschirm (1000,- bis 2000,-) - gebraucht ab 400,- + Helm; später wird man noch Fluginstrumente (Vario, GPS) kaufen;

.. und man braucht jede Menge Geduld mit dem Wetter und Zeit, um wirklich viele Stunden in der Luft genießen zu können. Aber es lohnt sich. Drachen- und Gleitschirmfliegen ist einmalig, einmalig schön.

 

Lernausweis Fliegen mit Flugauftrag der Schule im bekannten Übungsgeländen; Gültigkeit 3 Jahre
Ausbildung: Start- und Landeübungen, einfacher Kurvenflug in einem Übungslände mit einer Höhendifferenz von ca. 40 - 100 m. Dauer nicht festgelegt; man übt so lange, bis man die Manöver und etwas Theorie nach Ansicht des Fluglehrers beherrscht; in der Praxis sollte man mit 4 bis 7 Tagen rechnen; Problem dabei ist meist das Wetter, so dass man durchaus einige Wochenenden opfern muss und selbst ein Kompaktkurs von einer Woche nicht reicht. Preis ca. 400 - 450 Euro.

 

D-Schein Fliegen mit Flugauftrag in bekannten Geländen, auch über 100 m; Gültigkeit 3 Jahre
Ausbildung:  zunächst Erwerb des Lernausweises; + mindestens 10 Höhenflüge + 10 Theoriestunden; durch eine Einweisung kann man sich auch die Berechtigung für andere Startarten holen: Winden-  und UL-Schleppstart, bzw. Hangstart. Bei Hängegleitern ist eine Ausbildung im Doppelsitzer möglich, entweder von der Winde oder im UL-Schlepp; der Bergstart ist dann eine Zusatzausbildung!

 

A-Schein Start von allen zugelassenen Geländen in der erworbenen Startart; wer z. B. nur an der Winde ausgebildet ist, darf nicht in den Alpen fliegen. Fliegen im Bereich des Startortes, kein Streckenflug!
Ausbildung: Vorausssetzung Lernausweis oder D-Schein; man kann Lizenzen (für die erste ist eine Prüfung durch den Verband DHV vorgeschrieben.) unabhängig voneinander für die verschiedenen Startarten erwerben: Hang-, Winden-, UL-Schleppstart (letzteres nur für Drachen); Einweisung durch eine Flugschule (praktisch + theoretisch) auf eine zusätzliche Startart;  Hang: mindestens 20 Starts + 10 Höhenflüge über 500 m; damit verbunden ist eine spezielle Einweisung für das Fliegen im Hochgebirge; Winde: 20 Schlepps + 10 Startleiterübungen; UL-Schlepp: 20 Schlepps hinter einem Trike. Die Abschlussprüfungen nimmt die Flugschule ab. Für den A-Schein muss man mit Kosten von 700,- Euro rechnen.

 

B-Schein freies Fliegen innerhalb der gesetzlichen Grenzen
Ausbildung: flugtechnisches Training + Streckenflugtraining in einer Flugschule oder in Form von Streckenflugseminaren, Performancetraining etc. + ein dokumentierter Streckenflug über mind. 10 km + 15 Stunden theoretischer Unterricht mit Prüfung. Die Theorieprüfung nimmt der DHV ab. Kosten insg. ca. 400,- Euro.

 

Gültigkeitsdauer -  Scheinverlängerung

Die Lizenz für Gleitschirm oder Hängegleiter wird unbefristet erteilt. Die gesetzlichen Bestimmungen der Verordnung über Luftfahrtpersonal bestimmen, dass der Inhaber einer Lizenz für Gleitschirm oder Hängegleiter eine ausreichende fliegerische Übung aufweisen muss. Dies kann in der Praxis durch das Notieren seiner Flüge in seinem Flugbuch erfolgen.

Die „ausreichende fliegerische Übung“ gemäß LuftPersV § 45 Abs. 4 gilt als vorhanden, wenn dem DHV keine Tatsachen bekannt geworden sind, die Zweifel am ausreichenden praktischen Können eines Lizenzinhabers rechtfertigen. Bei bekannt werden von Tatsachen, die Zweifel am ausreichenden praktischen Können eines Lizenzinhabers rechtfertigen, kann der DHV eine Nachschulung in einer Flugschule mit Nachprüfung anordnen.

Inhaber einer Passagierberechtigung für Hängegleiter oder Gleitschirm müssen alle 3 Jahre ab dem Ausstellungsdatum der Berechtigung, innerhalb der letzten 12 Monate, einen einwandfreien Höhenflug als Überprüfungsflug zusammen mit einem Passagier vor einem Fluglehrer oder Prüfer durchführen. Der Überprüfungsflug ist im Flugbuch zu dokumentieren. Bei Überschreiten der 3-Jahres-Frist muss eine Nachschulung in einer Flugschule absolviert werden. Diese ist im Flugbuch zu dokumentieren und vom Ausbildungsleiter der Flugschule zu bestätigen

Übrigens: Einfach ein paar Flüge nachträglich ins Flugbuch eintragen, ohne sie gemacht zu haben, ist Urkundenfälschung!

 

Gelände

Start und Landung erfolgt in Deutschland auf Fluggeländen, die vom DHV zugelassen werden. Der regionale Schwerpunkt für den Gleitschirm- und Drachenflugsport liegt im Alpenraum. Es gibt aber auch in den Mittelgebirgen zahlreiche interessante Fluggebiete.

Die Schleppwinde macht auch einen Start und weite, schöne Flüge im Flachland möglich. Auch der Schleppstart durch ein Ultraleichtflugzeug (Trike) erfreut sich großer Beliebtheit. Es können wg. der geringen Eigengeschwindigkeit der Gleitschirme allerdings nur Hängegleiter mit dem sog. F-Schlepp hochgezogen werden.

So könnte die Ausbildung ablaufen:

Im Grundkurs werden die nötigen Grundfertigkeiten für die Ausübung des Drachenfliegens erworben. Die 6tägige Ausbildung legt den Schwerpunkt auf die Praxis am Übungshang und beinhaltet die begleitende Theorie. Es ist die Ausnahme, dass die Grundausbildung von der Winde (Windenstart) erfolgt. Vorteil hier ist aber: man startet, fliegt und landet gleich richtig. Natürlich nicht allein. Im Doppelsitzer ist zunächst der Fluglehrer der Chef. Während man am Übungshang den Drachen immer selbst mühsam ca. 30 kg  den Hang hinauftragen muss und so je nach Kondition wenige Starts üben kann, wird an der Winde gleich das richtige Fliegen trainiert. Die Drachenausbildung kann analog auch mit F-Schlepp (s. Foto oben) gemacht werden.

Begonnen wird mit einfachen Laufübungen im flachen Gelände. Dann erfolgen Lauf,- Steurungs- und Landeübungen bis zur sicheren Beherrschung und anschließend mindestens 20 Flüge mit Start- und Landeverfahren im Grundausbildungs- gelände mit einem Höhenunterschied von 40 - 100 Metern immer unter  Aufsicht und Anleitung eines Fluglehrers. Der Grundlagentheorieunterricht erfolgt bei schlechtem Wetter oder am späten Nachmittag. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Grundausbildung besitzt man eine solide Basis an theoretischen und praktischen Kenntnissen für die Teilnahme am Höhenflugkurs.