Startseite der HP über das "leichte Fliegen"

Minimum

Minimums werden in aller Welt geflogen, auch in Südamerika, in Chile ...

 

auf Tasmanien

oder über den  Stränden von Tasmanien

 

Renault-Schalldämpfer

mit dem Renault-Auspuff

Das Konstruktionskonzept hat sich in all der Zeit nicht geändert. Bis auf kleinere Verbesserungen im Detail wird es noch so gebaut wie vor über 20 Jahren. Geändert hat sich der Auspuff. Der im Foto gezeigte Schalldämpfer aus einem Renault R4 ist für etwa 11 PS gut. Der Auspuff von einem Vespa-Roller (Bild unten) ergibt eine Motorleistung von 13 - 15 PS, je nachdem wie gut man den Solo-Motor einstellen kann - und wie warm es ist.

Vespa-Auspuff

Schwingungen machen Probleme. Risse und gebrochene Verbindungsrohre sind leider an der Tagesordnung. Die Pfeile zeigen die von mir angebrachten Verstärkungen.

minim17.jpg (29205 Byte)

Im Angebot ist auch ein voluminöser Resonanz- Schalldämpfer. Mit ihm soll eine Leistung zwischen 15 und 18 PS erreicht werden, bei einer Drehzahl von 6500.

Start

Start - von ein paar Zentimetern über dem Boden hinauf auf 1000 Meter. Ein Foto von der Landung würde genauso aussehen. Zur Sicherheit - man kann gut 10 km/h langsamer aufsetzen - schalte ich den Motor i. d. R. aus.

Warum nur Minimum - eine durchaus ernst gemeinte Frage

 

propellerlinie.jpg (2874 Byte)

 

Erfahrungen mit einem Minimum Baujahr 2005

Mit dem Trike bin ich stundenlang in der Luft herumgesessen und im Dreiachser mal von A nach B gelangt. Das Gefühl wirklich geflogen zu sein, hatte ich nur im Hängegleiter. Da in meiner Heimat die Berge eher flach und die wenigen Startmöglichkeiten ausschließlich enge Waldschneisen sind, bin ich Minimumflieger, seit 1986. Einzig die schwache Motorleistung hat mich immer gestört. Der Solo gibt bei sommerlichen Temperaturen zu wenig Power. Die Lösung bot sich in Form des modernen Einzylinders von Hirth - F33 - an. Kaum schwerer als der Solo, aber mit fast der doppelten Leistung. Seine Feuerprobe und die Zulassungen (Lärmmessung) hat er  bei den Motorschirmen und sogar bei Dreiachsern längst bestanden. Kurzum, der Hirth kombiniert mit der Milan M Fläche sollte mein Ideal-Minimum werden.

Hier nun die ganz subjektiven Erfahrungen mit dem Gerät.

Fläche

Der Milan M ist schwer, jedenfalls für meine Wenigkeit. Damit scheidet ein Hangstart (wie früher mit dem Zephir) aus. Zudem ist das Trapez größer als bei "Hangstart-Drachen. Für das Minimumfliegen ein Vorteil. Man hat deshalb einen recht tiefen Schwerpunkt. Leider stimmen die Aufhängelängen mit den Gurtzeugen nicht mehr zusammen. Also verlängern, ca. 12 cm. Der Milan M ist sehr gut verarbeitet, wie man es bei bautek gewohnt ist. Einzig was mich störte ist die von bautek seriell eingebaute Aufnahmeschiene für die Motoreinheit. Die wenigen Millimeter Leichtmetall haben nicht mein Vertrauen. Ich habe gleich ein Verstärkungsblech, nach Absprache mit der Firma angebracht.

 

Motoreinheit

Der Hirthmotor startet zuverlässig. Gegenüber den oft mühsamen Startversuchen beim 582 Rotax im Trike ein Traum! Ein Zug am Seilstarter, bzw. ein kurzer Druck auf den Anlasserknopf und er springt an. Den Choke muss man nur sehr wenig einsetzen. Auch in der Luft springt der Motor sofort an.

Der Verbrauch liegt bei 3,5 vis 4 Litern. Zunächst nahm ich Normalbenzin und synthetisches Zweitaktöl, Mischung 1 : 50. Nach schlechten Erfahrungen (Verkohlung, sogar Festgehen der Kolbenringe ) nehme ich kein mineralisches und auch kein Vollsynthetiköl mehr, sondern verwende das "Power 1 Scooter 2 T" von Castrol im Mischungsverhältnis 1 : 70 bis 1 : 100.

Vorher gab es reichlich Ablagerungen und alle 20 - 25 Stunden setzte sich ein Kolbenring (der schmälere, untere) fest. Mir scheint da ist der Hirth-Motor überempfindlich. Meine anfängliche Begeisterung ist daher stark abgekühlt! Verwende ich vollsynthetisches Öl, Mischung 1 : 75, setzt sich trotzdem, der Dekompressionskanal regelmäßig zu. Mit dem Castrolöl ist das aber vorbei. Hätte das halt früher wissen sollen! Der Motor läuft nun hervorragend und ohne Probleme. Nachdem ich dann sogar den Anlasser und die Schwungscheibe abmontiert habe (Anlasserritzel defekt) vibriert der Zweitakter sogar weniger und hat einen viel ruhigeren Lauf im unteren Teillastbereich. 

Leistung

Endlich genügend Power! Zum normalen Start brauche ich höchsten 75 Prozent der Motorleistung. Und Abwinde schrecken mich auch nicht mehr. Im Flug reicht "Viertelgas", wenn etwas Thermik hinzu kommt noch weniger. Zum Rollen brauche ich auf Gras mehr Leistung!  Der Lärmpegel ist so niedrig, dass ich angenehm über die Helmlautsprecher Musik hören kann. 

A pro pos Helm: Meinen Integral, mit extra großer Rundumsicht, habe ich nur bei zwei Landungen benutzt. Die Sicht auf den Boden und v. a. die Bedienung des Fronteinsteigers (Schließen, Öffnen, Lagewinkelveränderung ...), sowie des Funks sind damit nur mangelhaft möglich. Man sieht nicht hin! Ich machte praktisch aus vier Metern eine Blindlandung, da der Helm zu allem Übel auch noch verrutschte. Ein Jet-Helm mit Vollvisier stellt diese Mängel ab. Voller Windschutz und beste Sicht. Den fehlenden Kinn/Gesichtsschutz muss ich in Kauf nehmen.

Die Reisegeschwindigkeit liegt bei 57 bis 62 km/h. Die Basis ist leider etwas weit hinten, fast unter dem Bauch. Aber bei 60 Sachen ist der Steuerbügel eben weit gezogen. Durch einen kleinen Vorbau  (zusätzlicher kleiner Bügel) ist nicht nur Platz zum Anbringen von Instrumenten und Kartenmaterial gewonnen, sondern eine "normale" Haltung der Arme wie beim Drachenfliegen möglich.

Der Gurt (ein Fronteinsteiger) erlaubt ermüdungsfreies Fliegen und bietet einen sehr guten Wärmeschutz. Die Zeiten, in denen mir mit der Liegeschürze der Rücken schmerzte, sind vorbei. Die Anbringung der Schubstangen an den beiden Aufhängebändern führt nicht mehr zu einer seitlichen Einschnürung. Man merkt sie überhaupt nicht mehr. Das Spornradrohr ist gegenüber der Zephirausführung 25 cm länger, weil sonst der Anstellwinkel beim Start (Der Milan M hat ein größeres Trapez!) zu hoch wäre. 

Zuverläßlichkeit

Siehe dazu die ungeschönte Tabelle weiter unten.

Bremse Bremsbereit - Auf einer Asphaltbahn hat  das Minimum, selbst bei abgestelltem Motor, eine Ausrollstrecke wie eine Cessna. Wer regelmäßig auf größeren Plätzen unterwegs ist, muss kontrolliert rollen und vor dem Rollhalteort zum Stehen kommen. Daher habe ich obige, billige aber recht wirkungsvolle, Brems- vorrichtung angebaut. Ein Stück Altreifen wird einfach auf das Rad gedrückt - mit Gefühl, sonst kippt die Fläche nach vorn.
08 Eine echte Innovation: Der Motor wird so tief wie möglich angeordnet. Damit liegt der Schwerpunkt günstig tief, die Steuerbarkeit des Minimums ist damit deutlich besser. Und Thermikfliegen soll auch angenehmer sein.

 

 

propellerlinie.jpg (2532 Byte)

 

Zuverlässigkeit                             Urteilen Sie selbst!
nach Flugstunden auftretender Defekt Ursache (meine Meinung!) Reparatur, Maßnahmen, Abhilfe
2 Risse am Schalldämpfer, Federhalterung gerissen zu schwache Auslegung ab Werk  Risse verschweißt, zusätzliche Verstärkungsbleche angeschweißt
4 Auspuffrohr komplett gerissen starke sich überlagernde Schwingungen, große Masse der Anlage alles geschweißt, zusätzliche Halterung mittels Schelle (kein Schweißen!) angebracht ==> weit geringere Vibrationen
10 Anlasser geht nicht Kabelschuh am Relais gelöst Kabelschuh wieder aufgesteckt, gesichert
15 Anlasser geht nicht Kabelbruch Nähe Relais; Kabel ab Werk zu lose verlegt Kabel ersetzt; Relais nicht mehr direkt am Motor sondern an der Motoraufhängung angebracht, härteren Dämpfungsgummi verwendet ==> weniger Vibrationen
21 Motorausfall Benzinschlauch vom Tank gelöst; konnte mit dem Fuß unter extremen Verrenkungen den  Benzinhahn schließen Kunststoffschlauch verliert Elastizität, wird in großer Höhe (kalt!) spröde,  Fehler ab Werk, da nicht gesichert Gummi-Gewebeschlauch montiert und mit Schelle gesichert. Schwarze hatte mir versichert, "sein" Schlauch würde halten!
23 Motorausfall Motorausfall -> Kabelbruch am Kabelschuh zum  Zündkreis Unsachgemäße Pressung ab Werk, Kabel zu schwach  liegen zu lose, vibrieren stark neue, stärkere Kabel, zwei weitere Befestigungsschellen angebracht, neue Kabelstecker, zusätzliche Sicherungen durch Gewebeband, ab Werk neue Verlegung der Kabel, Untersetzung stärker ausgelegt (Garantieleistung)
32 Motorausfall Faden aus Gewebeband um dem Anschlussstutzen des Geräuschdämpfers in Hauptdüse

Motor hat keine Leistung mehr

falsche, wenig sorgsame Umwicklung mit dem Gewebeband

???, läuft einwandfrei bis Viertelgas = 30 cm/s Steigen

schmäleres Gewebeband verwendet

Motor an Schwarze zurückgeschickt

kleinere Düse eingebaut, läuft im Stand sehr gut,

 

38 --------- --------- in Laucha beim Treffen 2005 läuft der Motor gut; Zu Hause tritt altes Problem wieder auf!
42 Motor hat nach Start wenig Leistung, nimmt nach 5 Minuten kein Gas mehr an- nur noch Viertelgas ==> kaum Steigen! Benzinluftgemisch zu fett oder zu mager? Vergasernadel höher ==> Motor läuft nur mehr im Stand

Vergasernadel tiefer (oberste Stellung des Sic-Ringes, mager) ==> Motor läuft super!!!

Benzin-Luft-Gemisch war für die Höhe in der ich hier fliege (> 500 m als in Laucha oder bei Schwarze) einfach zu fett. eingestellt.

58 Anlasser dreht Motor nicht mehr durch Dekompressionskanal verstopft Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von Ablagerungen (Kohle) gereinigt.
68  <-06-> Gummi der Dämpfungselemente für den Auspuff eingerissen Verschleiß Gummis gewechselt              
73 Anlasser dreht Motor nicht mehr durch Dekompressionskanal verstopft, Kohleablagerungen Reinigung, Zündkerze mit niedrigem Wärmewert (Bosch W 4...)
82 Anlasser dreht Motor nicht mehr durch Dekompressionskanal verstopft Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von Ablagerungen (Kohle) gereinigt. kein Synthetiköl mehr verwendet
83 Massekabel gerissen Kabel mit Knick an der Pressung verlegt gerade verlegt, mit Schrumpfschlauch stabilisiert
85  Motorausfall Keilriemenriss Spannschraube gerissen, zu schwach ausgelegt Neuer Keilriemen, Spannschraube mit Qualität 12.9 verwendet.
90 Anlasser dreht Motor nicht mehr durch Dekompressionskanal verstopft Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von Ablagerungen (Kohle) gereinigt. kein Synthetiköl mehr verwendet, als Sprit E50
105 Auspuff mit Rissen Vibrationen Schweißarbeiten
109 kein Leerlauf mehr ohne Choke; Motor läuft nur mehr ab Halbgas Vergaser (Düse) verstopft -> nein; ein Kolbenring saß fest;  Reinigung ---> Problem nicht gelöst; neue Kolbenringe
120 wieder kein Leerlauf Kolbenringe in Ordnung; ? langsam geht mir der Hirth-Motor auf die Nerven!
140 kein Leerlauf falsches Öl, Normalbenzin Motor läuft nach Zusammenbau tadellos, wahrscheinlich war es das Zweitaktöl. Jetzt verwende ich wieder Vollsynthetisches und Superbenzin - wie vorgeschrieben
158 <-07-> kein Leerlauf Kolbenring fest - Konstruktionsproblem insg. unterer Kolbenring saß wieder fest - werde jetzt eine Mischung 1 : 70 - 80 verwenden       
200 keine Vollgasleistung Gewebeband um dem Anschlussstutzen des Geräuschdämpfers ragt in Vergaserstrom  Verschleiß, öfters erneuern, selber schuld!

Kohleablagerungen am Zylinderkopf entfernt; verwende jetzt halbsynthetisches Öl 

210   Vergaserdüse 160 Seit 10 Std. mit der kleineren Düse, Motor läuft wesentlich besser, v. a. im höheren Drehzahlbereich und bei Sommerhitze; ob er allerdings noch 15 min Vollgas fest ist? Aber Vollgas brauch ich eh nur 1 min beim Start - höchstens!
215 Anlasser zieht Motor nicht mehr durch

Riss im Auspuff und Gummipuffer

Kohleablagerung

Vibration

Anlasser zerlegt und gereinigt, keine Besserung - später die Ursache erkannt: falsche Justierung! 

geschweißt   Gummipuffer ersetzt

250  <-08-> schlechter Leerlauf 2. Kolbenring teilweise fest Kolbenring + Führung gereinigt, Kohleablagerungen allg. entfernt; das alte Problem!!!       
270 Notlandung Auspuffrohr gerissen Materialermüdung neues Rohr eingeschweißt, zusätzlich flexibles Teil von einem Autoauspuff verwendet
278 kein Leerlauf unterer Kolbenring ? Kolbenring saß nicht fest, keine Ablagerungen seit ich neues Gastrol-Öl verwende und 1 : 100-Mischung, Kolbenring schien nicht festzusitzen
290 Motorausfall Zündkerzengewinde zum Stecker abgebrochen Materialermüdung, da Kerze nicht richtig fest saß und > 50 h alt neue Kerze + Stecker
292 Motorausfall Zylinderkopfdichtung defekt bei Montage des Zylinderkopfes keine neue Dichtung verwendet neue Zylinderkopfdichtung
299 kaum Kompression Zylinderkopfdichtung defekt Zylinderkopfschrauben können nicht mehr richtig angezogen werden, da alle Gewinde ausgerissen, auch die bereits mit Helicoil reparierten. Mit ein Grund: Unterwegs mal die Schrauben ohne Drehmomentschlüssel zu fest angezogen. Neuen Zylinder eingebaut - verwende jetzt Mischung 1 : 80 bis 1 : 100 --> keine Ablagerungen mehr
312  <-09-> Gummidämpfer am Auspuff schon mehrmals eingerissen Vibrationen, Gummi  ist auch zu  wärmeempfindlich Umbau zu größeren Gummidämpfern    
362 Motorausfall Kerbe an der Vergasernadel ausgeleiert, Nadel rutschte durch  Abnutzung durch Vibrationen neue Vergasernadel 
378 Zähne des Untersetzungszahnkranzes für E-Starter abgenutzt Verschleiß, da Zähne (Stahl) nicht gehärtet E-Starter und Untersetzung mit Schwungscheibe ausgebaut -- Motor läuft ohne die schwere Schwungscheibe sogar ruhiger, weniger Vibrationen, auch im Leerlauf -- weniger ist doch oft mehr!
392     <10>      
415 Schraubenriss Materialermüdung Schraube an Schubstangenbefestigung gerissen - alle Schrauben erneuert
420 Notlandung Untersetzungsriemen gerissen Lager am Propeller ist kaputt gegangen; dadurch eiernder Lauf der Untersetzungs- scheibe, Riemen sprang ab (Wahrscheinlich!) Motor dreht dadurch plötzlich hoch, Vibrationen verhinderten das Abschalten, Ausschalter funktionierte nicht mehr, Motor überdrehte, Kolbenklemmer, Zylinder + Kolben kaputt. 

Damit endet die Geschichte dieses Minimums. Ich habe alles verkauft. Die Nachfolgestory können Sie unter dragonfly weiterverfolgen.

 

Warum nur Minimum

Um heute noch Minimum zu fliegen muss man nicht unbedingt verrückt sein      ------        aber es hilft.

Szene 1

Die Wetterlage bietet mir zwei Möglichkeiten für ausgedehnte Hängegleiterflüge. Da ich nur ungern drei Stunden im Auto sitze um in die Alpen zu gelangen, bleibt mir die Alternative. Fünf Minuten Fahrt zum Flugplatz. Binnen einer halben Stunde ist das Minimum startbereit. Hinter einem Schleppzug der Segelflieger bekomme ich die Freigabe. Leichter Nordost, das heißt auf Turbulenzen achten. Doch viel bedenklicher ist das geringe Steigen. Die hohe Lufttemperatur lässt die Leistung des Solomotors weiter sinken. Hinzu kommen Abwinde. Jedenfalls steigt das Gelände steiler an als ich steige. Also umkehren, ganz vorsichtig, denn die Grashalme sind noch zum Greifen nahe. Vom Flugleiter brauche ich ob meiner Extratour keine Freigabe. Er kennt meine Probleme. Querab der Bahn wird es besser. Eine Thermikblase lupft mich auf 100 Meter Höhe. Der Abflug ist gesichert. Noch im Querteil der erste richtige Bart. Ich kreise mit Vollgas ein und bin im Nu weit oberhalb der Höhe des Platzverkehrs. Langsam Gas raus. Das Vario piepst noch immer im Stakkato. Motor aus. In ruhigen Kreisen geht es lautlos den Wolken entgegen. Ich stecke das Kabel für die Kopfhörer um und tausche damit die Phrasen des Funkverkehrs gegen Schlagermusik aus dem Walkman. Knapp unter dem Cumulus gehe ich auf Kurs, denn eigentliches Ziel ist es, ein paar Kilometer für den DULV-Streckenflugpokal zu machen.

Szene 2

Bei der flimmernden Luft über dem aufgelassenen Steinbruch scheint die Thermik fast greifbar. Doch die Enttäuschung folgt unmittelbar. Das Vario beharrt auf Sinken. Was soll´s! Wenn die Luft nicht will, muss der Zweitakter wieder aushelfen. Zündung ein, Anlasserknopf gedrückt. Doch diesmal springt der Motor nicht an. Ausgerechnet jetzt. Erneuter Versuch. Die unruhige Luft wirft den Flügel herum. Ich brauche beide Hände um aus der Steilkurve herauszukommen. Die Baumwipfel kommen rasch näher. Abdrehen in Richtung auf die vorsichtigerweise schon vorher anvisierte Notlandewiese. Die Höhe reicht für einen weiteren Startversuch. Wieder nichts. Hätte ich trotz der Hitze den Choke ziehen sollen? Jetzt heißt es sich auf die Landung konzentrieren, denn die Wiese erweist sich aus geringer Höhe als Hang und gemäht ist sie auch schon lange nicht mehr geworden. Es müsste klappen, an einen Wiederstart ist aber nicht zu denken. Ein verzweifelter Startversuch im Gegenanflug. Egal ob Fortuna oder der vollgezogene Choke die Ursache ist, der Motor läuft. Der Flugtag und wahrscheinlich ein Paar Trapezstangen sind gerettet. Ich reiße das Helmvisier auf. Heiß hier in dieser Gegend! Nach 10 Minuten ist mein Adrenalinspiegel so weit gesunken, dass ich wieder Musik hören möchte. Bestimmt nur Zufall: "Waterloo" von der einstigen Poppgruppe ABBA trällert es mir entgegen. Mit mir nicht, denn heute schalte ich den Motor im Flug nicht mehr aus.

Szene 3

Der Rückflug erfolgt in ruhiger Luft mit schwachen Thermikeinlagen und prächtiger Fernsicht. Der kleine Flugplatz voraus böte sich für eine Zwischenlandung und damit zusätzlichen Punkten für den Streckenflugpokal geradezu an. Das M meiner Kennung geht dem Flugleiter gar nicht über die Lippen. Er nuschelt etwas von Echo. Um Klarheit zu schaffen melde ich mich deutlich mit "Ultraleicht ... zur Landung". Daraufhin ist ganz  Funkstille. Oder ist mein Akku leer? "Sie dürfen auf dem Platz nicht landen", kommt schließlich die nicht unerwartete Antwort. "Nein, auch nicht ausnahmsweise, und die Übelkeit nehme ich Ihnen nicht ab." Basta! 600 Meter Asphalt und über 1000 Meter Grasbahn scheinen zu wenig. Ach ja, Minimum kann man durchaus mit Boeing verwechseln. Und die dürfen auch nicht auf jedem Platz runter. "Aber sie können bei unserem Vorstand einen schriftlichen Antrag stellen. Vielleicht wird er bewilligt", kommt noch ein Zusatz. Der Mann hat Nerven. Als ob man beim Minimumfliegen einen Antrag ausfüllen könnte. Schade, ich lande zu gerne auf fremden Plätzen.

 

Szene 4

Ich fliege direkt in die Abendsonne hinein. Deren Strahlen spiegeln sich in einem kleinen See. Wie pures Gold glänzt die Wasseroberfläche. So stelle ich mir den Blick auf El Dorado vor. Fasziniert kreise ich am Ort, um dieses Funkeln länger genießen zu können. In der Ferne stehen dunkel einige Staubfontänen über der Öde des größten Truppenübungsplatzes Europas. Im Osten ragen wie ein mahnender Zeigefinger die Ruinen der Hohenstauferfeste aus dem riesigen Waldgebiet. Ich überfliege den geografischen Mittelpunkt Europas. Die Leute auf der Plattform winken. Mit beiden Armen rudernd erwidere ich die Grüße. Zu dieser Stimmung passt klassische Musik. Rasch wechsle ich die Kassette. Ein Walzer von Schostakowitsch. Der Himmel gehört mir. Ich schließe die Augen und breite die Arme aus. Fliegen pur. Ich muss den Luftraum mit keinem teilen, so weit das Auge reicht. Kein Ausweichen, keine Angst der andere könnte mich nicht gesehen haben.

Szene 5

Weit mehr als 1000 Meter Luft unter dem Bauch. Das reicht um den Platz im Gleitflug zu erreichen. Kaum glaublich, in den letzen 10 Minuten habe ich keine Höhe verloren. Die Luft über dem tagsüber aufgeheizten Häusermeer trägt mich wie auf Watte. Die Fußgängerzone der Stadt liegt spielzeughaft unter mir. Die Tische vor den Cafes und Kneipen sind dicht besetzt. Jeder geniest eben diesen herrlichen Sommerabend auf seine Art. Das letzte Mal habe ich die Ouvertüre zur Fledermaus in der Konzerthalle dort unten gehört, zugegeben in akustisch besserer Qualität als aus den Helmlautsprechern. Dafür versperrt mir heute kein Vordermann den Blick aufs Bühnenbild. Zwanzig Minuten später ist der Thermikofen leider aus. Ich nehme Kurs auf den Flugplatz. Die letzten Höhenmeter baue ich in Steilkurven über der Landebahn ab. Der Turm ist längst verwaist. Um diese Zeit  landen bei uns höchstens noch UL-Flieger mit Sondergenehmigung. Kurze Zeit später ist das Minimum nur mehr ein geordnetes Chaos im Kofferraum, und ich kann mich zu den Fliegerkameraden in bereits aufgeheiterter Runde setzen. "Warum bist du bei diesem Wetter nicht mit dem Trike geflogen. Würdest dann nicht so mitgenommen ausschauen", ist deren erste Begrüßung. "Warum nur Minimum?" Ich zucke mit den Schultern. Was soll ich darauf antworten? Sie würden mich ja doch nicht verstehen.

Nachwort:

Und da waren noch die Flüge mit dem elenden Gegenwind, bei dem der eigene Schatten auf dem Acker unten festgenagelt schien, die abvibrierten Teile, welche durch den Propeller marschierten, die Außenlandungen aufgrund eines Defekts und die anschließenden Autostopps, wenn keiner hält. Oder die stundenlangen Reparaturen in der Garage. Das waren Zeiten, in denen ich mich selbst zu fragen begann: Warum nur Minimum? Achselzucken, denn in solchen Momenten kann ich mich selbst nicht verstehen.

Dieser Artikel von Lois  Laumer ist einst im DULV- Info 5/98 erschienen. Hat er rnach 11 Jahren an Aktualität verloren?