|

 Minimums werden in aller Welt geflogen, auch in
Südamerika, in Chile ...

oder über den Stränden von Tasmanien

mit dem Renault-Auspuff
Das Konstruktionskonzept hat sich in all der
Zeit nicht geändert. Bis auf kleinere Verbesserungen im Detail wird es noch so gebaut
wie vor über 20 Jahren. Geändert hat sich der Auspuff. Der im Foto gezeigte
Schalldämpfer aus einem Renault R4 ist für etwa 11 PS gut. Der Auspuff von einem
Vespa-Roller (Bild unten) ergibt eine Motorleistung von 13 - 15 PS, je nachdem wie gut man
den Solo-Motor einstellen kann - und wie warm es ist.

Schwingungen machen Probleme. Risse und
gebrochene Verbindungsrohre sind leider an der Tagesordnung. Die Pfeile zeigen die von mir
angebrachten Verstärkungen.

Im Angebot ist auch ein voluminöser Resonanz-
Schalldämpfer. Mit ihm soll eine Leistung zwischen 15 und 18 PS erreicht werden, bei
einer Drehzahl von 6500.
Start - von ein paar Zentimetern über dem
Boden hinauf auf 1000 Meter. Ein Foto von der Landung würde genauso aussehen. Zur
Sicherheit - man kann gut 10 km/h langsamer aufsetzen - schalte ich den Motor i. d. R.
aus. |
Warum nur Minimum - eine durchaus ernst gemeinte Frage

Erfahrungen mit einem
Minimum Baujahr 2005
Mit dem Trike bin ich stundenlang in der Luft herumgesessen
und im Dreiachser mal von A nach B gelangt. Das Gefühl wirklich geflogen zu sein, hatte
ich nur im Hängegleiter. Da in meiner Heimat die Berge eher flach und die wenigen
Startmöglichkeiten ausschließlich enge Waldschneisen sind, bin ich Minimumflieger, seit
1986. Einzig die schwache Motorleistung hat mich immer gestört. Der Solo gibt bei
sommerlichen Temperaturen zu wenig Power. Die Lösung bot sich in Form des modernen
Einzylinders von Hirth - F33 - an. Kaum schwerer als der Solo, aber mit fast der doppelten
Leistung. Seine Feuerprobe und die Zulassungen (Lärmmessung) hat er bei den
Motorschirmen und sogar bei Dreiachsern längst bestanden. Kurzum, der Hirth kombiniert mit
der Milan M Fläche sollte mein Ideal-Minimum werden.
Hier nun die ganz subjektiven
Erfahrungen mit dem Gerät.
Fläche
Der Milan M ist schwer, jedenfalls für meine Wenigkeit.
Damit scheidet ein Hangstart (wie früher mit dem Zephir) aus. Zudem ist
das
Trapez größer als bei "Hangstart-Drachen. Für das Minimumfliegen ein Vorteil. Man hat deshalb
einen recht tiefen Schwerpunkt. Leider stimmen die Aufhängelängen mit den Gurtzeugen
nicht mehr zusammen. Also verlängern, ca. 12 cm. Der Milan M ist sehr gut verarbeitet,
wie man es bei bautek gewohnt ist. Einzig was mich störte ist die von bautek seriell
eingebaute Aufnahmeschiene für die Motoreinheit. Die wenigen Millimeter Leichtmetall
haben nicht mein Vertrauen. Ich habe gleich ein Verstärkungsblech, nach Absprache mit der
Firma angebracht.
Motoreinheit
Der Hirthmotor startet zuverlässig.
Gegenüber den oft mühsamen Startversuchen beim 582 Rotax im Trike ein Traum! Ein Zug am
Seilstarter, bzw. ein kurzer Druck auf den Anlasserknopf und er springt an. Den Choke muss
man nur sehr wenig einsetzen. Auch in der Luft springt der Motor sofort an.
Der Verbrauch liegt bei 3,5 vis 4 Litern.
Zunächst nahm ich
Normalbenzin und synthetisches Zweitaktöl, Mischung 1 : 50.
Nach schlechten Erfahrungen (Verkohlung, sogar Festgehen der Kolbenringe )
nehme ich kein mineralisches und auch kein
Vollsynthetiköl mehr, sondern verwende das "Power 1 Scooter 2
T" von Castrol im Mischungsverhältnis 1 : 70 bis 1 : 100.
Vorher gab es reichlich Ablagerungen und alle 20 - 25 Stunden
setzte sich ein Kolbenring (der schmälere, untere) fest. Mir scheint da ist der
Hirth-Motor überempfindlich. Meine anfängliche Begeisterung ist daher
stark abgekühlt! Verwende ich vollsynthetisches Öl, Mischung 1 : 75, setzt
sich trotzdem, der Dekompressionskanal regelmäßig zu. Mit
dem Castrolöl ist das aber vorbei. Hätte das halt früher wissen sollen!
Der Motor läuft nun hervorragend und ohne Probleme. Nachdem ich dann
sogar den Anlasser und die Schwungscheibe abmontiert habe (Anlasserritzel
defekt) vibriert der Zweitakter sogar weniger und hat einen viel ruhigeren
Lauf im unteren Teillastbereich.
Leistung
Endlich genügend Power! Zum normalen Start brauche ich
höchsten 75 Prozent der Motorleistung. Und Abwinde schrecken mich auch nicht mehr. Im
Flug reicht "Viertelgas", wenn etwas Thermik hinzu kommt noch weniger. Zum
Rollen brauche ich auf Gras mehr Leistung! Der Lärmpegel ist so niedrig, dass ich angenehm über die Helmlautsprecher Musik
hören kann.
A pro pos Helm: Meinen Integral, mit extra großer Rundumsicht,
habe ich nur bei zwei Landungen benutzt. Die Sicht auf den Boden und v. a. die Bedienung
des Fronteinsteigers (Schließen, Öffnen, Lagewinkelveränderung ...), sowie des Funks
sind damit nur mangelhaft möglich. Man sieht nicht hin! Ich machte praktisch aus vier
Metern eine Blindlandung, da der Helm zu allem Übel auch noch verrutschte. Ein Jet-Helm
mit Vollvisier stellt diese Mängel ab. Voller Windschutz und beste Sicht. Den fehlenden
Kinn/Gesichtsschutz muss ich in Kauf nehmen.
Die Reisegeschwindigkeit liegt bei 57 bis 62 km/h. Die Basis
ist leider etwas weit hinten, fast unter dem Bauch. Aber bei 60 Sachen ist der
Steuerbügel eben weit gezogen. Durch einen kleinen Vorbau (zusätzlicher kleiner
Bügel) ist nicht nur Platz zum Anbringen von Instrumenten und Kartenmaterial gewonnen,
sondern eine "normale" Haltung der Arme wie beim Drachenfliegen möglich.
Der Gurt (ein Fronteinsteiger) erlaubt ermüdungsfreies
Fliegen und bietet einen sehr guten Wärmeschutz. Die Zeiten, in denen mir mit der
Liegeschürze der Rücken schmerzte, sind vorbei. Die Anbringung der Schubstangen an den
beiden Aufhängebändern führt nicht mehr zu einer seitlichen Einschnürung. Man merkt
sie überhaupt nicht mehr. Das Spornradrohr ist
gegenüber der Zephirausführung 25 cm länger, weil sonst der Anstellwinkel beim Start
(Der Milan M hat ein größeres Trapez!) zu hoch wäre.
Zuverläßlichkeit
Siehe dazu die ungeschönte Tabelle
weiter unten.
 |
Bremsbereit - Auf einer
Asphaltbahn hat das Minimum, selbst bei abgestelltem Motor, eine Ausrollstrecke wie
eine Cessna. Wer regelmäßig auf größeren Plätzen unterwegs ist, muss kontrolliert
rollen und vor dem Rollhalteort zum Stehen kommen. Daher habe ich obige, billige aber
recht wirkungsvolle, Brems- vorrichtung angebaut. Ein Stück Altreifen wird einfach auf
das Rad gedrückt - mit Gefühl, sonst kippt die Fläche nach vorn. |
 |
Eine echte
Innovation: Der
Motor wird so tief wie möglich angeordnet. Damit liegt der
Schwerpunkt günstig tief, die Steuerbarkeit des Minimums ist damit
deutlich besser. Und Thermikfliegen soll auch angenehmer sein. |
|

Zuverlässigkeit
Urteilen Sie selbst!
| nach Flugstunden |
auftretender Defekt |
Ursache (meine Meinung!) |
Reparatur, Maßnahmen, Abhilfe |
| 2 |
Risse am Schalldämpfer, Federhalterung gerissen |
zu schwache Auslegung ab Werk |
Risse verschweißt, zusätzliche
Verstärkungsbleche angeschweißt |
| 4 |
Auspuffrohr komplett gerissen |
starke sich überlagernde Schwingungen, große
Masse der Anlage |
alles geschweißt, zusätzliche Halterung
mittels Schelle (kein Schweißen!) angebracht ==> weit geringere Vibrationen |
| 10 |
Anlasser geht nicht |
Kabelschuh am Relais gelöst |
Kabelschuh wieder aufgesteckt, gesichert |
| 15 |
Anlasser geht nicht |
Kabelbruch Nähe Relais; Kabel ab Werk zu lose
verlegt |
Kabel ersetzt; Relais nicht mehr direkt am Motor
sondern an der Motoraufhängung angebracht, härteren Dämpfungsgummi verwendet ==>
weniger Vibrationen |
| 21 Motorausfall |
Benzinschlauch vom Tank gelöst; konnte mit dem
Fuß unter extremen Verrenkungen den Benzinhahn schließen |
Kunststoffschlauch verliert Elastizität, wird
in großer Höhe (kalt!) spröde, Fehler ab Werk, da nicht gesichert |
Gummi-Gewebeschlauch montiert und mit Schelle
gesichert. Schwarze hatte mir versichert, "sein" Schlauch würde halten! |
| 23 Motorausfall |
Motorausfall -> Kabelbruch am Kabelschuh
zum Zündkreis |
Unsachgemäße Pressung ab Werk, Kabel zu
schwach liegen zu lose, vibrieren stark |
neue, stärkere Kabel, zwei weitere
Befestigungsschellen angebracht, neue Kabelstecker, zusätzliche Sicherungen durch
Gewebeband, ab Werk neue Verlegung der Kabel, Untersetzung stärker
ausgelegt (Garantieleistung) |
| 32 Motorausfall |
Faden aus Gewebeband um dem Anschlussstutzen des
Geräuschdämpfers in Hauptdüse Motor hat
keine Leistung mehr |
falsche, wenig sorgsame Umwicklung mit dem
Gewebeband ???, läuft einwandfrei bis
Viertelgas = 30 cm/s Steigen |
schmäleres Gewebeband verwendet Motor an Schwarze zurückgeschickt
kleinere Düse eingebaut, läuft im Stand sehr gut,
|
| 38 |
--------- |
--------- |
in Laucha beim Treffen 2005 läuft der Motor
gut; Zu Hause tritt altes Problem wieder auf! |
| 42 |
Motor hat nach Start wenig Leistung, nimmt nach
5 Minuten kein Gas mehr an- nur noch Viertelgas ==> kaum Steigen! |
Benzinluftgemisch zu fett oder zu mager? |
Vergasernadel höher ==> Motor läuft nur
mehr im Stand Vergasernadel tiefer (oberste
Stellung des Sic-Ringes, mager) ==> Motor läuft super!!!
Benzin-Luft-Gemisch war für die Höhe in der ich hier fliege
(> 500 m als in Laucha oder bei Schwarze) einfach zu fett. eingestellt. |
| 58 |
Anlasser dreht Motor nicht mehr durch |
Dekompressionskanal verstopft |
Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von
Ablagerungen (Kohle) gereinigt. |
| 68
<-06-> |
Gummi der Dämpfungselemente für den Auspuff eingerissen |
Verschleiß |
Gummis gewechselt |
| 73 |
Anlasser dreht Motor nicht mehr durch |
Dekompressionskanal verstopft, Kohleablagerungen |
Reinigung, Zündkerze mit niedrigem Wärmewert
(Bosch W 4...) |
| 82 |
Anlasser dreht Motor nicht mehr durch |
Dekompressionskanal verstopft |
Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von
Ablagerungen (Kohle) gereinigt. kein Synthetiköl mehr verwendet |
| 83 |
Massekabel gerissen |
Kabel mit Knick an der
Pressung verlegt |
gerade verlegt, mit
Schrumpfschlauch stabilisiert |
| 85 Motorausfall |
Keilriemenriss |
Spannschraube gerissen, zu
schwach ausgelegt |
Neuer Keilriemen,
Spannschraube mit Qualität 12.9 verwendet. |
| 90 |
Anlasser dreht Motor nicht mehr durch |
Dekompressionskanal verstopft |
Nach Entfernen des Zylinderkopfes, Kanal von
Ablagerungen (Kohle) gereinigt. kein Synthetiköl mehr verwendet, als
Sprit E50 |
| 105 |
Auspuff mit Rissen |
Vibrationen |
Schweißarbeiten |
| 109 |
kein Leerlauf mehr ohne
Choke; Motor läuft nur mehr ab Halbgas |
Vergaser (Düse) verstopft
-> nein; ein Kolbenring saß fest; |
Reinigung ---> Problem
nicht gelöst; neue Kolbenringe |
| 120 |
wieder kein Leerlauf |
Kolbenringe in Ordnung; ? |
langsam geht mir der
Hirth-Motor auf die Nerven! |
| 140 |
kein Leerlauf |
falsches Öl, Normalbenzin |
Motor läuft nach
Zusammenbau tadellos, wahrscheinlich war es das Zweitaktöl. Jetzt
verwende ich wieder Vollsynthetisches und Superbenzin - wie
vorgeschrieben |
| 158 <-07-> |
kein Leerlauf |
Kolbenring fest -
Konstruktionsproblem insg. |
unterer Kolbenring saß
wieder fest - werde jetzt eine Mischung 1 : 70 - 80 verwenden |
| 200 |
keine Vollgasleistung |
Gewebeband um dem Anschlussstutzen des
Geräuschdämpfers ragt in Vergaserstrom |
Verschleiß, öfters
erneuern, selber schuld!
Kohleablagerungen am Zylinderkopf
entfernt; verwende jetzt halbsynthetisches Öl
|
| 210 |
|
Vergaserdüse 160 |
Seit 10 Std. mit der
kleineren Düse, Motor läuft wesentlich besser, v. a. im höheren
Drehzahlbereich und bei Sommerhitze; ob er allerdings noch 15 min
Vollgas fest ist? Aber Vollgas brauch ich eh nur 1 min beim Start -
höchstens! |
| 215 |
Anlasser zieht Motor nicht
mehr durch
Riss im Auspuff und Gummipuffer |
Kohleablagerung
Vibration |
Anlasser zerlegt und
gereinigt, keine Besserung - später die Ursache erkannt: falsche
Justierung!
geschweißt Gummipuffer ersetzt |
| 250
<-08-> |
schlechter Leerlauf |
2. Kolbenring teilweise fest |
Kolbenring + Führung
gereinigt, Kohleablagerungen allg. entfernt; das alte Problem!!! |
| 270 Notlandung |
Auspuffrohr gerissen |
Materialermüdung |
neues Rohr eingeschweißt,
zusätzlich flexibles Teil von einem Autoauspuff verwendet |
| 278 |
kein Leerlauf |
unterer Kolbenring ? |
Kolbenring saß nicht fest,
keine Ablagerungen seit ich neues Gastrol-Öl verwende und 1 :
100-Mischung, Kolbenring
schien nicht festzusitzen |
| 290 Motorausfall |
Zündkerzengewinde zum
Stecker abgebrochen |
Materialermüdung, da Kerze
nicht richtig fest saß und > 50 h alt |
neue Kerze + Stecker |
| 292 Motorausfall |
Zylinderkopfdichtung defekt |
bei Montage des
Zylinderkopfes keine neue Dichtung verwendet |
neue Zylinderkopfdichtung |
| 299 |
kaum Kompression |
Zylinderkopfdichtung defekt |
Zylinderkopfschrauben
können nicht mehr richtig angezogen werden, da alle Gewinde
ausgerissen, auch die bereits mit Helicoil reparierten. Mit ein Grund:
Unterwegs mal die Schrauben ohne Drehmomentschlüssel zu fest
angezogen. Neuen Zylinder eingebaut - verwende jetzt Mischung
1 : 80 bis 1 : 100 --> keine Ablagerungen mehr |
| 312 <-09-> |
Gummidämpfer am Auspuff
schon mehrmals eingerissen |
Vibrationen, Gummi ist
auch zu wärmeempfindlich |
Umbau zu größeren
Gummidämpfern |
| 362 Motorausfall |
Kerbe an der Vergasernadel
ausgeleiert, Nadel rutschte durch |
Abnutzung durch
Vibrationen |
neue Vergasernadel |
| 378 |
Zähne des
Untersetzungszahnkranzes für E-Starter abgenutzt |
Verschleiß, da Zähne
(Stahl) nicht gehärtet |
E-Starter und Untersetzung
mit Schwungscheibe ausgebaut -- Motor läuft ohne die schwere
Schwungscheibe sogar ruhiger, weniger Vibrationen, auch im Leerlauf --
weniger ist doch oft mehr! |
| 392
<10> |
|
|
|
| 415 |
Schraubenriss |
Materialermüdung |
Schraube an
Schubstangenbefestigung gerissen - alle Schrauben erneuert |
| 420 Notlandung |
Untersetzungsriemen gerissen |
Lager am Propeller ist
kaputt gegangen; dadurch eiernder Lauf der Untersetzungs- scheibe,
Riemen sprang ab (Wahrscheinlich!) |
Motor dreht dadurch
plötzlich hoch, Vibrationen verhinderten das Abschalten, Ausschalter
funktionierte nicht mehr, Motor überdrehte, Kolbenklemmer, Zylinder +
Kolben kaputt. |
Damit endet die Geschichte
dieses Minimums. Ich habe alles verkauft. Die Nachfolgestory können Sie
unter dragonfly
weiterverfolgen. |
| Warum
nur Minimum
Um heute noch
Minimum zu
fliegen muss man nicht unbedingt verrückt sein
------ aber es hilft.
Szene 1
Die Wetterlage bietet mir zwei Möglichkeiten für
ausgedehnte Hängegleiterflüge. Da ich nur ungern drei Stunden im Auto sitze um in die
Alpen zu gelangen, bleibt mir die Alternative. Fünf Minuten Fahrt zum Flugplatz. Binnen
einer halben Stunde ist das Minimum startbereit. Hinter einem Schleppzug der Segelflieger
bekomme ich die Freigabe. Leichter Nordost, das heißt auf Turbulenzen achten. Doch viel
bedenklicher ist das geringe Steigen. Die hohe Lufttemperatur lässt die Leistung des
Solomotors weiter sinken. Hinzu kommen Abwinde. Jedenfalls steigt das Gelände steiler an
als ich steige. Also umkehren, ganz vorsichtig, denn die Grashalme sind noch zum Greifen
nahe. Vom Flugleiter brauche ich ob meiner Extratour keine Freigabe. Er kennt meine
Probleme. Querab der Bahn wird es besser. Eine Thermikblase lupft mich auf 100 Meter
Höhe. Der Abflug ist gesichert. Noch im Querteil der erste richtige Bart. Ich kreise mit
Vollgas ein und bin im Nu weit oberhalb der Höhe des Platzverkehrs. Langsam Gas raus. Das
Vario piepst noch immer im Stakkato. Motor aus. In ruhigen Kreisen geht es lautlos den
Wolken entgegen. Ich stecke das Kabel für die Kopfhörer um und tausche damit die Phrasen
des Funkverkehrs gegen Schlagermusik aus dem Walkman. Knapp unter dem Cumulus gehe ich auf
Kurs, denn eigentliches Ziel ist es, ein paar Kilometer für den DULV-Streckenflugpokal zu
machen.
Szene 2
Bei der flimmernden Luft über dem aufgelassenen
Steinbruch scheint die Thermik fast greifbar. Doch die Enttäuschung folgt unmittelbar.
Das Vario beharrt auf Sinken. Was soll´s! Wenn die Luft nicht will, muss der Zweitakter
wieder aushelfen. Zündung ein, Anlasserknopf gedrückt. Doch diesmal springt der Motor
nicht an. Ausgerechnet jetzt. Erneuter Versuch. Die unruhige Luft wirft den Flügel herum.
Ich brauche beide Hände um aus der Steilkurve herauszukommen. Die Baumwipfel kommen rasch
näher. Abdrehen in Richtung auf die vorsichtigerweise schon vorher anvisierte
Notlandewiese. Die Höhe reicht für einen weiteren Startversuch. Wieder nichts. Hätte
ich trotz der Hitze den Choke ziehen sollen? Jetzt heißt es sich auf die Landung
konzentrieren, denn die Wiese erweist sich aus geringer Höhe als Hang und gemäht ist sie
auch schon lange nicht mehr geworden. Es müsste klappen, an einen Wiederstart ist aber
nicht zu denken. Ein verzweifelter Startversuch im Gegenanflug. Egal ob Fortuna oder der
vollgezogene Choke die Ursache ist, der Motor läuft. Der Flugtag und wahrscheinlich ein
Paar Trapezstangen sind gerettet. Ich reiße das Helmvisier auf. Heiß hier in dieser
Gegend! Nach 10 Minuten ist mein Adrenalinspiegel so weit gesunken, dass ich wieder Musik
hören möchte. Bestimmt nur Zufall: "Waterloo" von der einstigen Poppgruppe
ABBA trällert es mir entgegen. Mit mir nicht, denn heute schalte ich den Motor im Flug
nicht mehr aus.
Szene 3
Der Rückflug erfolgt in ruhiger Luft mit schwachen
Thermikeinlagen und prächtiger Fernsicht. Der kleine Flugplatz voraus böte sich für
eine Zwischenlandung und damit zusätzlichen Punkten für den Streckenflugpokal geradezu
an. Das M meiner Kennung geht dem Flugleiter gar nicht über die Lippen. Er nuschelt etwas
von Echo. Um Klarheit zu schaffen melde ich mich deutlich mit "Ultraleicht ... zur
Landung". Daraufhin ist ganz Funkstille. Oder ist mein Akku leer? "Sie
dürfen auf dem Platz nicht landen", kommt schließlich die nicht unerwartete
Antwort. "Nein, auch nicht ausnahmsweise, und die Übelkeit nehme ich Ihnen nicht
ab." Basta! 600 Meter Asphalt und über 1000 Meter Grasbahn scheinen zu wenig. Ach
ja, Minimum kann man durchaus mit Boeing verwechseln. Und die dürfen auch nicht auf jedem
Platz runter. "Aber sie können bei unserem Vorstand einen schriftlichen Antrag
stellen. Vielleicht wird er bewilligt", kommt noch ein Zusatz. Der Mann hat Nerven.
Als ob man beim Minimumfliegen einen Antrag ausfüllen könnte. Schade, ich lande zu gerne
auf fremden Plätzen.
Szene 4
Ich fliege direkt in die Abendsonne hinein. Deren
Strahlen spiegeln sich in einem kleinen See. Wie pures Gold glänzt die Wasseroberfläche.
So stelle ich mir den Blick auf El Dorado vor. Fasziniert kreise ich am Ort, um dieses
Funkeln länger genießen zu können. In der Ferne stehen dunkel einige Staubfontänen
über der Öde des größten Truppenübungsplatzes Europas. Im Osten ragen wie ein
mahnender Zeigefinger die Ruinen der Hohenstauferfeste aus dem riesigen Waldgebiet. Ich
überfliege den geografischen Mittelpunkt Europas. Die Leute auf der Plattform winken. Mit
beiden Armen rudernd erwidere ich die Grüße. Zu dieser Stimmung passt klassische Musik.
Rasch wechsle ich die Kassette. Ein Walzer von Schostakowitsch. Der Himmel gehört mir.
Ich schließe die Augen und breite die Arme aus. Fliegen pur. Ich muss den Luftraum mit
keinem teilen, so weit das Auge reicht. Kein Ausweichen, keine Angst der andere könnte
mich nicht gesehen haben.
Szene 5
Weit mehr als 1000 Meter Luft unter dem Bauch. Das
reicht um den Platz im Gleitflug zu erreichen. Kaum glaublich, in den letzen 10 Minuten
habe ich keine Höhe verloren. Die Luft über dem tagsüber aufgeheizten Häusermeer
trägt mich wie auf Watte. Die Fußgängerzone der Stadt liegt spielzeughaft unter mir.
Die Tische vor den Cafes und Kneipen sind dicht besetzt. Jeder geniest eben diesen
herrlichen Sommerabend auf seine Art. Das letzte Mal habe ich die Ouvertüre zur
Fledermaus in der Konzerthalle dort unten gehört, zugegeben in akustisch besserer
Qualität als aus den Helmlautsprechern. Dafür versperrt mir heute kein Vordermann den
Blick aufs Bühnenbild. Zwanzig Minuten später ist der Thermikofen leider aus. Ich nehme
Kurs auf den Flugplatz. Die letzten Höhenmeter baue ich in Steilkurven über der
Landebahn ab. Der Turm ist längst verwaist. Um diese Zeit landen bei uns höchstens
noch UL-Flieger mit Sondergenehmigung. Kurze Zeit später ist das Minimum nur mehr ein
geordnetes Chaos im Kofferraum, und ich kann mich zu den Fliegerkameraden in bereits
aufgeheiterter Runde setzen. "Warum bist du bei diesem Wetter nicht mit dem Trike
geflogen. Würdest dann nicht so mitgenommen ausschauen", ist deren erste
Begrüßung. "Warum nur Minimum?" Ich zucke mit den Schultern. Was soll ich
darauf antworten? Sie würden mich ja doch nicht verstehen.
Nachwort:
Und da waren noch die Flüge mit dem elenden
Gegenwind, bei dem der eigene Schatten auf dem Acker unten festgenagelt schien, die
abvibrierten Teile, welche durch den Propeller marschierten, die Außenlandungen aufgrund
eines Defekts und die anschließenden Autostopps, wenn keiner hält. Oder die
stundenlangen Reparaturen in der Garage. Das waren Zeiten, in denen ich mich selbst zu
fragen begann: Warum nur Minimum? Achselzucken, denn in solchen Momenten kann ich mich
selbst nicht verstehen.
Dieser Artikel von Lois
Laumer ist einst im
DULV- Info 5/98 erschienen. Hat er rnach 11 Jahren an Aktualität verloren? |
|