|
|

Das ist
schon fast Tradition. Jedes Jahr bringen die Franzosen ein oder zwei
erfolgreiche Komödien ins Kino. Man denke nur an „Willkommen bei den
SCH’TIS“ (2008) oder „Nichts zu verzollen“ (2011). Immer mit sehr
kauzigen Charakteren und Geschichten, die das Leben ein bisschen anders
aussehen lassen. Dieses Mal könnte man sagen „Hartz 4“ trifft auf High
Society.
Sie könnten unterschiedlich nicht sein. Sie Agathe (ISABELLE HUPPERT)
ist eine renommierte Galeristin, Chefin einer angesehenen Sammlung
moderner Kunst. Er Patrick (BENOÎT POELVOORDE) lebt von
Gelegenheitsarbeiten und der Wohlfahrt. Sie hat sieben Jahre
Kunstgeschichte studiert, er saß sieben Jahre im Knast.
Sie ist mit dem Kulturminister auf du und du. Er ist keinem
alkoholischen Getränk abgeneigt. Sie führt gern intellektuelle Debatten.
Er liebt gelegentlichen Sex mit vollbusigen Bettgenossinnen. Sie hätten
eigentlich gar nicht zusammentreffen können, aber ihre beiden Söhne sind
trotz unterschiedlicher Herkunft beste Freunde.
Und so trampelt er ohne Rücksicht auf Verluste in ihr Leben. Denn er hat
eine große Sorge. Das Jugendamt will seinen Sohn zu Pflegeeltern geben,
wenn er nicht bald einen festen Wohnsitz nachweisen kann. So bleibt der
einzigste Strohhalm Agathe und ihr Lebensgefährte François (ANDRÉ
DUSSOLLIER). Francois engagiert ihn gleich für Handwerkerarbeiten in der
Wohnung.
Dabei kommen sich Agathe und Patrick zwar dauernd in die Haare, aber
auch ein bisschen näher. Der Höhepunkt kommt bei einer Ausstellung von
Werken des Künstlers Sugimoto. Die Feierlichkeiten sind im vollen Gange,
die Pariser Gesellschaft ist vollständig versammelt, als Patrick
auftaucht und zielstrebig die Bar ansteuert.
Agathe versucht alles, ihn loszuwerden. Er und sein Auftritt sind ihr
peinlich. Doch vergebens, Patrick bleibt. Bis alle Gäste gegangen sind.
Im Regen betrinkt er sich mit Agathe und die beiden kommen sich näher.
Erstmals scheinen sie einander zu verstehen. Patrick begleitet Agathe
nach Hause und hält er sie sogar in den Armen und trägt sie ins
Schlafzimmer. Mit Folgen…
Ein Film von Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer
Leidenschaft“) mit einem gut eingespielten Team von hervorragenden
Schauspielern. Gekonnt in Szene gesetzt und äußert humorvoll inszeniert.
102 Minuten – gut angelegte Zeit für einen vergnüglichen Kinoabend.

Ab 19. Januar 2012 im KINO.
A.G.Wells
|