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„J. Edgar“
Es ist schon erstaunlich. Über 80 Jahre alt und er hat immer noch nicht
genug vom Film. Die Rede ist von Clint Eastwood. Jahr für Jahr bringt er
Filme ins Kino. Dieses Mal ist es ein Biopik über eine der
geheimnistvollsten und schillersten Persönlichkeit der amerikanischen
Geschichte. J. Edgar Hoover – dem Gründer des FBI.
J. Edgar (Leonardo DiCaprio) tritt mit 17 Jahren in den Staatsdienst
ein. Getrieben von einer ehrgeizigen Mutter (Judy Dench) macht er
schnell Karriere. Seine ersten Erfolge war die Verhaftung von 10.000
Kommunisten, von denen er 500 danach deportieren ließ. 1924 wurde er
Direktor des bis dahin wenig erfolgreichen FBI.
Damit begann nicht nur für ihn ein steiler Aufstieg. Er war besessen von
der Idee, diese Polizeitruppe zur besten der Welt zu machen. Auf dem Weg
dahin war es sein Ziel, alles über jede öffentliche Person zu wissen.
Von sich selbst dagegen erfuhr die Öffentlichkeit so gut wie nichts.
So wie er sein öffentliches Image steuerte, so sorgfältig verbarg er
sein Privatleben – nur ein kleiner, abgeschirmter innerer Kreis genoss
sein Vertrauen. Sein engster Mitarbeiter Clyde Tolson ( Armie Hammer)
war auch sein ständiger Begleiter. Seine Sekretärin Helen Gandy (Naomi
Watts), die wohl am besten über Hoovers Pläne Bescheid wusste, blieb ihm
bis zu ihrem Ende treu – und darüber hinaus. Sie war es auch die Hoovers
geheime Datei vor dem Zugriff der Nachwelt schützte, indem sie die Akten
durch den Reiswolf jagte.
Wir erleben „J. Edgar“ mit Hoovers eigenen Augen: sein privates und sein
öffentliches Leben, seine Beziehungen. Er verbog die Wahrheit ebenso
leichtfertig, wie er unablässig für sie kämpfte. Sein Leben lang vertrat
er eine sehr eigensinnige Rechtsauffassung, und mehr als einmal ließ er
sich von der finsteren Seite der Macht leiten.
J. Edgar Hoover war eine komplexe, mitreißende Persönlichkeit, die
Amerika in ihrem Bann hielt und deren Vermächtnis auch heute noch in den
Fluren jenes FBI-Gebäudes zu spüren ist, das nach ihm benannt wurde. Er
beschleunigte die Einführung der modernen Forensik und schuf ein System
von Bundesgesetzen, die die USA auf vielfältige Weise veränderten – was
bis in die Gegenwart nachwirkt.
Er wurde gefürchtet und verehrt, war ein Mann der Gegensätze, dessen
öffentliches und privates Leben Gerüchte und Anspielungen provozierte.
Doch weil er seine eigenen Geheimnisse eisern zu wahren wusste, sind wir
in Bezug auf sein Leben nach wie vor weitgehend auf Spekulationen
angewiesen.
55 Jahre arbeitete Hoover für das FBI. Er schaffte es sogar, Präsident
Lyndon B. Johnson zu überzeugen, mit einem Sondergesetz seine
Zwangspensionierung zu verhindern. Aus diesem umfangreichen Stoff hat
Clint Eastwood einen packenden Film gemacht. Wobei vor allen Dingen
seine Hauptdarsteller exzellente, oscarreife Leistungen abliefern.
Obwohl bei einer Länge von über zwei Stunden, so richtig springt kein
emotionaler Funke über.
136 Minuten – ein Film zwischen Wahrheit und Fiktion über einen Mann der
Zeitgeschichte.

Ab 19. Januar 2012 im KINO.
A.G.Wells
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