Ulrich Kölker

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D u o d e n a r i u m
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3. Jahr: 2010




J a n u a r


Aus dem digitalen Notizbuch

Rätsel, die auf ungeschickte Weise das Geheimnis nachahmen.

Er versucht an der Gegenwart vorbei die Zukunft zu gewinnen, aber das kann nicht gelingen.

Plötzlich schien es ihm, daß sie sich in einer fremden Sprache unterhielten, einer Sprache, die sie beide nur halb beherrschten und in der das meiste für sie nicht sagbar war.

Ein Denkmal, das Purzelbäume schlägt.

Um ernst genommen zu werden, verbietet er sich mehr und mehr, bis, was er schafft, so spannungsarm, so belanglos ist, daß sich die Frage, ob er ernst zu nehmen ist, gar nicht mehr stellt.

Einer zieht von einem Stil in einen anderen um.

Bilder, die das Altmodische, das eine Künstlerexistenz immer hat, vergessen machen möchten.

Einer macht als Nicht-Funktionierender Karriere.

Müßte man nicht jedes Glück zurückweisen, das anderes Unglück als das eigene zur Voraussetzung hat?

Geträumtes mischt sich unter die Erinnerungen, teilt auch ihnen etwas von seinem besonderen Licht mit.

Einer mordet einen Vater nach dem andern, endlich auch die Anti-Väter.

Ein Künstler in fairem Wettstreit mit sich selbst.

Die Nährgebiete der Poesie und ihre Zehrgebiete.

Einem wachsen gleichzeitig Flügel und Wurzeln.

Der letzte Autor zerstreitet sich mit dem letzten Leser.

Ein Gedanke, der sich hastig ein Bild übergestreift hat.

Als Maler beruft er sich auf die Dichter, als Dichter auf die Maler.

Eine Sprache, die sich schlank gehungert hat.

Ein Haus voller Zukunft, aber er bezieht es zu spät, zu spät.

Der Mensch definiert sich auch über die Möglichkeit, Gegenstimme zu sein - eine Möglichkeit, die erst mit ihm in die Welt gekommen ist.












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© Ulrich Kölker 2010