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Ulrich Kölker .
D u o d e n a r i u m.
5. Jahr: 2012J a n u a r
Prosa
Sein
gesamter Organismus ist auf Kampf eingestellt, einen Kampf auf Leben
und Tod,
doch der Drache, statt, wie schon so oft erzählt worden ist, wild
zu fauchen
und Feuer zu speien, fleht bloß mit leiser, herzergreifend
brüchiger Stimme:
Töte mich, erlöse mich! Der Lanzenstoß geht wie in
Butter, er sieht das müde
Blut des verendenden Ungeheuers im kargen Boden versickern. Absurd die
Vorstellung, in diesem Blut zu baden: statt unverwundbar zu werden,
müßte er
befürchten, sich mit Schwäche und Überdruß zu
infizieren. In die Gemeinschaft
kehrt er als Held zurück und hat doch – er allein weiß es –
nur Sterbehilfe
geleistet.
Aus
dem digitalen Notizbuch Dr. Jeckyll wird fromm, Mr. Hyde zum Gotteskrieger. Der Maler hat die weiße Leinwand gehißt, aber es will kein Wind kommen. Wach kann er die Gleichungen des Traums nicht mehr lösen. Der einzelne Tropfen weiß nichts vom Regenbogen. Die verwinkelte Enge, die atmende Weite dieses Traums. Ein Stille-Post-Spiel, bei dem es um die ewigen Fragen der Spezies geht. Ein touristisch erschlossenes Geheimnis. Der Maler nähert sich auf Zehenspitzen, um das Spiel der Farben nicht zu stören. Eine Wunde vererben. Die Zeit stand nackt wie ein winterlicher Baum da. Parawörter, schemenhafte Fastwörter an der Peripherie der Sprache. Uhrwerke: grazile Gefängnisse der Zeit. Der Tod brennt ein Loch in die Zeit. Eine Musik, die einen durch endlose Korridore jagt, vorbei an einer Unend- lichkeit von geschlossenen Türen. Seine Phantome wechseln von Zeit zu Zeit das Geschlecht. Das gläserne Skelett dieser Musik. Bilder aus der entfernten Verwandtschaft der Erinnerungen. Das dunkle Hinterland der Sprache erkunden. Ein Pilz, der die Zukunft
befällt, sie zersetzt,
noch bevor sie Gegenwart werden kann.
Als er beschloß, Brücke zu werden, war hier ein Abgrund, aber das ist lange her. Wer hat die Farben das Lügen gelehrt? Es zieht uns zu vergessenen Grenzen hin. Ein Vampir, der sich vom erkalteten Blut der Klassiker nährt. In den Künsten gibt es keine Privatwege. Ein Feiertag, an dem eine leere Leinwand durch die Straßen getragen wird. Durchs Jahr
Frühling 2005 bis Winter 2005 / 2006 zur Person © Ulrich Kölker 2012 |