Die Rache der Kirchenmaus

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    Einst lebte eine Kirchenmaus
    so ganz allein im Gotteshaus,
    ganz ohne Eltern und Geschwister;
    die fing mit Fallen weg der Küster.
    Sie schlief betrübt im Klingelbeutel,
    worauf stand: "Es ist alles eitel!"
    Dort sann sie über Rache nach,
    doch sah sie ein, sie war zu schwach.
    Sie kannte wohl die zehn Gebote -
    denn schließlich war sie ja Kirchenmaus
    - doch ballt im Haß die kleine Pfote:
    "Ich räche mich, trotz Gotteshaus!"
    Am nächsten Sonntag, wie zum Lohne,
    fand sie in einer Kirchenbank
    ein Stanniol, so blitzeblank,
    und das war eine Cognacbohne.
    Sie roch daran, und knabberte.
    Dann kam ein Saft, sie schlabberte.
    Potztausend! - hat sie sich gewundert,
    und dann bekam sie Mut für hundert!
    Die Kirche füllte sich alsbald,
    ein frommes Orgelspiel erschallt',
    der droben spielt im vollen Zuge
    von Bach die große G-moll-Fuge.
    Da sprang das Mäuslein 'rauf zum Küster,
    just wie er spielt in Künstlerpose -
    und sprach: "Buh, jetzt zieh ich Register!"
    und biß ihn dreimal in die Hose.
    Dann sprang das Luder auf die Tasten,
    begann darauf herumzuhasten, -
    "Wer nur den lieben Gott läßt walten"
    spielt er, - der Mann mußt ja die Tasten halten;
    doch Mäuslein mit dem langen Schwänzchen
    improvisiert dazu Kadenzchen.
    Es trillert' mit dem hohen Fis,
    hüpfte von A nach B und Cis
    und biß den Küster in die Pfoten:
    Der spielte bereits gottsverboten!
    Das Mäuslein jubelt': "Na, mein Schatz,
    jetzt klingt es ja schon fast wie Jazz!
    Das wird besonders fromm empfunden! -
    Rutsch, ein Glissando, und war schon verschwunden.
    Doch wie der Gottesdienst vorüber,
    da sprach der Pastor: "Blasphemie,
    Sie war'n besoffen, gehen sie!"
    So rächte Eltern und Geschwister
    das Kirchenmäuslein an dem Küster.