Phantasie über ein (Erl)königliches Thema
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Wer sitzt in der Kirche so spät in der Nacht?
Es ist der Kantor, der die Orgel bewacht.
Der hatte einen schweren Traum, in dem -
hört zu - man glaubt es kaum
ein Untier saß in ihrem Innern
mit grausigem Geheul und Wimmern.
Der Gnom saß drin ganz dick und rund;
fraß grad den letzten Pfeifenspund.
Das fand der Kantor gar nicht nett
und sprang vor Wut aus seinem Bett.
Mit dem Gesicht voller Entsetzen,
sah man ihn durch die Straßen wetzen.
Ganz leise und bei Kerzenschein
schleicht sich in die Kirche ein.
Hier ein Schatten? - Dort ein Flackern?? -
War da nicht ein leises Schnattern? -
Doch nichts von allem ist zu hören.
Niemand tut hier die Ruhe stören.
Der Kantor, voller Freud' und Glück,
streichelt nun sein bestes Stück.
Die Orgel steht ganz unversehrt -
doch hört - was diese Storry weiter lehrt!
Der Kantor wollt' zu Bett nun gehn,
da bleibt er bleich vor Schreck doch steh'n.
Ein Rascheln hört sein gutes Ohr,
das kommt ihm sehr verdächtig vor.
Flink und ohne Federlesen
greift er einen alten Besen.
Im 16 Fuß mit "F" beschrieben,
da ist er plötzlich stehn geblieben.
Hier ist ein Knabbern und ein Nagen --
Jetzt geht's dem Vielfraß an den Kragen!
Man schaut tief in den Pfeifenschacht,-
sieh da - wer hätte das gedacht-
ganz unten - völlig unverfroren
beginnt dort eine Maus zu bohren.
Der Kantor überlegt geschwind
und öffnet seinen Orgelspind,
zieht die Register, drückt die Tasten;
die Finger dürfen nun nicht rasten.
Er präludiert auf "Es" und "G"
und schließlich über'm großen "C".
Die Maus ist irritiert vom Wind,
der durch den Fuß der Pfeife rinnt.
Den lauten Ton in dem Gehäuse
vertragen nur die stärksten Mäuse.
Ihr wird ganz schwindelig im Nu
und hält sich Aug und Ohren zu.
Mit Orgelpunkt in "F" ein Stück
spielt jetzt der Meister ganz verzückt.
Er spielt noch bis zum Morgenrot-
die vielbesagte Maus war tot.