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Der Zeit-Tunnel

Der Zeit-Tunnel


Der Zeit-Tunnel

Anmerkungen zu der Serie »The Time Tunnel« von Richard Bercanay

© Urdruck 1999

In 31 Folgen erleben die beiden amerikanischen Wissenschaftler Dr. Antony Newman und Dr. Douglas Phillips phantastische Abenteuer in den endlosen Korridoren der Zeit. Sie reisen in die Vergangenheit und die Zukunft, landen unter anderem auf der Teufelsinsel, auf Krakatao, vor den Toren Trojas und am Little Big Horn, einen Tag, bevor General George Armstrong Custor das Indianerdorf angreift.

Der Zeit-Tunnel zählt zu den beeindruckensten Serien, die Science Fiction mit geschichtlichen Fakten kombiniert, zumindest in den Folgen, die historisch sind. Tony und Doug sind dazu verurteilt, die Geschichte ihren Lauf nehmen zu lassen, denn weil es sich um historische Tatsachen handelt, können sie sie nicht beeinflussen.

Douglas Phillips warnt Custor vor dem Angriff und teilt ihm mit, daß er uns seine Männer noch am Abend tot sein werden. Custor lacht jedoch nur darüber und bezeichnet Phillips als Idioten - was anderes sollte er auch tun, denn die Schlacht am Little Big Horn, bei der Custors Truppen umkamen, ist bereits Geschichte.

Die beiden Zeitreisenden sind immer wieder mit dem Wunsch konfrontiert, das Schlimme, das bevorsteht, abzuwenden, gleichsam jedoch im Bewußtsein, daß sie dies nicht können. Sie kennen die Zukunft, jedoch wird ihnen nur selten geglaubt.

Um zu beweisen, daß sich die Förderung des Zeit-Tunnels weiter lohnt, begibt sich Dr. Newman auf eine Zeitreise durch den technisch noch nicht vollendeten Tunnel und landet auf der Titanic. Um ihm zu helfen folgt ihm Projektleiter Phillips. Im Zeit-Tunnel müssen Dr. Swayn, Dr. MacGregor und General Kirk sehr schnell feststellen, daß sie die beiden Wissenschaftler nicht zurückholen können. Sie versuchen es, versetzen Tony und Doug dabei jedoch immer wieder in eine andere Zeitzone.

Auf der Insel Krakatao, die 1881 bei einem gewaltigen Vulkanausbruch zum überwiegenden Teil im Meer versank, gelingt es zum ersten Mal, Sprechkontakt aufzunehmen. Dieser Sprechkontakt wird auch in weiteren Folgen des Tunnels eine Rolle spielen.

Bei den verschiedenen Versuchen, Tony und Doug in die Gegenwart zurückzuholen, erwischen die Techniker vom Zeit-Tunnel immer wieder die falschen Leute - der Tunnel funktioniert eben noch nicht so einwandfrei, wie sich General Kirk und die Wissenschaftler das wünschen.

So landet bei dem Versuch, Tony und Doug von der Teufelsinsel zu retten, der Mitgefangene Boudaire im Tunnel, der General Kirk auch prompt mitteilt, daß er nicht die Absicht habe, zurückzukehren, denn im Zeit-Tunnel sei er frei.

Im Verlauf der Versuche, Tony und Doug zurückzuholen, versuchen es die Wissenschaftler mit der »Strahlentechnik«. Der Ring General Kirks wird dem Strahlungsbad ausgesetzt und in die Vergangenheit zu Zeiten der französischen Revolution gebracht. Dummerweise gelang er in die Hände eines Vorfahren Kirks, wodurch die zeitliche Peilung auf Doug und Tony nahezu unmöglich wird. Um die beiden vor der Verhaftung durch den Vorfahren des Generals zu retten, läßt Kirk seinen Vorfahren in die Gegenwart holen. Dieser will den Ring gegen Marie-Antoinette verwenden. General Kirk versucht seinem fanatischen Vorfahren klarzumachen, daß die französische Revolution auch ohne den Ring gewonnen wurde.

Eine weitere besonders eindrucksvolle Folge ist die »Geheimwaffe«. In Rußland im Jahre 1956 stoßen Tony und Doug auf einen Zeit-Tunnel. Eine Folge, die fraglos nicht historisch ist, jedoch viel über die Funktionen des Zeit-Tunnels vermittelt.

Immer im Verbund mit dieser Serie stehen zeitphilosophische Fragen und die Frage, ob Zeitreisen eines Tages überhaupt möglich sein werden. Die Wahrscheinlichkeit für letzteres ist nicht gerade hoch, um es zurückhaltend auszudrücken. Der gegenwärtige Stand der Forschung besagt, daß Zeitreisen nicht möglich sind. Sie sind auch nur schwer vorstellbar.

Wir kennen die Vergangenheit und können sie nicht ändern. Wenn Zeitreisen möglich seien sollten, kam unsere Vergangenheit trotz dieser Tatsache so zustande, wie wir sie kennen. Es wird nicht möglich sein, in die Vergangenheit zu reisen, um schlimme Ereignisse zu verhindern, die der Geschichte bereits angehören.

Zeitphilosophische Frage werden im Verlauf der Serie immer wieder aufgeworfen - der Zuschauer muß sie selbst zu Ende denken.

»Niemand hat je ergründet, was Zeit wirklich ist, geschweige denn, wie sie funktioniert..« sagt Douglas Phillips dem Gesetzlosen Billy The Kid, zweifelsohne eine Person, die sich um solche Fragen niemals Gedanken machen wird. »Ich bin in dieser Zeit zwar lebendig - geboren werde ich allerdings erst in etwa 50 Jahren« fährt Phillips fort - Billy The Kid fühlt sich auf den Arm genommen.

»Wir reden über die allgemeine Definition des Zeitbegriffs« sagt General Kirk, konfrontiert mit der Frage, ob der Halleysche Komet der Tunnel-Anlage gefährlich werden könnte. »Soweit mir bekannt ist, hat noch niemand defniniert, was Zeit ist« erwidert Dr. Anne MacGregor.

Die Serie gibt auf diese Frage keine Antwort. Es wird auf diese Frage vermutlich auch niemals eine Antwort geben, sie wird philosophisch und der Betrachtung des Einzelen unterworfen bleiben.

Zeit und Zeitreisen faszinieren die Menschen offenbar schon lange und seit je her, nicht ohne Grund ist dies ein beliebtes Motiv im Science Fiction. Im Zeit-Tunnel wurde dieses Motiv besonders gelungen umgesetzt. Eine Serie, die zu sehen sich Folge für Folge lohnt.

Richard Bercanay, 26. Januar 1999


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