4. ERGEBNISSE

 

Aus der ausgewählten semantischen Urbegriffen wurden insgesamt 522 germanische Wortstämme identifiziert. Entsprechungen in den übrigen indoeuropäischen Tochtersprachfamilien wurden auch geforscht, um eine areale semantische Netz jeder Wortstamm aufzubauen. 198 Mögliche Entsprechungen in der uralischen Tochtersprachen wurden kennzeichnet, und davon ähnlichen uralischen Wortstämme rekonstruiert, d.h. insgesamt 37,9% der untersuchten Wörtstämmen haben eine uralo-germanische Korrespondenz und mögliche gemeinsame Herkunft. Drunter stehen manche Beispiele:

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

Grossvater

awa

 

awus

 

papos

 

χaw

awe

 

 

 

awa

aba

opa

βwopa

 

opa

Vater

 

 

papa

 

apa

 

 

apake

 

 

 

 

 

apa

owo

 

Schwiegervater

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

apa

ape

inopa

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

Knabe

bok

 

puklo

 

pes

 

 

 

 

bala

 

wajks

boj

βiu

pojk

pajka

pojk

Sohn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pik

pojka

piɲi

Enkel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

apik

pijo

 

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

Kopf

kawpa

 

kaput

 

kepala

 

 

 

 

kaput

golwa

galwa

χawbida

χope

kopa

epa

kopə

Schädel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kopi

kolp

kojmu

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

lachen

klag

 

 

 

gelaw

 

 

 

 

kaχati

 

klegeti

χlaχ

laχasi

lawsuma

lakenaŋ

lawkə

rufen

 

klaŋgo

leχ

klagi

 

 

 

 

 

klegitati

klega

 

lojki

 

lewku

sagen

 

 

 

 

lego

 

 

 

 

wakti

 

 

 

laki

lawsuma

 

Wort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

laχ

 

ejχ

Stimme

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

jeni

laɲu

Rede

 

 

woχ

 

 

 

 

wak

 

 

 

 

 

 

laŋχel

 

 

 

lügen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ligati

 

ljug

 

 

 

 

 

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

denken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sin

sim

simat

sine

sinə

sprechen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

saŋk

sana

 

fühlen

seŋt

 

seŋsi

 

 

 

 

 

 

 

set

siŋt

 

simat

ʃemat

sejpu

wollen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

saŋ

ʃamo

 

können

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

saŋ

 

 

 

 

 

Urindoeur.

Urkelt.

Urital.

Uralb.

Urgriech.

Uranat.

Urarm.

Urtoch.

Uriran.

Urind.

Urslaw.

Urbalt.

Urgerm.

Urugr.

Urosfinn.

Ursam.

Ururalisch

Waßer

witar

 

 

 

idor

watar

 

 

 

 

wada

waŋd

wada

βit

wut

wit

witə

Eis

 

ladg

 

 

 

 

 

 

 

 

led

led

 

put

 

χoŋðu

Regen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

peti

petik

 

Fluß

 

 

 

 

 

get

jot

wajdi

 

 

 

 

 

 

 

pəða

 

 

 

Aus der 198 bestätigte Wortstämme, 141 sind im Neuhochdeutsch anwesend, und 130 haben eine indoeuropäische festgelegte Entsprechung, die aber in Bezug zu ihren rekonstruierten semantischen Netze eine geringere Umfassung haben, als die von der gleichen uralischen Stämmen. Weitere Vergleichen sind drunter gezeigt.

Verzeichnis der Korrespondenz gemeiner indo-uralischen Wörtstämmen in der germanischen und in der übrigen untersuchten Sprachfamilien innerhalb des semantischen Netzes (Frequenz in %):

 

 

 

 

IE

KELT

ITAL

ALB

GRIE

ANAT

ARM

TOCH

IRAN

IND

SLAW

BALT

UGR

FINN

SAM

UR

GERM

65,2

55,1

65,7

31,3

64,5

21,7

39,9

34,3

45,5

52,5

57,6

71,2

100

99,9

98,0

100

 

 

Verzeichnis der direkten Korrespondenzen gemeiner indo-uralischen Wortstämmen in der germanischen und in der übrigen untersuchten Sprachfamilien (Frequenz in %):

 

 

 

 

IE

KELT

ITAL

ALB

GRIE

ANAT

ARM

TOCH

IRAN

IND

SLAW

BALT

UGR

FINN

SAM

UR

GERM

34,3

23,2

22,2

9,6

26,3

9,1

14,1

9,6

17,2

20,7

26,3

31,3

80,3

72,7

72,2

79,3

 

 

Die etymologische Erklärungen vielen dieser Wortstämmen sind in der meisten Fachwörterbuchen mangelhaft, z.B.:

 

 

 

 

 

 

KLUGE (2002)

 

IN DIESER FORSCHUNG

Baum

Aus wgerm. *bauma- m. „Baum, Balken“. Nach Kuiper aus einer Substratsprache entlehnt.

 

aus urural. *paw „Baum, Holz, Grass“.

denken

Aus germ. *θank-(i)ja- „denken“. Kausativum (oder allenfalls Primärverb) zu einer zunächst nicht klaren Verbalwurzel.

 

aus  urural. *taŋk „denken, wissen, wollen, sprechen”.

dunkel

Aus germ. *denkw- Adj. „dunkel“. Offenbar ein altes Wort ohne weitere Anknüpfungsmöglichkeit.

 

aus urural. *toŋkə „Rauch, Staub, Asche, schwarz, verstecken“.

Eis

Aus germ. *isa- n. „Eis“. Dieses hat eine genaue Vergleichsmöglichkeit lediglich in den iranischen Sprachen. Dieses weiter zu ig. *eis- „sprühen“.

 

aus urural. *jesə „Eis, Schnee, kalt, naß”.

Erde

Aus germ. *erθo f. „Erde“. Weitere Verknüpfungen sind unsicher.

 

aus urural. *ert „Ufer, Ort, Steppe, Feld“.

Finger

Aus germ. *fengra- (oder *fingra-) m. „Finger“. Das Wort wird zu dem Zahlwort fünf gestellt.

 

aus urural. *poŋkə „Hand, Flügel, Finger, nehmen“.

Got

Aus germ. *guθ- „Gott“. Vermutlich Abstraktbildung mit ableitendem -t- zu ig. *gheu- "gießen".

 

aus urural. *kot „Gott, Herr, Sonne, Morgen, Wolke“

Hand

Aus germ. *handu- „Hand“. Herkunft umstritten. Denkbar ist ein Anschluß an germ. *henθ-a- "fangen, ergreifen".

 

aus urural. *kaŋtə „Hand, Nagel, zeichnen, halten, nehmen, jagen, kämpfen, schlagen, bringen, stecken.

Haus

Aus germ. *husa- n. „Haus“. Herkunft unklar.

 

aus urural. *χas „Haus, Dach, Rinde, Loch“.

Mund

Aus germ. *munθa „Mund“. Weitere Herkunft unklar. Vielleicht eine schwundstufige Ableitung von indogerm. *stomen „Mund“.

 

aus urural. *moŋð „sagen, lachen“.

Nacken

Aus germ. *hnakka-/On m. „Hinterhaupt, Nacken“. Weitere Herkunft unklar. Nach Sommer zu dem lautnachahmenden *knak- für das Knacken der Gelenke.

 

aus urural. *nik „Nacken“.

Oma

Kindersprachliche Umbildung von Großmama.

 

aus urural. *ema „Mutter, Grossmutter, Tante, Stiefmutter“.

Opa

Kindersprachliche Umbildung von Großpapa.

 

aus urural. *opa „Grossvater, Vater, Schwiegervater”.

Pfuhl

Aus wgerm. *pola- m. „Sumpf, Morast“ unklarer Herkunft. Vermutlich entlehnt aus einer unbekannten Vorlage.

 

aus urural. *pal „Feld, Boden, Tal, Decke, Außen“.

Regen

Aus germ. *regna- m./n. „Regen“. Weitere Herkunft unklar.

 

aus urural. *rik „Regen, Wolke, fallen“.

schlagen

Aus germ. *slah-a- Vst. „schlagen“. Außergermanisch schlecht zu vergleichen.

 

aus urural. *lok “schlagen, stechen, wischen, stürzen, brechen”.

schwimmen

Aus germ. *swemm-a- Vst. „schwimmen“. Weitere Herkunft unklar.

 

aus urural. *səw „Schnee, Eis, schwimmen“.

Sinn

Die etymologischen Verhältnisse sind unklar.

 

aus urural. *sinə „denken, fühlen, sprechen, wollen.

Waid

Aus wgerm. *waizda- m. „Waid“. Die Vermutung, daß alle diese Wörter aus einer unbekannten Sprache entlehnt sind, liegt nahe.

 

aus urural. *petjə „Baum, Holz, Wald, grün“.

walken

Aus wgerm. *walk-a- Vst. (reduplizierend) „walken“. Die Ausgangsbedeutung der Sippe ist unklar.

 

aus urural. *wajkə „gehen, fortgehen, Bein.

Zelt

Zu ae. teldan Vst. „bedecken“ (starke Flexion wohl sekundär), dessen Herkunft unklar ist. Vermutlich ist früh-romisch.

 

aus urural. *toð „Belag, Haus, decken“.