| 1002 |
Die Brenztalstraße wird
von Kaiser Heinrich II. benutzt. |
| 1046 |
Die Brenztalstraße wird
von Kaiser Heinrich III. benutzt. |
| 1050 |
Die Brenztalstraße wird
von Kaiser Heinrich III. benutzt. |
| 1057 |
Diepold (Dietpald), der
spätere Markgraf Diepold II. von Giengen, hat
Streit mit dem Bischof von Augsburg. |
| 1078 |
Die älteste schriftliche
Beurkundung über Giengen ist enthalten in einer
Chronik im Kloster Petershausen und berichtet
über den Tod des Markgrafen Diepold II. von
Giengen in der Schlacht von Mellrichstadt. |
| 1097 |
Diepold d.J. von
Vohburg-Giengen, Sohn des Markgrafen Diepold,
macht Schenkungen an St.Ulrich und Afra in
Augsburg. |
| 1146 |
Diepold d.J. von
Vohburg-Giengen stirbt. |
| 1147 |
Um 1147 verheiratet sich
Herzog Friedrich von Schwaben, der nachmalige
Kaiser Friedrich I. Barbarossa, mit Adela,
Tochter von Diepold d.J. von Vohburg-Giengen. |
| 1153 |
Die Ehe Kaiser Friedrich
I. Barbarossas mit Adela wird wegen
Kinderlosigkeit geschieden. |
| 1171 |
Am 1. Mai besucht Kaiser
Friedrich I. Barbarossa die Kaiserpfalz Giengen.
Er verleiht Giengen wahrscheinlich Marktrechte
und Einhornwappen. |
| 1187 |
Am 19. April besucht
Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit großem
Gefolge, darunter mehrere Bischöfe, die
Kaiserpfalz Giengen. |
| 1189 |
Im April besucht Kaiser
Friedrich I. Barbarossa zum drittenmal die
Kaiserpfalz Giengen. In seiner Begleitung waren
seine 4 Söhne: Herzog Friedrich von Schwaben,
Pfalzgraf Otto von Burgund, Herzog Konrad von
Rothenburg und Probst Philipp von Aachen. |
| 1206 |
König Philipp
(Barbarossas Sohn) besucht Giengen am 11. Juni. |
| 1216 |
In der Pfarrkirche zu
Altengiengen tagt eine päpstliche
Schiedskommission. |
| 1216 |
In einer Urkunde heißt
Giengen noch villa (=Dorf). |
| 1220 |
In der Pfarrkirche zu
Altengiengen tagt erneut eine päpstliche
Schiedskommission. |
| 1252 |
Um 1252 Stadtwerdung
Giengens. |
| 1268 |
Der Ritter Friedrich von
Giengen stiftet das Deutschordenshaus um das Jahr
1268 |
| 1274 |
König Rudolf von Habsburg
besucht ein Jahr nach seinem Regierungsantritt
Giengen. |
| 1287 |
König Rudolf von Habsburg
besucht am 16. September zum zweitenmal Giengen. |
| 1293 |
Das älteste erhaltene
Siegel der Stadt ist ein Dreiecksiegel und zeigt
das Einhorn. Es befindet sich an einer Urkunde im
Hauptstaatsarchiv Stuttgart. |
| 1294 |
König Adolf von Nassau
(Nachfolger Rudolf von Habsburgs) besucht am 23.
März Giengen. |
| 1303 |
Die Pfarrkirche zu
Altengiengen hat noch ihre Rechte |
| 1307 |
Giengen ist unter den
zwölf alten Reichsstädten, die den Landfrieden
zwischen König Albrecht und Eberhard I. von
Württemberg beschwören. |
| 1319 |
In Giengen gibt es
"Richter der Zwelfer", ein
Zwölfergericht. |
| 1319 |
Das Spital zum Heiligen
Geist wird erstmals erwähnt. Es liegt an dem
Pilgerweg von Nürnberg nach Rom. |
| 1332 |
König Ludwig verpfändet
Giengen an seine Söhne. |
| 1334 |
In Giengen werden jetzt
Schulen erwähnt |
| 1335 |
Frau Gut stiftet eine
Frühmesse auf den Johannesaltar der Marienkirche
in Giengen. Erstmalige Erwähnung der
Pfarrkirche. Die Rechte sind von derjenigen in
Altengiengen übergegangen. der Ort selbst wird
offenbar verlassen. |
| 1343 |
Giengen wird an die
Helfensteiner verpfändet. |
| 1348 |
Die Pest wütet über ganz
Europa. |
| 1348 |
Kaiser Karl IV. verleiht
dem Kloster Herbrechtingen das Patronatsrecht
über die Kirche in Giengen. |
| 1351 |
Giengen wird Erblehen der
Helfensteiner. |
| 1354 |
In Giengen gibt es zwei
Bürgermeister. |
| 1354 |
Am 28. August weilt Kaiser
Karl IV. in Giengen. |
| 1356 |
Seit 1356 gilt Giengen als
Mittelpunkt der Herrschaft im Brenztal.
Huldigungsbrief von Giengen. |
| 1367 |
Kaiser Karl IV. bestätigt
am 19. November das Lehensrecht über Burg und
Stadt Giengen an Graf Ulrich von Hellenstein d.J.
|
| 1369 |
In Giengen gibt es einen
Rat "den man haizt Zwelfer". |
| 1375 |
Kaiser Karl IV. verleiht
am 2. Juli das Lehen über Burg und Stadt Giengen
an Graf Hans d. J. von Helfenstein. |
| 1378 |
Giengen tritt dem
Oberschwäbischen Städtebündnis gegen Graf
Eberhard II. von Württemberg bei, der im Auftrag
des Kaisers hohe Abgaben von den Städten
forderte. |
| 1378 |
Graf Eberhard II. von
Württemberg nimmt die Stadt ein. |
| 1378 |
Kaiser Karl IV.
bestätigt, dass Giengen von alters her zum Reich
gehört habe und alle Freiheiten behalten solle
wie andere Reichsstädte in Schwaben. |
| 1378 |
Die Stadt erhält von
Kaiser Karl IV. das Recht, einen Amman und
Richter zu wählen. |
| 1388 |
Giengen wird von den
Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen
angegriffen. |
| 1391 |
Über Giengen wird die
Acht verhängt. |
| 1391 |
Giengen erlangt, nach
mehrmaliger Verpfändung durch verschiedene
Kaiser, die Reichsfreiheit. |
| 1395 |
Beitritt zu einem neuen
Bündnis der schwäbischen Reichsstädte. |
| 1398 |
König Wenzel verleiht in
Frankfurt Giengen das Ulmer Stadtrecht. (Das
Ulmer Stadtrecht aus den Jahren 1376-1445 ist
heute noch als "Das rote Buch der Stadt
Ulm" erhalten. Es regelt mit seinen 478
Artikeln das gesamte bürgerliche Leben) |
| 1399 |
Der reiche Nördlinger
Bürger Heinrich Töter löst Giengen um 10.000
Pfund Heller aus der Pfandschaft aus. |
| 1400 |
Giengen löst sich
endgültig aus jeder Pfandschaft. |
| 1401 |
König Ruprecht bestätigt
die alten Rechte und erläßt für 11 Jahre die
Reichssteuer |
| 1402 |
Stiftung der
Predigerstelle in Giengen. |
| 1412 |
Benediktinerinnen lassen
sich in Giengen nieder. Sie saßen beim
nachmaligen Friedhof, dem heutigen Bergschulhof. |
| 1449 |
Kaiser Sigmund verleiht
der Familie Roggenburger ein Wappen.
("Heinrich, Cunrad und Niclaß [Rockenburger] gebrüder") |
| 1462 |
Die Schlacht bei Giengen
zwischen Kaiser Friedrich und dem Herzog Ludwig
von Bayern wird auch als letzte Ritterschlacht
bezeichnet. Herzog Ludwig fordert vergeblich die
Übergabe der Stadt in der ein Teil des
geschlagenen Heeres Aufnahme fand. |
| 1462 |
Die Stadt Giengen hat 120
Pfund Heller, 15 Pferde und 63 Knechte zu
stellen. |
| 1463 |
Aus Hermaringen ziehen
"Beginen oder Claußnerinnen" nach
Giengen. Sie sitzen im heutigen Pfarrhaus. |
| 1466 |
Auf dem Friedhof südlich
der Stadtkirche wird die "Ramminger
Kapelle" errichtet. |
| 1467 |
Die letzten größeren
Umbauarbeiten am Chor der Stadtkirche finden
statt. |
| 1481 |
Kaiser Friedrich III.
verleiht Giengen den Blutbann, d.h. das Recht,
über Leben und Tod zu richten. und die Befreiung
von auswärtigen Gerichten. |
| 1488 |
Beitritt zum großen
Schwäbischen Bund |
| 1519 |
Im Klagelied aus dem Lager
des vertriebenen Herzos Ulrich von Württemberg
für die schwäbischen Reichsstädte werden die
Giengener "Krapfenbacher" genannt. Das
Mißverhältnis zwischen politischem Rang und
selbstbewußten Gebaren forderte den Spott
heraus. |
| 1521 |
Gemäß der auf dem
Reichstag zu Worms festgesetzten Romzugshilfe
hatte Giengen zwei Reisige und 13 Fußknechte zu
unterhalten, dafür waren 60 Gulden aufzubringen.
|
| 1528 |
Kaspar Pfeiffelmann
(=Kaspar Miller) predigt in der Spitalkirche
erstmals evangelisch. |
| 1529 |
In einer umfangreichen
Schrift bitten vier Giengener Bürger den Rat um
die feste Anstellung eines evangelischen
Predigers, ggf. auch auf ihre Kosten. |
| 1531 |
Der evangelische Prediger
und Reformator Martin Rauber wird angestellt. |
| 1533 |
Philipp Melanchton setzt
sich mit einem Schreiben an den Rat der Stadt
für den aus Giengen stammenden Studenten
Ambrosius Hetzler ein. Das darin erbetene
Stipendium wird vom Rat gewährt. |
| 1534 |
Am 9. März wird Nikolaus
Edelmann zum Amtsbürgermeister gewählt. (Dies
ist die erste Amtsbürgermeisterwahl in den
erhaltenen Ratsprotokollen) |
| 1534 |
In den Jahren 1534 bis
1541 bemüht sich der Rat, wenn auch mit
begrenztem Erfolg, um den Erwerb auswärtiger
Güter und Zehnte. |
| 1534 |
In den Jahren 1534 bis
1541 findet eine rege Bautätigkeit im Bereich
der Fischgasse statt, nachdem zuvor dieses Gebiet
mit einer neuen Stadtmauer umschlossen wurde. |
| 1534 |
In den Jahren 1534 bis
1561 werden 13.769 Gulden ausgeliehen. Größere
Summen gingen an Pfalzgraf Ottheinrich in Neuburg
(4.000 Gulden), Kardinal Otto Truchseß von
Waldburg, Bischof von Augsburg (3.000 Gulden),
Stadt Lauingen (2.000 Gulden). |
| 1534 |
Der schon vor einigen
Jahrem angestellte evangelische Prediger und
Reformator Martin Rauber zieht am 19. Juni erneut
in Giengen auf. |
| 1535 |
Der Rat beschließt
jährlich ein "Häusle" in der
Fischergasse zu errichten und dieses dann zu
verleihen oder zu verkaufen. Private Bauwillige
werden, wenn sie dort bauen wollen, mit
Baudarlehen unterstützt. |
| 1537 |
Bürgermeister und Rat
entscheiden sich für die neue Lehre Luthers. |
| 1537 |
Aus Anlaß der Einführung
der württembergischen Kirchenordnung hält sich
am 12. Juli der bekannte Reformator Dr. Martin
Bucer aus Straßburg in Giengen auf. |
| 1538 |
Wolf Neithart bietet der
Stadt Güter in Bachhagel an. Wegen der darauf
haftenden "Landsteuer" werden sie
jedoch nicht gekauft. Auch der ins Auge gefaßte
Kauf der Eselsburg kommt nicht zustande. |
| 1538 |
Die Ornate der
St.Ulrichs-Kapelle werden zu Hemden für arme
Kinder verarbeitet. |
| 1539 |
1539/40 werden von Damian
Gienger zu Langenau zahlreiche Felder, Wälder,
Güter und Untertanen in Sontheim erworben. Damit
wird der Giengener Besitz in Sontheim abgerundet.
Die Stadt greift rasch zu, weil der Besitz frei
und unbelastet ist.. |
| 1546 |
In Giengen ist eine Seuche
ausgebrochen. Die "Abgestorbenen",
Bürger und Fremde, kommen bei St.Peter in ein
Massengrab. |
| 1546 |
Ein Pulvermacher richtet
eine Pulvermühle ein, die in der Folgezeit auch
den Bischof von Augsburg beliefert. |
| 1546 |
Die Spitalmühle wird
erbaut und ein entsprechender Gedenkstein
eingebaut "Anno 1546 ist düsse mülli
gmacht worden". |
| 1546 |
Die Heere des
Schmalkaldischen Bundes stehen um Giengen, die
kaiserlichen Truppen haben ihr Lager bei Sontheim
aufgeschlagen. Es kommt nur zu kleinen Gefechten,
obwohl sich die Kontrahenten nur durch die Brenz
getrennt gegenüberstehen. |
| 1546 |
Vom 13. Oktober bis 22.
November befindet sich das Kaiserlich-Katholische
Lager bei Sontheim a.Br. |
| 1546 |
Das protestantische
Giengen ergibt sich am 23. November und wird von
kaiserlichen Truppen besetzt. |
| 1547 |
Kaiser Karl V. besucht
Giengen am 4. März, nachdem er sich seit dem 25.
Januar in Ulm aufgehalten hat. Er reiste "in
einer Kutsche, der damals neuen Erfindung". |
| 1547 |
Katastrophale hygienische
Bedingungen herrschen in der Stadt. Der Abfall
wird auf die Straße geworfen, wo ihn Schweine (Rennsäue) des Nachts fressen. |
| 1547 |
Der Friedhof um die
Stadtkirche wird geschlossen, es herrschen dort
üble Bedingungen. "Mancher Leichnam liegt
nur flach, daß gar übler Dampf entsteht und
noch neuer Unrath zu besorgen". Die Toten
werden wieder bei St.Peter begraben. |
| 1547 |
Der Totengräber ist
verpflichtet für jeden Toten ein eigens Grab zu
schaufeln. |
| 1548 |
Nach dern Niederlage des
Schmalkaldischen Bundes, ist der Rat im Juni
gezwungen, gegen den Willen der Geistlichen, das
Interim einzuführen. Bei der Durchführung der
neuen Gottesdienstordnung kommt es zu Widerstand
seitens der Einwohnerschaft. |
| 1548 |
Das Präsenzgeld für
Ratsherren bei Ratssitzungen wird abgeschafft.
Sie erhalten jedoch weiterhin einen jährlichen Steuernachlaß. |
| 1550 |
Im Juni besucht Kaiser
Karl V. noch einmal Giengen und Nördlingen,
"die bletz und ort, da dan der kayser, und
das reych, Jhre leger haben gehabt". |
| 1550 |
Die Weber haben Absatzschwierigkeiten. Der Rat unterstützt sie,
läßt Barchent auf Vorrat herstellen und
gewährt Handelsfreiheiten. Gute Tuche dürfen
ein "G" tragen und auswärtige Leinwand
darf nicht mehr in Giengen gebleicht werden. |
| 1551 |
Für das Wildbad läßt
der Rat ein neues auf Pfähle gestelltes Badhaus
errichten. |
| 1554 |
Obwohl durch den Passauer
Vertrag von 1552 das Interim verschwand,
beschließt der Giengener Rat erst am 31.
Dezember die Aufhebung. Diese Verzögerung
resultiert aus Streitigkeiten zwischen den beiden
Geistlichen. |
| 1554 |
Der Streit des
Interimspfarrers Clemens Halbhirn mit dem
protestantischen Prediger Georg Rheticus, läßt
den Stadtschreiber Ulrich Natter zu folgender
Notiz im Ratskrotokoll hinreißen: "Hab Gott
lieb und den Wein, und laß Pfaffen Pfaffen
sein." |
| 1555 |
An Stelle der
abgebrochenen Kapellen St.Veit und St.Elisabeth
wird ein Kornhaus erbaut. Es hat den Stadtbrand
1634 völlig unversehrt überstanden und steht
mit seinem markanten Treppengiebel noch heute im
Geissenmarkt 14. |
| 1556 |
Die Stadt beschließt
"keinen Meßpfaffen mehr anzustellen".
Der letzte Interimspfarrer ist Clement Halbhirn,
der nach Brenz geht, das dem alten Glauben bis
1615 anhängt. |
| 1558 |
Nachdem alle friedlichen
Ermahnungen an die Wiedertäufer vom falschen
Glauben zu lassen nichts nützen, greift man hart
durch. Auswärtige Theologen werden zu
"Bekehrungsgesprächen" gebeten. Wer
nicht abschwört muß die Stadt verlassen. |
| 1559 |
Anton Mairhofer wird wegen
Konkurses, Betrugs und Beleidigungen in den
Hundsturm gelegt. Wegen "Leibschadens"
entläßt man ihn, er darf nach Hause, muß dort
aber angekettet werden. |
| 1559 |
Der Rat erreicht von
Kaiser Ferdinand I. eine Erweiterung der ihr
gegen die Juden erteilten Privilegien. |
| 1559 |
Umfangreiche Wald- und
Wiesenkäufe bei Nattheim in den Jahren 1559/60. |
| 1559 |
Die St.Leonhards-Kapelle
wird abgetragen. Ihre Steine werden zum Bau der
Friedhofskapelle auf dem neuen Friedhof bei
St.Peter verwendet. |
| 1560 |
Im Januar entsteht Unruhe
in der Bürgerschaft, nachdem die Fisch- und
Ledergasse wieder einmal von Hochwasser
heimgesucht werden. Trotz wiederholter
eindringlicher Vorstellungen in früheren Jahren
hat der Rat keine Vorkehrungen dagegen getroffen.
|
| 1560 |
Am 31. Januar ziehen
unzufriedene Bürger, samt einem Ratsherrn, zum
Ratshaus um den Rat zum Handeln aufzufordern. Der
Rat befürchtet den Beginn eines Aufruhrs und
läßt die am "Marsch" Beteiligten
streng bestrafen. |
| 1560 |
Eröffnung des neuen
Friedhofs auf dem Gelände der Bergschule. |
| 1560 |
Der dienstags
stattfindende Weinmarkt gewinnt zunehmend an
Bedeutung. Der Rat sieht sich deshalb veranlaßt
eine Weinmarktordnung zu erlassen. Ebenso wird
das Amt eines Zahlmeisters auf dem Weinmarkt
geschaffen. |
| 1560 |
Der Fürst von
Württemberg läßt duch die Armbrustschützen
100 Dukaten ausschießen. |
| 1560 |
Dr. Jakob Andreä wird aus
Göppingen nach Giengen gerufen um die
Wiedertäufer zu bekehren. |
| 1561 |
Georg Stecklin von
Leipheim wird wegen Getreidediebstahls und wegen
Verkaufs von gestohlenem Getreide in Giengen
gehenkt. |
| 1562 |
Peter Rot, genannt der
rote Schneider, schlägt den Bürgermeister
Rochus Ammann auf dem Markt nieder. Nach
Ratsmeinung hat er sein Leben verwirkt. Aus
Furcht vor Rache an seiner Familie rät Ammann
zur Mäßigung. Rot wird begnadigt und
ausgewiesen. |
| 1563 |
Das Schneiderhandwerk ist
überbesetzt. |
| 1563 |
Um den Fleischmangel zu
steuern stimmt der Rat einer Erhöhung der
Rindfleischpreise zu. Als das nichts nützt
erhalten die Metzger Subventionen zum Kauf der,
nach der türkischen Besetzung, teuren Ochsen aus
Ungarn. |
| 1563 |
Prediger Samuel Marschalck
muß wegen "ungebührliche Verhaltens"
sein Amt aufgeben. |
| 1564 |
Nach fortwährendem Bitten
wird der langjährigen Bürgermeister Simon
Martin entlassen. |
| 1564 |
Der Rat schiebt den
Prediger Paul Vischer ab, der behauptet
"Unholde" vor dem Altar zum Tanzen
bringen zu können. |
| 1564 |
Dr. Martin Ruland wird
für zwei Jahre als Stadtphysikus angestellt. |
| 1564 |
Magister Philipp Andreä,
Bruder des Kanzlers der Universität Tübingen
Dr. Jakob Andreä wird als Prediger verpflichtet.
|
| 1565 |
Die Stadt erwirbt im
Oktober eine Feuerspritze |
| 1566 |
Kaiser Maximilian II.
erteilt das "privilegio de non
appellando" für Verleumdungen, Frevel,
Schmach- und Scheltworte. Alle in diesen
Strafsachen vom Rat getroffenen Urteile waren
endgültig. |
| 1566 |
Kaiser Maximilian II.
erlaubt der Stadt wieder das Recht der
einjährigen Amtstätigkeit der Amtsbürgermeister. |
| 1566 |
Der Rat erklärt die
fällige Türkensteuer wegen Geldmangels nur in
Raten entrichten zu können. Jedoch fordert der
Rat seine Bürger unermüdlich zur Unterstützung
durch eifrige Gebete auf - beten kostet eben
nichts. |
| 1566 |
In den Jahren 1566-70
werden 22 Essensberechtigungen
("Almosenschüsseln") an völlig
Verarmte erteilt. An sie wird im Spital pro Tag
kostenlos eine Schüssel mit warmem Essen
abgegeben. |
| 1566 |
Sehr schlechte Ernte. Im
Winter 1566/67 herrscht Getreide- und Brotmangel.
Fremde Bettler dürfen nicht mehr in die Stadt. |
| 1566 |
In den Jahren 1566-68 wird
die Wasserversorgung erweitert und wesentlich
verbessert. Dabei wird Wildbadwasser in die Stadt
hereingeleitet. Für diese umfangreichen Arbeiten
zieht man Ulmer Fachleute zu Rat. |
| 1566 |
In der Zimmerschen Chronik
werden die Giengener "Krapfenbacher"
genannt. |
| 1567 |
Der Rat beschließt, dass
die Feuerleitern auf verschiedene Plätze in der
Stadt verteilt werden sollen. |
| 1567 |
Der deutsche Schulmeister
stirbt an der französischen Krankheit
(Syphilis). |
| 1567 |
Das Kapuziner-Hospiz in
St.Peter wird aufgehoben. |
| 1567 |
Der Prediger M. Philipp
Andreä stirbt in Giengen. |
| 1567 |
Nach fortwährendem Bitten
wird der langjährigen Bürgermeister Hans Jäger
entlassen. |
| 1567 |
Den sieben Zunftmeistern
wird auferlegt binnen Jahresfrist 140 neue
Feuereimer zu beschaffen. Davon entfallen auf die
Gerber und Schmiede je 30 Eimer, auf die
Schneider 25, die Weber 20, die Metzger und
Bäcker je 15 und auf Brauer und Bauern 5. |
| 1567 |
Der Rat kauft für das
Bleichen von Schleiern einen eigenen Platz. Das
Schleierweben war ein neues Gewerbe, das seit
einigen Jahren, nach den Absatzschwierigkeiten
der Weber, entstand. |
| 1567 |
Die Sensenschmiede können
beachtliche Lieferungen in die Bodenseegegend
tätigen. |
| 1567 |
Der frühere Stadtarzt Dr.
Martin Ruland veröffentlicht sein
"Badebüchlein", das eine Beschreibung
des Giengener Wildbads enthält. |
| 1567 |
In Giengen werden 99
Kinder getauft. |
| 1568 |
Ein Ratsherr stirbt an der
französischen Krankheit (Syphilis). |
| 1568 |
Erbauung des Rathauses in
west-östlicher Richtung. |
| 1568 |
Bei Kicklingen wird für
4.000 Gulden ein Hof und eine große Weide
gekauft. Diese Weide wird zur Sicherstellung der
Fleischversorgung der Stadt benötigt, da nach
der türkischen Besetzung Ungarns, von dort keine
Ochsen mehr importiert werden können. |
| 1568 |
Giengen wird von einer
Blatternepidemie heimgesucht. Der
Lateinschulmeister (wohl M. Christoph Martin)
wird davon ergriffen und zur Aufgabe seines
Dienstes gezwungen. |
| 1568 |
In den Jahren 1568-69
kommt es zu umfangreichen Pflasterarbeiten an den
Straßen und Gassen. |
| 1569 |
Einem
"Steinschneider" (Gallensteine) wird
gestattet sich in Giengen zu betätigen. |
| 1569 |
Der Rat verfügt, dass
alle Almosenempfänger Schildchen tragen müssen,
um Mißbräuche bei der Lebensmittel- und
Geldverteilung zu verhindern. |
| 1569 |
In Giengen werden 101
Kinder getauft. |
| 1570 |
Der Giengener Rat sieht
sich, nach langem Zuwarten, genötigt gegen den
streitsüchtigen Pfarrer Johann Weichert
vorzugehen. Im April wird ihm das Betreten der
Kirche verboten. Ein ernster Konflikt mit
Württemberg ist die Folge. |
| 1570 |
Eine katastrophale
Mißernte und Hochwasser führen zur schlimmsten
Teuerung und Not des Jahrhunderts. Die
Arbeitslosigkeit nimmt zu. Um ihr zu begegnen
läßt der Rat Notstandsarbeiten ausführen. |
| 1570 |
Giengen leiht 6.000 Gulden
an Neresheim. |
| 1572 |
Bedingt durch eine lange
Friedenszeit ist Geld für die Renovierung des
Blasturms vorhanden. |
| 1576 |
Die östliche
Stadtbefestigung wird erneuert. |
| 1576 |
Hohenmemmingen erwirbt
eine neue Kirchenglocke. |
| 1578 |
Am 29. August wird in
Nördlingen um Überlassung eines Scharfrichters
nachgesucht. |
| 1578 |
Am 12. September wird die
alte Gaudermännin auf der Viehweide an der
Straße nach Hohenmemmingen als Hexe verbrannt.
Man hat dort eine Säule errichtet, an der die
Verurteilte stirbt. |
| 1578 |
Die alte Gaudermännin
wurde verbrannt "damit sie nicht noch aus
den Flammen Schaden thue". Da dies auf
württembergischem Gebiet geschah, waren
langwierige Auseinandersetzungen mit
Württemberg, wegen der Verletzung der
Hohheitsrechte die Folge. |
| 1580 |
Am 4. September wird in
Nördlingen um Überlassung eines Scharfrichters
nachgesucht. |
| 1581 |
Der reichsstädtische
Eichmeister prüft in der Ortschaft Brenz Maße
und Gewichte beim Müller, Metzger und Wirt. |
| 1586 |
Hohenmemmingen kann eine
weitere Kirchenglocke bei Glockengießermeister
Neithardt in Ulm kaufen. |
| 1586 |
Vor dem Brand von 1634
bezeichnet folgender Reim die Gebäudezahl
Giengens: "Wohl erbaute Häuser, Scheunen, /
mehrenteils mit guten Mauren / sahe man mehr an
der Zahl / denn 400 überall." |
| 1589 |
Am 30. Juli wird ein
Abkommen mit Württemberg geschlossen, dass der
Rat vor Hinrichtungen um Genehmigung beim Hause
Württemberg nachsuchen muß. Württemberg
gesteht das Geleitrecht zu. |
| 1589 |
Seit diesem Jahr stehen
die württembergsichen Grenzstein vor den Toren
der Stadt. |
| 1597 |
In Hohenmemmingen wird der
spätere Giengener Prediger und Pfarrer Esajas
Edelmann geboren, in Giengen der spätere Ulmer
Stadtmaler Johannes Stöltzlin, Schöpfer des
"Brandbildes". |
| 1601 |
Der Sohn der alten
Gaudermännin läßt die Schandsäule schleifen,
an der seine Mutter 1578 als Hexe verbrannt
wurde. Er muß dafür 4 Wochen in Haft und wird
zu 150 Gulden Strafe verurteilt. |
| 1603 |
Bonifatius Stöltzlin wird
in Giengen als jüngerer Bruder des David
geboren. Er starb 1677 als Magister und Pfarrer
in Kuchen. Er verfaßte das weitverbreitete
"Geistliche Wetterbüchlein", das
Gebete für alle Wetterlagen enthält. |
| 1607 |
Die weit größere
Reichsstadt Donauwörth wird von Herzog
Maximilian von Bayern besetzt und nicht wieder
herausgegeben. |
| 1609 |
Der spätere Pfarrer und
Baumeister der Stadtkirche Jakob Honold wird in
Giengen geboren. |
| 1611 |
Giengen versucht
erfolglos, für 26.000 Gulden, das Rittergut
Oggenhausen zu erwerben. |
| 1612 |
Die Stadtkirche wird
"renoviert und geziert". |
| 1613 |
Am 12. April kommt das
Dorf Brenz, das bislang dem Ritter Hans Cunrad
Güß von Güßenburg gehörte, zu Württemberg.
Der Übergabebrief wird in Giengen ausgestellt. |
| 1613 |
In der Stadt und auch in
der Umgebung herrscht die ungarische Krankheit (Hungerthyphus). Zweihundert meist junge Menschen
sterben. |
| 1615 |
Öffentliche Hinrichtung
durch lebendiges Verbrennen der Apollonia Sailer.
Sie soll als leichtfertige Hexe ihren Mann
verzaubert haben. |
| 1616 |
Der Rat bittet die Stadt
Ulm um Rechtsberatung, wird jedoch an die
Universität Tübingen verwiesen, die auch ein
Gutachten erstellt das jedoch nicht überliefert
ist. |
| 1616 |
Der Falschspieler Balthas
Stoz wird mit dem Schwert hingerichtet. |
| 1617 |
Von Württemberg wird der
Zehnte der Stadt um 38.000 Gulden für 30 Jahre
und derjenige der Dörfer Hohenmemmingen und
Sachsenhausen um 33.500 Gulden für 24 Jahre
erworben. Giengen verfügte darüber bis 1629
uneingeschränkt. |
| 1617 |
Die Stadt nimmt in Ulm
Kredite in Höhe von 34.000 Gulden auf, um den
von Württemberg gekauften Zehnten bezahlen zu
können. |
| 1618 |
In Giengen wohnen 500
Familien, nahezu 2.000 Einwohner. |
| 1618 |
Am 9. Februar stirbt Hans
Martin Haehnleins 11jähriger Sohn. Der Tat
bezichtigt wird Christine Röckhlin von
Herbrechtingen. |
| 1618 |
Am 18. April wird
Christine Röckhlin von Herbrechtingen als Hexe
geköpft und verbrannt. |
| 1618 |
Auf dem Marktplatz findet
eine Hinrichtung statt: der Untervogt von
Altenberg, der den Bürger Christian Honold von
Hausen erstochen hat, wird enthauptet. |
| 1618 |
Mit dem Fenstersturz zu
Prag beginnt der Dreißigjährige Krieg. |
| 1618 |
Am Himmel erscheint im
November ein Komet in Form einer schrecklichen
Rute. Er zieht vom Herbst bis ins Frühjahr 1619
seine Bahnen. Die Menschen glauben an eine
Drohung Gottes wegen ihres sündigen
Lebenswandels. |
| 1620 |
Zahlreiche Geldmakler, die
"Kipper und Wipper", halten sich bis
1622 in Giengen auf und treiben ihr Unwesen mit
minderwertigem Geld. Sie handeln Dreibätzner
(12-Kreuzerstücke) die so leicht sind, dass man
sie vom Tisch blasen kann. |
| 1620 |
Sontheim und Brenz werden
geplündert. |
| 1621 |
Der 1597 in Giengen
geborene Johann Stöltzlin fertigt das
Portraitbild des Giengener Pfarrers Georg
Breuning an. |
| 1623 |
Am 16. Juli fällt in
Giengen und Umgebung ein heftiger Blutregen vom
Himmel, der den Leuten bei ihrer Arbeit an
Händen und Kleidern klebt und auch auf Steinen
und Feldfrüchten gesehen wird. In diesem dürren
Sommer fliegen viele rote und braune Weyefalter. |
| 1624 |
Der Mai ist warm und
trocken mit akutem Wassermangel auf der Alb. |
| 1624 |
Hans Martin Roggenburger
gründet die "Roggenburger Stiftung"
mit 1.000 Gulden. Seine Mutter Katharina, geb. Andreä, gibt 300 Gulden hinzu. |
| 1625 |
Mildes Winterwetter. Ab
dem 16. Januar sieht und hört man Lerchen und
andere Vögel in Feld und Wald. |
| 1625 |
Am 16. Mai fällt Schnee,
der das weite Land bedeckt. Danach folgt ein
Hagelwetter mit ungewöhnlich großen
Hagelkörnern, so groß wie Hühnereier. Der
stärkste Hagel seit hundert Jahren, der das Land
von Geislingen bis München und von der Alb bis
Nürnberg verwüstet. |
| 1625 |
Oberst Pappenheim kommt
mit 1.100 Landsknechten aus Nördlingen. Sein Weg
führt über Nattheim, Heidenheim und
Herbrechtingen nach Langenau. Die Stadt bleibt
für diesmal verschont. |
| 1626 |
Ein nasser Sommer mit 8
Wochen Regen vom 6.Juni an hat eine schlechte
Ernte zur Folge. |
| 1626 |
Im Spätherbst bricht die
Pest aus und verbreitet sich über das ganze
Oberamt. |
| 1627 |
Bis Ostern anhaltender
Schneefall. |
| 1627 |
Der spätere Prediger
Simon Böckh wird in Giengen geboren. |
| 1629 |
Katharina Roggenburger,
geb. Andreä, leiht der Stadt Giengen 2.000
Gulden und erhält einen Schuldbrief dafür. |
| 1630 |
Daniel Roggenburger ist
Giengener Kastenvogt des Klosters Herbrechtingen.
Damit ist einer der reichsten Bürger von Abgaben
an Giengen befreit. Klosterabt ist zu dieser Zeit
sein Schwager Eberhard Andreä. |
| 1630 |
Im Sommer ist Wallenstein,
der "Wahlsteiner, General über das
Kaiserliche Kriegsvolk, zu Giengen über Nacht
gelegen ..." (aus Chronik Schlayss) |
| 1630 |
"Am 23. Juni ist der
Friedländer oder Wahlsteiner zu Heidenheim
eingeritten ..." (aus Chronik Schlayss) |
| 1630 |
"Am 18. Juli 1630 ist
der Wallenstein, General über das kaiserliche
Kriegsvolk, zu Giengen über Nacht gelegen"
(aus Chronik Schlayss). Er wohnt bei Daniel
Roggenburger in der "Goldenen Gans"
gegenüber dem Rathaus. |
| 1630 |
Am 16. September kommen
kaiserliche Kommissare auf das Rathaus und
erklären, "daß die Pfarrkirche zu Giengen
in das Bistum (Augsburg) und zu dem Kloster
Herbrechtingen gehörig, ..." |
| 1630 |
16.9.: "..., daß die
Pfarrkirche zu Giengen in das Bistum (Augsburg)
und zu dem Kloster Herbrechtingen gehörig,
derentwegen und bei Vermeidung kaiserlicher
Ungnad man dieselbe dem Dillingischen Vicario
unaufhältlich einräumen solle..." |
| 1630 |
Am 19. September schreibt
die Stadt nach Stuttgart, dass am 16. die
kaiserlichen Kommissare auf das Rathaus gekommen
seien. |
| 1630 |
Im September finden
Verhandlungen im Kloster Herbrechtingen statt.
Dabei geht es u.a. um Fragen der Besteuerung.
Anwesend: BM Benedikt Breuer, Stadtschreiber
Franz Roth, Ratsherr Hans Ulrich Kindsvater,
sowie Kastner Daniel Roggenburger auf d.
Gegenseite. |
| 1630 |
"Am 31. Oktober haben
sich die Pfaffen aller Orten unterstanden, die
Kirchen wieder einzunehmen, sind aber mit Spott
abgewiesen worden..." (aus Chronik Schlayss)
|
| 1630 |
Gerstetter Bauern fahren
Munition von Giengen nach Ulm. |
| 1630 |
Das Ratsprotokoll
vermerkt: "Daniel (Roggenburger) wurde bei
allen Strafen dreimal aufs Rathaus zitiert, kam
nicht..." |
| 1631 |
Wallenstein liegt mit
seinen Truppen in der Stadt.. Er selbst logiert
im Gasthof "zur goldenen Gans" des
Daniel Roggenburger. Sein Aufenthalt verursacht
große Kosten und bringt Unruhe unter die
Bevölkerung. |
| 1631 |
In Steinheim am Albuch
werden ein Marketender und sein Knecht
erschlagen, die Wein von Schorndorf nach Giengen
transportieren. |
| 1632 |
"Den 30. März 1632
ist der papistische Probst zu Herbrechtingen
selbsdritt entritten und ist erst am ersten
Ostertag in der Klosterkirchen evangelisch
gepredigt worden und heilig Abendmahl
gehalten..." (aus Chronik Schlayss) |
| 1632 |
"Am Gründonnerstag
zu Nacht hat man den Abt zu Königsbronn im Bett
aufgehebt und gleich bei eitler Nacht
weggeführt, weiß nit wohin ..." (aus
Chronik Schlayss) |
| 1632 |
Not und Krankheit
dezimieren die Bewohner von Giengen auf 350
Familien. |
| 1632 |
In der Stadt liegt der
wallensteinische General Oberst Aldringer. Seine
Truppen sind auf die umliegenden Gemeinden
Herbrechtingen, Hohenmemmingen und Hermaringen
verteilt. |
| 1632 |
Marodeure und Gesindel der
Schweden und Kaiserlichen suchen 1632 und 1633
die Reichsstadt heim. |
| 1632 |
Daniel Roggenburger ist
"in die Keichen (Strafzelle) als höchste
bürgerliche custodiam (Strafe) condemnirt
worden". Als er durch den Büttel und
Stadtknecht eingeliefert werden soll, ist er
nicht mehr zu finden. Daraufhin entsteht ein
Bürgerauflauf. |
| 1632 |
Durch das Ausweichen vor
der Strafe verliert Daniel Roggenburger seine
Bürgerrechte. |
| 1633 |
"Am 1. und 2. Januar
1633 ist viel schwedisch Volk in der Herrschaft
angelangt, haben die Flecken Fleinheim, Nattheim,
Memmingen, Hermaringen etc. feindlich
geplündert. Dem Amtmann zu Nattheim 400 Gulden
Wert genommen..." (aus Chronik Schlayss) |
| 1633 |
Im Mai plündern
schwedische Truppen Sachsenhausen und nehmen es
sich mit Gewalt. |
| 1633 |
"Am 4. September ist
das Schloß zu Brenz rein geplündert
worden." (aus Chronik Schlayss) |
| 1633 |
Am 11. September zünden
schwedische Plünderer Hohenmemmingen an und
hindern die Bewohner am Löschen, Sachsenhausen
wird erneut geplündert. "Am 11. haben die
Reiter Hohenmemmingen angesteckt, welches den
ganzen Tag gebronnen ..." (aus Chronik Schlayss) |
| 1633 |
Am 20. November pflügen
Gerstetter Bauern die Felder in Hohenmemmingen. |
| 1633 |
"Am 11./13. Dezember
sind Herbrechtingen, Hausen, Hürben, Schnaitheim, Nattheim, Fleinheim u.a. Flecken der
Herrschaft Heidenheim rein ausgeplündert
worden." (aus Chronik Schlayss) |
| 1633 |
Am 13. Dezember plündern
Birkenfeldische Reiter (schwedische Vasallen) das
untere Brenztal und stehlen die Giengener
Viehherden und Pferde. |
| 1634 |
Giengen hat rund 2.000
Einwohner. |
| 1634 |
Im Januar bricht die
ungarische Krankheit (Hungerthyphus) aus. |
| 1634 |
Im Frühjahr spitzt sich
die Lage zu. Giengen bittet das gut befestigte
und befreundete Ulm um Rat. Auf dessen Verwendung
hin legt der Schwedengeneral Horn 4 Kompanien in
die Stadt. Zuvor erleidet die Stadt einen
Überfall zweier kaiserlicher Regimenter. |
| 1634 |
Am 13. April legt Herzog
Bernhard von Weimer 350 Reiter in die Stadt. Sie
verursachen hohe Kosten. |
| 1634 |
Am 5. Mai 1634 ist das
Volk aller Orten (aus den Winterquartieren)
aufgebrochen und auf Nördlingen zu
marschiert." (aus Chronik Schlayss) |
| 1634 |
Die Bürger beschließen
sich gegen die Schaumburgischen und
Kronbergischen Regimenter zu wehren. Sie werden
unter Verlust einiger Reiter und Pferde
zurückgeschlagen. Bernhard von Weimars
Reiterregiment schlägt den Feind vollends in die
Flucht. |
| 1634 |
Im August bestellt der Rat
in Ulm sechs Zentner Musketenpulver, das im
Pulverturm gelagert wird. |
| 1634 |
Am 7. August bittet
Giengen das feste Ulm um Rat: Es stehe zu
befürchten, dass auch ihr schwaches Städtlein
"gar leicht in die äußerste Ruin gesetzt
werden könnte". Auf Verwendung Ulms legt
General Horn vier Kompanien in die Stadt. |
| 1634 |
Noch ehe General Horns
schwedische Besatzung im August eintrift, kommt
das Schaumburgische und Kronbergische Regiment
vor die Tore und begehrt durch die Stadt zu
ziehen. Als der Rat noch um Verschonung fleht,
stecken sie schon die äußeren Tore in Brand. |
| 1634 |
Am 9. August kommen rund
tausend kaiserliche Reiter vor die Stadt,
begehren Einlaß und zünden das Wildbad an. Sie
werden von einer schwedischen Einheit vertrieben,
die nun ihrerseits die Stadt plündert. |
| 1634 |
Am 10. August sind die
Kaiserlichen zurückgekommen und beschießen
Giengen vom Bruckersberg. Der anrückende General
Horn vertreibt sie und legt zum Schutz der
Bevölkerung vier Kompanien in die Stadt. |
| 1634 |
Am 11. August trifft die
schwedische Besatzung des General Horn ein. |
| 1634 |
Der Heidenheimer Untervogt
berichtet am 16. August, dass der Feind 10.000
Mann zähle und entschlossen sei, zu stehen und
zu fechten; aber auch die Verbündeten seine im
Anmarsch. Der Rheingraf von Göppingen und 9.000
Hessen von Gmünd. |
| 1634 |
Am 25. August/4. September
soll im schwedischen Lager ausgeblasen worden
sein, dass kein Reiter bei Todesstrafe aus dem
Lager reiten dürfe. |
| 1634 |
Am 27. August/6. September
hört man vormittags sehr stark Schießen in
Giengen und "zu Jungingen und in der Nähe
herum." Ulm fragt durch einen Postillion in
Giengen an, "was sie hiervon für Nachricht
haben." |
| 1634 |
Am 27. August/6. September
verlieren die Schweden die große und
entscheidende Schlacht bei Nördlingen. Am
gleichen Tag kommen die ersten Flüchtlinge. Die
schwedische Besatzung brach eilends auf, ebenso
der größte Teil der Bürger. |
| 1634 |
Am 28. August/7. September
fliehen viele Bürger. |
| 1634 |
Am 28. August richtet
Daniel Roggenburger ein Gesuch an den Kaiser. Es
folgt ein Briefwechsel auch mit der Stadt
Giengen, die 15 Fragen des Kaisers klären muß. |
| 1634 |
In der Nacht des 30.
August/9. September müssen unter Androhung von
Brand und Plünderung 480 fl. gesammelt werden. |
| 1634 |
Am 31.August/10. September
plündern Kroaten, "wie sie gesehen, daß es
in der Stadt so schlecht bestellt (keine
Ratsherren mehr vorhanden)", am Abend
"5 Comp. Burgundisch Volck" die
wehrlose Stadt. |
| 1634 |
Der größere Teil der
Bevölkerung bleibt bis zum Brand in der Stadt,
um dann vorwiegend Zuflucht in Herbrechtingen und
Heidenheim zu suchen. Auch jetzt bleibt noch ein
kleiner Bevölkerungsteil in der Stadt. |
| 1634 |
Die bereits vor der
Schlacht bei Nördlingen ausgebrochene, und bis
zum Frühjahr 1636 wütende Pest, reduziert die
Einwohnerzahl auf etwa ein Drittel. |
| 1634 |
Vor dem Brand wird das
Vieh nach Heidenheim in Sicherheit gebracht und
im dortigen Schloßbereich von einem Giengener
Bürger gehütet ("... daß vor der Brunst
fast alle das Stadtvieh nach Heidenheim geflehnet
worden ...") |
| 1634 |
Am 2./12. September
"ist die spanische Armee auf Giengen
gezogen, und hat der Herr Cardinal Infant in der
Stadt biß auf den 4./14. September logirt, dann
die ganze Statt von den Soldaten ruinirt und
vollendts ausgeplündert worden". |
| 1634 |
Vom 2./12. bis 4./14.
September wüteten die spanischen Truppen in der
Stadt "mit schänden, entführen und anderen
Unthaten übel". |
| 1634 |
Am 5./15. September bricht
morgens um 4 Uhr ein Feuer aus, das innerhalb von
24 Stunden die Stadt bis auf vier Häuser und
eine Scheune in Schutt und Asche legt. |
| 1634 |
Am 6./16. September reiht
sich auch der Bürgermeister und der Rat mit
Stadtschreiber in die Schar der Flüchtenden.
"Noch selbigen Abend (war) jedermann in der
Stadt, der es vermöcht, und sich geförcht hat,
geflohen." |
| 1634 |
Am 8./18. September
"... das meiste Vieh aus der Stadt getrieben
und etliche der geflohenen Ratsherren, und
Burgerhäuser, geplündert, und das beste
herausgenommen ..." |
| 1634 |
Im September bewilligt Ulm
den drei Giengener Bürgermeistern und dem
Stadtschreiber gegen je einen Goldgulden den
Aufenthalt in der Stadt. Ebenso will man sich
verhalten, "wenn Rathsmitglieder oder
fürnehme Bürger dergleichen begehren, ...
" |
| 1634 |
Viele Bürger sind nach
Langenau, Herbrechtingen, Heidenheim, Pfuhl, Lauingen, Augsburg, Reutlingen, "oder sonst
zu Verwandten" geflohen. |
| 1634 |
Außerhalb der Stadt
blieben verschont: Säg-, Spital-, Papier,
Klingel- und Ölmühle, die Gebäude auf der
Bleiche, das Siechenhaus und St.Peter. Die
übrige Stadt ist ein "Stein- und
Kohlehaufen". |
| 1634 |
"Am 10. November
(wurde) ein Mann in der Vorstadt von Giengen tot
aufgefunden". (aus dem Kirchenbuch des
Dekanats Heidenheim) |
| 1634 |
Im November Höhepunkt der
Pestseuche. Die Zahl der Toten beläuft sich auf
das 15-20fache. (z.B. starben in Heidenheim
1630/31 78 Personen, 1634/35 jedoch 1.045
Personen) |
| 1634 |
Am 23. Dezember stirbt in
Herbrechtingen: "ein armer Knab von
Giengen". |
| 1634 |
Am 28. Dezember sterben in
Herbrechtingen: " zween arme Buben von
Giengen". |
| 1634 |
Ende des Jahres belaufen
sich die Schulden der Stadt auf 41.180 Gulden,
dagegen kleine Ausstände 14.810 fl,
rückständige Zinsen 1.818 fl. und gewährte
Kredite von 24.450 fl. Dazu kommt der erworbene
Zehnte von 71.500 fl. |
| 1634 |
Von 240 fremden
Verstorbenen sind in Heidenheim 33 aus Giengen,
in Herbrechtingen gar 71 von 152 Toten. |
| 1635 |
Am 9. Februar stirbt in
Herbrechtingen "ein armes Mägdlein und
Weiblein aus Giengen". |
| 1635 |
Im März kommen 36
Familien in die Stadt zurück. Alle anderen sind
meist an der schon im Vorjahr ausgebrochenen Pest
gestorben. Baumaterial ist knapp. Der Rat läßt
deshalb die Stadtmauer und die außerhalb der
Mauer liegenden Gebäude bewachen. |
| 1635 |
Im Ulmer Ratsprotokoll
steht unter dem 25. Mai: "... von den
Früchten (Getreide), welche die Giengischen
Bürger allher gebracht und noch allhie liegen
haben". |
| 1635 |
Im Juni werden die in den
Ruinen hausenden Bürger von Kaiserlichen
überfallen. |
| 1635 |
Im Juli erlangt Giengen
einen Paßbrief von Kaiser Ferdinand II. Der
ganzen Soldateska, hoch und nieder, wird
anbefohlen, Giengener Bürger und ihre
Angehörigen frei passieren zu lassen. |
| 1635 |
Im Sommer kehren etwa
hundert der Geflohenen wieder in ihre Heimat
zurück. Darunter "kaum mehr als sechzig
Bürger, das übrige lauter Witwen und
Waisen." |
| 1635 |
Am 25. Juli stirbt in
Schnaitheim ein "Mädchen aus Giengen ...
elendiglich - wird begraben." |
| 1635 |
Am 11. August wird im Haus
auf der Bleiche erstmals wieder Rat gehalten.
Bürgermeister und Rat verpflichten sich, die
Stadt nie mehr zu verlassen, komme was da wolle.
Die nächsten 11 Jahre tagt man im Haus von
Bürgermeister Joh. Christoph Martin. |
| 1635 |
Fast genau ein Jahr nach
dem Brand werden zwei Bürger, Thoma Wiedenmann
und Hans Dinkel, mit der Eröffnung der Sammlung
beauftragt. Sie bereisen ganz Süddeutschland und
kommen bis nach Wien und in die Schweiz.
Ergebnis: 897 fl. 10 kr. 4 hl. |
| 1635 |
Am 2./12. September
schicken Bürgermeister und Rat die Büger Marx
Böckh und Peter Hörbrand mit Brandbrief und
Spendenbüchlein ausgestattet auf Sammeltour.
Ergebnis: 897 Gulden 10 Kreuzer und 4 Heller. |
| 1635 |
Ein Teil des gesammlten
Geldes wird für die Besoldung des Predigers
ausgegeben. |
| 1635 |
Im Oktober wird im Bühl
ein Kalkofen und auf dem Rechberg ein Brennofen
errichtet. |
| 1635 |
Am 16. Oktober nimmt
Kurfürst Maximilian I. von Bayern die Herrschaft
Heidenheim in Besitz. |
| 1635 |
Am 25. November legt
Hauptmann Rehling ein Drittel seiner Kompanie bis
zum 23. März 1636 in die Stadt. Quartierkosten:
1.802 Gulden. |
| 1635 |
Am 7. Dezember erfolgt die
Teilung der Roggenburger-Erbschaft, nachdem die
Erblasserin Katharina geb. Andreä, bereits am 2.
Februar 1635 85jährig in Ulm gestorben war. Sohn
Daniel bleibt trotz Einladung fern. Es folgt ein
langwieriger Erbstreit. |
| 1635 |
An "Sylvester"
wird das Richtfest des Kirchleins auf dem
ehemaligen Friedhof (Ramminger Kapelle) gefeiert.
Für das Dach werden Ziegel von der Stadtmauer
verwendet. |
| 1635 |
Die Franzosen greifen auf
protestantischer Seite in den Krieg ein, um die
Vormachtstellung gegen Habsburg zu erringen. |
| 1635 |
Giengen zahlt an
Kontributionen wöchentlich 15 Reichstaler, 5
Malter Roggen und 5 Malter Haber. |
| 1635 |
Giengen wird in den
zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von
Sachsen zustandegekommenen Prager Separatfrieden
miteinbezogen und ist seitdem neutral. |
| 1635 |
Nach 1634 werden
zahlreiche Höfe neu verliehen. Die ersten drei
Jahre sind abgabenfrei, dann steigert sich die
Gült (= Naturalabgabe) jährlich bis zur
Vollgült. |
| 1635 |
Maurer und Zimmerleute
haben nach dem Brand viel zu tun. Der
Tagesverdienst beträgt für einem Meister 30
Kreuzer, für einen Gesellen 24 Kreuzer und für
einen Jungen 20 Kreuzer. Erst ab mitte der 1640er
Jahre sinkt er um etwa ein Drittel. |
| 1635 |
Der zur Flucht ratende
Stadtschreiber Gregor Finckh verliert seine
Stelle. |
| 1635 |
Die Stelle des
Stadtschreibers hat von 1635 bis 1656 Simon
Nördlinger inne. |
| 1635 |
Daniel Roggenburger
schreibt an den Kaiser. Darin werden die beim
Stadtbrand unversehrten Gebäude beschrieben:
"eine vermögliche Kapelle, ein Priesterhaus
und sonsten drei Häuser". |
| 1635 |
Die Brandstätten bleiben
zunächst mit ihren Hypotheken belastet. Wer
darauf baut, übernimmt die Finanzlast des
Bauplatzes. Allgemein wird jedoch bei der
Abrechnung alter Schulden "halb Geld
genommen" und auch die Zinsen halbiert. |
| 1636 |
Das Guthaben der
Roggenburger bei der Göppinger Vogtei, in Ulm,
Lindau, Nördlingen, Rothenburg, St.Gallen und
Giengen auf 30.000 Gulden. Davon allein in
Giengen 8.544 Gulden. |
| 1636 |
Daniel Roggenburger ist im
kurbayerischen Salzamt in Donauwörth tätig.
Möglicherweise schon seit mehreren Jahren. |
| 1636 |
Im Winter 1636/37 sucht
Rittmeister Locatelli vom Piccolominischen
Regiment seine Forderungen durchzusetzen. |
| 1636 |
Nach Giengen geflohene
Bauern bearbeiten Grundstücke auf Giengener
Markung: 1636 säen Hermaringer Bauern 7 Jauchert, 1637 4 1/2 Jauchert an. Andererseits
kommen Giengener, die noch auswärts wohnen, nur
zur Saat- und Erntezeit heim. |
| 1636 |
Für Spitaläcker sind 2
1/2 Gulden pro Jauchert (= etwa 1 1/2 Morgen) zu
bezahlen, später 3 Gulden, damit der einzige
Pfründner des Spitals unterhalten werden kann. |
| 1636 |
Die Schule entsteht neu. |
| 1636 |
Die Herrschaft Heidenheim
kommt an Bayern. Kurfürst Maximilian I. läßt
restituieren, d.h. den katholischen Glauben
wieder einführen. |
| 1637 |
Vom März bis Juli liegt
ein Korporal und 16 Reiter in der Stadt. Es muß
jedoch "für 30 Plätze spendiert
werden". |
| 1637 |
Im Mai klagt die ganze
Bürgerschaft vor dem Rat "wegen des
unüberwindlichen, übergroßen, schweren
Kriegslasts .. Es sehe aus, als ob man wieder ins
bittere Elend müsse ..." |
| 1637 |
Beschwerde: "Die
Bürgerschaft sei schwach, arm, verbrannt und
ausgesogen...Ihre Armutei sei leider land-, so
nit weltkundig...Aller Kredit sei verloren...Sie
wären schon längst wieder aus der Stadt
geflohen, wenn sie nicht Pflichten und Eide
bänden." |
| 1637 |
Beschwerde: "Der Tod
wäre viel erträglicher, als die Pressereien
länger zu dulden...Man habe die Bürgerschaft
samt dem Vieh eingesperrt gehalten, daß sie
weder auf dem Feld noch anderswo ihre Nahrung
nehmen können..." |
| 1637 |
Im Mai findet die erste
Ratswahl nach dem Brand statt: Wolf Ammann wird
durch eine Mehrheit von 9 Stimmen Nachfolger des
Amtsbürgermeisters Joh. Christof Martin.
Ratsherr ist weiterhin Goldschmied David Keiss. |
| 1637 |
Am 1. Juni läßt
Locatelli melden, dass er sich nicht mehr mit
"Papier" zufrieden geben wolle. Die
Bürgermeister Ammann und Braun werden von ihm in
Höchstädt festgehalten. Es regt sich Unwillen
in der Bürgerschaft. |
| 1637 |
Angehörige der
Metzgerzunft werden aufgefordert der Stadt
kurzfristig 400 Gulden zu borgen, oder es werde
ihnen mit Weib und Kindern das Bürgerrecht
aufgekündigt. Eine ernste Vertrauenskrise
zwischen Stadtregiment und Bürgerschaft ist die
Folge. |
| 1637 |
Im Juni ist Martin
Botzenhardt Metzger-Zunftmeister, Georg Hertrich
und Jakob Fritz Stadtrat. |
| 1637 |
Etliche verweigern sich,
so werden der Seiler Jörg Preiß und der
Schuster Hans Buck ins Gefängnis gelegt. Andere
setzen sich auswärts ab: Metzger Georg Hertrich
nach Heidenheim, Georg Heerbrand nach Ulm, Jakob
Heerband nach Lauingen. |
| 1637 |
Das Verlassen der Stadt
durch die reichen Metzger ist einer zweiten
Teilflucht nicht unähnlich. Als Abordnung nach
Höchstädt zu dem rabiaten Rittmeister Locatelli, greift man dann auf einfach Bürger
zurück: Schmied Hans Nüsseler und Sattler Georg
Bader. |
| 1637 |
Über eigene öffentliche
Mittel verfügt die Stadtverwaltung nicht oder
doch nur in ganz bescheidenem Maße:
"Ußgesessene, die allhier angesät haben,
soll ihr Korn beschlagnahmt und die Kontribution
davon bezahlt werden." |
| 1637 |
Im Sommer bringt der
Zunftmeister der Weber vor, dass man in Hürben
bei Verlassen der Herrschaft zu hohen Zoll vom
"Stuck" erhebe. Ähnliche Klagen gibt
es bezüglich des Zolls in Nattheim. |
| 1637 |
Auf Befehl von Marschall
Piccolomini werden im Sommer die beiden
Bürgermeister Wolf Ammann und Benedikt Braun
weggeführt. |
| 1637 |
Im September wird mit dem
Stadtschreiber abgerechnet, wobei sich
herausstellt, dass er 498 Gulden an
rückständiger Besoldung ausstehen hat. |
| 1637 |
Der Kurbayerische
Herrschaftsverwalter in Heidenheim (Leonhard
Krieger) setzt sich für die Annahme des
Erbvergleichs von Daniel Roggenburger ein. |
| 1637 |
Kasier Ferdinand III. wird
Nachfolger des verstorbenen Ferdinand II. |
| 1637 |
Im Winter 1637/38 ist
kurbayrische Artillerie nach Giengen zugeteilt. |
| 1637 |
Giengen erhält einen
neuerlichen kaiserlichen Brief, der hervorhebt,
dass die beiden verbrannten Städte Giengen und
Aalen von unbilligen Lasten zu verschonen seien. |
| 1637 |
Für die Stadt ist die
Auszahlung der wenigen Gehälter an den
Stadtschreiber und Geistlichen, aber auch an
Stadtknecht und Hebamme ein Problem. |
| 1638 |
Die Pfleger erhalten den
Auftrag, Zinsen und fällige Ausstände in den
Flecken einzufordern. Dies gestaltet sich jedoch
schwierig. |
| 1638 |
Der Stadtknecht wird am
30. Januar mit seiner Bitte um teilweiser
Begleichung seiner rückständigen Besoldung,
mangels Geld und Korn, angewiesen. |
| 1638 |
Im März einigt man sich
mit dem Stadtschreiber über eine Absenkung
seiner jährlichen Bezüge von bisher 200 Gulden
auf 130 Gulden, plus jeweils 8 Malter Korn,
solange die Kriegslasten bestehen. |
| 1638 |
Am 23. März kommt morgens
eine große Anzahl Reiter des Mesingischen
Regiments, die in Heidenheim einquartiert sind,
plötzlich vor das Obere Tor und begehren Einlaß. Da sie keine Order vorweisen können,
weigert sich der Rat , die Tore zu öffnen. |
| 1638 |
Am 29. März dringt eine
Anzahl von Reitern des in Heidenheim
einquartierten Meisingischen Regiments ein und
richtet großen Schaden an. |
| 1638 |
Die Meisingischen Reiter
"brennen das Memminger Tor herein, tun viele
Schüsse auf die Bürger, wovon unser Glaser
Jakob Ostertag erschossen und gleich blieben ist,
der Salva Guardi mit zwei Kugeln durchschossen
..." |
| 1638 |
Durch den Überfall der
Meisingischen Reiter "müssen die Bürger
mit Weib und Kind fliehen und sich in den
Hölzern und anderswo aufhalten, wodurch die
Bürgerschaft um alles kommen und ganz rein
ausgeplündert worden...einige tausend
Gulden" |
| 1638 |
Ende August werden die
Wachen verstärkt. Je zwei Ratsherren waren auf
die Stadttore verteilt, um den ankommenden
Soldaten Rede und Antwort zu stehen. Scharfe
Wachkontrollen sind erforderlich. Strenge Strafen
ergehen an die Lässigen. |
| 1638 |
Im August bittet der
Almosenpfleger um Entlassung: er habe nichts
eingenommen und nichts ausgegeben. |
| 1638 |
Am 26. Oktober beklagt
sich Prediger Esajas Edelmann über seine
ausstehende Besoldung. Er erhält einen
Schuldschein der Kirchenpflege über 60 Gulden
gegen einen Gundelfinger Bürger. Die Eintreibung
der üblicherweise bezahlten Hälfte ist
schwierig. |
| 1638 |
Am 23. Dezember wird
Aalen, Giengen Bopfingen u.a. wieder mit
bayrischer Feldartillerie belegt. |
| 1638 |
Im Frühjahr wird die
Bürgerschaft, "wegen der gefährlichen
Kriegsläufte und zunehmender Unsicherheit"
in drei Korporalschaften eingeteilt, um die Wache
unter den Toren besser ausüben zu können. |
| 1638 |
Dem Sontheimer Pfleger
werden die Bücher entzogen, weil er seit 2
Jahren keine Abrechnungen mehr erstellt hat. Zwei
Pfleger lehnen das ihnen übertrage Amt wegen dem
"zerrüttet Wesen" der Bücher ab. |
| 1638 |
Der Rat versammelt die
ganze Bürgerschaft, um wegen 100 Gulden
Kontributionszahlung zu beraten: "Diese 100
fl. bewilligt die Bürgerschaft nicht, muß es
also geschehen lassen und der Gefahr gewärtig
sein." |
| 1638 |
Die Gebühr für die
Aufnahme ins Bürgerrecht wird herabgesetzt,
"weil die Bürgerschaft nach der leidigen
Einäscherung der Stadt gar wenig." |
| 1639 |
Zu Jahresbeginn setzt der
Kroatenoberst Rückewilz, der mit zwei
Regimentern in der Nachbarschaft einquartiert
ist, die Stadt in Schrecken. Nach langen
Verhandlungen muß die Stadt 50 Gulden durch eine
Haussammlung aufbringen. |
| 1639 |
Im Frühjahr meldet der
Flurschütz, dass es "im Feld mächtig übel
stehe". Eine Flurordnung erscheint nötig. |
| 1639 |
Die Sommermonate verlaufen
ruhig. Die Wache kann abgeschaft werden. |
| 1639 |
Ende Dezember liegt zum
drittenmal bayrische Artillerie in Giengen (24
Personen mit 20 Pferden). |
| 1639 |
In dem strengen Winter auf
1640 kommen Wölfe bis an die Stadt heran,
reißen Ziegen, Schafe, Hunde und Katzen. |
| 1639 |
"Weil die
Bürgerschaft gestern sehr schwierig sich erzeigt
... un der Obrigkeit nicht trauen, so wider
kayserliche und königliche Privilegien ist, als
ist auf diesmal der Wahltag (Ratswahlen) bis auf
weiteres eingestellt worden." |
| 1640 |
Die Vermarkung der Felder
ist durch den Krieg verludert. Bei der nunmehr
einsetzenden Neuvermarkung werden 50 Pfähle
gesetzt. |
| 1640 |
Die Stadt schreibt an den
Heidenheimer Amtmann in Hermaringen, dass etliche
Bauern sich "unterstanden, zu gemeiner Stadt
gehörige Hof- und Lehensgüter, ohne sie
anzumelden, nur ihres Gefallens zu bauen".
Ihr entgehen so die Gülteinnahmen. |
| 1640 |
Die Schaumeister der Weber
haben fast nichts zu tun. Es wird daher die
Kürzung der ihnen zustehenden Schaugebühren
vorgenommen. |
| 1640 |
Es wird Fremden erlaubt
Leder in die Stadt zu liefern, weil die hiesigen
Gerber das nötige Quantum nicht aufbringen
können. |
| 1640 |
"... weil man gottlob
mit dem Pflug wieder ins Feld fahren kann
..." |
| 1640 |
In den Jahren 1640 bis
1642 erfolgen 42 Einbürgerungen. |
| 1641 |
Am 6. Juni wird eine
provisorische Neufassung der verbrannten
Stadtartikel "in der Capella
publiciert", da das Rathaus noch nicht
wiedererbaut ist. |
| 1641 |
Am 27. Juli heißt es im
Ratsprotokoll: "... derentwegen die
Dokumente von Ulm sollen geholte werden"
(Lagerbücher). |
| 1641 |
Am 27. August meldet das
Ratsprotokoll: "Dem Hans Kiefer zu
antworten, daß die Ratsprotokolle leider
verbronnen ..." |
| 1641 |
Mit weiteren 700 Pfählen
wird die Begrenzung der Felder wieder in Ordnung
gebracht. |
| 1641 |
Gegen den Widerstand der
Pferdebesitzer wird eine Höchstgebühr für das
Bebauen und Ernten eines Jauchert festgesetzt.
Damit soll der Feldbau gefördert und die
Nahrungsmittelgrundlage erweitert werden. |
| 1641 |
Gegen die sich vermehrt
bemerkbar machenden Wildschweine werden
Feldwachen aufgestellt. |
| 1641 |
Die Bauernzunft geht,
"weil deren sehr wenig", in der
Schmiedezunft auf. Sie war schon 1567 die weitaus
schwächste der sieben Zünfte. |
| 1642 |
Im April führt die
Herrschaft Heidenheim während des Giengener
Jahrmarkts Straßenstreifen durch. |
| 1642 |
Gegen die überhand
nehmenden Ziegen wird am 11. November beraten:
"Mit den Geißen, als einem schädlichen
Tier ist folgende Ordnung gemacht worden, daß,
wer keine Kuh hat, 2 Gaisen, wer 1 Kuh hat, 1 Geis, wer 3 Kühe hat, aber gar keine Geis halten
dürfe." |
| 1642 |
Daniel Roggenburger
schlägt versöhnlichere Töne an und schreibt
aus Donauwörth: "Daß alles angfangs mit
ein paar Viertel Weins wäre vermittelt worden
..." |
| 1642 |
Giengen schafft eine
Alarmtrommel an, um die Bürger im Ernstfall
rascher zusammenzubringen. |
| 1642 |
Die Quartierkosten
belaufen sich im Winter1642/43 auf 2.052 Gulden. |
| 1642 |
Für die Jahre 1641-43 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 5 Malter
verzeichnet. |
| 1642 |
In den Jahren 1642/43 malt
Johannes Stöltzlin Bilder für die Giengener
Stadtkirche. |
| 1643 |
Am 15. März stirbt der
Prediger und Pfarrverweser Esajas Edelmann im
Alter von 45 Jahren. Sein Nachfolger wird der
33-jährige Giengener Bürgersohn Magister Jakob Honold. |
| 1643 |
Ende März fällt Schnee
mit anschließendem Winterwetter. Über Ostern
ist das Land weithin mit Schnee bedeckt. |
| 1643 |
Am 17. September verwendet
Daniel Roggenburger den Schuldbrief seiner Mutter
über 2.000 Gulden um alle rückständigen
Steuern und Abgaben zu begleichen. Damit ist der
Streit der Kontrahenten beendet. |
| 1643 |
Im November ergibt die
Umlage der Kontributionszahlungen auf die Zünfte
folgendes Bild: die 14 Bäcker 20 fl., die 19
Metzger 16 fl., die 14 Weber 14 fl., die 13
Gerber 9,5 fl., die 11 Schmiede 8,4 fl., die 11
Schneider 7,4 fl., die 5 Bauern 2,1 fl. |
| 1643 |
Im November halten die 87
Zunftmitglieder 7 Pferde, 14 Kühe und bebauen
127 Jauchert Acker. |
| 1643 |
Ab 1. Dezember liegt in
Giengen: 1 Hauptmann, 1 Leutnant, 1 Feldwebel, 1 Fourier, 1 Musterschreiber, 1 Feldscher, 4
Korporale, 9 Gefreite, und 27 Gemeine. Die
Abrechnung in 5 Monaten belief sich auf 2.732
Gulden 30 Kreuzer. |
| 1643 |
Neun Jahre nach dem
verheerenden Brand liegt immer noch Schutt in der
Stadt, der beseitigt werden muß. "Etlich
100 Karren Kummer (=Schutt) für das Thor
hinausgeführet". |
| 1643 |
Weitere Entspannung
zwischen Daniel Roggenburger und der Stadt
Giengen. |
| 1643 |
Die Stadt berechnet die
ihr entgangenen Kapitalzinsen auf 49.200 Gulden. |
| 1643 |
Die Stadt hat auf dem
württembergischen Gut Oggenhausen noch 5.000
Gulden und seit 22 Jahren davon verfallene Zinsen
stehen. Der Ankauf des Guts wird vorgeschlagen,
kann jedoch nicht verwirklicht werden. |
| 1643 |
Matthäus Merian
veröffentlicht seine "Topographia
Suevia" worin ein Kupferstich mit der
Ansicht Giengens vor dem Stadtbrand enthalten
ist. Der ausführliche Begleittext über Stadt
und Brand stammt von dem Ulmer Bürger Martin Zeiller. |
| 1644 |
Von Bopfingen läßt man
sich die Stadtartikel kommen. |
| 1644 |
Ein neues Ratsgebet vor
Sitzungseröffnung wird eingeführt. |
| 1644 |
Im Sommer ruft der Rat die
Bürger zusammen, um ihnen zu erklären wie sich
die Gesamtheit verhalten solle, und was der
einzelne in Zeiten der Not zu tun und lassen
habe. "Rat und Bürgerschaft wollen nicht
weichen, sondern zusammenbleiben..." |
| 1644 |
"Weib, Kind und was
einer Gutes hat, möge er wohl flüchten, die
Mannschaft aber solle beständig verharren".
|
| 1644 |
Am 24. September verehrt
Johann Stöltzlin, "Mahler in Ulm als ein
alter Bürger, ... Einem Ehrs Rath, also einem
jeden in spezie, wie auch in die Schuel, 14
Exemplar wegen der ... abgebranndten Stadt
Giengen einen Abriß so illuminiert und schön
gemahlt". |
| 1644 |
Für die von Stöltzlin
überreichten Bilder werden ihm 10, seiner Frau 1
und dem Überbringer auch 1 Reichstaler verehrt.
Es handelte sich wohl um kleinere Ausführungen
des später entstandenen Brandbildes. |
| 1644 |
Im Dezember halten die 112
Zunftmitglieder 7 Pferde, 19 Kühe und bebauen
177 Jauchert Acker. |
| 1644 |
Die amtliche
Güterbeschreibung vom 30. Dezember hält fest,
dass auf Giengener Markung wieder 1.111 Jauchert
Ackerland wieder bebaut sind, dagegen nur 89
Jauchert (= 7,4 %) öd und unbebaut. |
| 1644 |
Giengen hat jetzt 144
Bürger, 108 Häuser, 116 Kühe, 67 Pferde. |
| 1644 |
Daniel Roggenburger
spendiert dem Rats ein Faß Wein, das er aus der
Gegend Frankenland/Taubergrund holt. |
| 1644 |
Das 1634 abgebrannte
Spitalgebäude wird, "weil es eine
Notdurft", wieder erstellt. Ehemalige
Giengener Bürger aus Ulm leihen hierzu 450
Gulden. Weitere 300 Gulden werden bei dem Juden
Leo von Neresheim aufgenommen. |
| 1644 |
Zum Neubau des Spitals
werden 67 Fuhren Bauholz benötigt. Es helfen 40
bis 50 Personen, wobei für 60 Gulden Branntwein,
Bier und Brot verzehrt werden. Keller und
Viehställe kommen einige Jahre später, die
Scheuer erst 1657, hinzu. |
| 1644 |
Das Kapital für die alle
drei Jahre erhobene Geschworenensteuer beträgt
57.828 Gulden: Barvermögen 3.594 fl., Gebäude
31.740 fl., Äcker 14.410 fl., Wiesen 3.014 fl.,
Gärten 2.087 fl., und Vieh 2.983 fl. |
| 1644 |
Giengener Bürger besitzen
108 Wohnungen, 40 Scheuern, 1.111 Jauchert
Äcker, 147 Tagwerk Wiesen, 93 Gärten, 69
Pferde, 120 Kühe, und 268 Schafe. |
| 1644 |
Die in Giengen geborenen
Johannes Stöltzlin, Ulmer Stadtmaler, und Ulrich
Kindsvater geben zusammen 100 Gulden Kredit für
den Wiederaufbau des Spitals. |
| 1645 |
Am 9. Februar wird der
Rotgerber Joachim Martin im Alter von 21 Jahren
erschossen. |
| 1645 |
Am 17.April und noch an
mehreren Tagen geht die Sonne blutrot auf und
unter. In der Gegend von Langenau bei Heuchlingen
und auf der Ulmer Alb fallen feurige Kugeln vom
Himmel. Sie fallen in den Gärten durch die
Bäume bis auf den Boden. Greift man danach,
zerbersten sie. Dies geschieht fast immer am
Abend, eine halbe Stunde von Sonnenuntergang. |
| 1645 |
Im August vermerkt das
Ratsprotokoll: "Roggenburger Stiftung soll,
wo nit vollkommen, so doch halb ausbezahlt
werden." |
| 1645 |
Für die Jahre 1644-46 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 8 Malter
verzeichnet. |
| 1646 |
Am 24. Juli berichtet
Bürgermeister Martin, dass das Metall der alten
Glocke verkauft und dafür eine neue 3 Zentner
schwere Glocke für den Blasturm in Ulm von H.
Heylbronner des Raths um 75 Gulden 30 Kreuzer
gekauft wurde. |
| 1646 |
Im August erhält die
Stadt einen Schirm- und Schutzbrief von Maréchal
de Turenne. |
| 1646 |
Im September dankt die
Stadt Wrangel, dass er sie "uf unterthänig
Anhalten" in Protektion genommen und
schriftliche "Salva Guardien" gegeben
habe. |
| 1646 |
Am 1. September stellt der
Turennesche Proviantmeister zunächst das
Verlangen an Giengen, 50.000 Pfund Brot oder das
entsprechende Quantum Mehl nach Neckarsulm zu
führen, da wird bekannt, dass die franz. Armee
schon "in Kochen sich befinde". |
| 1646 |
Am 2. September ist die
Turennesche Armee von Aalen her im Anmarsch. Sie
lagert bei Mergelstetten und Bolheim. Der Rat
verspricht Turenne eine großzügige Verehrung an
Lebensmitteln, wenn die Stadt von Einquartierung
verschont bleibt. |
| 1646 |
Am 3. September
marschieren die franz.Truppen Turennes an der
Stadt vorbei über Hermaringen nach Lauingen. |
| 1646 |
Nachdem keine
Einquartierung mehr zu befürchten ist, liefert
der Rat am 3. September keine Lebensmittel. Noch
am gleichen Tag sind 12 Wagen mit Lebensmitteln
nach Lauingen zu liefern, wobei den Giengenern 22
Pferde ausgespannt und weggeführt werden. |
| 1646 |
Am Sonntag, dem 6.
September, gibt es bei der Ratsversammlung
"großes Wortgezänk" darüber, dass
man General Turenne nichts hinausgereicht habe.
Man habe es dem in der Stadt anwesenden
schwedischen Rittmeister zuliebe unterlassen. |
| 1646 |
Der schwedische Oberst
Bülow in Nördlingen fordert 200 Gulden
Kontribution. Am 11. September kommt Befehl aus Lauingen, den Schweden nach Nördlingen nichts zu
kontribuieren, Giengen sei ausschließlich den
Franzosen zugeteilt. |
| 1646 |
Der Rat bittet den
französisch sprechenden David Freiherrn vom
Stein aus Bächingen sich in Lauingen für
Giengen einzusetzen, "damit man nicht weiter
von zwei Orten angefochten werde". |
| 1646 |
Um von den Schweden
loszukommen, hat Giengen 225 Gulden Kontribution
zu zahlen, weitere 300 Gulden für den Abzug der
sieben schwedischen Musketiere, die in der Stadt
liegen. |
| 1646 |
Im Oktober wird Lauingen
zum Feldlager ausgebaut. Giengener Bürger
müssen nach dort zum Schanzen. Darüber hinaus
hat die Stadt Schubkarren, Werkzeuge und Pfähle
zu liefern. |
| 1646 |
Im Herbst forden auch die
in Nördlingen lagernden Schweden unter Oberst
Bülow Abgaben von der Stadt. |
| 1646 |
Bis zum 3./13.Oktober 1646
waren "uf die 25.000 Pfund Brot, Bier und
anderer Viktualien ganz zu schweigen" ins
französische Lager geliefert worden. Insgesamt
belief sich die Brotlieferung in diesem Herbst
auf 43.993 Pfund im Wert von 2.932 Gulden. |
| 1646 |
Am 10. November werden
drei Wagen mit je 3 Faß Bier und nicht bekannten
Mengen Weißmehl, Haber, Hämmel, Fische und
Krebse ins französische Lager nach Lauingen
geliefert. |
| 1646 |
Ende des Jahres
beschließt der Rat "zwei neue Brücken
durch die Wühlen und gegen der Seegmühle
hinunter" über die Brenz zu bauen. |
| 1646 |
Der Rat hält seine
Sitzungen jetzt im neu erbauten Spital ab. |
| 1647 |
Die Stadt baut im Februar
Brücken beim "Wühle", damit die
Truppen nicht durch die Stadt ziehen müssen. |
| 1647 |
Im März ziehen Schweden
mit Ausnahme von wenigen Geschützen über die
neuen Brenzbrücke an der Stadt vorbei und lagern
in Hohenmemmingen. |
| 1647 |
Für die Zeit vom 27.
Februar bis 25. Dezember hat Giengen 341 Gulden
ins Feldlager bei Lauingen zu zahlen. |
| 1647 |
Ratssitzung am 14. März
morgens um 3 Uhr mit den Zunftmeistern, da von
Langenau im Vertrauen "avisiert" wurde,
dass die dort liegenden drei Regimenter einen
Anschlag auf Giengen im Schilde führen. |
| 1647 |
Am 22. März geht das
Gerücht, dass die ganze schwedische Artillerie
von der Ulmer Alb her auf die Stadt marschiere.
Tatsächlich müssen die 16 schwersten Geschütze
durch die Stadt gelassen werden, die übrigen
können die neuen Brücken benützen. |
| 1647 |
Am 24. März "ist die
ganze schwedische Hauptarmada, außer einigen
berittenen Regimentern, die durch Heidenheim
zogen, mit aller Bagage über die neuen Brücken
marschiert. Haber, Bier, Kälber, Lämmer,
Geflügel mußten dem...General Wrangel gebracht
werden." |
| 1647 |
Von Mai bis September sind
nach Lauingen zunächst 30 Schubkarren zu
liefern, dann 500 Sturmpfähle, 1000 Nägel,
daneben Brot und auch Fische und Krebse. |
| 1647 |
Ein gutes Jahr mit guter
Ernte. |
| 1647 |
Seit Ende Oktober muß
Giengen 20 Mann zur Befestigung des
französischen Hauptsstapelplatzes nach Lauingen
stellen. Weil viele saumselig waren, wird den
Zunftmeistern eröffnet, ihre Zunftgenossen zur
Pflicht zu mahnen. |
| 1647 |
Die ärmeren Bürger
bitten den Rat, das Schanzgeld für das Lauinger
Franzosenlager der finanziellen
Leistungsfähigkeit anzupassen, woraufhin 15
Bürger doppeltes Schanzgeld zahlen müssen. |
| 1647 |
Giengen verweigert einer
französischen Delegation den Zugang zur Stadt.
Der Lauinger Kommandant ist erzürnt und läßt
die Roßweide in der Schwage überfallen und die
Pferde hinwegtreiben. |
| 1647 |
Die Bürger wehren sich
gegen den Überfall auf die Roßweide in der Schwage, schießen auf die Räuber und nehmen
ihnen die Pferde bis auf drei wieder ab. |
| 1647 |
Der Getreidezehnt zu
Sontheim wird zwar um 141 Malter verkauft, aber
es können nur 21 Malter geliefert werden, weil
im Sontheimer Zehntstadel "alles verderbt
und weggenommen" worden war. |
| 1648 |
Vom 8. Januar bis 31.
März blockieren die Bayern Lauingen, das
Pfalz-Neuburgisch war, und Giengen muß an
Churbayern kontribuieren. |
| 1648 |
Mitte April belagert die
schwedische Armee Dinkelsbühl und besetzt Aalen
"mit Gewalt". Giengen soll drei
Kompanien schwedischer Dragoner erhalten. Der
Stadtschreiber wird zu Unterhandlungen entsandt.
Er erreicht eine Geldabgabe statt Einquartierung.
|
| 1648 |
Weil sich die
Geldübergabe nach Göppingen verzögert hat
kommen am 3. Mai die Leibkompanien des
Feldmarschalls Wrangel und der Generalleutnants
Douglas und Steinbach, um die geforderten 600
Gulden abzuholen. |
| 1648 |
Am 5. Mai rückt die ganze
Bagage nach und fordert 2 Faß Bier, 10 Säcke
Haber, 100 Hühner und, was am schwersten wiegt,
auch 50-60 Stück Vieh. |
| 1648 |
Der Hauptteil der
französischen und schwedischen Armee
überschreitet die Donau bei Lauingen. Der zweite
Feldzug gegen Bayern beginnt. |
| 1648 |
Am 7. Mai brechen die
Schweden aus Giengen auf, nachdem sie von den
Bürgern noch Mehl, Brot, haber und Geld
mitnehmen. "Hausten in Summa Offiziere und
Soldaten übel". |
| 1648 |
Die Fouriere der drei
schwedischen Kompanien bleiben zurück, wodurch
Giengen wieder in die mißliche Lahge kommt zwei
Herren dienen zu müssen. |
| 1648 |
A 8. Juni kommen die
Franzosen mit 24 Reitern aus Lauingen, um mit
Gewalt zu holen, was man ihnen mit Hilfe der
Schweden vorenthalten wollte. Als sie nicht
eingelassen werden, versuchen sie das Vieh
wegzutreiben. Die Schweden lassen schießen. |
| 1648 |
Der Lauinger Kommandant
ist über das Verhalten der Stadt "äußerst
digustiert" und hält die in dieser
Angelegenheit nach Lauingen entsandten
Bürgermeister fest. |
| 1648 |
Ende August beklagt sich
die Stadt in einem Brief an den Kaiserlichen
Feldmarschall Büninghausen über die Last der
Lauinger Kontributionen. Sie sei "an Geld
aufs äußerste enerviert". |
| 1648 |
Ende August setzt Turenne
die Kontribution Giengens von 450 auf 300 Gulden
monatlich herab, "damit sich die Stadt
wieder erhole". Die Monate März und April
wurden ganz erlassen. |
| 1648 |
Die verbündeten
französischen Armeen kehren Ende September aus
dem Sommerfeldzug wieder zurück. |
| 1648 |
Am 4. Oktober "kommt
grausames und unerhörtes Quartier des
französischen halben Kriegsvolks von vier
Brigaden dieser Stadt ohnfürsehens ob den
Hals". Die Giengener Abordnung trifft
Turenne bei Lauingen, ihr Flehen um Verschonung
ist aber vergebens. |
| 1648 |
Am 5. Oktober kommen die
Quartiermeister der französischen Armee zur
Vorbereitung der Einquartierung. Sie verzeichnen
jedes Haus: "134 große und kleine".
Kein Haus war ohne Quartier. "Alles was sie
in Häusern gefunden ... hielten sie für das ihrig." |
| 1648 |
Am 8. Oktober werden vier
Brigaden, das sind 70 Kompanien, auf die 134
Häuser verteilt. "Alles was sie in den
Häusern fanden, hielten sie für das ihre".
Erst am 19. Oktober ziehen sie wieder ab. |
| 1648 |
Am 10. Oktober kommt
Feldmarschall Turenne nach Giengen und Rat und
Bürgerschaft machen eine Fußfall vor ihm. Er
vertröstet auf später, "man solle zu ihm
in das Hauptquartier nach Dillingen kommen",
aber ohne Effekt. |
| 1648 |
Ende des Dreißigjährigen
Krieges. Friedensschluß am 14. Oktober. Von 25
Millionen Deutschen kamen 10 Millionen um. Für
Schweden wurden 5 Millionen Taler Friedensgeld
beschlossen. Giengens Anteil an den ersten 3
Millionen betrug 4.650 Gulden. |
| 1648 |
Am Ende des Krieges sind
nur wenige Bürger so sehr verschuldet, dass ihre
Existenz als gefährdet anzusehen wäre. |
| 1648 |
Am 19. Oktober ziehen die
Truppen ab. Giengen greift erstmals seinen
Grundbesitz zur Tilgung der Schulden an. |
| 1648 |
Am 19. Oktober bricht eine
Abordnung nach Dillingen zu Turenne auf.
"Gott sei Dank", schließt der Eintrag,
"der von solchem Last väterlich geholfen,
daß gleichwohl noch ein Stück Brot an
unausgedroschenem Getreid übergeblieben". |
| 1648 |
Kranke und verwundete
Soldaten aus dem Feldlager Lauingen kommen zur
Pflege nach Giengen. |
| 1648 |
Auf Anregung des Pfarrers
Jakob Honold wird, nach Ulmer Muster, am Montag,
dem 13. November, ein Dankfest abgehalten. |
| 1648 |
Die Kontributionen gehen
weiter. Am 14. November bringt die ins
Dillingische Hauptquartier entsandte Abordnung
schlechte Nachricht: Reiter des Tracyschen
Regiments werden u.a. auch Giengen zugeteilt,
d.h. 49 Rationen zu je 1 Gulden. |
| 1648 |
Die Gesamtkosten von ca.
3.000 Gulden können nur durch eine Geldaufnahme
erbracht werden. Ratsherren und andere Bürger
werden zu diesem Zweck nach Ulm, Nördlingen und
Neresheim entsandt. |
| 1648 |
Im Ulm leiht Fräulein von
Gloyach - durch Vermittlung von Maler Stözlin -
2.000 Gulden aus, in Neresheim Jud Löw 155
Gulden auf ein Jahr. Langfristige Anleihen gab es
schon lange nicht mehr. |
| 1648 |
Im November wird der Wald
Lindenhau in Bergenweiler für 750 Gulden an
Moritz Freiherrn von Welz, Inhaber von Bergenweiler, verkauft. Gegen Zahlung von 600
Gulden in bar, und dem Rest nach Ablauf eines
Jahres. |
| 1648 |
Vom 27. November bis 1.
Februar 1649 ist französisches Winterquartier in
der Stadt. Darüber hinaus fordert der
schwedische Oberst Bülow von Nördlingen aus
ebenfalls Kontributionszahlungen. |
| 1648 |
Bürgermeister und
Stadtschreiber begeben sich nach Heidenheim und
gratulieren den Stuttgarter Räten, weil der
Friede die Rückgabe der Herrschaft Heidenheim an
das Haus Württemberg gebracht hat.. |
| 1648 |
In den Jahren 1647-49 hat
" der Feldbau durch der Völker Einfall
gelitten". |
| 1648 |
Für die Jahre 1647-49 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 10 Malter
verzeichnet. |
| 1648 |
Giengen hat rund 2.900
Einwohner. |
| 1649 |
Am 1. Februar ziehen die
Franzosen ab, die Schweden folgen daraufhin
diesem Beispiel. |
| 1649 |
Das ganze Land ist arm an
Lebensmitteln geworden. Gerüchte über eine
drohende Teuerung laufen um. Der Rat verbietet
bei 10 Taler Strafe die Ausfuhr von Korn.
"Traidbranntwein" darf nicht mehr
gebrannt werden. |
| 1649 |
Am 26. Juni fordert die
versammelte Bürgerschaft, dass die
Quartierlasten von allen mitgetragen werden
müssen: Neben dem Bürgerbesitz soll auch das
Vermögen fremder Besitzer belastet werden, auch
Waisengelder, Dienstboten, Handwerksgesellen... |
| 1649 |
Am 28. August verehren die
Reichsstädte Giengen, Aalen und Bopfingen dem
schwedischen Oberst Jordan einen Pokal im Wert
von hundert Gulden. Aber noch fast ein weiteres
Jahr liegt zeitweise Quartier in der Stadt. |
| 1649 |
"Giengen hatt an
Paarem gelt nach Lauingen gegeben": 7.550
Gulden. |
| 1650 |
Am 12. August verläßt
die letzte Einquartierung die Stadt. |
| 1650 |
Erst am 13. August heißt
es, dass "der allhie gelegene Bülowsche
Kapitän mit seiner Mannschaft abmarschiert, und
nunmehr der schwäbische Kreis aller
Kriegsbeschwerden entledigt sei. Gott dem
Allerhöchsten sei dafür ewig Lob und Dank
gesagt". |
| 1650 |
Am 19. August wird ein
zweites Friedensfest gehalten. |
| 1650 |
Am 26. August wird eine
neue Ratsordnung festgesetzt. "Weil man aber
im leidigen Brand um die alte Ratsordnung kommen,
als ist eine durch den Stadtschreiber verfaßt
und aufgesetzt ... und konfirmiert worden". |
| 1650 |
Langsam normalisiert sich
das Leben in der Stadt. Giengen bekommt eine neue
Ratsordnung. Der Herzog von Württemberg erläßt
neue "Gemeine Landts Ordnungen". Der
Krieg hat die Stadt von 1635 bis 1649 mindestens
38.707 Gulden gekostet. |
| 1650 |
Der Schratenhof und der
St.Stephanhof sind immer noch unbewohnt. |
| 1650 |
In Hermaringen sind von
den zu Giengen gehörigen 272 Jauchert Ackerfeld
123 (45 %) angebaut. Von den 142 Malter Vollgült
fordert Giengen 60 Malter (42 %). |
| 1650 |
Die drei Höfe und 7
Selden Giengens in Sachsenhausen sind alle
"verbrannt und wüst liegend". |
| 1650 |
Nach der Räumung des
Landes von Kriegsvolk fallen die Preise für
Getreide rasch. Verglichen mit den den Preisen,
die zu Beginn des Jahrhunderts erzielt wurden,
sind sie um etwa um 50 % zurückgegangen. |
| 1650 |
Es herrscht weiterhin
Knappheit an Baumaterial. Im Sontheimer
Kirchenvisitationsbericht heißt es: "Die
von Giengen haben im Flecken Sölden abgebrochen,
nach Giengen geführt." |
| 1651 |
Am 15. Dezember schulden
39 Giengener Bürger dem Neresheimer Juden Leo
3.114 Gulden. Für Geldaufnahmen ist die
Genehmigung des Rats erforderlich. |
| 1651 |
Für die Jahre 1650-52 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 100 Malter
verzeichnet. |
| 1651 |
Giengen hat rund 1.200
Einwohner. |
| 1652 |
Der Prediger Simon Böckh
reist durch Deutschland und die Schweiz. Er
sammelt Geld für den Wiederaufbau der Kirche und
der Schulen. |
| 1652 |
Im Begleitschreiben für
die Sammlung zum Bau der Stadtkirche steht, dass
durch den Brand "gemeine Stadt und
Bürgerschaft in äußerste Ruin, auch deren der
größte Teil in das Exilium geraten". |
| 1652 |
Bibelzitat auf dem Neuen
Ratsprotokollband von 1652: "Verhöret eure
Brüder, und richtet recht zwischen jedermann und
seinem Bruder und dem Frembdlinge, keine Person
sollt ihr im Gericht ansehen, sondern sollt den
Kleine hören wie den Großen..." |
| 1652 |
Ratsherren sind (seit
mindestens 1637): David Keiss, Wolfgang Ammann, Joh. Christof Martin, Georg Hertrich und Georg
Preiß. Sie bildetetn die "fünf
Geheimen". |
| 1653 |
Eine neue Schule wird
gebaut. Nach dem Brand hat der Unterricht zuerst
in der Klingelmühle stattgefunden. |
| 1653 |
Johann Stöltzlin fertigt
das "Bild am Stock" an. |
| 1654 |
Simon Böckh geht nochmals
auf Betteltour. Das Ergebnis seiner beiden
Sammlungen sind 4.190 Gulden, nach Renner sollen
es 4.244 gewesen sein. |
| 1654 |
Die Weber versuchen sich
durch weitere Bestimmungen zu schützen: kein
Fremder ihres Handwerks darf sich in der Stadt
selbständig niederlassen, wenn er nicht bereits
drei Jahre bei Giengener Meistern gearbeitet hat.
|
| 1655 |
Am 8. Juli hat Giengen
nach über 20 Jahren wieder ein angemessenes
Gotteshaus zur Verfügung. |
| 1655 |
Herzog Ulrich von
Württemberg reitet durch Giengen und bekommt
Wein gereicht (für 33 Kreuzer). |
| 1655 |
Herzog Manfredo zu
Württemberg-Weiltingen kommt mit Gemahlin von
Oggenhausen in die neue Kirche und gastiert in
Giengen. Der Rat gibt für diesen Besuch 15
Gulden aus. |
| 1655 |
Prediger Simon Böckh
hält am 5. September den ersten
Brandgedenkgottesdienst, "weil der Jammer
damals so groß war, daß wir ihn, solange wir
das eitle Leben haben, nicht vergessen
sollen". Die Predigt erscheint noch im
selben Jahr gedruckt. |
| 1655 |
Giengen streckt ihren drei
Sachsenhauser Gültbauern zum Hausbau je 20 bis
25 Gulden vor. |
| 1656 |
Im Februar berichtet das
Ratsprotokoll: Durch den Krieg "seien im Kirchengewölb, da der Stadt beste Sachen,
Privilegien und Kirchenornate auch mit
umkommen". |
| 1656 |
Für die Jahre 1655-57 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 434 Malter
verzeichnet. |
| 1657 |
Das "Hauswesen im
Spital (ist) noch schlecht bestellt". |
| 1659 |
"Weil in der
Haushaltung noch der zeit so gar große
Einbuße" beschließt der Rat, nur die
Hälfte der Güter durch den Spitalmeister
anbauen zu lassen. Der Rest wird verpachtet. |
| 1660 |
Das Epitaph Neubronner
(=Brandbild) wird von Anna Katharina Wiedemann,
zum Andenken an ihre Großeltern Georg Ammann und
Magdalena Neubronner, gestiftet. Ausführung
durch Johann Stöltzlin. Fertigstellung jedoch
erst 1663. |
| 1661 |
Giengen, das schon wieder
gute Finanzverhältnisse aufweisen kann, kauft
für 7.500 Gulden das Gut Oggenhausen.
Württemberg macht den Kauf rückgängig und
bringt das Gut an sich. |
| 1661 |
Für die Jahre 1660-62 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 652 Malter
verzeichnet. |
| 1663 |
Fünfzehn Jahre nach
Kriegsende wird der Zehnt der Stadt "um 350
Malter, wie er angeboten worden, verkauft, weil
Gott sei Dank die Felder nunmehr fast völlig
angebaut und wohl stehen". |
| 1663 |
Fertigstellung des
Brandbildes von Johann Stöltzlin. |
| 1665 |
Am 17. Februar erläßt
der Herzog eine Spezialresolution über den
"nachdenklichen Kometstern". Es sollen
an 3 aufeinanderfolgenden Sonntagen
Kometenpredigten gehalten werden. Dies findet
offenbar in Giengen keinen schriftlichen
Niederschlag. |
| 1665 |
Die Metzger bitten das
Schaugeld abzuschaffen, was jedoch nicht gewährt
wird, "weil die beim Kriegswesen gemachten
Schulden noch von etlich tausend Gulden auf
gemeiner Stadt stehen". |
| 1665 |
Infolge der durch
Württemberg durchgeführten Ablösung des
Hohenmemminger und Sachsenhauser Zehnts stehen
nur noch "etliche Tausend Gulden Schulden,
die dem Kriegswesen gemacht wurden, auf gemeiner
Stadt." |
| 1667 |
Ein Totschläger wird am
7.Juli durch den Lauinger Scharfrichter
enthauptet und aufs Rad geflochten. Jedoch erst 6
Jahre später begräbt man seine Überreste. |
| 1668 |
Im Gegensatz zu dem alten
1568 in west-östlicher Richtung erbauten
Rathauses wird nun mit dem Neubau in
nord-südlicher Richtung begonnen. |
| 1669 |
Für die Jahre 1668-70 ist
in den Ratsbüchern ein Kornvorrat von 1.840
Malter verzeichnet. |
| 1670 |
Giengen hat jetzt 240
Häuser. |
| 1671 |
Am 20. Januar wird im neu
erbauten Ratshaus erstmals Rat gehalten. |
| 1671 |
Auf dem Martktplatz läuft
nach über 35 Jahren wieder der Röhrenbrunnen.
Er ist ein Geschenk des Oberfaktor Häuptlen aus
Königsbronn. |
| 1671 |
Giengen hat rund 1.700
Einwohner. |
| 1672 |
Seit dem Brand haben 206
Personen das Giengener Bürgerrecht erworben: 95
aus der Umgebung, 20 aus Ulm, 29 aus Bayern und
62 aus dem übrigen Reich. |
| 1673 |
Die Überreste des 1667
enthaupteten und aufs Rad geflochtenen
Totschlägers, werden nördlich der heutigen
Straße nach Hohenmemmingen begraben. Streunende
Hunde hatten die Knochen des Hingerichteten bis
in die Stadt hineingetragen. |
| 1675 |
Dezember 1675 bis April
1676: Einquartierung der Kompagnie des
kaiserlichen Rittmeisters Gondola. |
| 1675 |
Dr. Neubronner von Ulm
wurde mit einer rechtlichen Untersuchung
beauftragt. Apollonia Gabel war vom
Kellermägdlein des Herrn Philipp Kindsvatter
denunziert worden. |
| 1676 |
Von einer kaiserlichen
Subdelegation wird beschlossen, "daß der
kaiserliche Vertrag von 1629 (Bestätigung der
Rechte Giengens als Reichsstadt) und die
Ratsordnung von 1650 auf ewige Zeiten beibehalten
werden solle." |
| 1677 |
Das Giengener Kinderfest
wird urkundlich erwähnt, er bestand
wahhrscheinlich schon früher. |
| 1677 |
Vom Rat wird die von
früher übernommene "Accis-Ordnung"
(=Steuerordnung) erneuert, "wegen des durch
beständig gewährte fast unsägliche Reichs
Kreis und Krieges Contributionen ganz
erschöpften und verarmten Stadtwesens". |
| 1677 |
Die neue Steuerordnung
ruft einen großen Widerspruch in der
Bevölkerung hervor. Es heißt diese Ordnung sei
"schimpflich illudiert" worden, d.h. es
wurde über sie geschimpft und gespottet, sie
wurde überhaupt nicht eingehalten. |
| 1678 |
In Giengen stehen 292
Häuser. |
| 1678 |
Eine Kaiserliche
Kommission muß in den Streit der Bürgerschaft
mit dem Rat eingreifen, der sich an der neuen
Steuerordnung entzündet hatte. Sie besteht aus
dem Reichshofrat Graf Wolfgang zu Oettingen, dem
Bürgermeister und dem Rat der Stadt Ulm. |
| 1678 |
Giengen hat drei Viertel
der früheren Einwohnerzahl wieder erreicht. |
| 1679 |
Am 14. Januar sind
Bürgermeister Joh. Jakob Öchslin und Prediger
Simon Böckh als Abgeordnete des Rats in Ulm um
über die unruhige Bürgerschaft in Giengen zu
berichten. Ulm will sich nicht einlassen und rät
zur Zurückhaltung. |
| 1680 |
Die Kaiserliche Kommission
vermittelte, dass bei der Steuerfestsetzung die
Zünfte künftig mitgehört werden. Als Folge
entsteht die "Confirmierte
Accis-Ordnung". Sie gilt, von einzelnen
Korrekturen anno 1739 abgesehen, bis zum Ende der
Reichsstadtzeit. |
| 1680 |
Ab dem 16. Dezember läßt
sich "ein schröcklicher Comet mit einem
langen Schweiff auch beritten, von Südwesten her
sehen." |
| 1687 |
In den Jahren 1687/88
prozessiert Giengen um die Rückzahlung seiner
Kapitalien von Höchstädt. |
| 1690 |
Die Stadtartikel werden
geändert. |
| 1702 |
Einnahme von Ulm durch den
Kurfürsten von Bayern Maximilian Maria Emanuel,
"so zitterte und bebete vor Angst unser
liebes Giengen." |
| 1704 |
Im Januar quartiert sich
General Blainville mit 8.000 Mann unter dem
Stadtkommandant Villarius in Giengen ein und
droht auch Heidenheim anzugreifen. |
| 1704 |
Im Sommer gehört die
Gegend um Giengen wieder den Kaiserlichen. |
| 1704 |
Im Juni nimmt Herzog von
Marlborough im Giengener Rathaus Quartier. Sein
Heer lagert auf dem Bruckersberg bis zum See von Hürben. |
| 1704 |
Nach Vereinigung der Heere
des Herzogs von Marlborough und Prinz Eugen
schlagen diese in der Schlacht bei Höchstätt am
13. August die Bayern und Franzosen entscheidend.
|
| 1705 |
"Antonis Graf zu
Montfort [hat] im Namen Ihro Kaiserl. M.stät
Josephi Primi von der Reichs-Stadt Giengen die
Huldigung empfangen; nun aber ist solche
Solennitaet aufgehoben." |
| 1705 |
Überschwemmungen |
| 1709 |
Der durch den Brand sehr
stark geschädigte Glockenturm wird abgebrochen.
Wiederaufbau desselben in gleicher Höhe wie der
Blasturm. |
| 1709 |
Ausserordentlich kalter
Winter |
| 1710 |
Fertigstellung des
Glockenturms der Stadtkirche von Grund auf in
seiner heutigen Form. |
| 1711 |
Stiftung einer Glocke
"in aller Still". |
| 1719 |
Der Giengische Vogt in
Sontheim, Jakob Honold, stiftet den Taufstein in
die neuerbaute Sontheimer Georgskirche. Er ist
noch heute in Gebrauch. |
| 1720 |
Der Kupferstecher Leopold
fertigt den Stich von Giengen. In der Legende
steht: "... jedoch siehet man noch viele
Brandstätten." |
| 1723 |
Am 16. Juli wird Johann
Jakob Oßwald zusammen mit seiner Tochter Anna
Maria Renner enthauptet ("mortus gladio
propter incestua cum filia"). |
| 1725 |
Giengen hat eine
Orgelbauwerkstätte. |
| 1727 |
Die Stadt erwirbt das
"Kays(ers)heimer Klösterle" und das
"Sygensteiner Schlößle" und verkauft
diese später an Giengener Bürger weiter. |
| 1729 |
Der Badearzt Georg
Friedrich Mohr wirkt als Physikus bis 1774. |
| 1732 |
Giengen nimmt zwölf der
vom Erzbischof von Salzburg vertriebenen
evangelischen Untertanen in das Spital auf. |
| 1734 |
Innerhalb der Stadt gibt
es 130 Pferde, 150 Stück Rindvieh, viele
Schweine und 1.000 Schafe. |
| 1739 |
Es wird festgehalten, dass
die Ratsordnung von 1650 "ihrem ganzen
Inhalt nach auf ewige Zeiten beibehalten werden
solle". |
| 1739 |
Die Stadtartikel und die
Accis-Ordnung werden mit Zusätzen versehen. |
| 1740 |
Das Hausieren mit
auswärts gebackenem Brot wird verboten, nachdem
sich die Giengener Bäcker darüber beklagen. |
| 1743 |
Am 26. Juni kommt Kaiser
Karl VII. (ein Wittelsbacher) durch Giengen und
nimmt Qaurtier bei Bürgermeister Teller. |
| 1744 |
Die Tuch- und Bleichwalke
wird errichtet. |
| 1745 |
Die Brauer beschweren sich
über die Bäcker wegen des unbefugten Brennens
und Ausschenkens von Branntwein. |
| 1748 |
Das Konsistorium in
Stuttgart macht zum erstenmal vom Recht der
Pfarrbesetzung in Giengen Gebrauch. |
| 1760 |
Ein Adeliger von Grafeneck
will das Giengener Haus seines Vaters wieder
erkaufen. Dies wird ihm jeoch versagt. |
| 1766 |
Die Chronik
"Begebenheiten der Stadt Giengen"
entsteht. (Sie befindet sich heute in der
Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek
Donaueschingen, Kat.Nr.601) |
| 1771 |
Ist ein Mißjahr |
| 1773 |
Das Betteln in den Gassen
wird streng verboten. |
| 1774 |
In den Stadtartikeln
erfolgen Änderungen des Bürgerrechtsgelds, das
Heimfallrecht für fremde Einwohner wird
aufgehoben. |
| 1774 |
Zum wiederholtenmal wird
das "Klopfenan" verboten. Bei
Übertretung des Verbots wird für Ältere
Gefängnisstrafe im Turm, für Schüler
Züchtigung in der Schule angeordnet. |
| 1775 |
Der letzte Schwörtag
findet statt. |
| 1780 |
Die Zusammenkünfte in den
Kunkelstuben (Spinnstuben) werden erneut streng
verboten. |
| 1782 |
Giengen lehnt die
chausseemäßige Anlegung der Landstraße über
Herbrechtingen nach Heidenheim ab. |
| 1783 |
Giengen hat rund 1.772
Einwohner. |
| 1788 |
Johann Wolfgang von Goethe
übernachtet bei der Rückkehr von seiner
Italienreise vom 11. bis 12. Juni im Gasthof zur
"Goldenen Gans" . Seine
"Zehrung" beträgt 2 Gulden. |
| 1789 |
Vertrag mit Württemberg |
| 1789 |
Französische Revolution |
| 1796 |
Giengen stellt seine
Truppen für den Schwäbischen Kreis bereit. |
| 1796 |
Giengen hat unter
Einquartierungen zu leiden. |
| 1796 |
Die Zünfte legen sich,
wohl als Auswirkung der Französischen
Revolution, mit dem Rat der Stadt an. |
| 1800 |
Der französische General
Moreau besetzt und brandschatzt Württemberg. |
| 1801 |
Die im letzten Winter
begonnene Blattern-Epidemie setzt sich fort. Sehr
viele Kinder sterben. |
| 1802 |
Am 5. September schreibt
Friedrich II. von Württemberg an
"Burgermeister und Magistrat der Reichsstadt
Giengen", dass sie selbst "sich von der
Nothwendigkeit dieser Maasregel (=Einverleibung
an Württemberg) überzeugen solle". |
| 1802 |
Herzog Friedrich II. von
Württemberg gibt bekannt, dass er Giengen,
aufgrund seines Sonderfriedens mit Frankreich vom
20. Mai in Paris, militärisch besetzen lassen
werde. |
| 1802 |
Am 23. November läßt
Herzog Friedrich II. von Württemberg durch den
Heidenheimer Oberamtmann Hiemer und einem
Militärkommandanten von Giengen Besitz
ergreifen. Die Reichsfreiheit Giengens endet mit
dem Übergang zum Königreich Württemberg. |
| 1802 |
Giengen hat 1.695
Einwohner in 464 Familien. Diese leben in 354
Häusern und 119 Scheunen, wozu noch der
Schratenhof und der Stephanshof bei Nattheim
kommt. |
| 1802 |
Einem Aktivkapital von
6.000 Gulden stehen nur 91 Gulden Schulden
gegenüber. (Nürnberg geht dagegen mit 9
Millionen Gulden Schulden an Bayern über) |
| 1802 |
Giengen wird zur
Oberamtsstadt erhoben. Das neue Oberamt besteht
aus Anhausen, Bolheim, Brenz, Herbrechtingen,
Hermaringen, Hohenmemmingen, Hürben,
Sachsenhausen, Nattheim, Fleinheim, Hausen o.L.
und Oggenhausen. |
| 1803 |
Am 24. Februar wird ein
Rekrutierungsgesetz für die neuerworbenen
Landesteile erlassen. Je 80 Einwohner ist ein
Rekrut zu stellen, dafür ist eine Kaution beim
Kriegsrat zu hinterlegen. Giengen hat damit 21
Mann zu stellen. |
| 1803 |
Ein kurfürstlicher Erlaß
befiehlt Giengen eine neue Stadtverfassung. |
| 1803 |
Die Kirchenpfleger und die
Almosenpflege werden zur "Kirchen- und
Schulpflege" vereinigt. |
| 1803 |
Im
Reichsdeputstionshauptschluß zu Regensburg wird
die bereits vollzogene Tasache des Übergangs an
Württemberg von Kaiser und Reich bestätigt. |
| 1803 |
Das Wildbad ist bis 1822
in Privatbesitz. |
| 1805 |
Ein ehemaliger
Bauernknecht aus Hohenmemmingen wird wegen
Kurpfuscherei und Segensprecherei zu einer
Gefängnisstrafe verurteilt. |
| 1805 |
Napoleon zieht durch das
Brenztal. Marschall Ney lagert am 6.10. mit
20.000 Mann in der Umgebung, davon 6.000 in
Giengen und nächster Nähe. Beim Weitermarsch
werden Wagen und Pferde requiriert, dazu die
Fuhrleute als Troß. |
| 1805 |
Der österreichische
General Mack kapituliert in Ulm schmählich,
wodurch Napoleon der Weg nach Wien offensteht. |
| 1806 |
Der bisherige Herzog
Friedrich II. regiert seit dem 1. Januar als
König Friedrich I. und ändert die bisherige
mittelalterliche Landesbezeichnung
"Wirtemberg" in die neue Schreibweise
"Württemberg". |
| 1806 |
Ein Lazarett für die
französischen Truppen wird eingerichtet. |
| 1806 |
Eine Eskadron Reitender
Artillerie und eine Kompanie des französischen
30. Linienregiments (3. Armeekorps) wird
einquartiert. |
| 1806 |
Württemberg tritt dem
Rheinbund bei. Dies ist ein Frankreich
angehöriger Zusammenschluß von 16 süd- und
westdeutscher Kleinstaaten. |
| 1806 |
Im August verschärft der
König das Rekrutierungsgesetz, und macht auch
Handwerker und Gewerbetreibende, sowie eine
gewisse Kategorie von Beamtensöhnen, die bisher
von der Aushebung frei geblieben waren,
militärpflichtig. |
| 1806 |
Der Rheinbund erklärt am
1. August dem Reichstag zu Regensburg den
Austritt aus dem Reich. Am 6. August legt Kaiser
Franz II. die Krone nieder, wodurch nach fast
900-jähriger Existenz, das "Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation" zu Ende
ging. |
| 1806 |
Krieg mit Preussen in den
Jahren 1806/07. |
| 1808 |
Das Oberamt Giengen wird
wieder aufgelöst und die Stadt dem Oberamt
Heidenheim unterstellt. |
| 1809 |
Das Konskriptionsgesetz
bedeutet eine Erweiterung der allgemeinen
Wehrpflicht, und führt zu Unruhen. |
| 1809 |
Bei Ellwangen und im
Brenztal werden württembergische Truppen für
den bevorstehenden Krieg gegen Österreich
zusammengezogen. General Vandamme wird wieder zum
Befehlshaber der württembergischen Reiterei
ernannt. |
| 1809 |
Am 10.April setzt sich die
württembergische Armee in Marsch. |
| 1809 |
Am 22. April kommen die
Württemberger ins Feuer der Schlacht bei Eggmühl, die von ihnen siegreich entschieden
wird. |
| 1810 |
Giengen hat rund 1.700
Einwohner. |
| 1811 |
Ludwig Berblinger stürzt
in Ulm mit seinem Flugapparat in die Donau. |
| 1811 |
Ein heißes Kometen- und
berühmtes Weinjahr |
| 1811 |
Die 1466 erbaute
"Ramminger Kapelle" am Kirchplatz wird
abgerissen, um einem neuen Schulhaus Platz zu
machen. |
| 1812 |
Am 25. Juni beginnt der
Feldzug Napoleons gegen Rußland. Württemberg
stellt ein Hilfskorps mit 15.800 Mann, als 25.
Division dem Marschall Ney zugeteilt. |
| 1812 |
Bei der ersten Schlacht in
Smolensk am 17. August betrug die Kampfstärke
der württ. Division nur noch 3.000 Mann. Am 6.
September waren es 2.626, jedoch beim Einmarsch
in Moskau nur noch 900 Mann. Zum Schluß
sammelten sich gerade noch 4-500 Mann. |
| 1812 |
Das "alte kolossale
und unförmliche Hospitalgebäude, dessen innere
Einrichtung nicht mehr taugt" wird
abgerissen und neu errichtet. |
| 1812 |
Giengen hat etwa 1.700
Einwohner |
| 1813 |
Auch bei dem Feldzug gegen
Preußen sind Soldaten aus Giengen dabei. |
| 1813 |
In Württemberg wird ein
Landsturm von 110.000 Mann aufgestellt. Die
Bewaffnung bestand aus einer "8 Schuh
langen, mit einer 6 Zoll langen eisernen Spitze
versehenen Pike". |
| 1813 |
Giengen zählt 1.700
Einwohner. |
| 1814 |
König Wilhelm I. hat
seinen Schwager, den russischen Zar Alexander I.,
zu Besuch. Zur einer Jagd werden allein aus dem
Oberamt Heidenheim, auch aus der nächsten
Umgebung von Giengen, 1.200 Hirsche und
Wildschweine eingefangen und nach Stuttgart
gebracht. |
| 1814 |
Die Hospital-, Kirchen und
Schulpflege wird zur "Vereinigten Hospital-
und Kirchenpflege" zusammengeschlossen. |
| 1814 |
In den Jahren 1814/15
nehmen Giengener an den Kämpfen in Frankreich
teil. |
| 1815 |
Württemberg tritt dem
wiedergegründeten "Deutschen Bund"
bei,. |
| 1815 |
Das Hospital zum Heiligen
Geist kauft für 8.260 Gulden 2/3 des Hofes
Osterbuch bei Aalen. |
| 1816 |
Große Mißernte überall.
|
| 1817 |
Als Folge der
katastrophalen Mißernte vom Jahr 1816 gibt es
eine große Teuerung aller Lebensmittel. |
| 1817 |
Das Kinderfest muß in die
Zeit nach der Ernte verlegt werden, weil in der
Stadt großer Nahrungsmittelmangel herrscht. Die
Lage wird noch verschärft, durch die bestehenden
Zollschranken zwischen Württemberg und Bayern. |
| 1817 |
In der Nacht vom 28. auf
den 29. Dezember bricht eine Feuersbrunst aus.
Etliche Häuser des südöstlichen Kirchplatzes
werden völlig zerstört. |
| 1818 |
Aufhebung der
Leibeigenschaft in Württemberg. Ab 1. Januar
sind die bisherigen Leibeigenen von allen auf der
Leibeigenschaft beruhenden Abgaben und Fronen
befreit. |
| 1818 |
Durch königliches Dekret
vom 20. September wird der "blaue
Montag" bei hoher Strafe für
Zuwiderhandelnde, verboten. |
| 1818 |
Es wird vor einem
angeblich vom Teufel bessenen Betrüger gewarnt,
der sich in der Gegend von Giengen und Heidenheim
herumtreiben soll. |
| 1818 |
Das Hospital zum Heiligen
Geist erwirbt für 7.300 Gulden den Zehnten in
Burgberg. Der Grundbesitz des Spitals beträgt
721 Morgen, das Reinvermögen eine halbe Million
Gulden. |
| 1818 |
Aufgrund eines
königlichen Befehls haben alle beurlaubten
Soldaten ihre Schnurrbärte stehen zu lassen. Die
Stadtverwaltung zur mit der gewissenhaften
Einhaltung dieser Vorschrift verpflichtet. |
| 1819 |
Zur im Dezember
stattfindenden Wahl zur Versammlung der Zweiten
Kammer, der landstände, hat Giengen 52
Wahlmänner zu stellen. 2/3 werden von den
hochbesteuerten Bürgern gestellt, die restlichen
17 von den übrigen Bürgern gewählt. |
| 1819 |
Die im vorigen Jahrhundert
geschlossene Kornschranne wird wieder geöffnet. |
| 1821 |
An der Stadtkirche werden
größere Baumaßnahmen durchgeführt. |
| 1824 |
Große Überschwemmung.
Dem Bäcker ist das Brot aus dem Backofen vom
Wasser herausgespült worden. |
| 1828 |
Am 14. April wird der
bisher öd gelegene Platz des alten Pfarrhauses
westlich der Stadtkirche vom Kameralamt
Herbrechtingen an Giengener Bürger verkauft. |
| 1828 |
Nunmehr werden wohl die
letzten Spuren des Brandes beseitigt. Der bisher
öd gelegene Platz des alten Pfarrhauses westlich
der Kirche, wird an Giengener Bürger verkauft.
Er gehörte dem Kloster Herbrechtingen und somit
zu Württemberg. |
| 1828 |
Der Zollverein zwischen
Württemberg und Bayern kommt zustande. |
| 1829 |
Die Zollschranken in
Hohenmemmingen fallen am 1. September. Schmuggel
ist nicht mehr nötig. |
| 1829 |
In Giengen sind 73
Leinweber und 41 Lodweber, mehr schlecht als
recht, tätig. Die Hilfsgewerbe der
Blättersetzer, Garnsieder, Mangler und Bleicher
kommen ebenfalls in eine bedenkliche Situation.
Einsetzende Arbeitslosigkeit ist die Folge. |
| 1829 |
Es gibt 16 Wirtschaften:
Einhorn, Hahnen, Ochsen, Greifen, Adler, Karpfen, Rößle, Kanne, Krone, Pflug, Schlüssel,
Schwanen, Lamm, Hirsch, Goldenes Kreuz und
Wildbad. |
| 1829 |
Giengen hat 1.941
Einwohner. |
| 1830 |
Giengen hat jetzt 367
Wohnhäuser und 178 Scheuern - vor dem Brand
waren es 270 Wohnhäuser und 130 Scheunen. |
| 1830 |
Der Hermaringer Pfarrer
Magenau verfaßt eine Giengener Chronik unter dem
Titel "Historisch-topographische
Beschreibung der Stadt Giengen an der
Brenz". |
| 1830 |
Der erste vermessene
Stadtplan wird fertiggestellt. |
| 1830 |
Der Kolmersturm, das
"Blumenhäuslein", das in
reichsstädtischer Zeit vielfach als Gefängnis
gedient hatte, wird zum Abbruch verkauft. Der
Stadtgraben vor dem Spitaltor wird aufgefüllt. |
| 1831 |
Im Januar wird ein
"Bürgerkorps" von 33 Mann gegründet
und die beiden Polizisten werden mit Säbeln
ausgestattet. |
| 1833 |
Den Handwerksgesellen wird
das Wandern nach Frankreich, Belgien und in die
Schweiz verboten, aus Furcht sie könnten dort
von liberalen Gedanken angesteckt werden. |
| 1834 |
Deutscher Zollverein |
| 1834 |
Ein heißes Kometen- und
berühmtes Weinjahr. In Norddeutschland geht die
Cholera, in Süddeutschland die Ruhr um. |
| 1834 |
Die "Vereinigte
Hospital- und Stiftungspflege" wird
umbenannt in "Stiftungspflege". |
| 1836 |
Die direkte Landstraße
nach Heidenheim wird fertiggestellt. Sie führt
über den Oggenhauser Keller. |
| 1837 |
Ab Mai werden die
Stadttore nachts nicht mehr geschlossen, die
Torwarte werden entlassen. |
| 1838 |
Der Gewerbeverein wird
gegründet. Die Zünfte lösen sich allmählich
auf. |
| 1841 |
Die Stadtmauer wird, um
Erweiterung zu schaffen, teilweise abgebrochen
und als erster der Obere Torturm beseitigt. |
| 1842 |
Das alte Wach- und
Brunnenhaus vor dem Rathaus wird abgebrochen. Das
darauf befindliche Kunstwerk verschwand spurlos:
eine Kunstuhr mit zwei vergoldeten Einhörnern,
die sich bei jedem Stundenschlag stießen. |
| 1842 |
Infolge großer
Trockenheit mißraten die Futterkräuter. |
| 1843 |
Das Obere Schulhaus
(Realschule) in der Oberen Torstraße wird
errichtet. Ein dabei beschäftigter Maurer wird
durch herunterfallende Teile am Kopf verletzt. |
| 1843 |
Ein unfruchtbares Jahr. |
| 1844 |
Die Beschreibung des
Oberamts Heidenheim erscheint. |
| 1844 |
Eine Baumwollweberei mit
40-60 Webstühlen läßt sich nieder. Damit
beginnt das Industriezeitalter in Giengen. |
| 1844 |
11 Mühlen nutzen die
Wasserkraft der Brenz (Schleifmühlen,
Ölmühlen, Gipsmühlen, Gerstenmühlen,
Mahlmühlen, eine Stampfmühle für Rotgerber,
eine Weißgerberwalke). |
| 1844 |
In Giengen sind 15
Brauereien tätig. |
| 1844 |
Die Stiftungspflege
besitzt 3 Falllehen in Fleinheim, 5/4 in Hohenmemmingen, 3 3/4 in Hermaringen. 1 Erblehen
in Fleinheim, 5 3/4 in Hohenmemmingen, 16 1/4 in
Hermaringen, 1 in Hausen, 1 in Heuchlingen, 2 in Nattheim, 3 in Sachsenhausen, 2 in
Sontheim. |
| 1844 |
Von den alten
Bürgerrechten exisitiert noch das Recht jeden
Bürgers, samstags für den Eigenbedarf fischen
zu dürfen, obwohl das Fischwasser für jährlich
60 Gulden verpachtet war. |
| 1844 |
Im Brenztal bricht die
Kartoffelkrankheit aus. |
| 1845 |
Der Waldbesitz beläuft
sich auf 1.725 Morgen. |
| 1847 |
Das wöchentliche Almosen
wird von 99 Bürgern bezogen. |
| 1847 |
Die Schießstände der
Schützengesellschaft auf dem Schießberg werden
abgebrochen um einer 4-reihigen Baumallee Platz
zu machen. Die Schützengesellschaft geht in den
"Karpfen"-Garten. |
| 1847 |
Die
"Gemeindeteile" werden zum erstenmal
ausgegeben. |
| 1847 |
10 Giengener Einwohner
wandern, teils mit Familie, nach Amerika aus. |
| 1848 |
Märzrevolution: Das
Stadtschultheißenamt bittet das Oberamt
Heidenheim, die Bürgerschaft mit Waffen zu
versehen, um im Falle drohender Unruhen Ruhe und
Ordnung aufrechterhalten zu können. Die
Bürgerwehr erhält Musketen, Bajonette und
Patronentaschen. |
| 1848 |
Am
"Franzosenfeiertag", dem 25. März, ist
auch Giengen, wie seltsamerweise das ganze Land,
in großer Angst. |
| 1848 |
Am 20. April findet die
Wahl der Abgeordneten zur Nationalversammlung
statt. 404 Giengener Bürger sind wahlberechtigt.
|
| 1848 |
Der Heidenheimer Advokat
Karl Freisleben hält begeisternde Reden auf
Volksversammlungen in Giengen. Nach
Niederschlagung des Aufstands wird er auf
Hohenasperg eingekerkert, jedoch 1850 begnadigt. |
| 1849 |
Die Stadtverwaltung
realisiert den Beschluß der württembergischen
Zweiten Kammer und löst den großen und kleinen
Zehnten auf der gesamten Giengener Markung ab. |
| 1849 |
Im März gründet sich die
Giengener Schützengesellschaft neu. |
| 1849 |
Als erste Zeitung im Kreis
Heidenheim gibt der von dort stammende
Bruchdrucker und Verleger W. F. Hehl in Giengen
die Zeitung "Der Gränzbote" mit dem
Untertitel "Ein Voksblatt von der
Württembergischen Bayerischen Gränze"
heraus. |
| 1849 |
Im Mai findet auf dem
Schießberg ein großes Fest, mit Freudenfeuer
und Schießen, zu Ehren des Reichsverwesers
Erzherzog Johann von Österreich, der eine
Gastwirtstochter aus Aussee geheiratet hatte,
statt. |
| 1849 |
Am 12. Mai sendet der
Bürgerverein Giengen an das königliche
Gesamtministerium eine Adresse, in der er die
Durchführung der durch die Frankfurter
Nationalversammlung beschlossenen
Reichsverfassung fordert. |
| 1849 |
Das nach Stuttgart
verlegte Frankfurter Parlament ruft am 13. Juni
auch in Giengen die männliche Jugend zur Bildung
von Freikorps, zur Unterstützung der
Aufständischen, auf. |
| 1849 |
Das Gesetz vom 24. August,
wie schon das vom 24. April 1848, verfügt die
Ablösung aller Fronen, Gülten und Zehenten, die
bisdahin noch bestanden. |
| 1849 |
Werkmeister Böckh läßt
einen Kanal zu seiner Sägmühle graben. |
| 1849 |
Eine große
Überschwemmung, so dass man vom Adler bis zum
Karpfen im Schiff fahren kann und. In der
Spitalmühle ertrinken mehrere Kühe und eine
Schweinmutter. |
| 1849 |
In der "Kanne"
findet am 9. September ein Konzert zum Besten der
bedrängten Flüchtlinge in der Schweiz aus den
badischen und pfälzischen Aufständen statt. |
| 1849 |
Am 14. September erfolgt
von den Giengener bürgerlichen Kollgien eine
Protestaktion gegen das Stadtrechtsverfahren in
Baden. |
| 1849 |
Mit der
Straßenbeleuchtung wird angefangen. Es kommen 5
Laternen an das Rathaus, Kaufmann Krauß, Faber,
Metzger Mayer und Wirtshaus
"Schlüssel". |
| 1849 |
Eine Glocke muß
umgegossen werden, auch erhält die Stadtkirche
eine neue Orgel, welche die Zwillingsbrüder
Johann und Paul Link verfertigen und aufstellen. |
| 1850 |
Die Postexpeditur wird von
Hermaringen wieder nach Giengen zurückverlegt. |
| 1850 |
Giengen hat einen
Musikverein. |
| 1850 |
Am 24. Dezember wird die
bisherige Knebelung der Presse und des
Vereinswesens aufgehoben. |
| 1851 |
Die Orgelfabrik der
Gebrüder Link wird gegründet. |
| 1851 |
Der erste theoretische
Musiklehrer Braun wird angestellt. Er muß Orgel,
kirchliche Musik und Gesang leiten, außerdem
auch den Gesang-Verein (der unter dessen Leitung
einen Preis in Schwäbisch Hall erhielt). |
| 1853 |
Das Oberamt Heidenheim
verlangt die Wiederveräußerung der 1848 für
die Bürgerwehr angeschafften Waffen. Der
Gemeinderat lehnt dies jedoch ab. |
| 1855 |
Die Tuch- und Bleichwalke
wird an einen Privatmann verkauft, der die
wasserkraft zur Errichtung einer Ölmühle nutzt.
|
| 1856 |
Die Stadt verkauft 100
Eichen nach Holland zum Schiffsbau. |
| 1858 |
Die Stadt verkauft das
vielbesuchte Wildbad, welches von auswärtigen
Honoratioren (u.a. Fürst v. Thurn u. Taxis)
besucht wurde an den 20jährigen Johannes
Hähnle. Dieser begründet darin die
Württembergische Wollfilzmanufaktur. |
| 1860 |
Zum Bürgermeister wird
ernannt: Lorenz David Wencher. Er bleibt es mit
einer kurzen Unterbrechung bis 1891. |
| 1861 |
Der Turnverein e.V. (TSG)
wird gegründet. |
| 1861 |
Der
"Liederkranz" wird gegründet. |
| 1861 |
Der Gemeinderat verbietet
bei Strafe das Laufen der Gänse ohne Hirten. Das
Singen und Lärmen auf dem "Graben",
dem Turnplatz und auf den Straßen der Stadt,
wird unter strenge Strafe gestellt. |
| 1861 |
Die Polizei wird
angewiesen alle "Weibspersonen"
anzuzeigen, die nach der Betglocke noch
"herumziehen". |
| 1862 |
Der schöne Weg auf den
Schießberg wird von Spitälern unter Leitung
ihres Spitalvaters Mailänder gemacht. |
| 1862 |
Die Freiwillige Feuerwehr
wird gegründet. |
| 1862 |
In den letzten 20 Jahren
sind 130-140 Personen nach Amerika ausgewandert. |
| 1862 |
In Württemberg wird die
Gewerbefreiheit gesetzlich eingeführt, daraufhin
löst sich die einzige noch bestehende Zunft der
Weber auf. |
| 1862 |
Die Bürgeraufnahmegebühr
wird, auf jetzt 100 Gulden für einen Mann und 50
Gulden für eine Frau, verdoppelt. |
| 1863 |
Die Polizeistunde wird
versuchsweise für das ganze Jahr aufgehoben. |
| 1863 |
Das Launtel und die
Fischergasser erhalten eine Straßenbeleuchtung. |
| 1863 |
Dem neugegründeten
"Freiwillingen Wehrverein" übergibt
man fünfzig der seit 1848 auf dem Rathaus
aufbewahrten Musketen zu seinen Übungen. |
| 1863 |
Eine
"Dienstboten-Krankenanstalt" (=
Krankenversicherung) mit Beitrittspflicht wird
ins Leben gerufen. |
| 1864 |
Herr Rau wird als erster
Stadtbaumeister angestellt. |
| 1864 |
Das Grabenschulhaus wird
nördlich der Stadtkirche errichtet. |
| 1864 |
Vor dem oberen Tor wird
eine große städtische Brückenwaage errichtet. |
| 1866 |
Württemberg zieht auf
österreichischer Seite in den
Preußisch-Österreichen Krieg. |
| 1867 |
Die Giengener Zeitung
"Brenztal-Bote" wird von Heinrich Eller
gegründet. |
| 1868 |
Stadtförster Stöcker
wird angestellt. |
| 1868 |
Gauturnfest in Giengen am
1. Juni. |
| 1868 |
Gründung des
Arbeiterausbildungsvereins am 6. September. |
| 1868 |
Am 31. Dezember werden von
Lausbuben, während des Jahresschlußgottesdienstes, 17 Scheiben eines
Fensters der Stadtkirche eingeworfen. Zur
Ergreifung der Täter werden 50 Gulden Belohnung
ausgesetzt. |
| 1869 |
Im Frühjahr wird der
Postexpedition eine Telegraphenstation
angegliedert. |
| 1869 |
Das erste
"Velociped" erreicht Giengen. |
| 1869 |
Auf dem Bruckersberg wird
das Hochreservoir samt einer neuen Wasserleitung
erbaut. |
| 1869 |
Ein Leseverein für jung
und alt wird gegründet. |
| 1869 |
Die neue Schranne wird
erbaut. Für die östlichen und westlichen Rampen
wurden Quadersteine des abgebrochenen Memmimger
Torturms verwendet. |
| 1870 |
Im Juli beginnt der
Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Die
Giengener Militärpflichtigen und Reservisten
rücken ein. Als einziger Giengener fällt Julius
Meisenburg am 6. August in der Schlacht bei
Wörth im Elsaß. |
| 1870 |
Die erste Malzfabrik
Giengens wird im ehemaligen Kornhaus Geissenmarkt
14 durch den Schreinermeister Georg Edelmann
gegründet. |
| 1871 |
Am 18. Januar wird das
neue Deutsche Kaiserreich in Versailles geboren. |
| 1871 |
Die Lange Gasse wird
kanalisiert, die Marktstraße erst später. |
| 1872 |
Seit 1872 rechnet man nach
Meter, Liter, Zentner und Pfund. |
| 1872 |
Mit der Bepflanzung des
Schießbergs wird südlich begonnen. |
| 1872 |
Die Malzfabrik
Stadtmüller wird nördlich der Stadt errichtet. |
| 1875 |
Nach langem Gerangel
zwischen Württemberg und Bayern um die richtige
Trasse fährt der erste Eisenbahnzug in den
neugebauten Bahnhof von Giengen ein.
Lokomotivführer ist der Giengener Paul
Schelling. |
| 1875 |
Vor der Bahn verkehrten
Post-Omnibusse täglich viermal nach Heidenheim.
Einfache Fahrt 24 Kreuzer, Retour 36 Kreuzer. |
| 1875 |
Mit Schreiben vom 6. Juli
der Königlich Württembergischen Regierung, darf
sich die Stadt jetzt "Giengen an der
Brenz" nennen. |
| 1875 |
Giengen hat 2.836
Einwohner |
| 1875 |
Währungsumstellung: die
bisherigen süddeutschen Geldsorten werden in die
einheitliche Mark-Währung umgetauscht. |
| 1876 |
Die Württembergische
Glasmanufaktur wird gegründet. |
| 1879 |
Der Wächterdienst auf der
Hochwacht, dem Bläserturm, wird am 6. Februar
eingestellt, weil jetzt eine Uhr im Turm
eingebaut ist. Das Turmblasen findet allerdings
noch heute jeweils am Mittwoch und Sonntag statt.
|
| 1879 |
Die Oberamtssteuerumlage
für Giengen beträgt 5.589 Mark, somit weit mehr
als die 2.074 Mark die auf Heidenheim treffen. |
| 1880 |
Margarete Steiff beginnt
mit der Fertigung von weichgestopften
Spielzeugen. |
| 1880 |
Giengen hat 2.926
Einwohner. |
| 1881 |
Der Giengener Fabrikant
Johannes Hähnle wird zum Reichstagsabgeordneten
gewählt. Ebenso in den Jahren 1890, 1895 und
1898. 1912 folgt ihm sein Sohn. |
| 1882 |
Gründung der
Orgelpfeifenfabrik Gustav S. Bier |
| 1883 |
Über Giengen wird ein
erschreckender, massiger Meteor in Mondgröße
gesichtet. |
| 1885 |
Der Gesangverein
"Liedertafel" wird gegründet. |
| 1886 |
Im Sommer hat Giengen
3.032 Einwohner und 25 Wirtschaften. |
| 1888 |
Die Volkszählung weist
3.005 Evangelische und 123 Katholische aus. |
| 1888 |
Die Klingelmühle, bisher
Getreidemühle, wird stillgelegt; ihre
Wasserkraft betreibt an 1891 die Schlauchfabrik
Ziegler. |
| 1889 |
Gründung der
Spielwarenfabrik Margarete Steiff |
| 1889 |
Bei der
Bürgerausschußwahl gegen von 509
Wahlberechtigen nur 94 zur Urne. |
| 1889 |
Der Obst- und
Gartenbauverein wird gegründet. |
| 1890 |
In der Spitalkirche wird
der erste katholische Gottesdienst abgehalten. |
| 1890 |
Der Ruderclub wird
gegründet. |
| 1890 |
Entlang der Bahnlinie nach
Herbrechtingen wird eine Landstraße gebaut. |
| 1891 |
Zum Bürgermeister wird
ernannt: Julius Brezger. Er bleibt es bis 1929. |
| 1891 |
Im Herbst nehmen zwei
Bataillone des Grenadierregiments Nr.123 mit dem
gesamten Regimentsstab und eine halbe Eskadron
des Ulanenregiments Nr.20 die Gastfreundschaft
der Bürger in Anspruch und bedanken sich durch
ein Militärkonzert im
"Einhorn"-Garten. |
| 1891 |
Albert Ziegler gründet
die Schlauch- und Gurtweberei in der
Klingelmühle. |
| 1892 |
Das Gauturnfest findet
erneut in Giengen statt. |
| 1892 |
Der 18. August ist mit
33°C im Schatten der heißeste Tag des
Jahrhunderts. |
| 1892 |
Der Verein der Geflügel-,
Vogel- und Kaninchen-Züchter wird gegründert. |
| 1892 |
Der Christliche Verein
Junger Männer (CVJM) wird gegründet. |
| 1892 |
Oberförster Sihler gräbt
die Irpfelhöhle aus, wobei ein riesiger
Mammutzahn und die unverkennbare
Hinterlassenschaft der Steinzeitmenschen (50.000
v.Chr.) zum Vorschein kommt. |
| 1893 |
Die Brenz tritt bei
Schneeschmelze über die Ufer, weil die
Wasserablaßfallen an der Spitalmühle
festgefroren sind und nicht geöffnet werden
können. Ein Versuch die Fallen zu sprengen mißlingt, weil das Pulver nicht zündet. In der
unteren Stadt steht das Wasser tagelang 1m hoch. |
| 1893 |
Die Charlottenhöhle in
Hürben wird entdeckt. Mit einer Länge von 532
Metern zeigt sie Hallen voll prachtvoller
Tropfsteine. |
| 1893 |
Der erste Kindergarten
("Kinderschule") wird neber der
Stadtkirche eröffnet. |
| 1893 |
Der Apotheker Richard
Spiess läßt nach der Irpfelhöhle auch die
"Höllenhöhle" ausschöpfen,
allerdings ohne bemerkenswerte Funde. |
| 1894 |
An der Straße nach
Hohenmemmingen wird der neue Friedhof angelegt. |
| 1894 |
Der "Verein für
Homöopathie und Naturheilkunde", der
"Krankenverein", der "Verein der
Vogelfreunde" und der Donau-Brenz-Gau des
"Schwäbischen Albvereins" werden
gegründet. |
| 1895 |
Ein großer Komet ist
über Giengen sichtbar. |
| 1895 |
Am 2. Juli herrscht
"tropische Hitze". |
| 1895 |
Am 29. Juli faucht das
erste Auto, eine "Benzin-Motor-Chaise",
gebaut von der Firma Benz in Mannheim, durch die
Stadt. |
| 1895 |
Das Geschäftsjahr 1895
bringt der Vereinigten Filzfabriken einen
Reingewinn in Höhe von 895.000 Mark. Fabrikant
Johannes Hähnle erhält den Titel Kommerzienrat.
|
| 1896 |
Am 5. Juni zeigt der
Schnelläufer Gerhardt aus Hannover auf dem
Marktplatz was er kann In 1 Stunde durchläuft er
100mal einen 200 Meter umfassenden Kreis. Der
beste Giengener Konkurrent gibt nach 17 Runden
auf. |
| 1896 |
Der feuchte Sommer bringt
schlechtes Futter. Die Maul- und Klauenseuche
bricht aus und wütet vom Juli bis in den
November hinein. |
| 1897 |
Am 1. März hat Giengen
mit ca. 500.000 Mark den drittgrößten
Fruchtmarkt im Land. Nur Ulm und Biberach liegen
besser. |
| 1897 |
Der
"Rössle"-Wirt Schnapper nimmt im März
den Postfuhrdienst nach Bachhagel auf. Die
"Telephon-Anstalt" beim Postamt wird
mit 8 Teilnehmern in Betrieb genommen. |
| 1897 |
Einer Kölner Firma wird
am 26. Mai die Konzession zur Errichtung eines
Elektrizitätswerkes erteilt. |
| 1897 |
Vom 20.-22. September ist
Giengen, wegen der "Kaisermanöver",
voll von Einquartierungen des Württembergischen
Armeekorps. |
| 1897 |
Vom 25.-27. September
quartieren sich 2 Eskadronen des Augsburger
Cheveauleger-Regiments in der Stadt ein. |
| 1897 |
Die bürgerlichen Kollgien
beschließen endgültig den Bau einer Turnhalle. |
| 1899 |
Lina Hähnle gründet den
"Bund für Vogelschutz". |
| 1899 |
Im Mai wird die neue Turn-
und Festhalle eingeweiht. |
| 1899 |
Am 23. Juli wird der Wagen
der vom Lauinger Sängerfest zurückkehrenden
Sänger des Gesangsvereins
"Liedertafel" am Bahnübergang nach
Hermaringen vom Zug erfaßt. Für 5 Tote und 7
Schwerverletzte endet ein froher Tag entsetzlich.
|
| 1899 |
In einem Turnverlies
werden 60 steinerne Kugeln von 10 cm Durchmesser,
aus Ton gebrannte Gewehrkugeln und dolchartig
bearbeitete Zinken von Hirschgeweihen gefunden. |
| 1899 |
Im Schlachthaus hat man
das Jahr über 1.433 Schweine, 577 Kälber, 300
Schafe, 238 Jungrinder, 102 Farren, 78 Kühe, 17
Geißböcke, 12 Ochsen und 2 Rehe geschlachtet. |
| 1900 |
Nach Schaffung einer
Gleichstromzentrale wird Giengen durch das erste
elektrische Licht erleuchtet. Das
Elektrizitätswerk befindet sich im ehemaligen
Sontheimer Haus. |
| 1900 |
Im April gründet sich die
Ortsgruppe der SPD. |
| 1900 |
Leonhard Wolff gründet
eine Hadernsortieranstalt und Reißwolffabrik. |
| 1900 |
Giengen hat 3.112
Einwohner (1.410 männlich, 1.702 weiblich),
davon 2894 Evangelische und 207 Katholiken. Es
gibt 527 Wohnhäuser. |
| 1901 |
Der erste mechanische
Webstuhl nimmt die Arbeit auf. |
| 1902 |
Der 15 Meter hohe
Aussichtsturm auf dem Schießberg wird von 12
Italienern innerhalb 8 Wochen erstellt; diese
mußten aber die Steine in nächster Nähe selbst
brechen und zurichten, auch nebenbei kochen. |
| 1903 |
Auf der Weltausstellung in
St.Louis (USA) erhält die Firma Margarete Steiff
die höchstmöglichen Auszeichnungen: 2
Goldmedaillen und den "Grand Prix". |
| 1903 |
Der schmiedeeiserne
Pavillon auf dem westlichen Felskopf des
Schießbergs wird von Schlossermeister Johannes
Kölle erbaut. |
| 1904 |
Die 1903 begonnene Fassung
der Bernauer Quellen wird vollendet. Bisher hat
man filtriertes Brenzwasser getrunken. |
| 1904 |
Mit der Renovierung der
Stadtkirche wird begonnen. |
| 1904 |
Am 24. Juli nimmt der
katholische Pfarrer A. Baier die Grundsteinweihe
für die neue Marienkirche vor. |
| 1905 |
Einweihung der neu
erbauten katholischen Marienkirche am Westabhang
des Schießberges durch Dekan Monsignore Stefan
Magg aus Ulm. |
| 1906 |
Die Renovierung der
Stadtkirche wird abgeschlossen. Erneuert werden
Gestühl, Bodenbelag und Glocken. Sie erhält
eine Dampfheizung und elektrische Beleuchtung.
Die Giengener Orgelbaufirma Gebrüder Link baut
eine pneumatische Jugendstilorgel mit 3 Manualen
und 51 Registern ein. Am 25. März findet die
feierliche Wiedereinweihung statt. |
| 1906 |
Die Stadt wird mit
Quellwasser versorgt. Die laufenden Brunnen,
sowie die Pumpbrunnen werden abgeschaftt. |
| 1907 |
Der evangelische
Arbeiterverein als Vorläufer der Gewerkschaft
wird im Gasthaus Lamm ins Leben gerufen. |
| 1907 |
Die Gemeindekollegien
beschließen, zur Linderung der Wohnungsnot, den
Bau von fünf einstockigen Doppelhäusern im
sozialen Wohnungsbau für die Arbeiter Giengener
Fabriken. |
| 1907 |
Mitte des Jahres gibt es
in Giengen 2 Automobile, 1 Dreirad-Motorrad und 8
Zweirad-Motorräder, sowie den Motorlastwagen der
Firma Steiff. |
| 1908 |
Die Orgelfabrik Link
stellt die 500. Orgel auf. |
| 1908 |
An seinem 70. Geburtstag
stiftet Johannes Hähnle 100.000 Mark zum Bau von
Meister- und Arbeiterwohnungen. Er wird zum
Ehrenbürger der Stadt ernannt. |
| 1908 |
Musikschuldirektor
Schilling wird angestellt. Unter seiner Leitung
hat der Musikverein zwei Preise, einen größeren
in Schwäbisch Gmünd und einen kleineren in Nattheim, erhalten. |
| 1908 |
Die Straße zwischen
Waldhorn und Felsen, sowie 3 neue Brücken werden
erstellt. |
| 1909 |
Der Gemeinderat erklärt
im Februar, dass für eine Wanderausstellung
über die "Gefahren des Alkoholismus"
in Giengen "keine Sympathien bestehen".
|
| 1909 |
Die Ehrenbürgerin
Margarete Steiff stirbt am 5. Mai. |
| 1909 |
Der Ehrenbürger Johannes
Hähnle stirbt am 8. Juli. |
| 1909 |
Am 27. August überfliegt
das Luftschiff Z 3 auf seiner ersten Fahrt nach
Berlin, erbaut auch aus Giengener Spenden, die
Stadt in nur 100 Metern Höhe und manövrierte
etwa eine Stunde in der Gegend. Auf allen
späteren Berlinfahrten nimmt das
Zeppelin-Luftschiff regelmäßig Kurs über
Giengen. |
| 1910 |
Das erste Fußballspiel
auf dem Schießberg findet statt. |
| 1910 |
Im Juni-Juli wird das
Hähnlesche Kolumbarium im familieneigenen
Naturgarten "Vogelheim" am südlichen
Abhang des Schießbergs gebaut |
| 1910 |
Der Gewerbeverein
berichtet, dass die Arbeitszeit 10 Stunden, der
Arbeitslohn 3-4 Mark täglich beträgt und der
Lagenschluß um 20-21 Uhr ist. |
| 1910 |
Giengen hat 3.459
Einwohner (1543 männlich, 1916 weiblich).
Inzwischen gibt es 245 Katholiken. Es stehen 564
Wohnhäuser. |
| 1911 |
Die Marktstraße wird in
westlicher Richtung verlängert. Die Stadtmauer
wird am Postberg durchbrochen, um den Weg zum
Bahnhof durch einen direkte Straßebverbindung zu
verkürzen. |
| 1911 |
Der Gewerbeverein
beschließt sonntags den 15-Uhr-Ladenschluß
einzuführen. |
| 1911 |
Am 11. Dezember wird das
Wasserrad an der Schleifmühle in der Ledergasse
entfernt. |
| 1912 |
Auf dem Schießberg werden
der Turn-, Schieß- und Tennisplatz in Betrieb
genommen. |
| 1912 |
Einweihung des
städtischen Spielplatzes |
| 1912 |
Die Stadt bewilligt zu den
Baukosten des Verbindungsweges von Ballhausen
nach Hohenmemmingen bzw. zur Landesgrenze einen
einmaligen Betrag in Höhe von 1000 Reichsmark. |
| 1912 |
Am 1. Oktober wird das
neuerbaute Postgebäude eingeweiht. Am gleichen
Tag erfolgt die Vereinigung des
Telegraphendienstes mit dem Postamt. Das
Telegraphenamt war bisher im Bahnhof
untergebracht. |
| 1912 |
Flugzeug-Notlandung im
Ried. Die beiden bayerischen Offiziere eines
"Euler-Doppeldeckers" hatten die
Orientierung verloren. Nach dem Start erfaßt ein
Windwirbel das Flugzeug. Beim Absturz auf
Hohenmemminger Markung finden beide Piloten den
Tod. Am folgenden Tag trifft Prinz Georg von
Bayern inkognito in Giengen ein und legt zwei
Lorbeerkränze am deren Totenlager nieder. |
| 1913 |
Die Aufforstung des
Schießbergs von der Nordseite her beginnt. |
| 1913 |
Am 13. Oktober brennen
Höhenfeuer zur Erinnerung an die Völkerschlacht
bei Leipzig 1813. |
| 1914 |
Giengen ist eine Stadt
ohne Schulden. Allein das Geldvermögen der
Stadtpflege beträgt am 1.April 175.000 Mark, das
der Stiftungspflege 500.000 Mark. Letztere
besitzt außerdem noch viele Grundstücke. |
| 1917 |
Am 2. Oktober werden aus
der Stadtkirche drei Kirchenglocken entfernt, die
zur Herstellung von Kriegsmaterial eingeschmolzen
werden sollen. |
| 1918 |
Giengen hat im 1.Weltkrieg
112 Gefallene und 11 Vermißte zu beklagen. |
| 1919 |
Im Dezember eröffnet ein
Lichtspieltheater in Giengen. |
| 1919 |
Giengen hat 3.189
Einwohner. |
| 1920 |
Die Firma Steiff beginnt
mit der Fabrikation von Luftreifenventilen. |
| 1920 |
Die MÜAG verlegt ihren
Verwaltungssitz nach Giengen. |
| 1920 |
Albert Schrem gründet
eine Fahrradteilefabrik. Das grundlegende, neu
patentierte Produkt war der
Universal-Radnabenzieher. |
| 1921 |
Ab diesem Jahr bleibt das
Ratshaus am Samstagnachmittag geschlossen. |
| 1921 |
Der Gemeinderat verbietet
alle Faschingsveranstaltungen wegen der Schwere
der Zeit. |
| 1921 |
Am 8. Mai wird die
Kriegergedenkstätte auf dem alten Friedhof
feierlich eingeweiht. |
| 1921 |
Studienrat Dr. Konold
richtet ein Volksbildungswerk ein. |
| 1921 |
Der legendäre
Kinderroller der Firma Steiff hat Premiere. |
| 1922 |
Der Gemeinderat muß im
Februar auf Drängen eines Teils der Bevölkerung
seinen Beschluß zur Fällung der Kastanienallee
in der Planiestraße zurücknehmen. |
| 1922 |
Am 28. März wird im
ehemaligen Brauhaus des Gastahuses "zum
Greifen" eine Jugendherberge, als 61. im
Land Württemberg, eingeweiht. |
| 1922 |
In der Schranne und
Turnhalle findet eine große und vielbeachtete
Gewerbeausstellung statt. 72 Aussteller
präsentieren sich und ihre Produkte. |
| 1923 |
Die Inflation erreicht
gigantische Ausmaße. Die Stadt Giengen
beschließt am 11. Oktober eigenes Papiergeld
auszugeben. Es beginnt mit 50-Millionen-Scheinen,
dann folgen fortschreitend 500 Millionen, 50
Milliarden, 100 Milliarden und zum Schluß noch
500 Milliaraden. |
| 1923 |
Im September kostet ein
Liter Vollmilch eine Million Mark. |
| 1923 |
Das 1921 von Studienrat
Dr. Konold eingerichtete Volksbildungswerk geht
infolge der Infaltion wieder ein. |
| 1923 |
Im November kostet das
Porot für einen Standardbrief 80 Milliarden
Mark. |
| 1923 |
Ende November liegt der
Stundenlohn eines städtischen Arbeiters bei 90
Milliarden Mark, Anfang Dezember dann 35
Goldpfennig. |
| 1924 |
Am 17. März wird Giengens
erste Radioanlage im Gasthof
"Schlüssel" eingerichtet. |
| 1925 |
Auf dem Schießberg findet
erstmals ein Schafmarkt samt Schafschau statt. |
| 1925 |
Giengen hat 3.413
Einwohner. |
| 1926 |
Durch die Vergrößerung
der Stadt müssen die Vorratskammern des
Wasserwerks bereits vergrößert werden.
Brauereien gibt es 14: Einhorn, Hahnen, Ochsen,
Greifen, Adler, Karpfen, Rößle, Kanne, Krone,
Pflug, Schlüssel, Schwanen, Lamm, Hirsch. |
| 1926 |
Die Filzfabrik verlegt
ihre Produktion nach Gerschweiler aus, in Giengen
bleibt nur noch die Verwaltung. |
| 1926 |
Die Glasschleiferei und
Ätzerei feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Der
jetzige Besitzer unterhält auch den Verkauf vom
Tafelglas. |
| 1926 |
Die katholische
Marienkirche erhält zwei neue Glocken. |
| 1926 |
Einweihung des neu
erbauten Schutzenhauses in der Höll. |
| 1927 |
Im Februar beschließt der
Gemeinderat den Bau eines neuen Schulgebäudes.
Mit der Planung und Bauaufsicht wird
Stadtbaumeister Zeiher beauftragt. |
| 1927 |
Am 18. November eröffnet
Anton Wagner aus Lorch die Giengener Lichtspiele
im "Einhorn". |
| 1928 |
Am 10. April erfolgt der
erste Satenstich zum Bau des neuen Schulgebäudes
(Bergschule) auf dem Areal des ehemaligen
Friedhofs. |
| 1929 |
Zum Bürgermeister wird
ernannt: Christian Ehrlinger. Er bleibt es bis
1945. |
| 1929 |
Am 15. August überfliegt
um 5.45 Uhr das Luftschiff "Graf
Zeppelin" Giengen. Zahlreiche Einwohner
lassen sich dieses Ereignis nicht entgehen. |
| 1929 |
Am 9. November wird die
Bergschule feierlich eröffnet. Die Baukosten
betrugen 750000 Reichsmark, der staatliche
Zuschuß 50000 Reichsmark. Die aufgenommenen
Schulden werden erst 1947 zurückgezahlt sein. |
| 1929 |
Am 14. Oktober wird die
Ferngasversorgung in Betrieb genommen. |
| 1929 |
Giengen hat 3.615
Einwohner. |
| 1930 |
Das Stadion der TSG auf
dem Schießberg wird am 24. Juni eingeweiht. |
| 1930 |
Die Firma Steiff darf ihr
50jähriges Jubiläum mit Umzugs-Musik feiern . |
| 1930 |
In der Nacht vom 28. auf
den 29. Oktober ereignet sich ein schweres
Eisenbahnunglück auf der Strecke Giengen -
Herbrechtingen. Ein leichter Güterzug aus
Herbrechtingen prallt in voller Fahrt frontal auf
einen Leerzug aus Giengen: 2 Tote, 2 Schwer- und
4 Leichtverletzte. |
| 1930 |
Ende des Jahres hat
Giengen rund 3500 Einwohner. Als Arbeitslose
waren 99 Personen gemeldet. |
| 1931 |
Eine Nachgrabung in der
Irpfelhöhle bringt die Beweise, dass die Höhle
in menschlicher Frühzeit bewohnt gewesen war. |
| 1933 |
Giengen hat 3.900
Einwohner. |
| 1934 |
Das Schauspiel
"Brennende Heimat" von Paul Wanner wird
auf dem Schießberg zum 300-jährigen Gedenken an
den Untergang der Stadt Giengen im
Dreißgjährigen Krieg aufgeführt. |
| 1935 |
Die Kreisbaugenossenschaft
wird gegründet. |
| 1938 |
Einweihung des von der
Ehrenbürgerin Lina Hähnle gestifteten Brunnens
am Memmingertor-Platz. Der Brunnen ist ein Werk
von Bildhauer Jakob Brüllmann aus Stuttgart. |
| 1939 |
Gründung der
Armaturenfabrik Max Widenmann. |
| 1941 |
Die Firma Fritz Leitz
(Unterkochen) errichtet ein Werk für
Flugzeug-Zubehör. |
| 1942 |
Die Jüdin Frida
Langer, geb. Berneis begeht am 3. April
Selbstmord. Sie war zur Deportation vorgesehen. |
| 1944 |
Anfang März sind 800
evakuierte Personen und 700 ausländische
Arbeiter in Giengen. Für Letztere soll ein
Barackensammellager errichtet werden. |
| 1944 |
Die Firma Robert Bosch
GmbH, Stuttgart-Feuerbach, verlegt ihren Betrieb
"Sundgau" aus Mülhausen (Elsaß) nach
Giengen und übernimmt die Anlagen der Firma
Leitz. Bis1966 bedeutende Ausweitung der
industriellen Anlagen und der Produktion von
elektrischen Hausgeräten. |
| 1944 |
Ortsgruppenleiter Lieber
nimmt erstmals an einer Gemeinderatssitzung teil.
|
| 1945 |
Am 27. Januar weist die
NSV-Kreisamtsleitung in Heidenheim 67 Personen
aus Baden zur Unterbringung in einem Altersheim
zu. Es handelt sich größtenteils um ältere und
pflegebedürftige Personen. Diese werden
vorläufig im Gemeindesaal des 2.
Stadtpfarrhauses und im Grabenschulgebäude
untergebracht. Unter ihnen ist der frühere
bayrische SPD-Vorsitzende Erhard Auer. Er war
unter Kurt Eisner Innenminister und wurde bei
einer Schießerei im Landtag schwer verletzt. |
| 1945 |
Im Gasthaus "zum
Einhorn" wird ein Altersheim errichtet.
Zuvor waren dort Kriegsgefangene untergebracht. |
| 1945 |
Am 13. März wird der
erste Ritterkreuzträger der Stadt durch den
Gemeinderat geehrt. |
| 1945 |
Am 20. März stirbt Erhard
Auer im Alter von 70 Jahren. |
| 1945 |
Im April befinden sich
2.300 Evakuierte in der Stadt. |
| 1945 |
Am 22. April verläßt
Ortsgruppenleiter Lieber mit seiner Familie die
Stadt. |
| 1945 |
Am 24. April wird Giengen
von amerikanischen Streitkräften eingenommen. |
| 1945 |
Von der Militärregierung
wird zum Bürgermeister ernannt: Adolf Kolb. Er
bleibt es bis 1948. |
| 1945 |
Giengen hat im 2.Weltkrieg
389 Gefallene und Vermißte zu beklagen. |
| 1945 |
Giengen hat 4.800
Einwohner. |
| 1947 |
Brenzverlegung,
Beseitigung des nördlichen und südlichen Brenzarms. |
| 1948 |
Zum Bürgermeister wird
gewählt: Walter Schmid. Er bleibt es bis 1977. |
| 1948 |
Giengen hat 6.300
Einwohner. Beschäftigtenzahl: 2.900 |
| 1950 |
Giengen hat 6.750
Einwohner. Beschäftigtenzahl: 3.530 |
| 1951 |
Giengen hat 6.944
Einwohner. Beschäftigtenzahl: 4.602 |
| 1952 |
Giengen hat 7.140
Einwohner. |
| 1954 |
Das Bergbad wird
eröffnet. Baukosten: 500.000 DM. |
| 1955 |
In der Riedstraße wird
der Schlachthof eröffnet. Baukosten: 600.000 DM.
|
| 1955 |
Giengen hat 8.020
Einwohner. Beschäftigtenzahl: 6.544 |
| 1956 |
Am 18. November wird die
Kriegsofergedenkstätte, ein Werk von Bildhauer
Kneer aus Heidenheim, eingeweiht. Auf den
Gedenktafeln sind die Namen von 448 gefallenen
und vermißten Söhnen der Stadt verzeichnet. |
| 1957 |
Der Flugplatz auf der
Irpfel wird eröffnet. |
| 1957 |
Giengen hat 9.025
Einwohner. |
| 1958 |
Der Wasserturm in der
Südstadt wird errichtet. Höhe: 33 m, Inhalt:
600 Kubikmeter. |
| 1958 |
Am 4. September bietet
zwischen 21.45 und 22.15 Uhr ein Nordlicht (als
rotleuchtendes Strahlenbündel) mit seiner
intensiven Farbe einen herrlichen und einmalig
schönen Anblick. |
| 1959 |
Das
Margarethe-Steiff-Gymnasium wird fertiggestellt.
Baukosten: 3,2 Millionen DM. |
| 1959 |
Am 31. Dezember hat
Giengen 9.795 Einwohner (davon 5.155
evangelische, 4290 katholische).
Beschäftigtenzahl: 9.346 |
| 1960 |
Giengen hat 10.000
Einwohner. |
| 1961 |
Die katholische
Heilig-Geist-Kirche wird geweiht. |
| 1961 |
Giengen hat 10.944
Einwohner. |
| 1962 |
Im Ried wird die
mechanisch-biologische Kläranlage in Betrieb
genommen. Baukosten: 2,2 Millionen DM |
| 1962 |
Die neuapostolische Kirche
wird geweiht. |
| 1962 |
Giengens Partnerschaft mit
der österreichischen Stadt Köflach wird
beurkundet. |
| 1965 |
In der Südstadt wird die
Bühlschule eröffnet. Baukosten: 3,8 Millionen
DM |
| 1965 |
Das städtische
Krankenhaus geht in den Besitz des Landkreises
Heidenheim über. |
| 1965 |
Die evangelische
Dreieinigkeitskirche in der Südstadt wird
geweiht. |
| 1966 |
Die Stadthalle wird
eröffnet. |
| 1966 |
Giengen hat 13.331
Einwohner. |
| 1967 |
In der Schwage wird die
Brenz verlegt. |
| 1970 |
Die
Robert-Bosch-Realschule wird eröffnet. |
| 1970 |
Das Alten- und Pflegeheim
"Paul-Gerhard-Stift" wird eröffnet. |
| 1970 |
Giengens Partnerschaft mit
der französischen Stadt Pré-St.-Gervais wird
beurkundet. |
| 1972 |
Gemeindereform: Zu Giengen
kommen die neuen Teilorte Burgberg (1.993
Einwohner), Hohenmemmingen (1.380), Hürben
(1.071) und Sachsenhausen (205). |
| 1973 |
Die große Brücke über
die Brenz und Bahngleise in die Südstadt wird
dem Verkehr übergeben. |
| 1974 |
Das Haus der Jugend wird
gegründet. |
| 1976 |
Der Erweiterungsbau am
Margarete-Steiff-Gymnasium wird eingeweiht. |
| 1976 |
Auf der Markung Giengen
wird mit dem Bau der Bundesautobahn A7 begonnen. |
| 1977 |
Giengens Heimatmuseum wird
im ehemaligen Rathaus von Hürben eröffnet. |
| 1977 |
Zum Bürgermeister wird
gewählt:Siegfried Rieg. Er ist es bis heute,
seit dem 1.1.1999 als auch Oberbürgermeister. |
| 1978 |
900-Jahr-Feier mi
Brenztalausstellung auf dem Schießberg. |
| 1979 |
Die Schwageschule wird
eingeweiht. |
| 1980 |
Die Schwagehalle wird als
Sporthalle eingeweiht. |
| 1981 |
Die Marktstraße wird nach
umfassender Renovierung zur verkehrsberuhigten
Zone erklärt. |
| 1982 |
Brand in der
Klingelmühle. |
| 1982 |
Die Musikschule zieht in
das ehemalige Schulgebäude auf dem Kirchplatz. |
| 1984 |
Der
"Panscher"-Brunnen vor dem Rathaus wird
eingeweiht. |
| 1984 |
Die Memminger Torstraße
wird zur Fußgängerzone, die Gartenstraße zur
verkehrsberuhigten Zone erklärt. |
| 1985 |
Im Rathaus wird der neue
Sitzungssaal eingeweiht. |
| 1987 |
Seit 1986 wird das Innere
der Stadtkirche einer umfassenden Renovierung
unterzogen. |
| 1990 |
Die Spitalmühle, die den
Stadtbrand von 1634 überstanden hat, wird
abgebrochen. |
| 1993 |
Jubiläumsfeiern zur
Entdeckung der Charlottenhöhle vor 100 Jahren. |
| 1994 |
Die Verwaltung der
Vereinigten Filzfabriken zieht im Februar nach
Gerschweiler um. Das Gebäude an der Marktstraße
wird im Herbst abgebrochen. |
| 1994 |
Gunter Schmid gründet im
Februar den Verein "Rettet die
Spitalkirche" und sammelt bis Jahresende
50.000 DM für die Sanierung des Gotteshauses. |
| 1994 |
Das landwirtschaftliche
Anwesen an der Hermaringer Straße, unweit des
Bahnübergangs, geht am 23. April in Flammen auf.
Nach einem Einbruch wurde Feuer gelegt. |
| 1994 |
Stadträtin Helene Nieß
bekommt das Bundesverdienstkreuz verliehen. |
| 1994 |
Eröffnung des Bergbads
nach umfangreicher Sanierung (Kosten: knapp 6
Millionen DM). |
| 1995 |
Nach umfassender
Renovierung wird das "Bürgerhaus"
Schranne mit einer Einhornausstellung eröffnet- |
| 1996 |
Anfang Juli ist
Bürgermeister Siegfried Rieg mit einem
Blumenstrauß und einem Teddybären in der Hand
unterwegs, um zur Geburt von Daniel Abramowsky zu
gratulieren, Giengens 20.000. Einwohner. |
| 1998 |
Der Giengener Gemeinderat
beschließt am 30. Juli, einen Antrag auf
Erklärung Giengens zur Großen Kreisstadt mit
Wirkung zum 01.01.1999 an die Landesregierung zu
stellen. |
| 1998 |
Am 24. Juni präsentiert
sich die Stadt mit Tanz und Musik auf der
Landesgartenschau in Plochingen. |
| 1998 |
Am 25. Juni wird die
geriatrische Rehabilitationsklinik im Giengener
Krankenhaus eingeweiht. |
| 1998 |
Am 24. Juli wird ein 24
Jahre alter Liberianer bei einem Streit durch
einen Messerstich tödlich verletzt. |
| 1998 |
Ende Juli feiert das
Jugendblasorchester der städtischen Musikschule
mit einem Jubiläumskonzert sein 50jähriges
Bestehen. |
| 1998 |
Die Bundestagswahl am 27.
September ergibt für Giengen folgendes Ergebnis:
CDU 37,2%, SPD 40,9%, FDP 5,6%, Grüne 6.6%. Die
Wahlbeteiligung lag bei 82,3%. |
| 1998 |
Die Landesregierung
beschließt am 5. Oktober dem Antrag Giengens auf
Erhebung zur Großen Kreisstadt zu entsprechen. |
| 1999 |
Mit Beginn des Jahres 1999
gehen Zuständigkeiten der Unteren
Verwaltungsbehörde auf die Große Kreisstadt
Giengen an der Brenz über. |
| 1999 |
Das Gebäude Bleiche 1, in
dem die erste Ratssitzung nach dem Stadtbrand
1634 abgehalten wurde, wird nach gelungener
Renovierung der Öffentlichkeit vorgestellt. |
| 1999 |
Im September wird das alte
Gerberhaus in der Lederstraße abgebrochen. |
| 1999 |
Am 22. Oktober wird die
Giengener Volksbank überfallen. Bereits nach 10
Minuten konnte der 16jährige Täter aus Giengen
festgenommen werden. |