Merkur, innerster und auch kleinster Planet des Sonnensystems, bietet im Juni 2012 die zweite und letzte Chance des Jahres, ihn am Abendhimmel zu sehen und zwar im Zeitraum vom 11. bis zum 25.Juni. Da klingt es zunächst paradox, wenn man gleichzeitig erfährt, dass Merkur erst in der Nacht zum 1.Juli seine größte östliche Elongation zur Sonne mit ca. 26 Grad Winkelabstand erreicht. Aber Merkur steht dann schon wieder mit geringerer Deklination und damit südlicher als die Sonne in der Ekliptik und somit kann er sich in der langen Dämmerung mitteleuropäischer Sommernächte eben nicht mehr am Himmel durchsetzen. Je südlicher man sich aufhält (z.B. im Mittelmeerraum), desto besser sind die Möglichkeiten Merkur dann zu sehen, eben weil es dort auch früher dunkel wird. Zurück nach Deutschland, die Tage um den 18.06. bieten damit die besten Chancen, den rund 0m hellen Planeten knapp über dem Nordosthorizont bis kurz vor 23 Uhr MESZ zu erspähen.

Im Juli ist Merkur dann von Deutschland aus unsichtbar, Ende des Monats erreicht er seine untere Konjunktionsstellung zur Sonne. Ab etwa 11.August taucht Merkur dann wieder am Morgenhimmel auf und erreicht am 16.08. bereits wieder seine größte, jetzt westliche Elongation, die aber nur zu einem maximalen Winkelabstand von ca. 19 Grad zur Sonne führt. Dennoch reicht dieser recht kleine Wert für eine passable Morgensichtbarkeit, weil Merkur jetzt nördlicher als die Sonne in der Ekliptik steht und damit morgens recht steil zum Horizont aufgeht. Der anfangs 0m3 helle Planet wird in den Folgetagen scheinbar immer heller, bis zum 20.08.2012 steigt der Wert auf -0m6 und am 28.08. sogar bis auf -1m2 an. Merkuraufgang ist am 14.08. gegen 3:40 Uhr und am 25.08. kurz nach 4 Uhr MESZ, jeweils knapp eine halbe Stunde später sollte man ihn in der Morgendämmerung über dem Osthorizont erkennen können. Ab dem 28.08 dürfte Merkur dann wieder unsichtbar bleiben.



Venus liefert mit dem Transit vor der Sonnenscheibe am frühen Morgen des 06.06.2012 eines der astronomischen Highlights dieses Jahres. Mehr dazu gibt es in einer Extraseite hier zu diesem Thema.

Nach dieser unteren Konjunktion ist sie dann ab Ende Juni für den Rest des Sommers strahlender Morgenstern am Osthorizont vor Sonnenaufgang. Am 15.August erreicht sie mit rund 46 Grad Winkelabstand zur Sonne schon wieder ihre größte westliche Elongation. Vorher ist sie besonders im Juli ein unübersehbarer Blickfang in der Morgendämmerung. Ihren „größten Glanz“, also ihre größte scheinbare Helligkeit erreicht unser innerer Schwesterplanet mit -4m7 am 12.07. Zwei Tage zuvor zieht sie in nur 0,9 Grad Winkelabstand am hellen Stern Aldebaran im Sternbild Stier vorbei. Noch spannender wird es am 15.07., wenn sich die Sichel des abnehmenden Mondes in der Nähe der Venus vor den Planeten Jupiter schiebt. Mehr hierzu gleich weiter unten in dieser Übersicht. Auch am 14.08. besucht der Mond morgens wieder die Venus. Am 01.07. geht Venus kurz nach halb vier Uhr in der Frühe auf, im August dann während des ganzen Monats über gegen kurz nach halb zwei Uhr., wobei ihre scheinbare Helligkeit wieder leicht zurück geht


Unser roter Nachbarplanet hat nach seiner diesjährigen Oppositionsstellung zur Sonne Anfang März seine Glanzzeit für dieses Jahr schon hinter sich. Er „dümpelt“ deshalb den ganzen Sommer über mehr oder minder unspektakulär am Abendhimmel herum, von dem er sich dann Ende August auch endgültig verabschiedet. Er strebt in der Ekliptik vom Sternbild Löwe kommend zum Sternbild Jungfrau und passiert um den 14.08. herum in respektvollem Abstand den ebenfalls dort befindlichen Planeten Saturn. Liegt seine Helligkeit Anfang Juni noch bei immerhin +0m5, so sinkt sie aufgrund der immer größer werdenden Distanz zur Erde bis Mitte August auf +1m2 ab. Marsuntergang am Westhorizont ist Anfang Juni noch gegen 2 Uhr Sommerzeit, Ende August dann schon kurz nach halb zehn Uhr. Da man auch in schon größeren Amateurteleskopen keine Details mehr auf dem im Juli nur noch knapp 6 Bogensekunden kleinen Marsscheibchen erkennen kann, verabschieden wir uns an dieser Stelle bis auf Weiteres und guten Gewissens vom roten Planeten.



Jupiter, größter Planet unseres Sonnensystems stand Mitte Mai in Konjunktion zur Sonne und ist ab etwa Mitte Juni wieder früh morgens zunächst nur tief, im weiteren Verlauf der Sommermonate aber zunehmend höher und auffällig am Morgenhimmel zu sehen. Am 17.06. bietet die sehr schmale Sichel des abnehmenden Mondes morgens eine Aufsuchhilfe, um den Gasriesen etwas 2 Grad südwestlich von ihr erstmal wieder aufzufinden. Ende des Monats tritt Jupiter gegen Viertel nach drei Uhr morgens über die Horizontlinie, Ende Juli dann um kurz nach halb zwei Uhr und Ende August dann bereits wieder kurz vor Mitternacht. Seine scheinbare Helligkeit steigt im Verlauf der Sommermonate von anfangs -2m0 auf -2m3 an. Im Verlauf des hier betrachteten Zeitraums bedeckt die Mondsichel von der Erde aus betrachtet dreimal hintereinander den Planeten. Von diesen Ereignissen ist bei uns jedoch nur die Bedeckung am 15.07. beobachtbar, die Bedeckungen am 17.06. und am 12.08. entgehen uns leider. Umso wichtiger ist es, sich den 15.07. schon Mal dick im persönlichen Beobachtungskalender anzustreichen. Die Bedeckung findet zwischen ca. 3:40 Uhr und 4:15 Uhr statt und sollte für alle Natur- und Sternfreunde einen rechtspektakulären Anblick am Morgenhimmel bieten. Mehr dazu lesen Sie dann rechtzeitig in einem gesonderten Ausgabe hier auf den Seiten der VAAE.

 


Auch für den Ringplaneten Saturn gilt in diesem Sommer ähnliches, wie für den Mars: Auch er zieht sich nach seiner Oppositionsstellung im April jetzt wieder Stück für Stück von der abendlichen Himmelsbühne zurück und wird ab Ende August schließlich wieder vorübergehend unsichtbar. Bis dahin erfolgen seine Untergänge am Westhorizont Anfang Juni gegen halb vier Uhr in der Früh, Anfang Juli gegen halb zwei Uhr und Anfang August dann schon deutlich vor Mitternacht. Seine scheinbare Helligkeit sinkt im Verlauf der Sommermonate von +0m5 auf +0m9 ab. Gut zu verfolgen ist die rechtläufige (sprich in Richtung Osten gerichtete) Bewegung des Planeten vor dem Hintergrund der Sterne mit Hilfe des etwa gleichhellen Hauptsternes des Sternbilds Jungfrau Spica, von dem er sich zunehmend wieder in östlicher Richtung entfernt. Außerdem gesellt sich Mars zu den beiden hinzu, wobei die bereits erwähnte Begegnung der beiden Planeten um den 17.08. herum schon besser in einem Fernglas, als mit bloßem Auge am Abenddämmerungshimmel zu beobachten ist.

 


(alle Zeitangaben in gesetzlicher Zeit d.h. in MESZ)


UB

(Seitenanfang)