| Allgemeines:
Die Sonne bietet Amateurastronomen die Möglichkeit, beobachtende Astronomie am Tage zu betreiben. Schließlich ist sie der einzige Stern, der unserer Erde so nahe ist, dass wir auf seine "Oberfläche" schauen können. Oberfläche steht in " ", weil es bei einer Gaskugel, und um eine solche handelt es sich bei unserer Sonne, keine eigentliche, feste Oberfläche gibt. Die Beobachtung der Sonne ist nicht ungefährlich und sollte nur unter Beachtung strengster Sicherheitsvorkehrungen und von Sternfreunden mit Beobachtungserfahrung durchgeführt werden. Man benötigt zur Beobachtung unseres Tagesgestirns zudem spezielle Hilfsmittel wie Projektionsschirme oder Filter, die das intensive Sonnenlicht, welches in Fernrohren oder Ferngläsern noch verstärkt und gebündelt wird, auf ein ungefährliches Maß reduzieren. Wer glaubt, mal einfach so mit einem Fernglas o.a. optischen Gerät und sei es einen noch kurzen Moment zur Sonne schauen zu können, wird dies mit dem Verlust seines Augenlichts bezahlen. Dauerhafte Erblindung wäre die Folge. Wenn man
die richtigen
Instrumente und die Kenntnis zur Sonnenbeobachtung hat, kann man auf
der
Sonne spannende und interessante Vorgänge beobachten. Denn die
Sonne
ist keinesfalls so ruhig und stetig, wie sie uns im täglichen
Eindruck
erscheint. Vielmehr zeigt sie eine in einem etwa 11-jährigen
Rhythmus
schwankende Aktivität, welche sich in Gas- und
Materieausbrüchen,
Strahlungsschwankungen und - dies am augenfälligsten - in den
sogenannten
Sonnenflecken wiederspiegelt. Die Sonnenflecken sind dunkle Gebiete in
der als Sonnen-
Sonnenflecken
treten
nicht ungeordnet, sondern in Gruppen auf, die sich in zum
Sonnenäquator
parallelen Bändern anordnen und die langsam mit der Sonne von Ost
nach West rotieren. Sie zeigen sich in unterschiedlichen, in 9
Kategorien
eingteilte Erscheinungsformen, wobei sie im Extremfall ein Vielfaches
der
Größe unserer Erde erreichen können. Sie können
dann
durch einen entsprechenden Filter betrachtet sogar mit bloßem Auge
Als verbreitetste Maßzahl der Sonnenfleckentätigkeit gilt die von dem Astronomen M. Wolf definierte Sonnenfleckenrelativzahl R. Sie estimmt sich aus der Anzahl der sichtbaren Gruppen (g) und den darin enthaltenen einzelnen Flecken (f) zu: R = 10 x g + f Wie erwähnt, schwankt die Sonnenfleckenaktivität in einem etwa 11-jährigen Zyklus. Seit der Entdeckung dieses Rhythmus' werden die Zyklen durchnummeriert. Der letzte zurückliegende Zyklus trug die Nummer 22 und wurde von Uwe Bachmann in den Jahren 1986 bis 1996 in mehr als 1000 Beobachtungen verfolgt (siehe Abbildung).
Aktuell: Der aktuelle Zyklus trägt die Nummer 24. Dr zurückliegende 23.Zyklus hatte sein Maximum im Monat März 2000 mit einem ausgeglichenen, d.h. über einen gleitenden Zeitraum von 13 Monaten statistisch berechneten Wert von ca. Re=191 erreicht .Danach fielen die Werte bis Mai 2000. In den Monaten Juni und Juli sowie danach auch nochmals ab März 2001 bis November 2001 stiegen sie hingegen wieder leicht an, erreichten aber (noch) nicht den Spitzenwert vom März 2000. Diese Glättung der Aktivitätskurve wird durchgeführt, um kurzfristige Schwankungen der Daten heraus zu filtern. In beiden Graphiken sind die geglätteten oder ausgeglichenen Werte als gepunktete Linien dargestellt. Im September 2001 schließlich lief die Sonnenaktivität förmlich noch einmal zur Höchstleistung auf. Mit einem Monatsmittel der Fleckenrelativzahl von ca. 281 (Basis: 10 Beobachtungen) und einer Vielzahl von großen, fleckenreichen Gruppen wurde ein neuer Spitzenwert des 23. Zyklus erreicht. Auch der Oktober 2001 präsentierte eine sehr aktive Sonne, zahlreiche große Fleckengruppen und Strahlungsausbrüche führten gar zu drei Polarlichtnächten am Himmel über Deutschland. Im Winter 2001/2002 und bis zum Mai 2002 blieb die Aktivität insgesamt weiter auf hohem Niveau, wenn auch die Spitzenwerte des Herbst nicht mehr erreicht wurden. Dies führte dazu, dass ab November 2001 die ausgeglichenen Werte zunächstwieder fielen - das Maximum des 23. Zyklus war scheinbar vorbei. Doch
dann
stieg die
Aktivität im Sommer 2002 wieder deutlich an. Bedingt durch die
geringe
statistische Basis kletterten deshalb auch wieder die geglätteten
Monatsmittel in dieser Auswertung. Im Herbst 2002 ging dann die
Fleckenzahl
deutlich zurück, was dazu führte, dass die ausgeglichenen
Werte
nun seit Februar 2002 endgültig fielen. Im Frühjahr 2003
erreichte
die Sonnenaktivität einen ersten vorläufigen Tiefpunkt, bevor
sie zum Sommer hin
erneut
deutlich anzog. Völlig überraschend verlief dann der Herbst
2003.
Nach einem erneuten Rückgang der Relativzahlwerte bis zum
September
und dem ersten fleckfreien Tag Mitte Oktober in meiner
Beobachtunsstatistik,
stieg in der zweiten Oktoberhälfte die Sonnenfleckenzahl fast
explosionsartig
an. Gigantische Sonnenfleckengruppen die zeitweilig zu dritt mit dem
bloßen
Auge auf der Sonnenscheibe zu erkennen waren, trieben nicht nur die
Relativzahl
wieder in die Höhe, sondern sorgte auch sonst für
spektakuläre
Ereignisse hier auf der Erde in Form von Polarlichtern. Seit diesem
vielleicht
letzten nennenswerten Aufbäumen der Sonne hat sich ihre
Aktivität
im Schnitt in den letzten Monaten jedoch wieder deutlich beruhigt. Im
Oktober
2005 erreichte sie den niedrigsten Wert seit 1997. Und dies nachdem im
September
2005 mehrere Flareausbrüche sogar zu Polarlichterscheinungen in
mittleren
geographischen Breiten führten. Von wenigen solcher kurzen
Aktivitätsausbrüchen
abgesehen ist die Sonnenaktivität seitdem bis zum Februar 2008
kontinuierlich zurückgegangen und auch danach dehr ruhig
geblieben. Am 04.01.2008 wurde "offiziell" die
erste Fleckengruppe des neuen, 24. Zyklus in hohen, heliographischen
Breiten beobachtet. Das Minimum trat dann nach den Beobachtungen von
SIRIUS-Redakteur Uwe Bachmann im Dezember 2008 ein.
Der 24.Zyklus
begann sehr ruhig, viele
fleckenfreie Tage bis weit ins Jahr 2010 hinein stellten die Beobachter
auf eine harte Geduldsprobe. Immerhin:
Anfang August 2010 konnten in
Norddeutschland bereits wieder erste Polarlichter gesichtet werden. Zu Beginn des Jahres 2011 stieg dann die
Aktivität der Sonne spürbar an, vor allem im März 2011
waren gleich an mehreren Tagen auch wieder so große
Fleckengruppen auf der Sonne zu sehen, die leicht mit bloßen Auge
(natürlich mit Schutzfilter) beobachtet werden konnten. Nach einem
vorübergehenden Abfall der Aktivität in den Monaten April und
Mai 2011 zog dann die Aktivität im Sommer wieder kräftig an.
Große, leicht mit bloßem Auge sichtbare Fleckengruppen, vor
allem aber zahlreiche kleine Fleckengruppen drückten das
Monatsmittel bis September deutlich über die 100er-Marke. Auch
mehrere Polarlichtsichtungen gelangen während dieser Phase in
vielen Ländern Mitteleuropas.
Sonne
mit großen Fleckengruppen am 02.08.2011, Aufnahme: Uwe Bachmann
Auch die Daten zum 24. Zyklus stammen von Uwe Bachmann, der für seine Beobachtungen ein Celestron 8-Teleskop benutzt. Da sie nur auf einem einzigen Beobachter basieren, ist die Statistik natürlich etwas unsicher. Dies gilt insbesondere für die Zahlen der Monate des Winterhalbjahres, wenn das Wetter in Deutschland meist nur wenige Beobachtungen zuläßt, die dann das Ergebnis etwas verfälschen können. Die Vorhersagen für die Stärke des neuen, 24.Zyklus gehen derzeit davon aus, dass die Aktivität der Sonne insgesamt etwas niedriger ausfallen dürfte als im 23.Zyklus. Damit würde sich der Trend der letzten beiden Zyklen fortsetzen. Das Maximum wird für 2013 bzw. 2014 (je nach Vorhersage) erwartet. UB |