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Unser Traumschiff, oder, Hochseefischer
machen eine Traumreise
Im Februar 1966 war es. An der Seefahrtsschule Wustrow studierten im
Profil Hochseefischer u.a die zwei Studiengänge zur Erlangung des
Patentes "Kapitän in Großer Hochseefischerei",
welche hier Erwähnung finden sollen. Nach drei Jahren war für
das letzte Studienjahr ein Praktikum auf den Schiffen ihres delegierenden
Betriebes vorgesehen. Die Peenewerft Wolgast begann zu dieser Zeit die
Auslieferung einer neuen Serie von Fischereifahrzeugen, den Spezialzubringertrawlern,
auch für das VEB Fischkombinat Rostock. Und eben hier auf diesen
Fahrzeugen sollte das Praktikum stattfinden. Die Erprobung der neuen
Schiffe fand jedoch nicht das Gefallen einiger maßgeblicher Leute,
wie u.a. der Bestzungen. Aus diesem Grunde sollten weitere Teste im
Seebetrieb im Beisein der Werftingenieure stattfinden. Das vorgesehene
Praktikum war nunmehr aus Platzmangel auf diesen Schiffen hinfällig.
Die Schulleitung der Seefahrtsschule hatte in Absprache mit der Deutschen
Seereederei den grandiosen Gedanken die Studenten der Hochseefischerei
auf der "J. G. Fichte", einem Ausbildungsschiff, mitfahren
zu lassen. Bei der Befragung zu unserer Zustimmung hatte natürlich
niemand von uns eine negative Meinung. Fische fangen konnten wir immer
noch.
Die Reiseroute der "Fichte" war immer: von Rostock dann Europahäfen,
meist Antwerpen und Cherbourg, dann Mexiko, also Vera Cruz und Tempico,
Kuba, hier Havanna und Nuevitas, dann zurück nach Europa. Reisezeit
so um die 75 Tage.
Es konnte eine Traumreise werden. Es wurde für uns, die nur Labrador,
Grönland, Spitzbergen und die Barentssee mit Schweinewetter kannten,
eine Traumreise. Hatten wir für unsere früheren Reisen Unterhosen,
dicke Pullover, Wattejacken und Seestiefel im Seesack, so packten wir
jetzt die Khakiuniform mit Sonnenbrille ein.
Vieles war neu für uns auf diesem Schiff. Der Verwalter hatte,
als er hörte Hochseefischer kommen an Bord, erst mal 250 Flaschen
Schnaps bei der Schiffsversorgung nachbestellt. Was für ein Ruf
eilte uns nur voraus? Jedoch, nach dieser Reise hatte die Besatzung
der "Fichte" eine andere Meinung von den Fischern.
Auf dem Schiff waren ungewohnt viele Menschen. Die Besatzung sowieso,
irgendwie in der gewohnten Hicharchie. Mit für uns Unmengen Lehrmatrosen,
Lehrbootsmänner, war es doch ein Ausbildungsschiff, mit Passagieren
und uns, den Seefahrtschülern nebst Dozenten.
Als Offiziersanwärter wurden wir in der O.-messe bedient. Gewohnt
waren wir an der Kombüse vorbeizulaufen und "Einmal Neu"
zu rufen. Dienstkleidung wurde vom Kapitän angeordnet und war in
Europa die blaue Uniform, es war ja Februar beim auslaufen. Ab Mitte
Atlantik dann Khaki. Zur "Arbeit" gingen wir auf die Haupt-
und/oder Lehrbrücke zur Wache. Also die notwendigen Aufgaben welche
zur Arbeit eines Schiffsoffiziers gehören. Ein Lot zur Fischsuche
kannte man nicht, die Steckdose zum Kaffeekochen suchten wir auf der
Brücke ebenfalls vergebens, Kaffee und die kalte Platte brachte
eine Stewardess. Wir hatten Unterricht mit Seeblick. Die Vorbereitungen
zur Erlangung des Seefunksprechzeugnis machten wir z.B. dort auf See.
Nach der Arbeit ging man abends ins Hippodrom, eine Art Gaststätte,
zum Biertrinken und Wienerwürstchen essen. Hinter dem Hippodrom
war ein Schwimmbad, heute Pool, zum Zeitvertreib.
Es könnte ein etwas längerer Reisebericht werden, würde
aber den Rahmen dieser Homepage sprengen.
Wir waren 73 Tage von zu Haus weg, davon 27 Tage auf See. Die andere
Zeit in Häfen mit einer Unmenge von Landgang. Also in Belgien,
Antwerpen, Frankreich mit Cherbourg, Mexiko in Vera Cruz, Kuba mit Havanna
und Nuevitas in der Pampa zum Zucker holen.
Wer von uns nach dieser Reise meinte es war keine Traum- oder besser
Urlaubsreise, der hat nicht die Wahrheit gesagt.
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