zunächst danke ich Ihnen für Ihre Post
und erbitte Absolution dafür, dass ich mich nicht schon eher bemerkbar gemacht habe. Aber
in meinem verrückten Beruf ist oft der Teufel los und nur so konnte es passieren, dass
mit Ihr wichtiger Termin durch die Lappen ging.
Durch die Elblandfestspiele bin ich seit vier Jahren etwas enger mit
Wittenberge verbunden und freue mich, dass diese Festspiele langsam und hoffentlich
nachhaltig zu einer Institution werden. Vielleicht gelingt in Wittenberge, dank Paul Linke
und einiger enthusiasmierter Lokalmatadoren das, was in der Hauptstadt unseres Landes
nicht gelingt, nämlich die Operette mit Ihren besten Melodien wie auch immer, weiterleben
zu lassen.
Solche Enthusiasten finden sich auch im Veritasklub zusammen, um das
Erbe eines wichtigen Haushalt- und Industriegegenstandes der Nähmaschine zu pflegen und
zu bewahren.
Vor 100 Jahren, 28 Jahre nach dem Tode von Isaac Singer, dem Vater der ersten
Nähmaschinenfabrik in Amerika, wurde das Werk in Wittenberge von der Singer Sewing
Company N.Y. gegründet, es war die einzige Singer Nähmaschinenfabrik Deutschlands und
wurde die größte ihrer Art in Europa.
Wenn Sie, liebe Freunde, auch das Jubiläum nutzen, um die Geschichte
des Wittenberger Nähmaschinenwerkes aufzuarbeiten, dann ist das besonders verdienstvoll,
weil gerade in unserer schnelllebigen Zeit zu viel und zu schnell vergessen wird.
Ich denke, dass es unbedingt nötig ist für unsere Identität,
Tradition und Geschichte etwas zu tun, denn dadurch entsteht auch so etwas wie
Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit.
Liebe Veritasfreunde, zum 100. Geburtstag des Nähmaschinenwerkes in
Wittenberge alles, alles Gute, bleiben Sie weiter dran, denn nur wer das Erbe der
Vergangenheit bewahrt, behält ein Stück Identität.
Das ist in der Technik genauso wie in der Kunst und Kultur.
Mit besten Grüßen und auf Wiedersehen
Dagmar Frederic