Sehr geehrte Damen und
Herren,
gestatten Sie mir anläßlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums
des Nähmaschinenwerkes Wittenberge ganz herzliche Grüße an alle, die am Werden und der
ständigen Weiterentwicklung des Unternehmens beteiligt waren.
Nach der Gründung durch den Singer-Konzern haben Generationen von
fleißigen und erfahrenen Fachleuten aus Wittenberge und der Prignitz den Nähmaschinenbau
als Lebenswerk gesehen. Immer ging es um rationelle Fertigung, moderne Erzeugnisse und
eine starke Stellung auf dem Weltmarkt.
Der Nähmaschinenbau prägte zunehmend die Region. Fachleute vieler
Berufe wurden benötigt und ausgebildet; viele Frauen fanden anspruchsvolle
Arbeitsplätze.
Von der qualitätsbestimmenden Gießerei über teilautomatisierte
mechanische Fertigungen, moderne Montagen bis zu fortschrittlichen Lackieranlagen - alles
wurde in 100 Jahren schöpferischer Arbeit geschaffen und weiterentwickelt.
Fast jedes Jahrzehnt brachte Krisen mit sich; unendlich viel Leid die
zwei Weltkriege - aber immer wieder hoben die "Wittenberger" ihren Kopf und
kämpften weiter.
Sehr gute Nähmaschinen in hoher Stückzahl, Exporte in viele Länder
der Welt und der Übergang zur Elektronik nach 1985 zeugen von der Leistung der
Veritas-Mitarbeiter.
Um so schmerzlicher war der Niedergang Anfang der 90er Jahre. Die
Arbeiter und Angestellten des Werkes sind dafür nicht verantwortlich. Starke Wettbewerber
mit weltweiten Verbindungen nutzten ihre Chance und bekämpften Veritas. Die zu einseitige
Bindung an "Ostmärkte" über 40 Jahre erwies sich als Schwäche. "Falsche
Käufer" während der Privatisierungsphase besiegelten das Ende der
Nähmaschinenfertigung.
Ich halte es für einen sehr wichtigen Beitrag des Veritas-Klubs, das
Erbe des ehemaligen Singer/Veritas-Nähmaschinenwerkes in Wittenberge zu pflegen. Die
Menschen haben in 100 Jahren Spuren hinterlassen; vielleicht ist das der Nährboden für
neuen Maschinenbau in der Prignitz.
Dazu möchte ich Sie ermuntern und für die Zukunft viel Erfolg
wünschen.
Ihr Dr. Rudi Rosenkranz