mit großer Aufmerksamkeit verfolge ich
immer wieder Ihre Bemühungen um das ehemalige Singer und Victoria-Nähmaschinenwerk in
Wittenberge. In einer Zeit, die oft achtlos über langjährig Gewachsenes hinweggeht und
die Ergebnisse historischer Entwicklungen leichtfertig über Bord wirft, ist es richtig,
Marksteine zu setzen, die wichtige Stationen unserer Vergangenheit dokumentieren. Die
Nähmaschinenindustrie Deutschlands hat das bislang nicht getan - die Erinnerung an
Nähmaschinen von Opel, Gritzner oder Dürkopp schwindet, das einstmals international
wirkende Pfaffwerk hat die Erinnerung an die Gründergeneration und ihre Stiftungen
längst vergessen, und dass die Nähmaschinenindustrie einmal die Entwicklung der
Feinmechanik entscheidend beeinflußte, weiß heute kein Mensch mehr.
Sammler und Liebhaber der Nähmaschine bekommen nun mit Ihrer Hilfe
einen festen Anlaufpunkt zum Anschauen, Erinnern und ebenso zum Diskutieren und
Fachsimpeln in Wittenberge, der Stadt der Nähmaschinen. Als vor hundert Jahren das
Neidlinger-Singer-Unternehmen gegründet wurde, hat diese Entwicklung sicher niemand
vorausgesehen, galten doch beider Namen als Inbegriffe der Feindschaft gegenüber jeder
" echt deutschen" Nähmaschine. Und die westdeutsche Nähmaschinenindustrie hat
die ostdeutschen Wittenberger auch nicht gerade mit Freundschaft betrachtet!
Um so mehr freue ich mich über die erfolgreiche Arbeit Ihrer Gruppe
und wünsche Ihnen für dieses Jubiläumsjahr und für die weitere Arbeit alles, alles
Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Wilhelm