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TRAUER und KLAGE
In Deutschland sterben jedes Jahr weit über 20.000 Kinder bei oder kurz nach der Geburt, im Säuglingsalter, im Kindes- oder Jugendalter oder als Heranwachsende durch Krankheit, Unfall, Suizid oder Gewaltverbrechen. Eltern und Geschwister, die durch den Tod eines Kindes betroffen sind, geraten in eine tiefe Familien-, Beziehungs- und Lebenskrise. Außenstehende sind oft hilflos im Umgang mit Trauernden. Aus Unsicherheit und Sorge, den Schmerz durch falsches Verhalten zu vergrößern, vermeiden viele den Kontakt mit ihnen.
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Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an!
Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos. Die Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben. Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.
Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann. Drängt uns nicht, so zu sein wie früher, wir können es nicht. Denkt daran, dass wir in Wandlung begriffen sind. Lasst Euch sagen, dass wir uns selbst fremd sind. Habt Geduld!
Wir wissen, dass wir Bitteres in Eure Zufriedenheit streuen, dass Euer Lachen ersterben kann, wenn Ihr unser Erschrecken seht, dass wir Euch mit Leid konfrontieren, das Ihr vermeiden möchtet.
Wenn wir Eure Kinder sehen, leiden wir. Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen. Wir haben die Sicherheit verloren, in der Ihr noch lebt.
Ihr haltet uns entgegen: Auch wir haben Kummer! Doch wenn wir Euch fragen, ob Ihr unser Schicksal tragen möchtet, erschreckt Ihr. Aber verzeiht: Unser Leid ist so übermächtig, dass wir oft vergessen, dass es viele Arten von Schmerz gibt.
Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammeln können. Unsere Kinder begleiten uns. Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen. Wir hören Euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.
Nehmt es an, wenn wir von unseren Kindern und unserer Trauer zu sprechen beginnen, wir tun nur das, was in uns drängt. Wenn wir Eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam. Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor Euch. Teilt mit uns den Glauben an sie. Noch mehr wie früher sind sie ein Teil von uns. Wenn Ihr unsere Kinder verletzt, verletzt Ihr uns. Mag sein, dass wir sie vollendeter machen, als sie es waren, aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer. Zerstört nicht unser Bild! Glaubt uns, wir brauchen es so.
Versucht, Euch in uns einzufühlen. Glaubt daran, dass unsere Belastbarkeit wächst. Glaubt daran, dass wir eines Tages mit neuem Selbstverständnis leben werden. Euer „Zu-trauen“ stärkt uns auf diesem Weg.
Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen, werden wir Euch freier begegnen. Jetzt zwingt uns nicht mit Wort und Blick, unser Unglück zu leugnen. Wir brauchen Eure Annahme, Vergesst nicht: wir müssen so vieles von neuem lernen, unsere Trauer hat unser Sehen und Fühlen verändert.
Bleibt an unserer Seite! Lernt von uns für Euer eigenes Leben!
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Vor wem, Vater kniest du in deinem Schmerz? Ist dir ein Gegenüber gegeben für deine Trauer? Dein Sohn liegt hier, das Leben, das zu zeugtest, das du bei der Hand nahmst, es begleitetest, Schritt für Schritt, ihm das Leben nahebrachtest, ihn dem Leben nahebrachtest, voll Neugier und Staunen.
Jetzt weiß er mehr, dein Sohn, als du, Vater. Und du bleibst zurück. Welche Werte gabst du ihm mit auf den Weg? Stehst du noch dazu? Reichen deine Werte bis in das Reich der Toten? Lässt sich mit diesen Werten leben und sterben? Du hast dir den Weg so anders vorgestellt, Vater. So vieles versank mit in diesem Grab. Gib Raum deiner Trauer.
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Verschließe sie nicht in dir. Dass du nicht leblos wirst, versteinert. Gib deinem Schmerz Ausdruck, Stimme, Gestalt. Teile ihn mit den Lebenden und den Toten. Und bewege die Fragen, die aufsteigen aus dem Grab deines Sohnes. Und wenn du dich wieder erhebst, Vater, setze deinen Fuß auf den Weg des Friedens.
Ein langer Weg ist es, noch wenig erforscht, weil er gelebt werden will, gegangen werden will, Schritt für Schritt, mühsam oft. Aber die Kraft aus dem Grab wird dir zuwachsen, wird Hoffnung nähren und Zuversicht, dass Brücken gebaut werden der Verständigung mit dem Wissen aus den Gräbern.
Doris Henninger
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SCHULD
Grausames Grübeln quält verwaiste Eltern: Was haben wir falsch gemacht? Hätten wir etwas anders machen müssen? Haben wir den Ärzten zu viel vertraut? Was haben wir versäumt, dass unser Kind nicht mehr leben wollte? Vorwürfe und Schuldgefühle, Scham, Hader mit Gott, ohnmächtige Wut auf womöglich Schuldige, das alles hinterlässt tiefe Spuren.
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Mein Kind Du hast Dich selbst getötet sag, gibt es eine Schuld?
War ich zu streng zu Dir war ich zu gut zu Dir wusste ich zu wenig von Dir?
War es zu weich in Dir war es zu wund in Dir war es zu einsam in Dir?
Oder war es die Welt die Du ändern wolltest und nicht konntest?
Waren die Menschen zu rau für Dich zu glatt für Dich zu unerreichbar für Dich?
War es der Geist dieser Welt verlangte er zu viel von Dir gabst Du ihm alles dafür?
Wer trägt die Schuld?
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Eltern bemerkten, dass ihr 17-jähriger Sohn sich die Autoschlüssel besorgt hatte. Am Abend beschlossen sie, morgen ein Lenkerschloss zu besorgen, damit nichts passieren konnte. Noch in dieser Nacht fuhr sich ihr Junge mit dem Auto zu Tode.
Andere Eltern konnten das Motorrad so gut sichern, dass ihr Junge es nicht benutzen konnte. Er fuhr daraufhin als Sozius bei seinem Freund mit und kam nicht zurück. Bei dem Unfall war nur der Soziusfahrer tödlich verunglückt.
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