|
6.12.
Auf dem Weg von Ciudad del Este bekommen wir Hunger und halten am Strassenrand an, um in einem kleinen Restaurant etwas zu essen. Da über dem Eingang zwei tote Hühner hängen und wir das als eine Art Speisekarte interpretieren, bestellen wir Pollo mit irgendwas.
Kommt mit Nudeln und einer Portion Mandioka. Dazu noch eine Cola und ein Mineralwasser. Preis ist nicht der Rede wert.
Kurze Zeit später geraten wir in eine Polizeikontrolle.
Buen´Dia, grüßt der Polizist, Buenos Tardes antworte ich, weil es schon gegen ein Uhr Mittag ist und wir schon gegessen haben. Der Polizist macht uns deutlich, daß er noch nichts gegessen hat und es deshalb für ihn noch Buenos Dias ist. Auch gut...
Er prüft unsere Fahrzeugpapiere und möchte dann auch noch meinen Führerschein sehen. Habe zwar keinen paraguayanischen aber einen Internationalen. Den blättert er von vorn nach hinten und wieder nach vorn durch.
Danach fixiert er mich und macht mit ausgestrecktem Daumen und kleinem Finger eine Handbewegung die ich als Frage deute, ob ich etwas getrunken hätte. “No Senor” antworte ich wahrheitsgemäß. Er wiederholt die Handbewegung und ich antworte wieder mit einem nein.
Er wiederholt die Bewegung zum dritten Mal. Ja mein Gott, ist es denn Pflicht, in Paraguay besoffen zu fahren, denke ich mir und möchte schon ein “Si Senor” ausprobieren.
Pia kommt dann auf die Idee, dass er vielleicht wissen möchte, wohin wir unterwegs sind. Sie sagt “Villarrica” und er ist zufrieden. Mit einer wedelnden Handewegung und einem gemurmelten “adelante” scheucht er uns davon.
Wir sind heilfroh, dass alles so reibungslos abging und beschließen zum wiederholten Mal, Zuhause spanisch zu lernen.
Einige Zeit später treffen wir in Villarrica ein. Unser Reiseführer erwähnt für diese Stadt 3 Hotels. Eines liegt ziemlich außerhalb, ein zweites macht schon einen ziemlich verfallenen Eindruck, wir entschließen uns dann für das “Ybyturuzu”. Macht einen gepflegten Eindruck und liegt mitten in der Stadt. Es hat einen abgeschlossenen und kameraüberwachten Parkplatz. Das Einchecken geht mittlerweile schon ganz gut auf spanisch. Wir bekommen ein Zimmer in der obersten Etage. Von da haben wir einen schönen Ausblick, leider regnet es.
Preis für das (ziemlich kleine) Zimmer inclusive Frühstück: 130.000 Guarani.
Hier erleben wir auch zum ersten und glücklicherweise einzigen Mal, die wohl typisch paraguayanische Warmwasser - Duschkonstruktion. Wir probieren das Ganze mal vorsichtig aus, bedingt durch den so gut wie nicht vorhandenen Wasserdruck in der obersten Etage, gibt es nur die Möglichkeiten: kalt oder ganz heiß. Wir beschliessen, auch aus Sicherheitsgründen, kalt zu duschen, was ja in Paraguay zu dieser Jahreszeit so etwa 28 Grad bedeutet, also erträglich ist.
Abends dann Essen im Hotelrestaurant. Was die Getränke angeht, bin ich als Biertrinker auf der sicheren Seite.
Bier in Paraguay hat mir übrigens ausnahmslos gut geschmeckt. Gibts in Restaurants meistens in ziemlich großen Flaschen (630 ml bis 1 l) und wird entweder in einer kühlenden Umverpackung aus Styropor oder im Champagnerkübel serviert. Habe den Eindruck, dass der Alkoholgehalt niedriger ist als bei einem Pils.
Pia bestellt sich eine kleine Flasche Weißwein. Sind sehr erstaunt, dass ein Jahrgang 1998 auf den Tisch kommt. Pia trinkt ein Glas davon und entschließt sich dann, einen anderen Wein zu bestellen, weil der nun wirklich nicht mehr schmeckt.
Sie bestellt also einen “otro vino”, es kommt aber eine “otro bottiglia” des gleichen Weines. Die erste Flasche war wenigstens gekühlt, die Neue kommt mit Zimmertemperatur daher, was in diesem Fall ca. 35 Grad bedeutet.
Pia schenkt sich ein Glas ein, es sieht aus wie alter Sherry. Schmecken tuts wie Superbenzin mit Korken.
Da wir das Gesöff für hochgradig gesundheitsschädlich halten, geben wir die Flasche zurück. Pia versucht es jetzt mit Rotwein. Der ist zwar auf etwa 4 Grad herunter gekühlt, erweist sich aber nach einiger Zeit des Aufwärmens als durchaus trinkbar.
7.12.
Das Duschen macht keinen Spaß. Bei voll aufgedrehtem Wasserhahn kommt immer wieder mal ein Tropfen nach dem Zufallsprinzip raus. Wir fragen an der Rezeption nach einem anderen Zimmer in einem tieferen Stockwerk. Wir mieten dann eine “Suite” in der ersten Etage. Kostet zwar 250.000 Guarani pro Nacht, hat dafür 2 große Zimmer, einen begehbaren Kleiderschrank und eine normale, nicht lebensgefährliche Dusche die auch funktioniert.
Wir gehen spazieren und sehen uns das Zentrum von Villarrica an. Wir empfinden die Stadt als ziemlich laut, ein Eindruck der sich in den Abendstunden noch steigern sollte. Was wir als schön empfunden haben, waren die zahlreichen Pferdegespanne, die alles Mögliche transportieren und offenbar auch als Taxi Verwendung finden. Der Sitz der Departmentsverwaltung hat einen Eingang, den wir so auch noch nicht gesehen haben.
Ca 300 m vom Hotel entfernt ist ein schöner Stadtpark. Dort kann man schön auf einer Bank sitzen und relaxen.
Wir essen in einem kleinen “Restaurant” zu Mittag, dem “Club Asuncion”. Aus den umliegenden Geschäften kommen eine Menge Leute mit Gefäßen, mit denen sie ihr Mittagessen davontragen. Heutiges Tagesgericht ist so ne Art Gulasch mit Nudeln. Hat auch einen speziellen Namen, den wir aber wieder vergessen haben.
1 Gulasch, 1 kleiner Hamburger, 1 Mineralwasser und 1 Bier (weils gar so heiß ist): 14.000 Guarani

Auf dem Rückweg zum Hotel sehen wir einen Feuerwehrwagen. Wir staunen nicht schlecht, als wir die Aufschrift: “Werkfeuerwehr Darmstadt” lesen
Am Nachmittag haben wir ein Treffen mit einer Immobilienmaklerin. Am Ortseingang von Villaricca ist ein Haus zu verkaufen. Steht schon lange im Internet, hat uns da sehr gut gefallen und wir möchten es uns mal anschauen. Der Besitzer ist nicht da, der Eindruck von außen reicht uns aber erstmal.
Sieht wirklich wunderschön aus. Sehr gepflegt, durch das Tor können wir einen schön angelegten Garten mit Pool erkennen. Sollte mal 125.000 US $ kosten. Preis im Internet wurde gerade gesenkt auf 85.000 US $. Wäre auch sehr schön, wenn nicht gegenüber eine Art Fabrikhalle wäre. Links ein unbebautes Grundstück, rechts einige Sachen im Bau, von denen wir nicht genau identifizieren konnten, was es einmal werden soll.
50 m entfernt ist die Einfallstrasse nach Villarrica. Auf der anderen Seite dieser Strasse befinden sich ein Hotel und eine Tankstelle. Später hören wir, dass sich an dieser Tankstelle, ein- oder zweimal in der Woche die Jugendlichen aus Villarrica treffen um auszutesten, wer die lauteste Hi-Fi- Anlage im Auto hat. Dabei reden wir dann auch über “Pick-Ups”, deren Ladeflächen mit großen Lautsprecherboxen bestückt sind. Mit der elektrischen Leistung die diese Lautsprecher aufnehmen, betreiben wir zu Hause locker unsere Waschmaschine, mit der akustischen Leistung die diese Lautsprecher abgeben, sind wir schon im Hotel immer wieder in Kontakt gekommen.
50 m Entfernung zwischen diesen Lautsprechern und einem Haus sind einfach verdammt wenig.
Es gehört bei denjenigen, die sich ein Auto leisten können, offenbar auch zum guten Ton, mit möglichst lauter Musik immer wieder die gleichen Runden durch die Stadt zu drehen.
Wir erfahren, dass der Besitzer des Hauses, es in der Zwischenzeit für etwa US $ 150 (in Worten: einhundertfünfzig) vermietet hat, um zumindest die Nebenkosten wieder hereinzubekommen.
Abends essen wir wieder im Hotel. Mittlerweile sind wir trotz der Sprachschwierigkeiten akzeptiert und alle sind sehr freundlich zu uns. Die Rezeptionistin strahlt uns an und zeigt uns voller Stolz ihre kleine Tochter, als sie abends abgeholt wird. Im (Nichtraucher-) Restaurant können wir unser Abendessen bestellen und uns dann mit unseren Getränken in die Hotellobby setzen, wo man rauchen darf. Wenn das Essen dann fertig ist, werden wir geholt. In der Lobby wächst bereits eine Weihnachtskrippe von beachtlichen Ausmaßen heran...
8.12.
Wir wollen uns die sagenumwobene “Colonia Independencia” anschauen. Die Fahrt dorthin ist sehr schön. Leicht hügeliges Gelände, gute Asphaltstrasse und schönes Panorama.
Das “Zentrum” wird durch den Supermarkt von Herrn Huber dargestellt. Nichts, was man auch nur entfernt als so etwas wie einen Ortskern bezeichnen könnte. Das wussten wir aber schon.
Fahren auf eine Erdstrasse Richtung “Carlos Pfannl” (weil wir den Namen so niedlich finden) Nach mehreren Kilometer Erdstrasse kommen wir an eine Brücke, die wir uns zuerst nicht zu befahren trauen. Erst als kurz nacheinander ein LKW und ein Bus wie selbstverständlich über diese Brücke fahren, trauen wir uns auch. Sind trotzdem heilfroh, als wir drüber sind.
Carlos Pfannl ist auch kein Dorf sondern eine Ansammlung weit entfernt liegender Gehöfte.

Wir sehen uns dann noch den Waldfriedhof von Independencia an. Eine grössere Ansammlung von Menschen wenn auch toten, findet man in Independencia wohl nirgendwo. Danach fahren wir zurück nach Villarrica.
Kurz vor dem Ortseingang von Villarrica liegt das Restaurant “La Cave” in dem es österreichische Küche geben soll. Wir halten kurz an um zu fragen, ob abends geöffnet wäre. Der Chef macht irgendwie einen lustlosen Eindruck, sein riesiger Hund ist dagegen deutlich motivierter und kommt sehr flink auf uns zugelaufen.
Beschließen, abends woanders essen zu gehen.
Als wir unser Ybyturuzu Hotel erreichen, ist die Weihnachtskrippe fertig. Der Patron steht mit stolzgeschwellter Brust daneben. Wir verabschieden uns schon mal von unser Lieblingsrezeptionistin weil wir am nächsten Morgen früh los wollen und sie immer erst Mittags zu arbeiten anfängt.
Sie fällt Pia um den Hals und küsst sie. Dass sich Frauen in Paraguay zur Begrüßung und zum Abschied küssen, ist ziemlich normal. Im Hotel erleben wir das allerdings zum ersten Mal. Als ich der Rezeptionistin die Hand hinstrecke, umarmt und küsst sie mich auch. Bin sehr gerührt. Sie ist aber auch wirklich nett.
Am nächsten Morgen wollen wir dann weiter nach Aregua und San Bernadino, wo wir noch zwei oder drei Tage verbringen wollen, bevor wir wieder nach Asuncion zurückfahren um Karl, Ingrid, Bernd und Julia zu treffen...
weiter...
|