Seit König Heinrich I. (919-936) hatten die Könige und Kaiser versucht, die Slawen jenseits der Elbe und der Saale weiter zurückzudrängen. Aber erst im 12. Jahrhundert, nach schweren Rückschlägen, konnte dort das Deutschtum dauernd Fuß fassen. An drei Stellen, in Holstein, Brandenburg und Meißen, setzte jetzt die Besiedlung ein, zu der Bauern und Bürger aus allen Gegenden Westdeutschlands herangezogen wurden.
Ihre Träger waren Mönchsorden, geistliche und weltliche Fürsten. Heinrich der Löwe war der erste Fürst, der planmäßig nach Osten vordrang. Albrecht der Bär begründete den Staat der Askanier in Brandenburg; in Meißen wirkten die Wettiner. Am weitesten nach Osten trug der Deutsche Orden das Deutschtum. Von einem polnischen Fürsten gegen die heidnischen Preußen, ein den heutigen Litauern verwandtes Volk, zu Hilfe gerufen, eroberte er deren Land, das er zu eigenem Besitz zu machen wußte.
Der Zusammenschluß mit den Schwertbrüdem in Livland führte die Deutschordensritter auch ins Baltikum. Während der Kampf noch gegen die Litauer weiterging, nahmen die Städte, vor allem Danzig, einen gewaltigen Aufschwung. Aber auch der Orden selbst trieb Handel und wurde reich. Der Hochmeister machte 1309 die Marienburg zu seinem Sitz; sie wurde die schönste Schöpfung norddeutschen Backsteinbaus, der Bauweise, die der Armut Norddeutschlands an Naturstein ihre großartige Entwicklung verdankte.
Mit dem Übertritt der Litauer zum Christentum 1386 verloren die Ritter das Gebiet für ihre militärische Tätigkeit. Die Kampfkraft des Ordens sank. Seine hochmütige Herrschaft weckte die Unzufriedenheit im Lande, die Handelskonkurrenz die der Städte. Der Landadel verschwor sich gegen ihn und fiel von ihm ab, als ein Krieg mit Polen entbrannte.
In einer Schlacht bei Tannenberg wurde der Hochmeister 1410 vom König von Polen und Litauen besiegt. Der Friede brachte die Abtretung des Verbindungsstücks zwischen Preußen und Livland und isolierte damit dieses vom Reich. Im Innern kam das Ordensland nicht mehr zur Ruhe. Ein neuer Bund der Städte und des Adels rief Polen zu Hilfe, das in langem Kriege den Orden besiegte und das spätere Westpreußen mit der Marienburg behielt.
Auch Ostpreußen war damit vom Reich getrennt. Neben dem Orden waren die Städte die Träger des Deutschtums im Osten. Deutsche kamen bis in die polnischen Städte. Nach Pommern und Schlesien zogen die einheimischen Fürsten deutsche Einwanderer. Am besten gediehen die Städte an der Ostsee, die sieh den Handel aller Nachbarländer unterwarfen. Zur gegenseitigen Unterstützung schlössen sich erst die Kaufleute im Ausland, so in London und Wisby auf Gotland, dann die Heimatstädte selbst zu einer Genossenschaft oder "Hanse" zusammen.
Die Reichsstadt Lübeck als die mächtigste übernahm die Führung. Die Küstenstädte von Bremen bis Reval und viele Städte im Innern bis nach den Niederlanden traten dem Bunde bei. Handelskontore wurden im Ausland gegründet. Unter sich vermieden die Städte Politik und pflegten nur die Handelsinteressen; wenige, so Lübeck selbst, waren frei, die meisten unterstanden einem Landesherrn. Nach außen aber führte die Hanse eine kräftige Politik.
Im Kampf gegen Dänemark 1367 bildete sie sich fester aus. Nach dem Siege kamen die skandinavischen Reiche unter ihren Einfluß. Deren Erstarkung im 15. und 16. Jahrhundert bedeutete eine empfindliche Schwächung des Bundes; der Heringsfang an der Küste der südschwedischen Landschaft Schonen, einer der wichtigsten Erwerbszweige, wurde durch den Abzug dieses Fisches aus der Ostsee vernichtet; die Abtrennung der niederländischen Städte, die Kriege in Preußen und Livland trugen zum Verfall der Hanse bei.
Vom Reich hatten die Städte keine Hilfe. Die mächtiger werdenden Fürstentümer duldeten oft die Zugehörigkeit zum Bunde nicht mehr. Die Niederländer rissen den Ostseehandel an sich. Der Dreißigjährige Krieg machte der Hanse ein Ende; nur Lübeck, Hamburg und Bremen blieben als "Hansestädte" vereinigt.