Durch ganz Italien, das der Schauplatz des Kampfes zwischen Kaiser und Papst gewesen war, ging die Spaltung in die zwei Parteien der Ghibellinen und der Guelfen, die sich bis aufs Blut bekämpften.
Nur langsam kam das Land nach dem Ende der Staufer zur Ruhe. Die Hauptgegner der Kaiser und Vorkämpfer des Papsttums waren die lombardischen Städte, an der Spitze Mailand. Sie waren früh zu ausgebildeten Stadtgemeinden erwachsen, in denen Handel und Bankverkehr blühten. Alle die vielen Worte italienischen Ursprungs in der heutigen Banksprache sind damals in Gebrauch gekommen.
Unter den Seestädten standen Venedig und Genua im Wettstreit um die Handelsherrschaft im Mittelmeer. Sie wurden beide von einigen wenigen aristokratischen Geschlechtern regiert. Neben den Stadtrepubliken entstanden aber in dieser Zeit auch selbständige Fürstentümer, indem eine Familie die Macht in einer Stadt an sich riss. Die kleinen Nachbarn wurden dann unterworfen.
Allen diesen Staaten kam zu statten, dass der Papst seinen Sitz in Frankreich hatte. Sie wurden durch keine päpstlichen Machtansprüche weltlicher Art gestört. Auch die Romzüge der deutschen Könige hatten aufgehört. Nur einmal erschien ein Kaiser, Heinrich VII. im Jahre 1310, von den GhibeIIinen freudig begrüßt, in Italien.
Als nach der sogenannten „Babylonischen Gefangenschaft" der Kirche in Avignon und einer langen Spaltung unter zwei, ja drei gleichzeitig regierenden Päpsten eine Kirchenversammlung das Papsttum reformiert hatte, bildete sich im 15. Jahrhundert ein italienisches Staatensystem aus, das aus den fünf Hauptmächten Venedig, Mailand, Florenz, Neapel und dem Papst bestand. Sie alle wurden zugleich Mittelpunkte der neuen Renaissancekultur.
Schon seit den Tagen Kaiser Friedrichs II. hatte sich die Einzelpersönlichkeit aus der Masse der alles gleichmachenden mittelalterlichen Kirche loszulösen begonnen. Der Mensch wandte sich mehr der diesseitigen Welt und einem tätigen Leben zu. Damit bekamen auch Wissenschaft und Kunst einen neuen Sinn; bisher war ihre Bedeutung rein kirchlich gewesen. Das Nationalbewusstsein der Italiener erstarkte, die italienische Sprache wurde eine Sprache der Bildung. Dante schrieb seine „Göttliche Komödie", die heute noch der schönste Beitrag Italiens zur Weltliteratur ist; er, Petrarca und Boccaccio sind die großen Dichter dieser Zeit.
Mit Petrarca begann auch das Studium der antiken Dichtkunst und Wissenschaft. Zunächst war das römische Altertum Gegenstand dieser Beschäftigung; das griechische kannte man bis dahin nur durch die Vermittlung der Römer und später der wissenschaftlieh sehr tüchtigen Araber.
Im 15. Jahrhundert wandte man sich auch der Erlernung der griechischen Sprache zu. Griechen kamen nach Florenz, um mit dem Papst über die Vereinigung der Kirchen zu verhandeln. Sie hofften nämlich auf diese Weise die Hilfe des Abendlandes gegen den Ansturm der Türken zu erhalten. Durch sie erhielten die Italiener den ersten direkten Eindruck von griechischer Kultur. Als dann Konstantinopel 1453 doch von den Türken erobert wurde, kamen viele griechische Gelehrte als Flüchtlinge nach Italien und ließen sich als Sprachlehrer nieder. Sie vermittelten die nähere Bekanntschaft mit der fremden Sprache und dadurch mit den Werken der griechischen Literatur.
Die Geschichtsschreibung im heutigen Sinne begann, Naturwissenschaft und Technik machten gewaltige Fortschritte. Die Rolle der Antike oder des klassischen Altertums in dieser Bewegung hat ihr und der ganzen Zeit den Namen Renaissance (d.h. Wiedergeburt) gegeben.
Den sichtbarsten Aufschwung nahm die bildende Kunst. Der Maler wie der Bildhauer wandte sich dem vorher verbotenen Studium des menschlichen Körpers zu; neben die religiösen Stoffe ihrer Werke traten weltliche, z. B. das Porträt. Auch die Baukunst änderte sich stark: man baute jetzt in großen, ruhigen Formen mit wenig Zierrat, bevorzugte einfache Säulen, bei der Kirche die Kuppel. Das Bauwerk der neuen Zeit wurde der Palast.
Großen Einfluss hatten hierbei die Auftraggeber: neben die Kirche traten die weltlichen Fürsten, sie ermöglichten den Künstlern die Ausführung ihrer herrlichsten Schöpfungen. Die Höfe, auch die kleinsten, waren die Pflegestätten der neuen Kultur. Florenz war ihr Ausgangspunkt und unter den Medici der Ort ihrer ersten großen Blüte.
Die Päpste folgten ebenfalls dem Zeitgeist, auch sie verweltlichten und machten Born im 16. Jahrhundert zur Nachfolgerin von Florenz als Mittelpunkt für alle Künste. Hier schufen Raffael und Michelangelo ihre Meisterwerke der Malerei und Bildhauerei, hier wuchs der gewaltige neue Petersdom als Mittelpunkt der katholischen Christenheit empor.