Völkerwanderung und frühes Mittelalter
Die vielen kleinen germanischen Völkerschaften schlössen sich im 2.Jahrh. zu großen Stämmen zusammen. Ihre Kampfkraft wuchs.
Alemannen und Franken drängten immer heftiger gegen den Rhein, die Goten gegen die untere Donau. Der Druck wurde unerträglich, als das asiatische Volk der Hunnen den Germanen von Südrussland her in den Rücken fiel. Die Grenzen wurden überflutet, ganze Volker siedelten sich auf römischem Reichsgebiet an. Durch den Westgoten Alarich wurde Rom im Jahre 410 zum erstenmal erobert. Der Germane Odovakar setzte 476 den letzten weströmischen Kaiser ab.
Das Römische Reich wurde auf den Osten beschränkt. In Italien ließen sich die Ostgoten unter Theoderich dem Großen, in Spanien die Westgoten, in Gallien die Franken nieder, nachdem das große Hunnenreich Attilas, das Etzel der Nibelungensage, zerfallen war. Angeln und Sachsen setzten nach Britannien über. Noch einmal eroberten die Byzantiner Italien, mussten es aber mit den germanischen Langobarden teilen.
Rom blieb frei. Hier herrschte der Bischof, der in den Stürmen der Völkerwanderung auch die weltliche Macht in die Hand bekommen hatte. Er war für die zusammengebrochene Staatsgewalt eingesprungen, hatte mit den Barbaren verhandelt, Truppen besoldet, die Stadt mit Getreide versorgt. Seine geistliche Oberhoheit wurde bald im ganzen Westen anerkannt, wo nach und nach alle Germanen auf altem Reichsgebiet zum Christentum übergetreten waren. Im Osten bestritt ihm der Patriarch von Konstantinopel die oberste Würde.
Es kam schließlich zu einer völligen Spaltung der Kirche in eine römische und eine griechische. Das Oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz (Konstantinopel) auch das Byzantinische genannt, war damit ganz auf sich selbst gestellt. Allein musste es den Angriff der Araber aushalten. Durch die Religion des Islam, die der Prophet Mohammed gestiftet hatte, zum Glaubenskrieg verpflichtet, eroberten die Araber in kürzester Zeit ganz Vorderasien und Nordafrika, vernichteten das Westgotenreieh in Spanien, und nur der ganzen Kraft der Franken gelang es 732, ihren vernichtenden Ansturm tief in Frankreich zurückzuschlagen.
Das christliche Europa war gerettet, das Ansehen der Sieger gewachsen. Im 7. und 8. Jahrhundert wurde auch Süd- und Mitteldeutschland, das sich die Franken unterworfen hatten, von irischen und angelsächsischen Missionaren, vor allem Bonifatius, bekehrt. Die Sachsen blieben frei. Östlich der Elbe saßen Slawen, die in das entvölkerte Land nachgerückt waren.
Im Frankenreich kam mit Pippin das Geschlecht der Karolinger auf den Thron. An ihn, dann an seinen Sohn Karl den Großen wandten sich die Päpste um Hilfe gegen die Langbarden. Karl eroberte Italien, unterwarf dann die Sachsen und schuf ein Reich, das von den Pyrenäen bis an die Eider, die Elbe und bis nach Ungarn reichte.
Im Jahre 800 krönte ihn der Papst zum Kaiser. In viel höherem Maße als die anderen Germanen machten sich die Franken römische Kulturgüter zu eigen. Karl selbst fühlte sich als Nachfolger der römischen Kaiser. Seine Enkel teilten das Reich nach heftigen Kämpfen 843 im Vertrag von Verdun in drei Teile; die Kaiserwürde wechselte unter den drei Linien des Hauses. Das Ostfränkische Reich drohte bald in einzelne Stammesherzogtümer zu verfallen und hatte sieh dazu gegen den westfränkischen Nachbarn zu wehren, der nach der Rheingrenze strebte.
Im Südosten griffen Ungarn, von der See dänische Normannen den wankenden Staat an. Nach dem Aussterben der Karolinger 911 wurde hier im Ostreich, das wir jetzt Deutschland nennen können, erst ein Franke, dann ein Sachse zum König gewählt. Dieser Heinrich I. einigte und festigte das Reich, dem er das abgefallene Lothringen und damit das ganze linke Rheinufer wieder angliederte, so dass sich sein Sohn Otto der Große mit Recht wieder in Rom zum Kaiser krönen lassen konnte. Er schaffte auch in Italien Ordnung.
Von den Deutschen gestützt, erhob sich das Papsttum nach langem Verfall zu neuer Macht. Es bildete jetzt seine unbedingte Herrschaft über die Kirche in ganz Europa aus. Nur der Osten blieb nach wie vor als griechische Kirche unter Konstantinopel. Durch ihre Ansprüche gerieten die Päpste mit den Fürsten der großen Staaten bald in Streit. Besonders der deutsche König konnte die hohe Geistlichkeit nicht unter päpstlichen Einfluss geraten lassen, weil Bischöfe und Erzbischöfe die wichtigsten Werkzeuge der Reichsverwaltung waren. Darüber hinaus beanspruchte er als Kaiser die Weltherrschaft. Dasselbe tat der Papst, der den Vorrang der geistlichen vor der weltlichen Gewalt erklärte. So entbrannte ein erbitterter Machtkampf, der erst nach zweihundert Jahren mit dem Siege des Papsttums enden sollte.