Workshop Tachotuning
Wer kennt das nicht: Geschwindigkeitsübertretung, Blitzer, bezahlen. Doch was ist das? Statt den Staat großzügig durch eine reiche Gabe zu unterstützen (wie es ja unsere Art ist), wird nur ein lächerlich geringes Bußgeld fällig. Warum? weil der Tacho zu viel anzeigt.
Erfahrungsgemäß zeigt der Mercesdestacho gerne so um die 10% Geschwindigkeit zuviel an. Für Leute, die gerne am Stammtisch prahlen, wie schnell ihre Karre fährt ist das vielleicht toll, jemand der einfach nur wissen möchte, wie schnell er wirklich ist, findet dagegen die permanente Kopfrechnerei eher lästig.
Nun wäre Mercedes nicht Mercedes (und VDO nicht VDO), wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, den Gang der Tachonadel zu beeinflussen. Wie das gemacht wird, schildere ich hier (die Bilder zeigen ein W123-Tachometer, mit einem W116-Tacho habe ich es aber auch gemacht und ich bin sicher, daß es auch mit vielen anderen Tachos vom w114 bis (mindestens) w126 möglich ist).
Zur Physik des Tachometers
Die Tachowelle überträgt die am Getriebe abgenommene Rotation auf einen Magneten. Das rotierende Magnetfeld erzeugt nach dem Hall-Prinzip eine axiale Kraft, die gegen die Kraft einer Feder wirkt, welche die Tachonadel Richtung Null bzw. den Anschlag drückt.
Was man braucht
Navigationssystem mit Geschwindigkeitsanzeige
alternativ GPS Empfänger
alternativ eine genaue Uhr und eine Straße mit Streckenkilometerschildern
Bohrmaschine mit Linkslauf
Tachowelle (außerhalb des Autos)
sehr feinen Schraubendreher
Wie es geht Vorbereitung
Zunächst muss die angezeigte Geschwindigkeit des Tachos verifiziert werden. Mit einem GPS-Empfänger oder einem Navi geht das am einfachsten, natürlich kann die Geschwindigkeit auch gestoppt werden, auf Autobahnen und z.T. auch auf Bundesstraßen stehen alle 100m Schilder mit Streckenkilometerangabe daß diese Methode viel Sorgfalt erfordert, liegt auf der Hand.

Die Wahrheit liegt in der Mitte: im Display (unten Mitte) werden echte 92 angezeigt, wo der Tacho 100 verspricht!
Für kleine Geschwindigkeiten unter 30 km/h ist der Tacho nicht sehr genau. Der Bereich, der für den normalen Verkehrsteilnehmer die größte Relevanz hat, dürfte der Bereich zwischen 50 und 100 km/h sein, da in diesem häufig gefahren (und natürlich auch oft geblitzt) wird. Es empfiehlt sich sehr, verschiedene Geschwindigkeiten ab etwa 40 km/h abzugleichen, da die Abweichung des Tachos nicht linear ist (liegt vermutlich an der Federkonstante der Tachofeder und anderen Einflüssen wie Zeigergewicht etc).
Liegt endlich eine Liste vor, die die Abweichung der tatsächlichen von der angezeigten Geschwindigkeit beschreibt, muss nun festgelegt werden, wie der Tacho verändert werden soll. Im vorliegenden Fall lag die Abweichung im Mittelwert der zwischen 40 - 120 km/h verglichenen Geschwindigkeit bei 108%. Dieses galt es zu revidieren.
Jetzt kommt endlich die Schrauberei
Als nächstes muss der Tacho raus. Wie das geht setzte ich als bekannt voraus, ansonsten gibts dafür bestimmt irgendwo einen Workshop. Ein Hinweis aber dazu: wenn das Instrumentenbrett raus ist, nicht den Motor anmachen, sonst verwandelt die Öldruckleitung des Manometers noch die datteligste Fußmatte in einfaches schwarz.
Der Tacho wird jetzt mittels der vorhandenen Welle an die Bohrmaschine mit Linkslauf angeschlossen. Das Gerät muss mit einer Drehzahl laufen die reproduziert werden kann, da der Tacho zwischendurch angehalten werden muss bis zum Anschlag durchdrücken ist also eine gute Idee. Darüber hinaus sollte sich die dabei angezeigte Geschwindigkeit in dem vorher bemessenem Bereich befinden und man muss natürlich ausrechnen, welche Geschwindigkeit angezeigt werden muss. Stimmt alles? Dann gehts jetzt ans Eingemachte.

Meine Metabo schafft linksrum nur 68 Sachen (in Wirklichkeit gar nur 62!). Die Biersorte ist übrigens frei wählbar.
Unterhalb der Tachonabe sieht man eine Messingscheibe. Diese Scheibe ist mit der Feder verbunden, die die Nadel in die 0-Position zwingt. Sie hat einen Schlitz. Dort vorsichtig den Feinmechanikerschraubendreher ansetzen nach Möglichkeit auch die Tachoscheibe nicht berühren, da dort befindliche Fingerabdrücke lästig sein können.

Hier ist der Schlitz zu sehen...

...jetzt mit Gefühl drehen
Nun vorsichtig die Schraube verdrehen wenige Grad reichen! Tacho wieder an die Bohrmaschine anschließen, Geschwindigkeit kontrollieren, Vorgang gegebenenfalls wiederholen. Wandert die Anzeige dabei in die falsche Richtung, muss in die andere Richtung verstellt werden.

So geht das! Halbe Flasche Bier und knapp ein virtueller Kilometer später.
Wenn alles stimmt, stimmt alles. Tacho wieder einbauen, den Erfolg nochmals kontrollieren (das Ergebnis kann sich bei mir sehen lassen: im Bereich 5080 km/h ist die Anzeige sehr Präzise, bei 100 120 km/h ist die Abweichung weniger als halb so groß wie vorher), feddich!
Nachtrag: das letzte On-Board Beweisfoto steht noch aus mein Schwager wollte sein Navi zurück.