Kalavrita

Nach dem Frühstück räumen wir alles zusammen und brechen auf Richtung Peloponnes. Während ich das Wohnmobil zurück auf die Straße lenke, meint Sonja, sie möchte gerne noch den Tholos aus der Nähe sehen. Also fahren wir erstmal Richtung Osten und halten am Parkplatz. So komme ich sogar noch zu einem Foto von der Sunny-Side der Säulen.

Sonja hat außerdem von der Liebesgrotte der Korykia gelesen, die nicht weit von hier sein sollte. Also fahren wir zunächst ein paar km Richtung Athen nach Arachova, von wo die Straße zu der Grotte abzweigt. Wir parken erstmal das Wohnmobil am Ortseingang um in dem netten Städtchen zu bummeln und einzukaufen. Als ich mir dann die Beschreibung des Weges zu der Liebesgrotte anschaue, kommen mir Bedenken, ob das mit unserem Gefährt zu machen ist. Wie ich den "Schulz" inzwischen einzuschätzen gelernt haben, beschreibt er auch Pisten, die man bestenfalls mit VW-Bus (auf alle Fälle mit Allradantrieb) gerade noch schafft, als WoMo-tauglich. Ich habe keine große Lust, auf einem Waldweg ohne Wendemöglichkeit zwischen den Bäumen festzuhängen. Der Familienrat beschließt, auf kürzestem Weg Richtung Diakofto zu fahren. Die Kinder freuen sich schon auf die Überfahrt zur Peloponnes mit der Fähre.

Aus dem Internet hatte ich mir zu Hause die Abfahrtszeiten der Fähre von Agios Nikolaos nach Eghia (www.gtpweb.com) ausgedruckt. Nach kurvenreicher Fahrt stehen wir um 2 Uhr nachmittags am Hafen, kaufen die Tickets, für die Kinder Eis und sehen zu, wie sich die Fähre nähert und dann anlegt. Nach einer kurzen Wartezeit werden wir aufs Deck gelotst und bekommen einen schönen schattigen Platz.

Auf der Fähre treffen wir unseren französischen Nachbarn vom Campingplatz in Delphi. Er ist mit dem Bus hierher gefahren und sucht nun seine Familie, die mit dem PKW vorgefahren war und mit der er sich am Fährhafen treffen wollte. Jetzt hofft er, dass sie am Hafen von Eghio auf ihn wartet.

Die Fahrt dauert etwas über eine Stunde. Nachdem wir den kleinen Hafen von Egio hinter uns gelassen haben, fahren wir direkt nach Diakofto. Hier parken wir gegenüber einem Supermarkt bei dem Kiefernwäldchen am Bahnhof. Als erstes wollen wir uns einen Platz im Zug nach Kalavrita sichern und gehen Fahrkarten kaufen.

Die Plätze bei der Fahrt um 10:30 Uhr sind bereits ausverkauft, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als den ersten Zug um 8:00 Uhr zu nehmen. Wir reservieren in der ersten Klasse, die nur unwesentlich mehr kostet als die 2.Klasse. Insgesamt zahlen wir 7450 Drachmen. Nachdem das erledigt ist und wir im Supermarkt noch eingekauft haben, wollen wir noch baden.

Wir fahren zum Hafen, biegen dort links ab und folgen der Uferstraße. Es gibt einzelne Strandabschnitte, die aber zunächst alle noch im Bereich der Bebauung, meist Ferienhäuser, liegen. Erst etwas weiter draußen, kurz nach einem Hinweisschild auf einen Campingplatz finden wir ein schönes Plätzchen. Links der Straße können wir das Wohnmobil parken, rechts an einem flachen Kiesstrand, der sogar mit Duschen ausgestattet ist, baden.

Nach einem ausgiebigen Bad im Golf von Korinth und dem Abendessen werden die Kinder in ihre Etagenbetten verfrachtet, denn morgen müssen wir alle früh heraus.

Ich wache in der Nacht einmal auf und beobachte aus dem Alkofenfenster heraus, wie eine Gruppe mit 2 Wohnmobilen und einem Wohnwagen ankommt und sich direkt auf dem Strand zum Übernachten einrichtet.

Als der Wecker zu ungewohnt früher Stunde läutet, klettere ich aus dem Alkoven und fahre so vorsichtig wie möglich, um die Kinder noch nicht zu wecken, zum Bahnhof. Beim Wenden stelle ich fest, dass die Gruppe, die heute Nacht gleich den ganzen Strand hier belegt hat, aus Österreich kommt. Am Bahnhof ist "unser" Parkplatz beim Kiefernwäldchen sogar noch frei.

Von Brigitte, die unsere Homepage besucht hat, haben wir den Tipp bekommen, dass es beim Bäcker am Bahnhof ausgezeichnetes Brot gäbe. Ich mache mich auf dem Weg und komme wohl etwas früh. Der Laden ist zwar offen, aber der Bäcker scheint nicht auf Kunden eingestellt zu sein, die schon vor 7:00 Uhr Brot von ihm wollen. Etwas mürrisch werde ich bedient. Aber Hauptsache wir haben frisches Brot zum Frühstück, das wirklich hervorragend schmeckt.

Um 10 vor 8 stehen wir am Bahnhof und sehen zu, wie sich unser Zug dem Bahnsteig nähert. Die Lokomotive ist zwischen 2 Waggons gespannt, die kaum die Größe einer Straßenbahn erreichen. Wir nehmen unsere numerierten Plätze ganz vorne ein. Da können wir dem Lokführer bei der Arbeit zusehen und nach vorne und seitlich hinaus schauen. Das verspricht eine interessante Fahrt zu werden, auch deshalb, da ich als ehemaliger Eisenbahner mit Lokführer-Ausbildung doch noch ein besonderes Interesse für diese Schmalspurbahn verspüre. Ich muß an die eigenen Bahnreisen nach England, Schottland und Irland oder nach Skandinavien, in die Schweiz und nach Italien denken und natürlich an die Fahrt mit dem Glacier-Express nach Zermatt.

Wenn sich der Zug in Bewegung setzt, fragt man sich erst einmal, wie die ganze Strecke ins Gebirge zu schaffen sein sollte. Die Lokomotive hat auf der Ebene schon Mühe, den Zug zu beschleunigen und die Waggons wackeln in den Gleisen, dass man meinen möchte, bei der nächsten Kurve fliegen wir von den Schienen. Aber es geht und schnell ist die Vouraikos-Schlucht erreicht, in der die Gleise an den steilen Wänden entlang, teilweise auch durch Tunnels verlaufen. Auch die Kinder sind begeistert von der Zugfahrt. Beeindruckt von der großartigen Landschaft erreichen wir Kalavrita. Wir sind schon gespannt darauf, wie sich die Griechen uns gegenüber, die wir leicht als deutsche Touristen zu erkennen sind, verhalten. Aber wir werden in einer Taverne freundlich bedient und als ein elektrisches Spielgerät, auf das sich Konstantin setzen möchte, nicht funktioniert, wird gleich geholfen.

 

Bei der Rückfahrt sitzen wir wieder vorne und können so wieder nach allen Seiten fotografieren.

Als wir in Diakofto aussteigen, sind die Kinder etwas enttäuscht, dass die Fahrt nicht länger gedauert hat, aber wir haben diesen Ausflug alle genossen. Bevor wir weiter fahren, kaufen wir in der Bäckerei beim Bahnhof nochmals Brot. Diesmal ist die ganze Bäcker-Familie versammelt und alle sind gut gelaunt, allen voran der Bäcker selbst, der den Kindern Süßigkeiten schenkt.

In einer Taverne hole ich noch offenen Wein und dann machen wir uns wieder auf den Weg zur letzten Station unserer Griechenland-Tour. Wir wollen die restlichen Urlaubstage noch auf einem Campingplatz auf der Halbinsel Killini verbringen, um zu faulenzen und zu baden. Und endlich möchte ich das Surfbrett vom Dach holen und bei hoffentlich gutem Wind ausgiebig surfen.

 


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