Wir singen in vielen Liedern, besonders im Lobpreis: "Jesus ich liebe dich". Auch in Gebeten kommt ein solcher Satz oft vor. Dieser Satz hat mir echte Probleme gemacht. Wenn ich ehrlich in mich hineinsehe, ist da kein Liebesgefühl für Jesus. Kein Gefühl, wie ich es für meine Frau habe oder für meine Kinder. Auch für euch habe ich ein Liebesgefühl, anders als für meine Familie. Aber für Jesus kann ich das nicht behaupten.
Das liegt sicher daran, daß die Beziehung zu Jesus anders ist als zu Menschen:
Alle sagen und singen, sie lieben Jesus. Nur ich kann das nicht ehrlichen Gewissens sagen. Das hat mir ziemliche Glaubenskonflikte verursacht. Ich habe dann gedacht: Das sind halt schwärmerische Lieder. Für mich als ziemlich nüchtern, nicht so gefühlsbetonten Menschen muß das ja nicht unbedingt gelten.
Aber Gott hat mich über Bibelstellen stolpern lassen, die mir meine selbst gemachte
Beruhigung genommen haben:
5. Mose 10,12: Und nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, von dir als nur, den
HERRN, deinen Gott, zu fürchten, auf allen seinen Wegen zu gehen und ihn zu
lieben
5.Mose 30,15: Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse, indem ich dir heute gebiete, den HERRN, deinen Gott, zu lieben
Und das bekannte Urbekenntnis Israels (Schma Israel)
5.Mose 6,4-5: Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein! Und du
sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele
und mit deiner ganzen Kraft.
Ich hätte gerne versucht, diese Stellen beiseite zu schieben. Sie sind ja altes
Testament. Und mit Jesus ist vieles anders geworden. Aber fatalerweise zitiert Jesus genau
diese Stelle, als er nach dem höchsten Gebot gefragt wird:
Mat 22,37: Er aber sprach zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem
ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.
Es führt also kein Weg um mein Problem herum! Die Liebe zu Gott und zu Jesus ist keine fromme Schwärmerei, kein Wunsch aus uns heraus. Dieses Liebe ist uns verordnet von Gott selbst. Und Jesus nennt das auch noch das höchste Gebot!
Ich habe über diesem Problem immer wieder gebetet. Und da bekam ich andere
Bibelstellen in den Blick:
1.Joh 4,19: Wir lieben, weil er uns zuerstgeliebt
hat.
1.Joh 4,7-10: Geliebte, laßt uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.
Das sind wirklich wunderbare Worte: Die Liebe geht nicht von uns aus, sondern von Gott!
Weil er uns zuerst geliebt hat, seine Liebe in uns gegeben hat, sind wir überhaupt
fähig, ihn zu lieben. Es liegt nicht an unserem Wollen oder an
unseren Gefühlen. Und Gottes Liebe ist nicht einfach ein Gefühl.
Er offenbart sie in Taten. Er hat seinen Sohn in die Welt geschickt, um für unsere
Sünden zu sterben. Und Jesus hat diesen Tod auf sich genommen. Das ist der
größte Liebesbeweis überhaupt:
Joh 15,13: Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben
hingibt für seine Freunde.
Wir hätten den Tod verdient. Aber unser Freund Jesus starb am Kreuz für uns. Er gab sein Leben für uns. Um unsere Sünden zu tilgen.
Jesus gibt uns also einen riesigen Vorschuß an Liebe. Und wir dürfen wissen, daß die Liebe von ihm ausgeht, nicht von uns. Diese Erkenntnis hat die Spannung von meinem Problem genommen. Ich mußte nicht mehr verkrampft auf mich starren.
Das eigentliche Problem ist aber noch nicht gelöst! Was versteht die Bibel unter "Liebe zu Gott?". Wie äußert sich diese Liebe? Das Problem hat mich weiter bedrängt. Und Gott hat mich wirklich über Bibelstellen stolpern lassen. Einfach so, als ich nicht wußte, was ich in der Bibel lesen sollte und sie willkürlich irgendwo aufgeschlagen habe.
2.Joh 6: Und dies ist die Liebe, daß wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr es von Anfang an gehört habt, daß ihr darin wandeln sollt.
1.Joh 5,1-3: Hieran erkennen wir, daß wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote befolgen. Denn dies ist die Liebe Gottes, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.
Das ist genau die Antwort, die ich gebraucht habe. Da steht nichts von Gefühlen. Da steht ganz klar: Die Liebe besteht darin, daß wir seine Gebote halten. Und ich hätte diese Erkenntnis viel früher haben können, wenn ich nicht an meinem Problem selbst festgesteckt hätte. Die Stelle, die ich am Anfang vorgelesen habe, hätte auch die Lösung gebracht im nächsten Vers. Ich hätte nur weiterlesen müssen:
5.Mose 10,12-13: Und nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, von dir als nur, den HERRN, deinen Gott, zu fürchten, auf allen seinen Wegen zu gehen und ihn zu lieben und dem HERRN, deinem Gott, zu dienen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des HERRN und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, hältst, dir zum Guten!
Wenn man dann gezielt auf die Suche geht, findet man noch mehr Stellen, bei denen die
Liebe zu Gott verknüpft ist mit dem Halten seiner Gebote, z.B.
2.Mose 20,6: der aber Gnade erweist an Tausenden von Generationen von denen, die mich
lieben und meine Gebote halten.
Joh 14,15: Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.
Ich glaube, daß es einigen so geht wie mir. Sie haben Schwierigkeiten, zu Jesus, den wir nicht mit unseren Sinnen wahrnehmen können, eine Liebesbeziehung im menschlichen Sinn aufzubauen. Und Gott weis das. Er fordert keine Gefühle wie wir sie für Menschen haben. Es ist sicher gut, wenn man so fühlen kann, aber es muß nicht sein.
Joh 14,23: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er
mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung
bei ihm machen.
Eltern erwarten von ihren Kindern, daß sie gehorsam sind. Nicht anders ist es
bei unserem himmlischen Vater. Er erwartet von seine Kindern Gehorsam und das Halten seines
Wortes. Und das ist kein Zwang. Sondern Gott knüpft daran wieder große
Versprechen:
Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm
machen.
Unseren Kindern bringen viele ein Gebet bei, in dem eine Zeile lautet: "Soll niemand drin wohnen als Jesus allein." Auch Erwachsene müssen wissen, daß der Herr bei ihnen wohnen will. Er wird aber nur bei denen wohnen, die ihn lieben und sich an sein Wort halten.
Was haben wir für einen Gott, der in seinem Handeln alle menschlichen Verhaltens- und Denkweisen weit übertrifft:
Johannes faßt das im Kapitel 15 noch einmal zusammen:
Joh 15,9-14: Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt; bleibt in
meiner Liebe. Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich
die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich zu euch
geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde. Dies ist mein
Gebot, daß ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat
niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine
Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
Jesus ist unser wahrlich unser Freund!