Hando's Requiem

Vorwort: Original von Tiell

Übersetzung:
Übersetzung?? Nein, eingedeutscht von BVC und ein klein bißchen von mir. Man verzeihe uns die vielleicht ungewohnt freie Übertragung der Geschichte ins Deutsche, denn es sind nicht nur der Text, sondern auch Analoge eingedeutscht worden, natürlich ausschließlich zum Besseren Verständnis ;)
Sigi

Wie die meisten wissen, wenigstens die, die den Film Romper Stomper gesehen haben, ist Hando tot. Der Neo-Nazi, dieser sexistisch-egoistisch-verlogen-scheinheilig-fanatische Skinhead, hat sein miserables und ungestümes Leben auf dem Strand ausgehaucht, an den er zu entkommen suchte. Es war sein bester Freund, der nicht imstande war, den größeren stärkeren Alphamann Mann gegen Mann zu besiegen, der ihn buchstäblich in den Rücken bohrte, über der Frau. Und er wurde getötet von der miesen Ausgabe eines Nazimessers, bei dessen Kauf ihm sein Freund geholfen hatte. Es war nicht seine ideale Sterbeszene.

Armer Hando, stand er doch dort und schaute auf sich hinunter, wie er am sandigen Ufer lag und das Kielwasser der Wellen Streifen von Blut aus seiner durchtrennten Arterie zog.  ‚Das haut dem Fass den Boden raus’ sagte er zu sich in einer Stimme voller Glocken und Geläut. Er war in Trance - die beruhigende Intoxikation des Todes. Die Szene schmolz in eine andere; Wolken rundherum, helles, klares, reines Licht, Mengen von Marmor und Gold. Eine flache Treppe führte nach oben. Er wusste nicht wo er war, aber wo immer es war, er fühlte sich dabei wirklich gut.  Nach gut zwanzig Jahre des Kletterns trugen ihn seine Beine endlich vor einen enormen Podest, Petrus schrieb Anmerkungen in ein sehr großes Buch. Er schaute herab auf Handos sanft lächelndes Gesicht.

„Mist, was machst du denn hier?“

Hando antwortete nicht, er war zu beschäftigt sich nach all den Engeln umzuschauen, die untätig herum saßen. Er war sehr ruhig.

„Du bist Hando? Hmm, ich glaube du hast die falsche Richtung benutzt.“

„..ok.“ flötete Hando wie die Sanftmut selbst.

Petrus blickte ihn finster an und winkte einen der Engel herüber. Bruder Joël näherte sich mit erkennbarem Mangel an Begeisterung. Er spähte über Petrus’ Schulter auf eine Seite des Buches, einem wirklich großen, wirklich riesigen Buch. Sie schauten sich an und nickten einvernehmlich, für Bruder Joël war das schon beinahe zuviel Bewegung.

„Würden Sie so freundlich sein, ihn direkt dorthin zu bringen, Bruder Joël?“ 

"Ick werde es doon Vader, denn ick hab sowieso nicks Besseres vor." Er drehte sich traurig um  und nahm Hando an die Hand wie ein verlorenes Kind, "...kumm mit mir Lütter, die Ewigkeit erwartet dich." Sie glitten drei Jahre lang über die Wolkenlandschaft, bis sie zu einem Aufzug kamen; beim Eintreten betätigte Bruder Joël die einzige Taste: Einfach ein Pfeil, der nach unten zeigte und den Buchstaben H trug. Der Aufzug sank mit großer Geschwindigkeit  für die nächsten vier Monate; als er endlich stoppte und sich öffnete, gab er den Blick frei in eine Höhle, die sehr kunstvoll mit Stalaktiten und Stalagmiten verziert war. Es gab eine Rolltreppe, die nur in eine Richtung ging: nach unten. Bruder Joël eskortierte Hando mit ausruckslosem Gesicht  während der sechs-Jahres-Reise  hinunter in den flüssigen Mittelkern des Planeten. Während sie tiefer und tiefer in das Erdinnere glitten, verging langsam der Opiumeffekt des Totseiens, und Hando fing  nach und nach an seine Sinne wiederzugewinnen. Endlich: Die Pforten der Hölle.

"Ah, Bruder Joël," grüßte sie ein kleiner, unbedeutender Dämon, "warst du nicht erst kürzlich hier?"

"Ja," antwortete der in einer monotonen Stimme.

"Es ist so nett, dich wieder zu sehen."

„Ja, ick kunn mich vor Weddersehensfreid kaum op den Beenen halten“ lächelte Bruder Joël sarkastisch. 

Fess betrachtete Hando, "ich sehe du hast jemanden ohne Umschweife runter gebracht."

"Das sieht auch ein Blinder mit `nem Krückstock," sagte Hando und bekam plötzlich einen Schlag auf den Hinterkopf.

"Kümmer dich um dien egenen Kram, du Bastard, ähem, ick mene meen Lütter," sagte Bruder Joël  in einer freundlichen, liebevollen Stimme. Er übergab Hando grob an Fess, den Dämonen.  "Kümmer dich goht um ihn, er verdeent es." Engel sind in der Lage überaus gehässig zu grinsen, wenn sie nicht zu Hause sind.

"Wir haben ihn erwartet." Fess lächelte durch kleine spitze Zähne, der Klang verdammter Seelen, die fortdauernd Schmerz und Leiden in der Ewigkeit zu erdulden hatten, bildete ein beständiges Summen im Hintergrund. Die Bediensteten der zwei großen Kahunas *1) sich zueinander in traditioneller Weise. Der unbedeutende Dämon führte Hando durch Tunnelsysteme und durch eine perfekte, normale Tür: Eine Bürotür.

"Da wir deine Seele nicht als Bezahlung haben, bekommst du eine Chance zurück zu gehen und ein weiteres Leben zu leben, " sagte Fess, als würde er eine Versicherung verkaufen wollen.

"Ich mochte mein Leben schon das erste Mal nicht, warum sollte ich es wiederholen," fürchtete Hando und dachte an die kurze Zeit, die er in der Grundschule verbracht hatte.

"Oh, es ist nicht das gleiche Leben. Es ist eine andere Zeit vermischt  mit veränderten Merkmalen. Du wirst nicht die gleiche Person sein." Fess übergab ihm einen speziellen Höllen-Pass und schob ihn durch die Tür.

 

Eigentlich hätte Hando an dieser Stelle wiedergeboren werden und ein anderes Leben führen sollen, wahrscheinlich wäre er am Ende gar in den Himmel gekommen; aber er geriet in einen handfesten Streit mit dem Schwarzen Mann, zeigte bei der Passkontrolle dem falschen Beamten seinen Höllenausweis und wurde ins verkehrte Leben geschickt. Er landete in einer futuristischen Welt, in der er als Zwangsfreiwilliger für Experimente in der virtuellen Realität herhalten musste. Er arbeitete mit einem bösen Computerprogramm an nuklearen Waffen, Anschlagsplänen und all solch netten Sachen zusammen. (See Blue Universe Chapter 2 Part 1von Tiell)  Er lebte nicht all zu lange und hatte recht bald wieder seinen Auftritt im Jenseits, diesmal gleich an der richtigen Tür: Den Pforten zur Hölle. Fess erwartete ihn bereits.

„Nun ja, der Schuss ging ja wohl nach hinten los,“ stellte er fest.

„Das hat Spaß gemacht, ich habe wirklich angefangen, diesen SID zu mögen.“

„Nun ja... du hattest nur eine Chance und die hast du kräftig vergeigt.“

„Sie hat mich beschissen,“ er hatte verätzte Streifen auf der Brust, die langsam heilten.

„Das ist mir egal, jetzt musst du hier bleiben.“

„Ich erinnere mich nicht daran, dass ich irgendjemandem hier meine Seele verkauft hätte.“

„Hast du auch nicht, aber der Himmel will dich nicht.“

„Wo ist meine Seele abgeblieben?“

„Sie hat sich aufgelöst und ist im Raum-Zeit-Kontinuum verpufft, sie ist jetzt Bestandteil von alles und jedem, gehört zum Kleingedruckten im großen Kochbuch der Evolution von Rumpelstielz von Troll.“

„Ok, wie auch immer,“ Hando war ganz knapp davor sich zu langweilen.

„Du wirst nie wieder die Sonne erblicken, du Mensch!“

„Das trifft sich, ich habe sowieso noch nie viel von der Sonne gehalten,“ Hando musste etwas überlegen, um eine gewitzte Antwort zu finden, „Dieses angepisste wütende Auge Gottes.“

„Ich sag’ dir was: Gott ist wichtig für das Gleichgewicht der Kräfte im Universum.“

Hando gähnte gelangweilt und schaute sich um.

Fess war beleidigt. Er brachte Hando durch weitere Höhlen und lange Gänge, die sich in ein Bürogebäude verwandelten, durch eine weitere Tür, die vor opulenter barocker Verzierung nur so strotzte. Dahinter kam ein Vorzimmer zum Vorschein, in dem eine Harpyie als Sekretärin saß, die Verbrecher-Reporte tippte und die Bunte und Gala nach möglichen neuen Klienten durchforstete.

Die Harpyie wies Hando an, Platz zu nehmen. „Seine Hoheit wird dich gleich empfangen.“ Sie warf ihm einen Lebensvorrat an Segelmagazinen zu, mit denen er sich die Zeit vertreiben sollte, im Hintergrund jodelten sanft die Wildecker Herzbuben.

 

-         Zwei Jahre später –

„Er wird dich jetzt empfangen.“

„Das nennst du ‚gleich empfangen??’“ Hando hatte in den vergangenen zwei Jahren genügend Zeit, um seine Wut zu pflegen, vor allem mit dem sanften Dauer-Gejodel im Hintergrund. „Unten bei ihm war das nur der Hauch einer Sekunde,“ lächelte sie, verzog aber gleich gelangweilt das Gesicht und wandte sich wieder ihren Zeitschriften zu, um den nächsten zahlenden Kunden zu finden.

Hando stampfte wutentbrannt in das Büro des Herrn Über Alles Korrumpierbare, der gerade mit jemandem über Sein Handy telefonierte. Hando dachte, Er sah dem Anwalt ungewöhnlich ähnlich, der ihn vor Jahren in dem Vergewaltigungsprozess in Melbourne vertrat, bei dem er mit heiler Haut davon gekommen war. Hinter Ihm stand ein anderer Dämon, eine blasierte kleine Kreatur mit Namen Schwarzzahn.

Satan bedankte sich bei Mr. Microsoft, aber nicht ohne diesen zu erinnern, dass zum nächsten Quartal mal wieder Zahlungen fällig würden. Er klappte Sein Handy zu und schaute kurz auf Seine Uhr. „Hmm, Hando. Wir haben dich erwartet.“ Er schaute nochmals durch seine Papiere, „Du bist spät dran.“

„Als wenn mich das kümmern würde,“ antwortete Hando in kalter Wut.

„Du machst den Eindruck einer wirklich gut-fiesen Person, zu blöd nur, dass deine Seele an die Evolution verschwendet werden musste.“

„Fick dich ins Knie.“ Hando verschränkte seine Arme und baute sich vor dem Schreibtisch auf.

Satan schaute zu seinem Dämonendiener: „Schwarzzahn, bitte geleite... nein, das wäre zu einfach...,“ Schwarzzahn grinste durch seine wenigen Zähne. „Schnapp ihn dir beim Genick, schleife ihn durch die Kammer des Glases und wirf ihn, nicht all zu sanft, in das Reibeisenloch zu all den anderen netten Faschisten.“

Schwarzzahn knallte mit einer Peitsche in Handos Richtung, griff ihn am Hals und schüttelte ihn kräftig, um sich seiner Aufmerksamkeit sicher zu sein. Er schliff ihn zu den Schwefel-Löchern über den landschaftlich reizvollen Umweg durch die Kammer des Glases.

Hando hatte erst noch versucht, gegen den Dämon anzukommen, konnte aber nicht gegen den starken, riesigen und hässlichen Dämon die Oberhand gewinnen. Dieser hatte auch viele Gesichter überall auf seinem Körper; eines auf jeder Schulter, an beiden Ellbogen, an den Knien, am Hinterkopf und am Hinterteil. Keines von ihnen sah fröhlich aus – Hando wurde von einem Ellbogen und einem Knie mehrmals gebissen. Ehe er sich versah, bekam er einen stahlkappenbewährten Tritt in seinen Hintern und flog kopfüber in einen blubbernden Kessel aus geschmolzenem Gestein und brennendem Schwefel. Andere Körper schrieen und schmolzen in dem Höllenfeuer, Schreie unglaublicher Schmerzen und unglaublicher Folter.

Einige Tage später hatte Schwarzzahn mit seinem Boss über ein kleines Problem zu reden.

Verwirrt fragte Satan: „Was hast du, Zahn?“

„Äh... die letzte Zutat im Topf der Faschisten...“

„Hando? Was ist los mit ihm, leidet er gut?“

„Nun ja, nicht wirklich.“

„Wie bitte?!“

„Er scheint das alles eher zu genießen.“

„Dann bringe ihn woanders hin, mache etwas, was ihn wirklich quält.“

„Sehr wohl, Eure Hoheit.“ Schwarzzahn verneigte sich höflich und zog sich aus dem Büro zurück. Er lief durch die Korridore und grübelte, was er mit Hando anstellen könnte. Ein Sukkubus *2) tauchte hinter ihm auf und sprang auf seinen Rücken, versuchte, in eine seiner Nasen zu beißen.

„Verdammt noch mal Weib, nicht jetzt!“ er schubste sie von sich. „Siehst du nicht, dass ich nachdenke?“

„Tuat ma leid Spatzerl, i vergiss immer das zwoa Sachan zu schwar für di san.....!“ Sie liefen ein Stück gemeinsam, sie schmiegte sich an ihn. „Gehma gschwind ind Besenkammer a Nummer schiabn?“

„Nein, ich bin im Dienst.“

„Oh, snoochy moochie poo...“ Sie ließ den Mund der einen Schulter an ihrem Finger nuckeln, der Mund auf dem rechten Knie war hinter eine andere Stelle her. An wos denkst´n Zanderl?“ fragte sie nach einigen Minuten, in denen er sie vollkommen ignoriert hatte.

„Ich muss eine Folter finden für diesen australischen Faschisten, Feuer und Schwefel wirken nicht.“

„Wie war´s mit na Insel? So ganz aloa... Des wirkt eigentlich immer...“

„Hmmm...“ er rubbelte in Gedanken sein Kinn, „Ich denke, das könnte nicht schaden es wenigstens zu versuchen.“

„Schodn tuat´s net Spatzerl. Dir foat scho wos ei, wia immer.“ Die Dämonen knutschten wie wild, seine Knie schlabberten an ihren Schenkeln. Der Anblick war nicht unbedingt sehenswert.

Hando saß in dem Schwefelbad wie in einem Whirlpool, ganz im Gegensatz zu allen anderen. Er lehnte sich gegen den Rand und legte seine Beine auf den Rand, verschränkte seine Arme hinter dem Kopf; während alle anderen ringsum in Schmerzen schrieen. Schwarzzahn stolzierte herein und knallte wieder mit seiner Peitsche.

Er zeigte mit einem klauenbewährten Finger auf Hando: „Du, stinkendendes Menschlein, wirst jetzt wirklich leiden für diese Unverschämtheit!“

„Wenn es genau so ist wie das hier, immer wieder gerne.“ Hando bespritzte den Dämon mit geschmolzenem Schwefel und lachte, und gelacht hatte er schon als Mensch nur äußerst selten.

Schwarzzahn war persönlich beleidigt, weil Hando nicht wirklich leiden wollte. Er nuschelte einige falsch betonte Worte, wedelte mit seinen Händen und Hando verschwand ins Nichts. Er wurde auf einer kleinen, unbewohnten Insel inmitten eines Ozeans wieder sichtbar. Es gab nichts, absolut nichts, wohin man auch blickte – sieht man mal von einem Fernseher ab.

Und von einer Fernbedienung.

Hando konnte keinerlei Folter in diesem Szenario entdecken - typisch Mann eben. „Ist das das Beste, was du drauf hast?“ rief er, und schüttelte die geballte Faust – ein weiteres Cliché für ihn. „Du dämliches Teufelchen, ich kann doch einfach davonschwimmen. Wenn du glaubst, das sei Leiden – das ist das Paradies für mich. Ähhhh...  Ich werde ganz herrlich braun werden hier am Strand!“ Er hatte sich das mit dem Schwimmen schnell anders überlegt, als er die Rückenflosse eines Haies sah. „Das ist doch wohl nur ein Scherz?“

Also würde es nichts anderes geben als fern zu sehen. Wahrscheinlich Wiederholungen wieder und wieder. Er griff zur Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein, es lief ein Werbespot, vögelnde Japaner, Bier trinkende Japaner, Barbecue essende Japaner. Er schaltete zum nächsten Kanal – das gleiche Programm. Auf dem nächsten Sender – wieder das gleiche. Zwölf Sender mit exakt dem gleichen Programm.

„NNEEEIIIIIINNNNN!!!!“ Er konnte es nicht wieder abstellen, der Knopf zum ausschalten war von der Fernbedienung verschwunden, der Fernseher stand auf einem langen Pfahl, weit außerhalb seiner Reichweite. Es gab keine Bäume, und die Insel war nicht mal vier Meter breit. Er warf mit der Fernbedienung, die natürlich zerbrach, was den Ton auf die höchste Lautstärke brachte. Er konnte es nun nicht mehr ausstellen, die Lautstärke verringern oder weglaufen. Er ertrug es für einige Stunden, dann versuchte er seinen Kopf im Sand zu vergraben – Sex, Bier, Barbecue, Sex, Bier Barbecue. Während er versuchte, mit angehaltenem Atem ein Loch zu graben, das groß genug für ihn war, spülte das Meer plötzlich eine billige kleine Zeitschrift an den Strand. Aha, etwas, um sich vom Fernseher abzulenken. Er öffnete die vom Wasser verklebten Seiten: Günther Jauch und seine SKL-Werbung. Nächste Seite, gleiche Anzeige. Nächste Seite, gleiche Anzeige. „AAAAAAHHHHHHHHHHHHH!!!“ Er warf das Heft mit kühnem Schwung zurück ins Meer, trampelte und stampfte durch den Sand.

Schwarzzahn hatte einiges zu lachen während er Hando beobachtete, aber das Lachen verging ihm schnell, denn ungefähr eine Stunde später, kurz vor seinem Dienstschluss, platschte ihm zu Füßen ein riesiger Hai an den Strand und rülpste einen nassen Hando hervor.

„Du bist der ängstlichste Dämon, der mir je begegnet ist,“ meinte Hando, als er sich von den Resten der Haikotze befreite. „Ich hatte schon Blähungen, die gefährlicher waren als du. Das war keine Folter, nur Zeitverschwendung.“

Schwarzzahn war am Ende mit seinem Latein. „In Ordnung,“ meinte er. „Boppel!“ rief er und ein weiteres, rangniederes Dämönchen kam herangetrottet.

„Joo, mai Herr,“ zischte es.

„Boppel, bringe diesen Menschen zum Ausweide- Platz und bereite ihn vor.“

„Mid Vergnüge, Meischder.“ Boppel führte Hando davon. Schwarzzahn war sehr, sehr wütend über diesem Menschen, er ging zu seinem ganz besonderen privaten Spind und holte ein paar ganz besondere Instrumente hervor. Er ging zum Ausweide- Platz, wo Boppel Hando schon auf den Richtblock geschnallt hatte.

„Jetzt, du schwaches Menschchen, wirst du endlich leiden!“ Schwarzzahns Brüllen schallte durch die Welt.

„Nun fange schon endlich an!“ sagte Hando mit kalter Arroganz.

„Du bist eine unglaubliche Großschnauze, was?“

„Lieber das als ein Vollidiot.“

Schwarzzahn schlitzte Handos Körper vom Kinn bis zu den Kronjuwelen auf und zog lange Gedärmschnüre aus dem Bauch. Hando begann hysterisch zu lachen.

Ahhh PPft#GRU *ooipu&ti yarttar flak sdure!! Das kitzelt!! Hör auf!! Hahahahaaa“

Zahn sank in sich zusammen. „Boppel!“

Boppel kam aus einer Ecke gehoppelt: „Joo, Meischder.“

„Wir müssen was anderes probieren.“

„Was schlägsch vor?“

„Versuche zuerst Ewige Qual Nummer Neun, Nummer Fünfzehn und dann Nummer Sechsundvierzig.“ Schwarzzahn nickte in Gedanken versunken. Eine Qual würde schon funktionieren. Seine acht Gesichter grinsten selbstzufrieden.

„Mir werde des alls mid ihm mache, Meischder“ Boppel schlurfte davon und zog den ausgenommenen Körper an einem der Beine hinter sich her. Hando stopfte seine Innereien wieder in seinen Bauch, so dass sie alle wieder hineinpassten. Boppel warf ihn in EO#9, einem Bottich aus Nasenschleim und riesigen Blutegeln. Das tangierte Hando nicht im Geringsten; um ehrlich zu sein trieb er die Blutegel zusammen und ließ sie den ganzen Schleim auffressen. Boppel spülte ihn hinunter in Ebola- Schweinetröge, EQ#15. Nix. Hando verwandelte den Schweinemist in Schokolade und Ebola in einen leichten Hautausschlag, der durch zu viel Schokolade ausgelöst wurde. Boppel versuchte noch EQ# 29, 30, 31, 38, 40, 43 und 44 nur für den Fall das, sozusagen, aber auch die funktionierten nicht. Dann begann er wie befohlen mit Nummer 46. Hando wurde auf eine Streckbank gepackt; sein Kopf, Arme und Beine wurden so eng eingespannt, wie die Schraubzwingen es erlaubten. Boppel schlängelte sich hinüber zu Hando. „Des gehörd z den Liablinge vom Meischder.“ Er drückte auf einen kleinen roten Knopf, auf dem ein Schild fragte ‚Wirklich sicher?!’ Er drehte sich um und sagte mit einem unfreundlichen Lächeln: „Oin schöne Tag noch.“

Recht dämlich aus der Wäsche guckend, saß Hando, in die Streckbank gespannt, für eine nicht nachvollziehbare Zeit, bis er endlich erfuhr, was ihn erwartete. Eine Ungewissheit, die sich in eine Wut verwandelte, die sich in einer Atomexplosion zu entladen drohte. Das Drücken des Knopfes infizierte Hando mit gleichzeitigen, teuflisch unterschiedlichen Krankheiten: Ein Fußpilz, den man nur bei Sportlern findet, Windpocken, Hemmohriden und einem juckenden Ausschlag am Schniedel. Dieser schaffte es dann, Hando zum Schreien zu bringen. Allerdings nur für etwa vierunddreißig Sekunden, denn dann klatschte eine warme Apfeltorte in sein Gesicht. Diesmal entfuhr Hando ein sehr schlimmes Wort; etwa dreißig Sekunden später folgte der nächste Kuchen, dann der Dritte.

Nachdem man Hando für etwa zwei Monate auf diese Art gequält hatte, ging Boppel zu Schwarzzahn, um mit ihm über ein Problem zu reden. Zusammen gingen sie zu diesem Problem; sie gingen, um Hando in der Ewigen Qual Nummer 46 zu besuchen.

„S schoid nix z funkzioniere, Meischder.“

„Ja, das sehe ich.“ Schwarzzahn schaute mit Abscheu auf den Skinhead. Hando war ein gespaltener Schwanz gewachsen, mit dem er sich ständig überall kratzen konnte. Er leckte sein Gesicht mit einer langen Schlangenzunge – er sah definitiv nicht hungrig aus.

„Was ist deine Entschuldigung, Mensch?“ brüllte Zahn durch seine verrotteten Zähne.

„Gott verdamme deinen Arsch!“ kläffte Hando zurück. Ein Blitz aus heiterem Himmel traf Schwarzzahn in den Allerwertesten. Nun musste Schwarzzahn zu Satan, um über sein Problem zu berichten.

„Was willst du diesmal, Zahn?“ fragte Satan, ohne von seinen Papieren aufzublicken.

„Nun ja, wir haben diesen Hando-Typen allen möglichen Qualen ausgesetzt, aber nichts hat geklappt; und wenn es wirkt, dann nur für kurze Zeit und dann fängt er an zu lachen und es funktioniert nicht mehr.“

„Und was willst du nun genau?“ Er hörte Schwarzahn nur mit einem halben Ohr zu.

„Ich glaube nicht, dass er überhaupt zu foltern ist, Eure Hoheit.“

 

Satan hob langsam den Kopf. „Was sagst du da?“ Plötzlich war er ganz Ohr.

„Ähhm,“ Zahn wurde nervös. „Nun, wir haben ihn durch jede auf ihn passende Folter geschickt. Nichts hat ihn wirklich stören können.“

„Wirklich?“

„Ja, Allmächtiger. Ich bin am Ende mit meinem Latein. Ich weiß nicht, wo ich ihn für die Ewigkeit hin stecken soll.“

„Du bist also ratlos.“

„Ja, und wenn ich ganz offen sprechen darf, ich will nicht mehr mit ihm zu tun haben.“

„Und warum das, bitte?“

„Mein Hintern benötigte keine Schönheitsoperation.“ Schwarzzahn, entmutigt und beleidigt, drehte sich um. Wo eigentlich eines seiner hässlichen, bösen Gesichter hätte prangen sollen, das an seinem verlängerten Rücken nämlich, grinste nun ein quietschbuntes Smiliegesicht. Ein furzendes Smilie.

Satan wollte eigentlich laut lachen, aber er merkte, das seine kleine Dämonendrohne schon zur Genüge eingeschüchtert worden war. „Bringe mich zu diesem Menschen, Zahn. Ich werde ihm schon Manieren beibringen, ich werde ihm zeigen, was wirkliche Qualen sind.“ Zahn ging voraus, geleitete seinen Allmächtigen Obersten Bösen Teufel-König durch das johlende Publikum; Satan schrieb Autogramme und winkte der wartenden Presse zu – man darf nicht vergessen, dass er derjenige war, der das Geld erfunden hatte. Dann kamen sie zur Ewigen Qual Nummer 46 und zu Hando.

„Jetzt bekommst du wirklich Probleme, du niedere Kreatur,“ sagte Schwarzzahn.

„Ruhe jetzt,“ fauchte Satan. Er glitt hinüber und schaute Hando genau an.

„Ich glaube, ich habe dich nicht genau genug unter die Lupe genommen, als du neulich in meinem Büro warst.“ Er nahm Handos Kopf in seine großen roten Hände und schaute in seine Ohren, seine Nase, pflückte die Augen heraus und schaute tief in die leeren Höhlen. Er stopfte die Augen zurück und inspizierte den Mund. Er machte nur eine kurze Bemerkung: „Hmm, interessant!“

„Was haben sie entdeckt, Eure Hoheit?“

„Dieser Mensch ist so unendlich korrupt und so überaus von sich selbst eingenommen; schau doch nur: ein Hakenkreuz mit einem normalen Kreuz verwoben. Natürlich kann man den nicht quälen, du Idiot.“

„Vergib mir, Hoheit.“

„Darauf hättest du mich gleich hinweisen sollen.“

„Entschuldige, ich habe das nicht gewusst.“

„Nun, jetzt weißt du es. Du hast mich für nichts und wieder nichts gestört.“

„Vergib mir, mein Meister.“ Schwarzzahn fiel auf seine Knie und zerdrückte seine zwei Gesichter dort, sein großes auf der Vorderseite des Kopfes drückte er in den Sand. Das quietschbunte Smilie auf seiner Rückseite rülpste, weil er in dieser Haltung nicht wirkliche Kontrolle über seinen Schließmuskel hatte.

„Hör auf, du Einfallspinsel. Steh’ auf und mach’ dich wieder an die Arbeit.“

„Danke, oh Allmächtiger...“

„Ja, ja, ja, verschwinde, bevor ich es mir anders überlege.“ Schwarzzahn verschwand in die Schatten, um andere verlorene Seelen zu quälen. „Boppel!“ Satan rief nach seinem anderen kleinen Lakaien. „Ah, da steckst du. Schnapp’ dir Hando und bringe ihn in die Genick-Kammer. Bereite ihn vor.“

„Ja, oh Großr Scheißlichr König.”
Ahhhh... endlich ließ das Jucken nach, Hando wurde von der Streckbank genommen und wieder durch viele riesige Räume und Korridore zur Kammer des Genickes geführt. Überall ringsherum schrieen die Seelen, die Echos hallten durch die Höhlen.

Boppel schaute recht selbstzufrieden aus der Wäsche. „Dr Großmeischdr schoid sie z möge, mai Herr. Es isch scho ewich hr, dess jemand in d Genigg- Kammr gebrachd wurd.” Er übergab Hando ein kleines Fläschchen mit rotem Inhalt.

„Was ist das?“ fragte Hando.

„Des isch oi besonders Gebräu vom Großmeischdr, nun brauchsch nix mehr z fürchde.”

Hando trank das Zeug, ohne weiter nachzufragen und fühlte, wie sein Körper mit Unsterblichkeit erfüllt wurde. „Mhhmmm... haste noch mehr davon?“ Plötzlich wusste er alles über Alles und Jeden.

„Endschuldig, abr sie kriege nur ois, mai Herr.” Er reichte Hando eine saubere Hose: „Nun bischde koi Mensch mehr,” und einen Dreizack aus Messing. „Ihre obdische Verbesserung, mai Herr.”

Hando griiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnssssssste.

„Danke sehr.“ Er schwang seinen Dreizack herum wie ein Wilder, traf den kleinen Dämonen und beförderte ihn so durch die nächste Wand in den Raum nebenan. Er verließ die Kammer des Genickes und begab sich in die Richtung der Höllenpforte, wo er Fess einen Kopf kürzer machen wollte. Jeder kleinere Dämon, den das Schicksal zufällig in seinen Weg schickte, wurde von ihm geplättet.

 

- Sechs Jahre später –

Plötzlich erscheint SID 8.4 wie aus heiterem Himmel vor dem großen und einschüchternden Lesepult an der Höllenpforte. Er trägt seinen Lieblingsanzug, perfekt sauber, perfekt gebügelt, in pflaumenroter Seide. Er hält allerdings seinen Kopf unter seinem Arm. Ein Wesen, vielleicht menschlich, vielleicht aber auch ein Dämon, schaut böse hinter dem Pult hervor.

„Hey, hey, hey...Sid. Hängt alles im grünen Bereich?“

„Hando?“ Sid schaut sich verwundert um. „Ich hab’ dich ja schon ewig nicht mehr gesehen. Hätte nie gedacht, dass ich dich hier wiedersehen würde, nach deinem kleinen Intermezzo mit Kate.“ Sid stellte eine leichte Veränderung an Hando fest: Er hatte ein knallrotes Gesicht und war behaart an vielen Stellen, geschuppt an anderen, er hatte einen blutigen Dreizack, einen langen dämonischen Schwanz und kleine, noch nicht ganz fertige Hörnchen auf der Stirn. „Du hast dich ... etwas ... verändert. Noch mehr Tattoos, wie ich sehe.“

„Seit unserem letzten Treffen ist aus mir eine neue Person geworden.“

„Sach’ bloß!“

Hando bemerkte, dass Sid nicht mit dem nötigen Respekt an dem Gespräch beteiligt war. „Wie ich sehe, hast du schon wieder den Weg nach hier unten gefunden.“ Seine Worte hingen wie düstere Wolken im Raum.

„Beim letzten Mal warst du doch noch gar nicht hier, wie solltest du das wissen?“ Sid schraubte seinen Kopf wieder an die richtige Stelle seines Körpers und ließ die blaue Schmiere aus seinem Inneren seine Wirkung entfalten.

„Nein, war ich nicht,“ Hando beobachtete die Selbstheilung mit angewidertem Gesichtsausdruck, „Aber meine Akten zeigen, dass du schon ein paar mal hier warst.“

„Diesmal ist es aber nicht meine Schuld. Max hat mir die Birne abgehauen ohne jeden Grund. OHNE JEDEN GRUND!“

„Das kann ich mir gar nicht vorstellen,“ Hando klopft mit seinen langen teuflischen Krallen auf das Pult.

„Auch ok! Du hast allerdings kein Recht dazu, mir was zu befehlen! Du bist genauso wie alle anderen! Ich darf genauso existieren in der Welt wie alle anderen!“

„Klar darfste das, Sid.“ Er überflog seine Aufzeichnungen, Sid quasselte weiter.

„Ich habe noch andere Sachen zu tun,“ er rieb sich die Nase. „Es gibt noch unschuldige Leute, die ich um die Ecke bringen muss, Frauen zu vergewaltigen, Kinder zu belästigen, Hunde zu bespringen. Nicht zu vergessen, all diese ganzen staatlichen Kommunikationsleitungen, die den Weltfrieden bewahren; die muss ich auch noch zerstören.“

„Ja Sid. Du bist der beste in deinem Job und wir sind dir auch sehr dankbar.“

„Ich verlange, dass ich sofort zurückgeschickt werde!“ Sid drohte mit der Faust. Schon wieder so ein männliches Cliché.

„Keine Sorgen, ich habe das auch vor.“

„Oh, ok, danke, Hando.“

„Nichts zu danken. Aber ich schicke dich nur unter einer Bedingung zurück.“ Hando grinste breit, böse, schrecklich. „Und auch nur für meinen eigenen Spaß.“

Sid hatte keine Angst vor Hando, oder jedenfalls nicht vor der Hando-Ausgabe, die er kannte. „Was ist das für eine Bedingung?“

„Ich werde dich zurückschicken, aber als Menschen, und du wirst diesen Anzug nicht tragen.“

„Aber das ist mein Lieblingsanzug. Was erwartest du denn, soll ich etwa Kiwigrün tragen?“

„Nein.“ Hando grinste wieder, es war einfach zu verlockend.

„Nun, wird’s noch was?“

Hando warf seinen Dreizack und Sid verschwand mit einem PUFFFF!!!, nur um gleich wieder aufzutauchen mitten auf dem Kölner Hauptbahnhof, in einem rot-grün-goldenem Anzug aus feinstem Polyester, einem goldenem Ring an seinem nun menschlich-rosa Finger; Pomade im Haar und Koteletten in der Größe von Thierses Vollbart.

AAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Nun ja, diese Zeile wird der Äußerung nicht gerecht. Es war ein unmenschliches Geräusch, das man nicht wirklich in Worte fassen kann. Es war mit Anstand der größte, lauteste und quälendste Schrei in der Geschichte der Menschheit. Fenster gingen zu Bruch, Menschen brachen mit zerplatzten Trommelfellen zusammen, Autos kollidierten, Gebäude stürzten ein, der Kölner Dombaumeister sprang vom Südturm; sogar der Mond erbebte in den Schallwellen, die von dem kleinen Punkt auf der Erde ausgingen.

Hando war sehr gut in seinem neuen Job, und er lächelt nun beinahe jeden Tag.

 

 

1*Kahuna: Hawaiianische Zauber-Priester, denen außergewöhnliche Psi-Fähigkeiten nachgesagt werden (vor allem Heilfähigkeiten und Feuerunempfindlichkeit )

2* Sukkubus: ein Teufel in Frauengestalt, der hinter jedem männlichen Wesen her ist