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Übersetzt von JEN jenjulia@gmx.de
Kleines Vokabular:
Wir schreiben den 29. Juli 2002. The Far Side of the World oder Master and Commander (oder wie auch immer Fox diesen Jack Aubrey Film am Ende auch nennt) wird gerade in Rosarito, BC, Mexiko gedreht. Wer ich bin? Nichts weiter als ein Russell Crowe Fan aus San Diego, der seinem Lieblingsschauspieler auf den Fersen ist. Und das seit dieser im Juni hier auftauchte, um ein Konzert zu besuchen und sich generell herumzutreiben. Aber seht ihr mich einen Trip nach Fox Baja organisieren, um ein paar Tage mit Sonnen, Surfen und Krähenbeobachtung zu verbringen? Ziehe ich etwa durch die Jazz Clubs als Neil Finn in die Stadt kommt im Sinne von Bier, Blues und ornithologischen Bestrebungen? Nein. Was macht also dieser Russell Ira Crowe und Tofog -Groupie in San Diego? Sie ARBEITET. Sie springt ein, während die lieben Kollegen ihren (zugegebenermaßen verdienten) Urlaub haben. Außer einem einzigen Wochenende im August, wird dieser besondere Fan Wechsel- und Wochenendschichten schieben. Und bang die Tage zählen, bis Far Side of the World / Master and Commander (oder wie auch immer das Teil im Endeffekt auch heißen wird) abgedreht ist und das Objekt ihrer Schwärmerei zu seinem nächsten Projekt weiterfliegt. Aaaaber, dieses eine Augustwochenende, dafür habe ich Pläne. Am ersten Wochenende im August werde ich mir ein paar Freundinnen schnappen und nach Rosarito Beach fahren. Und bei Gott, wir werden zwei Tage lang sonnenbaden, surfen und Vögel beobachten bis uns die Augen aus dem Kopf fallen. Und soviel ist sicher: sollten wir in letzterem Unterfangen scheitern, dann haben wir zumindest einen Sonnenbrand und ein paar Tage Spaß gehabt (und wahrscheinlich sogar ein Foto von der HMS Rose, dem anderen Star des Films), plus die Möglichkeit uns die örtlichen…äh, "Landschaften" anzuschauen. Was will man mehr? Ein tolles Wochenende eben, egal was passiert. Stellt euch meine Bestürzung vor, als ich den folgenden Anruf von meinen Eltern erhalte, die nicht hier in der Stadt leben (wer von euch in einem Urlaubsort wohnt, darf vorblättern – ihr kennt das Gespräch). "Hallo 'Lexa, ich bin's Mom!" "Oh, hi! Wie geht's dir? Alles klar bei euch da draußen?" "Oh, ja, alles ist wunderbar! Wir sind ja so aufgeregt wegen unserer kleinen Reise nächstes Wochenende!" "Reise? Klasse!" Stopp, einen Moment, sagte sie nächstes Wochenende? MEIN Wochenende? "Äh, nächstes Wochenende? Wo soll's denn hingehen?" "Aber Schätzchen, wir kommen nach San Diego um dich zu besuchen! Wir werden am Freitag dem ersten August ankommen und zwei oder drei Wochen bleiben!" Mom und Dad besuchen mich am ersten Augustwochenende. Kennt jemand dieses langsame, kriechende Gefühl, das sich über den ganzen Körper ausbreitet? Das ganz oben am Oberkopf beginnt und wie ein zerbrochenes Ei am Körper herabsinkt? Nun ja, das beschreibt es auch nicht ganz. Sagen wir mal eher: den Fahrstuhlschacht hinunter krachen – ohne Kabine! Verdammt! "Äh, Mom, eigentlich hatte ich geplant, und heute Abend erst klar gemacht, dass…" "Aber Schätzchen, natürlich bist du heute Abend verplant! Und ich finde das toll… Ich hab mich schon gefragt ob du JEMALS anfangen würdest, in San Diego mit jemandem auszugehen. Du willst doch nicht als alte Jungfer sterben, nicht wahr?" Alter Jungfer? Okay, seit meinem 25. Geburtstag bin ich für sie sowieso offiziell eine "Junggesellin". Und jetzt, da die dreißig näher rückt, muss ich mir wohl kaum noch Gedanken um Orangenblüten und weiße Seidenkleider machen. Trotzdem gibt Mom die Hoffnung nicht auf. Sie will wirklich, wirklich Enkelkinder. "Wie auch immer, lass dir doch mal erzählen was dein Vater und ich alles geplant haben! Oh, das wird so wunderbar, nur wie drei!!" "Zuerst gehen wir in den Zoo. Dann zum Wildpark. Dann Sea World. Und warum versuchen wir nicht ein paar dieser tollen Restaurants von denen du immer so schwärmst? Und ich will ins Theater und – hast du nicht mal was von einem Festival erwähnt? Und diese…. Starlight Bowl? Und natürlich wollen wir zum Strand…" Sie ging ab wie "Mame". Wer den Klassiker mit Rosalind Russell gesehen hat, weiß was ich meine. Sie plapperte und plapperte, ohne irgendwelche Anzeichen für ein nahes Ende und ohne mein fassungsloses Schweigen auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Sie listete jedes Detail ihres Plans einzeln auf. Vor meinem inneren Auge konnte ich das Gesicht meines Vaters sehen – er sah nicht begeistert aus, sondern nickte nur mit seinem üblichen "Ja Schatz, mach du nur!" –Gesichtsausdruck. Ich fragte mich wie sie all die Dinge, die sie (natürlich mit Dad) unternehmen wollte, in zwei bis drei Wochen schaffen wollte. Schließlich merkte sie dann doch, dass irgendetwas nicht stimmte. "Schätzchen? Süße? Du sagst ja gar nichts. Ist irgendwas?" Ich liebe meine Eltern, ehrlich, aber im Moment fragte ich mich ob ich für Totschlag oder berechtigten Mord verurteilt werden würde. Ich hatte jedoch noch ein Ass im Ärmel. "Äh, nein, alles in Ordnung. Ich hoffe ihr habt jede Menge Spaß. Ich lass den Haustürschlüssel dann beim Nachbarn, okay?" "Aber Schätzchen, warum das denn?" "Ich werde nicht hier sein wenn ihr ankommt. Ich fahre nach Mexiko. Aber du und Dad könnt natürlich das Haus nutzen bis ich wieder da bin." "Mexiko! Das klingt ja super! Dein Vater und ich waren seit Jahren nicht mehr in Mexiko!" Wie sagt man doch gleich? Wie die Mutter so die Tochter? Ich weiß (und wusste schon immer) dass mein Mundwerk zuweilen schneller ist als mein Hirn. Ich knallte den Kopf gegen den Türrahmen, während sie begann, einen Trip nach Mexiko (mit mir) in ihren (und Dad's) Reiseplan mit einzubauen. "Kindchen? Was ist denn das für ein Geräusch? Klingt als würde jemand auf etwas einschlagen. Stimmt irgendwas nicht?"
Später am gleichen Abend… Okay, ich geb's zu. Ich bin ein Weichei. Ich ließ mich von meiner Mutter "überzeugen" dass mein Wochenende in Rosarito gleich noch mal so schön wäre, wenn sie und Dad mitkämen. Das Einzige was ich jetzt noch tun musste, war meine Freundinnen zu der Einsicht zu bringen, dass weder sonnenbaden, noch surfen, noch ornithologische Anstrengungen durch die Anwesenheit meiner Eltern beeinträchtigt würden. Also rief ich beide in einer Konferenzschaltung an. "Hey, seid ihr da?" "Ja, 'Lexa, anwesend." antwortete Beth, gefolgt von einem zustimmendem Grummeln auf Moira's Leitung. "Hört mal, der Plan hat sich etwas geändert…" begann ich. Lag das an mir oder wurde es in der Leitung auf einmal um etwa zehn Grad kälter? Kann ein Telefon überhaupt Temperaturen messen? "Was genau heißt 'etwas geändert'?" fragte Moira. "Na ja, äh, also meine Mutter rief an und…" begann ich wieder, nur um wieder von Beth und Moira unterbrochen zu werden. "'Lexa, du hast es versprochen!" meinte Beth. "Mädel, doch nicht die Eltern!" kommentierte Moira. Zuerst redeten die Beiden nacheinander. Dann gleichzeitig. Dann brach das Chaos aus. Ich hielt den Hörer etwas vom Kopf weg, bis es wieder still wurde. "Ja, ich weiß. Die beiden planen das schon länger, aber ich hab erst heute davon erfahren." "Und?" war Moira's knappe Antwort. "Sie haben dieses Wochenende schon eingeplant. Als ich sagte ich sei nicht da und sie könnten das Haus benutzen, da… äh, nun ja…" "Schon klar, du hast natürlich ausgeplaudert wo wir hinfahren und sie fanden die Idee toll." schloss Beth. Hatte ich erwähnt dass die Beiden meine besten Freundinnen sind? Dass sie mich richtig gut kennen? "So in etwa." Ein Seufzer. Stille. Ich konnte richtig hören wie die Räder in ihren beiden Köpfen genauso auf Hochtouren liefen wie in meinem Eigenen. Wir ent- und verwarfen zahllose Wege und Mittel, meine Eltern irgendwie loszuwerden. Schließlich sprach Moira den einzig möglichen Kompromiss aus. "Okay, die Parentalfraktion kommt mit. Sie haben ein Zimmer, wir ein anderes. Rosarito ist ein Ferienort, sie werden sich schon irgendwie beschäftigen. Können wir damit leben?" Ich konnte Beth summen hören, ein leises, tonloses Geräusch, das sie immer von sich gab wenn sie gerade am überlegen war. "Okay, von mir aus. Nur… 'Lexa? Du hast das Vögelchen doch nicht erwähnt, oder?" "Natürlich nicht! Sie denkt wir fahren dahin um uns an den Strand zu legen und Männer aufzureißen. Um ehrlich zu sein, na ja…" "Sie ist froh darüber, oder? Immer noch auf der Suche nach einem passenden Ehemann für dich?" fragte Moira. "Genau." "Dann ist soweit ja alles in Butter. Wir haben unseren Spaß, die beiden haben Ihren. Und alles worüber wir uns Sorgen machen ist Sonnenbrand!" Lag es an mir oder hörte Beth sich an als wolle sie sich selbst überzeugen? "Dann haben wir einen Plan?" fragte Moira. "Wir haben einen Plan!" erklärte ich.
Freitag, 2. August 2002 Moira, Beth und ich konnten an diesem Tag früher von der Arbeit verschwinden. Wir trafen meine Eltern bei mir zu Hause und fuhren dann zusammen nach Rosarito. Das Glück war mit uns, und so waren wir nicht im üblichen Freitagsverkehr unterwegs, der regelmäßig die Interstate 805 verstopft, sondern überquerten die Grenze relativ problemlos. Die Fahrt an der Küste von Baja California entlang war traumhaft, das Wetter perfekt und die Insassen des Mietwagens (sprich: drei leidenschaftliche Crowe Fans, eine überkandidelte Mutter und ein geduldig toleranter Vater) verstanden sich eigentlich ganz gut. Kurz und gut, die Fahrt verlief ruhig. Als wir im Marina Resort ankamen, checkten wir in Windeseile ein. Unsere Zimmer waren im dritten Stock und lagen sich gegenüber. Schneller als man "The Sum of Us" aussprechen kann, lagen wir im Bikini am Pool und begannen damit, die versammelte Männlichkeit zu begutachten, sowie nach dem Objekt unserer gemeinsamen Begierde zu suchen. Als Mr. Fabelhaft nirgendwo zu sehen war, verlegten wir unsere Aufmerksamkeit auf mögliche Kandidaten für die Abendbegleitung. "Du hast nicht wirklich gedacht er sei hier unten, bei den Normalsterblichen!" fragte Beth. "Hey, man weiß ja nie. Streng nach Edgar Allen Poe: es gibt kein besseres Versteck als die Öffentlichkeit!" gab Moira zurück. Beth und Moiras Unterhaltung rückte in den Hintergrund, als ich wieder begann unter den Anwesenden nach einem blonden Herrn mit tollem Hintern, starkem Rücken, langem Haar und Riesenego zu suchen. Ich lächelte in mich hinein, als mir bewusst wurde, dass ich so an einen dunkelhaarigen Russell Crowe gewöhnt war, dass ich mich immer wieder selbst daran erinnern musste, nach einer männlichen Blondine zu suchen. Blonde Männer gab es hier zur Genüge. Viele waren auch entsprechend gebaut, einige hatten das verlangte Ego, aber die Kombination nach der ich suchte war nicht dabei. Trotzdem sah die Menge als Ganzes gar nicht mal so schlecht aus. Und so "erfreute" auch ich mich gerade an der versammelten Männlichkeit, als mein Vater auftauchte. Er trug noch immer die gleichen Klamotten wie auf der Fahrt, Hawaiihemd und Khakihose waren zerknittert und das einzige Zugeständnis an den nahen Pool war die Sonnenbrille mit Horngestell auf seiner Nase. "Hey Dad!" "Hallo Alexa." Dad war einer der wenigen Menschen die mich bei meinem vollen Namen nannten. "Was führt dich her?" Als ob ich das nicht wüsste. "Deine Mutter hat einen neuen Freund gefunden, sie unterhalten sich gerade. Wusstet ihr dass hier im Moment ein Film gedreht wird?" Shit. "Wirklich? Überrascht mich nicht wirklich. Fox hat hier ein festes Set, da haben sie Titanic gedreht. Mit wem redet sie denn?" "Einem von diesen Filmleuten. Als sie angefangen haben über einen der Schauspieler zu lästern, bin ich gegangen." Schluck. "Welcher Schauspieler?" "Der Typ heißt Russell Crowe. Schon mal von ihm gehört?" Oh verdammt. "Äh, schon. Ist ziemlich gut. Er hat in A Beautiful Mind und Gladiator mitgespielt. Hast du die gesehen?" Sein Gesicht sprach Bände der Unkenntnis. "Proof of Life?" Ich versuchte immer noch unbeteiligt zu wirken. "Äh, The Insider?" "Hmm, den hab ich gesehen. Wen hat er gespielt?" "Jeffrey Wigand" "Der soll Jack Aubrey spielen?! Der ist viel zu alt!!" Ups, ich hatte vergessen dass Dad ein Patrick O'Brien Fan war. Ich selbst hatte die Bücher noch nicht gelesen, das stand noch auf meiner to do –Liste. "Äh, Dad, das war Make-up. Russell Crowe ist noch nicht mal vierzig." Er überlegte kurz, dann sagte er "Okay, das könnte funktionieren. Zumindest stimmt die Figur." "Bitte was?" "Aubrey war ziemlich groß, breit. So um die 16, 18 Stone, das sind über 200 Pfund." erklärte er. Okay, das war mir neu. Auf den wenigen aktuellen Fotos, die ich von unserem Vögelchen gesehen hatte sah er nicht so mächtig aus. Wenn man nach den Gerüchten ging, hieß es immer der arme Rusty solle ab- und nicht zunehmen. Ich spielte mit dem Gedanken, Dad zu fragen wie viel Pfund genau ein Stone sind, entschloss mich aber dagegen. Er hält mich für schlau und ich enttäusche ihn nicht gerne. Außerdem konnte ich das immer noch zuhause nachschlagen. "Bist du sicher Dad?" Blöder Fehler. Er gab mir seinen patentierten "hab Geduld mit dem Idioten" –Blick. "Ja Alexa, ich bin mir sicher. Im ersten Buch ist Maturin ständig hinter ihm her er solle abnehmen. Aber wie dem auch sei, deine Mutter will unbedingt dass du und deine Freunde mit uns zu Abend esst. Sie will euch diesem Filmheini vorstellen." Aber Mom's machiavellistische Machenschaften blieben mir erspart, als Beth und Moira auftauchten, drei absolute Sahneschnitten im Schlepptau. Dad sah sie an, runzelte die Stirn und blickte dann zurück zu mir. "Okay, das heißt dann wohl nein." meinte er lächelnd. "Ich werd's ihr ausrichten." "Danke Dad."
Samstag, 3.August 2002 "'Lexa? 'Lexa. 'Lexa, wach auf!" Ich öffnete zuerst ein Auge, und ließ das Andere kurz darauf nachfolgen. Ich konnte kaum weiter sehen als bis zu meiner Nasenspitze. Zwar brauche ich auch normalerweise eine Brille, aber die heutige Folge der "nebligen Welt der Alexa Raven" war eher alkoholbedingt als das Resultat von Kurzsichtigkeit. "Moira?" "Na los, aufstehen. Wie deine Mom schon sagte: Es ist ein schöner Tag und du wirst ihn verpassen!" Ich sah eine Schattengestalt durch den Raum huschen und die Läden öffnen, wodurch das Sonnenlicht gleißend ins Zimmer fiel. "Deine Eltern sind schon auf, sie und Beth sind auf dem Weg nach unten zum Frühstück. Du hast gerade noch genug Zeit um dich anzuziehen bevor es losgeht. Deine Mutter besteht darauf, dass du ihren Filmfreund kennen lernst. Sag mal Süße, wie hast du es eigentlich geschafft als Kind nicht wahnsinnig zu werden?" Ich verlor den Faden, als sie im Bad verschwand. Irgendwie sank die Erkenntnis in mein benebeltes Hirn, dass ich aufstehen und präsentabel sein sollte. Ich finde das lobenswert, wenn man bedenkt dass ich gerade erst aufgewacht war und noch nicht meine dritte, zweite oder gar erste Tasse Kaffee intus hatte. "Komm schon, Lexa. Oder soll ich deine Mom rufen?" "Ich komm ja schon. Verdammt Moira, hast du keinen Respekt vor den Toten?!" "Hmm… hattest wohl kein Glück gestern Abend mit…. Wie hieß er gleich? Er sah klasse aus!" Ich seufzte. "Ja, einen Körper wie Adonis, eine Persönlichkeit wie Tofu und etwa so intelligent wie Pudding – Vanillepudding." Sie verzog mitleidig das Gesicht. "Ich hab's dann geschafft, Puddinghirn nach dem vierten Cerveza abzuhängen." "Er schien nett zu sein, ihr habt euch lange unterhalten." "Klar, wenn du dich für Muskeln, Training und Sit-up's interessierst." Auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen. "Moira… FILMFREUND?" "Keine Ahnung, jemand vom Set. Ich hab schon nachgehört, nicht unser Vögelchen." Inzwischen hatte ich meine Brille auf und sah Moira grinsen. Irgendwas war los, aber ich wusste nicht was. Sie hielt mir eine Tasse Nektar, Ambrosia, Traum aller Träume, meine erste und fieberhaft erwartete Tasse Kaffee hin. Ich nippte und spuckte ihn sofort wieder aus. "Moira, das Zeug ist grauenhaft!" Mit viel Wohlwollen ertrug ich ihre Schadenfreude. Kennt jemand den Ausdruck "sich auf dem Boden wälzen vor Lachen"? Ich glaube den hat Moira erfunden. Sie wälzt sich tatsächlich, nutzt allen möglichen Platz dafür und sieht dabei immer noch graziös aus. So etwas sollte verboten werden. "Ja, aber du verbringst jetzt nicht 20 Minuten damit auf dem Bett zu sitzen und daran zu nippen, okay? Beweg deinen Hintern! Oh, und deine Mutter meinte wir sollten uns sommerlich kleiden." "Es ist August und wir sind in Mexiko. Und weiter?" "Sie meinte ihr Filmfreund habe uns zu einem Footy-Spiel eingeladen." Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer. Footy-Spiel? Mom interessiert sich für Sport? Mom redet mit jemandem, der an Sport interessiert ist? Footy-Spiel… Footy?! STRIKE! Ich brauchte genau zwei Minuten um mich fertig zu machen und freudig den Tag zu beginnen.
Zwei Minuten später… "Lexa mein Schatz, komm und setz dich zu uns!" Meine Mom konnte man nicht übersehen. Ihre Stimme war unverkennbar und äh,… nicht gerade leise. Zu meiner eigenen Überraschung küsste ich sie auf die Wange, wie ich es als Kind getan hatte. "Lexa, darf ich dir Peter Weird vorstellen? Peter, meine Tochter Alexa Raven." "Äh, das heißt Weir, Liebes." korrigierte sie der Regisseur des Films. Auuuutsch! Meine Mom verunstaltet Peter Weir's Namen? Hoffentlich hatte das sonst niemand gehört. "Ja, genau, genau. Egal, Lexa setz dich doch! Peter erzählt uns gerade von dem samstäglichen Footy-Spiel, das sie hier haben. Er hat uns dazu eingeladen mit ihm zu dem Spiel zu gehen." Wow! Ich hatte von den Spielen gehört, die Russell und ein paar andere Crewmitglieder ins Leben gerufen hatten, um den Teamgeist der Englischen und Französischen Schiffsmannschaften zu stärken. Und um sich fürs Filmen fit zu halten. Das Samstags-Footy-Spiel, bei dem die Spieler Trikots, Schuhe und kleine Shorts trugen – die perfekte Gelegenheit für die lüsterne Frau von heute ein paar Blicke auf tolle Hinterteile und Schenkel zu werfen. Kurz: das Paradies! Aber was wenn das Objekt meiner Begierde, mein Traummann, unser Vögelchen heute nicht spielte? Ich schaltete mich wieder in die Unterhaltung ein, gerade als Peter seine Erklärung beendete. "Und die meisten der Crew nehmen daran teil." berichtete er gerade meiner Mutter. "Das ist ja reizend. Was für eine aufmerksame Geste. Man hört so viele Geschichten über Schauspieler und Egos und solches Zeug, das man gar nicht mehr weiß was man glauben soll!" "Russell ist nun mal so eine Sorte Mensch. Er hat allerdings wenig Geduld mit Schwachköpfen oder der Presse, und das fällt nun mal oft negativ auf ihn zurück." Ich musste einfach fragen. "Mr. Weir, werden Russell Crowe und Paul Bettany heute spielen?" Ich hoffte, dass das Einbeziehen von Russells Co-Star meine Frage vielleicht etwas weniger offensichtlich machte. "Sehr wahrscheinlich." war die Antwort. Bildete ich mir das nur ein oder flackerte da der Schalk in seinen Augen? Wir drei Mädels warfen uns einen verstohlenen Blick zu. "Kann man eine Kamera mitbringen?" fragte Beth. "Sicher. Das Spielfeld ist recht weit von den eigentlichen Sets entfernt, also kein Problem." Ja, die Augen funkelten definitiv. Ich rechnete es schnell durch. Ich hatte meine Digitalkamera inklusive extra Akku und Memory Sticks. Ich wusste dass auch Beth eine kleine Kamera dabei hatte, plus jede Menge Film, und Moira ging nie ohne ihren Camcorder aus dem Haus. Ich würde also sagen wir waren vorbereitet! "Kinder, vergesst Sonnencreme und Hüte nicht, ihr wollt doch nicht aussehen wie ein paar Hummer wenn wir wieder in San Diego sind." Hmm... Mom hatte einen Anfall von Mütterlichkeit. Das versprach nichts Gutes. Aber im Moment war mir das egal – wir waren auf dem Weg zum Samstagsspiel, und das war alles was zählte!
Das Samstags-Spiel (kein Hockey!) Ich kam zu spät. Normalerweise bin ich gerne etwas zu früh dran, aber heute hatte ich ein wenig Pech mit fremdsprachigen Wegbeschreibungen, Unkenntnis der Örtlichkeiten und einem bescheuerten Koffer, der einfach nicht aufgehen wollte. Also kam ich ein paar Minuten nach dem Anstoß an. Die Frage ist nun, ob das mein Glück oder Unglück war. Ich hatte verpasst wie das französische Team (mit anderen Worten, die Darsteller der französischen Schiffsmannschaft) Aufstellung genommen hatte, aber die englische Mannschaft (genau, eben diese!) kam ebenfalls gerade erst an. Ich bemerkte, dass das englische Team schwarze Trikots und Shorts trug. Schwarz. In Mexiko. Im August. "Schwarz?! Haben die sie noch alle?" murmelte ich leise. Leider wohl doch nicht leise genug, denn sofort kam die Antwort in tiefem, grollenden Bass hinter mir. "Die All-Blacks spielen nun mal in schwarz, Kleines. Hast du ein Problem damit?" Ich drehte mich um und sah direkt in ein Paar meergrüner Augen über einem weiteren Paar sanfter, wenn auch grinsender Lippen. Oh Shit. "Äh, kein Problem mit den All-Blacks, aber schwarze Klamotten? Bei dieser Hitze?" Es gab eine kurze Pause als er seine Sonnenbrille aufsetzte. "So heiß ist es auch wieder nicht. Hätte nicht gedacht dass ihr Ami-Mädels so empfindlich seid." Mit diesen Worten, und einem Kichern, lief Russell Crowe aufs Spielfeld. Okay. Stellt euch folgende Situation vor. Russell Crowe trottet zu den anderen Spielern, entfernt sich langsam von euch. Er trägt ein schwarzes Trikot, eine schwarze Baseballkappe und schwarze Shorts. Sein Pferdeschwanz hüpft im Takt seiner Schritte von einer Seite zur anderen, die Muskeln in seinen Schenkeln spannen sich abwechselnd mit denen seines perfekten Hinterteils an. Er hat gerade mit euch gesprochen, und ihr habt euch angehört wie der hinterletzte Idiot. Ich wusste nicht ob ich hysterisch kichern, Fotos machen oder losheulen sollte. Aber da ich mich gerne für eine durchschnittlich intelligente, hormongesteuerte Frau halte, wählte ich Nummer eins und zwei. Für Nummer drei hätte ich später immer noch genug Zeit. Ich bin wirklich die Falsche, um über das Spiel selbst zu berichten. Ich bin kein Sportfan, schau ihn mir auch nicht an wenn ich's vermeiden kann. Aber ich muss doch sagen, Footy ist schnell, dynamisch und recht aufregend. Es gibt einige Parallelen zu American Football, aber auch genug Unterschiede um das Spektakel auch für mich als Nicht-Fan interessant zu machen. Ich verzog das Gesicht als Russell sich auf den Ball stürzte (glücklicher Ball, beneidenswert!) und umsichtig Kopf und Arme einzog, bevor der Rest der Spieler auf ihm landete. Ich schrie wann immer er den Ball fing und feuerte ihn an wenn er auf die Pfosten zulief. Das Spiel war aufreibend und die Foto-Gelegenheiten exquisit. Viel zu schnell war es vorbei. Ich überprüfte kurz meine Kamera und verstaute sie mitsamt den Memory Sticks sicher in meiner Tasche, bevor ich mich in dem Meer von Gesichtern auf die Suche nach Mom, Dad, Beth und Moira machte. Als ich sie gefunden hatte, in Begleitung von Peter Weir, versuchte ich mir meinen Weg durch die Menge zu bahnen. Das klappte auch ganz gut, bis jemand an dem Gurt meiner Tasche zog. Nicht wirklich fest, aber es reichte, um mich in meiner Überraschung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Unsanft landete ich auf dem Boden. Gibt es etwas Schlimmeres als auf dem Boden zu liegen, während man in einer Menschentraube unterwegs ist? Eindeutig ja, zum Beispiel wenn besagte Menschen über dich stolpern und auf dir landen. Erst einer, dann immer mehr. Ich hörte Flüche und Schreie in Akzenten aller Herren Länder, als mehr und mehr Männer den Haufen Menschlichkeit über mir bereicherten. In diesem Moment wurde mir klar, dass der Footy-Ball doch nicht so beneidenswert war. "Runter von mir!" keuchte ich. "Nichts lieber als das Kleines, sobald diese verdammten Bastarde von mir runter gehen! " versetzte eine brummige Bassstimme mit australischem Akzent. Ich drehte den Kopf, obwohl ich fürchtete schon zu wissen wen ich über mir finden würde. Oh nein, nicht schon wieder! Russell Crowe's Gesicht war tiefrot angelaufen, die Zähne zusammengebissen und seine Lippen zu einer fürchterlich geraden Linie gepresst. Hätte man im Lexikon unter "stinksaurer Australier" nachgeschlagen, hätte ein Bild von ihm in diesem Moment wohl sehr gut zur Verdeutlichung gedient. Er starrte einen Moment zu mir herunter, bevor er seinen Körper zu justieren begann. Zuerst zog er die Knie an, dann drückte er seinen Oberkörper nach oben wie im Liegestütz, bevor er schließlich das Gewicht zu einer Seite verlagerte. "Okay Kleines. Leg dich unter mich." "Bitte was!?" Sich unter Russell Crowe legen? Was für eine Einladung! Ich hatte sie schon öfter bekommen, jedoch bisher leider nur in Ausgeburten meiner Fantasie und Libido. Das Blöde war, dass ich danach normalerweise aufwachte, schwer atmend und ein feuchtes Kissen fest im Arm geknuddelt. Und nun, da mir die Frage die so viele tolle Nächte für mich begonnen hatte, tatsächlich gestellt wurde, war es alles andere als angenehm. "Leg dich gefälligst unter mich, oder du wirst noch mehr zerquetscht!" fauchte er mich an. Also schob ich mich unter ihn. Ich konnte sehen, wie die Muskeln in seinen Schultern sich unter dem Trikot spannten, als er sich weiter nach oben presste. Sie wuchsen weiter, ihre Form wurde klarer und klarer, bis ich das Profil von jedem einzelnen Strang erkennen konnte. Ich bemerkte, dass er sich nicht senkrecht nach oben bewegte, sondern seitlich, und ich verstand. Er versuchte, den Haufen Mensch über sich von seinem Rücken zu wälzen. Ein letzter Schub, ein Ächzen und er war auf den Beinen. Er schaute zu mir hinunter und hielt mir die Hand hin. Einen Moment später stand auch ich aufrecht. "Mit dir alles in Ordnung?" fragte er. Ich nickte. Seine Hände landeten auf meinen Schultern, eine auf jeder Seite. Mit einer sanften aber gleichzeitig festen Bewegung drehte er mich um meine Achse, um sich von meiner Unversehrtheit zu überzeugen. Dann nickte er knapp und ließ mich los. Wir beide sahen einen Moment zu Boden, wobei mir der Footy-Ball auffiel, der zwischen uns lag. Ich bückte mich um ihn aufzuheben. Russell tat dasselbe. Mit einem dumpfen Knall stießen wir zusammen, sein Kinn mit meiner Wange, am Knochen direkt unter dem Auge. Ich stellte mich wieder und rieb mir das Gesicht. Russell richtete sich auf, den Footy-Ball in seiner Hand. "Mit dir alles klar?" fragte er. Déjà vu. Vor meinem inneren Auge erschien ein Bild von mir selbst als ersoffenem Pudel, zu nichts fähig außer belämmert zu nicken, wann immer sich Master Crowe nach meinem Wohlbefinden erkundigte. Er schien nun bereit zum Gehen zu sein. Vielleicht hatte ich ja noch eine Chance einen positiven Eindruck zu machen, also stürzte ich vorwärts. Immerhin konnte es kaum noch schlimmer kommen. "Hi, ich bin…" begann ich und streckte ihm meine Hand entgegen. "Alexa!" hörte ich eine fröhliche Stimme hinter mir rufen, die ich gehofft hatte, nie wieder zu hören. "Kennst du mich noch?" "Puddinghirn!" flüsterte ich, rieb mir das Gesicht und fragte mich, welche Gottheit ich wohl beleidigt hatte um das zu verdienen. "Puddinghirn?" kam die leise Frage in australischem Akzent. Er klang amüsiert. Nun würde ich die beiden vorstellen müssen, der Höflichkeit halber. Das Problem war nur, wenn ich mich auch an Puddinghirn's Lieblingsbier (Cerveza), sowie seine Lieblingsbeschäftigung (Training und Ausdauer und Wiederholungen jeglicher Art) erinnern konnte, so fiel mir doch bei allem was mir heilig war sein Name nicht mehr ein. "Gott sei Dank hast du dich nicht verletzt! Siehst du denn keine Leute um dich herum? Ich musste an dem Gurt deiner Tasche ziehen, um auf mich aufmerksam zu machen." meinte dieser und hielt mir meine Kameratasche hin. Ich sah hinauf zu dem großen Australier neben mir. Es schien als wolle er sich gerade auf den Weg machen, hatte sich schon halb weggedreht, doch als er Puddinghirns Worte hörte, hielt er inne und starrte ihn an. "Du hast an ihrem Gurt gezogen?" Diese Frage kam von Russell Crowe. Schluck. Seine Stimme war leise und gepresst, und er bekam diesen – DIESEN – Gesichtsausdruck. "Irgendwie musste ich sie doch auf mich aufmerksam machen! Oh, übrigens, ich habe deine Tasche Alexa. Sind Sie okay, Mr Crowe? Das sah nach einem üblen Sturz aus." "Du hast an ihrem Gurt gezogen." wiederholte Russell. Seine Stimmer war noch leiser, seltsam, aber er hörte sich noch um einiges bedrohlicher an als vorher. "Nun ja, sie hat nicht wirklich auf mich geachtet, eigentlich schien sie das Fußballfeld mehr zu interessieren als alles andere." "Äh, das war kein Fußball…" Ich versuchte es. "Man zieht nicht einfach an irgendwelchen Gurten, man kann jemanden damit verletzen!" erklärte Russell. So wie er das sagte, so überaus geduldig als hätte er es mit einem Vollidioten zu tun, erinnerte mich an meinen Vater. So sprach dieser nämlich oft mit… äh, mir. Puddinghirn sah nachdenklich aus. Bildete ich mir das nur ein oder hörte ich das Geräusch eingerosteter Zahnräder aus Richtung seines Kopfes? Wie auch immer, bevor es noch schlimmer wurde, hörte ich die fröhliche und im Moment sogar willkommene Stimme der Kavallerie. "Oh, da bist du ja Schatz, wir haben dich schon gesucht! Mr Weird hier…" sagte meine Mutter. "Ich heiße Weir, Liebes. Nenn mich doch einfach Peter." "Genau, genau. Okay, Peter hier hat uns alle zum Abendessen eingeladen. Wie schön dass du Mr. Crowe schon gefunden hast, ihn haben wir überall gesucht." Mutter trat einfach zwischen uns und nahm so ohne weiteres Russells Arm. Der Mann tat mir leid. Er war mit Kidnappern fertig geworden, hatte mit Tigern gerungen und gegen Tabakfirmen gekämpft, doch in den Händen meiner Mutter war er hilflos. "Ach wissen Sie, ich habe sooo viele Fragen über Australien, Neuseeland und übers Filmgeschäft – Mr. Wie… äh, Peter konnte sie wirklich nicht alle beantworten und so schlug er vor dass ich Sie frage." Mutter sah den armen, leicht verblüfft wirkenden Kerl an als sie ihn mit sich in Richtung Ausgang zog. Der verblüffte Mann sah sich nach Peter Weir um, fand ihn und stellte fest dass dieser unglaublich unschuldig aus der Wäsche schaute. Und auf einmal sah der verblüffte Mann gar nicht mehr so verblüfft aus. "Äh, Alexa?" kam es zögerlich aus der Ecke. Ich sah mich um, um zu sehen woher das nun kam. Puddinghirn wirkte verloren und recht unsicher. Ich war fast schon soweit, ihn zum gemeinsamen Abendessen dazu zu bitten, als Moira mich am Arm griff. "Danke, Danny", strahlte Beth, während sie meine arme gebeutelte Kameratasche entgegennahm. Interessant, Beth kannte Pudding… äh, Dannys Namen. "'Lexa, ein Wort und du bist tot." drohte Moira mir flüsternd. Also rannten wir drei der Meute vor uns hinterher. Ich sollte mich wahrscheinlich schuldig fühlen, weil wir das arme Puddinghirn so einfach zurückgelassen hatten. Er konnte ja nichts für das Vakuum zwischen seinen Ohren und er meinte es ja auch wirklich gut, immerhin hat er meine Kameratasche gerettet (welche man gar nicht hätte retten müssen, wenn er nicht an dem Gurt gezogen hätte, setzte meine toughe Seite entgegen). Er war eine nette Dinner-Begleitung (ja, aber nach wie vielen Cerveza's, fragte meine pragmatische Seite). Und er schien ein echt netter Kerl zu sein (ja, wenn du für den Rest deines Lebens nur noch Arnold Schwarzenegger zuhören willst, meinte meine erwachsene Seite). Ich fühlte mich schuldig weil ich ihn einfach so stehen ließ, wenn mir auch nicht ganz klar war wieso. "Ach weißt du…" begann ich. "Denk noch nicht mal dran, 'Lexa. Überlass ihn einer Blondine mit dem IQ einer Portion Pommes, sie werden wie füreinander geschaffen sein." riet mir Moira. "Komm schon Moira, so schlecht ist er gar nicht. Er ist sogar ausgesprochen gut, solange er still ist." versetzte Beth. "Du meinst, solange er den Mund nicht aufmacht?" fragte ich neugierig. Auf einmal hatte sie einen verträumten Blick in den Augen "Das würde ich jetzt soo nicht sagen..." "Moira blieb so abrupt stehen, dass ich fast mit ihr zusammenstieß. Dann fiel mir wie Schuppen von den Augen, wovon Beth da sprach. "Äh, Beth," sagte ich. "Beth, sag mir dass das nicht wahr ist," bat Moira. "Ich weiß du magst sie groß und blond, aber das ist…" "Na ja, er hat Talent… und ist sehr aufmerksam," Beth zwinkerte uns zu. "Ihr beiden hattet ja kein Interesse, und er war halt ein wenig einsam…" "Ich dachte du wärst schon ein wenig wählerischer," meinte Moira "Ich bin durchaus wählerisch, aber ich hab auch eine Libido. Ich will das komplette Paket, aber wenn nun mal keine kompletten Pakete verfügbar sind, dann hab ich auch nichts gegen gut aussehend, talentiert und aufmerksam. Oh, und hab ich schon erwähnt dass er beträchtliche… äh… Ausdauer besitzt?" " Ausdauer?" ich schluckte. "Nicht in der Öffentlichkeit, Beth. Das hier ist Frauengespräch, das machen wir unter uns," schmunzelte Moira. "Klingt als seien stille Puddinghirne wohl zuweilen doch recht schmackhaft." Beth lächelte nur. "Okay," meinte ich. "Dann ab zurück ins Zimmer und umziehen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich will heute Abend nicht zu spät zum essen erscheinen." Aus dem frenetischen Nicken, das dem folgte, schloss ich, dass es den beiden ähnlich ging. Wir stürzten Richtung Fahrstuhl. Ausdauer? Beth? Puddinghirn? Mein lieber Schwan.
Ein paar Stunden später… "Komm schon, 'Lexa – beweg deinen Hintern!" rief Moira. "Beth und ich sind soweit!" "Ich komm ja schon!" Beth kicherte. "Ich dachte den Vibrator hast du zu Hause gelassen." "Sehr witzig, Beth." Wo zum Teufel war der andere Schuh? Nicht im Schrank, nicht im Koffer. Unterm Bett vielleicht? "Okay, wir geben dir noch eine Minute, dann sind wir weg, " erklärte Moira. "Schon gut. Geht vor – ich komm gleich nach," rief ich ihnen hinterher. Auf Knien rutschte ich unter das Bett und fand neben ein paar Zeitschriften und einem von Moiras Deorollern auch – hurra! – meinen Schuh. "Okay – wir sehen uns dann unten," rief mir Moira zu. Schnell hüllte ich meine für meinen Geschmack etwas zu vollen Hüften in meinen neuen Wickelrock. Eng aber nicht zu eng – lass die Welt wissen dass du eine Frau bist, aber keine Schlampe, wie Mom sagen würde. Hmm, nicht schlecht. Ein bedrucktes Top und Sandalen vervollständigten das Ensemble. Das Haar war einfach, einmal nach oben drehen und mit einem Clip feststecken. Oh, und ein Spritzer von Giorgo's Red. Ja, ich sah okay aus, wenn man mal von der kleinen Beule im Gesicht absah, die ich von dem Vorfall heute Nachmittag zurückbehalten hatte. Nun ja, ich hatte ein Souvenir von Russell Crowe gewollt, und jetzt hatte ich eins, oder? Und ein Einzigartiges noch dazu. Schade nur, dass es nicht lange halten würde. Ich würde Moira oder Beth bitten müssen, ein Foto davon zu machen bevor sie wieder verschwand. Immerhin, wie viele Menschen konnten behaupten, dass sie einen Zusammenstoß mit Russell Crowe so relativ unbeschadet überstanden hatten? "Okay, Mädel. Einmal tief durchatmen und los!" In weniger als einer Minute war ich aus der Tür und stand vor dem Fahrstuhl. War ich gespannt? Aufgeregt? Klar! Ich würde heute Abend mit Peter Weir zu Abend essen, meiner Meinung nach dem besten Regisseur, den Australien jemals hervorgebracht hatte. Außerdem würde ich noch mit Russell Crowe zu Abend essen, welcher zweifellos (und das nicht nur meiner Meinung nach) einer der besten Exporte war die Australien und Neuseeland überhaupt jemals hervorgebracht hatten – egal in welcher Sparte. Und es trübte meine Stimmung nicht im Geringsten, dass das Dinner mit diesen beiden illustren Gentlemen in Gegenwart meiner Eltern, meiner beiden besten Freundinnen und wohl auch der für Hollywood üblichen Meute von Angestellten stattfinden würde. Also wartete ich auf den Fahrstuhl. Während ich wartete, ging ich auf und ab. Und während ich auf und ab ging, dachte ich nach. Was würde ich sagen? Würde ich ein paar intelligente Fragen stellen oder würde ich mich anhören wie ein Idiotenkind, dass meine Eltern ungewollt bekommen und aufgezogen hatten? Würde ich mich an meine Tischmanieren erinnern oder Beth und Moira bis auf die Knochen blamieren? Was wenn ich Brotkrumen durch die Gegend spuckte, wenn ich was sagte? Was wenn ich mein Bier verschüttete – auf Russells Schoß? Vielleicht… vielleicht war es noch nicht zu spät. Ich konnte noch immer zurück ins Zimmer gehen und Kopfschmerzen vortäuschen (die älteste aber immer noch beste Ausrede der Welt!). Immerhin war der Fahrstuhl noch nicht da. Ich ging weiter auf und ab. Wo war dieser verdammte Fahrstuhl? Warum dauerte das so lange? Je länger ich wartete, desto weniger wusste ich was ich wollte oder sollte. Ein Teil von mir, die kleine Maus die weglaufen und sich verstecken wollte, teilte mir netterweise mit, dass der Weg in die Sicherheit nur ein paar Meter lang war, höchstens ein paar Schritte, gar nicht weit. Ein anderer Teil, der Russell Crowe Fan, dem es nach dem Objekt seiner Begierde lüstete, bestand darauf dass ich blieb, um mir und der Welt zu beweisen, dass ich es verdiente, mich Frau nennen zu dürfen. Wo blieb nur dieser verdammte Fahrstuhl??? Ich lief einmal zu oft auf und ab. Als ich mich wieder vom Fahrstuhl wegdrehte, rutschte ich auf meinen hochhackigen Sandalen aus und knickte beinahe um. Da ich mich daraufhin bückte um die Riemchen wieder fest zu zurren, bemerkte ich nicht dass ich Gesellschaft bekam. "Hola, señorita. ¿Como estas?" Ich sah hoch und erkannte die beiden. Sie waren auf dem Pooldeck gewesen, als Moira, Beth und ich die lokale Herrlichkeit inspiziert hatten. Wir hatten sie stehen lassen, da sie A: besoffen und B: (wie Mom sagen würde) vulgär waren. Ging man von ihrer Feinmotorik aus – oder besser dem Fehlen der Selben – waren sie immer noch voll bis zum Rand. "No hablo español. ¿Hablas inglés?" Die Beiden sahen sich an. Dann grinsten sie und kamen auf mich zu. Ich bemerkte, dass sie sich offensichtlich nahe genug standen, um sich gegenseitig als Haltestellen zu benutzten. Sie lehnten aneinander. "Ja, wir sprechen inglés, pobrecita," antwortete der Eine. Auch wenn er eine Mischung aus Spanisch und Englisch sprach, klang er wie ein Amerikaner. Sie kamen noch immer in meine Richtung. Ich sah mich um, wir waren allein auf dem Korridor. "Hätte die señorita Lust auf ein Abendessen mit ein paar caballeros?" fragte Mr. Spenglisch, der Typ der sich für zweisprachig hielt. "Äh, nein danke. Ich bin schon verabredet." Schließlich blieben die Beiden stehen. Blöderweise standen sie jetzt genau vor mir. "La señorita esta muy bonita, sí?" fragte Mr. Spenglisch. Von seinem Mundgeruch, nach schalem Alkohol und was auch immer sonst noch, wurde mir fast schlecht. Ich trat einen Schritt zurück und fühlte die Fahrstuhltür in meinem Rücken. "Äh, danke, aber ich hab heute Abend trotzdem keine Zeit." Die Fahrstuhltür öffnete sich und ich fiel nach hinten – direkt gegen eine starke, männliche Wand. "Autsch! Das sind meine Zehen auf die du gerade trampelst!" "Sorry," murmelte ich. Ich ging noch weiter zurück, bis ich an der hinteren Wand des Fahrstuhls stand. Ich sah mich um und erkannte, dass drei weitere Männer anwesend waren. Zwei kannte ich, der dritte kam mir bekannt vor. Letzterer hob gerade seine Hand, was klar und deutlich "Stopp" hieß, und drückte auf den Knopf der die Tür schloss. Dann steckte er einen Schlüssel in das Schloss neben dem Knopf und aktivierte somit den "Express" Modus. "Alexa, geht's dir gut?" fragte Peter Weir. Ich nickte. Mir ging's gut, auch wenn mir ein wenig schlecht war. "Was ist passiert?" "Nichts Tragisches." Ich schüttelte den Kopf. "Was also?" fragte Peter. "Nur ein paar Betrunkene, die auf etwas Gesellschaft scharf waren." Ich spürte eine Hand auf meinem Rücken. Ich sah mich um und entdeckte ein meergrünes Paar Augen, das mich studierte. Sanft strich er mir mit seinem linken Zeigefinger über die Wange. "Was ist da passiert?" fragte er. "Du bist passiert." antwortete ich. "Wie bitte?" "Unser Zusammenstoß heute Nachmittag." Er nickte als er sich erinnerte. "Mit dir alles in Ordnung?" "Ja, keine große Sache. Es tut nicht weh, in ein paar Tagen ist es weg." Ich kicherte. Ja, ich weiß, Frauen sollten nicht kichern, aber ich konnte nicht anders. "Was ist daran so witzig?" fragte Russell. "Mit dir alles in Ordnung. Das fragst du oft." Er schnaufte. "Stimmt ja auch. Du brauchst einen Aufpasser, Kleines." Ich sah ihn an, sein Gesicht verriet keinerlei Regung, aber da war ein Schimmer in seinen Augen. Ich hatte jetzt die Wahl: witzig oder wütend. "Könnte sein Mr Crowe. Melden Sie sich freiwillig?" Er lachte, genau wie Mark und Peter. "Mein Daddy hat immer gesagt, wenn man eine Aussage trifft, die Tatkraft voraussetzt, dann birgt das immer auch ein Angebot. Also, mein allerliebster Aufpasser, was haben wir denn heute Abend vor? Abendessen und Tanz? Ein Spaziergang im Mondlicht am Strand?" Seine Augenbrauen schossen nach oben bis zum Haaransatz und er verschluckte sich fast. Peter und Mark platzten vor Lachen, genau wie ich. Es scheint, als ließe sich Russell Crowe nicht gerne necken und ich vermute, dass ich der Grenze zwischen amüsiert und angefressen ganz schön nahe kam. Er öffnete den Mund, ohne Zweifel zum Zweck einer Retourkutsche, als die Fahrstuhltür sich öffnete. "Oh, Lexa, Schätzchen, da bist du ja! Und du hast ja sogar Mr. Crowe und Peter gefunden!" Als wir den Fahrstuhl verließen, hakte sie sich einfach so bei Russell und Peter unter, als sei nichts dabei. Wie macht sie so was?? Es war ein toller Abend. Das Essen war klasse, die Unterhaltung exquisit. Ich Glückliche fand mich auf dem Platz zwischen Russell und Mark, Mom saß zwischen Peter und Dad, Moira zwischen Peter und Mark und Beth zwischen Russell und Dad. Wir hatten einen eher ruhigen Tisch, in einer versteckten Ecke des Restaurants. Vor, während und direkt nach dem Essen gab es Musik aus der Dose über ein gutes Soundsystem. Der typische Mix aus amerikanischer und Latinomusik aus den 60ern, 70ern und 80ern. Leicht zu hören und leicht dazu zu tanzen. Vor dem Essen tanzte Russell einmal mit jeder von uns, danach wechselte er zwischen Moira und mir ab. Kennt ihr die Geschichten über sein legendäres Talent zum Tanzen? Lasst mich euch sagen: sie beschreiben die Erfahrung noch nicht einmal annähernd! Er ist groß und kräftig, ein starker Partner der sicher führt, alles Dinge die man selten in Tanzpartnern findet. Besonders für Moira und mich war das angenehm, da wir beide über eins siebzig waren. Einen großen, starken Tanzpartner zu haben macht das Tanzen zu einem Traum. Nach einer kurzen Pause der Dosenmusik, kam schließlich eine Liveband auf die Bühne. Ich erwartete nicht viel, wurde aber überrascht, denn was darauf folgte war purer Salsa! Russell blickte zur Bühne, und schließlich von mir zu Moira und wieder zu mir. Dann reichte er mir seine Hand. "Was ist Kleines, sollen wir denen mal zeigen wie man so was macht?" Er führte mich auf die Tanzfläche. Seine Hand war warm auf meinem Rücken. Ich wusste von den vorherigen Tänzen wie er führen würde. Mit der Hand auf meinem unteren Rücken würde er die Richtung angeben, und mit dem Rest seines Körpers würde er ausbalancieren. Ich dachte ich wüsste in etwa, was mich erwarten würde. Weit gefehlt. Er zog mich an sich und wir begannen, sinnlich über die Tanzfläche zu gleiten. Seine Augen wanderten kurz herum um die Position der anderen Paare festzustellen, doch meistens blickten sie direkt in meine. Gott, diese Augen. Seine Pupillen waren vergrößert, was seine Augen fast schwarz erscheinen ließ. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus und ich fühlte ein fast übermächtiges Verlangen, über ihn herzufallen. Während der reine Akt des Bespringens in dieser Umgebung wohl kaum angemessen war, konnte ich das Gefühl wenigstens in meinem Hirn abspeichern – vielleicht ließ es sich später noch verwenden, wenn ich allein auf mein Zimmer zurückkehren würde. Wir tanzten also weiter, die Musik pulsierte durch meine Adern und mein Körper bewegte sich im Einklang mit Russells. Ich konnte seine Körperwärme spüren, wie sie durch seine und meine Kleidung drang. Meine Augen schlossen sich halb und ich wurde weich in seinen Armen. Die Band stoppte nicht wirklich zwischen den einzelnen Songs, meistens gingen die einzelnen Stücke ineinander über, mit einigen wenigen kleinen Pausen. Russell schien kein Interesse an einer anderen Partnerin zu haben, also blieb ich bei ihm, Song für Song tanzten wir durch die Nacht. Wann immer wir an unserem Tisch vorbeikamen, fiel mir auf dass sich die Besetzung unserer kleinen Gesellschaft immer wieder änderte. Peter mit Beth oder Moira, Mom mit Dad oder Peter. Mark, der wie ich herausfand, Russells Freund, Bodyguard und persönlicher Assistent war, tanzte nicht. Stattdessen beobachtete er uns und, wie sich später herausstellte, den Raum. Die Musik veränderte sich, wurde lauter als der Abend sich seinem Höhepunkt näherte. Ich fühlte wie Russells Körper sich versteifte, als er sich darauf vorbereitete, mich zu einem Dip nach hinten zu beugen. Er platzierte einen Fuß, die Hüfte drehte sich, wir beugten uns beide als die Musik endete, beugten uns tief. Meine Haarspange löste sich und mein Haar fiel in voller Länge nach unten. Seine Brust lag fast auf meiner, sein Gesicht berührte meine Wange, ich konnte seinen Atem in meinem Nacken spüren. Ich zitterte vor Erregung. Er fühlte das. Ich wusste dass er es fühlte, in dem Moment als er sich ein wenig zurückbeugte um mir wieder in die Augen zu sehen. Seine Pupillen waren völlig geöffnet und mir war klar dass dies nicht nur an dem gedämpften Licht lag. Als er mich wieder hochhob, spürte ich wie er sich an meinen Hals schmiegte. Darauf folgte ein flüchtiger Kuss auf das Ohrläppchen. "Alexa," flüsterte er, doch was immer er sagen wollte, er kam nicht dazu. Klick. Blitz. Russells Kopf schnellte herum in Richtung der Kamera. Er knurrte richtig. "Bleib hier," befahl er und stapfte in Richtung des bedauernswerten Photographen. Mit morbider Faszination sah ich zu, wie er sich dem Kerl näherte. Der Idiot hatte keine Ahnung, was da auf ihn zukam. Er stand nur da und fummelte an seiner Kamera herum, als Russell ihn erreichte. Dieser nahm ihm die Kamera ab. Dem Kerl fiel der Unterkiefer auf Kniehöhe, als Russell die Kamera öffnete und den Film herauszog. Seine Augen verließen keinen Augenblick lang das Gesicht des Mannes, der Photograph sah zu wie der Film durch die Luft segelte und schließlich auf der Tanzfläche landete, wo er bald von den tanzenden Paaren getreten und zerrissen wurde. "Hey, das kannst du nicht machen!" schrie der Photograph. Ich glaube der Typ hat zuviel Zeit in der Dunkelkammer verbracht – wusste er denn nicht, wer da vor ihm stand und von Sekunde zu Sekunde wütender wurde? "Das habe ich gerade. Und wenn du die hier zurück willst" Russell hob die Kamera, "dann verpiss dich ganz schnell." "Hey du Arschloch, du hast mich gerade Geld gekostet!" Jep, viel zu viel Zeit in der Dunkelkammer. "Und jetzt koste ich dich noch ein bisschen mehr," sagte Russell. Er ließ die Kamera fallen und verpasste ihr einen Tritt, dass sie quer über die Tanzfläche durch die Tür auf die Terrasse schoss. An dieser Stelle schlug der Photograph zu, wenn man es denn so nennen will. Russell wich aus und ließ den Idioten durch seinen eigenen Vorwärtsdrall an sich vorbeikippen. Dann zog er ihn an seinem Arm zurück. Zum Glück für alle Beteiligten hatte Mark das Geschehen beobachtet und war sofort zur Stelle. Er stellte sich zwischen die beiden und blockierte damit effektiv alles weitere. Einige andere Männer taten es ihm bald gleich, unter anderem ein Mitglied der Hotel Security. Die beiden Streithähne waren schnell getrennt, was sie jedoch nicht davon abhielt sich weiter gegenseitig zu verfluchen. Zwei weitere Männer in Anzügen kamen dazu. Mark ließ Russell mit drei der Männer zurück, während er begann mit den beiden Neuankömmlingen zu debattieren. Ich beobachtete die surrealen Begebenheiten, die sich vor mir abspielten. Als man im Saal immer mehr Stimmen hörte, wurde die Musik stetig schneller und lauter. Tänzer schwirrten umher, alle den Blick auf Russell und die Gruppe Männer um ihn gerichtet; den Hotel Security Menschen, der auf den Photographen einredete, Mark, der mit einem sehr offiziell wirkenden Schlipsträger sprach, welcher wohl zum Hotelmanagement gehörte. Ich konnte kein Wort verstehen, aber nach einigen Minuten wilden Geschreis und Gestikulierens wurde der Photograph von dem Security Guard hinausbegleitet. Einige der Männer im Anzug verschwanden, nur einer von ihnen bleib zurück. Der Schlipsträger und Mark sprachen einen Moment lang mit Russell, bevor der Mr Wichtig ebenfalls verschwand. Schließlich blieben nur Mark, Russell und der letzte der Kavallerie zurück. Mark diskutierte noch eine Weile mit Russell, dann sagte er etwas zu dem Anderen, der prompt auf mich zukam. "'N'abend, Ma'am." Der Typ klang als sei er frisch aus einer alten Polizeiserie entsprungen. Danach sagte er nichts mehr, scannte nur kurz den Raum, Blick zu Russ und Mark, dann wieder durch den Raum. Plötzlich sagte er wie auf Knopfdruck (eines Knopfes den ich beim besten Willen nicht erkennen konnte) "Sie sind soweit." Er folgte mir auf meinem Weg hinüber zu Mark und Russell. Als ich ankam, den stummen Schrank im Schlepptau, klingelte Marks Handy. Er ging ran und hörte zu, von Zeit zu Zeit nickend. "Sicher. Wenn der Arsch sich beschwert, erinnere ihn an die Hausordnung. Wenn sich das Hotel beschwert, erinnere die an ihre verdammte Hausordnung und ihr Versprechen die Presse unter Kontrolle zu halten." "Sind wir soweit, Mark?" fragte Russell. "Jep. Würde allerdings nicht schaden, wenn du es heute Abend langsam angehen lassen würdest." Der Kommentar brachte Russell wieder zum Kochen. Okay, Zeit einzuschreiten. "Russell, bitte, lass uns gehen." Er hörte mich nicht, Mark hatte noch immer seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich rückte näher, in Hörweite. "Bitte Russ, es ist so heiß hier. Lass uns zum Strand gehen." Er schrak auf und registrierte mich erst jetzt. "Ja. Strand." Er sah sich um und stakste Richtung Terrasse. |