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Hier war es um einiges kühler. Die warme Sommerbrise, die vom Meer hinüberwehte, fühlte sich wunderbar auf meiner Haut an, der Duft von Wasser und Sand war erfrischend. Ich fröstelte in der frischen Luft. Russell sah zu mir hinunter und zog mich an sich. Keiner von uns sagte etwas, da war nichts außer dem warmen, sanften Kontakt eines Körpers mit dem anderen. Ich sah zu ihm hinauf, das Mondlicht erhellte seine Wangen, doch seine Augen lagen im Schatten. Sein blondes Haar reflektierte im Licht. Er lächelte nicht, doch zumindest war der finstere Ausdruck aus seinem Gesicht gewichen. Wir schlenderten den betonierten Weg hinunter, der zum Strand führte. Als wir dort ankamen, schaute Russell zuerst nach oben, dann zu Boden und wir machten uns auf durch den tiefen Sand. Wortlos gingen wir weiter, sein Arm um meine Taille, unsere Hüften berührten sich in gewissen Abständen. Wir erreichten die Wasserlinie und folgten ihr, ließen die Lichter, den Lärm und die Menschen hinter uns. Um uns war vollkommene Stille als wir jede mögliche Störung verlassen hatten, und noch immer hatte sich sein Gesichtsausdruck nicht verändert. Einige Minuten später hielt er an. Er sah zum Meer hinaus, verlor sich dort ein paar lange Augenblicke und schloss schließlich die Augen. Ich hörte einen langen, leisen Seufzer, als er den Blick senkte. Dann drehte er sich zu mir, schlang auch seinen anderen Arm um meine Taille und zog mich an sich. Sanft küsste er meine Stirn. "Danke Kleines." "Wofür denn?" "Dafür dass du mir keine Predigt hältst, dass du mit mir hier spazieren gehst, dass du da bist." Sein Dreitagebart strich gegen meine Stirn als er sprach. Ich schmiegte meinen Kopf an seinen Nacken. Sein Duft, eine betörende Mischung aus Tabak, Rasierwasser und ihm, erfüllte meine Sinne. Als er sein Kinn an meine Schläfe schmiegte, spürte ich wie seine Hände meinen Rücken hinaufwanderten. Meine Arme schlangen sich um seine Hüften und schlossen sich hinter dem Seinen. Seine Hände und Finger beendeten ihre Entdeckungsreise als sie mein Gesicht erreichten. Ich fühlte wie er es in beide Hände nahm, seine Finger strichen sanft über meine Ohren. Er hob mein Gesicht an seines, wobei er mir intensiv in die Augen sah. Dann wanderte sein Blick zu meinen Lippen und ich schloss die Lider halb, als Zustimmung. Sein Mund berührte meinen sanft, die Lippen waren warm und fest. Sie strichen zunächst über meine Oberlippe, dann über die Untere, bevor er meinen Mund nahm. Meine Finger begannen, seinen unteren Rücken zu streicheln, direkt über seinem Hintern. Eine Hand (ich glaube die Rechte) wanderte in meinen Nacken und hielt dort meinen Kopf. Die andere Hand fiel zurück an meine Hüfte und zog mich näher an ihn, näher noch als wir uns während des Tanzes gewesen waren, nah genug um zu spüren wie sich sein Unterleib gegen meinen presste. Der Kuss wurde intensiver, als ich spürte wie seine Zunge zart über meine Lippen strich und dagegen presste. Ich antwortete ihm indem ich die Lippen öffnete, und wurde dafür damit belohnt, dass sie sich seidig und langsam in meinen Mund schob. Daraufhin ging er richtig zur Sache, seine Zunge auf Entdeckungsreise in meinem Mund forderte die meine heraus mit ihm zu spielen. Dann begann seine Hose zu vibrieren. Also ich muss sagen, es gibt viele Dinge, die ich über die Jahre für, von und durch Männer erlebt habe, aber Vibrationen waren mir neu. Mit seiner Linken hielt Russell mich eng an sich gedrückt, mein Oberkörper lag eng an dem Seinen. Im nächsten Moment steckte er die rechte Hand in seine Hosentasche und zog das Handy heraus. Ein kurzer Blick aufs Display, dann ging er ran. Okay, das war also die Vibration. "Peter. Wenn's geht mach schnell." Mann war ich froh nicht am anderen Ende dieser Leitung zu sein. Ich hätte schneller aufgelegt als… na ja, ziemlich schnell. Russell hörte aufmerksam zu. Währenddessen wurde seine Umarmung lockerer, doch seine Hände begannen, sanft meinen Rücken rauf und runter zu streichen. Wäre ich eine Katze ich hätte auf hundert Dezibel geschnurrt. Dann runzelte Russell die Stirn. Im Laufe des Gespräches wurden die Sorgenfalten tiefer und tiefer. "Okay, ich bin gleich da." Er sah mich wieder an und steckte das Handy weg. "Ärger? Du musst gehen." Fragte ich. Er nickte. "Ich will dich wieder sehen. Morgen, zum Frühstück wenn du Zeit hast. Aber auf jeden Fall bevor du abreist." In seiner Stimme war kein Zögern, eine schlichte, direkte Erklärung. So was muss man doch einfach mögen. "Morgen. Frühstück? Unser Grüppchen reist am Nachmittag ab, so gegen drei." "Gut. Morgen. Frühstück. Ich hol dich um sieben ab." "Wie, nicht ausschlafen? Was ist mit deinem Schönheitsschlaf, Herr Schauspieler?" Er schnaubte, dann ein Kichern. Verdammt, dieses Geräusch ist so ansteckend wie es überraschend ist! Er grinste und wurde wieder ernst. Er zog mein Gesicht an seins und gab mir einen langen Kuss. "Gute Nacht Kleines, schlaf gut." Ich sah ihm nach, sah wie er auf Mark traf und dessen Begleiter etwas sagte. Mark und er verschwanden im Gebäude und ließen Nummer Zwo zurück. Ich wandte mich ab und spazierte weiter den Strand entlang. Ich wusste dass niemand dort sein würde, ich hatte den Strand und das Mondlicht für mich allein, Russells Mann würde dafür sorgen. Ich hielt an und sah aufs Meer hinaus, den endlosen Kreislauf von Wasser und Sand, dann ging ich zurück und folgte der Wand, die den Strand vom Hotelgelände trennte. Mein Blick fand den Weg den wir zum Strand genommen hatten. Ich konnte die Spuren im Sand sehen, viele verschiedene, die bis zur Wasserlinie führten. Dort angekommen, folgte ich den Spuren zweier Menschen am Wasser entlang. Mein Blick fand den Punkt an dem die beiden stehen geblieben waren, an dem die Spuren sich vermischten. Dann trennten sie sich, die größeren Fußspuren führten zurück, während die kleinen allein weitergingen. Shit. Was für ein Abend!
Nächster Morgen Ich versuchte mich auszustrecken, aber etwas Schweres lag auf meiner Hüfte, etwas Starkes war um meine Taille geschlungen und etwas Hartes piekste mich in den Rücken. Doch allen Hindernissen zum trotz schaffte ich es mich umzudrehen. Verdammt, er war einfach zum anbeißen! Als Reaktion auf meine Bewegung drehte auch er sich im Schlaf und sein Griff veränderte sich. Er zog mich noch näher an sich heran. Sein langes blondes Haar (ich hab mich noch immer nicht daran gewöhnt) war gleichmäßig über das ganze Kissen verteilt. Ich gebe zu, man tut so was nicht, aber so viele Männer haben es schon bei so vielen Frauen getan, dass ich mich einfach nicht beherrschen konnte: Ich nahm eine der goldenen Locken zwischen die Finger und begann, ihm damit übers Ohr zu streichen. "Mumf," war die eindeutige, wenn auch komplett unverständliche Antwort. Ich hielt die Locke noch immer in meiner Hand. Sanft strich ich ihm damit über den Nasenrücken. "Frahf," war die nächste Perle der Weisheit. Nicht gerade eine stimulierende Unterhaltung. Ich versuchte mich an seiner Augenbraue und voilà, mein Lohn war ein offenes Auge, das mich ansah und langsam erkannte. Er war wie eine schlafende Katze (eine richtig große), die langsam erwacht. Er blinzelte ein paar Mal, dann drehte er sich auf den Rücken und streckte sich. Ich begutachtete wie sich die Muskeln unter seiner Haut spannten und wieder entspannten. "Guten Morgen," flüsterte ich. "Morgen Kleines," war seine Antwort. Er war noch richtig heiser, ein Klang irgendwo zwischen seinem normalen Bass/Bariton und einem Basso Profundo. Ich bekam Gänsehaut. Er zog mich an sich, bis ich halb auf ihm lag, dann begann er mein Ohr zu liebkosen, während seine Hände langsam meinen Rücken hinab glitten. Dann rollte er mich auf meinen Rücken und sein Mund traf meinen in einem innigen Kuss. Was für eine Art einen Tag zu beginnen! Piep! Piep! Piep! Piep! Piep! Piep! "Shit! Ich hasse diesen Wecker," sagte er. "Wie viel Uhr ist es?" "Halb Sieben," antwortete ich. "Shit! Verschlafen!" erklärte er und sprang aus dem Bett. Ich hörte zu wie Russell in der Dusche sang. Zwischen dem laufenden Wasser und seiner Grölerei, erkannte ich sogar das Lied: "Amazing Grace". Und er sang Sopran. Einen Moment später stand ein nasser, nackter Russell neben meinem Bett. "'Lexa? Zeit aufzustehen," meinte er. Seltsam, seine Stimme hört sich an wie Moiras. "Komm schon Süße, es ist Sonntag. Deine Eltern wollen dass wir uns unten beim Frühstück sehen lassen, bevor wir packen und abhauen." Packen und abhauen? Mit Russell? "Häh," war meine elegante Antwort. Irgendwie hatte Russell es geschafft, dass sein Haar auf einmal pechschwarz, lockig und fast hüftlang war. "Alexa, aufwachen!" Mit diesen Worten riss mir ein schwarzhaariger Russell mit Brüsten meine Decken weg.. "Lieber Gott, Mädel! Raus aus dem Bett!" Oh, okay, nicht Russell sondern Moira. "Verdammt, was machst du nur immer mit deinem Kissen? Gut dass Unzucht mit Baumwollprodukten keine Straftat ist, sonst würdest du schon lange sitzen!" Mist. Ich betrachtete das Kissen, jep ziemlich zerknuddelt. Ich schlug einmal darauf ein, sauer weil ein weiterer wunderbarer Traum geendet und ein grauenhaft realer Tag begonnen hatte. "Hier, dein Kaffee," bot Moira an. Ich konnte nun Beth in der Dusche singen hören, sie war schon fast durch Amazing Grace durch. Als sie gerade die letzte Strophe beendete, nahm ich beinahe die Tasse, bevor mir der Morgen zuvor einfiel. "Äh, nein danke Moira, ich warte bis wir unten sind." "Ah, sie ist wach." Ich begann zu kichern. "Was ist denn bitte so witzig?" "Beth singt 'Amazing Grace'," gab ich zurück. Moira dachte einen Moment nach. "Ja und?" Ich kicherte wieder. "Und bisher heult noch kein Hund." Moiras Mund stand einen Moment lang offen, dann verstand sie den Witz. Sie begann zu grinsen und dann laut rauszulachen, während ich weiter kicherte. "Und du, wo warst du denn letzte Nacht? Das letzte das wir sahen waren Russell und du, wie ihr euch Richtung Strand verzogen habt. Zusammen." "Wir waren am Strand spazieren." "Und?" Sie ließ sich nicht so leicht abschütteln. "Nichts und. Sein Handy hat vibriert und weg war er." "Sonst nichts. Ihr wart spazieren. Das soll alles sein?" Einen Moment dachte ich nach. "Genau, das war alles." Manche Dinge behält man einfach für sich, sogar gegenüber den besten Freundinnen. Ich setzte mich auf und streckte mich, wollte gerade aufstehen, als Moira mich anschrie. "Um Gottes Willen Alexa! Was hast du denn getrieben?!" "Häh?" "Dein Gesicht! Dein Auge… blau!!! Scheiße nein, wer hat dich geschlagen??" "Moira, wovon sprichst du überhaupt?" Sie schnappte sich meine Hand und zog mich hoch. Ohne zu klopfen schubst sie mich ins Bad vor den Spiegel. Beth quiekte vor Schreck. "Hey Kinder, ihr last die kalte Luft rein! Verdammter Mist, Alexa!" Doch Beths Kommentar war eigentlich unnötig, im Spiegel war das Problem nicht zu übersehen. Was gestern noch eine kleine Beule auf meiner Wange gewesen war, hatte sich über Nacht in ein schillerndes blaues Auge verwandelt. Ich untersuchte es vorsichtig und erkannte die ursprüngliche Stelle noch, die auf Russells Kinn gestoßen war. Sie war in etwa so groß wie ein Zehncentstück und hatte sich in einem spektakulären Lilaton gefärbt. Was aber richtig gemein aussah, war die Schwellung die sich von dem kleinen lila Punkt aus bis zum Auge hingezogen hatte. Bisher war nur der Bereich unter dem Auge betroffen, morgen würde ich wahrscheinlich aussehen wie eine halbe Eule. "Alexa, wer hat dich geschlagen?" fragte Moira. Ich inspizierte den Kratzer weiter, er tat zwar nicht weh, sah aber verdammt beeindruckend aus. "Niemand, Moira." Im Spiegel hinter mir sah ich, wie Moira und Beth viel sagende Blicke tauschten. "Alexa," sagte Beth, "so ein blaues Auge kommt doch nicht von ungefähr. Wer hat das getan? Wer hat dich angegriffen? " "Russell," meinte ich abwesend. Doch sobald das Wort heraus war, wünschte ich mir es zurücknehmen zu können. Wie erkläre ich ihnen nur dass es ein Unfall war? Es war wirklich ein Unfall! "Gestern nach dem Spiel hat er mich doch vom Boden aufgesammelt" begann ich. "Und da hat er dich geschlagen?" fragte Moira. "Nein, er hat mich nicht geschlagen! Wir bückten uns beide um den Ball aufzuheben und stießen mit dem Kopf zusammen. Erinnerst du dich noch an den kleinen Kratzer auf meiner Wange gestern Abend?" Ich zeigte auf eben diesen Ursprung allen Übels. "Er ist halt… gewachsen." Beth kam einen Schritt näher um mich genauer unter die Lupe zu nehmen. "Nie von so was gehört," versetzte Moira. Beth stimmte zu. "Ich auch nicht," "Ich wüsste nicht wo es sonst herkommen sollte. Mist, sieht übel aus, oder? " meinte ich. "Ziemlich," meinte Beth. "Mannomann, wenn das dein Dad sieht, der rastet aus." "Um ihn mache ich mir weniger Sorgen. Kannst du dir vorstellen was passiert wenn dieser Presseheini das sieht? Hast du eine Ahnung was der damit anfangen würde? Heilige Cannelloni, die werden den Mann kreuzigen! Was mach ich nur?" Beth blickte hinüber zu Moira. "Concealer? Unter der Grundierung?" "Da brauchst du aber 'nen Haufen Concealer und musst ihn auch einmal komplett ums Auge rum auftragen. Du müsstest auch noch mal jede Menge Farbe drauf tun, und dann sieht sie aus wie eine Schneeeule. Hmm… nein, natürlich sieht das nie im Leben aus. Was immer wir Make-up mäßig machen, sie sähe immer aus wie für den Abend rausgeputzt und jeder würde das merken – besonders ihre Eltern, die wissen schließlich dass sie eigentlich kaum Make-up benutzt." "Sonnenbrille?" schlug Beth vor. "Könnte klappen. Du sagst einfach du hättest einen Kater," meinte Moira. "Ja, aber soviel hatte sie nicht. Weißt du noch, ihre Mutter hat sich über die Reste in der Flasche beschwert." Die Debatte über mein Auge und dessen beste Behandlung wurde durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Ich ging zur Tür während die beiden weiter darüber diskutierten, wie man die Beweise am besten vor den Augen von Reportern, diverser Elternteile und der Welt an sich versteckte. Ich sah durch den Spion, dann öffnete ich die Tür. "Schätzchen, du und … Oh. Mein. Gott." "Äh, hi Mom." "Was ist denn mit dir passiert?" "Weißt du noch, mein Zusammenstoß mit Russell, sein Kinn traf auf meine Wange und nun…" "Geht es dir gut? Hat er dich verletzt? Kannst du überhaupt was sehen?" "Ja, mir geht's gut. Das einzige was wehtut ist die ursprüngliche Beule und die ist ganz klein." "Bist du sicher Schatz? Oh, armer Liebling…" Mütter sind doch einfach die Spezialisten wenn es ums Umarmen geht, und meine Mom steht da ganz oben auf der Liste. An einem Wochenende mit so vielen Höhen und Tiefen wie diesem geht doch nichts über eine Mutter die mit einem Knuddeln alles wieder ins Lot bringen kann. Nach ein paar langen Minuten voller Streicheleinheiten und mitfühlenden Worten hob Mom den Kopf. "Wo stecken denn Beth und Moira?" fragte sie. Offensichtlich hatte sie das Gezeter im Bad bemerkt. "Die versuchen gerade herauszufinden, wie man mein Gesicht am besten unter einer Ladung Make-up verstecken kann." "Oh, da hab ich aber auch noch ein Wörtchen mitzureden…" Und schon war sie im Badezimmer verschwunden. Ich konnte das winzige Bad von meinem Standpunkt aus sehen. Für eine Person war es mehr als ausreichend, mit zwei wurde es schon eng, zu dritt konnte man darin kaum atmen. Der Anblick von drei Frauen, die sich in dieses winzige Stückchen gekachelte Erde quetschten, über das Waschbecken gebeugt das bis zum Rand mit dem Inhalt von Beths und Moiras Kosmetiktaschen gefüllt war, war einfach zum Schießen. All das jedoch tat der Diskussion der Drei über mein Gesicht und Auge keineswegs Abbruch. Wieder klopfte es. Und wieder sah ich durch den Spion. Ich erwartete meinen Vater, und lag auch gar nicht so falsch. Vor der Tür stand ein Mann. Doch an Stelle des über sechzig jährigen Wissenschaftlers mit dem lichten Haar meines Vaters stand dort ein großer, blonder australischer Schauspieler. Er trug eine Sonnenbrille, ein Lächeln – und leider auch Klamotten. Ich öffnete die Tür. "Alexa, du… Shit! Was ist denn mit dir passiert?" fragte Russell. Bis jetzt hatten vier Leute es geschafft, diese Frage auf zwei verschiedene Arten zu stellen. Ich fragte mich was Freud dazu sagen würde. "Unser Zusammenstoß? Der Ball? Gestern?" Er nickte. "Stimmt. Hmm… ist ganz schön aufgeblüht." Abwesend rieb er sich das Kinn, wo seine Zwillingsbeule immer noch so groß war wie ein Daumenabdruck und nur leicht grünlich. Schließlich strich er mir mit dem Zeigefinger zart über die Wange und schüttelte den Kopf. "Das tut mir leid Alexa." Und das tat es wirklich, ich sah es in seinen Augen und hörte es in seiner Stimme. Ich sah ihn an und blickte für einen Moment hinter die Schauspielerfassade, hinter das Ego und sah nur den Mann, der darunter verborgen war. Liebe Öffentlichkeit, ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen dass es tatsächlich einen Mann hinter dem Schauspieler gibt und dass er jetzt gerade vor mir stand. "Komm rein, wir müssen uns schließlich nicht im Flur unterhalten." Ich öffnete die Tür noch ein Stück um ihn reinzulassen. "Kommst du zum Frühstück?" fragte er. "Sobald Mom, Moira und Beth herausgefunden haben wie sie mich präsentabel machen können." Russell schnaubte. "Shelly bekäme das hin; ich hätte wohl keine Chance." "Shelly?" "Die Make-up Chefin am Set. Sie hat die hier schon inspiziert," er zeigte auf sein Kinn "und mischt gerade den richtigen Concealer dafür zusammen." "Das kleine Teil? Man sieht es doch kaum." "Bisher. Morgen wird das wohl anders aussehen. Wenn sie es nicht verdeckt, dann wird es leuchten wie ein Wetterballon wenn mein teures Antlitz metergroß auf der Leinwand erscheint." Er grinste, offenbar amüsierte ihn die Vorstellung einer leuchtenden Beule auf seinem riesenhaften Gesicht. "Mei, was für 'ne Zielscheibe." Den Spruch brachte ich sogar witzig rüber. Cool. Russell lachte, wurde dann wieder ernst. "Trotzdem, deine Freunde haben Recht. Du musst das verdecken während du hier bist, sonst wirst du zum Bulls Eye für jeden Reporter der Stadt." Ich stöhnte über das Wortspiel. Konnte nicht anders, es war ziemlich mies. "Du meinst Make-up bringt nichts?" "Nein. Hast du eine Sonnenbrille?" Ich nahm meine und setzte sie auf. "Nicht groß genug, Kleines." Er nahm sie mir ab und steckte sie in seine Brusttasche. Dann nahm er seine und setzte sie mir sanft und vorsichtig auf die Nase. Schließlich trat er einen Schritt zurück um den Effekt zu begutachten. "Hmm, könnte klappen." "Aber die gehören doch dir, Russell," protestierte ich. "Jetzt nicht mehr." Er grinste wieder. Dieses Mal nahm er mein Gesicht wieder in beide Hände, schob mit den Daumen die Brille hinauf in mein Haar und zog mich an sich um mich zu küssen. Hatte ich was dagegen? Fragt das jemand im Ernst? Es begann wie ein freundschaftlicher Kuss, eine leichte Berührung der Lippen, wie man es von Bekannten erwarten würde. Dann hielt er inne und ich öffnete meine Augen, nur um zu sehen wie er mich angestrengt betrachtete. Darauf folgte ein weiterer, längerer Kuss. Und bewegte sich schnell von "freundschaftlich" zu "intensiv" und war gerade bei "absoluter Wahnsinn" angekommen, als ich ein lautes, sehr feminines "Harumph" hörte. Mom. "Mr. Crowe, was genau sind ihre Absichten in Bezug auf meine Tochter?" fragte sie. Russell schlang einen Arm um meine Taille. "Absolut unehrenhaft, Mrs. Raven," antwortete er mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Mom blinzelte zweimal schnell hintereinander, das macht sie immer wenn man sie kalt erwischt. Russell lachte leise und auf ihrem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. "Schon klar. Kann ich mich darauf verlassen dass sie in einem Stück unten beim Frühstück ankommt?" "Natürlich, Mrs. Raven. Im Ernst, ich respektiere ihre Tochter und würde sie niemals wissentlich verletzen." Mom nickte. "Gut. Dann verstehen wir uns. Wie auch immer, Schätzchen, egal wie viel Make-up wir auf dein Auge tun würden, du würdest trotzdem auffallen wie ein bunter Hund. Die Sonnenbrille könnte funktionieren – draußen zumindest. Trotzdem mache ich mir Sorgen um das Publikum im Frühstücksraum." Russell schnaufte verächtlich bei dem Wort "Publikum". Mom fuhr fort als habe sie nichts gehört. "Am meisten sorge ich mich allerdings wegen Glenn." Mein Dad. "Er war gestern Abend schon nicht so glücklich als ihr zwei so einfach verschwunden seid." "Mrs Raven, seien Sie versichert, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen." sagte Russell sanft. Mom sah ihn an. "Um Sie und Ihr Benehmen mache ich mir ja gar keine Sorgen, Mr Crowe. Ich bin mir sicher, Sie haben sich nichts zu schulden kommen lassen. Die Frage ist nur, ob Lexas Vater das genauso sieht." "Mrs Raven, würden Sie und Mr Raven Alexa und mir dann vielleicht beim Frühstück Gesellschaft leisten? Ich bestell' es in meine Suite, wo wir ungestört sind und Mr Raven so viel schreien kann wie er lustig ist. Beth? Moira? Seid ihr dabei?" Die Einladung zum Frühstück! Die hatte ich ja total vergessen! Russell offensichtlich nicht. Mom dachte einen Moment nach. "Hmm, hört sich gar nicht schlecht an." Nachdem Mom und Dad und Russell und Mark sich jeweils via Hotel- und Mobiltelefon kurzgeschlossen hatten, schien es als hätten wir einen Plan. "Gut, dann gehe ich mal Glenn suchen. Bis gleich dann." Mit diesen Worten verschwand meine Mutter. Russell drehte sich wieder zu mir um und sah mir in die Augen. Schien so, als sei er drauf und dran wieder zu unserer vorherigen Beschäftigung zurückzukehren, als das elende Gekicher wieder losging. Er schielte zu Beth und Moira hinüber. "Okay, wir verschwinden noch mal kurz ins Bad. Bis gleich…" säuselte Beth. "Aber nur bis ganz, gaaaanz gleich!" flötete Moira. Sie schlossen die Tür hinter sich, aber das Gelächter hörte man durch und durch. "Mist. Ich hau' auch besser ab. Du musst dich umziehen und ich muss herausfinden, wie ich deinen Dad beruhige." "Umziehen?" fragte ich. Okay, es war noch verdammt früh! "Kleines, ich liebe Ladies in Satin und Seide – besonders zum Frühstück. Aber irgendwie halte ich es nicht für eine gute Idee, den Satinschlafanzug zum Frühstück mit deinem Dad zu tragen. Oder was meinst du?" In seinen Augen glitzerte es verspielt. Ich schloss die Augen. Nachdem ich meinen Kopf geschüttelt hatte, ließ ich ihn an Russells Schulter fallen. "Okay, ich bin ein Depp!" "Nein Kleines – alles andere als das." Er zog mich in seine Arme und küsste mich. Dann hielt er mich einfach ein paar Augenblicke lang. "Gut, ich bin weg." Er trat einen Schritt zurück. "Ich werde warten." schloss er sanft. Ich nickte und er ging. Ich hörte mir noch eine Weile das Gegacker aus dem Badezimmer an. Verdammt, all das und es ist gerade mal viertel nach sieben. "Okay. Duschen, umziehen, eine Ladung Aspirin in die Handtasche." Klang gar nicht so schlecht. Aber andererseits, viel schlimmer konnte es wohl kaum noch werden. Zum letzten Mal sah ich auf die Uhr. Halb acht, und die Welt war in Ordnung… naja, was man so Ordnung nennt. Ich drehte mich noch einmal vor dem Spiegel. Die Jeans saß, nicht zu eng nicht zu weit. Auch das Spaghettiträgertop war okay und passte gut dazu. Sonnenbrille auf – Russell hatte recht, sie versteckte einen Großteil des Veilchens. Haare mit einer neuen Spange hoch… die von gestern Abend war wahrscheinlich mit dem Müll hinausgekehrt worden. "Schau sie dir an, unsere kleine Miss Hollywood," war Moiras Kommentar. "Ahh… ist sie nicht süß?" lachte Beth. Darauf bekam sie von mir den berühmten Finger, worauf die beiden fast zusammenbrachen vor Lachen. "Zumindest zerbreche ich den Spiegel nicht wenn ich hineinschaue," grummelte ich. Wer solche Freunde hat… "Nö, er bekommt höchstens einen klitzekleinen Sprung," gab Moira zurück. "Humpf! Können wir jetzt endlich gehen?" "Klar, wir warten sowieso nur auf dich. Bist du sicher dass du vor die Tür willst?" fragte Beth. "Ja, besser bring ich's gleich hinter mich." Die beiden sahen sich an. "Bist du sicher dass du das schaffst?" fragte Moira sanft. "Klar. Ich hab ja nur die Überreste eines Monster-Katers, noch keinen Kaffee gehabt, wir sind in Russell Crowe's Suite zum Frühstück eingeladen – wir, dass heißt meine beiden besten Freundinnen und meine verdammten Eltern! Eltern beinhaltet übrigens einen alten Herrn, der das nette blaue Auge noch nicht gesehen hat, das besagter Mr Crowe mir verpasst hat. Und der, wenn er es denn zu sehen bekommt, wahrscheinlich ausrasten wird. Ich kann nur sagen, das Frühstück wird mit Sicherheit … interessant. Ich kann's kaum erwarten." Beth kicherte und Moira begann "Ein Tag so wunderschön wie Heute" zu summen. "Zu melodramatisch?" fragte ich. Beth lachte auf. "Ein bisschen vielleicht." "Aber nur minimal," kommentierte Moira. "Na dann mal los." Wir machten uns also zum Fahrstuhl auf. Als wir auf den selbigen warteten, ließ ich mir noch mal durch den Kopf gehen was so alles passieren konnte. "Ähh.." begann ich. "Sie überlegt sich's anders," meinte Moira. "Ehrlich?" fragte Beth. "Nein," meinte ich. "Trotzdem, ich fahre direkt nach oben. Würdet ihr zwei bitte unten meine Eltern abholen. Und vielleicht könntet ihr ein bisschen…" "Trödeln?" schlug Beth vor. Ich nickte. "Oh Lexa. Entspann dich. Das wird alles schon," meinte Beth. Ich gehe jede Wette ein, dass sie als einzige von uns dreien irgendwann mal heiratet und Kinder hat. Wahrscheinlich einen ganzen Stall voll. In dem Moment kam der Fahrstuhl, und Moira und Beth verschwanden darin. Ich schlenderte noch ein paar Mal auf und ab, bevor ich den Mut aufbrachte die Suite von meinem Handy aus anzurufen. Mark ging ran, reichte mich aber sofort nachdem ich mich gemeldet hatte an Russell weiter. "Noch mal guten Morgen, Kleines. Bist du auf dem Weg?" "Ja. Beth und Moira werden gleich mit Mom und Dad nachkommen, aber ich hätte gern ein paar Minuten mit dir allein." "Okay. Probleme?" "Nicht wirklich, ich muss dir nur noch was zu meinem Vater sagen…" "Gut. Mark ist schon auf dem Weg. Einen kleinen Moment." Mit diesen Worten legte er auf. Mark musste sich schon direkt bei meinem Anruf auf den Weg gemacht haben, denn als sich kurz darauf die Tür des Fahrstuhls öffnete, war er der Einzige darin. Ich trat ein. Fasziniert sah ich zu, wie er an den Armaturen herumhantierte. Das fiel ihm auf. "Ich brauch' diesen Schlüssel hier und einen Zugangscode, um hoch ins Penthouse zu kommen," erklärte er. "Mit dem Teil kann ich auch den Express-Modus einschalten." "Hatte ich gefragt?" meinte ich lächelnd. Er grinste zurück. "Brauchst du gar nicht, die Neugier stand dir ins Gesicht geschrieben. "Bin ich so leicht zu durchschauen?" "Sagen wir's mal so: Poker wär' nicht dein Spiel, Mädel." Einen Augenblick später waren wir auf dem Penthouse Level angekommen. Mark klopfte und öffnete. Dann hielt er mir die Tür auf und ließ mich herein. Ein paar Schritte hinter der Tür wartete Russell bereits auf mich. Mit dem breiten Grinsen im Gesicht und den Armen vor der Brust verschränkt war er einfach unwiderstehlich. Er kam auf mich zu und breitete die Arme aus. Ich stürzte mich hinein und genoss die Umarmung, der bald ein Kuss folgte. Russell legte mir den Arm um die Schulter und führte mich zum Wohnzimmer. Mir fiel auf, dass die Suite schön und geschmackvoll eingerichtet war, das Sofa plus Sessel sahen verdammt weich und gemütlich aus. Na ja, wenn man ein paar Monate lang weg von zuhause war, war dies wohl ein recht angemessener Ersatz.
Russell führte mich
hinüber zu dem großen Sessel, ließ sich hineinfallen und zog mich
gleichzeitig auf seinen Schoß. Da bemerkte ich, wie einer meiner
Spaghettiträger auf einmal irgendwo fest hing. So gut es ging versuchte ich
das Problem zu orten, aber Russell war schneller.
"Was?" "Sorry Kleines." Er klang richtig zerknirscht. "Obwohl ich zugeben muss, dass die Aussicht nicht zu verachten ist." Verdattert sah ich ihn an. "Hey das Hinschauen kann man einem Kerl doch nicht verdenken!" Russell lachte mich an, so dass die kleinen Krähenfüße in den Winkeln dieser berühmten meergrünen Augen sich vertieften. "Mark, kannst du mal ne Sicherheitsnadel für Alexa auftreiben?" rief Russell. "Einen Moment, Russ." kam es gedämpft aus dem Nebenzimmer. Ich sah an mir hinunter, um zu überprüfen welche "Aussicht" er denn hatte. Kaum der Rede wert, durch den kaputten Träger fiel der Saum vielleicht um 2 cm. Da hörte ich ihn kichern. "Hey, du hast hingesehen!" Mir fiel der Unterkiefer hinunter. Das Spiel stammt ja noch aus Kindergartentagen! Aber hier sitzt dieser erwachsene (?) Mann, spielt und kichert wie ein kleiner Junge. "Du…" begann ich. Er zog die Brauen hoch. "Du…" platzte ich noch mal heraus. Seine Brauen wanderten noch ein Stück nach oben, bis sie fast den Haaransatz streiften. Wie die pure Unschuld saß er da, ein süßes kleines Lämmchen. Ich verschluckte mich fast an meinem Lachen. "Du…" ahmte Russell mich nach. "Du…" begann ich wieder und "Du…." war wieder Russell's originelle Antwort. "Hör auf damit!" kam mein Befehl. "Hör auf damit!" Bildete ich mir das nur ein, oder sprach ich mit mir selbst? Ich hörte die Türklingel, ignorierte sie aber geflissentlich. Russell's Spiel machte zum Einen viel zu viel Spaß, zum anderen musste ich einfach rausfinden wie ich es gegen ihn gewinnen konnte. Es war wahrscheinlich mein Grinsen das mich verriet, denn als ich meine Faust hob um ihm einen spielerischen Hieb in den Magen zu versetzen, kam ich nicht sonderlich weit. "Oh nein, Kleines, das würde ich nicht machen!" meinte er. Er fing den Schlag ab indem er mein rechtes Handgelenk umfasste und uns beide auf die Beine zog. Auf einmal stand ich furchtbar nah an ihn gepresst, seine Arme um meine Hüften geschlungen. "So Kleines, jetzt hab ich dich da wo ich dich haben will. Und was machst du jetzt?" Er begann mein Ohr zu liebkosen, küsste das Ohrläppchen bevor er es sanft zwischen die Zähne nahm. Nun hatte ich ein Problem: einerseits wollte ich ihm noch immer eins auswischen, andererseits würde das bedeuten dass er aufhörte… Wie auch immer, ich wurde dazu erzogen, die Dinge zu Ende zu bringen. Schließlich ging es hier um eine Frage der Ehre. Er dachte wohl ich sei nun Wachs in seinen Händen; nun ich würde ihm zeigen, wer hier wen in Händen hatte. Das Beste war, dass er es nicht einmal kommen sah. Zumindest nicht, bis sich meine Finger unter sein T-Shirt geschafft hatten und ihn dort zu kitzeln begannen! "Was zum…?!" Er warf den Kopf zurück, doch ich konnte das breite Grinsen auf seinem Gesicht erkennen. Innerhalb eines Augenblicks 1) hob er mich hoch, 2) platzierte mich wieder auf seinem Schoß, 3) drehte mich so dass ich rittlings auf ihm saß, 4) presste meine Arme an beide Seiten meines Körpers und 5) zog mich noch näher an sich, so dass ich leicht nach vorne gebeugt war. "Soo, Kleines, und was hast du als nächstes vor?" Ich spürte wie sein Unterleib sich gegen meine Rückseite presste, jep, er war definitiv interessiert. Ich zappelte ein bisschen, worauf er seinen Griff um mich nur noch verstärkte. Schließlich musste ich kichern. "Okay, okay, ich geb' auf!" Ich begann laut zu lachen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Sein antwortendes Kichern war ansteckend. Sein Mund war so nah an meinem dass ich seinen Atem spüren konnte. Ein Zittern lief durch meinen Körper. Ich wollte ihn bespringen und gleichzeitig auf ewig einfach nur so weiter mit ihm herumalbern. Dann wurde sein Griff fester und mit der rechten Hand auf meinem Rücken schob er mich noch näher an sich. Seine Linke wanderte nach oben und drehte mein Gesicht ein wenig, so dass seine Lippen meine Wange streiften. "Oh, Kleines. Zu schade dass deine Eltern und die Mädels gleich kommen," murmelte Russell. "Äh, Russ," Das war Mark. Wo kam der denn auf einmal her? "Alexa!" Mist, das klang wie mein Vater. Vorsichtig wandte ich mich um. Shit, da standen sie in einer Reihe: Mom und Dad und Beth und Moira. Und alle starrten sie uns an, wobei ich die verschiedensten Gesichtsausdrücke erkennen konnte: fassungslose Verwunderung, Neid und gute alte Entrüstung. Mark stand hinter der Meute und rollte einfach nur die Augen als wollte er sagen "Kinder!" Um ehrlich zu sein, hatte ich keinen Gedanken an die Welt um uns herum verschwendet und Russ anscheinend auch nicht. Er versteifte sich und wir standen auf, wobei sein Arm sich nie von meiner Hüfte wegbewegte. "Guten Morgen, Mr. Raven, Mrs. Raven, Beth, Moira," sagte Russell. Er war ruhig und erwachsen. Irgendwie hatte er es geschafft innerhalb von zwei Sekunden den kleinen Jungen abzustellen und dafür reifen, verantwortungsbewussten Erwachsenen einzuschalten. Irgendwann werd ich diesen Trick auch mal lernen… "Mr. Crowe, wie genau stehen Sie zu meiner Tochter?" Höflich aber direkt, das muss man meinem Dad lassen. Nimmt kein Blatt vor den Mund, es sei denn er ist richtig angefressen. "Weiterhin würde ich es begrüßen wenn Sie schleunigst Ihre Hände von ihr lassen würden!" Schande, er ist verdammt förmlich. "Mr. Raven, ich.." Russell sprach diesen Satz nie zu Ende. Und er bewegte seinen Arm um meine Hüfte keinen Zentimeter. "Für dich bin ich immer noch Dr Raven, du australischer Casanova!" Oh, Shit, böse Falle. Dad fährt nie jemandem in die Parade. "Wie kannst du es wagen dich einen Mann zu schimpfen, nachdem du einer Frau ein Veilchen verpasst hast?!!" Fuck. Russell versteifte sich noch mehr. Ich bemerkte, dass auch Mark auf einmal eine Reaktion zeigte. Wenn ich das richtig sah, hatte Dad gerade einen verdammt wunden Punkt bei Russell getroffen. Russell trat einen Schritt vor und lies mich los "Ich schlage keine Frauen, und sie habe ich erst recht nicht geschlagen! Das mit dem Auge war ein Unfall! EIN UNFALL!" Russells Gesicht war hart und begann rot anzulaufen. "Wirklich Professor Raven, es war ein Unfall," beteuerte Moira "Er schlägt wirklich keine Frauen, nur im Film. Es war nur ein Film!!" war Beths Beitrag zu dem Fiasko. "Er mag doch Frauen!" Als sie merkte was sie da gesagt hatte, versuchte Beth sich zu verbessern. "Aber so gern bestimmt auch wieder nicht, zumindest nicht so wie es in der Presse steht! Er ist schließlich auch nur ein Mann… Shit, ich mache alles nur noch schlimmer!" schloss sie resigniert. "Schätzchen, jetzt aber! Nicht böse werden. Ich bin mir sicher dass er es nicht mit Absicht getan hat." Das war meine Mom, in einem aussichtslosen Versuch, meinen Dad zu beruhigen. "Es war doch nur ein harmloser Spaß, oder Alexa-Schatz? Russell hat sie doch nicht vorsätzlich verletzt, es war ein Unfall! Und nenn' ihn nicht Casanova, ich bin mir sicher sein Ruf ist himmelweit übertrieben. Du weißt doch wie diese Zeitungsfritzen zur Übertreibung neigen und aus einer Mücke einen Elefanten machen." "Gib Ruhe, Frau!" unterbrach sie Dad. "Das hier ist Männersache!" Oi! Dad war nicht nur angefressen – er war stinksauer! Es klingelte wieder und Mark öffnete. Es war der Zimmerservice mit dem Frühstück. "Ja, Kumpel, hier rüber. Vorsicht vor den beiden Typen… und von den Mädels hältst du dich auch am besten fern." Mark klang ruhig, fast schon gelangweilt, während um ihn herum der Krieg tobte. "Soll ich hier bleiben um zu servieren, Mr. Dumbrell?" Die Augen des Kellners bewegten sich pfeilschnell durch den Raum, als er die Szenen vor sich aufsog: Russell und Dad, die sich gegenseitig anschrieen, meine Mutter die versuchte, meinen Vater zurückzuhalten und schließlich Beth und Moira, die inzwischen begonnen hatten, sich den wichtigeren Themen des Tages zuzuwenden. Moira verschränkte gerade die Arme. "Also ehrlich, dieser ganze Scheiß nur weil man einen Typ flachlegen will. Es ist schließlich wirklich keine Hexerei: wenn er sich gut anstellt und es Spaß macht ist es toll – schau doch nur dich und Puddinghirn an. Was er nicht im Kopf hat, hat er zwischen den Beinen, nicht wahr Beth?" "Halt gefälligst deine Klappe wenn's um Danny geht – ein Mann besteht nicht nur aus Gehirn und Eiern, das Herz zählt doch auch was, oder?" Was?!? Was geht denn da zwischen Beth und Danny ab? "Näh, das mach ich, erhöht die Lebenserwartung," Mark zwinkerte dem Kellner zu. "Soll ich den Sicherheitsdienst rufen, Mr. Dumbrell?" fragte dieser. "Hier die Rechnung und das ist für Sie. Frag einfach nicht und den Sicherheitsdienst brauchen wir auch nicht. Wir proben, für ein Casting, okay? Sie können gehen." Mark eskortierte ihn zur Tür. Fasziniert sah ich zu wie Russ und Dad sich immer noch anschrieen, während Mom versuchte, den beiden mit ihrer ganz persönlichen Logik zu Rate zu rücken. Nebenan diskutierten Moira und Beth gerade die Vor- und Nachteile von Männern im Allgemeinen und Pudding… äh, Danny im Besonderen. Und ich? Ich verzog mich zum einzigen Pol der Ruhe und Vernunft im ganzen Raum: Marks Ecke neben der Zimmertür. Es klingelte wieder. "Was vergessen?" fragte Mark. "Soll ich nicht doch den Tisch decken, Sir?" "Das mach ich. Und denk dran, hier ist überhaupt nichts passiert, klar?" Mark drückte ihm einen Hundertdollarschein in die Hand. "Ja, Sir!" Ich hab noch nie einen Zimmerkellner so schnell laufen sehen.
Mark
begann den Frühstückstisch zu decken. "Soll ich dir helfen Mark?" fragte
ich... "Passiert Russell so was öfter?" "Näh, nur wenn er sich gerade mit dem Dad eines Mädels in die Haare kriegt. Das ist allerdings auch schon ne Weile her." Während wir den Tisch deckten, bemerkte ich wie Mark Russell und Dad nie aus den Augen ließ. Er schien nicht sonderlich besorgt, blieb jedoch wachsam. Als wir fertig waren, hatte ich komplett den Überblick verloren, wer sich hier mit wem über was stritt. Der Lärm der den Raum erfüllte schien eher in eine Markthalle zu gehören als in eine Hotelsuite. Schließlich war es zu viel. Das musste aufhören – und zwar jetzt. Ich sah mich um nach irgendetwas – irgendetwas! – auf das ich mich raufstellen konnte. Das einzige was mir geeignet erschien war der just gedeckte Frühstückstisch. Das Geschirr stand zwar darauf, aber das Essen Gott sei Dank noch nicht. Ich katapultierte meine Schuhe in die Ecke und kletterte auf einen der Stühle. Der war zwar stabil, doch durch die Polsterung leider auch ziemlich rutschig. Ohne auch nur ein Wort zu verlieren, kam Mark herüber und reichte mir eine Hand. So gestützt stieg ich auf den Tisch. "Hallo," rief ich. Keine Reaktion, alle machten weiter wie gehabt. "Haaalloooo, hört ihr mir mal einen Moment zu?" Zweiter Versuch, diesmal lauter. Die Reaktion blieb die Gleiche. "Lass mich mal," meinte Mark. Er steckte sich zwei Finger in den Mund und pfiff einmal laut und ohrenbetäubend. Schloss ich aus den Gesichtern vor mir, klingelte es nicht nur mir im Gehörgang. Einen Moment später war es so still, ich hätte schwören können dass ich das Echo von Marks Pfiff vernahm, der aus dem Bad widerhallte. "Danke, Mark." "Kein Problem, Süße." "Okay Leute, das reicht jetzt. Können wir uns nicht benehmen wie zivilisierte Menschen und beim Frühstück darüber reden?" Ich wurde dazu erzogen, Konflikte mit Worten zu lösen, im Moment allerdings hatte ich Visionen von einer Uzi und einem Lächeln im Gesicht.
"Schätzchen, wir wollen
doch nur das Beste für dich," klagte Mom. "Immerhin hast du doch keine
Ahnung von Männern und was es mit denen auf sich hat. Und auch wenn ich mir
sicher bin dass Mr Crowe hier sehr anständig und ehrenhaft ist, so ist und
bleibt er ein Mann." "Was soll das denn jetzt bitte heißen?" fragte mein Vater. Ich bemerkte allerdings dass Russells Gesichtsausdruck einen Schritt zurückgegangen war, von "kurz vorm Überkochen" zu "auf kleiner Flamme köcheln". "Schatzi, das heißt nur, dass du kein Mann bist sondern mein Ehemann. Das ist ein vollkommen anderes Paar Stiefel." Dad war sprachlos. Dad! Sprachlos! Das musste ich mir im rot im Kalender anstreichen. "Was heißt hier, 'anderes paar Stiefel'?" brachte er schließlich hervor. Auf Mom's Gesicht breitete sich ihr bestes "Du bist Wachs in meinen Händen" –Lächeln aus. "Hase, du bist verheiratet! Ehemänner sind so viel vernünftiger als Singles – weshalb sollten wir Frauen euch denn sonst heiraten?" Darauf folgten einige Sekunden Stille, während wir alle dies kleine Juwel verdauten. Der Ausdruck auf Russell's Gesicht war neutral, wenn auch verdammt gezwungen. Mark wandte sich grinsend ab. Beth und Moira wiesen eine entfernte Ähnlichkeit mit zwei Karpfen auf. Nach besagten paar Sekunden jedoch wandten Mom und Dad einander wieder zu und machten dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Beth und Moira ebenfalls. Abgesehen davon, dass die Lautstärke sich um einige Dezibel angehoben hatte, war es als sei nie etwas passiert. Am liebsten hätte ich mit dem Fuß aufgestampft, doch dann hätte ich wahrscheinlich den kompletten Tisch mitsamt Geschirr und mir in einen Scherbenhaufen verwandelt. Da sah ich Russell auf mich zukommen, der ebenfalls das Schlachtfeld sondierte. Dann sah er mich an und einen Moment später packte er mich an den Hüften und hob mich scheinbar mühelos vom Tisch. "Komm Kleines, lass uns irgendwo hingehen wo weniger los ist." Er nahm meine Hand und wir überließen die Suite den Wortgefechten. Je weiter wir den Flur hinuntergingen, desto stiller wurde es. Ich seufzte und schüttelte den Kopf. "Ist das bei euch immer so?" fragte Russell. "Nur wenn du ein Rabe bist, Mr. Crowe," antwortete ich. "Kra! Kra!" Russell blinzelte. "Nein, so nicht." Er runzelte kurz die Stirn, dann krähte er "Kaaaah!" Es klang hart und rau, erstaunlich ähnlich einer Krähe. Ich krähte wieder und versuchte, den Raben zu treffen. Hoffnungsvoll sah ich ihn an. "Sorry Kleines – zu süß. Du klingst wie eine Elster!" Ich öffnete den Mund um es wieder zu versuchen, doch noch während ich Luft holte, landeten seine Lippen auf meinen. Seine Zunge glitt hinein und begann meinen Mund abzutasten, ich fühlte sie überall. Er zog mich an sich. Ich begann ihn mit den Händen in der Magengegend zu streicheln. Seinen Seufzer in meinem Mund konnte ich eher fühlen als hören. Er vibrierte und ließ auch mich erzittern. Mein Körper entspannte sich, schmiegte sich an ihn, bis es nicht mehr weiter ging. Ring-Ring! Ring-Ring! "Neeeeeeeeein!" rief ich. Sein Handy MUSSTE ja auch ausgerechnet jetzt klingeln. In seinem Gesicht konnte ich lesen dass auch er alles andere als begeistert war. Jedoch beruhigte er sich schnell, als er den Namen auf dem Display sah. "Hmm…. Der ist okay." Er nahm den Anruf an. "Alter, dein Timing ist ziemlich mies." ließ er den Anrufer wissen. Während er telefonierte, strich er mir weiter über den Rücken, genau wie gestern Abend. Und genau wie gestern Abend wollte ich am liebsten schnurren. Sekunden wurden Minuten. "Okay. Zwei Minuten." Er legte auf und steckte das Handy wieder ein. Dann sah er mir in die Augen. In seinem Gesicht wich der Humor Nachdenklichkeit und schließlich Entschlossenheit. "Wo kommst du eigentlich her, Kleines?" "San Diego," antwortete ich. Sein Gesicht hellte sich auf. "Und wohnst du mit deinen Freundinnen zusammen?" Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Vor ein paar Monaten hab ich mein eigenes Haus gekauft." Sein Gesicht strahlte noch weiter. "Und ehe du fragst, ja, ich habe ein Gästezimmer," meinte ich. "Kleines, wenn sich das hier entwickelt, dann werde ich keins brauchen, oder?" fragte er verdutzt. "Mark schon." Sein Grinsen wurde breiter, dann küsste er mich auf die Nasenspitze. In dem Moment wurde mir die volle Bedeutung des Ausdrucks "grinsen bis über beide Ohren" bewusst.
"Viel
Freizeit habe ich nicht," meinte er und begann, mir das Haar aus dem Gesicht
zu streichen. "Du willst natürlich Zeit mit ihnen verbringen," meinte er und seine Züge verdunkelten sich wieder nachdenklich. "Nun ja… es sei denn, ich hätte keine – Zeit," meinte ich. "Damit könnte ich helfen." Sein Grinsen war wieder voll in Arbeit. Dann nahm er mein Gesicht in beide Hände und hob es an, so dass er mir wieder in die Augen sehen konnte. Er wurde wieder ernst. "Ich kann und werde nichts versprechen, Alexa." Ich nickte. "Keine Versprechungen." Russell zog mich an sich um mich zu küssen. Während er das tat, schlüpften seine Hände in die Hintertaschen meiner Jeans. Dort angekommen, begannen sie meinen Hintern auf sehr erfahrene Art und Weise zu bearbeiten. Der Kuss wurde intensiver und versprach gerade zu etwas mehr zu führen, als dieses niemals genug zu verdammende Handy schon wieder klingelte. "Scheiße, verdammt!" war Russell's wütender Ausruf. Er drückte auf den grünen Hörer und hörte dem Anrufer zu. "Klar. Zwei Minuten, Mann!" "Frühstück mit der lärmenden Meute?" fragte ich. "Exakt." Er seufzte tief. "Ich werde deinen Eltern und Freundinnen sagen, dass wir miteinender ausgehen, ist das okay?" "Nein. Wir werden meinen Eltern sagen dass wir miteinander ausgehen. Und dann werde ich meinen lieben Freundinnen sagen dass wir miteinander ausgehen und dass sie ihre langen Nasen gerne woanders hinstecken können. Es wird nicht funktionieren, aber ich sag's ihnen trotzdem. In der Zwischenzeit werden Mark und du einen Weg finden, dass wir uns sehen können ohne dass die Presse davon Wind bekommt. Klar soweit?" "Ja sicher," er schnaubte zynisch. "Es sind schon seltsamere Dinge passiert, Russ." Die ganze Zeit hatte er an der Wand gelehnt. Jetzt ließ er den Kopf sinken, schloss die Augen und murmelte etwas. "Was?" fragte ich leise. "Ich… ich werde versuchen, dass das hier für dich so schön wird wie irgend möglich wird. Solange ich kann." "Rusty, denk dran: keine Versprechungen." Er öffnete die Augen. "Also willst du überhaupt nichts von mir?" "Oh doch, und ob. Ich will Respekt, Zuneigung und Freundschaft. Aber diese Dinge muss man sich erarbeiten und ich bin bereit das meine dafür zu tun." "Lexa, keine Versprechungen. Weißt du noch?" "Genau. Und jetzt küss mich du Idiot! Wir müssen noch immer ins Tal vordringen, uns den Waffen stellen und wir haben schon 598 Truppen verloren." Er blinzelte, gefolgt von einem Grinsen. "Die Lady kennt Kipling. Nicht schlecht." Ich sah zu ihm auf. "Weißt du, das Problem mit dir ist einfach, dass du zu viel redest." Er blinzelte wieder. "Ich sagte küss mich und du…" Er brachte mich mit einem langen Kuss zum Schweigen, gefolgt von einem Klaps auf den Hintern. "Dann mal los, Kleines. Auf in die Höhle des Löwen."
Viel
mehr gibt es nicht zu erzählen. Das Frühstück war recht herzlich, wenn auch
etwas gepresst. Russell und ich saßen nebeneinander, doch von Füßeln oder
anderen Grabschereien unter dem Tisch war keine Spur – er hatte sich fest in
seinen Dickkopf gesetzt, meinen Dad für sich zu gewinnen. Und im Großen und
Ganzen schaffte er das auch. "Alles Gute Schätzchen," sagte Peter Weir. Er umarmte uns Ladies und schüttelte die Hand meines Vaters. Puddinghirn vereinnahmte Beth voll und ganz. Sie verlor kein Wort darüber, aber mir fielen einige innige Worte und ausgetauschte Zettel in Auge. Moira hatte ihre eigene Art sich zu verabschieden. Sie umarmte und knutschte Mark und Peter ab wie nur sie es konnte. Danach sah Peter ehrlich gesagt ein wenig verdattert aus und seine Wangen waren leicht gerötet. Mark hingegen schien sowohl zufrieden als auch recht interessiert zu sein. Ich sah mich um. Russell war nirgends zu sehen. "Er hat's nicht geschafft Anruf von zu Hause," meinte Mark. Ich nickte. Ehrlich, ich war ein wenig enttäuscht. Ich hatte gehofft er sei hier, wenn auch vielleicht inkognito. Als Mark meine Hand noch einmal schüttelte, flüsterte er mir zu "Schau mal nach oben, bevor du einsteigst!" Ich war verwirrt, doch er zwinkerte mir zu und machte weiter die Runde. Auf einmal gab es einen lauten Knall, gefolgt von einigen lauten Spanischen Flüchen. Solche Worte die man nie im Spanischunterricht lernt, die aber trotzdem selbst der schlechteste Schüler irgendwann mal aufschnappt. Es war Mr. Spenglisch und sein Kumpel. Sie waren schon wieder (oder immer noch?) sehr zuvorkommend zueinander, indem sie sich gegenseitig auf den Beinen hielten. Doch dieses Mal lehnten sie auch gegen ein Parkplatzschild. Blöderweise hatte wer auch immer dieses Schild einmal entworfen hatte, niemals daran gedacht, dass es einmal die Last zweier besoffener amerikanischer Touristen aushalten müsste. Folglich lag es nun in Einzelteilen auf dem Boden, Mr. Spenglisch und Kollege ein Häufchen Elend darauf. Ich hörte Autotüren zuschlagen und sah mich ein letztes Mal zum Marina Resort um. "Komm schon, Alexa. Es wird Zeit," rief Dad. Dann erinnerte ich mich an Marks Worte und sah nach oben. Auf dem Dach stand ein blonder Mann, ich glaube er trug ein blaues Flanellhemd. Er sprach in sein Handy. Er muss uns wohl beobachtet haben, denn gerade winkte er. Ich winkte zurück und stieg ins Auto. Die Fahrt nach Hause dauerte eine Ewigkeit.
Hand hoch wer mir sagen kann was das schlimmste am Verreisen ist? Genau, die Wäsche danach. Ich stand vor der Waschmaschine und entleerte die Taschen verschiedener Hosen und Röcke. Meistens fand ich nichts außer Kleinkram, Sand, Münzen usw. Als ich aber meine Jeans umkrempelte, fand ich in der Hintertasche eine kleine Karte. Auf ihr waren drei Telefonnummern gekritzelt in einer Schrift, die mir nicht bekannt vorkamen. Ich hielt inne und versuchte mich daran zu erinnern, wann ich diese Karte eingesteckt hatte. Und dann erinnerte ich mich, WER seine Hände in meine Hintertaschen gesteckt hatte. Ich sah mir die Nummern genauer an und erkannte die erste. Es war Marks. Also schnappte ich mir mein Handy und rief die zweite an, eine von denen die ich nicht kannte.
"Hallo, 'Lexa." Allein von diesen beiden Worten bekam ich Gänsehaut. "Ich
freu mich dass du anrufst." Was den Rest des Sommers (und einen Großteil des Herbstes) passierte? Das ist eine andere Geschichte, aber manche Dinge behält man einfach für sich, teilt sie nicht, noch nicht einmal mit den besten Freundinnen. Sagen wir einfach, die Geschichte endete so: Mr. Spenglisch und Kumpel – Ich sehe die beiden jetzt öfter im Gaslamp District von San Diego. Sie machten es sich zur Aufgabe, verschiedene Pfosten in der Gegend festzuhalten. Das letzte Mal als ich sie sah, halfen sie der Polizei gerade mit den Straßenlaternen im Gaslamp District. Die Cops waren so beeindruckt, dass sie den beiden ein paar silberne Armbänder spendierten. Puddinghirn a.k.a. Danny & Beth – Pudding hatte wirklich Durchhaltevermögen. Er geht inzwischen in San Diego zur Uni und will Sportlehrer werden. Er und Beth sind fest zusammen. Wenn sie ein Video aussucht, sagt er "Klar Schatz!" Moira – Hat ihren Buchhalterjob geschmissen und ist jetzt Vollzeit Entertainerin. Wenn sie gerade keinen Schauspieljob hat, arbeitet sie als singende Kellnerin in dem coolen Italienischen Restaurant auf der 5. Strasse. Mom und Dad – haben es geschafft, sechs Wochen Sightseeing in knappe drei zu packen. Sie sind nun wieder zu Hause, ruhen sich aus und ihre vollständige Heilung wird erwartet. Peter Weir – hat Master and Commander: The Far Side of the World fertig gedreht und steht mit Fox in Verhandlungen für extragroße Plakate – damit auch der verdammte Name draufpasst! Ich – Ich hab den Besuch meiner Eltern überlebt, in dem ich jede mögliche Schicht gearbeitet habe und so oft es ging "nicht zur Verfügung" stand. Tatsächlich stand ich bis Oktober an den wenigsten Wochenenden zur Verfügung. Russell – Er kümmerte sich darum, dass ich "nicht zur Verfügung" stand, bis die Produktion zu ende war und er nach Europa reiste.
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