DER GESANG DES WÜSTENWINDS
Teil 1

Fünfzehntes Kapitel – Ein Mädchen für Anja


Nach einigen Tagen gelingt es Smaïn, eine junge, ägyptische Studentin, die in den Ferien bei ihrer Familie in Assuan wohnt, stundenweise für die Betreuung des Kindes zu engagieren. Er kennt den Vater des Mädchens, der zu den Spezialarbeitern seiner Gruppe gehört, schon seit Jahren.

Imen, wie die junge Ägypterin heißt, ist zweiundzwanzig und trägt zum Zeichen, dass sie noch nicht verheiratet ist, ein weißes Tuch um den Kopf geschlungen. Sie ist sanft und spricht zwar kein Deutsch, jedoch ganz gut französisch, was Anja seit ihrer jüngsten Kindheit beherrscht, da sie zweisprachig erzogen wurde. Während ihre Mutter Deutsch sprach, redete Frédéric nur französisch mit ihr, da auch er diese hilfreiche Erfahrung als Kind gemacht hatte und sich diese bis jetzt als äußerst nützlich erwiesen hatte.

Er kann sich nun wieder mehr seiner Arbeit zuwenden, die ihn auch voll in Anspruch nimmt, denn unerwartete Schwierigkeiten mit den ägyptischen Behörden verzögern den Abbau der einzelnen Blöcke und es bedarf großer diplomatischer Fähigkeiten, nicht zuletzt seitens der Archäologin Carla Fanelli und ihres Teams, um die Besprechungen wieder in akzeptable Bahnen zu lenken. Der Konservateur der ägyptischen Antike erweist sich als ziemlich halsstarrig und versucht, die Arbeiten mit der Begründung von Zerstörungsgefahr zu stoppen.

Doch letzten Endes und nach Eingabe einer internationalen Erlaubnisbewilligung beim Innenminister persönlich, werden auch diese Probleme beseitigt.

Frédéric ringt sich dennoch jede freie Minute ab, um genug Zeit mit der Tochter zu verbringen und ist beunruhigt, dass seine Sekretärin in Deutschland noch immer keine geeignete Betreuerin für die Kleine finden konnte. Während die europäischen und amerikanischen Leute, die mit am Projekt beschäftigt sind, über Weihnachten nach hause fliegen, übergeht er die Feiertage geflissentlich und Anja bekommt gar nicht mit, dass man anderswo das von ihr geliebte Fest der Freude begeht. Er könnte es nicht ertragen, sich an die vergangenen Feste zu erinnern, vor allem nicht an Weihnachten vor fünf Jahren, als er Elisabeth kennen gelernt hat und sie sich ineinander verliebten wie zwei Teenager, um dann diese Nacht miteinander zu verbringen, die ihre Liebe besiegelt hatte. Da nun gut ein Drittel der Männer fehlt, vor allem die Spezialleute und Bauleiter, werden die Arbeiten für eine Woche eingestellt und er hat nun wirklich genug Zeit für Anja.


Er beschließt, mit dem Kind eine Nilkreuzfahrt zu machen, von Assuan nach Luxor, vier Tage lang, um ihr Ägypten und seine Geschichte näher zu bringen. Anja hat durch Imen eine Reihe von Sätzen erlernt, erstaunlich schnell, wie Kinder dazu von Natur aus fähig sind und kann bereits eine Menge arabischer Vokabeln, die sie auch gerne im Beisein ihres Vaters anwendet, der sie dann stolz lobt. Sie ist dankbar für die Aufmerksamkeit, die er ihr schenkt, für jeden Augenblick, jede Stunde, die er ihr widmet. Sie spricht selten über ihre Mutter. Sie hat das unabwendbare Schicksal akzeptiert, das ihr junges Leben von Grund auf verändert hat und ihr fehlt die ohnmächtige Wut, wie sie Erwachsene besitzen, wenn sie mit dem Schicksal hadern.

Er, der Witwer, zeigt den Schmerz, der ihn an manchen Tagen besonders packt, vor dem Kinde nicht, besonders dann, wenn er es beobachtet, wie es einsam in einer Ecke sitzt und mit den Puppen und Plüschtieren spricht und spielt. Es bricht ihm das Herz, sie so still dasitzen zu sehen. Er betrachtet ihre zarte, inzwischen bronzefarbene Haut und die brünetten Locken, die sie meist zu einem Pferdeschwanz gebunden trägt, und die von Sonnengebleichten Strähnchen durchwirkt sind, wie auch sein eigenes Haar.

Anja ist begeistert, als sie an Bord eines der vielen Nilschiffe gehen.

Am Tage sitzen sie bei dem kleinen Schwimmbad am Sonnendeck und er erzählt ihr über das Leben am großen Fluss, einst und jetzt, während sie den Bauern bei der Arbeit zusehen. Der Szenenwechsel an den Ufern ist von stetiger Abwechslung. Sie winkt den Kindern zurück, die jedem der vorbeifahrenden Schiffe und ihren Passagieren winken und ist begeistert von den vielen Schafen und Eseln, die sie mit Leidenschaft zählt. Sie zeichnet das Erlebte und Gesehene mit ihren bunten Stiften und es entstehen ihrem Alter entsprechende frohe, bunte Bilder. Das Schauspiel des täglichen Lebens erlebt sie so hautnah mit.

Der Vater, dieser gut aussehende Mann, wird gern und oft bewundernd angesehen, ebenso, wie das kleine Mädchen, das ihn auf Schritt und Tritt begleitet, zwei Sprachen perfekt spricht und mit der Besatzung, zur Verwunderung aller,  gerne ein bisschen auf arabisch plaudert. 

Die manierliche Art, die sie an den Tag legt, sei es beim Stillsitzen, den Mahlzeiten, oder während der Gespräche mit ihrem Vater, sind nicht unbemerkt geblieben und schon nach dem ersten Tag am Schiff, kennt jeder sie und auch ihren Namen. Die Hintergründe ihres jungen Lebens und dessen Tragik, die sie schon hinter sich hat, weiß jedoch niemand und Frédéric ist auch nicht Willens, sich jemanden anzuvertrauen. Er schirmt das Kind ab, damit man es nicht neugierig ausfragen kann. Lieber erzählt er ihm die alten Legenden, die er von Smaïn erfahren hat und davon gibt es ja genug.

Anja ist gesellig und würde nur zu gern alle Fragen beantworten, die man ihr stellen könnte. Doch alles was der Vater will, sind ein paar ungetrübte Tage mit seiner unbekümmerten Tochter zu verbringen, auf andere Gesellschaft legt er keinen Wert, er, der tagein, tagaus, mit hunderten Leuten zusammenarbeitet.

 

Nach ihrer Rückkehr, es fehlen gerade noch zwei Tage bis zum Jahreswechsel, teilt seine Sekretärin ihm telefonisch mit, dass sich noch immer keine geeignete Bewerberin für die Aufsicht Anjas gefunden hat. Entweder wären es junge, unerfahrene Mädchen, die eben erst die Schule verlassen hatten, oder Abenteurerinnen, denen es weniger um die Sache mit dem Kind als den Reiz des Unbekannten ginge.

„Ich weiß nicht, wie ich das weiter schaffen werde“ vertraut er sich Smaïn an. „Das ist kein Leben für Anja, sie braucht schließlich ein geregeltes Dasein. Jemanden, der sich Tag und Nacht um sie kümmern kann und ihr zuhört, sie leitet und versteht. In kurzer Zeit wird sie schulpflichtig sein, wie soll sie hier lernen und wo? Sie kann hier nicht in diesem kleinen, stickigen Bungalow verwildern. Ich bezweifle, ob es richtig war, sie aus der gewohnten Umgebung herausgerissen zu haben!“

Smaïn hatte stumm zugehört und nickt schließlich zustimmend: „Es war schon richtig, dass du sie mitgenommen hast, aber du hast auch nicht unrecht, wenn du sagst, dass Anja noch etwas anderes braucht, als die seltenen Momente, die du ihr dann und wann erübrigen kannst. Sie ist deine einzige Tochter und es wird Zeit, dass du dir überlegst, was für ihre Zukunft wichtig ist. Es wäre kein Problem, wenn du ständig in Deutschland oder sonst wo einen festen Wohnsitz hättest, aber Ägypten ist vielleicht doch nicht der ideale Ort, um als europäisches, kleines Mädchen mutterlos aufzuwachsen. In Kairo gäbe es auch andere Möglichkeiten, internationale Schulen beispielsweise, doch hier in Assuan sind wir der Wüste näher als sonst wo.“

Frédéric nickt zerstreut: “Ich denke, wir werden noch gute sechs bis sieben Jahre bis zur Fertigstellung unseres Projektes hier brauchen, dann wäre Anja zehn! Was soll sie diese ganzen Jahre hier nur tun? Was soll ich mit ihr anfangen? Imen geht auch wieder zurück auf die Universität nach Kairo, es wird ein Chaos für mich werden, das Kind neuerlich Tag für Tag auf die Baustelle zu schleppen und es ist auch viel zu riskant für die Kleine!“

„Hast du schon an ein Internat gedacht?“ Der Ägypter blickt den Freund direkt an.

„Ja, natürlich habe ich dies schon in Erwägung gezogen, aber sie ist doch noch so klein. Sie hat nur mich! Sie würde denken, ich möchte sie loswerden!“

Smaïn seufzt resigniert: “Ich denke, es wäre trotzdem das Beste, du würdest Anja auf ein Internat schicken, wenn sich nichts anderes ergibt. Es wird sicherlich ein Schock für sie werden, wenn sie dich verlassen muss, aber sie ist stark und du selbst sagst immer, man müsse die Härte des Lebens zeitig genug kennen lernen, um es bewältigen zu können!“

Frédéric erwidert fast unwillig: „Hier geht es um ein Kleinkind und es handelt sich noch dazu um meine einzige Tochter! Ich kann eine solche Entscheidung nicht über den Daumen gepeilt treffen. Was ist, wenn sie wirklich denkt, ich will sie abschieben und was ist, wenn sie es mir dann ein Leben lang vorwirft?“ Er wollte noch hinzufügen, dass er schon einmal versagt hatte, doch er unterließ es.

„Kinder werfen ihren Eltern immer irgendetwas vor, aber wenn sie einmal reif und erwachsen sein wird, dann wird sie auch diese Entscheidung verstehen. Bis dahin musst du damit leben!“ versucht Smaïn den Freund zu überzeugen.

„Ich werde darüber nachdenken, vielleicht findet sich noch eine andere Lösung!“ Frédéric nimmt das Studieren, der vor ihm liegenden Arbeitsberichte wieder auf und Smaïn hebt bedauernd die Schultern. Er ist mit sich selbst unzufrieden, keine bessere Lösung gefunden zu haben.

In den folgenden Tagen versucht der sorgenschwere Vater, auf das Kind besonders einzugehen, wenn er abends den Bungalow aufsucht und Imen ablöst, die dann nach hause eilt.

Er stellt ihr Fragen, um sich ein Bild davon zu machen, was Anja eigentlich fehlt und welche Erwartungen sie hat. Bei einem noch nicht einmal fünfjährigen Mädchen ist dies gar nicht so einfach, muss er sich eingestehen. „Hättest du gerne Freunde?“ fragt er sie, oder „würdest du nicht lieber in einen Kindergarten gehen, als den ganzen Tag hier herum zu sitzen?“

Anja blickt ihn mit ihren großen, blauen Augen ernst an und sagt: „Ich hätte gerne Mama, aber ich weiß, das geht nicht! Ich brauche keine anderen Freunde, ich habe ja dich und Imen, Smaïn und Klaus-Dieter. Das sind meine Freunde! Aber ich weiß, dass Imen bald zurück an die Schule gehen muss. Kann ich dann wieder mit dir auf die Baustelle fahren?“

Frédéric wendet sich ab, es fällt ihm zu schwer, ihrem fragenden Blick standzuhalten. „Anja, wir müssen uns etwas einfallen lassen! Du bist jetzt schon fast reif für die Schule, das weißt du! Hier gibt es keine geeignete Schule für dich und ich kann dich nicht immer mitnehmen, es ist gefährlich dort drüben auf der Insel, weil ich mich ja auch nicht um dich kümmern kann, wenn ich arbeite!“

Anja spürt, dass eine neuerliche Entscheidung ihr Leben verändern wird und sie entgegnet weinerlich: „Du willst mich nicht mehr hier haben, du willst mich wegschicken!“

„Nein, mein Liebling, so ist es ganz und gar nicht!“ Er nimmt ihre kleine Hand und zieht sie zu sich heran. „Ich will das Beste für dich! Jetzt macht dir noch alles Spaß hier, du bist gerne bei mir, aber denke daran, wie das sein wird, wenn alle Kinder deines Alters lesen und schreiben können und du kannst dir nur die Bilder in deinen Büchern ansehen und nicht einmal die Geschichten dazu lesen. Du bist ein gescheites Mädchen und du musst eine Schule besuchen. Nicht gleich, aber nächstes Jahr zumindest!“

Anja schnieft und schmollt: „Warum kann ich nicht hier zur Schule gehen, wie die ägyptischen Kinder auch?“

„Weil du unsere Sprache und Schrift erlernen musst, es sind arabische Schulen für arabische Kinder. Du wirst nicht immer in Ägypten leben wollen. Du kannst dich sonst nirgendwo zurechtfinden, wenn du einmal größer bist!“ Er seufzt: „Ich weiß, du kannst es jetzt noch nicht verstehen und ich wünschte mir, ich wüsste, was ich tun könnte um dich hier zu behalten, aber ich habe niemanden, der für dich sorgt. Hier sind alle viel zu beschäftigt, auch wenn dich alle schrecklich lieb haben! Ich verspreche dir, ich werde noch einmal ganz fest nachdenken, vielleicht fällt mir etwas ein, wenn nicht, dann reden wir ein anderes Mal darüber weiter, einverstanden?“

Das Kind nickt ohne große Überzeugung, und ohne ihn dabei anzublicken und Frédéric hat das Gefühl, eine eiserne Faust umklammere sein Herz und in seinem Kopf hämmert es höhnisch: ‚Gut gemacht, jetzt glaubt sie, du willst sie nicht mehr bei dir haben. Sie glaubt, sie sei eine Last für dich, keine Mutter, keinen Vater! Da hast du großartig hinbekommen!’

Dass diese Schwierigkeiten eines Tages auftauchen würden, hatte er vom Augenblick an, als er sich entschloss, das Kind mitzunehmen geahnt, doch verdrängt. Doch er hoffte eben, an Ort und Stelle würde sich alles von selbst ergeben. Die Realität belehrte ihn eines Besseren. Das Dilemma, einerseits ein verstörtes Kind wieder glücklich zu sehen und alles Gesagte ungeschehen zu machen und andererseits das Risiko einzugehen, sie den Gefahren des Alleinseins und der Unwissenheit zu überlassen, liefern sich in seinem Innersten einen aussichtslosen Kampf. Sein Herz stimmt dem Verstand nicht zu, obwohl er die Notwendigkeit, seine Tochter in geordneten Verhältnissen aufwachsen zu lassen und ihr Bildung zukommen zu lassen, klar und deutlich erkennt.

Abends telefoniert er in einem letzten, verzweifelten Versuch mit seiner Sekretärin, die ihn weiterhin vertröstet, sie hätte sich für keine der weiblichen Personen, die vorgesprochen haben, entscheiden können.

„Hannelore“, beschwört er sie ein wenig ungehalten, „ich kann mir nicht vorstellen, dass es in dem verdammten Land keine Frauensperson gibt, die halbwegs den Anforderungen entspricht, die wir an sie stellen! Sind Sie nicht ein wenig zu wählerisch?“

„Herr Direktor“ entgegnet die Stimme etwas kühl am Ende der Leitung mit einem Anflug von Ungeduld, „Sie haben mir ausdrücklich gesagt, ich solle skeptisch sein und Sie können es mir glauben, es ist keine darunter, die den Versuch auch nur wert wäre !“

„Ja, ja, ich weiß, Sie tun ihr Bestes,“ lenkt er ein, „aber versetzen Sie sich in meine Lage, denken sie an das Kind und machen sie einen Probevertrag mit einer der Frauen, die am ehesten in Frage kämen! Ich bin sonst gezwungen, das Würmchen in ein Pensionat zu schicken! Und sie wird erst fünf!“

„Oh mein Gott, tun Sie das bloß nicht!“ antwortet Hannelore Breitmann beschwörend. „Ich verspreche Ihnen, ich sehe mir noch heute Nacht alle Bewerbungen an und ich schicke Ihnen jemanden, sei es auch nur vorübergehend!“

„Ja, tun Sie das, es eilt wirklich! Jetzt warte ich immerhin schon seit vier Wochen auf einen positiven Anruf von Ihnen!“

Die nächsten Tage arrangiert er sich mit Carla und Klaus-Dieter, die sich abwechselnd des Kindes annehmen, damit er den administrativen Rückstand aufarbeiten kann, der sich während der Weihnachtswoche angehäuft hat. Selbst andauernd im Einsatz, ist es für beide nicht weniger schwierig, die nötige Zeit aufzubringen, aber so ist Anja nicht ohne Aufsicht. Sie hat rasch begriffen, dass sie sich selbst beschäftigen muss und widmet sich ihren Malbüchern und Bilderbüchern, wenn sie bei einem der beiden abgeliefert wird, der eigentlich auch keine Zeit für sie hat. Sie spürt, dass ihr Geplapper störend wirkt, auch wenn keiner sie zu Recht weist, und so zieht sie sich in sich selbst zurück, ängstlich darauf bedacht, so unbemerkt wie möglich zu bleiben. Ihre Sehnsüchte und Ängste drücken sich in den Zeichnungen aus. Imen hat die Rückreise nach Kairo angetreten und so werden die Tage für das Kind lang und eintönig.

Als der erlösende Anruf, eine junge Frau käme am nächsten Tag mit einer Maschine über Kairo aus Deutschland an, atmet Frédéric auf und er registriert nur nebenbei die Angaben, die Hannelore zu der engagierten Person macht. Sie war geborene Türkin, in Deutschland aufgewachsen und sie habe eine Ausbildung als Sozialhelferin hinter sich. Sie wollte Deutschland aus persönlichen Gründen für eine Weile den Rücken zukehren und hätte die letzte Zeit als Kindergartenhelferin gearbeitet, was ihr viel Freude gemacht hat. Sie würde gerne versuchen, sich dem Leben in Ägypten anzupassen, da sie immer eine Schwäche für dieses Land gehabt hätte.

Klaus-Dieter hat sie vom Flugplatz abgeholt und als Frédéric spätabends abgespannt in die Bungalowanlage kommt, findet er die junge Frau mit Anja spielend am Boden sitzend vor. Sein erster Eindruck ist neutral. Sie sieht ganz gut aus, natürlich und ungekünstelt, spricht perfekt Deutsch, da sie ja in Deutschland zur Schule ging und Anja hat sie scheinbar akzeptiert.

Nachdem beide sich miteinander bekannt gemacht haben, schlägt Frédéric seinem Kind vor, dass es ab nun in dem nebenan liegenden Bungalow von Sezen, wie das Mädchen heißt, wohnen sollte, damit es nicht immer so lange abends auf ihn warten musste. Die Kleine ist auch gleich einverstanden, sie bezeichnet Sezen als ihre Freundin, und diese will sich gerne um alles kümmern, um es dem Kind so angenehm wie möglich zu machen.

„Wie gefällt es Ihnen in Ägypten, Sezen?“ will Frédéric wissen, während er sich noch ein Glas Rotwein genehmigt.

„Obwohl ich noch nicht viel gesehen habe, weiß ich, dass es mir gefällt! Ich war noch sehr klein, als meine Familie die Türkei verlassen hat, aber trotzdem erinnert es mich ein bisschen daran, die Düfte ringsum, die Menschen und vieles mehr!“

Er misst die junge Frau, der er seine Tochter nun anvertraut, verstohlen von der Seite, während sie die Bausteine in den kleinen Koffer räumt.

Sie trägt ihr Haar kurz, es ist dunkel und leicht gewellt, eigentlich ein wenig unmodern geschnitten. ‚Eine unauffällige, eher unattraktive Person’, denkt er sinnend: „Hatten Sie keinen Freund in Deutschland?“

Sie wirkt etwas verlegen: „Doch ja, aber das ist vorbei! Mein Vater war dagegen, weil er kein Türke war. Er sagte, ich sei nicht mehr seine Tochter, wenn ich mit einem Ungläubigen herum schlampte!“

„Aha, ziemlich fanatisch, der Herr Papa! Und da hat er Sie so gehen lassen?“

„Ich bin einfach weg, ohne dass er es weiß! Ich bin seit drei Jahren volljährig und er schreibt mir immer noch vor, was ich tun darf oder nicht. Er lässt meine unförmigen Kleider aus der Türkei kommen und schreibt mir vor, wie ich mein Haar zu tragen hätte. Ich kann das nicht mehr mit ansehen, wie er sich aufspielt und meine Mutter und Schwestern bevormundet! Ich weiß, dass er bereits einen Ehemann für mich ausgesucht hat, er findet das normal, denn als Türkin habe ich zu gehorchen. Ich habe von Ihrer Annonce gehört und ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, Deutschland zu verlassen, bevor er meinen zukünftigen Ehemann aus der Türkei kommen lässt. Vielleicht kommt er so zur Einsicht, oder aber er verstößt mich. Dann jedoch ziehe ich auch das einem lebenslangen Unglück neben einem ungeliebten, fremden, und weitaus älteren Mann vor!“

Frédérics Blick streift Sezens unförmige Kleidung. Dieser fanatische Vater hatte sein Kind ganz bewusst zum hässlichen Entlein gemacht. „Wir werden schon ein passendes Outfit für Sie finden, Mädchen. Ich denke, Carla wird sich ein Vergnügen draus machen, mit Ihnen einkaufen zu gehen.“ Ein wenig beschämt, jedoch um nichts weniger erfreut, schenkt die junge Frau ihm einen dankbaren Blick.

„Und warum sind Sie nicht mit ihrem Freund weggegangen?“ will Frédéric wissen. Mit leicht verächtlichem Unterton antwortet Sezen, während sie nervös den Ring an der linken Hand dreht: „Er wollte nicht einfach auf und davon gehen! Er hat eine gute Anstellung und mein Vater hat ihn so eingeschüchtert, dass er sich nicht einmal mehr mit mir treffen wollte ! Ich glaube, er hat mich nicht wirklich geliebt!“

Frédéric, der oft genug im Laufe der Jahre mit dem religiösen Fanatismus des Islam konfrontiert wurde, kann sich die Ausweglosigkeit Sezens vorstellen. Lakonisch erwidert er: „Dann war er Sie nicht wert.“ Nach kurzem Räuspern, fährt er freundlich fort: „Ich hoffe, Sie leben sich bald bei und ein und die Umstellung ist nicht allzu schwierig für Sie! Am besten Sie bringen Anja zu Bett und dann können wir uns noch ein wenig miteinander unterhalten!“

Später, als Sezen zurückkommt, erzählt er vom Verlust, den das Kind durch den Tod der Mutter erlitten hat und von den Problemen, die sich in Ägypten für die Erziehung und Betreuung seiner Tochter ergeben. Er hoffe, Sezen würde bis zu Anjas sechstem Lebensjahr hier bleiben und dann würde er ein Internat in Europa in Erwägung ziehen, wo sie gut aufgehoben war und Freundinnen fand, gleichaltrige Gefährtinnen.

Sezen, ihrerseits, erzählt von ihrer Familie, der strengen Erziehung, die man ihr angedeihen hat lassen und ihrer Ausbildung. Dieses anerzogene Gefühl der Unterwerfung Männern gegenüber, hinderte sie daran, ihren erträumten Beruf als Sozialhelferin auszuüben, denn sie konnte sich bei den männlichen, eigensinnigen Jugendlichen nie durchsetzen und ließ sich rasch einschüchtern, wenn das Wort derb oder drohend an sie gerichtet wurde. Unglücklich nahm sie dann eine Stelle als Kindergartenhelferin an und will irgendwann versuchen, die spezielle Ausbildung zur Kindergärtnerin nachzuholen, was nicht allzu schwer sein dürfte für sie. Der Abstand, den sie jetzt zu ihrer Familie bekommen kann, würde ihr helfen, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und ein neues Leben aufzubauen.

„Ich werde sehen, dass Sie ihren eigenen Wagen bekommen. Unternehmen Sie was Sie wollen mit dem Kind, ich lasse Ihnen freie Hand. Ich selbst habe leider sehr wenig Zeit für meine Tochter. Hauptsache Anja ist glücklich und nicht mehr allein! Das einzige worum ich Sie bitte, ist, dass Sie dem Kind keinerlei religiösen Dinge erzählen oder einreden. Ich selbst bin Atheist und sie soll von sich aus entscheiden, wenn sie reif genug dazu ist, woran sie glauben will oder kann!“

Mit einem Handschlag besiegeln die beiden ihr Abkommen und Frédéric kann endlich seit langem wieder einschlafen, ohne sich den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, wie und wo er am nächsten Tag das Kind unterbringen solle.

 

Sechzehntes Kapitel –Tag für Tag

 

Der Tag senkt sich, wie täglich, in einem grandiosen Schauspiel zur Neige. Rotgolden leuchtet die Sonnenscheibe nur mehr knapp über dem Hügel des westlichen Nilufers und das Aga Khan Mausoleum, das sich auf dessen Anhöhe befindet, gleicht einem rundlich geformten Scherenschnitt. Sezen beschließt an diesem Tag, mit einer Kutsche zum Bungalow zurückzufahren. Sie haben den Jeep heute nicht genommen und sind mit dem Taxi nach Assuan gefahren, waren auf dem Postamt und sind die Nilpromenade entlang geschlendert, um sich an den blühenden Bäumen und Sträuchern zu erfreuen. Letztendlich waren sie in einem der gepflegten Hotelcafés eingekehrt und haben Tee getrunken. Die kleine Anja hatte sich auf diesen Ausgang gefreut und darauf bestanden, eine Zeichnung von all den Menschen, die ihr hier vertraut geworden sind, nach Deutschland an Anna zu senden. Schreiben kann sie ja noch nicht, aber auch mit den bunten und fröhlichen Bildern, die sie leidenschaftlich gerne malt, drückt sie ihre Gefühle und Eindrücke passend und verständlich aus. Frédéric besitzt bereits eine dicke Mappe voll davon, aber auch Carla, die die kahlen Wände ihres Bungalows damit schmückt, wurde reich damit beschenkt.

Carla selbst ist kinderlos geblieben, zwei gescheiterte Ehen, die den Anforderungen ihres Berufslebens, heute hier, morgen dort, nicht standhalten konnten, waren jämmerlich daran zerbrochen. Doch sie behauptet scherzhaft, wenn darauf die Rede kommt: „Ich kann nicht die Frau eines einzigen Mannes sein, ich bin mit Ägyptens Königen verheiratet!“

Eine mütterliche Ader ist Carla fremd und sie behandelt Anja wie eine Freundin, ohne sie maßregeln oder belehren zu wollen. Anja weiß das zu schätzen und sucht deshalb ihre Gesellschaft, denn in Carlas Beisein fühlt sie sich um Jahre älter und den Erwachsenen ebenbürtig. Schade, dass die knappe Freizeit ein Zusammenkommen nur selten zulässt.

 

Smaïn blickt das Mädchen Sezen nicht uninteressiert an und versucht sie so oft wie möglich in Unterhaltungen über die Geschichte Ägyptens zu verwickeln, an der sie ja interessiert ist und die sie mehr und mehr fasziniert. Ohne ihr dabei nahe zu treten, sucht er ihre Nähe und erfreut sich an ihrem Anblick, ihrer natürlichen und offenen Art, vielleicht sogar an ihrer Scheu ihm gegenüber.

Sie hat ihrer Mutter geschrieben und ihre Beweggründe für das spontane Verschwinden aus Europa offen zugegeben. Die Reaktion ihres Vaters will sie sich lieber nicht vorstellen und so gibt sie auch keine Absenderadresse an, um nicht unangenehm von Drohbriefen seitens ihres Erzeugers überrascht zu werden. Nicht, dass sie ihn nicht geliebt hätte, aber aus der kindlichen Liebe hat sich Furcht und schließlich Zorn entwickelt, als sie merken musste, dass ihre Meinung und ihr Leben für ihn an zweiter Stelle standen, weit nach seinem Ehrgefühl und natürlich den strengen Regeln des Korans, dem er fanatisch diente.

 

Während Anja dem Hufgeklapper des Rappen lauscht, der die kleine Kalesche aus dem Zentrum der Stadt und durch die Vororte zieht, überdenkt die junge Frau neben ihr die letzten Monate, seit sie hier angekommen ist. Viel zu tun hat sie nicht, die Betreuung des Kindes ist für sie ein Leichtes und füllt sie, ehrlich gesagt, nicht hundertprozentig aus. Sie hat begonnen nebenbei Französisch zu erlernen, Anja, hat sie dazu ermutigt und durch sie macht sie auch rasche Fortschritte.

Amüsiert verbessert Frédéric ihre Aussprache, wenn sie am islamischen Feiertag, dem Freitag, gemeinsam zu Mittag essen. Er spart aber auch nicht an lobenden und aufmunternden Worten. Mit Anja französisch zu sprechen, wird bereits zu einer Art Routine für die beiden Mädchen. Das Kind hat zu ihrem fünften Geburtstag eine echte Party feiern dürfen und wächst zusehends heran, gesund und kräftig. Außer den blauen Augen sieht es seiner Mutter nicht sehr ähnlich, vielleicht die Mundpartie, jedoch der Augenschnitt, die Nase und der Körperwuchs sind eindeutig nach dem Vater geraten, ebenso wie das kräftige, volle, hellbraune Haar.

Smaïn hatte einmal lachend gesagt: „Du kannst sie nicht verleugnen!“

Zog sie sich anfangs in sich selbst zurück, so legt sie nunmehr eine gesunde Lebenslust und kindliche Spontaneität an den Tag, nicht zuletzt durch die Anwesenheit ihres Kindermädchens.

Frauen ohne Männerbegleitung sind in Ägypten nicht unbedingt gut angesehen, vor allem, wenn man aussieht wie eine von ihnen und ohne Kopfbedeckung unterwegs ist. Der Einfachheit halber bedient sich das Türkenmädchen deshalb manchmal eines hellen Kopftuches, um die kritischen und anzüglichen Blicke der einheimischen Männer in der Stadt zu vermeiden. Also beschränkt sich der Lebensraum der beiden hauptsächlich auf die weitläufige Bungalowanlage. Auf den Inseln sieht Frédéric sie nicht gerne, er schreckt vor der Unfallgefahr zurück, die durch Baumaschinen, abstürzende Blöcke oder das Fallen in Gruben und Spalten gegeben sind.

 

Frédéric fragt die gebürtige Türkin manchmal nach ihren Plänen. Anja soll in spätestens einem Jahr auf eine Schule, das war nicht zu umgehen und für Sezen gebe es dann keine Aufgabe mehr hier in Ägypten.

„Ich werde wieder im Sozialbereich arbeiten, egal wo“, antwortet sie dann, „Ich bin sicherer geworden, es tut mir gut, hier mit vielen Menschen aus aller Welt zusammenzukommen. Ich bin froh, dass nicht alle Männer wie die türkischen Väter sind, zumindest nicht wie meiner, und ich denke, ich bekomme das schon in den Griff!“

Er freut sich, die Zuversichtlichkeit aus ihrer Stimme herausgehört zu haben, er hat Sezen lieb gewonnen, als Mensch und auch als Frau und vergönnt ihr das Gelingen ihrer Pläne, eine befreite, unbeschattete Zukunft, und Erfolg in dem von ihr gewählten Beruf.

„Es gibt viele türkische Familien in Deutschland und vielen Mädchen ergeht es genauso wie mir, oft noch viel schlimmer, sie werden in die Türkei gegen ihren Willen verschleppt und mit um vieles älteren Männern verheiratet. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen Mädchen helfen, ich werde es mit meiner Arbeit versuchen, schließlich wollte ich das ja, jungen Leuten mit Problemen helfen. Es gibt eben auch noch andere Schwierigkeiten für Jugendliche als Drogen, die nicht weniger schlimm für die Betroffenen sind!“ Sezen’s heller Teint hat sich unter der Sonne Ägyptens stark gebräunt und mit ihrem schwarzen Haar, das nun fast ihre Schultern berührt und den dunklen Augen, sieht sie den einheimischen Frauen sehr ähnlich.

Hannelore Breitmann, die Sekretärin, die wachend in der Direktion in Stuttgart sitzt und fast täglich in telephonischem Kontakt mit dem Boss steht, kann kaum glauben, dass die Türkin sich eingelebt hat und zufrieden stellende Arbeit leistet. „Sie hätten Sie sehen sollen, Herr Direktor“, erzählt sie, „ein verschrecktes Küken, nicht unintelligent, fertige Ausbildung, gute Erscheinung, wenn auch wie eine Vogelscheuche gekleidet, und sie kam fast ins Stottern, während ich sie befragte!“

Doch Frederic kann sich die Situation sehr gut vorstellen, den scharfen Blick dieser Frau, die einer Männerwelt trotzte und dann dieses unterdrückte Wesen, eingeschüchtert durch den Patriarch der Familie. Er schmunzelt insgeheim und ist mit der derzeitigen Lage der Dinge mehr als zufrieden.

Im Sommer steigt das Thermometer auf vierzig Grad im Schatten. Unbarmherzig sendet die Wüstensonne ihre alles verbrennenden Strahlen auf das nubische Land herab. Der See glitzert bleiern am frühen Morgen zwischen den Sandhügeln des Landes und nur der allgegenwärtige Wind der von der Libyschen Wüste her weht, verschafft die nötige Luft, die man zum Atmen braucht. Die Arbeiten gehen schleppend von statten, die Männer in ihren langen Gabadijas sind diese trockene, heiße Saison gewöhnt. Sie rasten, trinken und leeren die vollen Wasserflaschen über ihren Köpfen aus, um sich dann wieder an die Arbeit zu machen, während die Wasserflecke auf ihren Kutten in wenigen Minuten trocknen.

Ohne Kopfbedeckung ist jetzt niemand im Freien, die Gefahr eines Hitzschlags oder eines Kreislaufkollaps ist viel zu groß.

 

Die Bungalowanlage liegt auf einer Anhöhe und hat so den Vorteil, vom sanften Wind der Wüste umweht zu werden. Sykomoren und Palmen beschatten die kleinen, ebenerdigen Häuser, aus denen man sich nur gezwungenermaßen herauswagt.

Frédéric hat in den beiden Unterkünften, die er, sowie Anja mit Sezen bewohnen, auf seine Kosten eine Klimaanlage einbauen lassen, die nun den großen Deckenventilator ersetzt. Die Mädchen wagen sich meist erst spät, nach Sonnenuntergang aus dem Haus, um im Swimmingpool zu baden oder einzukaufen. Das Geschäftsleben beginnt in Ägypten ohnehin erst am späten Nachmittag. Haben sie im Frühjahr des Öfteren die Insel Elephantine besucht oder eine Felukenfahrt auf dem Fluss unternommen, sich in den etwas kühleren Hainen der Botanikinsel Lord Kitcheners aufgehalten, so macht die Hitze sie nun träge. Man bleibt tagsüber lieber in den gekühlten, vier Wänden und schlägt die Zeit tot.

Die nötigen Besorgungen lässt man sich liefern und passt sich dem schleppenden Rhythmus des Sommers an.

An den langen Abenden findet man sich im Hause von Frédéric ein, Carla, Smaïn und auch Klaus-Dieter. Ein eingeschworener Freundeskreis. Sezen bleibt mit Anja nicht ganz so lange wie die anderen und zieht sich mit ihr zurück, sobald sie deren Müdigkeit spürt.

Man spricht über die Arbeiten - ganz kann man nie abschalten, auch nicht nach Arbeitsschluss, weil sie doch ihrer aller Leben bedeutet. Aber auch über die Weltgeschehnisse, die man aus den zugesandten Zeitungen erfährt - wenn auch mit Verspätung - oder man erzählt Anekdoten aus dem eigenen Leben. Frédéric ist kein großer Redner, doch er hat viel erlebt und ebenso Smaïn, sodass beide nicht umhin kommen, so manche Geschichte von sich zu geben.

Carla weiß eine Menge über die Königsgräber von Sakkara zu erzählen, sie hatte jahrelang bei Ausgrabungen mitgemacht und darüber auch ein Buch geschrieben. Sie steht ihren Mann inmitten dieser Horde von abgehärteten Männern und keiner hat es noch gewagt, ihr zweideutige Angebote zu machen. Sie gehört zum Team und die Männer sehen anscheinend nicht, dass sich hinter der praktischen Arbeitskleidung in der Farbe des Wüstensands, eine wohl geformte Frauengestalt befindet, mit allen Rundungen und Verlockungen, die dazu gehören.

Klaus-Dieter war ja bereits beim Projekt Abu Simbel dabei gewesen, das die drei Männer gemeinsam durchgeführt hatten. Es ist Frédéric nicht entgangen, dass meist er derjenige war, der seine Tochter und Sezen in den nebenan liegenden Bungalow begleitete, was eigentlich überflüssig war. Anfangs glaubte er, es sei Anja zuliebe, die an dem blonden Riesen einen Narren gefressen hatte. Bis er bemerkte, wie die Blicke des jungen Mannes sich mit denen der Türkin trafen und sie einander länger als man es für gewöhnlich tut, betrachteten, und er vermutet, dass sich hier eine Romanze anbahnte.

Die zurückhaltende, aber inzwischen gesprächiger gewordene junge Frau weicht dem Blick des interessierten Mannes nicht mehr aus, wie sie es anfangs getan hatte, im Gegenteil, sie sucht ihn und versucht darin zu lesen und das war auch Smaïn nicht entgangen. Sie scheint wie verwandelt zu sein und ihr schlanker Körper wird nicht mehr von unförmig langen Mänteln und knöchellangen dicken Röcken verhüllt.

Der Ägypter Smaïn gibt sich nunmehr knapp in seinen Gesprächen mit Sezen, doch Frédéric kann keine Eifersucht und kein wirkliches Bedauern in seinem Gehaben entdecken. Als er ihn eines Abends, als die anderen das Haus verlassen haben, daraufhin anspricht, winkt dieser nur schwach lächelnd ab: „Es stimmt, sie gefällt mir! Ihre Unschuld hatte es mir angetan. Aber inzwischen ist mir klar, dass das keine Frau für ein Liebesabenteuer ist! Das würde ich nicht wagen, dafür gibt es genug andere. Sie ist eine wirklich aufrichtige Natur, da mache ich nichts kaputt und zu mehr bin ich nicht fähig, das weißt du!“

„Und Klaus-Dieter?“ meint Frédéric fragend.

„Da ist mehr zwischen den beiden, sie wissen es nur noch nicht! Sollte ich falsch liegen mit meiner Vermutung, dann wird die Sache im Sande verlaufen, da bin ich sicher! Behrens ist kein Schwein und nützt die Befangenheit des Mädchens auch nicht aus!“

 

Während ein heißer, trockener Sommertag sich an den anderen reiht und ein Monat nach dem anderen ins Land zieht, schreiten die Arbeiten am Tempel voran. Der Unternehmer kann sich wieder voll seiner Arbeit widmen, wohl wissend, dass sich seine Tochter in guten Händen befand.

Es ist bald kein Geheimnis mehr, dass Behrens und die junge Türkin ein romantisches Liebespaar geworden sind. Der junge Deutsche ist jede Minute, die er erübrigen kann mit Sezen und Anja zusammen, sehr zu deren Vergnügen. Ende September werden die Tage um eine Spur angenehmer und der Wind weht kräftiger über die Wüstenberge und den Nasser See.

Im Oktober kann man dann bereits wieder ein normales Leben führen und sich auch untertags in die Stadt wagen oder sich in der Gartenanlage aufhalten. Nachts wird die Klimaanlage stark gedrosselt und die angenehme warme Nachtluft sorgt für einen ruhigen Schlaf.

Das gemäßigte Klima lockt abermals einen starken Touristenstrom ins Land und in Assuan und seiner Umgebung trifft man auf ganze Herden von mit Shorts bekleideten und mit Fotoapparaten ausgerüsteten, mehr oder weniger kulturhungrigen und bleichgesichtigen Europäern und Amerikanern. Die Händler und Geschäftsleute sehen einer erträglichen Saison entgegen und reiben sich erfreut die Hände. Sie preisen ihre Gewürze feil, Stoffe und nachgemachten Antiquitäten. Neben den üblichen nachgemachten Statuen, langen Kleidern, Baumwolltüchern, Wasserpfeifen und Schmuckstücken, bieten sie auch gefälschte, aber angeblich echte Antiquitäten an, machen viel Geheimnis darum und locken die gutgläubigen Leute des Westens in ihre dunklen Bazars um sie dort mit heißem Tee und Lügenmärchen zum Kauf zu überreden, was oft genug auch gelingt. Aber das ist eben Ägypten, Preise aushandeln, übertreiben und lamentieren nach orientalischer Art. Jeder, der nicht zum ersten Mal nach Ägypten kommt, kennt das und ist darauf vorbereitet. Er wird sich auch zu helfen wissen, im Gegensatz zum unerfahrenen Urlauber, der leicht zu überrumpeln ist.

 

Als das Jahr abermals zur Neige geht, teilen die beiden Verliebten Frédéric mit, dass sie während des Urlaubes heiraten wollen. Sezen bittet ihn mit Klaus-Dieter nach Deutschland reisen zu dürfen, wo sie die Eheschließung als deutsche Staatsbürger vollziehen wollen. Anja bettelt, mitfahren zu dürfen, was die jungen Leute gerne akzeptieren, und so setzt er sich mit Anna in Verbindung, dass er das Kind auf ein paar Wochen nach Stuttgart schicken werde. Die Haushälterin ist hocherfreut und dankbar, ihren kleinen Schützling wieder in die Arme schließen zu können und er meint, es wäre eine gesunde Abwechslung, wenn das Kind wieder zivilisiere Gegenden aufsuchen könnte.

Sie geht immerhin auf ihr sechstes Lebensjahr zu und ist seit über einem Jahr in Ägypten, wo sie ausschließlich mit Erwachsenen zusammengelebt hat. Er trägt Anna auf, sie mit gleichaltrigen Kindern zusammen zu bringen, sie in Museen, Theaterstücken für Kinder auszuführen und sie nicht von der Außenwelt abzusondern, was Anna hoch und heilig verspricht.

 

Als die drei mit dem kleinen Flugzeug in Richtung Kairo fliegen, um dort mit einer Boeing den Flug übers Mittelmeer nach Europa anzutreten, blickt Frédéric dem immer kleiner werdenden und in der Sonne glänzendem Flugzeugrumpf nach. Ein Gefühl der Verlassenheit und des Bedauerns reift in ihm heran. Er hatte sich so sehr an das Kind gewöhnt, es täglich um sich gehabt, sodass er über seine plötzliche, ihn übermannende Trostlosigkeit erschrickt.

Carla, die über Weihnachten und Neujahr diesmal in Ägypten bleiben will, redet ihm gut zu und er vergönnt der Kleinen wieder ein richtiges Weihnachtsfest mit Christbaum, Tannenduft und Lebkuchen. Er selbst wird sich von diesem Fest fern halten, das ist sicher. Er wird sich hüten, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Was gäbe es auch für ihn zu feiern? Den Beginn vom Ende, das ihm damals in Bayern schon vorgezeichnet war? Doch er sollte nicht undankbar sein, immerhin hatte er noch Anja, die seither seine Welt bedeutete. Seine Prinzessin.

Manchmal, wenn er alleine im Bungalow hockt und dem Whisky mehr zuspricht, als ihm gut tut, kommen ihm die bizarrsten Überlegungen: War es ein Junge oder ein Mädchen, das Elisabeth das Leben gekostet hatte. Wie hätte das Baby, sein Baby, ausgesehen? Wie alt wäre es jetzt? Wäre Elisabeth mitgekommen nach Ägypten? Dann schenkt er sein Glas erneut voll, ohne sich die Mühe zu machen, aus dem Eisschrank Eiswürfel nachzuholen, kippt das scharfe Zeug mit einem Zug in seine Kehle und stellt sich vor, wie er die Nächte mit ihr hier verbracht hätte, in diesem Bungalow oder in einem anderen Haus, das er für sie gemietet hätte, für sie und die Kinder. Am Schlimmsten empfindet er die Tatsache, dass ihr Gesicht immer schemenhafter wurde, wenn er versuchte, es herauf zu beschwören. Er stiert dann in der Dunkelheit auf die Spitzen seiner staubigen Stiefel und ignoriert die vereinzelten Tränen, die über sein unrasiertes Gesicht rollen. Für gewöhnlich lässt er sich erst auf sein Bett fallen, wenn er keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und der Alkohol sein Gedächtnis vernebelt und auslöscht.

In eben einem solchen Moment überrascht ihn Carla, die beschlossen hat, ein Glas mit ihm zu trinken. Wie auch im vergangenen Jahr ist es auf der Baustelle ruhig geworden und die meisten Männer sind zu ihren Familien heim geflogen. Die wenigen, die wie sie hier geblieben waren, befanden sich in ähnlichen Situationen und hatten niemanden, mit dem sie etwas zu teilen hätten, weder Freude noch Gemeinsamkeiten.

Frédéric blickt unwillig auf, als sie eintritt und meint etwas unwirscher als geplant: „ Mach das Licht nicht an und lass‘ mich allein. Sei nicht böse Carla, nimm es mir nicht übel, aber ich bin nicht in der Stimmung mich unterhalten zu wollen!“

„Das merke ich“, entgegnet sie trocken und schließt die Tür hinter sich, nachdem sie trotz seiner Bitte zu gehen, eintritt.

„Aber ein Glas wirst du mir doch noch anbieten, oder?“ Sie schenkt sich selbst ein, ohne eine Antwort seinerseits abzuwarten. „Ich glaube, wir trinken alle ein bisschen zu viel hier“, philosophiert sie und nippt an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, die heiß durch ihre Kehle rinnt.

„Zwei einsame Seelen, am Ende der Welt!“ Sie prostet ihm andeutungsweise zu und lässt sich auf einen Stuhl fallen. „Du hast wenigstens eine Tochter, die wieder zu dir zurück kommt oder die immer irgendwo auf dich wartet, aber sieh mich an! Die erfolgreiche Carla Fanelli! Sie rast von einer Ausgrabungsstätte zur anderen und beschäftigt sich mit Staub und morschen Gebeinen!“ Sie lacht kurz und trocken auf und trinkt ihr Glas leer.

„Was dir ja nicht missfällt!“ kontert er und wünscht, sie würde endlich gehen und ihn in Ruhe lassen. In diesen Moment hatte er nur einen Freund und dieser befand sich in der Flasche, die sie abermals ergreift!

„Mamma mia, kannst du ätzend sein“, murmelt sie ohne wirklich wütend zu sein.

„Erspar dir und mir die Mühe, mir unbedingt Trost spenden zu wollen!“ murmelt Frédéric vor sich hin und wünscht, er wäre wieder allein, um sich seinem Selbstmitleid und dem Whisky vorbehaltlos hingeben zu können.

Sie schüttelt verärgert den Kopf. „Kein Mensch will dich trösten. Reitest du nicht ein wenig zu sehr auf deinem Ego herum, Fredo? Aber du bist nicht der einzige, der viel durchgemacht hat, das könntest du auch einmal bedenken! Weißt du, was ich glaube? Ich denke du bist ein ekelhafter Egoist, durch und durch!“ Ihre Worte sind heftig und bleiben im Raum stehen. Sie macht Anstalten aufzustehen, ihn allein zu lassen,  doch er ergreift ihre Hand und meint einlenkend: „Entschuldige, Carla, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber diese verdammten Feiertage, ich hasse sie!“

„Wir hassen sie alle, die wir alleine sind. Wusstest du eigentlich, dass zu Weihnachten weltweit die größte Selbstmordrate herrscht?“

„Na, du kannst einen ja aufbauen! Vielen Dank!“ grinst er. „Aber soweit bin ich nun auch wieder nicht“, murmelt er und fährt sich mit der Hand über die Bartstoppel und sein Haar, das ihm nun fast bis zu den Schultern reicht.

„Wenn du so weiter trinkst, wird sich das ohnehin für dich erübrigen, ohne dass du dafür einen Finger rühren musst!“ entgegnet sie eisig. Er blickt an ihr vorbei ins Leere und sie wünscht, seine schönen, grünen Augen würden auf ihr ruhen. Doch er scheint die Wand gegenüber anziehender zu finden als sie...  Sie schweigen etliche Minuten und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. „Was ist schon Weihnachten...?“ murmelt er vor sich hin.

„Vielleicht die Gelegenheit, ein wenig in sich zu gehen, an andere zu denken und vor allem – ein Moment der Hoffnung!“

Sein Grunzen klingt höhnisch, aber auch sehr verwundet. Er kippt den Inhalt seines Glases in seine Kehle und legt den Kopf an die Wand.

Carla scheint genug zu haben von seinem Gejammer. Sie stellt ihr Glas mit einem Ruck auf dem niedrigen Tisch ab und löst entschlossen und mit ein paar gezielten Bewegungen den Haarknoten, der auf ihrem Hinterkopf festgesteckt war. Eine Flut dichten, schwarzen Haares ergießt sich auf ihre Schultern und sie schüttelt den Kopf energisch nach allen Richtungen, was ihr den Anblick einer wild entschlossenen Amazone verleiht. Frédéric sieht überrascht auf. „Weißt du eigentlich, dass ich dich noch nie mit offenem Haar gesehen habe?“ meint er etwas einfältig, während er ihr beunruhigt dabei zusieht, wie sie die Knöpfe ihres Leinenhemdes öffnet.

„Weißt du denn überhaupt, dass ich eine Frau bin? Hast du mich überhaupt jemals angesehen?“ will sie herausfordernd wissen und ihre Mundwinkel zucken leicht dabei. Ein wenig gekränkt, ein wenig amüsiert.

„Was machst du da?“ fragt er überflüssigerweise, doch er kann in der Dämmerung den Ausdruck ihres Gesichts nicht klar definieren.

„Etwas, das ich schon lange hätte tun sollen. Nur dein eisiger Blick hat mich davon abgehalten. Aber das Risiko gehe ich ein. Ich tu mir was Gutes“, erwidert sie gelassen und streift das Hemd über den Kopf. „Du willst mir das doch sicher nicht verweigern, heute, am Weihnachtsabend, wie wenig er dir auch bedeuten mag,“ flüstert sie hinzu. „ Möglicherweise kann ich deine schlimmen Erinnerungen an diesen Tag ja verdrängen und dir neue, angenehmere bescheren.“ Mit einem Ruck öffnet sie den Verschluss ihres Büstenhalters und Frédéric sieht sich den vollen Konturen ihres nackten Oberkörpers gegenüber. Er fährt mit seiner Hand über die Augen, als wolle er das Gesehene so verscheuchen. Ihre Haut ist straff wie die eines jungen Mädchens und ihr Busen leuchtet hell und verlockend in der Einfachheit des düsteren Raumes.

„Ich tu mir was Gutes und dir auch“, wiederholt sie und steigt aus den hellen Jeans, nachdem sie ihren Gürtel abgelegt hat. Frédéric hat seit dem Tod Elisabeths mit keiner Frau mehr geschlafen und es hat ihm auch nicht gefehlt. Er hatte sich seinen glorifizierten Erinnerungen an sie hingegeben, wenn er nachts schlaflos zur Decke starrte und weidete sich an seinem Leid, mit einer fast masochistischen Genugtuung.

„Spar dir die Mühe!“ wehrt er schwach ab und schenkt sich aus der Flasche nach, während sein Blick trotzdem gebannt auf ihrem nackten Körper geheftet bleibt. ‚Welche Frau’, schießt es durch seinen wirren Kopf. Warum hatte er das nie früher bemerkt? Er findet sie ästhetisch schön. Ein bisschen wie eine römische Statue. Glatt, vollkommen und geschmeidig. Lebendiger natürlich, ach, so lebendig...

Die leicht im Dämmerlicht verzerrten Umrisse ihrer weiblichen Gestalt, erscheinen ihm weich und wohl proportioniert. Er verdrängt den Vergleich mit Elisabeths Körper, der sich ihm aufzwingen will. Elisabeth war ein himmlisches Geschöpf gewesen, doch das hier war ein rassiges Weib, dessen Ausstrahlung ihm leicht zu Kopfe steigen könnte. Und sie wollte ihn. Er spürt, wie eine Flut von Begehren ihn erfasst. Einfach so. Er hatte ihn ihr immer nur die kluge, praktisch denkende Wissenschaftlerin gesehen, doch vor ihm steht Eva, wie Gott sie schuf...

Carla antwortet nicht, doch bemerkt sehr wohl seine Sinneswandlung, als seine Augen eine Spur dunkler werden.  Sie kniet zwischen seine, weit von sich gestreckten Beine, was ihr eine fast demütige Haltung gibt.

„Ich tu‘ dir keinen Gefallen, und ich will auch sonst nichts von dir! Lass uns einfach die Zeit anhalten und eintauchen in ein Meer von Vergessen und momentaner Freude! Mach es mir bitte nicht so schwer!“ Er blickt in ihre flehenden Augen und ringt mit sich selbst. Sie macht sich an seinem Gürtel zu schaffen und er leistet ihr keinen Widerstand, lässt sie gewähren und seine sichtbare Erregung entlockt ihr ein kleines Lächeln. Er schließt die Augen, legt seinen Kopf in den Nacken und atmet schwer, während sie mit ihren erfahrenen Händen seine pulsierende Erregung gezielt steigert.

Als er zu stöhnen beginnt, klettert sie geschmeidig auf seinen Schoss und verschließt seinen Mund mit ihren vollen Lippen. Er hat das Gefühl zu fallen, endlos, während sie ihn in sich gleiten lässt und ihr schwarzes, langes Haar sein Gesicht bedeckt. Er greift nach ihrem festen, weichen Fleisch und erwidert ihre Liebkosungen, während sie beide einer körperlichen, wie auch geistig entspannenden, alles Negative auslöschenden, raschen Befriedigung entgegen streben. Sie erlösen sich gegenseitig von den Dämonen der Einsamkeit und der Frustrierung, die diese mit sich bringt.

Er kommt heftig und vor Wollust stöhnend in ihr, und als sie danach erschöpft zurücksinken, küsst Carla seine geschlossenen Augen und murmelt: „Ich habe längst vergessen, wie fantastisch es ist. Das Leben geht weiter, wir sollten jeden Moment davon auskosten! Das wäre auch der Wunsch deiner Frau gewesen!“ Ihre Hand streift über seine starke, zitternde Brust.

„Sprich nicht von ihr“, bittet er mit erstickter Stimme und sie schweigt, weil sie weiß, dass sie Elisabeth nie wird ersetzen können. Doch das liegt ihr auch fern. Sie verbringen die Nacht wach, hin- und her gerissen zwischen befreienden Gesprächen und dem aufkeimenden Begehren, das sie durch heftige Liebesakte stillen, und als der Morgen graut, beschließen sie, den kommenden Tag ebenso zu begehen, sich darin einig, dass der Nachholbedarf an Zärtlichkeit gewaltig für sie beide war. Sie lauschen der Stille, die ringsum herrscht und Frédéric denkt zum ersten Mal nicht an die blasse Tote, die er vor einem Jahr zur ewigen Ruhe bettete und die ihn jede Nacht in seinen Phantasien und unruhigen Träumen heimgesucht hat. Seine angespannten Züge weichen einem zufriedenen, fast weichen Lächeln, das auch in seinen Augen steht.

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