III

Zwei Tage später...
Eine steife Brise wehte. Die Surprise hatte angeluvt, pflügte durch das Wasser und schäumte es auf. Die Sonne schien seit dem Frühstück nicht mehr. Dennoch ließ sich Jack davon nicht beirren. Ein Feind würde es auch nicht zulassen. In leichtem Nieselregen hatte er die Stückmannschaften gehörig auf Trapp gebracht. Er war heiser vom vielen Brüllen, aber das Resultat befriedigte ihn. Ihm gefiel die momentane Situation genauso wenig wie der Besatzung. Doch wollte er auf keinen Fall, dass sich der Unmut in laxes Verhalten wandelte. Weder bei sich, noch bei ihnen.
Stephen hatte recht gehabt. Frustration in allen Ehren, er war noch immer der Kapitän. Und egal, welchen Auftrag er hatte, er würde sein Bestes geben. Nur so konnte er sein Ansehen wieder steigern und darauf hoffen, dass man ihn bald vom Eskortieren erlöste.
Jetzt hatte er das Kommando Benedict Vulcan überlassen. Nach Pullings Weggang war dieser als 1. Leutnant an Bord gekommen. Ein fähiger Mann. Er hatte erstklassige Empfehlungsschreiben vorzuweisen. Allerdings hatte seine Ankunft noch vor Jacks Ellbogenattacke gelegen, als die Zukunftsaussichten noch rosig gewesen waren. Jetzt musste Vulcan doch etwas verstimmt darüber sein, dass er sich auf einem Schiff befand, das zum Eskortendienst abkommandiert war. Nun ja, er würde damit leben müssen. So wie alle anderen an Bord auch. Jack warf einen Blick auf ihn. Wie eine Eins stand er an Deck, brüllte gerade die Toppgasten an, weil sie zu langsam beim Fieren der Segel waren.
Jack schmunzelte, nickte Bonden zu, der das Ruder führte und marschierte nach achtern, das Fernrohr in der Hand. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, aber die Sonne weigerte sich noch immer hartnäckig, die Wolken zu durchbrechen. Die Umgebung war in trüben Dunst getaucht. Jack richtete das Fernrohr auf die Medea. Captain O’Hara hielt Kurs mit ihnen, lag allerdings ein Stück achteraus, da er nicht so viel Fahrt machen konnte. Dennoch waren es vielleicht nur an die 3 Meilen, die beide Schiffe voneinander trennten.
Jack schob das Fernrohr zusammen. Aus den Augenwinkeln hatte er Bewegungen wahrgenommen. Stephen saß auf der kleinen Bank am Heck, ein Buch auf den Knien. Zu seinen Füßen hockte der junge Lord Blakeney, kritzelte eifrig auf einem Block herum. Er hatte sich nach dem Verlust seines rechten Armes sehr schnell angewöhnt, alles mit links zu tun. Seine Schrift war zwar noch etwas unbeholfen aber lesbar. Jack musterte ihn. Er hatte es nicht fertig gebracht, den Jungen von Bord zu geben. Er hatte aufgrund seiner Behinderung zwar nicht mehr die allerbesten Chancen, eine höhere Laufbahn anzutreten, aber der Teufel sollte Jack holen, wenn er aus ihm keinen tüchtigen Seemann machte. Einen  tüchtigen, forschenden Seemann. Was vielleicht das kleinere Übel war. Blakeney verbrachte viel Zeit mit Stephen. Er war aufgeweckt, zeigte Interesse an der Wissenschaft. Als er Jack sah, legte er den Stift zur Seite und salutierte.
Aubrey bedeutete ihm, sitzen zu bleiben und schlenderte zu den beiden hinüber. »Nun, mein guter Dr. Maturin, was gibt es Neues?« fragte er gutgelaunt. Stephen antwortete nicht, hielt ihm nur den Einband vor die Nase. Jack beugte sich hinab, entzifferte den Titel und runzelte die Stirn. »Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in Ihren Interessen liegt.«
»Warum nicht?« Maturin sah ihn argwöhnisch an. »Wenn Sie wissen, worum es geht, haben Sie es wohl auch gelesen. Nur weil es diesmal nichts mit Medizin zu tun hat, bedeutet es nicht, dass es langweilig ist.«
Bei dem Buch, das Jacks Verwunderung ausgelöst hatte, handelte es sich um den Roman "Eine Reise zum Mond" von Cyrano de Bergerac. Er hatte es als Kadett gelesen. Sehr futuristisch, aufrührerisch, aber dennoch interessant.
»Es war ein Geschenk von Miss Kincaid«, setzte Stephen hinzu.
Jack runzelte die Stirn.
»Wer ist diese Miss Kincaid?« fragte Blakeney plötzlich. Er sah durch seine blonden Locken zu Aubrey hinauf, dass dieser ihn einfach nicht für seine Neugier tadeln konnte. Er ertappte sich oft dabei, dass er den Jungen wie einen Sohn betrachtete. Aber er durfte dieses Verhalten nicht einreißen lassen. Wenn man behauptete, er bevorzuge jemanden, war es mit seinem guten Ruf schnell vorbei.
Stephen nahm ihn die Antwort ab. Er deutete mit dem Finger hinter sich. »Miss Kincaid ist die Besitzerin der Medea. Wir hatten das Vergnügen, mit ihr zu speisen und uns das Schiff anzusehen.«
Bei dem Wort "Vergnügen" knurrte Jack. Er hatte sich längst von Finns Tiefschlag erholt, aber auf gewisse Weise nahm er ihr die Äußerung über die Treue eines Mannes immer noch übel.
»Es ist eine Brigg«, Blakeney stand auf.
»Sir, die Medea setzt gerade ihre Royals«, schrie Bonden zu ihnen hinüber.
Jack kniff die Augen zusammen. Beim Klabauter, Barrett hatte wirklich verdammt gute Augen. Er selbst musste erst sein Fernrohr zu Hilfe nehmen, um seine Aussage bestätigen zu können. Warum tat O’Hara das? Sie kamen doch auch so gut voran. Wenn er alles Tuch setzen ließ, das er vorzuweisen hatte, dann konnte das nur eins bedeuten...
»Segel in Sicht! Segel in Sicht!« kam der laute Ausruf vom Ausguck. »Kurs Südsüdwest!«
Jack konnte regelrecht fühlen, wie ein Ruck durch die Mannschaft ging. Vulcan eilte zu ihm herüber, fuhr im Laufen das Fernrohr aus. Er schwenkte die Linse in die angegebene Richtung, versuchte, das Schiff zu erspähen. »Es ist eine Schebecke«, verkündete er dann. »Mit der Freibeuterflagge«, setzte er mit einem Stöhnen hinzu, drehte sich um und brüllte: »Alle Mann klar zum Gefecht!«
Der Freibeuter war noch an die 10 Seemeilen von Ihnen entfernt, aber kam beständig näher. Sie selbst hätten ihm davon segeln können, aber sie hatten den Auftrag, die Medea zu schützen. Mit ihrem schweren Kielgang würde sie es vielleicht gerade mal auf fünf Knoten bringen. Viel zu langsam. Vulcan sah Jack an.
Bei Gott, er würde schneller sein, als ihr dreister Verfolger, denn er würde sich die Surprise garantiert nicht in Stücke ballern lassen, um ein Handelsschiff zu bewahren. Er musste zuerst zuschlagen. »Wir müssen Fahrt wegnehmen, damit die Medea zu uns aufholen und uns überholen kann. Wir müssen uns zwischen sie und den Freibeuter setzen und ihm unsere Absichten klar und deutlich vor den Bug schießen«, sagte er ruhig, schob sein Fernrohr zusammen.
Der Erste nickte und gab das entsprechende Kommando. Stephen hatte sein Buch in den Beutel gesteckt, den er immer mit sich herumtrug. »Ich gehe dann mal lieber nach unten und bereite alles vor.« Jack erwiderte nichts darauf und Dr. Maturin eilte von dannen.
Lord Blakeney sah auf Jack. Dieser legte ihm die Hand auf die Schulter. »Ihr Kommando kennen Sie ja. Sie führen die Steuerbordstückmannschaften.« Der Junge salutierte und eilte zur Kuhl. »Signalisieren Sie O’Hara unsere Pläne«, wies Jack Vulcan an und hoffte, dass der Kapitän der Medea diese auch verstand. Er tat es, denn als Antwort drehte er bei und schoss durch das Wasser voran.
»Sie sind auf 7 Meilen herangekommen«, verkündete Vulcan ernst. »Auf den ersten Blick ein erstklassiges Schiff.«
Jack knurrte. Sein Auftrag war zwar ein anderer, aber niemand konnte von ihm verlangen, dass er sich nicht wehrte, wenn er angegriffen wurde. Und wenn dabei noch eine stattliche Prise heraussprang... Nicht einen Moment glaubte er daran, dass er verlieren könnte. Diesen Gedanken ließ er nicht zu, denn seine Mannschaft würde jedes noch so kleine Zögern bemerken. »Mr. Preston«, brüllte er zum Ausguck. »Bericht!«
»Die Schebecke nimmt Kurs auf die Medea, Sir«, kam es zurück. »Sie lässt sich abfallen. Kurs weiter Südsüdwest. 34 Stückpforten, die Steuerbordbatterie...« Weiter kam Preston nicht, denn schon donnerten Kanonenschüsse durch Luft. Rauch quoll auf. Für einen Moment sah Jack gar nichts durch sein Fernrohr. Dann lichtete sich der Nebel. Die Kugeln hatte weder die Medea noch die Surprise erreicht, aber sie waren eine Warnung gewesen.
Wie auf glühenden Kohlen gehend, tigerte Jack auf und ab. Die Medea war zu langsam, kam nicht zügig voran. Wenn jetzt noch der Wind drehte... »Alle Mann klar zur Wende!« brüllte er.
»Klar zur Wende, Sir!« kam die Bestätigung.
Emsiges Getrappel. Die Mannschaft nahm ihre Positionen ein.
»Los die Vorsegelschoten! Holt dicht Besanschoten!«
Das Kielwasser der Surprise beschrieb einen weiten, sanften Bogen. Das Schiff hüpfte einen Moment auf den Wellen, krängte nach Backbord, richtete sich dann jedoch wieder auf.
»Großtopp rund!« brüllte Jack.
Einen Moment dachte er an das katastrophale Manöver, dass er vor Jahren einmal mit der Polychrest vollführt hatte. Dieses störrische Biest von Schiff hatte einfach nicht wenden wollen. Und war dummerweise so nach an die Felsen von Selsey Bill gelangt, dass er nicht einmal mehr hatte halsen können, ohne dabei auf Grund zu laufen. Also hatte er backsetzen müssen, was ihm einen Moment des größten Entsetzens eingebracht hatte. Denn die Polychrest war entgegen aller Prinzipien – trotz luvgelegten Ruders – weiter als gewöhnlich rückwärts geglitten. Später hatte er herausgefunden, warum. Das Schiff war für eine Geheimwaffe – wohlgemerkt eine nichtfunktionierende, die ihren Erbauer im wörtlichen Sinn den Kopf gekostet hatte – konzipiert worden. Sie war dafür ausgelegt, heftige Rückstöße zu abzufangen, was ihr erheblichen Schwung nach achtern verlieh.
Jack kniff ein Auge zu, lauschte auf ein Knarren. Aber das kam natürlich nicht. Das hier war nicht die Polychrest. Die Surprise würde nicht solche Spielchen mit ihm veranstalten. In der schönsten Wende, die er je die Freude gehabt zu kommandieren, zog sie an der Medea vorbei.
»Die Backbord Stückmannschaft klar zum Feuern!« befahl er als nächstes. Es durfte keine Zeit verschwendet werden.
Die gewohnte Routine ergriff die Besatzung. Befehle wurden gebellt: »Macht die Stücke los! Lichtet das Rohr! Nehmt den Windpfropf ab! Das Stück zu Bord – ausrennen! Den Bohrpfriem ins Zündgrat! Pointiert!«
Die Stückmannschaften hatten den Freibeuter erfasst.
»Feuer!« schrie Jack gegen das Tosen des Windes an.
Ohrenbetäubendes Donnern.
Stephen klammerte sich unten im Lazarett an seinem Tisch fest und verfluchte sich, dass er so ausgiebig gefrühstückt hatte. Mittlerweile begann nämlich der Speck so langsam wieder seine Speiseröhre hinauf zu kriechen. »Sie bleiben hier!« wies er Padeen an und eilte an Deck. Wenn ihn seine fünf Sinne nicht trogen, hatte die Surprise gerade gewendet. Seine Theorie wurde bestätigt, als er sah, dass die Medea nun hinter ihnen lag und der Feind vorn.
Mowett rannte an ihm vorbei, diesmal keinen Reim auf den Lippen. »Gehen Sie lieber wieder runter, Sir«, wies er ihn an. Stephen nickte, dachte aber nicht im Traum daran. Seine Augen suchten Jack. Dann sah er ihn Backbord achteraus. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.
»Mein lieber Doktor«, rief er, als er ihn erblickte. »Machen Sie sich keine Sorgen. Die haben wir im Handumdrehen...«
»Sie erwidern das Feuer, Sir!« Es war Vulcans Stimme.
Stephen konnte sehen, dass der Feind längsseits gekommen war, nur noch wenige Meilen trennten die beiden Schiffe voneinander. Im nächsten Moment knallten die Kanonen des Freibeuters und etwas rundes, metallisches flog auf Aubrey zu. Stephen reagierte, bevor die Kugel einen kopflosen Jack zurücklassen konnte. Er stürzte sich auf ihn, riss ihn mit Schwung von den Füßen. Die Kugel flog über ihnen vorbei und landete steuerbord mit einem lauten Platschen im Wasser.
Jack ruderte mit den Armen in der Luft, konnte sich aber letzten Endes nicht der Gravitation widersetzen. Mit einem lauten »Uargh!« krachte er auf die Planken. Sein Hinterkopf kollidierte mit dem Holz, prallte wie ein Ball zurück. Er sah noch Stephens Gesicht auf sich zukommen, dann trafen Stirn und Haaransatz in der Aufwärtsbewegung dessen Forderfront.
Das Ergebnis dieses ungewollten und noch dazu ungeschickt geführten Manövers war, dass Kapitän und Arzt in trauter Umarmung auf dem Deck lagen. Vollkommen besinnungslos. Die umstehende Mannschaft, die den Vorfall beobachtet hatte, verkniff sich ohne viel Erfolg ein lautes Lachen, boten die beiden doch einen zu komischen Anblick.
»Nur gut, dass Goldilocks nicht auf den guten Doktor gelandet ist. Er hätte ihn wie eine Flunder geplättet!« flüsterte jemand, auf Jacks Körperfülle und Statur anspielend.
Leutnant Vulcan sah sich um, konnte aber nicht ausmachen, von wem die Äußerung gekommen war, hatte also keinen Schuldigen, den er dafür zur Rechenschaft ziehen konnte. »Helfen Sie ihnen auf die Beine«, brüllte er nur.
Die Surprise erwiderte den Gruß des Freibeuter, zerfetzte dessen Besansegel. Jubel erscholl. Jack hielt sich noch immer etwas benommen den Kopf. Stephen kauerte am Boden. »Na, da hol mich doch der Teufel!« polterte Aubrey, trat einen Schritt zurück, um besser zu sehen.
Stephen wollte so etwas wie ein entschuldigende Erklärung vorbringen, dann erkannte er, dass Jacks Ausruf nicht ihm gegolten hatte. Ihr Angreifer war durch den Rauch der ständig donnernden Kanonen kaum noch zu sehen, die Medea schon. Sie wendete. Zugegeben etwas unbeholfen. Aber nichtsdestotrotz hielt sie neuen Kurs auf den Freibeuter. Und schon krachten ihre Kanonen, Kugeln witschten am Bug der Surprise vorbei und verkündeten mit dem Getöse splitternden Holzes, dass sie ihr angestrebtes Ziel getroffen hatten. Der Bugspriet des Freibeuters stürzte samt Klüverbaum und Jager mit einem Krachen ins Wasser.
Der Kapitän dort reagierte, sah er sich doch nun zwei Gegnern gegenüber. Er versuchte außer Reichweite von Jacks Kanonen zu gelangen. Die der Medea waren das kleinere Übel. Immerhin war sie kein Kriegsschiff. Miss Kincaid hatte zwar erklärt, dass die Mannschaft die Stücke bedienen konnte, aber die eingespielte Routine fehlte. Es dauerte, bis ihre zweite Salve kam. Das hatte dem Freibeuter Zeit gegeben, auf sie zu feuern, was ihren Fockmast in Stücke sprengte. Holz, Segeltuch und Taue regneten auf das Deck und die Mannschaft herab. Ihre Kugeln erreichten ihr Ziel nicht.
Jack war mit einem Mal wieder vollkommen hergestellt. »Halten Sie uns längsseits«, ordnete er an. Bonden gehorchte, drehte das Steuerrad.
Doch der Freibeuter-Kapitän war kein dummer Mann. Hätte er es geschafft, die Surprise zu entern, wäre die Medea ein leichtes Spiel geworden. Aber unter den gegebenen Umständen tat er das, was ihm am Klügsten erschien. Er setzte alles an Tuch, was ihm noch von Nutzen war und floh. Mit eingekniffenem Schwanz und unter lauten Protestrufen der Surprise Besatzung. Jetzt war der Namenszug am Heck deutlich zu erkennen. Hieron. Der verdammte Ire, von dem O’Hara erzählt hatte.
»Jagen wir ihr nach?« wollte Vulcan wissen.
Jack knirschte mit den Zähnen. Natürlich gelüstete es ihn danach, aber er konnte nicht. Sein Befehl war ein anderer. Und da Miss Kincaid höflich daraufhin gewiesen hatte, dass sie Fürsprecher in der Admiralität besaß, konnte sie ihm das Leben zur Hölle machen, wenn er die Medea jetzt im Stich ließ. »Unter anderen Bedingungen sofort, Sir«, wandte er sich an den Ersten. »Aber mir sind die Hände gebunden. Bonden!« brüllte er, da seine Ohren noch von den Kanonenschüssen klingelten und es die dumme Angewohnheit eines Menschen war, lauter zu sprechen, wenn man selbst schlecht hörte. »Nimm Kurs auf die Medea. Wir wollen sehen, welchen Schaden sie genommen hat.«

~~~ 

Stephen kletterte aus dem Beiboot die Jacobsleiter hinauf, bemühte sich, diesmal die Stufen treffen und nicht wieder ungewollt ein Bad zu nehmen. Er hatte seine Arzttasche bei sich, wollte nach dem Rechten sehen. Auf der Surprise hatte es keine folgenschweren Verletzungen gegeben. Captain Jack hatte eine Beule am Hinterkopf und er selbst ein wunderschönes Veilchen. Zum Glück war das Auge nicht zugeschwollen, dennoch schmerzte es, wenn er das Gewebe betastete. Der Rest der Mannschaft hatte Schrammen und Schürfwunden davongetragen. Das schwerwiegendste waren zwei Paar verbrannte Hände gewesen. Die gehörten Neulingen an den Stücken. Dabei wusste doch jeder, das Kanonen heiß wurden, wenn sie in ständigem Gefecht standen. Sie dann ungeschützt anzufassen, war eigene Torheit. Die Männer konnten von Glück reden, dass sie noch ihre Hände hatten.
Jack war hinter ihm, legte ihm gerade sehr ungalant seine Pranke auf das Achterdeck und gab ihm einen Schubs. Hände griffen nach seinen Armen, zogen ihn hoch. Er schüttelte sie ab, als er sicher auf den Planken stand. Aubreys blonder Schopf erschien hinter ihm. Die Mannschaft der Medea nahm Habachtstellung an.
»Wo ist Captain O’Hara«, verlangte Jack zu wissen, hatte er den schwarzhaarigen Hünen doch noch nicht entdeckt.
Doch da schob er sich schon an seinen Leuten vorbei. Aubrey wollte ihm anbrüllen, was er sich denn dabei gedacht hatte, einfach in das Gefecht einzugreifen, doch seine Worte blieben ihm im Hals stecken.
Denn O’Hara trug ein lebloses Bündel in seinen Armen, dessen Kleidung und rotes Haar mit Blut verschmiert waren. »Helfen Sie ihr, Doktor!« bat er Maturin leise.
Der eilte hinüber, wischte das Haar aus dem blassen Gesicht. Finn. »Bringt sie sofort unter Deck. Jack, ich brauche deine Hilfe.« In der überstürzten Hast dachte er nicht daran, seinen Freund in der Öffentlichkeit zu siezen.
Der war so verdattert, dass es ihm gar nicht auffiel. »Was hat eine Frau auf diesem Schiff zu suchen?« fragte er, als er seine Sprache wiedergefunden hatte und Stephen in die Kajüte des Kapitäns folgte.
Maturin fegte mit zwei Handbewegungen das Geschirr vom Tisch, so dass O’Hara die bewusstlose Finn darauf ablegen konnte. »Sie begleitet ihr Schiff auf jeder Fahrt«, erwiderte er, sah Jack dabei aber nicht an.
»Du hast gewusst, dass sie hier ist?« Erneute Fassungslosigkeit.
O’Hara stand mit hängenden Armen und eingezogenem Kopf neben dem Tisch. »Wenn Sie mich nicht mehr brauchen. Ich muss an Deck, sehen, welchen Schaden wir noch genommen haben.« Er nickte ihnen zu und entfernte sich dann.
Jack wollte ihm nach, aber Stephen hielt ihn zurück. »Ich brauche dich hier. Die Medea hat keinen Arzt und demnach auch keinen Loblolly. Da Padeen noch auf der Surprise ist... Hättest du die Güte...« Er wies Aubrey an, Finns Körper hochzuheben, damit er ihr die Jacke ausziehen konnte. Ihre linke Seite unterhalb der Armbeuge war blutgetränkt. Er nahm sein Skalpell und schnitt ihr das Hemd auf, warf die blutigen Fetzen auf den Boden. »Das an ihrem Kopf ist nur eine Schramme«, sagte er, nachdem er sich vergewissert hatte, dass es nichts Ernsthaftes war. F
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inn stöhnte, dann schlug sie die Augen auf. »Stephen«, murmelte sie.
»Ganz ruhig, du bist verletzt«, erwiderte er freundlich und begann die Wunde zu inspizieren. Als der Fockmast gebrochen war, waren die Splitter wie Geschosse umhergeschwirrt, hatten sich in ihr Fleisch gebohrt. Er hob ihren Arm höher und besah sich das Malheur genauer. »Eine Fleischwunde. Du hast Glück gehabt«, verkündete er und fing an, vorsichtig die Splitter aus ihrer Seite zu pulen.
»Ich weiß, ansonsten würde ich jetzt auch nicht vor dir liegen. Im ersten Moment habe ich gar nicht gemerkt, dass ich getroffen war, erst als Brendan sagte, ich würde bluten.« Finn sog die Luft ein. »Autsch, hör auf, mir deine Finger in die Rippen zu bohren. Ich weiß, wie gern du sezierst, aber noch lebe ich.«
»Das muss genäht werden«, erwiderte Stephen nüchtern.
»Dann näh es«, forderte sie ihn auf.
»Jack, mehr Licht!«
Mit einem Blick auf Aubrey meinte sie: »Captain, können wir es klären, wenn er mich zusammengeflickt hat?«
Dr. Maturin kramte in seiner Arzttasche, nahm ein Fläschchen heraus, schwenkte es. »Laudanum. Es wird helfen.«
»Kein Laudanum!« verlangte Finn.
»Hältst du dich für einen Felsen?« warf er ihr an den Kopf. »Ich kann die Wunde nicht nähen, ohne dich vorher zu betäuben. Oder zumindest, deine Schmerzen zu lindern.«
Finn schüttelte den Kopf. »Wenn du mich betäubst, kann ich mich mindestens ein paar Stunden nicht richtig bewegen.«
»Das kannst du so auch nicht!« konterte er.
»Kein Laudanum. Finde einen anderen Weg«, beharrte Finn.
Erst jetzt begriff Stephen seinen Fauxpas, hielt sich allerdings davon ab, sich aufgrund der Erleuchtung vor die Stirn zu schlagen. Hatte er nicht früher daran denken können? Ihr Vater war, um die Schmerzen eines Beinschusses zu lindern, von Laudanum abhängig geworden. Bald hatte er immer höhere Dosen gebraucht, um überhaupt gehen zu können. Und eines Nachts hatte er sich mit zuviel davon vorzeitig in Thanatos’ Arme begeben. Das war jetzt 12 Jahre her. »Finn, du würdest die Schmerzen ohne was nicht ertragen«, versuchte er es dennoch.
Sie schien sich nicht um Jacks Anwesenheit zu scheren, denn sie zog vorsichtig das Unterhemd aus ihrer Hose, schob den Bund ein Stück hinunter und entblößte die hässliche Narbe an ihrer rechten Hüfte. »Ich bin mit einer Kugel da drin noch gut einen Tag gesegelt, bis wir Land erreichten und sich jemand um die Verletzung kümmern konnte. Zerbrich dir also nicht den Kopf darüber. Ich kann mehr einstecken, als es den äußeren Anschein hat.«
»Wenn du es ernst meinst.« Er zuckte die Schultern. Dann ging er zum Regal, nahm die Flasche Brandy davon herunter, holte Nadel und Faden aus seiner Tasche und tränkte sie zur Desinfektion mit dem Alkohol.
Jack hatte eine Öllampe in der Hand, hielt sie dicht über die Verletzung. Sein Gesicht war in Halbdunkel getaucht. So sah Maturin nicht, wie blass er auf einmal geworden war. Er erinnerte sich zu gut an den Tag, als er Stephen bei seiner Selbstoperation assistiert hatte. Er hatte einen Heidenrespekt vor dem hageren Doktor entwickelt (sofern das in ihrer Beziehung noch möglich war, denn immerhin hatte Maturin so einiges auf dem Kerbholz.)
Eigentlich hatte er sich damals geschworen, niemals wieder bei so etwas zugehen zu sein. Aber man sollte niemals nie sagen.
Finn hob den Arm und legte ihn über ihren Kopf, damit Stephen die Wunde erreichen konnte. Er rückte sich seinen Stuhl zurecht. »5 Stiche«, sagte er. »Höchstens 6. Ich mach, so schnell es geht.«
»Entschuldige dich nicht«, erwiderte sie leise. »Näh endlich. Je schneller ich von der Liege wieder runterkomme, umso besser.«
»Hmpf«, sagte er nur, beugte sich zu ihr und setzte die Nadel an.
Von Finn kam kein Ton, doch als er flüchtig einen Blick auf sie warf, bemerkte er, dass sie die Augen geschlossen hatte. Tränen quollen unter ihren Lidern hervor, aber sie schrie nicht.
Da öffnete sie die Augen, schaute ihn an. »Wenn du jetzt so etwas sagst, von wegen tapferes Mädchen, erschlage ich dich einarmig«, grummelte sie, drehte sich zur Seite und erbrach sich auf Jacks Stiefel.
Der Widerstand dem Drang, zur Seite zuspringen, würde er doch Stephen dadurch der Sicht berauben. Er hörte Finns: »Verzeihen Sie mir!« und nahm die Entschuldigung ohne mit der Wimper zu zucken an. Was blieb ihm auch anderes übrig?
Stephen grinste, zog die Nadel noch einmal durch das Gewebe. »Das hätten wir. Und sogar eine grade Naht«, stellte er erfreut fest. Er durchtrennte den Faden, legte alles zurück in seine Arzttasche und nahm einen Verband heraus, den er mit Jacks Hilfe – der nun endlich die Funzel abstellen konnte – um ihren Körper wickelte.
Dann bückte sich Aubrey, nahm der ausgleichenden Gerechtigkeit halber das Tischtuch und wischte sich seine Stiefel sauber. Stephen würde nach Inspektion ihres Mageninhaltes sicher sagen können, was sie zum Frühstück gegessen hatte, aber Jack legte keinen Wert darauf, es zu erfahren.
Finn atmete auf. »Danke«, sagte sie leise, dann jedoch etwas lauter: »Und jetzt hilf mir auf, Stephen. Protestier nicht. Ich muss an Deck, damit sie sehen, dass ich noch am Leben bin.«
Der Doktor runzelte die Stirn. Doch letztendlich nahm er ihre Hand, legte einen Arm unter ihren Körper, stützte sie, während sie langsam von der Liege in seine Umarmung rutschte. Sie klammerte sich an ihn. Doch auf halben Weg nach draußen knickte sie zusammen. Es war Jack, der sie hochhob und ihn mit fragendem Blick ansah. »Wir bringen sie auf die Surprise«, entschied Maturin, zog seine Jacke aus und bedeckte Finns nur mit Unterhemd bekleideten Oberkörper damit. »Falls die Naht wieder aufbricht und bei ihrem Temperament wäre das zu erwarten, möchte ich sie sofort versorgen können.«


IV

 

Irgendwann nach vier Glasen nachts...
Stephen drehte sich unruhig in seiner Hängematte, was bei dem Mangel an Platz gar nicht so einfach war. Ein oder zweimal wäre er wegen seiner heftigen Bewegungen schon fast herausgefallen. Er überlegte ernsthaft, ob er aufstehen und sich seine Ohrenstöpsel holen sollte. Doch hatte er gerade eine bequeme Position gefunden und wollte die Wärme nicht verlassen. Aber es wurde immer unerträglicher. Und das lag an den lauten, misstönenden Geräuschen, die sein Schlafkumpan von sich gab.
Er teilte sich mit Jack dessen Kajüte. Finn hatte ihren Schlafplatz in seiner gefunden, da er sie nicht im Lazarett lassen und schon gar nicht in die Mannschaftsquartiere hatte legen wollen. Padeen passte auf sie auf. Er vertraute ihm. Er würde nicht zu weit gehen wollen, ihn einfältig zu nennen, aber mehr als ein oder zwei Herzschläge war der bullige Loblolly nicht von dieser Behauptung entfernt.
Stephen rollte mit den Augen. Hätte ER doch nur darauf bestanden, im Mannschaftsquartier zu nächtigen. Schon wieder setzte Jack zu einer neuen Schnarchsonate an, selig vom guten Essen und exquisitem Wein. Genervt griff Stephen nach dem Buch, in dem er noch vor kurzem gelesen hatte. Er zielte und warf es Jack auf die Brust. Der zuckte zusammen, murmelte etwas von: »Immer sachte mit den jungen Pferden!« und schlief weiter.
Brabbel, brabbel, schnarch, schnarch...
Stephen seufzte und wühlte sich aus der Decke. Er schlüpfte in seine Schuhe und streifte sich seinen Mantel über. Lautlos schlich er zur Tür und von dort hinauf an Deck.
Der Himmel über ihm war klar. Ein sanfte Brise wehte. Die Surprise glitt geschmeidig über das Wasser. Bonden stand am Ruder. Als er ihn sah, grüßte er kurz. Stephen erwiderte das Nicken und marschierte zum Heck, um sich auf die Bank dort zu setzen.
Blakeney hatte Dienst, grüßte ihn ebenfalls respektvoll, sagte aber weiter nichts, sondern starrte in die Nacht.
Maturin hing seinen Gedanken nach. Auf der Medea hatte es zwei Tote gegeben. Einer davon war Barton, der Koch. Finn hatte noch keine Kenntnis davon. Morgen würde er ihr es sagen. Finn...
Zehn Jahre war es her. Er erinnerte sich an Sonnenstrahlen, den Duft von Kräutern, ihr Lachen. Ihre Wärme. Ihre Nähe. Dann eines Morgens war das Bett leer gewesen, Finn fort. Sie hatte nur eine Nachricht zurückgelassen, mit den Worten: Es tut mir leid!
Stephen spürte Tränen auf seinen Wangen. Von ihr getrennt zu sein und zu wissen, dass es ihr gut ging, war in gewisser Weise ein Trost für ihn gewesen. Sie hatte ihr Leben gewählt und er seins. Aber als er sie heute blutbefleckt gesehen hatte, war ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Herz in die Hose gerutscht. Er wunderte sich immer noch, wie er so ruhig hatte bleiben können.
Stephen sah auf, blinzelte. Von der Medea konnte er mehrere Stimmen vernehmen. Sie sangen.

THAOBH CUIL AN DORAIS CHA BHI GRIAN

SUIDH AIG BORD

CHA BHI BIADH IS CHA BHI FION

TAOBH CUIL AN DORAIS CHA BHI GRIAN

CHA BHI BIADH IS CHA BHI FION

Er verstand nicht viel davon. Es war zulange her, dass Gälisch zu seinem Alltag gehört hatte. Obwohl Sprache seiner Heimat war es doch fremd für ihn geworden. Nur irgendwas von Essen und Wein. Die Worte erkannte er.
Plötzlich setzte eine andere Stimme hinzu.

LE EIGINN AR N-EIRIGH AS AR SUAIN

LE EIGINN AR N-EIRIGH AS AR SUAIN

AN GAIDHEAL ‘S A LEABAIDH

AN GAIDHEAL NA SHUAIN

LE EIGINN AR N-EIRIGH AS AR SUAIN

Doch diese Stimme drang nicht von der Medea zum ihm herüber. Sie kam von jemandem, der nicht weit von ihm stehen musste. Stephens Kopf ruckte hoch. Barfuss in eine Decke gehüllt, nur ein paar Schritte vor ihm. Finn. Padeen befand sich hinter ihr, zuckte hilflos mit den Schultern.
Sofort war Maturin auf den Beinen. »Du solltest im Bett sein!« tadelte er sie. »Blakeney, helfen Sie mir!«
Der junge Fähnrich reagierte auf sein Rufen, eilte mit ihm zu der merkwürdigen Frau herüber. Gemeinsam stützen sie die Verletzte und halfen ihr, sich auf die Bank zu setzen.
Finn lächelte den Jungen an. »Sie sind also Mr. Blakeney«, sagte sie leise. »Dr. Maturin hat mir von Ihnen geschrieben. Er sagte, Sie wären eine Forscherseele.«
»Oh ja«, erwiderte er frei heraus. »Die Bücher sind sehr interessant. Aber es mit eigenen Augen zu sehen... Hat er Ihnen auch von den Galapagos Inseln geschrieben? Das war unglaublich, die Robben, Leguane...« Doch dann entsann er sich seiner Manieren und seines Postens. »Ich... ich muss jetzt wieder Wache halten«, stotterte er leicht. »Ma’am.« Da er nicht wusste, ob er salutieren sollte oder nicht, entschied er letztlich – der Höflichkeit halber – für eine Verbeugung, bevor er wieder auf seinen Posten eilte.
»Du bist unklug. Die Wunde ist noch lange nicht verheilt«, begann Stephen.
Finn nickte. »Aber ich musste die Gunst nutzen. Als ich dich an Deck gehen hörte, bin ich dir gefolgt.« Sie senkte den Blick. »Aubrey wird Fragen haben. Ich wollte wissen, was du ihm erzählt hast.«
»Ich habe ihm gar nichts erzählt. Es geht ihn nichts an, denn es betrifft ihn nicht.«
Sie lachte leise. »Jetzt allerdings schon. Immerhin befinde ich mich auf seinen Schiff. Er wird wissen wollen, was vorgeht. Denkst du, er wird es verstehen?«
»Jack ist kein Hohlkopf. Er wird sich schon selbst etwas zusammengereimt haben.«
»Trotzdem ist es besser, er bleibt in dem Glauben, O’Hara wäre der Kapitän. Ich möchte sein Weltbild nicht allzu sehr erschüttern.«
»Nein«, entschied Stephen. »Versuch nicht weiter, ihn zu täuschen. Das wird er dir übel nehmen. Wie gesagt, er ist kein Hohlkopf.«
»Darf ich dich etwas fragen?« meinte sie leise. Stephen nickte. »Ich kenne dich seit einigen Jahren. Kenne dich gut. Was ich von Aubrey nicht behaupten kann. Ich weiß einfach nicht, wie ich ihn einschätzen soll. Ich halte ihn für einen ziemlich arroganten Mistkerl. Und für einen ausgezeichneten Seemann. Dass das Eine auch immer mit dem Anderen einher gehen muss.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust. »Doch ich frage mich, wie habt ihr beiden eigentlich jemals Freunde werden können? Ihr seid von so unterschiedlicher Natur. Es ist fast, als wolle man Fuchs und Gans dazu bringen, in Eintracht miteinander zu leben.«
Nun war es Maturin, der lachte. »Wobei zu klären wäre, wer wer ist. Gerade weil wir so unterschiedlich sind, sind wir Freunde. Er kann all das, was ich nicht kann. Und er respektiert mein Fachgebiet. Das ist es im Wesentlichen. Respekt. Die Basis, ohne die nichts funktioniert.«
Vorsichtig nahm Finn seine Hand. »Wir haben seit damals kein Wort darüber verloren. Aber es quält mich dennoch seit Jahren. Bist du mir immer noch böse?«
Der abrupte Themawechsel verwirrte Stephen. Er spürte einen Kloß im Hals. Warum konnte sie die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Er war nur zu freudig bereit dazu. Noch einmal würde er den Schmerz nicht ertragen.
»Versteh mich bitte«, fuhr sie fort, ohne auf eine Antwort auf ihre Frage zu warten. »Ich war mir nicht im Klaren über meine Gefühle. Ich war verängstigt. Es gibt etwas, das du nicht weißt. Ich wollte...« Sie stockte, schluckte. »Ich habe dich geliebt. Aber dann... ich war schwanger, Stephen. Doch als ich das Kind verlor, nahm ich es als Zeichen, dass unsere Verbindung nicht von Gott gewollt war.«
Maturin wurde blass. »Wieso hast du mir das nicht gesagt?«
»Wie denn? Ich war verlobt.«
»Und wieso hast du ihn dann nicht geheiratet?« presste er hervor.
»Weil er nicht der Richtige war. Ich wollte nicht mein Leben an der Seite eines Mannes verbringen, den ich nicht liebte. Mutter hätte dich niemals akzeptiert. Als Freund des Hauses schon, aber nicht als meinen Ehemann. Also habe ich allem dem Rücken gekehrt und bin geworden, was du jetzt vor dir siehst.«
Stephen hob ihr Kinn mit der Hand an. »Eine starke Frau, die sich nicht scheut, Herausforderungen anzunehmen. Und die es sogar mit Lucky Jack Aubrey aufnimmt.« Sie sah ihn an, blinzelte die Tränen fort. In diesem Moment war ihm egal, dass Blakeney in ihrer Nähe stand, Padeen mit einem Auge auf sie schielte, sich sogar Bonden den Hals verrenkte, um mitzubekommen, was da vor sich ging. Er lächelte Finn an und küsste sie.

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