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13.b Verschwörung
und Hoffnung - 180 A.D. - Teil 2
Einen kurzen Moment später sah ich ihn an,
blickte ihm direkt in die Augen.
"Maximus, hast Du keine Angst vor dem Tod?"
Er seufzte.
"Fast mein ganzes Leben war der Tod mein
steter Begleiter. Ich habe meinem eigenen Tod ins Auge geblickt und auch dem
Tod meiner Soldaten - jedesmal wenn ich in den Kampf zog. Und in der Arena
blicke ich jetzt dem Tod jeden Tag ins Auge. Nein, ich fürchte mich nicht zu
sterben. Außerdem warten meine Frau und mein Sohn bereits darauf, daß ich zu
ihnen komme."
Was für eine dumme Frage! Natürlich
fürchtete er den Tod nicht! Er wollte sterben. Er war bereit zu sterben.
Hatte er erst einmal den Tod seiner Frau und seines Sohnes gerächt, hatte er
Gewißheit, daß Lucilla und ihr Sohn in Sicherheit waren, dann wäre er bereit
zu gehen ... bereit, mich für immer zu verlassen.
In einer blitzschnellen Bewegung preßte ich
mich an ihn, versuchte, ihm nahe zu kommen - mit meinem Körper und meiner
Seele - aber seine Rüstung ließ keine Intimität zu. Ich drückte meine Brüste
gegen das schwarze Leder und die Schnallen seines Brustpanzers schnitten
abermals schmerzhaft in mein Fleisch.
"Ich kann nicht glauben, daß Deine Frau
Deinen Tod wünscht, Maximus. Sie liebte Dich", sagte ich eindringlich, und
Olivia wurde unvermittelt zur Verbündeten in meinem verzweifelten Bemühen,
ihn vor sich selbst zu retten. "Sie würde wollen, daß Du ein langes,
glückliches Leben führst, statt aus welchem Grund auch immer ihr ins
Jenseits nachzueilen."
"Julia ... "
Bevor er weitersprechen konnte, packte ich
sein bärtiges Kinn mit beiden Händen und zwang ihn, mir in die Augen zu
sehen.
"Nein ... hör mir zu. Eine Frau, die einen
Mann liebt, würde alles für ihn aufgeben ... alles für sein Glück opfern. Es
ist nicht so, daß Olivia Dich beobachtet und Dir jedes bißchen Glück
mißgönnt, welches Dir in den Tagen, die Dir noch bleiben, beschieden sein
könnte. Sie hätte gewollt, daß Du die Freiheit, die ich Dir biete, annimmst
... ein langes und glückliches Leben ohne sie führst. Eine neue Liebe
findest. Sie wird auf Dich warten ... zehn, zwanzig Jahre lang."
Heiße Tränen verschleierten meinen Blick,
ich schniefte und blinzelte sie weg.
"Es geht nicht darum, was meine Frau wollen
würde. Es geht darum, was ich will", sagte Maximus ruhig und entschieden, so
unglaublich entschieden und voller Würde, daß mir trotz allen Bemühens die
Tränen über die Wangen liefen. Ich wischte sie ärgerlich weg.
"Nun, Du bist halt egoistisch. Du denkst
nicht an die Menschen, die Dich hier lieben und die wollen, daß Du lebst. Du
denkst nur an Dich selbst."
Mein Ausbruch schreckte ihn nicht ab.
Maximus wischte die Tränen zart mit seinem Daumen weg.
"Julia, wenn ich eine Möglichkeit wüßte, das
zu vollenden, was ich vollenden muß, und trotzdem weiterzuleben - dann würde
ich sie ergreifen. Ich weiß, daß Olivia und Marcus auf mich warten, wie
lange ich auch immer leben werde."
"Aber ich habe Dir eine Möglichkeit geboten,
und Du willst sie nicht ergreifen."
"Dafür gibt es gute Gründe."
"Ich weiß, ich weiß ... Juba. Glaubst Du
nicht, daß Juba sein Leben mit Freude für Deine Freiheit opfern würde?"
"Vielleicht. Aber das zu entscheiden steht
nicht in meiner Macht. Ich würde jedoch niemals Dein Leben für meine
Freiheit opfern."
Erschrocken richtete ich mich auf.
"Was? Was soll das bitte heißen?"
Maximus betrachtete die Baumwipfel.
"Die Stadt hier ganz in der Nähe ist Ostia,
nicht wahr?"
Meine Augen weiteten sich, und ich setzte
mich gerade hin, Hoffnung regte sich in mir. Warum hatte ich daran nicht
gedacht? In Ostia war ein Armeelager! Bei meiner Rückkehr aus Moesia hatte
ich einige Zeit dort verbracht!
"Ja. Ja. Du könntest ... "
Aber bevor ich weitersprechen konnte, legte
Maximus einen Finger auf seine Lippen und bedeutete mir zu schweigen.
"Ich könnte mich an die Legion dort wenden
und würde sie unter dem Befehl eines Commodus ergebenen Generals finden, was
sehr wahrscheinlich ist", sagte er. Er sprach ruhig und gelassen, wie ein
Vater, der seinem enttäuschten Kind, das sich den Mond wünscht, erklärt,
warum es ihn nicht haben kann. "Sollte er mich erkennen, dann würde er mich
auf der Stelle niedermachen lassen. Sollte er mich nicht erkennen, dann
würde er mich festsetzen, bis man mich identifiziert. In beiden Fällen wäre
ich tot, und Commodus würde weiter leben."
"Aber was ist, wenn Du dort Männer
vorfindest, die Dich kennen, und die Deiner Sache gewogen sind?"
"Das ist unwahrscheinlich, denn meine
Legionen stehen im Norden. Und sollte es wirklich eine der Felix-Legionen
sein, dann könnte ich hier trotzdem nicht weg, Julia."
"Aber Du könntest hingehen und schauen, wie
es um die Legion bestellt ist, und dann zurückkehren. Ich werde mit Dir
gehen. Du könntest Vorbereitungen treffen ... "
"Nein."
Ich schloß die Augen und schüttelte den
Kopf, war so frustriert, daß ich es am liebsten laut herausschreien wollte.
"Maximus, warum nicht? Was Du sagst, macht
keinen Sinn. Du bist der Kommandant einer Armee und vielleicht gibt es dort
eine Armee für Dich."
"Das bin ich nicht mehr. Aber Julia, ich
will damit sagen, daß Du keine Vorstellung hast, wie rachsüchtig Commodus
ist. Du weißt nicht, wozu er fähig ist."
Ich war mir nicht sicher, was er damit
andeuten wollte, und schwieg einen langen Augenblick, dann fragte ich: "Wem
gegenüber?"
"Jedem, der ihm in den Weg kommt ... jedem,
der mir hilft."
"Du meinst mich."
"Ja."
Ich packte Maximus an den Oberarmen und
schüttelte ihn ... es drängte mich jedesmal, genau das zu tun, wenn er mich
mit seiner Halsstarrigkeit wieder einmal zur Verzweiflung brachte. Und wie
jedesmal war es, als versuche man, an den Säulen im Tempel des Jupiter zu
rütteln.
"Maximus, verstehst Du denn nicht? Ich bin
bereit, dieses Risiko einzugehen."
"Ich nicht."
"Maximus ... "
"Julia, wie oft bist Du im Kolosseum gewesen
und hast die Spiele gesehen?"
"Maximus, wechsle jetzt nicht das Thema."
"Antworte mir einfach."
"Nur einmal. Um Dich zu sehen."
"Bist du den ganzen Tag dort gewesen?"
"Nein, ich blieb draußen und ging erst
hinein, als ich die Menge Deinen Namen skandieren hörte."
"Dann hast Du keine Vorstellung, was für
Grausamkeiten dort geschehen."
Auch wenn ich bereits wenige Minuten,
nachdem das erste Spektakel begonnen hatte, geflohen war, so hatte ich doch
genug gesehen.
"Ich ... ich habe eine Vorstellung."
Maximus schüttelte den Kopf.
"Gladiatoren wie ich kämpfen ausschließlich
am späten Nachmittag. Besonders ausgebildete Gladiatoren kämpfen Mann gegen
Mann. Aber früher am Tag ist die Arena voll von Gladiatoren, die paarweise
aneinandergekettet sind - Dutzende von Männern gleichzeitig, und man hetzt
sie gegen einander und gegen wilde Tiere, die darauf abgerichtet sind,
Menschen zu töten. Die meisten Tiere töten keine Menschen, weißt Du, ganz
gleich, wie hungrig sie auch sein mögen. Man muß sie speziell dazu
abrichten, Menschen zu töten. Das Gemetzel ist entsetzlich."
"Ich will das niemals sehen."
Was hatte das damit zu tun, daß ich ihm bei
der Flucht helfen wollte?
"Das ist aber noch nicht einmal das
Schlimmste ... nicht im Entferntesten." Maximus schaute mich nicht an
sondern sah hinauf in den Abendhimmel. "Die Vorführungen am Morgen sind
besonders grausam. Zum Tode Verurteilte werden in der Arena festgebunden und
an wilde Tiere verfüttert, ohne sich verteidigen zu können. Auch Frauen und
Kinder, die verbotenen religiösen Kulten angehören oder Kriegsbeute sind.
Sie werden bei lebendigem Leibe zerrissen."
Er räusperte sich, und ich erwähnte nicht,
daß es genau dies gewesen war, was mich von meinem Platz im Amphitheater
getrieben hatte.
"Aber ich habe noch Schlimmeres gesehen.
Vergangene Woche wurden wir aus irgendeinem Grund schon frühzeitig in die
Arena gebracht und mußten die meiste Zeit des Tages in den Zellen dort
verbringen. Die wertvollsten Gladiatoren bekommen die besten Zellen - nur
knapp unterhalb des Bodens der Arena - so können wir alles sehen und hören,
was dort vor sich geht."
Maximus atmete tief durch, und die
Erinnerung ließ ihn erschaudern. Ich wußte, daß mehr hinter seinen Worten
sein mußte. Er war ein kampferprobter Soldat, Blut und Tod waren ihm nicht
fremd.
"Die Spiele werden von Beamten finanziert,
die hoffen, wiedergewählt zu werden, und die wissen, daß der die größten
Chancen hat, der das beste Spektakel auf die Beine stellt. Mit "beste
Spektakel" meine ich das blutigste und verderbteste. Vieles von dem, was in
der Arena dargeboten wird, überschreitet die Grenze zwischen Brutalität und
perverser sexueller Zurschaustellung."
Er schwieg und blickte gebannt zu den ersten
Sternen hinauf, die am dunklen Himmel aufleuchteten. Ich ließ ihm Zeit,
seine Gedanken zu ordnen, bevor ich ihn drängte weiterzusprechen. Ich wußte,
daß er darüber reden mußte, ganz gleich, welche Überwindung es ihn zu kosten
schien. Ganz gleich welche Überwindung es mich kostete, das zu hören, was er
zu sagen hatte.
"Sprich weiter", sagte ich so sanft wie nur
möglich. "Du weißt, daß ich nicht so leicht zu erschüttern bin."
Bevor er weitersprach, fuhr sich Maximus mit
den Händen über das Gesicht - eine vertraute Geste. Immer hatte ich dann das
Bedürfnis, ihn in den Arm zu nehmen und wie ein müdes Kind zu trösten.
"Weißt Du, daß die Leute auf den Rängen
picknicken, während sie sich das anschauen? Sie essen, während menschliche
Wesen wie sie selbst vor ihren Augen hingemetzelt werden. Sie sind selbst
den barbarischsten Darbietungen gegenüber völlig gefühllos."
Vor meinem inneren Auge sah ich die Menschen
auf den Rängen des Kolosseums. Schwitzende, lärmende Menschen mit Hüten und
Kissen, Körben mit Essen und Weinschläuchen, bereit, das sinnlose Elend
ihres Lebens für ein paar Stunden zu vergessen indem sie zusahen, wie das
Leben anderer auf ebenso sinnlose Weise zerstört wurde.
Maximus ließ den Kopf sinken, seine Stimme
war kaum mehr zu hören.
"Sie karrten eine Frau in die Arena. Eine
schöne Frau. Sie war nackt und mit dem Gesicht nach unten auf einem
verzierten goldenen Wagen ausgespannt, der wie ein Altar aussah ... als wäre
sie ein Menschenopfer an die Götter. Nachdem man sie einmal rund um die
Arena gerollte hatte, damit jederman sie gut sehen konnte, bedeckte man sie
mit Tierhäuten. Dann betrat ein Mann die Arena mit einem Tier, das er
offensichtlich besonders abgerichtet hatte ... und das Tier vergewaltigte
die Frau."
Ich schnappte nach Luft, grub meine
Fingernägel in seine Arme. Das war es also. Mit Blut und Tod hatte er
umzugehen gelernt, aber nur, wenn sie in fairem Kampf unausweichlich waren,
nicht jedoch, wenn man sie den Schwachen und Hilflosen abverlangte. Schmerz
und Gewalt konnte er ertragen aber nicht Mißhandlung und Perversion.
Plötzlich fragte ich mich, was er gesehen hatte, als er Olivias und Marcus'
tote Körper sah? Was hatte er gesehen - außer dem Tod und was auch immer ihn
gebracht hatte?
"Ich werde Dir nicht sagen, was für ein Tier
es gewesen ist, aber ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ihre Schreie
waren entsetzlich. Es erübrigt sich zu sagen, daß die Frau schwer verwundet
wurde und stark blutete. Dann ließ man wilde Tiere frei, die sie töteten.
Die Menge liebte es."
Trotz aller Bemühungen konnten
meine zitternden Lippen ein Schluchzen nicht zurückhalten, und Maximus zog
mich an sich, nahm mich in seine starken Arme. Meine Tränen flossen wieder
über das schwarze Leder seiner Rüstung, während ich über die sinnlose
Brutalität einer Welt weinte, in der ein Mädchen gezüchtet und zur Hure
gemacht und ein anderes zur Belustigung des Pöbels hingeschlachtet wurde.
Ich weinte um eine tote Frau und einen toten Jungen, deren einziges
Verbrechen es gewesen war, Ehefrau und Sohn eines Mannes zu sein, der vom
Abkömmling seines Kaisers verraten worden war. Aber vor allem weinte ich um
Maximus. Ich weinte über die Grausamkeit seines Schicksals, seiner
Versklavung, seiner Verluste und seines Schmerzes, vergoß die Tränen, die zu
vergießen ihm verboten war, weil er stark sein mußte. Die Tränen, die zu
weinen er so bitter nötig gehabt hätte.
"Und das ist noch nicht alles."
"Ich will nichts mehr hören!" weinte ich,
das Gesicht gegen seine Schulter gepreßt. Der Schmerz in meiner Brust war so
intensiv, daß ich glaubte, mein Herz würde brechen.
"Du mußt es hören."
Er wartete, bis ich mich etwas beruhigt
hatte.
"Streitwagen rasten in die Arena, jeder
schleifte eine nackte Frau hinter sich her. Als ihre Leiber zerfetzt und
aufgerissen waren, sie jedoch immer noch lebten, ließ man wilde Tiere frei,
um ihnen "den Rest zu geben". Und auch das ist noch nicht das Schlimmste.
Das Schlimmste waren ungefähr ein Dutzend süßer, blonder Mädchen ... alle
schienen jünger als zehn Jahre zu sein ... vermutlich aus Germanien. Es ist
gut möglich, daß ich sogar noch die Verantwortung dafür trug, daß sie an
diesem entsetzlichen Ort waren. Kriegsbeute." Maximus schauderte und
flüsterte: "Ich kann es nicht in Worte fassen, was mit ihnen geschah."
Da war so viel Elend in seiner Stimme. Ich
klammerte mich fester an ihn. Sollte sein Schmerz niemals ein Ende haben?
Reichte es nicht, daß er seinen Rang und seine Freiheit, sein Heim und seine
Familie verloren hatte? Mußte man ihn auch noch der Illusion berauben, daß
er als ein Soldat Roms recht gehandelt hatte?
Maximus rieb mir sanft den Rücken, während
ich mich an ihn lehnte, ausgelaugt und erschöpft, die Welt ein finsterer und
grausamer Ort. Allein in seinen Armen gab es Sicherheit und Zuflucht.
"Verstehst Du jetzt", fragte er mit
unsicherer Stimme, "warum ich es nicht riskieren kann, daß Du irgendwie in
einen Versuch, mich zu befreien, verwickelt wirst? Du könntest in der Arena
enden - zur Belustigung des Pöbels. Das könnte ich niemals ertragen."
Unfähig zu sprechen, nickte ich nur an
seiner Schulter und schniefte. Wir blieben so lange, lange Zeit stehen.
Einer tröstete den anderen. Einer zog Kraft aus der Gegenwart des anderen.
Endlich richtete ich mich auf und nahm sein
Gesicht in beide Hände.
"Es tut mir leid, daß ich Dich egoistisch
genannt habe."
Er lächelte und küßte meine Finger, sein Kuß
leicht und zart wie die Berührung eines Schmetterlings.
"Ist schon gut."
"Vergangene Nacht sagtest Du, daß Du für den
Tod Deiner Familie verantwortlich seiest und daß Du es verdientest zu
sterben. Maximus ... was ist mit ihnen passiert?"
Augenblicklich fühlte ich, wie er sich
zurückzog.
"Ich möchte darüber heute nacht lieber nicht
sprechen."
Meine Hände fielen auf seine Schultern und
ich betrachtete sein angespanntes Gesicht. Mein Gefühl hatte nicht getrogen.
Olivia war nicht einfach nur ermordet worden. Etwas viel Schrecklicheres
mußte mit ihr geschehen sein. Und mit Marcus.
"Ich verstehe", sagte ich und verfluchte
mich selbst, daß ich diese Frage gestellt hatte. Ich zermarterte mir das
Hirn, wie ich die düstere Stimmung, welche sich auf uns gelegt hatte, wieder
aufhellen könnte. Maximus' Magen knurrte gerade im richtigen Moment, eine
willkommene Ablenkung in dieser schlimmen Situation.
"O je, ich habe ganz vergessen, daß Du schon
ewig nichts mehr gegessen hast. Du mußt am Verhungern sein!"
Offenbar dankbar für die Ablenkung rieb
Maximus sich den Magen.
"Das bin ich wirklich."
Ich stand auf und nahm ihn bei der Hand.
"Komm, das Essen wird in meinen Räumen
bereits auf uns warten. Es ist sicherlich schon kalt."
Maximus gestattete mir, ihn den Weg entlang
zu ziehen.
"Wahrscheinlich ist es gar nicht mehr da.
Vermutlich haben es Deine Katzen wieder verspeist. Das sind die am besten
genährten Katzen, die ich je gesehen habe", merkte er mit leicht spöttischem
Unterton an.
Ich lachte. "Nein, diesmal habe ich die
Diener angewiesen, das Essen abzudecken."
Ich schlang meinen Arm um Maximus' Taille
und er reagierte instinktiv - legte seine Hand auf meine Schulter. Es fühlte
sich so richtig an. So natürlich. So gut.
Es fühlte sich an, als sei es so bestimmt.
Als wir beim Haus anlangten, entzündeten die
Diener Lampen und Laternen und auch die Fackeln in den eisernen Halterungen
entlang des Hauptweges. Als Maximus der Diener ansichtig wurde, spürte ich
die plötzliche Anspannung in seinem Körper, aber da ich meinen Arm fest um
seine Mitte geschlungen hatte, konnte er die Hand nicht von meiner Schulter
nehmen. Meine Hausangestellten waren tüchtig und diskret, aber obwohl
Männer und Frauen ihre Köpfe respektvoll senkten, wußte ich, daß sie
interessierte Blicke auf den Mann in der blauen Tunika und der schwarzen
Lederrüstung warfen. Seit Marius Servilius' Tod hatte die Villa keine Gäste
mehr beherbergt, und männliche Besucher hatten niemals andere Räume als das
Arbeitszimmer in der ersten Etage betreten. Nicht vielen römischen
Haushaltungen steht eine Frau vor, und manchmal kann Sittsamkeit von Nutzen
sein. Außerdem ist Trauer die perfekte Ausrede, um nicht an Vergnügungen
teilnehmen zu müssen.
Hocherhobenen Hauptes ignorierte ich ihre
kaum verborgene Neugier, schob Maximus zur Treppe und in die Sicherheit
meiner privaten Räume.
Zu meinem Ärger war Apollinarius da und
dirigierte eine Gruppe von Dienern, die eifrig mit abgedecktem Geschirr und
Amphoren, Tischwäsche und Handtüchern, kleinen Krügen und Lampen hantierten.
Die Frauen waren im Wohnzimmer beschäftigt, während die männliche
Dienerschaft im zweiten Schlafzimmer ein und aus ging. Als sie uns sahen,
hielten sie augenblicklich inne und verneigten sich respektvoll.
Apollinarius strahlte.
"Gerade rechtzeitig!" rief er. "General,
Deine Kleidung wurde eben gebracht und das Bad ist für Dich bereit."
"Danke", murmelte Maximus und schob eilig
meinen Arm beiseite, den ich immer noch um ihn geschlungen hatte. Ich ließ
ihn.
Ich ging zum Tisch und inspizierte das
Abendessen, während die verunsicherten Diener sehr geschäftig taten, dabei
aber immer wieder einen Seitenblick auf Maximus riskierten. Sie wußten, wer
er war. Sie mußten es wissen. Einige von ihnen waren bei den Spielen
gewesen. Ein fremder Mann, der in den privaten Räumen ihrer sonst so
zurückgezogen lebenden Herrin schlief, war wirklich etwas Neues in diesem
ruhigen Haushalt.
Und wenn es sich bei diesem Mann um Roms
Stargladiator handelte, dann war dies erst recht interessant!
Von ihrem Platz auf der Couch aus blickte
Rubia empört auf all die Leute, die da herumwuselten und es wagten, ihre
geheiligte Privatsphäre zu stören - ich konnte ihr nur zustimmen. Ich
wollte, daß jeder verschwand und zwar auf der Stelle, bevor ihre Anwesenheit
die ersten Anzeichen des Erfolgs zerstörten, die meine Bemühungen, Maximus
Stimmung zu heben, gezeitigt hatten.
"Ich hoffe, es ist die richtige Größe. Als
ich sie kaufte, hatte ich Dich nur aus einiger Entfernung gesehen ..."
plauderte mein ehemaliger Lehrer weiter und schien den Tumult um uns herum
gar nicht wahrzunehmen.
Maximus nickte und fühlte sich
offensichtlich reichlich unwohl bei all der Aufmerksamkeit, die ihm sowohl
von der Dienerschaft als auch von Apollinarius entgegengebracht wurde.
Ein dumpfer Schmerz begann sich in meinem
Hinterkopf bemerkbar zu machen.
Rubia hatte recht: jemand mußte hier für
Ordnung sorgen, bevor die Dinge gänzlich außer Kontrolle gerieten ... und
diese Aufgabe fällt gewöhnlich mir zu.
"Schluß jetzt!"
Die Diener zuckten zusammen als das ertönte,
was ich für mich "die Stimme" zu nennen pflege. Sechs Jahre waren vergangen,
seit Silvia Cornelias Koch versucht hatte, mich anzufassen. In der
Zwischenzeit hatte ich gelernt, nicht nur mit unverschämten Dienern
umzugehen, sondern auch mit brutalen Vorarbeitern, aufsässigen Kapitänen,
treulosen Handelsagenten, arroganten Konkurrenten und unerwünschten Freiern.
Ich hatte den Trick von meinem Gemahl gelernt, der, wenn er einen Befehl
erteilte, seine Stimme nie mehr als nur um eine winzige Nuance hob. Die
Tatsache, daß seine Stimme keinerlei Emotion verriet, machte
unmißverständlich klar, daß er unverzüglichen Gehorsam erwartete, und
welches die Konsequenzen wären, sollte man ihm denselben nicht erweisen.
Die Hausangestellten wußten, was von ihnen
erwartet wurde, und in Sekunden hatten sie ihre Aufgaben erledigt und den
Raum verlassen. "Die Stimme" hatte sie ebenfalls gewarnt zurückzukommen,
ohne gerufen worden zu sein, und daß Klatsch nicht geduldet würde. Ich
wandte mich an meinen ehemaligen Lehrer. Apollinarius trat unbehaglich von
einem Fuß auf den anderen, ein untrügliches Zeichen, daß er unzufrieden mit
sich war: es war ihm nicht gelungen, eine unangenehme Situation zu
vermeiden. Ich gab meiner Stimme einen weicheren Klang.
"Bitte, mein Freund, sei so gut und sag alle
meine Termine für die nächste Woche ab. Ich werde auch keine Besucher
empfangen. Gib Athenodoros und Nicia Bescheid, daß sie mich und den General
persönlich bedienen."
Apollinarius nickte.
"Wenn Briefe unterschrieben und dringend
erledigt werden müssen, dann sorge dafür, daß sie zur Frühstückszeit bereit
liegen. Kümmere Dich persönlich um jede andere Angelegenheit. Du kannst mich
über alles, was ich wissen muß, informieren, nachdem ich die Briefe
unterschrieben habe. Ach, und sag Athenodoros, daß das Frühstück auf der
Terrasse serviert werden soll."
"Wie Du wünscht, Julia."
"Danke, Apollinarius. Ich sehe Dich morgen
früh."
Mein ehemaliger Lehrer verneigte sich
leicht, verließ dann den Raum und schloß die Tür.
Als wir endlich allein waren, schwiegen wir
lange und schauten einander nur an. Maximus sprach als erster.
"Ich gehe ins Bad."
"Brauchst Du Hilfe?"
"Ich bemerkte meinen Fehler erst, als es zu
spät war, und errötete peinlich berührt. Wo war mein Verstand, wenn ich ihn
am dringendsten brauchte? Wo war die Frau, die problemlos mit unverschämten
Dienern, brutalen Vorarbeitern, aufsässigen Kapitänen, treulosen
Handelsagenten, arroganten Konkurrenten und unerwünschten Freien umzugehen
verstand? "Was ich ... ich meine ist ... all diese Schnallen ..."
Maximus lächelte, während ich krampfhaft
bemüht war, mein Stammeln unter Kontrolle zu bringen.
"Ich kann Phaedrus rufen, daß er Dir hilft
... er war der Diener meines Gemahls ... er langweilt sich, weil er keine
Aufgabe mehr hat ... Phaedrus ist alt, aber er ... "
Maximus hob die rechte Hand und zeichnete
mit seinem schwieligen Finger zärtlich die Linie meines Kinns nach, berührte
meine Haut so leicht, wie er die samtene, blutrote Rose berührt hatte. Ich
erschauerte und wandte den Blick ab.
"Julia ... Julia ... ist schon gut ... Ich
kann mich um mich selbst kümmern ... Vergiß nicht, ich bin ein Sklave ... "
"Nein."
"Julia", fuhr er fort und streichelte dabei
geistesabwesend meine Wange, "Du mußt das akzeptieren ... "
"Nein."
"Julia, ich sollte nicht hier sein ... ich
sollte mich nicht in Deinen privaten Räumen aufhalten ... Du mußt an Deinen
Ruf denken ... "
"Nein!"
"Selbst wenn man akzeptiert, daß Du mich
gemietet hast für ... Ich sollte nicht bei Dir schlafen. ... Bring mich
anderswo unter, bei Deiner Dienerschaft ... "
"NEIN!"
Maximus zuckte ob der Heftigkeit meiner
Reaktion zusammen, zog seine Hand jedoch nicht zurück, sondern ließ
lediglich seinen Finger auf meiner Wange ruhen.
"Nein, Maximus. Dies ist mein Haus, und mein
Wort ist hier Gesetz", sagte ich, und wiederholte unbewußt die Worte meines
Gemahls. "Und in meinem Haus gibt es keine Sklaven. Nur bezahlte Diener und
Gäste. Und solltest Du es noch nicht bemerkt haben: Du gehörst zur zweiten
Kategorie. Ein unerwarteter aber willkommener Gast. Und nun, General, nimm
Dein Bad. Ich bin hungrig, und ich kann nicht ohne meinen Gast beginnen ...
"
Maximus schenkte mir ein schwaches,
wehmütiges Lächeln.
"Ich wußte schon immer, wann Du ärgerlich
mit mir warst, Julia, denn dann nanntest Du mich nicht länger 'Maximus'
sondern statt dessen 'General' ... "
Ich mußte sein Lächeln einfach erwidern,
auch wenn meines kein freudiges war.
"Ich bin nicht ärgerlich mit Dir, Maximus
... "
"Nicht mal, weil ich mich geweigert habe zu
fliehen?"
Ich holte tief Luft.
"Ich verstehe Deine Beweggründe, Maximus.
Ich kann Deine Entscheidung sogar akzeptieren und respektieren. Aber Du
kannst nicht von mir erwarten, daß ich darüber glücklich bin. Nicht einmal
Du kannst so etwas von mir erwarten ..."
Etwas blitzte in seinen faszinierend blauen
Augen auf. Er schluckte hart, blinzelte, als wolle er eine unerwünschte
Gefühlsregung verbergen, dann ließ er die Hand fallen, senkte den Blick und
schwieg.
"Geh, Maximus. Ich bin wirklich hungrig."
Ohne ein Wort drehte er sich um, verschwand
im Schlafzimmer und schloß die Tür hinter sich.
Einen Moment lang blieb ich noch im
Wohnzimmer sitzen, dann ging ich mit festem Schritt auf die Terrasse - ich
brauchte dringend frische Luft, obwohl ich eben erst aus dem Garten
zurückgekehrt war. Normalerweise genügte allein der herrliche Anblick des
Tyrrhenischen Meeres, um meinem Geist Ruhe zu spenden. Dazusitzen zwischen
Kübeln voller Büsche und Blumen half mir immer, wieder die Kontrolle über
mich zu erlangen. Aber heute nicht. Nicht wenn es um Maximus ging. Ich
blickte auf das Wasser jenseits des sandigen Strandes, sah jedoch nicht die
Wellen sondern nur den Aufruhr, welchen ich vor kurzem in Maximus'
meerfarbenen Augen beobachtet hatte.
Brüsk wandte ich mich um, trottete zur Tür
des zweiten Schlafzimmers und klopfte vorsichtig. Ich hatte nicht die
geringste Ahnung, welche Ausrede ich vorbringen könnte, um mein Eindringen
in seine Privatsphäre zu rechtfertigen, und es war mir auch völlig
gleichgültig. Ich konnte immer noch behaupten, daß ich kontrollieren wollte,
ob die Diener gut gearbeitet hatten, ganz gleich, wie lahm das auch klingen
mochte, nachdem Apollinarius bereitwillig ein Beispiel seiner Tüchtigkeit
gegeben hatte.
Keine Antwort.
Ich klopfte noch einmal.
Wieder nichts als
Schweigen.
Langsam drückte ich die
Klinke nieder und die Tür öffnete sich.
"Maximus?"
Das Zimmer war leer.
Ich konnte mich nicht
erinnern, es betreten zu haben, seit ich als Braut meinen Einzug in diese
Villa gehalten hatte. Es blieb immer verschlossen außer wenn die Dienerinnen
dort putzten und Boden und Möbel polierten. Die Tatsache, daß es für ein
Kind bestimmt war, das es niemals geben würde, ließ mich diesen Raum meiden,
so wie ich jeden Gedanken an dieses Kind mied.
Im goldenen Licht der
Lampen entdeckte ich, daß es größer war, als ich es in Erinnerung hatte, und
so gut eingerichtet wie jedes andere Zimmer der Villa. Es war fensterlos,
wirkte jedoch nicht erdrückend dank der ländlichen Szenen, welche die Wände
zierten und sich an der Zimmerdecke fortsetzten, die den Eindruck
vermittelte, als blicke man in den Himmel. Es gab ein großes bequemes Bett,
die Bettdecke war in einem zarten Grünton gehalten, der perfekt zu den
Wandmalereien paßte, am Fußende stand eine geschnitzte Truhe. Maximus' neue
Kleidung lag ordentlich auf dem Bett ausgebreitet: drei Tuniken - eine
weiße, eine sandfarbene und eine weinrote - Unterwäsche für einen Mann, zwei
Gürtel und ein Paar guter Sandalen.
Ein großer wollener Teppich, der offenbar
aus den östlichen Provinzen stammte, bedeckte einen guten Teil des
Mosaikbodens. An einer Wand befanden sich zwei große hölzerne Schränke,
während man einen Stuhl neben einen kleinen Tisch gestellt hatte, auf
welchem ein Lampenständer stand, der vier brennende Bronzeöllampen trug. Ein
weiterer brannte auf einem zweiten Tisch dicht neben dem Bett, dort gab es
auch eine Schale mit frischem Obst, eine silberne Kanne und ein Glas. Die
geschlossene Tür am anderen Ende des Raumes sagte mir alles, was ich über
den derzeitigen Aufenthalt seines Bewohners wissen mußte. Die Tür führte in
ein großes, gekacheltes Bad, welches mit Toilette, Zuber und einem Becken
ausgestattet war. Tagsüber wurde es durch Licht erleuchtet, das durch eine
verglaste Kuppel fiel.
Als ich sah, daß es bereits zu spät war, um
mit Maximus zu sprechen, und ich würde warten müssen, bis er zum Essen kam,
wandte ich mich um und wollte das Zimmer verlassen, aber etwas auf der
anderen Seite des Bettes erregte meine Aufmerksamkeit. Der schwarze lederne
Brustpanzer lag auf der Erde, dort wo Maximus ihn zusammen mit seinen groben
Stiefeln hingeworfen hatte. Seine blaue Sklaventunika war ein paar Schritte
weiter auf dem Boden gelandet, als er sich ihrer auf dem Weg ins Bad
entledigt und Rüstung und Kleidung von sich geworfen hatte, wie eine Puppe
ihren häßlichen Kokon abstreift, um sich in einen herrlichen Schmetterling
zu verwandeln.
Ich hob die Tunika auf, der noch immer ein
wenig von der Wärme seines Körpers anhaftete. Sie war aus grobem Leinen
gemacht, abgetragen und arg zerknittert, nicht viel mehr als ein Lumpen, und
doch hatte er sie getragen, wie ein Herrscher seinen Purpurmantel trägt ...
Ich hielt sie mir an die Nase und sog begierig ihren Duft ein. Sie roch nach
Leder und Schweiß und seinem eigenen typisch männlichen Geruch. Ich schloß
die Augen und preßte die Tunika an meine Brust, so wie ich mich danach
sehnte, ihn in meine Arme zu schließen - sein Duft in meiner Nase und Bilder
von Maximus in meinem Kopf, wie er seine Kleidung von sich warf und nackt in
den Badezuber stieg ... Ich hatte Maximus niemals unbekleidet gesehen ...
nur in meinen Träumen. Ich hatte ihn sogar nie mit freiem Oberkörper
gesehen, sein Körper war immer vor mir verborgen gewesen durch Kleidung und
militärische Rangabzeichen und seinen eigenen Willen. Aber was ich bereits
von ihm gesehen hatte, war mehr als genug.
Als ich dort stand, die Augen geschlossen,
die Nase in seiner Tunika vergraben, begann das süße, vertraute Fieber in
meinen Venen zu glühen, und ich spürte, wie meine Haut heiß wurde und sich
nach Berührung zu sehnen begann. Ich hatte Maximus nie unbekleidet gesehen
... und nun trennte ihn nur eine verschlossene Tür von mir, trennte mich von
seiner nackten Schönheit ...
Es wäre so einfach gewesen, die wenigen
Schritte zu gehen und sie zu öffnen ... Es wäre so einfach gewesen, das Bad
zu betreten, dabei die Schulterschließen meiner Tunika zu öffnen und sie
neben dem marmornen Becken fallen zu lassen ... Es wäre so einfach gewesen,
in das warme, duftende Wasser des Bades zu steigen und sich neben seinen
nackten, nassen, göttlich schönen Körper gleiten zu lassen ...
Würde er mich zurückweisen? Oder würde ich
das blaue Feuer in seinen Augen brennen sehen, das vor sechs Jahren hinter
dem Vorhang eines kleinen Alkovens in ihnen gebrannt hatte? Würde er wütend
sein? Oder erleichtert, daß ich ihm den ersten Schritt abgenommen hatte?
Würde er mich akzeptieren, mein wahres Ich, wenn er mich in seine Arme nahm?
Oder würde er die Augen schließen und so tun, als sei die Frau, die er nahm,
seine tote Ehefrau?
Ein Dufthauch kam mir entgegen ... so wie es
im Wald duftet .. nach Harz und Kiefer und Kräutern ... Seife ... gefolgt
von einem platschenden Geräusch ... jemand schrubbte sich energisch ... Ich
öffnete schlagartig die Augen ... Etwas stimmte nicht ... Stimmte absolut
nicht ... Waren die schweren geschnitzten Eichentüren meiner privaten Räume
geschlossen, dann schluckten sie jedes Geräusch ...
Aber die Tür war nicht, wie ich angenommen
hatte, als ich Maximus' Zimmer betrat, geschlossen. Statt dessen war sie nur
angelehnt, und als ich mich umdrehte, konnte ich einen Blick auf den
gekachelten Boden des Bades und das Bassin erhaschen. Fasziniert blieb ich
stehen und lauschte den Geräuschen, welche von jenseits der Türschwelle zu
mir hinausdrangen, während Maximus sich mit der Gründlichkeit eines Soldaten
wusch und es wie ein echter Römer in vollen Zügen genoß.
Ich preßte die Tunika fester an mich, mein
Herz raste, und mein Verstand rief mir zu, daß ich das Zimmer verlassen, daß
man mich hier besser nicht dabei überraschen sollte, wie ich ihn
beobachtete, auch wenn dies nicht meine Absicht gewesen war. Aber mein
Körper lehnte sich gegen die unvermeidliche Notwendigkeit auf und drängte
mich statt dessen, zu ihm zu gehen, die Schwelle zu überschreiten und das
Bad mit ihm zu teilen ... die Schwelle zu überschreiten und ihn zu dem
Meinen zu machen ...
Plötzlich vernahm ich ein lautes
platschendes Geräusch. Stille. Durch den Türspalt sah ich etwas Weißes. Ein
Handtuch. Er war aus dem Bad gestiegen und trocknete sich ab. Ich sollte
gehen. Jederzeit könnte er die Tür öffnen und das Schlafzimmer betreten,
würde mich entdecken, wie ich seine Tunika an mich preßte, in seine
Privatsphäre eindrang ...
Ich rührte mich nicht.
Meine Augen erhaschten eine Bewegung. Einen
Schatten. Dann einen kurzen Blick auf glänzende, gebräunte, nackte Haut,
straff über kräftige Muskeln gespannt.
Maximus' nackter Rücken.
Die Rundung eines herrlich geformten, festen
Hinterteils.
Seine Tunika immer noch an mich drückend
floh ich aus dem Schlafzimmer. |