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XIII.
„Ja, gut. Und das Buffet und der Chauffeur inklusive? Wunderbar. Ok, ich
ordere dann über ihre Webside und zahle mit Karte. Unsere Tickets werden
hinterlegt? Gut. Wie war noch mal die Adresse des Kostümverleihs? Ah, ja,
ich hab’s.
Ganz herzlichen Dank! Bis Montag dann!“
Ich legte auf.
Rosenmontag. Das war morgen.
Zwei Tage waren vergangen. Meine Theorie erhärtete sich.
Es war früher Nachmittag und Jack ruhte mal wieder in seinem täglichen Koma.
Gestern waren es wie am Tag davor gute drei ein halb Stunden gewesen.
Das Pulver aus dem Fitnessstudio hatte vielleicht gewirkt.
Eiweiß pur. Die Megadosis. 300 gr. pro Shake. Schokoladenaroma.
Er mochte es. 2x täglich.
Ich hatte ihn noch nicht eingeweiht. Noch war ich mir nicht sicher.
Und ich war selbst ein wenig im Koma.
Erst zehn Jahre Pause, dann so was.
Seit er mich ‚überzeugt’ hatte, befanden wir uns mehr in der Horizontalen
als der Vertikalen. Der erste Rausch der Begierde. Bei ihm der ALLERERSTE..
Er brauchte mich nur
anzusehen, mit diesem sehnsüchtigen, hungrigen Ausdruck.
Und er sah mich eigentlich dauernd so an, oder bildete ich mir das schon
ein??
Auf der einen Seite ist es ... berauschend.. auf der anderen..
Der Geist war mehr als willig, aber das Fleisch ließ nach.
Die ‚Damen’ auf den einschlägigen Seiten hatten SOWAS sicher noch nicht
erlebt, denn sonst hätten sie nicht so arglos ihre ‚never ending’
imaginären Exzesse geschildert, die keine Sterbliche länger als 48 h
durchhalten kann.
Und das Gemeinste daran war, dass ich WIRKLICH nicht genug von ihm kriegen
konnte, trotz aller Wundheit und Überempfindlichkeit... seufz
zum Glück hat das Kamasutra viele Positionen.. JOKE
So ein Quatsch, da kriegt man ja einen Bandscheibenvorfall bei 90% der
Stellungen. Not macht erfinderisch..;-)
Eine Woche.
Nächsten Sonntag würden wir zu Barbara fahren.
Sie hatten in ihrem Kino tatsächlich noch eine Kopie und die würde mit
Sicherheit Sonntag noch dort sein, hatte sie mir versichert. Wir mussten es
nach Feierabend durchziehen. Aber vor Beginn der Oscarfeier. Die arbeiteten
sicher noch immer an dem Phänomen von Aubreys Verschwinden, müssten über
kurz oder lang merken, wenn er zurück war. Allerdings würde ich Barbara erst
kurz vorher einweihen.
Ich konnte nichts riskieren. Es musste klappen, ich wollte gar nicht daran
denken, wenn es schief ginge... dann würde es bald keinen Jack mehr geben.
Alle Eiweißbomben der Welt konnten das nicht verhindern. Die Uhr tickte.
Und bis dahin wollte
ich ihm einfach eine schöne Zeit machen.
Und die unbarmherzig gezählten Tage mit ihm genießen.
Sie bestanden aus langen Spaziergängen und langen Gesprächen über Gott und
die Welt, damals und heute.
Aus lustigen Kochorgien, auf die Essorgien seinerseits folgten.
Er nahm nicht zu. Sein Körper verbrauchte all die Energie und verbrauchte
sich dabei dennoch. Ich konnte den Schwund auf eine halbe Stunde pro Tag
drosseln.
Also würde er in einer Woche etwa noch sechs Stunden am Tag wach sein.
Zum Glück aß er so gern. Ich hätte ihn sonst mästen müssen wie einen
Sumoringer.
Ich nahm ab, dank der intensiven, äh, erotischen Leibesübungen.
Sport? Vergesst es. SEX. Das ist das Geheimnis.
Oft. Und schweißtreibend. Na, gut, Sport ist nicht viel anders.
Macht aber nicht soviel Spaß.
„Dear, what happens
with your ass?” wollte Jack am selben Abend verwundert wissen, beide Hände
auf meinem selbigen. “It is shrinking! Make it stop!
“
Er tastete über meine Hüften. “Bones! I can feel them!
Honey, what is going on? Are you not well? I can almost close my hands
around your middle.”
Seine Besorgnis war zu süß. Und seine Hände waren groß, zum
Flaschnern hätte es gereicht, also keine Panik.
„I’m ok. Don’t worry. It seems I spend more energy than I
get with food.”
“You must eat more! You eat less and less. I recognized it.”
Er hatte recht. Wenn ich verliebt bin, schwindet mein Appetit.
„I feel good. I can loose a bit. I have enough reserves.
Don’t you remember? You teased me about being not
as slim as all those women you had..” neckte
ich ihn. Er verdrehte die Augen, zuckte entschuldigend die Achseln.
„Do you know what is hysterically funny about what you
just said?”
“No?”Seine Züge waren ein einziges Fragezeichen.
“HE is into really thin women, at least it seems so.
Married a tiny woman, 2/3 his size, half his weight, if
at all. I always felt bad regarding this supposed
preference of HIM. Like kind of a dinosaur. And now you tell ME, somebody HE
might consider fat, to eat more to prevent loosing
weight!” Jack
sah mich verwirrt an, dann meinte er
nonchalant:„What could HIS taste bother me… You should know by now, that I
like your voluptous shape. Especially here…and here..”
Er ließ keinen Zweifel, welche Bereiche er gemeint hatte.
Bevor seine Erläuterungen ihn zu sehr abgelenkt hätten, lenkte ich ihn ab.
Ich drückte ihm einen fetten Kuss auf für diese anbetungswürdige Aussage.
Immerhin sprechen wir hier von sogenannten Problemzonen.
Ladies, vergesst die Männer von heute. Ein Tip:
19.Jh. ;-))
„Jack, we will attend a soiree tomorrow. You can wear your uniform. Be what
you are. Officer, Captain. You can be all yourself.
It is a ball. Carnival. A 19th century ball.
Everybody will wear clothes of your time. We can drink and eat and dance all
night long. How does it sound?”
wechselte ich das Thema. Ich war etwas unsicher.
Er sah mich mit großen Augen an. Dann strahlte er.
„Oh, how wonderful! I admit, I missed it a bit to be myself. Don’t get me
wrong,
I have the time of my life here. With you.” Ein
Blick , der mich fast schmelzen ließ.
“Thank you so much, dear! How lovely to do this for me!”
“And two days later, you will fly. Wednesday.” ließ ich die Bombe
platzen.
Er fuhr herum.
„What???“
„Surprise.. I won’t tell.” erklärte ich knapp.
Er quälte mich eine halbe Stunde, aber ich widerstand allen Versuchen, es
mir zu entlocken. Allen. Ich war stolz auf mich.
Ein richtiger Flug würde an der Passkontrolle scheitern.
Aber es gab Rundflüge mit dem Hubschrauber vom nahegelegenen Flugplatz aus.
Jack war fasziniert vom Fliegen. Gestern Abend hatten wir ‚For the Moment’
gesehen. Er war fast in den Bildschirm gekrochen bei den Flugsequenzen.
Ich hatte Mittwoch Nachmittag, Aschermittwoch, einen Rundflug über Stuttgart
für ihn gebucht. 30 Minuten. Er würde ausrasten. Oder kotzen. Oder beides.
„Jack, there is something I must tell you.” Wir saßen auf ‘seinem’
Sofa.
Er nickte, sah mich neugierig an.
„I will try to get you back Sunday. Your time runs out.
In ten days, at least, you will have wasted your
‘energy’. I have no idea what might happen. Will
you be dead and go the way of all flesh? Or will you just vanish like the
illusion that you actually are?” fragte
ich leise. Jack sah mich nur an.
„Go ahead“ bat er.
“The most beautiful illusion I
ever had. That somebody ever created and came to life for reasons I don’t
know but I am really thankful for.” f ügte
ich hinzu.
Jack schien bewegt, dann feixte er ein bisschen hilflos.
„The ONLY illusion that came to life, despite that jerk Tomwhatwashisname” versuchte
er meinem Pathos etwas den Drive zu nehmen.
Ich ließ mich nicht bremsen.
“I’d love you to stay, no matter what I told you before.
I think you could handle it. You are a cracker.
But there is no way. You know, I am mad for you. You are one of the most
wonderful things that happened to me. You surely remember a few days ago.
You said: It can’t be over before it has begun. It
has, no matter how crazy and unbelievable it may be, and we have another
week. I intend to make it the most amazing week for you. And for myself.
Will you return then?” Ich
sah ihm pfeilgerade in die Augen.
Sein Blick wanderte in meinem. Ein tiefer Atemzug.
„Yes. I promise.“ kam es nach einigen Sekunden leise. Ich umarmte ihn.
„Thank you so much. It’s the only thing that makes sense.
I don’t want to loose you. But I must loose you, to save you. What an
irony.” stellte ich fest.
„Have I got it right? We have only seven days left? The
time I already spent here?” vergewisserte er sich. Ich nickte.
“Mylady?” “ Yes, Captain, Sir?”
“Why do we waste time with talking? There is not a moment to loose…”
Montag Nachmittag.
Jacks Klamotten hingen fixfertig auf dem Bügel.
Er war dabei seine Stiefel zu polieren.
Ich schloss die Haustür auf, küsste seine Wange.
„I’ll be back in, well, two hours, I guess. Don’t do,
what I wouldn’t do.”
zwinkerte ich. Er schnaubte spöttisch, aber wohlwollend.
Mein Image hatte sehr gelitten, seit er dieses Haus betreten hatte.
Ein selbstgeschaffenes Bild, das nicht ich war. Nur ein Schutzwall.
Zehn Jahre. Jack hatte sie in knapp vier Tagen geschleift.
Wie die Wälle einer Küstenfestung, die er mit der Surprise bombardiert
hatte.
Er war meine wunderbarste Illusion geworden. Too good to
be true.
Und ich hatte mich scheinbar zu etwas ähnlichem entwickelt, was er
sich unbewusst erhofft hatte. Hier mehr, dort weniger. Was wäre das Leben
ohne Herausforderungen?
LAAAANNGWEEEEEILLIIIIG
Acht Tage.
Es kam mir vor wie acht Wochen.
Mein Kostüm musste abgeholt werden. Ich hatte einen Termin bei mir im Salon.
Empire. Ein Haarteil am Hinterkopf, in meine eigenen, schulterlangen Haare
eingearbeitet, das in üppigen Locken bis halber Rücken fallen würde.
Das Kleid. Ich hatte es per Internet ausgesucht. Dunkelbrauner Samt mit
purpurn-gold im Licht wabernden Reflexen. Hoffentlich fiel die Größe so
aus, wie sie angeben war. An der Puppe hatte es wunderbar ausgesehen.
Mein absolutes Lieblingsmaterial. Schlicht. Gerade. Hohe Taille. Typisch
Empire.
Großer ovaler Ausschnitt. Viel Schulter. Ärmel bis zum Ellbogen.
Schokoladenfarbene, etwas hellere Samthandschuhe, die nur einen Streifen
Haut freilassen würden. Spitze, hochhackige, braune, mit goldenen und
topasfarbenen Steinen verzierte Slipper ohne Ferse. Bequem genug mich eine
Rosenmontagsnacht überstehen zu lassen. Die hatte ich schon länger. WSV.
Und auf gleicher Höhe mit Jack zu sein.
Five foot eleven inches and a half. Behauptet
Crowe.
Das half( 1,25cm) scheint wichtig zu sein.
Sagen wir mal, knappe 1,80. Die Körpergröße scheint eine Art Achillesferse
zu sein für ihn und der mangelnde Schulabschluss und die mangelnde
Schauspielschule..
Warum nur? Hat er doch alles nicht gebraucht..
„Zu einem
Faschingsball? Historisch?“ wunderte sich meine Kollegin, die das Haarteil
einfrisierte. Ich hatte immer behauptet, das sei nicht mein Ding.
„Einladung“ log ich knapp, blätterte in einer Illustrierten.
„Du, wir haben noch die falschen Wimpern, soll ich die dir ankleben?“ schlug
sie vor. Warum nicht?“ Ich will Fotos sehen!“ bettelte sie. Ich feixte.
Fotos... das war eine Idee.,.
Eine Stunde später war ich beim Verleiher. Das Kleid war ein Traum.
Der Preis ein Albtraum.„Äh, ich wollte es eigentlich nicht kaufen..“ jokte
ich.
„Oh, da hat jemand einen Fehler gemacht... das ist tatsächlich der VK... die
Leihgebühr ist ein Drittel , plus 15€ Reinigung. Die Handschuhe sind dabei.“
erklärte die Angestellte. Ich überlegte drei Sekunden.
“Ich kaufe es. Nehmen sie Visa?“ Sie nickte.
„Und den Säbel da drüben, ist das 19.Jh?“ Sie nickte verblüfft.
„Aber den leihe ich nur. Haben sie historisch passende Hüte für Männer? So
Napoleon ?“
“ Eh, sie kennen sich aus! Da drüben!“
Ich fand bald einen mit Kokarde. Er sah aus wie das Teil, dass Aubrey bei
der Bestattung trägt. Aber wehe, er würde es quer aufsetzen... idiotisch.
Ich lieh noch eine
traumhafte, feuerrote Satinstola und einen irren Halsschmuck mit falschen
Rubinen und passenden Ohrringen.
„Die Frisur ist klasse... das sieht sicher super aus mit dem Kleid und dem
Rest! Viel Spaß!“ wünschte sie mir, als wir fertig waren.
Oh, Shit. Es war schon sechs. Ich hatte Jack gesagt, ich wäre gegen fünf
zurück.
Er hatte noch nie telefoniert... mal sehen ob er abnehmen würde.
Im Auto zog ich mein Handy raus, wählte. Frei. Er hätte auch im Internet
sein können. Es klingelte. Vier mal. Fünf mal. Sechs mal.
Dann nahm jemand zaghaft ab. Atemgeräusche.
„Jack? It’s me ! “
“ Who is ME?” drang sein Bariton verwirrt in mein Ohr.
“My gosh, you lug. HELGA.” 
“Oh, thank God! I was so worried! Thought something had
happened. Where are you? When will you be here?”
Er klang echt besorgt.
„I am ok. It took a bit longer. Go and prepare for
tonight. Dress. We are late. I am sorry. Bye,
Jack!” “ Bye, dear! Err, shall I shave?”
“NO!! Just wash your hair and dry it. I will help you then.”
Einen glattrasierten Aubrey ... nein, das musste bis Sonntag warten.
Meine einzige Konzession an IHN. Jack war es recht, er war da recht bequem.
Zwanzig Minuten später
schloss ich auf. In einer Stunde würde der Abholservice kommen. Das war im
Preis dabei. Eine stilvolle Limousine hin und zurück.
Mein Twingo hätte da echt sehr seltsam ausgesehen.
Ich würde die nächsten Monate Nudeln mit Ketchup essen müssen..
Schwungvoll warf ich
die Taschen und den Karton mit dem Kleid aufs Sofa.
„Jack??“ rief ich nach oben. “Ah, what a mess. Dear,
please help me!!”
kam die Antwort aus dem Bad. Ich sprintete rauf.
Er stand da, Handtuch um die Hüften, netter Rettungsring über dem Frottee
und hatte es mal wieder geschafft den Kamm in seine Mähne zu wickeln...
„You didn’t use the conditioner. I told you, you must. No
wonder, you can’t comb it.”
“I forgot..” kam es kläglich. „Sit“ bat ich ihn. Er ließ sich auf den
Wannenrand nieder, musterte mich neugierig, während ich geübt den Kamm
entfernte und seine schulterlangen Wellen mittels Spülung entwirrte.
„What is that?” kicherte er, berührte vorsichtig die falschen Wimpern.
„Lashes. Fake lashes.” klärte ich ihn auf. “What happened
to yours?” wollte er besorgt wissen.
“Still there. No worry” lachte ich.
“Now rinse it.” Ich wickelte ihm einen Turban, damit die Haare
nachher schneller trockneten. „Dress, please. Don’t forget the underwear”
zwinkerte ich.
Er schnaubte. Dann ging er raus und holte seine Uniform, die er seit fast
einer Woche nicht mehr getragen hatte. Ich schminkte mich solange fertig.
Als ich das Bad verließ, bekam ich fast einen hysterischen Anfall.
Vor Lachen. Jack zog gerade seine weißen Strümpfe an. In Rüschenhemd,
Halsbinde, Leinenhose und Weste. Und Frotteeturban.
Ich floh nach unten, konnte mich gerade noch bremsen.
“Jack, you can take the towel away.“
rief ich nach oben.
Wenn ich ihn noch mal in dem Aufzug sehen würde, wäre mir ein sehr
lustiger Tod gewiss. Ich holte das Kleid und den Schmuck nach oben.
Wir begegneten uns auf der Treppe. “You can relax now. I
dress and then I will do your hair. Comb it please till I am ready.
We have 40 minutes till the car comes.” erklärte ich.
Er rollte nur mit den Augen, angesichts der Hektik, die mich
überkommen hatte, ging nach unten. „Can I help you..“ meinte er.
Oh, nein.. ich wusste wie die Hilfe aussehen würde.
Ausziehen, aber nicht wieder anziehen.
“If you ’help’
me, we will never leave here…” frotzelte ich.
Er kicherte.
Zur Sicherheit schloss ich mich im Schlafzimmer ein.
Prompt rüttelte er fünf Minuten später an der Tür, just als ich die Strümpfe
anzog.
„Ah, that is not fair“ schimpfte er.
”But necessary..” erwiderte ich.
Dann hörte ich wie er wieder die Treppe runterstapfte.
Blödmann. Na, ja. Ich war nicht unschuldig daran.
Das Kleid passte. Uff.
Es war ein Traum. Edler, matter Samt.
Großer, aber noch geschmackvoller Ausschnitt, der die Bräune vom Solarium
voll zur Geltung brachte. Und den Push up. Boaa. Das ganze machte einen
Mörderbalkon. Sophia Loren wäre blass geworden.
Knöchellang. Weich fallend. Die Nähte waren mit goldenem Faden
abgesetzt, der im Licht schimmerte.
Golden-rötliche Reflexe im Stoff. Goldpuder über Gesicht, Hals und
Dekollete.
Ich fühlte mich wie Cinderella, schlüpfte in die Schuhe.
Legte das Collier und die Ohrringe an. Die Stola. Ich schloss wieder auf,
ging noch mal ins Bad, um Parfüm aufzusprühen, das Schminktäschchen und was
frau sonst noch braucht, mitzunehmen. Noch zwanzig Minuten.
Ich musste nachher die Uhr ablegen.
Swatch und Empire passen nicht ganz.
Mit klappernden Absätzen schritt ich die Treppe hinab.
Jack sah hoch. Er saß auf dem Sofa, hatte in einer Zeitung geblättert.
Mit offenem Mund starrte er mich an.
„Dear, you look divine. What a dress… Incredible..”
murmelte er hingerissen.
Ich hätte heulen können vor Freude. Nein! Das Make up!!
„Thank you. It’s nice, yes. I love it too.” erklärte ich, holte den
Fön, schraubte den Diffuser auf. Ich liebe es lange Haare zu stylen.
Jacks Haare waren wunderbar. Dick, weich und wellig.
Ich ließ ihn sich aufs Sofa legen, die Haare über der Kopflehne frei
hängend. Etwas Stylingcreme. Dann begann ich die kornfarbene Mähne zu
traumhaften Wellen und Locken zu kneten.
Als die Haare trocken waren, bat ich ihn so liegen zu bleiben und rasierte
die Konturen des mittlerweile gut erkennbaren Bartes aus.
Er kicherte.
„What are you doing? It tickles!”
“Shut up, you goof! I want you to be the most lookable guy this evening!”
Ein Hauch Shaper Plus, best spray in the whole wide
world.
Sein schwarzes Band um den lockeren Zopf im Nacken.
„Ready, Sir. You can get up.” Er tat es, sah mich
fragend an.
Ich lächelte zufrieden. Dann fiel mir der Säbel und der Hut ein.
„Ah!! Got something for you..“ Ich zog die
Attrappe aus der Tasche.
Er lächelte begeistert, legte den Gurt an, rückte ihn zurecht.
„And this... but promise me.. not like Nelson.. wear it like Pullings or
don’t wear it at all…” Mit diesen Worten hielt ich ihm den Hut hin.
Er sah mich verblüfft an, dann seufzte er. “Ok..“
Ich packte mein Täschchen, ein Pompadour aus der Handtaschensammlung meiner
Schwester und ließ mich aufatmend aufs Sofa fallen.
“Ready.“ Ein Blick auf die Uhr.
“We still have ten minutes..” stellte ich erstaunt
fest.
Jack feixte, während er mich wohlwollend musterte.
„Time enough“ schnurrte er, schielte auf meinen Ausschnitt.
Ich sah ihn fragend an.
„.. for a Quickie..“ Er machte Anstalten zu mir
rüber zu kommen.
Hä?? Woher?? Ich hatte den Begriff nie erwähnt....
„Quickie? Where do you have that from?”
wollte ich misstrauisch wissen.
Er grinste selbstzufrieden. Dann berichtete er aufgeregt.
„I found something. You won’t believe it, Helga!!
A site with lots of stories about HIM and roles, even
about me. In my language. Of course, made up
tales. With very saucy contents. Hoho. I read
there since you left. It was very educational…” Ein
aufschlussreiches Zwinkern.
OH NEIN
“Was it titled ENCHANTMENTS ?” fragte ich erschüttert.
“Yes, I think so.” antwortete er beunruhigt wegen meiner Reaktion, runzelte
die Stirn.
„Pictures as well..“
Kein Wunder wollte er mir an die Wäsche, sobald ich durch die Tür war.
Marthas nette Pornosammlung... na, da stand mir ja noch was bevor...
Wer weiß, was er noch alles gelernt hatte... bei seiner raschen
Auffassungsgabe...
Ich musste einfach lachen... das war fast so gut wie das mit dem Vibrator...
„Helga, what..“ bat er verwirrt. Ich stand auf und nahm in kurz in den Arm.
„It’s ok. Don’t mind. Caught me again. Jack, you are as
nosy as a cat. But, actually I love cats.
So what..” 
Dann klingelte es.
Die Limo war da. |