XVI.

 

„Übertreiben sie bitte nicht, er ist noch nie geflogen. Ich hoffe es passiert nichts..“
Ich machte eine unmissverständliche Geste. Der Pilot lachte.
“Wir haben die obligatorischen Kotztüten an Bord. Ist er schwindelfrei?“ Ich nickte. “Ich denke schon. Seemann.“
Der junge Mann winkte beruhigt ab. “Der verlangt eine zweite Runde, wetten wir? Gehen sie bitte zurück. Ich lasse die Rotoren an.“
Jack strahlte wie eine Honigkuchenpferdarmee hinter dem Fenster des Helikopter.
Als er abhob, wurden seine Augen groß, eine Weile sah er auf meine kleiner werdende Gestalt unter ihm, während die Maschine langsam stieg, dann schwenkte der Heli Richtung Zentrum. Dreißig Minuten.
 Ich seufzte und schlenderte zurück in die Halle, bestellte mir einen Kaffee. Das Handy klingelte. Ich hatte Jack mein altes mit der Karte gegeben, für alle Fälle.
Es war nur meine Nummer im Speicher, er musste nur drei Befehle geben.
Vielleicht war es ja auch jemand anderes.
Aber es war tatsächlich Jack.
Erst verstand ich gar nichts. Er war völlig aus dem Häuschen.
Lachte, redete, juchzte. „Incredible... this is so great… you should be here…”
“Jack, I am glad you enjoy it. I’ll be there when you return.
We talk later, have fun!” Ich legte auf.

Ich erinnerte mich an die Szene, als er mit Pullings auf dem Mast gestanden hatte.
Zu fliegen musste das bei weitem übertreffen.
Ich lächelte vor mich hin, genoss es ihm dieses kleine Abenteuer bieten zu können.
In Ruhe trank ich meinen Kaffee aus. Noch fünf Minuten.
Ich ging zurück aufs Flugfeld. Wenig später näherte sich der Heli im Sturzflug.
Liebe Güte!! Dieser Spinner! Geschah ihm recht, wenn Jack ihm alles vollkotzte.
Der Heli landete.
 Von wegen... Jack fuchtelte begeistert wie ein Erstklässler auf der Kirmes.
 Der Pilot winkte mich heran, als die Rotoren langsamer wurden.
„Der Typ ist der Hammer. Ich würde ihm gern einen Freiflug spendieren. Noch nie war jemand so begeistert von einem Rundflug. Wollen sie auch mit? Kostet nichts!“ schrie er. Ich verzog panisch das Gesicht.
Jack hatte die Tür geöffnet, beugte sich heraus. „Oh, dear!
It was fantastic!! This nice guy offered me another flight. You must come with us!”
Er schnappte meinen Arm, versuchte mich in den Heli zu ziehen.
OH, NEIN.
Ich habe keine Flugangst, aber im Heli... es gab Zeiten, da hatte ich Probleme mit Aufzügen. Ich stellte es mir ähnlich vor. Der Magen bleibt hängen während der Rest schon drei Meter höher oder tiefer ist.
WOOAAA
„Oh, Jack, I can’t even do the Vienna Waltz four times. I get dizzy. I will  puke all over you!”
Er lachte. “Come!!” bettelte er.
Augen zu und REIN. Was tat ich...
„Bitte, seien sie gnädig. Sie müssen sonst mit dem Dampfstrahler hier saubermachen.“ Der Pilot lachte, dann startete er wieder.
Ich überlebte es. Knapp.
Und ich kotze erst, als ich wieder am Boden und aus der Maschine war.
Die meiste Zeit klammerte ich mich an Jack, das Gesicht in seiner Armbeuge, gab seltsame Geräusche von mir.
Er hatte ein schlechtes Gewissen, dass er mich überredet hatte.
„Oh, Helga, I am so sorry..” kicherte er schuldbewusst.
Ich boxte ihn  wütend drei Mal volle Pulle in den Magen.
Er stöhnte spielerisch.
„Now you have an idea how I felt and still feel..”
schimpfte ich.
Er küsste mir die Hand, sah mich mit  dem dreifaltigen Dackelblick von unten an.
„Thank you a thousand times..” murmelte er, machte Anstalten mich zu küssen.
Ich drehte den Kopf weg.“...not a good idea after puking..”
Er verzog mitleidig das Gesicht.
„Let’s go and get you better..”

Leichter gesagt, als getan.
Jack machte Bekanntschaft mit etwas, das in seinem Zeitalter vielleicht als Caprice oder Unpässlichkeit umschrieben worden ist.
Kapriziös. Heute sagt man: Launisch, zickig.
Die Kombination aus den Ereignissen der Tage, seit ich Jack ‚begegnet’ war und etwas das man heutzutage PMS nennt, machte mich KAPRIZIÖS.
Ein elegantes Wort für einen uneleganten Zustand.
Ich crashte unmittelbar hinein.
Dieser blöde Rundflug hatte mir den Rest gegeben. Ich war ein Bündel aus Nerven und Emotionen, das bei der geringsten Berührung drei Meter hoch springt.
In diesem Zustand verstumme ich. Ich verweigere jede Kommunikation.
Presse höchstens drei Worte hervor.
„Dear, shall we go back?” Nicken.
“Talk to me!”
“I can’t.” “Why? What is it?”
“Maybe later.
Let me.” “Are you mad?” Kopfschütteln.
Verwirrte Blicke. „Ok. Let’s go back.” lenkte er ein.
Schweigend fuhr ich die zwanzig Minuten zurück.
Es hatte so gut angefangen. Der Morgen.
Beim sehr späten, opulenten Frühstück hatte ich ihm eröffnet, was noch auf dem Programm stand. Jack berührte eine maßlose Ader in mir.
Auf mehreren Ebenen..
Und durch seine maßlose Begeisterung auf das, was ich ihm sagte.
Er ließ sein Lachsrührei, Lachsrührei sein. Wenigstens für ein paar Minuten.
„I will fly???”
“Yes, if you like.”
“You made it possible??”
“Yes, it’s not a big thing.”
“Oh, don’t say something like this.
Don’t belittle it. It is. The ball was so… amazing. And now.. this. Do you know how much I adore what you do?”
Er sah mir prüfend in die Augen. Seine waren wie ein ruhiger Ozean auf dem hin und wieder ein Sonnenstrahl reflektiert.
„No. You don’t.” stellte er fest. But now you do.”
“Cheers” erwiderte ich, weil mir nichts besseres einfiel und stieß mit ihm an.
Sekt war natürlich auch im Spiel.
Bis Sonntag sollte jeder Tag ein Feiertag sein.
Maßlos. Über alle Maßen.
Too good to be true.
Und danach... daran wollte ich nicht denken, es kam früh genug.
Gefühle. Meine Droge.
Ich war high. Und dann ... stürzte ich ab.

„Please... are you still mad because I made you come with me, despite your objection?”
Ich schloss die Haustür auf, schüttelte verneinend den Kopf, zwang mich etwas zu erwidern.
“Jack, please, it is not about you, I am in a strange mood.
Just leave me alone, if you are fed up with it. I need some time. I might be ok later. I can’t explain now. Give me  a break.”
Er gab mir die Pause. Ohne zu fragen. Nur Blicke.
Ich legte mich auf ‚mein Sofa’ , rollte mich fötal zusammen.
Er zog sich in mein ‚chamber’ zurück.
Seltsam. Es hätte anders herum sein sollen.
Dieses Zimmer hätte  bei mir zu viele, noch ganz frische Erinnerungen geweckt.
Neutrale Zonen waren das, was ich brauchte. Nichts, was meinen überfüllten Emotionsspeicher noch zusätzlich belasten würde..
Jack. Er war zuviel. Zu sehr der Mann meines Herzens auf seine ganz spezielle Art.
Bis er wieder bei sich war, vergingen fünf Stunden.
Zeit, die ich brauchte, mich zu sammeln.
Ich döste fast zwei Stunden, dann ging ich Walken. Auch fast zwei Stunden.
In meinem Kopf brandeten die Gedanken wie wilde Gischt an Felsen.
Am Ende stand die Erkenntnis, dass ich nichts zu verlieren hatte.
Die Erinnerung an Jack würde mir immer bleiben. Es lag an mir, ob sie mich quälen oder freuen würde. Mein unausstehlicher Hormonhaushalt hatte meine Sicht der Dinge mal wieder dramatisiert. Hatte mir nur die dunkle Seite des Spiegels gezeigt.
Jack verdiente das nicht.
Geläutert kam ich zurück. Er‚schlief’ noch.
Ich ging ins Bad, um zu duschen. Unter dem warmen Wasser hatte ich eine Idee.
Jack hatte bisher keinen Film im Kino gesehen. Ich war nicht auf dem laufenden, was gerade in den Theatern war. Das würde ihm sicher gefallen, ich musste nur einen passenden Film finden. Es war jetzt gegen  sieben, zu spät. Also Morgen.
Es musste eine OV sein, damit er es verstand. Mal sehen.
In Gedanken versunken schrubbte ich mich ab.
„Do you mind if I join you?”
Ich fuhr herum, schaumbedeckt, schob den Vorhang etwas beiseite.
Er hatte sich unbemerkt hereingeschlichen.
Leicht  zerknautscht von fünf Stunden Koma lächelte er mich mit schlaftrunkenem Charme an.
„I could brush your back. I’d like to.” schlug er diplomatisch vor.
„Are you better?” Seine Stimme war die reine Versuchung.
Noch ein wenig rauer als sonst.
Ich nickte.
”Yes. Fresh air and common sense can cause miracles.”
“I was a bit concerned.
You are a riddle, Mylady.” seufzte er, ließ den langsam munterer werdenden Blick über die schaumbedeckten Täler und Hügel schweifen.
Er schien kurz zu überlegen, räusperte sich. Dann ging er in die Offensive.
„Can I come in or will you whack me over the head with that big wooden brush if I do?”  wollte er wissen.
„I will whack you…” begann ich, mit Schadenfreude seine Enttäuschung registrierend.
”I will whack you… if you aren’t in here in 30 seconds.”

“Indeed, a riddle.” murmelte er grinsend, während er sich in Rekordtempo auszog. 
„Don’t rinse off the foam, I want to do it.” bat er, als ich das Wasser aufdrehte.
„I don’t like it as hot as you do.”
warnte ich ihn.
“Oh, I think you can hold on easily..”
frotzelte er charmant, dann gesellten sich nicht ganz 200 Pfund gut gelaunte, ausgeschlafene und sehr männliche, englische Marine zu mir. Stark naked.
Es wurde recht eng... nicht dass es gestört oder gehindert hätte.
Wer hatte mich zu dieser Eckwanne statt einer normalen Dusche überredet??
Ich muss ihn  oder sie in mein Testament aufnehmen.

Sparsamer Schwabe, der ich manchmal bin, schloss ich irgendwann während der Orgie aus Schaum und Bürsten, Luffahandschuhen und heißem Wasser den Abfluss. Das war eine gute, um nicht zu sagen exzellente Entscheidung.
Als das Wasser kühler zu werden begann, war die Wanne voll genug.
Und das Wasser noch  warm.
Wir setzten unsere ziemlich erwachsenen Spiele in derselben fort.
Bis Jack das Wasser zu sehr abkühlte und er ein anderes Bedürfnis verspürte.
„Uhh, it’s cooling. And I am starving. Too late to go shopping..” meinte er bedauernd.
„There is still plenty in the fridge..” beruhigte ich ihn.“ Let’s get out of here. I feel like a sponge.” Er kicherte.
Es verging eine weitere  halbe Stunde mit Abtrocknen, Eincremen, Anziehen.
Er brachte das Kunststück fertig mich eine Ewigkeit mit Lotion einzureiben und dadurch derart ‚inspiriert’ zu werden, dass die Prozedur zu einer gänzlich neuen Erfahrung für mich wurde. Den Rest denkt euch bitte. Mein Editor killt mich, wenn ich hier aus der Schule plaudere...
vielleicht ein ander Mal..

Ich bin von Berufs wegen kein schlechter Amateur was Massage angeht.
Jack verging fast, als ich ihm die Schultern und den Rücken massierte, damit die Lotion auf seinem Bauarbeiterkreuz  schneller einzog. Er hatte es erst abgelehnt, da unmännlich. Das mit dem Bauarbeiter ist keine Beleidigung.
Ich mag Männer dieser Statur. Gern auch mit  Spoiler. Wenn der Hintern stimmt. Ich verlange nicht mehr, als ich selbst biete. Was 99,99% fehlt , ist der Sinn für ..wie soll ich es nennen.. savoir vivre. Sie saufen Bier. Statt Wein.
Sie vertilgen LKWs.
Leberkäswecken, auf gut schwäbisch. Und Döner Kebab.
 
Statt Tortellini al salmone e mozarrella.
Sie schauen Fußball und Formel 1.
Zu Jacks Zeiten gab es weder Lkws noch Fußball oder Formel 1.
Aber irgendwie konnte ich ihn mir ganz gut vorstellen.. gröhlend, biersaufend und Wimpel schwenkend in der Linkskurve im Neckarstadion...
Na, ja.
Er spielte Geige. Sehr mittelmäßig, aber er spielte.
Oder tat er nur so? Egal..
Er machte es mir leicht. Danke Jack. Danke.

Ich fackelte nicht lange, da ich weiß, dass selbst der brummigste Kunde bei einer Massage zu schmelzen beginnt...
„Your shoulders are like stone..” bemängelte ich, versuchte die verhärteten Muskeln etwas zu lockern. Er ächzte in einer Mischung aus Schmerz und Wohlbehagen, die etwas frappierend erotisches hatte.
„Shall I stopp? Does it ache too much?” fragte ich besorgt, etwas befremdet.
“Go on. It aches but it’s delicious pain…” Ich rollte mit den Augen.
Zum Glück sah er es nicht. Hatte ich hier einen heimlichen Masochisten??

........

Schnell, schnell. Themawechsel.

Hunger.
Wir waren beide am Verhungern.
Es war nach Neun. Seit Mittag nichts gegessen.
Ich hatte auch noch alles von mir gegeben, war klar im Minus.
Ziemlich viel Energie verbraucht.
Essen und Sex sind sich so ähnlich. Man will verschlingen, aufnehmen.
Schmecken, kosten, genießen.
Schlinger sind schlechte Liebhaber. Asketen gleichfalls. Verschont mich mit hageren, ausgemergelten Tofu-Liebhabern. So einen wie den Strunz.
Kerle, die am Essen rummäkeln und alles sortieren auf gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren.
Lkw-Vertilger? Keine Ahnung. Keine Bauarbeiter auf meiner Liste.
 Sicher mehr Gourmand* als Gourmet.**
Jack war nichts davon.
Ich liebte die Muße, mit der er aß. Ich esse genauso, bin IMMER die letzte.
Sinnlichkeit ist etwas ganzheitliches.
Er ließ sich darauf ein. Vielleicht hatte er einfach denselben Geschmack wie ich.
Ich war noch nie einem Mann wie ihm begegnet. Er haute mich um.
Zog mir den Boden unter den Füßen weg.
Nicht weil er aussah wie ..ihr wisst schon ... das war natürlich ein Bonus... weil er war.. wie er war.
Vielleicht gehöre ich in ein andres Jahrhundert...

Wir starteten mit einem Salat.
Knoblauchdressing, Romana, Gurke, Cherrytomaten, Feta.
Knoblauchbrot. Der Klassiker. Ein leichter Weißer.
Wir kicherten wie die Idioten, fütterten uns gegenseitig während Jeffrey Wigand seinen einsamen Kampf mit Big Tobacco ausfocht.
„Oh, he looks like shit, fat and old, I begin to like him. Must be a newer one..“ schwadronierte Jack erbarmungslos.
Ich sah ihn strafend an. „You don’t know HIM. Don’t be so mean. I like him a lot. He is a nice guy. He seems to be.” tadelte ich.
Echt. Crowe hat sowas nicht verdient. Von einem seiner Charaktere so geplättet zu werden. Ich weiß, wo meine Wurzeln sind.
Jack sah mich unergründlich an. Dann sagte er nur ein Wort:
„Still?“ Sein Ton gefiel mir nicht. Er hatte etwa überhebliches.
Ich wusste, was ich zu tun hatte.
„Still. It has nothing to do with what happens here. With you, Jack. Why can’t I like him? He looks like your brother.” erklärte ich.
“Never…” widersprach er. “Jack, please. Make your peace with him. It is silly. I bet you’d get along very well. I ‘know’ HIM a bit. He’d like you and you’d like him. I am sure. He doesn’t deserve your bitching. No need for it”  versuchte ich ihn gnädig zu stimmen.
„What’s  next?“ lenkte er ab, zwinkerte.
„Jack on  vegetables“
antwortete ich boshaft, zwinkerte zurück und ging mit einem imaginären Messer auf ihn los. „Ahhhh, just a bit of these saucy loins..“ schmachtete ich scherzhaft, tat als gehe ich ihm an die Wäsche.
„Grilled or raw?“
fragte er, sichtlich geschmeichelt. „I insist on the latter...“
Er ließ sich nicht bitten, übernahm sofort das Stichwort.
Saucy loins. Saftige Lendchen.
 Mein lieber Herr Gesangverein.
Für einen Herrn mittleren Alters war er heute ganz schön vital.
Meine mittelalterliche Wenigkeit nicht minder, um gerecht zu sein.
Irgendwie vergesse ich immer, wie alt ich bin.
Ich bin froh an meinen Erfahrungen, fühle mich aber eher wie dreißig.
So viel zur Wichtigkeit von Zahlen.
Ob das an dem Flug lag..?? Beflügelt.. sozusagen.
Na, ja. Er hatte ja sonst nicht viel zu tun. Ungenutzte Energie.
Der zweite Gang musste warten.
Da es ein Gratin war, kein Problem. Er schmeckte zwanzig Minuten später umso besser. Pasta, Huhn, Erbsen, Kartoffeln, Sahne, Käse.
Jeffrey Wigand hatte es inzwischen überstanden.
Jetzt war Terry Thorne dran.
Die Anfangssequenz  von POL begeisterte Jack, weil darin ein Hubschrauber vorkam. Der Rest langweilte ihn. Er lachte sich halbtot, als sein Alter Ego mit Tarn- make up und Fischerhut im Dschungel rumkroch.
Und sich von einer ungelenken, mageren Blondine meines Jahrgangs (ha, das musste sein) in  blassrosa Vichykaro ohrfeigen ließ.
Jack applaudierte-- das fand ich doch etwas krass.
Irgendwas lief hier krumm.
Während ich das Geschirr abräumte, kruschtelte er in den DVDs.
„What’s that?“ Er hielt mir ‚Texas’ entgegen.
„Do you want ice or chocolate cake?“ fragte ich aus der Küche.
“Both.” kam es kurz und bündig. Er war dabei die DVD einzulegen.
„Helga, it won’t start. Please help me..” maulte er.
Jack war komisch drauf, so ...angriffslustig.
Wer ‘Texas’ kennt, weiß, dass das nicht so einfach ist...
Ich wählte die Konzertmitschnitte an.
Jack fing schon wieder hämisch  an zu lachen, als er erkannte, um was es ging.
Seine Hetzkampagne  wurde langsam albern. Anfangs fand ich es ganz lustig, weil er hin und wieder den Nagel auf den Kopf traf.
Aber jetzt war GUT.
„HE sings?? No… I wouldn’t call it that… HE makes noises. This is awful.” Er stoppte den Track, nahm die Scheibe raus.
„What a charmer you are, Captain. You can’t leave one single inch on HIM uncritsized. Here’s your dessert. Open your cakehole and shove it in. That might stop your bitching.” schimpfte ich mit ihm. Er zog mir eine Grimasse, die meinem neunjährigen Neffen alle Ehre gemacht hätte, widmete sich dem Kuchen. „Hmm. Great. Cherries. How shall I survive without this..” sinnierte er, warf mir einen schrägen Blick zu. Ich ging nicht darauf ein.
Er merkte, dass das Thema unwillkommen war.
„What are we going to do tomorrow?” fragte er unschuldig.
“Would you like to be a member of the audience like I was and watch a movie in the cinema?”
schlug ich vor. Ich war froh das Thema zu wechseln.
“Sure!! But none of HIS .. I am fed up with his .. äh. .efforts.” fing er schon wieder an zu stänkern. Mein Blutdruck stieg und ich habe einen perfekten, eher zu niedrig.
“Jack, you are one of his äh.. efforts, if I may say that..” erinnerte ich ihn.
„You could have told me earlier. I thought you were curious.”
Er funkelte mich böse an.“ My curiosity is  more than satisfied. Thanks Ma’m.”kam es sehr zynisch. Ich hätte ihm eine klatschen können.
Langsam ging mir sein unablässiges Gestichel  auf den Geist.
Ich sagte es ihm. Dann gab ein Wort das andre.
Und fünf Minuten später hatten wir einen Mordsstreit.
Mir gingen fast die Lichter aus, als er unterschwellig andeutete, ich sähe in ihm nur einen Ersatz für den, den ich nicht haben könne und all meine ‚Begeisterung’ in gewissen Bereichen käme nur daher, dass ich ‚dabei’ sicher nur an IHN denke..

Mehr als das, er verletzte mich sehr damit. Ich war sprachlos, konnte gerade noch die Tränen zurückhalten. Dann machte ich einen Versuch, widersprach, aber als er deutlich wurde, klinkte ich mich aus. Seine Züge waren so voller Wut und Härte. So giftig und unbarmherzig.
„If you could have HIM, you wouldn’t even turn your head. I am just a substitute. Just the shadow of your obsession, your desire. You never meant me. You ever meant HIM.” schleuderte er mir entgegen.
Er würde nicht das letzte Wort haben. Das war ZUVIEL.
UNFAIR.
„I will NEVER have HIM, so smart am I still. But I start to regret to
get involved with you after what you just said. And if you don’t get the difference between the way I see HIM and you… words are useless…”
Ich ließ ihn einfach sitzen und ging nach oben, schloss mich im Bad ein, dass noch deutliche Spuren der Römischen Orgie zeigte.
Ich starrte in den Spiegel. Mein Gesicht war mir fremd. So wie er.
War das derselbe Mann, mit dem ich vor wenigen Stunden hier Adam und Eva gespielt hatte??
Der anbetungswürdige Jack, der den TEST bestanden hatte??
Warum sagte er so was?
Hatte er so wenig Vertrauen? Was ging in ihm vor?? Warum hatte ich es nicht bemerkt? War ihm nicht bewusst, wie sehr  er mir wehtat?
Fast hoffte ich, er stünde vor der Tür, wie schon einmal, aber er blieb unten.
Die Glotze lief. ASSHOLE.
 Ich war am Boden zerstört, ging zu Bett und heulte mich in den Schlaf.
Männer. Alles Idioten. Egal welches Jahrhundert. Wenn sie dich genug durchgepoppt haben und du dich geoutet hast, werden sie unverschämt, bekommen Besitzerallüren.
NIE WIEDER PASSIERT MIR SOWAS.
NIE WIEDER.
Und wenn the General himself, Maximus Decimus Meridius  von der Leinwand hüpft.
Berane wär’ so was nicht passiert..
... ach, shit. Ihr ist dasselbe passiert.
Und warum?
Weil ich doofe Nuss es geschrieben habe...

Als ich am nächsten Morgen  gegen neun aufstand und nach dem Bad  mit weichen Knien und sehr gemischten Gefühlen runterging, fand ich mich allein in der Wohnung.
Ich war ein wenig geläutert.
Aber was zum Donner erwartete er von mir?
Einen Doppelsalto mit dreifacher Schraube???
War ihm alles, was zwischen uns gelaufen war NOCH IMMER nicht genug??
Voracious ogre.

Der Mann war so anspruchsvoll und picky wie ich.
Na toll.
 Nicht mal die Katzen waren da.
Er schien sie gefüttert und rausgelassen zu haben. Die Thermoskanne war halb voll mit heißem Kaffee. Krümel und benutzte Messer deuteten darauf hin, dass er  gefrühstückt und sich etwas Proviant mitgenommen hatte, wenn ich die geschrumpften Vorräte an Brot, Käse und Schinken richtig einschätzte.
 Ein Teppich und eine Flasche Wasser fehlte ebenfalls.
Dann entdeckte ich den Zettel mit der herrlich schnörkeligen Handschrift:

Dear,
I feel so bad about the things I said.
You surely hate me now. You must.
I deserve it.
I can be such an egoist.
I will spend the day outdoors and return tonight.
If you want and it is possible, I will go back tomorrow.
Let me know.

                        sincerely Yours,  Jack Aubrey

*Vielfraß
** Feinschmecker

 

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