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Spiel der Mächtigen
Sie hatten keine Zeit zu verlieren. In Maun nahm sie ein Zimmer in einem der unauffälligen, einfachen Hotels und stornierte vorerst ihren Flug. Die Grenzstadt war der Ausgangspunkt für verschiedene Safaritouren und die Hirten trieben ihr Vieh durch die Strassen, wo es auf dem Markt verkauft werden sollte. Dieser rege Betrieb garantierte ihnen Unauffälligkeit. Sie telefonierte mit dem Konsulat in der Hauptstadt Gabarone und erklärte dem Botschafter, dass Senator Samuel Louisval im Namen des International Safari Clubs um momentane Aufhebung der Abschussfreigabe der Elefanten gebeten hatte. Die letzten Recherchen und Zählungen hätten ergeben, dass es sich um einen Irrtum handeln musste, und die Zahl der Tiere weit unter der publizierten lag. Der Senator sei entsetzt über dieses Missverständnis, aber da ihm der Schutz gefährdeter Arten besonders dinglich am Herzen lag, musste er dementsprechend handeln. Weitere Informationen kämen in Kürze direkt auf den Tisch der Vorsitzenden und der Beschluss würde dementsprechend abgeändert werden. Der Konsul erwies sich als sehr zuvor kommend, und versprach, die Sache sofort weiter zu leiten. Jill wollte ihm sofort eine Bestätigung des Ansuchens faxen. Es war so einfach, dass Jill sich fragte, wo die Machtgrenzen der Vereinigten Staaten in der übrigen Welt lagen. Tom hatte dem Gespräch, das sie von ihrem Zimmer aus geführt hatte, aufmerksam gelauscht und der Ausdruck von Dankbarkeit und Erleichterung auf seinem Gesicht machte sie fast verlegen. „Es tut mir leid, was ich damals gesagt habe“, gestand er und hauchte einen Kuss auf die Innenfläche ihrer Hand, die er ergriffen hatte. Ihr wurde ganz sonderbar zumute und sie war schwach vor Genugtuung, ihm von Nutzen gewesen zu sein und aus Eigeninitiative diesen Aufschub erreicht zu haben. Er telefonierte mit verschiedenen Leuten und sie verstand kaum etwas von seinen Gesprächen, weil er in der üblichen Landessprache redete. Danach erklärte er ihr, dass es ihm gelungen war, seine Verbindungsleute von der Nützlichkeit dieser Lüge zu überzeugen. Er hatte viele Freunde in der Administration des Moremi Schutzreservats. Aber auch ihnen waren zeitweise die Hände gebunden. „Es ist das ewige Spiel der Mächtigen“, erklärte er nicht ohne Bitterkeit. „Und es geht weit über die Grenzen Afrikas hinaus!“ Ja, das wusste sie und sie verstand nicht, warum ihr diese Tatsache die Tränen in die Augen trieb. Er hob ihr Kinn an und küsste ihre Augen. „Du bist sehr tapfer“, sagte er und sie spürte die Aufrichtigkeit in seiner Stimme. „Er kann Dich ruinieren, wenn er will“, fügte er hinzu und sie wusste, wie wahr das war. Doch er würde es nicht wagen. Fairplay, wollte sie Louisval vorschlagen! ‚Fairplay, Mann! Ich halte meinen Mund über gewisse Dinge, die nicht an die Öffentlichkeit dringen sollten und Du drückst beide Augen zu, wegen dieser Sache in Afrika! Stehst ja noch als Naturschützer erster Klasse da! Und das verdankst Du schließlich mir und meiner kleinen List!’ Und plötzlich ging das intensive Engagement, dem sich O’Fairway mit Leib und Seele verschrieben hatte, auch auf sie über. War es sein Blick aus diesen Augen von der Farbe schillernder Glasperlen, der es in ihr Herz brannte, oder seine Arme, die sie behutsam und doch sicher festhielten. Wie Schuppen fiel es vor ihre Augen, die sie schloss, als er seine Lippen ihrem Mund näherte. Er küsste zart ihre Mundwinkel und erbat sich Einlass mit seiner Zunge, den sie ihm nur zu gerne gewährte. Er hielt ihr Gesicht vorsichtig wie einen zarten Kelch in seinen großen Händen und trank ihren Kuss, bis sie die Süße ihrer Berührung beide benommen machte. Dann gab er sie frei. Er musste kühles Blut bewahren, wenn sein Plan gelingen sollte. Und er wollte nicht von ihrer Verwirrung und der Tatsache, dass sie Louisval verlassen hatte, profitieren. Noch nicht! Sie konnte es als Berechnung seinerseits auslegen, das wollte er vermeiden.
Sich mit dem International Safari Club anzulegen, der vorgab, mit Millionen zur Erhaltung der Wildtiere weltweit beizutragen, was er offiziell auch tat, abgesehen von den Hintergedanken, sich damit die Zusage der Regierungen für eine zeitweilige Jagderlaubnis zu sichern, würde eine harte, wenn nicht ausweglose Sache werden! Aber sie wollte es tun! Es schien ihr wie eine Berufung! Afrika war nichts weiter für sie gewesen, als ein herzförmiger Umriss auf der Weltkarte. Doch plötzlich wollte sie alles darüber wissen, ganz, als hätte man eine verschlossene Tür vor ihr aufgestoßen. Hatte der Mann sie verhext? War sie noch bei Sinnen? Sie fühlte sich plötzlich sehr stark und den Anforderungen, die auf sie zukamen, aufs beste gewachsen. Ja, sie würde sich ihnen stellen! Einen diplomatischen Kampf aufnehmen, mit Hilfe der großen, weltweiten Naturschutzorganisationen und vielleicht mit Hilfe dieses Mannes, der ihr fremd und doch vertraut war. Sie war mit seiner Verachtung nicht fertig geworden und kam mit seiner Hochachtung noch weniger zurecht. Sie musste sich fassen und Abstand gewinnen, vor allem von ihren beunruhigenden Gefühlen für ihn, die sich ihrer immer stärker zu bemächtigen drohten!
Tom hatte darauf bestanden, dass sie zu Freunden mitkam. Sie war bei den Besprechungen der Wildhüter dabei und erfuhr, dass Tom seinen Plan schon vor Louisvals Jagdtrip in die Wege geleitet hatte. Ohne Wissen der Behörden war ein Trupp der Gleichgesinnten zu den großen Elefantenherden des Deltas gestoßen und hatten sie weiter in den Südwesten getrieben. Bis der Senator und seine Freunde auf die Herden stießen, würde ihn die Abänderung seines eigenen Beschlusses erreichen und somit die Jagd stoppen. Dann konnte er nur mehr umkehren, um die Sache aufzuklären. Die allgemeine Verwirrung seitens der verschiedenen Behörden, nicht zuletzt des Safari Clubs in den Staaten konnte sie sich schon jetzt vorstellen. Sie würde sich auf ein Missverständnis berufen, sollte man sie in die Enge treiben wollen. Es war nur ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein, den sie da verschütteten, doch er hatte einen kleinen Erfolg immerhin schon gebracht!
Er hatte sie in ihrem Hotel abgesetzt und blieb mit Wetaya irgendwo draußen im Freien verborgen. Für Reisende galt Botswana als das sicherste Land Afrikas. Kaum Kriminalität, bis auf die unaufhaltbare und rentable Prostitution, war Botswana seit einiger Zeit der größte Diamanthersteller der Welt. Gerne wurde der seit den sechziger Jahren demokratische Staat als Musterland Afrikas bezeichnet. Sie hatte also nichts zu befürchten, denn selbst als Frau gab es keine Hindernis sich dort allein und frei zu bewegen. Er hatte ihr versprochen, sie im frühen Morgengrauen zu holen und mitzunehmen. Er wollte ihr veranschaulichen und zeigen, wofür er kämpfte. Sie hatte lange schon nicht mehr so gut geschlafen wie in dieser Nacht. Selbst das stetige Surren des Ventilators konnte sie nicht daran hindern, und auch das Stimmengewirr auf den Strassen nicht, das erst abflaute, als es draußen zu grauen begann und sie die einfache Holztreppe hinunter schlich, um ihn zu erwarten. Doch das Gegenteil war der Fall, denn er schien bereits ungeduldig ihres Kommens zu harren, als sie aus der Flügeltür ihrer Absteige trat, wo sie unter der Morgenfrische ein wenig fröstelte. Wetaya warf ihr einen misstrauischen Blick zu, den sie zu übersehen suchte. Sie fuhren aus dem Netzwerk der staubigen Strassen hinaus in die wilde Natur, in Richtung Süden. Verzweigte Flussläufe entlang, vorbei an hastig flüchtenden Herden von Impala Gazellen. Atemlos konnte sie große Herden von Zebras und Gnus beobachten, die dem Fahrzeug und seinen Insassen keinerlei Beachtung schenkten. Er hatte keine Zeit, ihr die Schönheiten des Deltas zu zeigen, keine Zeit, Pausen einzulegen, denn jede Minute war kostbar und er wollte sich vom Gelingen seines Plans selbst überzeugen. Tom trug ein Funkgerät bei sich und stand in ständiger Verbindung mit den Wildhütern, die sich in den Schilfgürteln der Flussarme versteckt hielten. Sie beobachteten die großen Herden der grauen Riesen, die langsam, aber stetig unter dem Antreiben der Männer, die sie retten wollten, vorwärts trieben. Wenn die Jäger erst einmal auf ihre Spur stießen, dann wäre alles umsonst gewesen. Sie machten sich die Selbstsicherheit der Gesellschaft zunutze, die fest damit rechnete, dass man gerade in diesem Land regelrecht über die urzeitlichen Geschöpfe stolperte, was auch oft in diesen Wildreservaten des Deltas der Fall war. Also hatten sie es nicht eilig, jagten ihnen nicht hinterher und verfolgten sie nicht gnadenlos, in der Gewissheit, dass es jeden Moment so weit sein konnte und sie der Herde gegenüber standen, um sie in die Enge zu treiben. Tom wusste, wer sie führte. Er kannte die Männer und sie kannten ihn. Sie taten alles für Geld und hier war nichts Illegales an dem Raubzug durch die afrikanische Wildnis. Sie mussten sich weder verstecken, noch aufpassen, nicht entdeckt und zur Verantwortung gezogen zu werden.
Als die Dämmerung hereinbrach, erreichten sie die ersten Herden. Eine Woge grauer, lederner Rücken, die sich gemächlich am Flussufer eingefunden hatte, um dort zu nächtigen, zu grasen und zu ruhen. Es mussten an die dreißig Riesen sein, die sich hier versammelt hatten. Pro Tier, an die fünf Tonnen lebendige Masse. Tom fuhr den Wagen so nah wie möglich an die Herde heran, und sie schlugen ihr Lager auf, weit genug entfernt, um sich in Sicherheit wiegen zu können und doch nahe genug, um die Atmosphäre dieser unsagbaren Naturgewalt hautnah miterleben zu können. Die Sonne war dabei unterzugehen, rot, orange und lilafarben, als die alten und weisen Weibchen der Herde, die jungen und übermütigen Kälber sanft zum Wasser bugsierten. Jill lag neben ihm auf dem Bauch im Schilfgras und lauschte seiner leisen Stimme, mit der er ihr das alles erklärte. Sie war längst überzeugt und ihre Blicke wurden vom Spiel der Kleinsten gefesselt, die zwischen und unter den dicken Beinen ihrer Mütter und Tanten übermütig umher tollten. „Elefantenmist ist ein sehr wertvolles Element der Afrikanischen Landschaft“, ging er näher auf das Thema ein und sie musste über seinen Enthusiasmus, den er den braunen Haufen entgegenbrachte, unwillkürlich grinsen. Er sah so ernst dabei drein, dass sie nicht umhin konnte, ihm weiter fasziniert zuzuhören. Die Herde hatte ihre Spuren hinterlassen, dort wo sie durchgezogen war, konnte sie geknickte Bäume, niedergetrampelte Büsche und gewaltige Kothaufen sehen, die dazu beitragen würden, dass beim nächsten Regen, die ausgeschiedenen Samenkapseln neu aufgingen und die verwüsteten, gerodeten Pflanzen und Bäume erneut zum Sprießen kamen. Die Natur brauchte den Menschen nicht, der hinter her lief, um ihr dabei zu helfen, sich zu regenerieren. Man sollte es getrost ihr überlassen, für den Ausgleich ihres Gleichgewichts zu sorgen. Ihre Aufforstung, ihre Erneuerung und Wiedergeburt. „Die Eingeborenen stellen sogar sehr wirksame Inhalationen mit den Exkrementen her“, versuchte er ihr zu erklären und sie wusste nicht, ob er sich nun wirklich über sie lustig machte oder ernsthaft sprach. „Durch die pflanzlichen Wirkstoffe, die sich darin befinden, sind sie sehr heilkräftig!“ Sie kicherte unbeherrscht los und er stupste ihre Schulter mit der seinen an. „Das ist kein Witz“, versicherte er ebenfalls grinsend, „auch wenn es sich so anhört! Auch Papier wird daraus hergestellt.“ Na ja, er musste es ja wissen. Aber allein der Anblick dieser großen Familie ließ sie erkennen, welch selten gewordenem Naturschauspiel sie beiwohnen durfte. Sie sahen den Tieren beim Baden und Spielen zu, bis es immer dunkler wurde. Danach zogen sie sich so lautlos wie möglich zu ihrem Lagerplatz zurück, doch bevor sie ihn erreichen konnten, erschrak sie vom Gebrüll eines Löwen. Er bedeute ihr, sich ruhig zu verhalten und zog sie tief hinunter ins Gras. „Er hat ein Weibchen gefunden, das paarungsbreit ist“, raunte er ihr ins Ohr. „Sie sind keine fünfzig Meter von uns entfernt und haben sich von den anderen zurückgezogen, um sich ihren Fortpflanzungstrieben hinzugeben.“ Er zog sie noch ein paar Meter weiter mit sich, wohin sie ihm gebückt folgte, dann hockten sie geduckt am Rande des Schilfgürtels und beobachteten das Liebesspiel der großen Katzen. Das riesenhafte Tier hockte über dem Weibchen und befruchtete es, während es sie mit dem Furchterregenden Maul dabei am Nacken festhielt. Als er fertig war, rollte sich die Auserwählte auf den Rücken und schlug spielerisch mit den Tatzen in die Luft. Sie räkelte sich wohlig und schnurrte guttural dabei. „Er ist noch nicht fertig mit ihr“, flüsterte Tom. „Das ist nur die Ruhe vor dem nächsten großen Sturm“. Er grinste sie an und sie tat, als wüsste sie das alles längst. Die Wahrheit war, dass der Anblick dieser liebestollen Tiere sie ein wenig benommen gemacht hatte, und sie kam sich wie eine Voyeurin vor, was natürlich dumm war. Sie ließ sich zum Lager zurückführen, das aus nichts anderem, außer den mitgebrachten Provisionskisten und einem Feuer bestand, das Wentaya angefacht hatte. Er briet Fisch darüber, den er, ohne dass sie es bemerkt hatte, mit seinem Speer während ihres Elefantenwatchings aus dem Flussarm geholt hatte. Lautlos und gezielt, sodass nicht einmal die hier grasenden Tiere etwas davon bemerkt hatten. Sie aßen ihn mit dem mitgebrachten Fladenbrot und tranken Tee dazu. Sie sprachen kaum, und wenn, dann nur im Flüsterton, um kein Lebewesen in ihrer Nähe zu verschrecken und zu vermeiden, dass schrille Warnschreie von Vögeln ausgestoßen wurden, die sie damit verrieten und in Gefahr bringen konnten. Wetaya ließ sich unweit des Jeeps mit dem Rücken gegen einen schützenden Baum nieder. Er würde nur mit einem halben Auge schlafen und die Gegend überwachen. Das tat er immer so. Er saß auf seinen Fersen und sein rotes Tuch verschmolz mit dem Stamm des Baumes und seine dunkle Haut mit der samtenen Schwärze der Nacht. Sie machten es sich auf der Plattform des Wagens, unter der Plane bequem, eingehüllt in einfache, bunten Decken, auf die seine Gäste während der langen Safaritouren saßen, um die Erschütterungen ein wenig abzuschwächen, die der holprige Parcours über das unwegsame Land heraufbeschwor. Die Nacht versprach kühl zu werden. Hatte es tagsüber oft bis zu vierzig Grad, so fiel das Thermometer um mehr als dreißig, sobald die Sonne hinter den Hügeln und Bäumen des Westens verschwand. Sie sollte schon längst zuhause sein. Hätte sie ihren Flug wie geplant gestern erwischt, dann würde sie nun in einer lärmenden, pulsierenden Stadt ihrem geregelten Leben nachgehen und versuchen, sich eine Zukunft auch ohne Louisval aufzubauen. Wenn sie die Augen schloss und in sich horchte, dann sagte ihr die Stimme der Vernunft, dass sie verrückt war. Vereinzelte Trompetenlaute der Elefanten, die in der kühlen Nachtluft Ruhe suchten wie sie selbst, drangen an ihr Ohr. Die gleichmäßigen Atemzüge des neben sich schlafenden Mannes zeugten von seiner Müdigkeit und dem Verlangen nach Schlaf. Er musste sofort eingeschlummert sein, ohne dass sie viele Worte miteinander gewechselt hatten. Wahrscheinlich hatte er in den Nächten zuvor kaum Ruhe gefunden. Sie blinzelte zu ihm hin. Er hatte sich, wie sie selbst, in die bunte Decke gehüllt und sein Kopf mit dem zerzausten Haar lag auf dem angewinkelten Unterarm. Sie sah seine Umrisse und wünschte, er hätte sie umarmt. Doch was sollte eine Affäre mit ihm schon bringen? Ein kleines, heftiges Abenteuer, das in wenigen Tagen vorbei sein würde. Sie kroch ziemlich angeschlagen aus einer Beziehung hervor, die fast zwei Jahre lang gedauert hatte, abgesehen von der Zeit davor, als sie unter Louisvals Fittiche stand, ohne seine Geliebte zu sein. Wahrscheinlich hätte er sie geheiratet, irgendwann, noch vor dem Wahlkampf. Aber ganz sicher war sie nicht. Es war gut möglich, dass er eine Partie gesucht hatte, die ihm auch politisch wie finanziell zum Vorteil gereichte. Entweder hätte er sie dann ohnehin langsam aber sicher abgebaut, oder aber, sie hätte die Rolle schlecht und recht, als drittes Rad am Wagen an seiner Seite weitergespielt. Sie wusste, dass es an der Zeit gewesen war, eine Entscheidung zu treffen. Seit langem schon! Die zwingenden Umstände hatten ihr das leichter gemacht, als sie erhofft hatte. Tom regte sich und wuchtete seinen starken Körper auf den Rücken. Sie betrachtete sein Profil, diese kleine, dunkle Hügellandschaft einer kräftigen Nase, einer hohen, sanft geschwungenen Stirn unter ausgeprägten Brauen und diesen verlockenden Doppelschwung seines sinnlichen Mundes. Danach kam die sanfte Rundung seines Kinns, nicht hart und eckig, und doch so männlich. Sie konnte das Grübchen darauf nicht sehen in dieser Dunkelheit, doch wusste genau wo es sich befand. Sie hätte blind mit dem Finger darauf tippen können... Sie stützte ihren Arm auf und brachte ihr Gesicht nahe an das seine, um es ungestört zu betrachten. Sie lauschte den Lauten aus dem Busch, dem Kreischen von irgendwelchen Tieren, die sie nicht kannte. Wahrscheinlich von Affen, die Warnlaute ausstießen, wenn sich ein Raubtier ihren Schlafplätzen in den Baumkronen näherte. Der Sternenhimmel über ihr schien unglaublich nah und das blauschwarze Firmament trug dazu bei, dass sie eine Unruhe in sich verspürte, die sie schlicht und weg als Sehnsucht nach diesem geheimnisvollen, rüpelhaften Mannes an ihrer Seite erkannte, der sie verachtet und gedemütigt durch seine beleidigenden Worte hatte und es vielleicht immer noch tat. Schließlich war sie ihm von Nutzen gewesen, er hatte sich zwar nicht bei ihr entschuldigt, aber doch Frieden mit ihr geschlossen, aber möglicherweise nur deshalb, weil er sich dazu verpflichtet gefühlt hatte. Dass er sie im Hotel küsste, war aus einem impulsiven Aufruhr seiner Dankbarkeit heraus geschehen. Sie sollte sich fern halten vor dieser Art von Sehnsucht. Sie war verletzlich nach diesen Tagen, die sie aufgewühlt hatten und so anders verliefen, als sie geplant hatte. ‚Wenn ich mich mit ihm auf etwas einlasse, werde ich die schmerzhaften Narben davon ewig lange mit mir herumschleppen’, dachte sie logisch. ‚Wenn ich es nicht tue, dann werde ich immer denken, dass ich ein großes Versäumnis begangen habe’, schlussfolgerte sie weiter, suchte nach Gründen, die rechtfertigten, dass sie sich einfach an ihn kuschelte und ihm offenbarte, wonach ihr der Sinn stand. Unschlüssig betrachtete sie seine sich hebende und senkende Brust, und den Rest seiner Gestalt, die unter der Decke verhüllt verlockend unantastbar für sie war. Sie sollte endlich Schlaf suchen. Morgen versprach ein anstrengender Tag zu werden, das hatte er ihr bereits gesagt. Er wollte versuchen, Louisvals Gruppe abzulenken und in die Irre zu führen. Ein Wettlauf mit der Zeit, bis die behördlichen Verfügungen, die Jagd abzublasen, ihn erreicht hatten, was nicht mehr lange dauern konnte. Sie hatte es abgelehnt, zurückzubleiben und an einem sicheren Ort zu warten. Es gab unweit von hier ein Dorf, ein paar Krals, wo sie auf ihn und den Ausgang der Sache in aller Ruhe warten konnte. Man würde sie gerne aufnehmen, doch sie hatte energisch verneint. Hatte nicht sie den Anstoß zu diesem Theaterstreich gegeben? Also war es auch ihr Recht, sich ihm anzuschließen und seinen Triumph (oder seine Niederlage) zu teilen. Ein skeptischer Blick aus seinen Augen hatte sie veranlasst, ihm zu erklären, dass sie keineswegs ein zartes Ding aus der Stadt war, sondern regelmäßig Sport betrieb (wenn man die wenigen Tennisstunden in den Pausen als solchen bezeichnen konnte, was er ja nicht unbedingt wissen musste). Sie konnte sehr gut auch längere Zeit hindurch in der Wildnis widerstandsfähig allen Anforderungen, auch den schwierigsten, standhalten konnte. Die Aussicht, zwischen den getrockneten Kothaufen der Elefanten oder anderer Tiere auf der Lauer liegen zu müssen, war zwar nicht gerade verlockend, besaß aber auch keinen Schrecken für sie. Sie war in die Sache verwickelt und würde sie bis zum Ende, wie immer das auch aussehen mochte, durchhalten.
Er grunzte ein wenig, schnaufte im Schlaf und ließ einen Arm auf ihren zusammengerollten Körper fallen, als er sich abermals auf die Seite rollte. Sie hielt still, wagte kaum zu atmen, doch sein Schlaf schien so tief und fest, dass sie sogar verwundert darüber war. Ein Mann, der sein Zuhause die Wildnis nannte, voll von Gefahren und unliebsamen Überraschungen, sollte ihrer Meinung nach einen eher leichten Schlaf besitzen, immer auf der Hut, immer am Sprung, sich verteidigen zu können. Sie betrachtete das Gewehr, das er rechts neben sich an den Rand der Ladeklappe des Wagens gelehnt hatte. Wenn er so tief schnarchte, nützte ihm auch dieser Schiessprügel nicht viel. Sie war fast sicher, er würde es nicht einmal bemerken, wenn man ihm das Ding unter dem A... wegklaute. Welcher Teufel sie auch immer ritt, sie dachte nicht darüber nach und folgte der Verlockung, das jetzt und gleich zu testen. Denn immerhin ging es ja auch um ihre Sicherheit! Die Vorstellung, dass ein Leopard oder anderes Getier mühelos auf den Wagen, unter die Plane, wo sie beide lagen, springen konnte, um die leichte Beute, die sie abgaben, mit messerscharfen Krallen aufzuschlitzen und zu fressen, trug nicht eben dazu bei, ihr einen friedlichen Schlaf zu schenken. Ein Film, den sie einmal gesehen hatte, fiel ihr ein. „Der Geist und die Dunkelheit“. Sie war ziemlich beeindruckt davon gewesen, weil es sich bei dieser Geschichte um eine wahre Begebenheit handelte. Menschenfressende Löwen, schlauer als jeder Mensch, gerissener und verschlagener als jeder Dämon. Ein Schauer durchrieselte sie noch heute, wenn sie an die gelben, todbringenden Augen der Raubkatzen dachte. Sie setzte sich langsam auf, ohne Tom dabei aus den Augen zu lassen. Seine Atemzüge waren gleichmäßig und tief. Sie hielt ihn für verantwortungslos, einfach so bedenkenlos zu schnarchen. Selbst wenn Wetaya mit geschärften Sinnen da draußen auf sie aufpasste, der Angriff irgendwelcher Bestien konnte sehr gut aus einer x-beliebigen Richtung erfolgen. Bekanntlich war Anschleichen die Auszeichnung und Spezialität der Raubkatzen, und um das zu wissen, musste man kein Tierspezialist sein. Während sich Gedanken dieser Art in ihrem Kopf überschlugen, entzog sie sich seinem Arm, richtete sich an seiner Seite kniend auf und griff sich mit einer Hand über seinen schlafenden Körper hinweg das Gewehr. Verdammt! Es war so schwer, dass sie es kaum mit einer Hand hochheben, geschweige denn, über ihn hinweg an sich nehmen konnte. Sie begann zu schwitzen, wollte ihr Vorhaben bereits aufgeben, der Beweis war ohnehin erbracht, der große Wildhüter schlief wie ein alter, tauber Bär und hatte bis jetzt wahrscheinlich nur großes Glück gehabt, nicht als Fraß irgendwelcher Tiere, die er zu schützen suchte, zu dienen. Noch bevor sie ihre Hand von dem todbringenden Ding zurückziehen konnte, wurde sie gepackt und ihr Herz setzte vor Schrecken eine Sekunde lang aus. Schon sah sie sich den blitzenden Augen gegenüber, die sich in die ihren bohrten. Er saß kerzengerade vor ihr, stumm und hellwach, während sie nach Fassung rang. „Was soll das“, raunte er an ihrem Gesicht. „Wolltest Du mich heimlich aus dem Weg räumen?“ Die Belustigung in seiner Stimme lässt sie erleichtert aufatmen. „Ich wollte Dich testen“, flüsterte sie erklärend zurück und versuchte gleichzeitig, ihr Handgelenk aus seinem eisernen Griff zu befreien. „Oh“, entfährt es ihm verwundert. „Und was genau wolltest Du an mir testen?“ Seine Stimme vibrierte leicht und sein Gesicht berührte beinahe das ihre. Ihre Augen hingen gebannt an seinem anmutig geschwungenen Mund, der keinerlei Härte zeigen konnte, dafür waren seine Augen und sein Mienenspiel zuständig. „Deine Zuverlässigkeit“, flüsterte sie benommen. „Wollte wissen, ob ich bei Dir in Sicherheit bin, oder, ob...“ Der Rest ihrer Worte ging unter in der Berührung seines Mundes an dem ihren. Seine betörende Art zu küssen, erst die Konturen ihres Mundes mit hauchzarten Berührungen zu erforschen, bevor er sich auf das Wesentliche konzentrierte, dieses langsame, gezielte Eindringen in ihren Mund, bevor er mit ihrer Zunge zu spielen begann und sich ihres Kusses schließlich bestimmt und fordernd bemächtigte, hatte sie schon einmal verzückt. Und nun geschah es wieder und sie wünschte, er würde nicht damit aufhören. Das schien er auch nicht vorzuhaben, doch er ließ ihr Gelenk los, um sie an sich zu ziehen, sich nach rückwärts gleiten zu lassen, mit ihr im Arm und sie an sich zu pressen, bis sie auf seiner Brust lag und ihre beiden Herzen in wildem Aufruhr gegeneinander schlugen. Gleichzeitig spürte sie seine fordernden Hände, die sich ihren Rücken entlang abwärts tasteten, ihr Gesäß umfassten und sie an seine Schenkel drücken, bis sie seine harte Erregung fast schmerzhaft in ihrem Schritt durch den festen Stoff ihrer Hose spüren konnte. ‚Wie lange er wohl keine Frau gespürt hat’, zuckte es ihr durch den Kopf, bevor er weitere Überlegungen mit intensiven, kleinen Küssen an ihrem Hals und dem Ausschnitt ihrer Bluse auslöschte. Sie stöhnte verhalten, ängstlich darauf bedacht, Wetaya nicht anzulocken, der möglicherweise einen feindlichen Angriff vermutet hätte. Auch wenn dies ein Angriff der ganz bestimmten Art war, er galt nicht ihrem Leben, sondern ihrer selbst. Der Mann wollte seinen Hunger an ihr stillen, genauso, wie sie das wollte, ohne sie dabei gleich aufzufressen! Er würde nicht mehr lange an sich halten können und sie ganz besitzen wollen. Sie löste ihre Hände, die sie um seinen Hals geschlungen hatte und stützte sich auf die Arme um ihn anzusehen. Das helle Oval seines Gesichts lebte von diesen klaren Augen, die sich an ihr festsaugten, während er versuchte, sie erneut zu sich herab zu ziehen. „Warte“, flüsterte sie benommen und setzte sich auf ihre Fersen, um ihre Jeans zu öffnen, und sich ihrer so rasch wie möglich zu entledigen. Heftig atmend verfolgte er ihr Tun, unfähig sich zu rühren, unfähig mit seiner Erregung fertig zu werden. Sie genoss diese sichtliche Macht über seine Sinne und knöpfte betont langsam ihre Bluse auf, offenbarte ihm ihre Brüste, derer er sich sofort bemächtigte und mit seinen Händen liebkoste, bis ihre Spitzen unter dem Streicheln seiner Finger hart wie Perlen wurden. Schwer atmend ließ sie ihn gewähren und machte sich an seinen Kakihosen zu schaffen, öffnete die schwere Schnalle des Ledergürtels und ließ dieses harte Etwas frei, das sich nach ihr sehnte. Er stöhnte unter ihrer Berührung verhalten auf, als sie seine Erregung mit ihren kleinen Händen schürte. ‚Was mach’ ich denn da?’ versuchte der Rest ihrer Vernunft ein bisschen spät Oberhand zu bekommen. ‚Ich vergreife mich an diesem Mann und habe nur den einen Gedanken, mit ihm zu kopulieren wie diese wilden Tiere da draußen! Das ist doch gar nicht meine Art!’ Und doch tat sie es... Warum erregte allein dieser Gedanke sie so sehr, dass sie sich aufseufzend an seine inzwischen nackte Brust klammerte und wünschte, er würde sie nehmen mit der Heftigkeit, wie dieser Löwe da draußen, den sie vor ein paar Stunden bei der Besteigung seines Weibchens beobachtet hatten. Er drehte sich herum und kam auf ihr zu liegen, als hätte er ihre Gedanken erraten. Sie schlang ihre Beine um seine Lenden und spürte atemlos, dass er ihrem unausgesprochenen Wunsch genauso gierig nachkommen wollte, wie sie es herbei sehnte. Er ließ seine Hände unter ihre Schenkel gleiten, hob sie etwas an und drang in sie ein, ohne sich länger beherrschen oder ihre Vereinigung mit längeren Vorspielen hinaus zögern zu wollen. Er erstickte ihren überraschten Laut mit einem Kuss, der sie nach Luft ringen ließ und begann sein rhythmisches Stossen in sie, mit der Heftigkeit eines Büffels, der seine Stärke zu beweisen hatte. Eine derart kraftvolle Liebesbezeugung hatte sie noch nie erlebt, seine ungezügelte Begierde steckte sie an und sie hob sich ihm entgegen und gab sich dem wilden Spiel seiner Gelüste mit leidenschaftlichem Stöhnen hin. Seine Arme nagelten die ihren am harten Boden der Ladefläche fest und sie ließ ihn gewähren, lieferte sich ihm aus, bis sie spürte, dass ihr Körper und ihre Sinne in einem Rausch lustvoller Verzückung explodieren würden. Als sie ihre Finger in die seinen verkrampfte, als wolle sie so Halt suchen, bevor sie in den Abgrund bodenloser Wonne hinab stürzte, hielt er sich nicht länger zurück und ließ auch die eigene Anspannung mit einem lustvollen Keuchen los. Sie biss zärtlich in seinen angespannten Hals und senkte ihr Gesicht in sein schweißverklebtes Haar, als er den Kopf auf ihre Brüste sinken ließ. Sekunden später griff seine Hand nach einer der Decken und er zog sie über ihre beiden Köpfe, als wollte er damit die Welt aussperren. Sie lag in seinen Armen und kämpfte nicht mehr gegen den Schlaf an, den sie erlöst und leicht an seiner Seite fand.
Sie standen im Schutz der Bäume auf dem Hügel, den die Einheimischen den Wüstenberg
nannten, weil dahinter die endlose Kalahari mit ihren Tücken und Schönheiten
begann. Lebensfeindlich erstreckte sie sich weit bis
Die Wildhüter unterhielten sich in gebrochenem Englisch und einem unverständlichen Dialekt mit dem weißen Mann, dessen Augen immer noch angestrengt den Horizont absuchten, bis sie vor Anstrengung zu tränen begannen. Er wischte sich mit dem Hemdsärmel über sein Gesicht. „Ich kann sie fast riechen“, erklärte er Jill, die sich an einen Baum gelehnt hatte und nach Atem ringend den spärlichen Schatten desselben suchte. Sie hatte ihre Hände auf die Knie gestützt und keuchte leicht. Mit ihrer sportlich guten Verfassung war es nicht von sehr weit her. Das musste auch Tom erkannt haben, doch der hatte jetzt andere Sorgen. Die etwa zwölf Mann starke Safarigruppe rückte zusehends auf und von den zuständigen Regierungsbeamten war noch keine Spur zu sehen. Tom hatte nach Gabarone gefunkt, doch der Empfang war so schlecht gewesen, dass er kein Wort verstand, von dem, was man ihm zu erklären suchte. „Wir werden das nicht schaffen“, sagte er resigniert zu ihr. „Alles umsonst! Ihre Späher werden die Herde spätestens heute Abend entdecken und morgen geht das Massaker dann los. Ich hatte gehofft, dass wir sie über die Grenze treiben können, doch dazu ist es jetzt zu spät.“ Sie ließ ihren Rücken an dem rauen Stamm des Baumes herunterrutschen und kam am sandigen Boden zu sitzen. „Ich kann versuchen, mit ihm zu reden! Ihn anlügen, die Botin der Regierung spielen, was weiß ich!“ Er schüttelte hoffnungslos den Kopf. „Selbst wenn er annehmen muss, dass Du die Wahrheit sagst, er wird Dich dazu zwingen den Mund zu halten, damit er seine Schiesserei noch in Ruhe genießen kann. Ein Typ wie er gibt nicht so leicht auf, und zieht seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge, das weißt Du!“ Natürlich wusste sie das und ihr waren die Hände gebunden. Mit falschen Spuren konnten die Wildhüter veranlassen, dass Louisvals Truppe ein paar Haken schlagen musste, doch nun war er auf der richtigen Fährte. Seine Führer waren keine Idioten, vielleicht hatten sie schon längst den Braten gerochen. „Dann ist es also vorbei?“ fragte sie mit tonloser Stimme und wünschte nur mehr eines, nämlich dass er sie fortbringen würde von diesem Ort des Sterbens. Weg aus diesem Land, das morgen mit dem Blut der Tiere getränkt war und die Luft vibrieren ließ, vom Todesgebrüll der Herde... Als hätte er in ihre Gedanken gelesen, ließ er seinen schlimmsten Überlegungen freien Lauf. „Sie werden es so einrichten, dass sie die gesamte Herde abschlachten. Das kommt vor, meistens sogar. Sobald man beginnt, auf die Tiere zu schießen, entwickeln die Mitglieder der Herde eine derartige Wut den Menschen gegenüber, dass diesen meist nicht anderes übrig bleibt, als alle zu erlegen. Vielleicht kommen die jüngsten Kälber mit dem Leben davon, aber auch sie werden wahrscheinlich zugrunde gehen, ohne die Fürsorge ihrer Mütter. Unsere Leute werden es nie schaffen, die armen Dinger einzufangen und abzutransportieren. Uns fehlen die Transportmittel und die nötigen Männer dazu. Löwen und Leoparden werden sich ihrer rasch bemächtigen und die Geier und Hyänen den Rest erledigen.“ Nachdrücklich blinzelte er in den Himmel, als würde er bereits nach ihnen Ausschau halten, doch er konnte sie nicht täuschen. Seine Tränen galten den Jungtieren, die für ihn so gut wie tot waren. Sie konnte ihn nicht in die Arme nehmen und trösten, nicht hier vor den Männern, die in ihm eine Art weißen Übermenschen sahen. Ein Weißer, der Tränen um Afrikas Tiere vergoss, sie verstanden es kaum. Der Wildpark bedeutete für sie und ihre Familien Brot, und auch wenn sie stolz waren auf ihr Land, ihren Job. Das eigene Wohlergehen und das der ihren, stand an erster Stelle. Als er sich umdrehte sah sie, dass er in sich zusammengesunken war. Seine ausladenden Schultern schienen kraftlos und altersschwach zu sein. Er spuckte ins Gras und schob seinen Hut weit in die Stirn. „Wir kehren um“, schnauzte er die Leute an, als wäre alles ihre Schuld. Der Sturm, der in ihm tobte, die Hilflosigkeit, der er ausgeliefert war, alles das machte aus ihm einen gebrochenen Mann. Er würde Afrika endgültig verlassen und nie mehr zurückkehren. Er war müde. Er sollte sich mit seinem Vater versöhnen und diese verdammte Brauerei in Victoria übernehmen, bevor es zu spät war. Jill stolperte hinter den Männern her, kam sich überflüssig vor und fühlte sich elend. Ihre Wege würden sich trennen und sie würden einander vergessen. Doch das, was morgen hier geschah, das würde sie ebenso verfolgen, wie auch ihn, und zwar ein Leben lang. Als sie gedankenverloren auf den Schwanz der Schlange trat, die sich plötzlich drohend und blau züngelnd vor ihr aufrichtete, war es zu spät zum Umkehren, oder zur Seite zu springen. In dem Moment, in welchem sie in die starren, kalten Augen blickte, wurde sie auch schon in die Hand gebissen und ein jäher Schmerz ließ sie einen spitzen Schrei ausstoßen. Das Buschmesser eines Wildhüters, der sich unweit vor ihr befand, sauste blitzschnell durch das dürre Gras und der Kopf des Reptils flog in hohem Bogen an ihren Augen vorbei. Noch wand sich der dunkel gezeichnete Schuppenkörper und zuckte ein paar Mal, bis er sich nicht mehr rührte. Unter den Männern entstand ein Aufruhr, der Tom aus seinen finsteren Gedanken in die Realität zurückholte. Als er über seine Schulter zurück blickte und in ihre entsetzt aufgerissenen Augen starrte, brauchte niemand ihm zu erklären was geschehen war. Er stürzte auf sie zu, bevor ihre Muskelkraft sie verließ und sie zu Boden sank. Ein Blick auf das tote Tier ließ sofort eine Alarmglocke in seinem Kopfe schrillen. „Eine Puffotter“, rief er den Männern in ihrer Sprache zu. Aus seinen Augen sprang nackte Angst, als er die kleine Bissstelle an ihrer Hand sah. Er rief ihren Namen und versuchte sie zu beruhigen. „Werde ich sterben?“ flüsterte sie erregt und er schüttelt den Kopf. „Keine Angst“, versuchte er ihr einzureden. „Das ist nicht so schlimm, wie es den Anschein hat! Wir kriegen Dich wieder hin!“ Er saugte ohne viel Überlegung an ihrer Wunde und spuckt das Gift ins Gras. Wetaya hatte Wasser gebracht, Nick spülte seinen Mund damit aus und fuhr mit der einzigen Prozedur, die ihm nützlich erschien fort, bis sich die Stelle um die Bisswunde ihrer Hand von seinen Rettungsversuchen bläulich verfärbte. Dann hob er sie auf seine Arme und lief mit ihr durch den rötlichen Staub zu seinem Jeep den Hügel hinunter. Die Männer gestikulierten wild mit den Händen, und entsetzte Blicke trafen sie, die fühlte, wie ihre Kräfte schwächer wurden. Das Nervengift begann zu wirken. Man hievte sie auf die Ladefläche und stopfte ihr eine zusammengerollte Decke unter den Nacken. „Stellt sie ruhig“, hörte sie seine Stimme panisch rufen. „Sie soll sich nicht bewegen! Lasst ihre Hand wie sie ist. Ruhig, keinen Druckverband!“ Er drehte wie wild an dem Funkgerät herum, sie konnte Wortfetzen hören, die sie nicht verstand. „Einen Helikopter“, rief er laut und deutlich in das Ding. „Sofort! Es geht um Leben und Tod! Eine weiße Frau, Amerikanerin, ist von einer Puffotter gebissen worden! Wir haben Gegengift! Aber keine ausreichende Menge! Schickt uns sofort Hilfe!“ Hastig gab er ihre Position durch. Wetaya hatte inzwischen den Erste Hilfe Koffer unter dem einen Sitz hervor gezogen und Tom versuchte seine Hände ruhig zu halten, als er die Spritze aufzog. „Ich habe keine Ahnung, wie viel sie braucht, aber das hier ist auf jeden Fall nicht genug!“ Er setzte ihr die Spritze an und injizierte das Serum in ihre Blutbahn. In ihrem Gesicht stand die Angst und der Schmerz, den er ihr damit verursachte, zu lesen. Aber sie vertraute ihm, denn er war ihre einzige Rettung. Und dann konnte er nichts anderes mehr tun, als zu warten, nachdem er ihren Oberarm abgebunden hatte. Wetaya kniete an ihrer Seite und benetzte ihre Lippen mit Wasser. Der sonst so coole Massai-Krieger schien echt besorgt um ihr Leben zu sein. Die übrigen Männer standen stumm um sie herum und beobachteten Tom und seinen Gefährten hilflos, wie sie versuchten, die Frau bei Bewusstsein zu erhalten. Es waren immer die gleichen Worte, die er wiederholte, eindringlich, laut und verzweifelt: „Jill! Das darf nicht so enden! Bleib wach! Bleib bei mir! Ich flehe Dich an! Halt durch, Du schaffst es!“ Er fühlte ihren Puls und konnte von Glück reden, dass das Tier nicht ihre Vene getroffen hatte. Der Biss saß mitten auf ihrem Handrücken. Die Zeit schien langsam dahin zu kriechen. Es ging auf Mittag zu. Die Luft um sie herum flimmerte vor Hitze und die Welt schien den Atem anzuhalten, denn nicht einmal der geringste Schrei aus einer Tierkehle war zu vernehmen. Von Zeit zu Zeit lockerte er den Gürtel, mit dem er ihren Arm abgebunden hatte und er hörte nicht auf, mit ihr zu sprechen. Sie gab kaum Antwort, stand noch immer unter Schock und sah ihn mit ihren schönen, schräg stehenden Augen vertrauensvoll an. Während dieser Zeit des Wartens fühlte er plötzlich und tief in sich ein seltsames Gefühl, das er für sie empfand. Es zerrte in seinem Inneren, machte seinen Mund trocken und seine Augen feucht. ‚Verdammt’, dachte er. ‚Sie bedeutet mir viel. Ich Idiot bemerke es erst, wenn ich dabei bin sie zu verlieren’. In diesem Moment beschloss er, dass er sie nicht gehen lassen würde, nicht ohne ihn, wenn sie das hier überlebte. Und sie würde überleben! Das Serum hatte besser gewirkt, als er erwartet hatte. Sicher trug auch ihr relativ leichtes Gewicht dazu bei, dass es ausreichen zu schien, die Wirkung des Giftes in ihrer Blutbahn zu neutralisieren. Vielleicht war auch nur eine ungewöhnlich kleine Menge davon in ihren Körper gelangt. Oder vielleicht war es ganz einfach ein Wunder. ‚Wahrscheinlich von alledem ein bisschen’, überlegte er und strich über ihr feuchtes Haar. Er hauchte einen zarten Kuss auf ihre Stirn und sprach ihr gut zu. Sie wies keine Lähmungserscheinungen auf und der Schockzustand schien sich auch zu legen. Sie versuchte ein klägliches Lächeln. „Wohin werden sie mich bringen?“ murmelte sie. Er betrachtete ihre Bisswunde, die sich kaum verändert hatte, abgesehen von einer leichten Schwellung ihrer Hand, was aber kaum schlimme Folgen haben würde und unter den gegebenen Umständen auch normal war. „Sie werden Dich nach Gabarone fliegen, denke ich“, erwiderte er zuversichtlich und sein Lächeln, mit dem er sie ermutigen wollte, fiel so kläglich aus, dass es sie fast belustigte. „Du solltest Dich nicht sorgen, Tom“, sagte sie leise. „Ich bin hart im Nehmen! Härter, als ich aussehe!“ Er nickte. „Ich weiß. Ich kann das sehen. Und Du wirst bald wieder vollkommen gesund sein. Wir haben Glück gehabt. Dein Organismus hat wunderbar auf das Serum reagiert! Das Biest hat Dich anscheinend gemocht und nur ganz wenig mit seinen Zähnen geritzt!“ Sie schloss kurz die Augen, bevor sie antwortete. „Jedenfalls genug, um mir den Schrecken meines Lebens zu verpassen, und diese ganze Aufregung herauf zu beschwören. Vielleicht hätte ich doch auf Dich warten sollen, in diesem Dorf.“ Er schüttelte den Kopf. „Dinge geschehen, weil sie geschehen müssen. Auch dort wärst Du vor einem Schlangenbiss nicht wirklich sicher gewesen, das kann überall passieren. Es sterben sehr viele Menschen in diesem Land vom Biss giftiger Schlangen und davon gibt es ja jede Menge.“ Er räusperte sich leise, bevor er fort fuhr und dabei mit seiner Hand das unrasierte Kinn rieb, so, als sei er unsicher, ob er weiter sprechen sollte. Doch er tat es. „Ich werde Dich in nächster Zeit bitter nötig haben, Jill. Wenn Du noch keine fixen Pläne hast, würdest Du dann bei mir bleiben, egal, wie ich mich auch entscheiden werde?“, er verbesserte sich rasch, „...wie wir uns entscheiden werden?“ Ihre Augen wurden größer, als sie ungläubig antwortete: „Du meinst hier in Afrika? Was willst Du mir damit sagen, Tom?“ Er seufzte, suchte nach dem richtigen Tonfall. „Ich meine vor allem bei mir, egal wo. Wir werden sehen. Lassen wir die Dinge an uns herankommen und überlegen später, was wir tun können oder wollen. Ich meine, das wichtigste ist, dass Du in meiner Nähe bleibst.“ Er begann sich ein wenig beim Reden zu verhaspeln, suchte nach Worten, legte den Kopf schief und sie wünschte, er würde seine verdammt zärtlichen Lippen endlich auf ihren Mund pressen. Sie half ihm dabei. „Willst Du damit sagen, dass ich Dir etwas bedeute?“ Er schien erleichtert zu sein, dass sie das ausgesprochen hatte, was er nicht so richtig aus sich selbst heraus brachte. Er nickte: „Ja, das ist es wohl. Ich habe keine Ahnung, in welche Richtung Deine Gefühle für mich gehen. Ich bin ein verdammt ungeübter Süßholzraspler, das gebe ich zu! Und ich habe Dir so gut wie nichts zu bieten, außer mir selbst. Aber....“ „...aber Du bist ein verdammt guter Liebhaber“, vervollständigte sie den Satz im Flüsterton. „Und ich bin froh, dass Du mir das alles sagst! Ich hätte mir eine Trennung von Dir nicht vorstellen können. Jetzt kann ich es ja zugeben!“ Er küsste vorsichtig ihre Augen, ihren Mund und sah besorgt nach der Wunde, die unverändert geblieben war. Die Einstiche waren kaum mehr sichtbar, nur die Schwellung zeugte von dem Biss. Sie versuchte sich aufzurichten, doch er befahl ihr, still liegen zu bleiben. „Das Gift soll sich nicht ausbreiten“, mahnte er. „Wir wollen nichts riskieren! Wir haben Pläne, vergiss das nicht!“ Sein schalkhaftes Grinsen und sein Augenzwinkern entlockte ihr ein erwartungsvolles Lächeln und sie fühlte mit jeder Faser ihres Daseins, dass sie diesen Mann nicht mehr loslassen würde. Ihre beiden Existenzen auf einen Nenner zu bringen, würde keine leichte Sache werden, aber die Herausforderung anzunehmen, lohnte sich. Ihre Überlegungen, das Austauschen zärtlicher Worten wurde plötzlich durch das entfernte Geräusch des sich nähernden Helikopters unterbrochen. Er atmete erleichtert auf. „Endlich! Da ist er, dieser verdammte Hubschrauber! Wir bringen Dich jetzt nach Gabarone ins Krankenhaus. Dann haben wir die Sache bald ausgestanden!“ Die Männer hatten mit den Armen wild gestikuliert und es war nicht schwer, am Fuße des Hügels zu landen, dort, wo das Land flach wurde. Während der Flugvogel dabei war, massenhaft roten Sand durch die Luft zu wirbeln, rannte Tom mit eingezogenem Kopf zum Hubschrauber, um die Männer zu informieren und zu Jill zu lotsen. Ihre Retter waren uniformiert, und während sie in ihre Richtung liefen, verständigten sie sich mit Gestikulationen und lauten Rufen. Der Pilot ließ den Motor ersterben, die Rotationsblätter wurden langsamer und kamen ganz zum Stillstand. Sie blickte in grinsende, schwarze Gesichter und der eine von ihnen, der eine Armbinde mit dem weltweit bekannten Roten Kreuz darauf trug, das ihn als Arzt oder eine medizinisch bewanderte Person kennzeichnete, fühlte ihren Puls, und setzte ihr das Stethoskop an, um ihren Herzschlag zu kontrollieren. Schließlich nickte er zufrieden. Er sprach ein paar Worte mit Tom und dessen angespannter Gesichtsausdruck wich mehr und mehr einem erleichterten Lächeln. Auch wenn die Sorgenfalte immer noch zwischen seinen Brauen stand, an seinem Blick konnte sie erkennen, dass sie in keiner akuten Lebensgefahr schwebte. Sie fühlte sich auch schon viel besser. Man verpasste ihr eine zweite Spritze, die weitaus weniger schmerzte, als die, die ihr Tom gegeben hatte. Doch eben diese war ihre Lebensrettung gewesen. Sie sandte einen dankbaren Blick in seine Augen, die so voller gemischter Gefühle auf sie nieder blickten, dass es ihr in der Seele wehtat. Als man sie samt der Bahre in den Hubschrauber hob, zog einer der Uniformierten ein zusammen gefaltetes Papier aus seiner Rocktasche. Zwischen Tom und ihm entstand ein angeregter Wortwechsel und sie konnte mit Erstaunen mitverfolgen, wie die Miene des Mannes sich zusehends erhellte, bis sie zu einem strahlenden Lächeln wurde. Er wandte sich an Jill und nahm ihre gesunde Hand, um sie an seine, von der Hitze spröde Lippen zu führen. „Wir haben gewonnen, Jill!“ Seine Stimme glich einem unterdrückten Jubeln. „Der Beschluss ist endlich da! Ich denke, die Sache wird im Sande verlaufen. Wenn Du später vielleicht noch ein wenig moralischen Druck auf Louisval ausüben kannst...“, er zwinkerte bei diesen Worten, denn er meinte Erpressung, die allen Beteiligten zugute kam, „...dann wird er auch nichts widerrufen wollen oder Schlimmeres!“ Seine Euphorie übertrug sich auf sie. Das laute, aufgeregte Stimmengewirr zeugte von allgemeiner Begeisterung, aber auch der Notwendigkeit, sofort zu handeln. Während der Mann mit dem Beschluss der Regierung, die das sofortige Jagdverbot auf den Plan rief, mit einem der Jeeps davon jagte, schwang Tom sich ebenfalls in den Hubschrauber, dessen Mannschaft bereits den Abflug in die Wege leitete. Der Arzt saß neben ihr, hatte sie an eine Infusionsflasche angeschlossen und sah ziemlich zuversichtlich drein. Sie fragte sich, ob sie diesen Aufwand überhaupt noch nötig hatte, verhielt sich aber ruhig und harrte gespannt der Dinge, die nun kommen würden. Der Helikopter erhob sich in die Lüfte. Das ohrenbetäubende Motorengeräusch machte jede Unterhaltung unmöglich, doch diese war auch nicht mehr notwendig, denn was nun kam, das bedurfte keiner Erklärungen. Auch nicht für sie. Sie flogen schnurstracks und in geringer Höhe in die Richtung, wo sie die Elefantenherde wussten. Als sie sie erreichten, ging der Hubschrauber noch tiefer und drehte eine Runde über den Köpfen der großen Familie von urzeitlichen Geschöpfen, die sofort in Panik gerieten und mit lautem Trompeten zu protestieren schienen. Motorenlärm und Tiergebrüll vermischten und steigerten sich zur schönsten Sinfonie, die Jill jemals in ihrem Leben gehört hatte. Sie verstand, was man zu tun gedachte: Die Herde wurde zur Eile angetrieben und der Abstand zwischen den Jägern und ihr sollte sich soweit vergrößert haben, dass der Soldat der Regierung genug Zeit hatte, den Männern das Verbot auszuhändigen. Tom grinste bei der Vorstellung von Louisvals Gesicht. Er würde kochen vor Wut und doch gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Seinen angeblich eigenen Beschluss in Händen zu halten und zu ignorieren, das war ein Ding der Unmöglichkeit! Der Jagdausflug war für die feinen Herren zu Ende! Jill konnte dann später immer noch ihre Beziehungen spielen lassen und ihm zu verstehen geben, dass dieser, angeblich sein Beschluss, für seine politisch zukünftige Karriere nur von Vorteil sein konnte. Louisval, der Schutzvater der afrikanischen Natur, Retter der Elefanten! Auch wenn der International Safari Club ein saures Mienenspiel aufsetzte, für diese Saison konnte er nur mehr klein beigeben, um nicht den Misskredit aller Schutzorganisationen weltweit und dadurch eventuelle spätere Einschränkungen der Jagdmöglichkeiten heraufbeschwören zu wollen. Sie schien seine Gedanken zu erraten und erwiderte sein glückliches Lächeln. Er half ihr, sich ein wenig aufzurichten, damit sie dieses grandiose Schauspiel, der wogenden Tiermasse unter sich voll und ganz auskosten konnte. Hatte man sie erst der Wüste entgegen getrieben, so schlug sie jetzt unter dem Zwang der Menschen den Rückweg in großem Bogen in die fruchtbaren Gefilde des Okavango Deltas ein, woher sie ursprünglich kamen. Dieser Boden würde unbenetzt von ihrem Blute bleiben, vorläufig zumindest. Das grauenvolle Bild brechender, kluger Elefantenaugen und verwesender Körper grauer Riesen in flimmernder Luft, bevölkert von Aasfressern jeder Art, begann sich nach und nach aufzulösen, und machte einer Vorstellung glücklicher Tiere den Platz, die sich in den Flüssen des Deltas vergnügt ihren Wasserspielen hingaben und so ein intaktes Bild afrikanischen Naturzaubers bewahrten! Und während sie sich mit Erleichterung und Genugtuung der beruhigenden, heilenden Wirkung des Medikamentes, an das man sie angeschlossen hatte hingab, hielt er sie in seinen Staubverkrusteten Armen und sehnte den Augenblick herbei, in welchem er sie erneut mit seiner Leidenschaft und seinem Liebesüberschwang beglücken konnte. Sein Kampfgeist war längst von neuem erwacht, und die beginnende Mutlosigkeit vergessen. Es war noch nicht vorbei! Er war wieder da und sie mussten damit rechnen, dass er sich ihnen erneut in den Weg stellte, die feinen Herren ganz oben, wo immer, und auf welchen goldenen Stühlen sie auch saßen. Und diesmal war er nicht allein! Er wusste, dass Jill die Möglichkeit hatte mit anderen Mitteln zu kämpfen als er selbst. Seine Zähigkeit und Fäuste, gepaart mit ihrem Köpfchen. Welche Verbindung könnte geeigneter sein, gegen die Lobby der „ehrenwerten Schutzorganisationen“ dieses Planeten anzutreten?
Ende einer Wunschvorstellung
Anmerkung
Die Existenz und das Wirken des International Safari Clubs (dessen einflussreiches Mitglied auch George W. Bush ist), wie auch die Convention of Washington (CITES – internationale Organisation, beauftragt mit der „Verwaltung“ von lebenden Arten) sind keinesfalls Erfindungen, sie sind real! Ebenso wie ihre Macht! Und es ist mir und vielen anderen immer noch ein Rätsel, wie der WWF International unter dem Druck der CITES, die 1989 Afrikas Elefanten in die Kategorie 1, der vor dem Aussterben zu schützenden Tierarten gesetzt hatte, 1997 der Aufhebung des Schutzstatus’ der Afrikanischen Elefanten zustimmen konnte... Was zur Folge hatte, dass der Elfenbeinhandel in Botswana, Namibia und Zimbabwe, mit der Unterstützung von Japan erneut zu florieren begann. Für Wilderer bedeutete dieser Beschluss Grünes Licht und ein illegales Massaker begann, bei welchem unzählige afrikanische Wildhüter ihr Leben verloren haben. Seither sind die riesigen, alten Elefantenbullen mit ihren majestätischen Stosszähnen aus Afrika verschwunden, was andererseits den Schutz der überlebenden Tiere garantiert...
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