30.a Andere Wege zur Rache - 180 AD

 

Ich nahm mit Maximus den längeren Weg zum Gutshof durch den Wald. Es gab einen kürzeren und schnelleren Weg. Aber der führte am Strand entlang, und ich hatte andere Pläne für unsere Rückkehr zur Villa am Nachmittag, und Teil dieser Pläne war auch der Weg am Strand entlang.

Die Straße unter den Kiefern war schmal, gepolstert durch Tausende von Kiefernnadeln, die von Pferdehufen und Menschenfüßen festgetreten waren und beschattet von den hohen Bäumen, die zu beiden Seiten wuchsen. Sie dämpften die gleißende Sommersonne zu einem milden grünlichen Licht, das zusammen mit dem Rauschen der Zweige hoch über uns eine unheimliche Atmosphäre schuf.

Wir ritten schweigend, denn die Straße war zu schmal, als daß zwei Pferde nebeneinander gehen konnten. Also übernahm ich die Führung und legte ein gutes Tempo vor, wann immer es die tiefhängenden Zweige erlaubten, denn Sidereum und Fulmen waren begierig auf einen schnellen Lauf und hatten ungeduldig zu schnaufen und zu stampfen begonnen, sobald man sie aus ihren Boxen geholt hatte, um sie zu satteln.

Der Gutshof war keiner jener schicken Anlagen, die reiche Senatoren immer mal wieder zu ihrem eigenen Vergnügen errichten ließen, um sich dort an Hirtenspielen zu erfreuen oder ihren seltsamen Vorstellungen republikanischer Ideale (*) zu frönen. Er war auch keine ländliche Villa sondern ein solider, traditioneller typisch römischer Hof.

Als ich den Hof gekauft hatte, da war er nichts weiter als ein arg vernachlässigtes, heruntergekommenes, mittelgroßes Landgut gewesen, aber der Boden war gut, es gab Wasser in Fülle, und das Haupthaus und die Stallgebäude waren solide gemauert. Ein bißchen Geld und etwas Mühe hatten sich schon nach kurzer Zeit ausgezahlt. Und als es Athenodorus - durch einen seiner zahllosen in Italien lebenden Freunde - gelang, einen erfahrenen Mann zu überzeugen, seinen eigenen kleinen Hof in den Sabiner Bergen zu verlassen und mein Vorarbeiter zu werden, war der Gutshof in null Komma nichts aufgeblüht. Der Name des Mannes war Calistus, er war von mittlerer Größe, bärtig und ähnelte viel mehr einem griechischen Lehrer als einem Bauern, aber ich hatte schon bald gemerkt, wie sehr der Schein trügen konnte. Ebenso war es den Landarbeitern ergangen, die er mit dem geschulten Blick und der Autorität jener ausgesucht und eingestellt hatte, die von anderen nichts zu verlangen pflegen, was sie nicht zuerst auch sich selbst abfordern. Calistus hatte eine Frau und drei kleine Kinder mitgebracht, und das Paar vergrößerte seine Familie ständig weiter, aber Schwangerschaften und Muttersein hatten Crispina nie davon abgehalten, viele auf dem Hof anfallende Arbeiten persönlich zu überwachen: so etwa die Herstellung von Eingemachtem und von Würsten, welche sie regelmäßig zu meiner Villa schickte, und das Weben von Stoff aus Schafswolle, der zur Herstellung von Winterkleidung für die Landarbeiter diente.

Es war Crispina, die uns auf den Stufen des Haupthauses begrüßte, ihr Haar war in einem ordentlichen Knoten hochgesteckt und sie trug eine einfache aber makellos saubere Tunika aus handgesponnenem Stoff. Ihr Jüngstes hockte auf ihrer Hüfte und ein Mädchen, das nicht älter als drei Jahre sein konnte, klammerte sich mit einer Hand an ihren Rock und saugte unterdessen mit höchster Konzentration am Daumen der anderen. Das Kind hatte lockiges schwarzes Haar und blickte mit großen Augen auf die Pferde und deren Reiter, während wir abstiegen und die Hofhunde laut bellten, aber als wir auf die Kleine zukamen, versteckte sie sich eilends hinter ihrer Mutter.

Durch Athenodorus von unserem Besuch informiert war Calistus bereits auf dem Weg zum Haus und langte dort an, bevor wir noch Crispinas Willkommen erwidert hatten. Seine Gegenwart allein reichte aus, um den Tumult der Hunde zum Schweigen zu bringen. Zwei der Hunde beschlossen, daß es zu heiß sei, um sich weiter aufzuregen, und suchten sich einen Platz im Schatten eines nahegelegenen Baumes, während drei weitere uns folgten und dabei ihre hündische Begeisterung lebhaft zum Ausdruck brachten, indem sie mit den Schwänzen wedelten und ihre feuchten rosigen Zungen aus dem Maul hängen ließen.

Ob Calistus nun wußte, wer Maximus war, oder ob er über seine Anwesenheit erstaunt war - er ließ es sich nicht anmerken. Statt dessen schien der gewöhnlich schweigsame Vorarbeiter mehr als glücklich über die Gelegenheit zu sein, uns auf dem Gutshof herumzuführen.

 

Er verneigte sich respektvoll und führte uns dann ohne weitere Umschweife zu den nahegelegenen Stallgebäuden, um uns dort auf seine wie immer kurz angebundene Art die jüngsten Neuerungen vorzuführen. Es bedurfte nur einer beiläufigen Bemerkung von Maximus, um die dunklen Augenbrauen des Mannes verwundert in die Höhe schnellen zu lassen. Der Vorarbeiter betrachtete ihn abschätzend, dann sah er mich und endlich wieder Maximus an und schenkte uns ein kurzes Lächeln, das seine ungleichmäßigen gelben jedoch kräftigen Zähne entblößte. Obwohl ich nicht viel davon verstand, machte selbst für mich diese beiläufige Bemerkung deutlich, daß der kraftvolle Mann, der Calistus als "General Maximus" vorgestellt worden war, kein großspuriger eben aus Rom eingetroffener Dummkopf war sondern jemand, der wußte, was ein Bauernhof ist und wie man ihn bewirtschaftet. Von nun an lief alles wie geschmiert, und schon bald inspizierten wir Schweine, Kühe, Ziegen, Schafe, Ochsen, Maultiere und Pferde, als wäre Calistus ein römischer General, der dem zu Besuch weilenden Kommandeur stolz seine Truppen vorführt. Dann ging es zu den Hühnern, Enten und Gänsen, und als wir damit fertig waren, führte Calistus uns zum Räucherhaus, zu den Vorratsschuppen und Scheunen, wo Futter, Korn und getrocknetes Gemüse gelagert wurden, während er und Maximus angeregt über die Vorteile eines speziellen Kellers diskutierten, in welchem sich Zwiebeln, Karotten, Knoblauch, Bohnen und anderes Gemüse bis möglichst weit hinein in die kalte Jahreszeit frisch halten würden.

Als die Begutachtung der Farm beendet war und wir zum Haus zurückkehrten, war es bereits später Mittag, und  die beiden Männer hatten eine lange Liste von Themen besprochen, von der Art der Körbe, die am besten zur Lagerung von Gemüse geeignet sind, bis zu den Vorteilen, die das Flechten der Stengel von Knoblauch und Zwiebeln für deren Haltbarmachung hat. Zwischendurch wurde noch darüber gesprochen, welche Menge Salz die richtige ist, um eine Lake herzustellen, welche Oliven schneller weich und eßbar aber gleichzeitig auch länger haltbar macht, wie man am besten frischen Käse vor Schimmel bewahren und unweigerlich verdorbene Lebensmittel in etwas für die Schweine Genießbares verwandeln kann.

Maximus und Calistus hatten meine Anwesenheit ganz vergessen und unterhielten sich angeregt. Sie stimmten in den meisten Punkten überein, waren in ein oder zwei verschiedener Meinung und lachten hier und da herzlich. Ich lächelte über ihre offensichtliche Begeisterung und hielt mich so unauffällig wie möglich hinter ihnen. Obwohl der Kauf des Hofes meine Idee gewesen war und sich als eine gute erwiesen hatte, besuchte ich ihn nur selten. Calistus machte seine Arbeit gut, und der eigentliche Zweck des Hofes bestand darin, die Menschen, die auf meinem Land lebten, zu versorgen und einen Teil der Dinge zu liefern, die in meiner Küche benötigt wurden. Gewinn erwirtschafteten die Schiffe und ihre Fracht, auf welche ich meine Energie hauptsächlich konzentrierte. Neben dem Geschäft mit den Schiffen und der Verwaltung meines Landgutes samt der Villa hatte ich trotz Apollinarius' Hilfe noch genug Arbeit.

Als wir zum Haus zurückkamen, erwartete uns Crispina auf der Veranda mit einer Wasserschüssel, damit wir uns die Hände waschen konnten, und Erfrischungen, um unseren Durst zu löschen. Nachdem Maximus und Calistus sich voneinander verabschiedet hatten und der Vorarbeiter mit den Hunden im Gefolge zu seinen Pflichten zurückgekehrt war, schlug sie vor, daß wir uns dort hinsetzten und etwas essen könnten.

"Danke, Crispina", sagte ich und gab ihr meinen leeren Becher zurück. "Aber ich würde es vorziehen, wenn Du uns etwas zum Mitnehmen einpackst, denn ich möchte dem General noch einen weiteren Ort zeigen. Bitte, pack auch etwas Wein und eine Decke dazu."

Die Frau schickte sich schnell und ohne lange darüber zu debattieren an, meinen Wunsch zu erfüllen. Es wäre schön, wenn Nicia nur auch so aufmerksam und entgegenkommend wäre!

Am frühen Morgen, als ich mich, bevor wir zu den Ställen gingen, kurz mit ihr besprochen hatte, war meine Zofe so enttäuscht gewesen über meine Weigerung , ein ausgiebiges Mal auf dem Gutshof vorbereiten zu lassen.

"Hier handelt es sich nicht um ein elegantes Bankett", erklärte ich ihr, als sie, um Luft zu holen, kurz mit ihrer Tirade innehalten mußte. "Hier geht es um schlichtes, bäuerliches Landleben ... "

"Genau das ist das Problem", feuerte Nicia zurück. "Alles auf dem Hof ist so bäuerlich!"

Es gelang ihr, dem Wort einen besonderen Nachdruck zu verleihen, der an etwas wie den Gestank von Simacus' Mistkarren denken ließ. "Ich könnte schon mal vorausgehen und alles ... "

Ich mußte mir auf die Zunge beißen, um mir eine der beliebten römischen Bemerkungen über griechischen Snobismus zu verkneifen. Also wartete ich, bis sie das nächstemal Luft holen mußte, und gab ihr dann Anweisungen für unsere für den Abend geplante Rückkehr zur Villa. Nicia hatte große Augen gemacht, in welche unverhohlenes Interesse dann ein Leuchten gezaubert hatte. Ich wußte, daß genau das die Lösung sein würde.

Bevor sie sich noch erholen konnte, eilte ich davon und überließ es meiner Zofe das zu tun, was sie eh am liebsten tat: Komplotte zum Besten ihrer Herrin schmieden.

 

Crispina versorgte uns mit einer sauber gewaschenen Pferdedecke, einer kleinen tönernen Amphore mit selbstgekeltertem Wein und zwei in saubere Tücher gewickelten Bündeln. Ich dankte ihr, nahm Sidereum am Zaum, führte ihn auf den unbefestigten Weg hinter dem Haus und hin zu den Bäumen, die nicht weit entfernt aufragten.

Maximus folgte mir schweigend, aber es bedurfte keiner Worte um zu wissen, welche Freude der Besuch des Stalles und des Gutshofes für ihn gewesen war. Der Komfort und Luxus meiner Villa hatten ihn zuerst mit einer Art ehrfürchtigem Staunen erfüllt, und obwohl er beides bald als meine natürliche Umgebung akzeptiert hatte und sogar bis zu einem gewissen Punkt zu genießen schien, so war es doch offensichtlich, daß er sich im Stall und auf dem Hof mehr zu Hause fühlte.

Natürlich schmerzte es ein wenig, denn ich hatte mit ihm teilen wollen, was mein war, ihm geben wollen, was ihm vorenthalten worden war und was er so sehr verdient hätte nach einem entbehrungsreichen Leben an der Front und der Brutalität der vergangenen Monate. Und doch war da ein eigenartiger Trost in seiner offensichtlichen Begeisterung, während er mit dem Vorarbeiter über Ernten und neugeborene Tiere sprach. Sein Leben lang war er hin und hergerissen gewesen zwischen dem Leben als Bauer und dem als Soldat, zwischen Leben schenken und den Tod bringen. Er hatte sowohl seinen Hof als auch die Armee zutiefst geliebt und sich beiden auf seine ganz eigene Weise verschrieben ... Am Ende war ihm alles genommen worden, aber wenigstens die Erde hatte ihn nicht verraten - wie ihn der Sohn seines Imperators und sein Legat verraten hatten.

Wir hörten das gurgelnde Geräusch des Flusses, bevor wir die Lichtung erreichten, die seinem kristallklaren Verlauf folgte. Es war ein schmales Flüßchen, an manchen Stellen so schmal, daß die Kinder zum Vergnügen von einer Seite auf die andere sprangen. Außerdem war das Gewässer flach, das Flußbett bedeckt mit glatten flachen Steinen und die Ufer mit saftigen grünen Kräutern. Blaue und gelbe Glockenblumen bereicherten das Ganze durch ihre Farbtupfer und durch einen Hauch von Duft, während kleine silberne Fische verstohlen umherschossen. Fulmen und Sidereum, die das frische kühle Wasser witterten, schnaubten und warfen die Köpfe hin und her, als wir wieder in den Schatten der Bäume ritten.

"Das ist er also", sagte Maximus mit einem belustigten Lächeln. "Der Fluß, zu dem die Kinder Deiner Diener zum Fischen kommen ... "

"Ja, das ist er. Und falls Du Deine Meinung ändern solltest und es auch einmal versuchen willst, dann habe ich für alle Fälle eine Schnur und Haken in meiner Satteltasche ... "

Maximus hob fragend eine Augenbraue.

"Du angelst?" fragte er.

Ich kicherte.

"Da seien die Götter vor! Ich bin eine Stadtkind, aber auf dem Land auszureiten hat mich gelehrt, immer Schnur, Haken und einige andere Dinge in meiner Satteltasche bei mir zu haben - für alle Fälle ... " Ich nickte in Richtung der Pferde. "Wir sollten sie besser absatteln, damit sie bequemer trinken und grasen können, während wir essen .... "

Schließlich war es Maximus, der sich sowohl um Fulmen als auch um Sidereum kümmerte, während ich die Decke ausbreitete und die in Tücher gewickelten Bündel öffnete. In den vergangenen Tagen schien sich eine von uns beiden stillschweigend akzeptierte Routine herausgebildet zu haben, sei es, daß wir uns in meinem Wohnzimmer aufhielten, auf meiner privaten Terrasse, dem Deck der Poseidon oder - wie jetzt - im Schutz der Bäume an einem Fluß. Einmal geöffnet, enthüllten die Bündel eine reiche Auswahl an schwarzen und grünen Oliven, Käse, frisch gebackenes Brot, in Scheiben geschnittene Schweinewürste, die mit Nüssen und Gewürzen versehen und dann perfekt geräuchert worden waren. Auf dem Gutshof gab es kein Gebäck aus Honig, Rosinen und Pinienkernen, aber Crispina hatte uns etwas libum (**) eingepackt, das ein akzeptabler Ersatz zu sein versprach.

"Fisch oder kein Fisch, auf alle Fälle macht dieser Fluß Dein Land sehr viel wertvoller. Und das Land ist übrigens sehr gut, wenn man bedenkt, wie nahe es am Meer liegt", sagte Maximus, als er sich neben mich auf die Decke setzte und das Brot nahm, das ich ihm anbot.

"Und das ist nicht einmal der einzige Fluß auf diesem Besitz", bemerkte ich und reichte ihm die kleine Amphore. "Ich fürchte, Crispina hat vergessen, uns Becher einzupacken, also werden wir wohl aus der Flasche trinken müssen ... "

Maximus nickte und führte die Amphore an seine Lippen, dann legte er den Kopf in den Nacken und nahm einen großen Schluck. Die kräftigen Muskeln an seinem sonnengebräunten Hals boten mir ein prächtiges Schauspiel, während er trank.

Bei diesem Anblick leckte ich mir instinktiv die Lippen.

"Es gibt noch zwei weitere Wasserläufe", erklärte ich und nahm die Amphore wieder zurück. "Einer ist nicht weit von hier. Er ist größer und führt sehr viel mehr Wasser. Er leistet gute Dienste, um die Felder zu bewässern und das Vieh zu tränken. Der andere durchfließt das Land hinter der Villa."

"Wohin fließen sie? fragte Maximus und kaute dabei genüßlich auf seinem Stück Käse.

"Nun, alle Wasserläufe hier in der Gegend fließen zum Tiber ... " sagte ich, und erinnerte mich daran, daß er niemals zuvor in Rom gewesen war und daher wenig über die Umgebung wußte. "Der Tiber ist ganz nahe (***). Im Hafen von Ostia mündet er ins Meer ... "

"Ich weiß ... "

Maximus' Augen überschatteten sich für einen Moment, hellten aber nach einem kurzen Blinzeln wieder auf. Ich biß mir auf die Zunge.

Natürlich wußte er das.

Proximo mußte seine Gladiatoren auf dem Seeweg nach Rom gebracht haben, um rechtzeitig zu den Spielen anzukommen.

Um mein Unbehagen über diese gedankenlose Bemerkung zu verbergen, kaute ich an einer Wurtscheibe, gab es aber nach ein oder zwei Bissen auf, denn der Geschmack verursachte mir Übelkeit. Unwillkürlich erinnerte ich mich an Apollinarius' Bemerkung, daß Reue nie gut für die Verdauung sei.

Ich spielte mit der Scheibe und legte sie dann beiseite.

"Keinen Appetit mehr?" fragte Maximus und kaute dabei emsig weiter.

"Nein, es ist nur ein bißchen zu stark gepfeffert ... " antwortete ich.

Das stimmte nicht. Crispina konnte Würste perfekt würzen.

Maximus lächelte und ließ eine weitere Scheibe in seinem Mund verschwinden.

Ich leckte mir die Lippen.

Ihn dabei zu beobachten, wie er seine Mahlzeit verschlang, hatte wirklich etwas sehr Erregendes.

"Stadtmädchen", neckte er mich. "Man muß den Magen eines Jungen vom Lande haben, um eine gute Landwurst richtig schätzen zu können .... "

Ich mußte lachen. Wie er so dasaß auf der ausgeblichenen Decke, Wein direkt aus dem Tonkrug trank und seine ländliche Mahlzeit aus Käse, Oliven, Wurst und Brot gründlich genoß - dicht neben einem gurgelnden Fluß und Pferden, die frisches Gras fraßen und dabei leise schnaubten -, sah Maximus nicht nur jünger und frischer aus sondern auch zutiefst zufrieden und ganz mit sich im reinen.

Nachdem er noch einen weiteren Schluck genommen hatte, stellte er die Amphore auf dem Boden ab, neigte den Kopf zur Seite und blickte mich ernst an.

"Genau das bin ich, Julia", sagte er. "Ein schlichter Bauer und ein noch schlichterer Soldat ... "

Er klang ein bißchen schüchtern, so schüchtern wie an jenem ersten Abend, als er mit mir in meinem luxuriösen Apartment zu Abend gegessen hatte.

"Und deshalb liebe ich Dich ... " flüsterte ich.

Maximus lächelte mich ein wenig verlegen an.

"Nun, das ist einer von vielen Gründen, warum ich Dich liebe .... " fuhr ich fort. "Die Tatsache, daß Du zärtlich bist, fürsorglich, tapfer und zutiefst loyal jenen gegenüber, die ... Dir etwas bedeuten - auch das zählt", sagte ich und beeilte mich, meinen Schnitzer zu verbergen. "Und natürlich ist es auch nicht unwichtig, daß Du so gut aussiehst wie Du nun mal aussiehst ... "

Sein Lächeln nahm einen noch verlegeneren Ausdruck an. Wie ich mich unwohl fühlte, wenn man über die Zuneigung meiner Dienerschaft zu mir sprach, so hatte jede Erwähnung seines ganz offensichtlich guten Aussehens auf ihn dieselbe Wirkung.

Maximus wandte seine grünblauen Augen ab, spielte einen Augenblick lang mit dem Gras und senkte dann seine Finger in die dunkle Erde. Er nahm eine Handvoll feuchter Klumpen, zerkrümelte sie langsam zwischen seinen schwieligen Fingern und ließ sie wieder fallen.

"Ein Mann sollte seinen Boden niemals verlassen, Julia", sagte er mit ein wenig belegter Stimme. "Das Land zu bearbeiten sorgt dafür, daß Du Dir selbst treu bleibst. Daß Du Dich an Deine Pflicht erinnerst ... und es gibt Dir die Kraft, sie zu tun ... "

Es folgte ein Moment des Schweigens, dann fügte er hinzu, als spräche er zu sich selbst: "Diese Männer in Rom sollten ihr Gezänk und ihre Ränke lassen und zu ihrem Boden zurückkehren .... Dort ist es, wo Wahrheit und Stärke zu finden sind. Nicht im Krieg. Nicht in Eroberungszügen. Nicht im Blutvergießen ... "

"Ein Mann muß tun, was er tun muß."

 

Es folgte ein langes Schweigen.

Die Pferde dösten im kühlen Schatten der Bäume.

Die Vögel schienen seltsam still.

Selbst der Wind schien wie erstorben und hatte der Stille Platz gemacht, die auf ihre eigene Weise ohrenbetäubend war.

Dann warf Maximus die letzten Erdklumpen brüsk beiseite und wandte sich mir zu.

Und dann sah ich es kommen.

Exakt den Moment, in dem er seine Entscheidung traf.

Zuerst nahm sein Blick jenen entfernten, verträumten Ausdruck an, der - wie ich bereits gelernt hatte - bedeutete, daß er verloren war in seinen tiefsten und intimsten Gedanken. Dann, nachdem seine Entscheidung bereits gefallen war, blinzelte er wie ein Mann, der eben erwacht war, und jene sprühenden, juwelengleichen Augen wurden dunkel und hart wie die Edelsteine, denen sie glichen.

Mit fasziniertem Entsetzen sah ich, wie er die Schultern anspannte, sein Mund jeden weichen Zug verlor und sein Kinn noch deutlicher hervortrat als gewöhnlich. Wie ein Vogel gebannt vom hypnotischen Blick des Todes, der sich ihm in Gestalt einer Schlange nähert, sah ich, wie Maximus sich anschickte, Frieden und Glück gleichermaßen zu zerstören.

"Ein Mann muß tun, was er tun muß."

"Julia, wir müssen reden ... "

"Nein ... "

Maximus' Stimme war tief und fest aber trotzdem nicht ohne eine gewisse Milde.

Meine indessen klang ganz erstickt.

"Julia, Du weißt, daß wir es tun müssen."

"Nein ... "

"Wir erreichen nichts, wenn wir die Wahrheit leugnen ... "

"NEIN!"

Die Angst und Qual, die sich meiner plötzlich rauhen Kehle entrangen, ließen ihn erschrocken blinzeln.

Ebenso erschrocken erhoben sich die Vögel in den nahegelegenen Bäumen in einem Wirbel aus Federn und empörten Zwitschern in die Luft.

Maximus' Seufzer war kaum vernehmbar, nur sein Mund öffnete sich ein klein wenig.

Ich hätte ihn gar nicht wahrgenommen, hätte ich nicht sein Gesicht so intensiv betrachtet, daß es schon schmerzte.

"Julia, wenn ich ... nicht mehr da bin ... Ich möchte, daß Du Italien verläßt."

"Maximus ... "

Er brachte mich mit einer Handbewegung zum Schweigen, dann packte er mich an den Oberarmen, und seine schwieligen Hände fühlten sich rauh an auf meiner Haut. Unbewußt spürte ich auf meinem plötzlich kalt gewordenen Fleisch seine Wärme, die ihn nie zu verlassen schien.

Ich zitterte.

"Julia, ich möchte, daß Du weggehst ... " fuhr er fort. "Geh weg. Verschwende keinen Augenblick. Geh an Bord von einem Deiner Schiffe und fahr weg. Reise zu Deiner Villa in Melita oder besser noch weiter weg."

"Maximus ... "

Er schüttelte mich sanft, der Schein in seinen grünblauen Augen verwandelte sich von der gewöhnlich dort brennenden Flamme zu durchdringendem Stahl. Er war vollkommen ruhig und beherrscht, ein General bereit für die Schlacht.

"Hast Du irgendwo im Osten Freunde?"

"Ich habe eine Freundin in Alexandria ... " sagte ich ohne zu zögern, seine befehlsgewohnte Stimme und seine Haltung forderten sofortigen fraglosen Gehorsam.

"Gut, besuche sie und bleibe dort, bis ... "

Endlich gelang es mir, wenigstens teilweise meinen Kopf wieder klar zu bekommen, und ich setzte mich zur Wehr.

Natürlich hatte ich keine Chance gegen ihn.

"Maximus, wovon sprichst Du?"

Erst als das Echo meines Schreis die gurgelnden Geräusche des nahen Flüßchens übertönte, wurde mir bewußt, daß ich schrie.

Maximus' Finger gruben sich schmerzhaft in mein Fleisch, während sich das Schweigen zwischen uns lang und länger dehnte. Unsere Augen bohrten sich ineinander, meine herausfordernd und gleichzeitig flehentlich, in seinen war nichts zu sehen als jener glitzernde Stahl, der mein Herz und meine Seele zu durchbohren drohte.

"Ein Mann muß tun, was er tun muß."

Aber ich weigerte mich, klein beizugeben.

Es erschien mir wie eine Ewigkeit, bis Maximus tief durchatmete und endlich den Griff um meinen Arm lockerte, ohne denselben jedoch loszulassen.

"Wenn ich zurück nach Rom gehe", sagte er leise, "können die Dinge sehr unerfreulich werden. Wie auch immer, es wird nicht einfach sein, und mit großer Wahrscheinlichkeit wird es auch gefährlich werden. Sehr gefährlich. Ich möchte Dich in Sicherheit wissen. Ich möchte, daß Du Italien verläßt."

"Maximus, bitte!"

 

Etwas wie Gewitterblitzen leuchtete in der Tiefe seiner faszinierend grünblauen Augen auf. Seine Hände schlossen sich wieder um meine Arme, und er schüttelte mich, bis meine Zähne aufeinanderschlugen.

"Hör mir zu!" brach der Zorn wie Donnergrollen aus ihm heraus, die Flammen in seinen Augen züngelten gefährlich und ersetzten die stählerne Entschlossenheit in der Tiefe dieser Augen durch brennende Wut.

Wieder folgte ein langes Schweigen, dann seufzte Maximus und lockerte den Griff um meine Arme, seine Daumen streichelten meine Haut in einer Geste, die halb Entschuldigung und halb Trost war.

"Du weißt, was passieren wird, wenn Proximo mich zurück nach Rom bringt ... Ich werde zurück ins Kolosseum gehen, zurück gehen, um zu kämpfen, und ich werde Commodus töten ... es sei denn, er läßt mich zuvor töten ... "

Er hielt inne, und als ich nichts zu sagen hatte, fuhr er fort.

"Aber wenn es mir gelingt, lange genug zu überleben, dann werde ich sein Leben beenden ... und ich werde meine Rache haben."

Der kaum versteckte Haß in seiner Stimme machte es mir unmöglich, ein unkontrolliertes Zittern zu unterdrücken.

Geistesabwesend rieb Maximus meine Oberarme, als wolle er einen Kälteschauer vertreiben.

"Auch Commodus weiß das. Er weiß, daß, sollte ich die Gelegenheit haben, ich ihn angreifen werde ... und er weiß auch, daß er in diesem Falle verloren wäre ... "

Das Schweigen, das sich wieder zwischen uns ausbreitete, war nicht jenes süße freundschaftliche Schweigen, daß mir so lieb geworden war. Es war ganz anders als das Schweigen, das wir geteilt hatten, als ich in seinen Armen gelegen hatte. Statt dessen war es ein bedeutungsschweres Schweigen, das von drohender Gefahr zeugte, wie das Schweigen vor einem schweren Sturm.

Selbst der Wald und der Fluß schienen verstummt zu sein und furchtsam darauf zu warten, daß der Gewittersturm losbrach.

Und ein Sturm näherte sich.

Trotz Blitz und Donner, trotz des heulenden Windes, der krachenden Wellen und des niederströmenden Regens haben solche Stürme etwas seltsam Tröstliches an sich, denn mit ihrer Wut bringen sie auch das Versprechen einer Neugeburt - bei Natur und Mensch.

Aber der Sturm, der uns bevorstand, sollte nur Zerstörung und Schmerz und Tod bringen. Ein Sturm, in dem der Schall der Trompeten und das Dröhnen der Trommeln, welche die Wiedereröffnung der Spiele anzeigten, den Donner ersetzten, und in dem die Blitze des Himmels ersetzt wurden durch das Aufblitzen von Stahl, der auf Stahl trifft ...

"Er bildet sich ein, ein Krieger und Schwertkämpfer zu sein, aber er spielt nur Soldaten mit seinen Prätorianern ... Er ist mir nicht gewachsen ... "

Maximus' Worte holten mich zurück aus meinen dunklen Ahnungen.

Die brennende Wut in der Tiefe seiner Augen war wieder dem beständigen Feuer der Entschlossenheit gewichen.

Und das war noch sehr viel beunruhigender.

"Commodus weiß, daß er, sollte ich lange genug am Leben bleiben, verloren ist ... Also wird er jede Chance, die sich ihm bietet, ergreifen, um mich zu töten."

Der saure Geschmack von Asche breitet sich plötzlich in meinem Mund aus.

O ja, ein Sturm zog auf, und nach diesem Sturm würde es keine Neugeburt mehr geben ...

"Ein Mann muß tun, was er tun muß."

 

(*) Das Ideal schlichten Landlebens wird auf die Zeit der römischen Republik zurückgeführt und wurde von vielen Dichtern besungen - so auch von Virgil. Als das Imperium an Größe und Macht zunahm, nahm auch der Ehrgeiz jener Männer zu, die es regierten, und die heldenhaften, selbstlosen Soldaten ohne politische Ambitionen der früheren Zeiten wurden ersetzt durch korrupte, machtbesessene Männer, die intrigierten, verrieten und mordeten, um ihre Ziele zu erreichen. Am Ende der Regierungszeit Markus Aurelius' war es offensichtlich, daß das Imperium den Höhepunkt seiner Macht erreicht und der Niedergang begonnen hatte. Folglich verbreitete sich in der römischen Gesellschaft eine intensive und melancholische Sehnsucht nach jenen selbstlosen, tapferen Männern und den Tugenden der alten, schlichteren Zeiten. Markus Aurelius selbst - der gleichzeitig der bedeutendste Philosoph seiner Zeit war - feierte dieses Ideal in seinen außergewöhnlichen 'Meditationen', einer Reihe privater Schriften in griechischer Sprache, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden. In vielerlei Hinsicht verkörpert Maximus die Tugenden jener Männer der Republik, tapferer "Bauern-Soldaten", die zu den Waffen griffen, um ihr Land zu verteidigen, und zu ihren Ernten heimkehrten, sobald der Krieg vorüber war.

(**) Libum: Ein römisches Gebäck. Es wurde aus Mehl, Eiern, Ricotta und Honig hergestellt.

(***) Während der letzten achtzehn Jahrhunderte hat sich die italienische Küstenlandschaft sehr verändert. Die noch vorhandenen atemberaubenden Ruinen von Ostia befinden sich nicht mehr wie ursprünglich unmittelbar am Meer sondern einige Kilometer landeinwärts. Grund dafür sind Erdrutsche und Erdbeben, die den Küstenstreifen verbreitert und weiter ins Meer hinausgeschoben haben. Die Porta Marina öffnet sich nicht mehr wie ehemals zur Küste hin sondern zu einer modernen Autobahn. Die Überreste der Häfen von Claudius und Trajan wurden in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts entdeckt, als Teams, die am Bau des Flughafens Leonardo DaVinci  - in der Gegend, welche heute als Fiumicino bekannt ist - arbeiteten, zufällig vier im Schlamm vergrabene römische Handelsschiffe entdeckten. Auch ist der heutige Verlauf des Tiber ein anderer, und der Deich verläuft weiter entfernt von den Ruinen der Stadt als früher.

"Fiumicino" heißt im Italienischen "Kleiner Fluß" und beruht vermutlich auf dem Vorhandensein eines Flusses in dem Gebiet, wo man sich Julias Villa vorstellen muß.


30.b Andere Wege zur Rache - 180 AD

"Ein Angriff aus dem Hinterhalt auf meinem Weg zurück nach Rom ... ein vorgetäuschter Unfall in der Ludus Magnus (****) ... Ein manipulierter Kampf ... ich glaube nicht, daß er etwas Augenfälliges versuchen wird ... Der Spanier ist noch immer zu beliebt beim Volk ... "

Da war ein Anflug von Spott, wenn er sich selbst mit dem Namen bezeichnete, den Proximo ihm gegeben hatte.

"Ich zähle darauf, aber bei Commodus kann man nie sicher sein ... Er war schon immer launisch. Selbst als Kind."

Ich öffnete den Mund, aber kein Laut kam heraus. Maximus schien es nicht zu bemerken und redete weiter.

'Er haßt es zu verlieren ... ", sagte er. "Er hat gegen mich zu oft verloren ... "

 

Meine Augenbrauen hoben sich wie von selbst - auch wenn der Gedanke, daß ein Mann - jeder Mann, und sei es der römische Imperator - gegen Maximus verliert, nicht zu schwer zu glauben war. Und ihre Schritte hatten sich mehr als einmal gekreuzt während der zwei Jahrzehnte, die Maximus in der Armee verbracht hatte, der zwei Jahrzehnte, die ebenfalls eine enge Beziehung zu Commodus' Vater und seiner Schwester mit sich gebracht hatten. Und während dieser Zeit hatte die Dame Lucilla ihn geliebt, und Marcus Aurelius hatte ihn zu seinen Nachfolger bestimmt ...

"Wenn ich zurück in Rom sein werde, dann werde ich all meine Kraft, meine Fähigkeiten und all mein Können brauchen, um lange genug am Leben zu bleiben, um Commodus herausfordern zu können ... "

Da ich Maximus' Stimme nicht aus meinem Kopf verbannen konnte, schloß ich die Augen, als ob die dadurch entstandene Dunkelheit mir helfen würde, mich vor der bitteren Wahrheit zu verstecken, die er in Worte faßte.

"Das ist meine einzige Chance, Julia. Ich darf mich nicht auch noch mit dem Gedanken an Deine Sicherheit belasten ... Ich kann es mir einfach nicht leisten, mich um Deine Sicherheit sorgen zu müssen!"

Als habe er mir eine Ohrfeige verpaßt, öffnete ich schlagartig die Augen und versuchte, seine Hände abzuschütteln, aber er weigerte sich, mich loszulassen.

"Du brauchst Dich um mich nicht zu sorgen, General!" konterte ich heiser. "Ich kann mich gut um mich selbst kümmern! Das solltest Du wissen!"

Maximus blinzelte bei der versteckten Anspielung auf die Art und Weise, wie ich ihn übergangen und Cassius getötet hatte, bevor er mich noch hatte zurückhalten können. Dann sah er mich einen Moment lang an und schenkte mir ein kleines trauriges Lächeln.

"Julia, Du kennst Commodus nicht. Niemand im ganzen Imperium wird in Sicherheit leben können, solange er auf dem Thron sitzt ... "

Vermutlich hatte er recht, aber ich weigerte mich, dem Beachtung zu schenken.

Außerdem - Rom ist ein bedeutender Teil der Welt aber nicht die ganze Welt. Wer immer sein Geld mit Schiffen verdient weiß das. Es gibt andere Länder jenseits der Grenzen des römischen Imperiums, in welchen der Wille, das Wort und Gesetz des römischen Kaiseres nichts bedeuten.

Ich starrte Maximus direkt in die Augen, und da war es wieder - dieses Stählerne in seinem Blick und auch in seiner leisen tiefen Stimme.

"Wenn er mich erwischt, bevor ich ihn töten kann, wird Commodus sich unbesiegbar fühlen und es wird schlimmer und schlimmer mit ihm werden. Früher oder später werden andere ihn beseitigen, aber bis dahin wird er eine Menge Schaden in Rom anrichten ... und vielen Menschen Schmerz zufügen ... "

Maximus hielt inne, blinzelte und schluckte. Die kräftigen Muskeln an seiner Kehle bewegten sich unter der gebräunten Haut, und trotz der Anspannung kostete es mich große Mühe, meine Fingerspitzen nicht über seinen Hals gleiten und dann in der kleine Kuhle ruhen zu lassen, wo sein Puls gut sichtbar schlug.

"Wenn ich ihn töte", fuhr er fort, "dann wird das Chaos ausbrechen. In der kaiserlichen Familie gibt es keinen männlichen Erwachsenen, der den Thron besteigen könnte. Es wird einen Machtkampf geben ... Es wird dauern, bevor der Friede wieder hergestellt sein wird ... "

Bürgerkrieg.

Wieder einmal ... Bürgerkrieg.

Natürlich hatte er recht.

Das Töten eines Imperators konnte nichts anderes als Bürgerkrieg bedeuten, besonders dann, wenn dieses Töten die Konsequenz einer Blutschuld und nicht der letzte Akt einer gut geplanten und noch besser durchgeführten politischen Verschwörung ist.

 

Republik oder Kaiserreich, Rom hat eine lange Tradition von Bürgerkriegen, Generation auf Generation dezimiert durch blutige Fehden zwischen ehrgeizigen Politikern, die mehr als sie zuzugeben bereit sind den Clanchefs und Kriegsherren gleichen, welche sie als Feinde betrachten. Marius und Sulla. Caesar und Pompeius. Octavian und Marcus Antonius. Galba, Otho und Vitellius, die sich nach Neros Selbstmord gegenseitig an die Gurgel gingen und das Land als blutigen Scherbenhaufen zurückließen. Vespasian wartete im Osten auf den richtigen Zeitpunkt, hielt die Getreidetransporte auf und zog die Schlinge um Roms Kehle immer enger, bis das diplomatische Geschick seines ältesten Sohnes Titus ihm die Unterstützung und Zustimmung sicherte, die ihn als Kaiser und Retter des Vaterlandes nach Rom zurück brachten. Vespasian hatte Recht und Ordnung zurückgebracht, und als er zehn Jahre später starb, hinterließ er einen fähigen Sohn, um in seine Fußstapfen zu treten.

Aber trotz seines jugendlichen Alters waren Titus nur noch drei Jahre beschieden, und als er starb, erweckte sein jüngerer Bruder Domitian all jene Schrecken wieder zum Leben, die Rom zusammen mit der Asche des verhaßten Nero auf ewig für begraben gehalten hatte. Niemand war vor seiner launischen Grausamkeit sicher gewesen, und Historiker fragen sich bis heute, wie ein guter und gerechter Mann wie Vespasian ein solches Monster hatte zeugen können ... Er wurde ermordet - natürlich - und wenn daraufhin auch kein Bürgerkrieg ausbrach, so hatten die folgenden Unruhen doch ihren Blutzoll gefordert. Der Senat hatte Nerva zum neuen Kaiser erwählt und angeordnet, daß Domitians Name, Titel und Andenken von allen öffentlichen Monumenten und aus der Geschichtsschreibung zu tilgen seien so wie es Jahrzehnte zuvor Nero ergangen war. Unter Nerva waren Frieden und Ordnung nach Rom zurückgekehrt und ebenfalls unter seinen Nachfolgern.

Trajan, seinem adoptierten Sohn.

Hadrian, von Trajan adoptiert.

Antoninus Pius, von Hadrian adoptiert, nahm seinerseits Marcus Aurelius und Lucius Verus an Sohnes Statt an.

Es hatte Intrigen und Verrat gegeben, welche die alten Schrecken gut und gern wieder hätten entfesselt haben können, aber eine Reihe starker und fähiger Männer hatte das zu verhindern gewußt.

Und als eine dieser Intrigen zu weit gegangen war, hatten Maximus und ich sie und das Leben der Männer hinter der Verschwörung beendet.

Nun war Marcus Aurelius tot, und der Kreis begann sich zu schließen.

Ein anderes Monster, geboren aus den Lenden eines guten Mannes, saß auf dem Thron - was seinen Vater das Leben gekostet und einen starken, moralischen Mann ins Unglück gestürzt hatte.

Und das Imperium war sein Spielplatz.

Neunzig Jahre Frieden standen kurz davor, in blutige Scherben zu zerbersten, Leben und Hoffnungen und Träume würden weggewischt werden, und was übrig bliebe, wäre eine Spur von Tod und Verzweiflung.

"Es muß nicht so sein ... " flüsterte ich, oder ich dachte es zumindest, denn meine Stimme war so leise, daß ich selbst sie kaum hören konnte.

Maximus redete immer noch eindringlich auf mich ein, ohne auf meine Reaktion achtzugeben.

"Wie auch immer - es wird schwer werden ... und ich werde nicht hier sein, um mich um Dich zu kümmern ... "

Plötzlich bemerkte ich, daß wir auf der Decke knieten - Auge in Auge, Maximus' Hände ruhten auf meinen Schultern und die meinen lagen schlaff auf meinen Oberschenkeln. Wie sehr ich mich auch bemühte --- ich konnte mich einfach nicht erinnern, wann und wie wir diese Stellung eingenommen hatten.

"Deshalb möchte ich, daß Du von hier weggehst, Julia. Ich möchte, daß Du Italien verläßt, bevor die Dinge außer Kontrolle geraten. Ich möchte Dich in Sicherheit wissen ... "

Ich öffnete den Mund, aber bevor ich noch etwas sagen konnte, brachte Maximus mich schon wieder zum Schweigen, indem er seinen schwieligen Finger sanft auf meine Lippen preßte.

"Du weißt, was ich von Deinem Plan, mir zur Flucht zu verhelfen, halte ... "

Als er den Streit erwähnte, den wir in meinem Wohnzimmer in jener Nacht hatten, als Maximus in meine Villa gebracht worden war, erstarrte ich. Da er spürte, wie sich die Stimmung zwischen uns veränderte, schenkte er mir ein kleines Lächeln und strich mir beruhigend über das Haar.

"Versteh mich nicht falsch, Julia", sagte er leise, und Zärtlichkeit trat an die Stelle der eisernen Entschlossenheit in seiner Stimme. "Ich bedauere es nicht, hier zu sein ... bei Dir zu sein. Ganz gleich was geschehen wird, ich werde diese Tage ... niemals bereuen ... "

 

Während wir sprachen, schmolzen die harten Saphire seiner Augen zu meerfarbenen Seen, und ich spürte, wie ich mich in der beruhigenden Wärme ihrer unergründlichen Tiefe verlor ... einer Tiefe, in welcher ich nicht fürchten mußte zu ertrinken, denn sie versprach Sicherheit und nicht Tod. Aber die Worte, welche Maximus dann an mich richtete, brachten mich in die kalte und brutale Realität des Lebens zurück.

"Aber es ist gefährlich. Jetzt vielleicht, während die Pest wütet, mag Commodus zu besorgt sein, um sich darum zu kümmern, aber früher oder später wird er erfahren, daß man mich aus der Stadt fortgebracht hat ... "

"Es muß nicht so sein ... ", flüsterte ich wieder, und wieder waren die Worte so leise, daß ich sie mit meinen eigenen Ohren kaum vernehmen konnte.

"Er kann leicht meine Spur zu  Dir verfolgen ... Ich möchte Dich in Sicherheit wissen, Julia. Geh nach Melita oder besser noch - besuch diese Freundin. Geh nach Alexandria. Geh wo immer Du hin willst, aber wenn ich fort sein werde, Julia, dann verlasse Italien."

Der Kloß in meiner Kehle war zu groß, als daß ich ihn hätte herunterschlucken können.

Unfähig zu sprechen, schüttelte ich einfach nur den Kopf.

"Bitte, Julia. Verlasse Italien ... "

Maximus senkte die Stimme, bis Eindringlichkeit und Sorge sie zu einem heiseren Flüstern werden ließen. "Was immer geschehen mag, ich kann Dich nicht beschützen ... "

Der Wind trug seine Worte davon.

Irgendwie gelang es mir, meine Stimme wiederzufinden.

"Es muß nicht so sein ... "

"Julia ... "

Maximus strich mir zärtlich ein paar Locken aus dem Gesicht und streichelte mir die Wange. Unter seiner warmen, schwieligen Handfläche fühlte sich meine Haut weich an aber gleichzeitig auch kalt und hart.

So kalt und hart wie Marmor.

"Es muß nicht so sein ... " wiederholte ich eigensinnig.

"Julia, wir haben darüber bereits gesprochen ... "

"Maximus ... "

"Julia, Du weißt, daß ich nicht fort gehen kann ... "

Bevor ich mir bewußt wurde, was ich tat, hieb ich mit aller Kraft gegen seine breite Brust.

Meine Faust landete mit einem lauten, irgendwie unangenehmen Geräusch.

Maximus zuckte überrascht und vielleicht auch vor Schmerz zusammen.

Der Schlag war heftiger ausgefallen, als ich es beabsichtigt hatte.

Heftiger als ich es für möglich gehalten hatte, und ein dumpfer Schmerz wanderte von meiner geballten Faust bis hinauf in den Arm.

Wie auch immer - seinen Zweck hatte der Schlag erfüllt.

Ich hatte nun seine volle Aufmerksamkeit, und er bemühte sich nicht mehr, mich zu beruhigen oder zu überzeugen.

"Es muß nicht so sein!" schrie ich. "Und das hat nichts mit irgendwelchem Fortgehen zu tun!"

 

Maximus wirkte verunsichert.

 

"Es muß nicht so sein, und es hat auch nichts mit mir zu tun ... " wiederholte ich mit heiserer Stimme, die ich kaum als die meine erkannte.

Einer Stimme, die so heiser war, daß sie mehr einem Schluchzen als Worten glich.

"Julia ... "

Er versuchte, mich in den Arm zu nehmen, ich aber stieß ihn von mir.

"Es hat nichts mit mir zu tun ... das hatte es nie!"

Maximus runzelte die Stirn und warf mir einen argwöhnischen Blick zu.

Er hatte mich schon einmal auf diese Weise angesehen.

Das war in Moesia gewesen, nachdem ich Cassius erstochen und sein blutiger Leichnam zwischen

uns auf dem Boden gelegen hatte.

"Ich liebe Dich, Maximus", fuhr ich fort, als bemerkte ich den Argwohn in seinen Augen gar nicht. "Ich habe Dich geliebt, seit ich Dich das erstemal gesehen habe. Ich habe niemals einen anderen Mann geliebt und werde nie einen anderen lieben. Ich wünsche mir nichts auf der Welt mehr als mit Dir zusammen zu sein. Nichts!"

Während ich redete, packte ich seine Oberarme und versuchte, ihn zu schütteln - wie immer vergeblich.

Enttäuscht und wutentbrannt schlug ich wieder auf ihn ein.

Er hätte dem Schlag mit Leichtigkeit ausweichen oder meinen Arm festhalten können, denn obwohl die Wut mir Schnelligkeit und Stärke gab, war ich ihm nicht gewachsen. Aber er erlaubte mir, ihn zu schlagen, er nahm meinen Schlag entgegen, er nahm meine Wut entgegen, nahm sie ebenso vorbehaltlos an wie meine Zärtlichkeit und liebende Hingabe, ein Mann, der Manns genug war, auch den Schmerz anzunehmen, der die Liebe begleitet.

"Geld oder Reichtum oder was auch immer kümmern mich einen Dreck! Ich würde alles noch in diesem Augenblick zurücklassen, wenn Du nur mit mir kommen würdest ... Ich würde Dir mit bloßen Füßen in jeden Winkel des Reiches und über seine Grenzen hinaus folgen, und ich würde mich glücklich preisen, wenn ich an Deiner Seite wäre ... "

Flammen loderten in der Tiefe von Maximus' Augen auf, und dieses eine mal zwang ich mich, nicht darüber zu spekulieren, was sie zu neuem Leben erweckt hatte.

Es gab Dringenderes zu tun, als zu erraten, was er wohl für mich empfinden könnte.

"Aber Du hast mir Deine Gründe, warum Du nicht gehen willst, genannt, und ich respektiere sie ... Vielleicht stimme ich ihnen nicht zu, aber ich respektiere Deine Gründe. Die Götter allein wissen, daß ich mit den Konsequenzen werde leben müssen ... "

Er öffnete den Mund, aber bevor er noch etwas - irgend etwas - sagen konnte, brachte ich ihn zum Schweigen so wie er es vor kurzem bei mir getan hatte: ich legte meine Finger auf seine warmen Lippen.

"Es geht nicht um mich, Maximus", beharrte ich, "aber es muß nicht so sein ... "

Maximus schob meine Finger beiseite und ich ließ ihn gewähren.

"Julia, wovon sprichst Du?"

"Du kannst Deine Rache haben ... aber es muß nicht so sein ... Du mußt nicht Dein Leben hingeben, um mit Commodus abzurechnen ... Es braucht keinen Kampf um die Macht zu geben, keinen Bürgerkrieg und kein Chaos ... "

Er runzelte fragend die Stirn, und ich nahm seine Hand in die meine.

"Maximus, Du bist Roms wahrer Herrscher. Warum willst Du Dein Recht nicht einfordern?"

"Julia…"

"Hör mir zu! War es nicht das, was Markus Aurelius wollte? Machte er Dich nicht zu seinem einzigen rechtmäßigen Erben? Würde nicht der Imperator wollen, daß Du Dich seinem anmaßenden Sohn entgegenstellst und Rom aus seinen Händen rettest?"

Maximus schüttelte den Kopf, aber es war keine Geste der Ablehnung sondern eine der Verwirrung.

Ich bedrängte ihn heftiger, und ich haßte mich selbst für den Schmerz, den ich ihm zufügte, aber trotzdem zwang ich mich, es zu tun. Alles zu tun, was Maximus von dem Weg abbringen konnte, an dessen Ende allein der Tod auf ihn wartete.

"Du sagtest, Du hättest es nicht gewollt, Du hättest aber einem sterbenden Mann auch nicht seinen letzten Wunsch abschlagen können ... "

Der Pfeil traf ins Schwarze.

Maximus zuckte zusammen als habe ich ihn geschlagen.

Er sah betroffen aus.

 

Ob sein Blick nun im Erkennen meiner Skrupellosigkeit begründet war oder aber in der Erinnerung an die Last seiner eigenen ganz privaten Bürde - das war nicht von Bedeutung.

Es zählte nur eins.

Ihn zu retten.

Auch wenn es bedeutete, ihn zwar nicht an den Tod aber dafür an Rom zu verlieren.

"Maximus, Commodus hat Feinde. Und jeden Tag macht er sich neue ... Warum also sollte man Commodus' Verbrechen nicht öffentlich machen und Dein Recht einfordern? Warum sollte man ihn nicht zum Staatsfeind erklären und hinrichten lassen, wie es mit anderen Kaisern gemacht worden ist?" drang ich in ihn und grub dabei meine Nägel in seine Handflächen. "Tu es selbst, wenn Du willst! Stoß seinen Leichnam die Gemonische Treppe (*****) hinunter und brandmarke ihn so als den Verräter, der er ist. Ein Verräter und Vatermörder! Laß den Pöbel seine Leiche mit Haken zum Tiber schleifen und jede Erinnerung an ihn aus der römischen Geschichte tilgen! Du kannst Deine Rache haben, Maximus, aber Du mußt dabei nicht Deine Leben verlieren! Deine Rache kann eine viel größere sein: das letzte, was Commodus hier auf dieser Erde sieht, wirst Du sein wie Du auf seinem Thron sitzt! Nimm ihm alles, so wie er Dir alles genommen hat!"

Maximus schauderte, dann schloß er die Augen, und seine großen warmen Hände klammerten sich so fest um meine, daß meine Finger zu brechen drohten.

Ich ignorierte die Schmerzen und führte unsere verschlungenen Hände an meine Brust.

"Gewähre einem sterbenden Mann seinen letzten Wunsch ... ", flüsterte ich. "Fordere Dein Recht ein! Gib Rom wieder sein eigenes Selbst zurück! Und Du wirst dabei Deine Rache haben. Dann ... dann kannst Du machen, was Du willst ... Überlaß die Macht dem Senat! Besteig selbst den Thron! Kehr nach Spanien zurück! Tu was immer Du willst ... "

Und während ich noch sprach, wußte ich, daß ich mir, was diesen letzten Punkt anging, selbst etwas vormachte.

Sollte Maximus sein Recht einfordern, dann würde es für ihn nur einen Weg geben. Und dieser Weg würde ihn für immer von mir weg und hin zum Thron führen.

Eine Frau kann einen Mann an eine andere verlieren und immer noch hoffen, ihn wieder zurück zu gewinnen.

Wenn man ihn jedoch an Roma Dea - an Rom, die Göttliche - verliert, dann ist es für immer. Das können viele Frauen bezeugen: von Kleopatra, die Marcus Antonius an ihre Rache verlor, bis zu der Freigelassenen Antonia Caenis, welche Vespasian an den cursus honorum verlor (******).

 

"Ein Mann muß tun, was er tun muß … selbst wenn es nicht das ist, was er tun möchte…"

 

Maximus selbst hatte das gesagt, aber vermutlich wußte er nicht, wie viele Bedeutungen dieser Satz haben konnte!

In diesem besonderen Fall bedeutete es nicht nur, den Thron zu besteigen und die damit verbundene gefürchtete Bürde auf sich zu nehmen, die so viele Männer niedergedrückt und andere zu Opfern von Verrat und Mord gemacht hatte. Es bedeutete auch, daß er seinen Anspruch untermauern und sich der Unterstützung des Senats versichern mußte. Dies war für jeden Mann, der den goldenen Lorbeerkranz auf sein Haupt setzte, von entscheidender Bedeutung, aber besonders für einen wie Maximus, der keine politische Laufbahn in der Hauptstadt des Imperiums absolviert und dort auch keine Verbündeten hatte.

Erreichen ließ sich dies nur, indem er die Frau heiratete, deren kaiserliches Blut und politischer Einfluß ihm beides sichern konnte: die Dame Lucilla.

Ihn an Rom, die heilige Stadt, zu verlieren und ihn Lucilla zu überlassen war immer noch besser, als ihn an den Tod zu verlieren ...

 

Eine Frau muß tun, was sie tun muß ... selbst wenn es nicht das ist, was sie tun möchte.

 

(****) Ludus Magnus Gladiatoris: Lateinischer Name des Gebäudekomplexes, in dem die aus den Provinzen nach Rom gebrachten Kämpfer während der Spiele untergebracht waren. Die noch vorhandenen Ruinen kann man an der Via Labicana hinter dem Kolosseum und gegenüber den Ruinen des Goldenen Hauses und seiner Gärten sehen.

(*****) Gemonische Treppe: "Gemoniae Scalae" (Lateinisch). Eine Treppe an den Hängen des Capitolinischen Hügels, auf der die Leichen jener, die als Verräter hingerichtet worden waren, dem öffentlichen Spott preisgegeben wurden, bevor man sie hinab zum Tiber schleifte.

(******) Cursus Honorum (Lateinisch): die Ehren-Laufbahn oder das Erklimmen der formalen Karriereleiter römischer Männer aus der Klasse der Senatoren und Ritter. Es handelte sich um ein bis ins Kleinste gegliedertes System, welches jenen, die ein politisches Amt anstrebten, eine Reihe von Pflichten und Beschränkungen auferlegte. Eine davon besagte, daß ein Mann aus der Klasse der Senatoren keine Freigelassene heiraten durfte. Eine andere, daß sie verheiratet sein mußten, um in ein Amt gewählt werden zu können. Antonia Caenis, eine hochgebildete kaiserliche Freigelassene, war während seiner Jugend Vespasians Geliebte, aber er war gezwungen, sie zu verlassen, und eine Frau seines Standes zu heiraten - Flavia Domitilla. Trotzdem hatte die Geschichte ein Happy End: Jahrzehnte später, als Vespasian ein berühmter ehemaliger Konsul Ende vierzig war und seine Frau starb, zog er mit Antonia Caenis zusammen und lebte offen mit ihr bis zu ihrem Tod. Er weigerte sich, wieder zu heiraten, selbst als er römischer Kaiser wurde.

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