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Kapitel
1 - Spanien Maximus Decimus Meridius saß an einem felsigen Strand, die starken Arme um seine angezogenen Knie gelegt. Der warme Wind hob sein dichtes, dunkles und gewelltes Haar und zerwühlte es, aber sein Blick blieb ständig auf den fernen Horizont des Mittelmeers gerichtet. Die blau-grünen Wellen spiegelten sich in seinen Augen, die die gleiche Farbe besaßen. Die heiße Sonne hatte seine Haut gebräunt und der vierzehnjährige Junge strotzte vor Gesundheit und Stärke. Er liebte diesen Teil Spaniens, den Süden, in der Nähe von Saguntum, wo sich der Stand endlos in beide Richtungen hinzog. Und das, obwohl dieser Teil des Landes sich stark von den zerklüfteten Bergen im Nordosten unterschied, wo er geboren war und seine frühe Kindheit verbracht hatte. Maximus sah sich bereits als Mann, wenn auch ein junger, da er schon jetzt mehr Schwierigkeiten überwunden hatte als die meisten Jungen seines Alters. Er legte das Kinn auf die Knie und ließ seine Erinnerungen zurück zu Bildern aus seiner Kindheit wandern, Erinnerungen, welche er sonst immer in den hintersten Winkel seines Verstandes verbannte. Er konnte sich sein Haus deutlich vorstellen ein kleines, behagliches Gebäude aus Holz und rosanen Steinen, umringt von üppigen Gemüse-, Obst- und Kräutergärten. Hinter dem Haus lagen grüne Weiden, voll mit Kühen, Pferden, Schafen und Ziegen. Er konnte fast deren beißenden Geruch wahrnehmen. Die Wiesen waren übersäht von farbenfrohen Blumen und flauschige, weiße Wolken hingen am Himmel. In der Ferne schimmerten steinige Hügel lila -- dort wo sie den dunkelblauen Himmel küssten. Maximus legte seinen Kopf zur Seite und lauschte. Seine Augen waren ins Leere gerichtet. Er konnte die dunkle Stimme seines Vaters hören. Sein Vater lachte, wie er es immer getan hatte und Maximus liebte die Wärme dieser tiefen, grollenden Töne. Die Stimme seiner Mutter erklang, wie eine sanft klingende Glocke. Was sie sagte war unverständlich, aber Maximus wusste, dass sie seinen jüngeren Bruder Julius rief, der mit dem Hund der Familie im Hof spielte. Der junge Soldat drehte die Wange in Richtung der Knie und schloss die Augen, um die Erinnerungen wie Wellen über sich hinweggleiten zu lassen. Wellen, so warm wie das Wasser, welches an seine Zehen brandete und den unteren Teil seiner Beine mit salzigem Schaum bedeckte. Die Flüssigkeit auf seinen Knien kam jedoch nicht vom Meer. Er hob den Kopf und rieb sich mit den Handflächen ungeduldig die Augen. Sein Blick glitt zurück zum Horizont. Maximus wurde von der Einsamkeit fast überwältigt, als er die Weite der Welt um ihn herum betrachtete. Er war nun seit fast sechs Jahren ohne Familie, seit seine Eltern und sein Bruder in dem schrecklichen Feuer umgekommen waren. Maximus hatte in dieser schicksalhaften Nacht Freunde besucht und war so einem furchtbaren Tod entronnen. Aber etwas in ihm war mit seiner Familie gestorben und hatte den sorglosen Jungen für immer verändert. Nachbarn hatten versucht ihn davon abzuhalten, die Unglücksstelle zu sehen -- sie wollten ihm den Anblick der verkohlten Überreste seines Zuhauses und seiner Liebsten ersparen -- aber er hatte Tage damit zugebracht, die Asche nach Spuren von ihnen zu durchsuchen. Er fand nur eines, was noch erkennbar war: den Zahn einer Echse, welcher seines Bruders hochgeschätzter Besitz gewesen war. Seitdem trug er den Zahn an einem Lederband um seinen Hals. Weit entfernte Verwandte aus einem abgelegenen Bergdorf hatten ihn zu sich genommen. So war er Teil einer Familie mit neun Kindern geworden und hatte sich trotz der ständigen Anwesenheit der anderen mehr alleine gefühlt als jemals zuvor. Er arbeitete hart, um seiner Großtante und seinem Großonkel ihre Freundlichkeit zu vergelten -- er erledigte jede Aufgabe, die sie an ihn stellten. Bald wusste er genug über das Leben auf einem Bauernhof, um dessen gesamte Organisation übernehmen zu können. Oft wurde ihm die ganze Verantwortung übertragen, wenn sein Onkel die Erzeugnisse in der Stadt verkaufte. Seine älteren Cousins hatten Einwände, aber diese wurden nicht beachtet. Das Schicksal sollte sein Leben jedoch abermals verändern. An einem kalten Herbsttag bat sein Onkel Maximus, ihn auf einer längeren Reise über die Berge zu begleiten. Er wusste, dass der kräftige Junge sehr wohl in der Lage war, ihm zu helfen, Räuber und Diebe während der Reise über die Pässe abzuwehren. Sie waren fast an ihrem Ziel angekommen, als sie Reihe auf Reihe weißer Zelte Hunderte von ihnen -- mit der Flagge Roms vor sich sahen. Soldaten in Rüstungen gingen ihren Aufgaben nach und würdigten den Mann und den Jungen auf dem Wagen keines weiteren Blickes. Aber Maximus war wie gelähmt. Er hätte sich nie etwas so Wunderbares wie dieses Armeelager mit seinen schnalzenden Fahnen und leuchtenden Waffen vorstellen können. Er bat seinen Onkel, für einen Moment anzuhalten und saß so ruhig wie eine Marmorstatue, während er jedes Detail des Lagers in sich aufnahm. Er sah Männer verschiedener Größe und Gestalt außerhalb ihrer Zeltes sitzen, während sie sich ihr Abendessen zubereiteten. Sein Blick wurde in eine Richtung gezogen, in der sich geschäftige Aktivität abspielte und er war überrascht, dort gleichaltrige und jüngere Jungen zu sehen, die Schalen mit dampfendem Eintopf und frischgebackenes Brot an die Soldaten verteilten. Dann fielen ihm noch andere Jungen auf; einige polierten Rüstungen, andere versorgten Pferde. Sie lachten und machten Witze und schienen ganz und gar in Einklang mit ihrem Platz in der Welt zu leben. Ein großer Mann in schimmernder Rüstung mit einem kostbaren Wolfspelz über den Schultern bewegte sich leichtfüßig inmitten der Männer. Sein Umhang wehte hinter ihm, als er in langen, selbstsicheren Schritten näher kam. Ein General. Er musste ein General sein, dieser großartige Mann voller Stolz und Zuversicht, was sich in seiner Haltung ausdrückte. Plötzlich erfasste der überwältigende Wunsch Besitz von Maximus, Teil dieser glorreichen Armee zu werden. Er stöhnte fast vor Schmerz auf, als sein Onkel die Zügel knallen ließ um die Pferde anzutreiben und er drehte sich auf dem Sitz um, bis das Lager hinter einer Kurve in der Straße aus seinem Blickfeld verschwand. Als Maximus sich dann wieder langsam zurückdrehte, sah sein Onkel in das resolute Gesicht des Jungen und der alte Mann wusste sofort, dass er ohne ihn nach Hause zurückkehren würde.
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Kapitel 2 - Das Lager Maximus fand sich leicht im Armeeleben zurecht. Er spürte, dass er wieder ein neues Zuhause gefunden hatte. Er gehörte hierher, zu diesen kräftigen Männern und ihrem Versprechen, die Glorie Roms zu verteidigen. Rom war ein Ort, den sich Maximus kaum vorstellen konnte. Als Neuling wurden ihm zuerst die niedrigsten Arbeiten zugeteilt, z.B. die Ställe auszumisten, aber er mochte es und war fest entschlossen, der beste Stallausmister zu werden, den die Armee je gehabt hatte. Seine Entschlossenheit wurde nicht übersehen und so wurde er bald mit bedeutenderer Arbeit betraut. Zu dieser Arbeit gehörte es, für die Pferde zu sorgen und die Rüstungen der Soldaten zu polieren. Nur den besten Jungen wurden solche Arbeiten übertragen und er erledigte sie voller Stolz. Da er eine rasche Auffassungsgabe besaß, wusste Maximus bald genauestens darüber Bescheid, wie das Lagerleben funktionierte und wenn er gerade nicht arbeitete, beobachtete er heimlich die Dinge, bei denen keiner der Jungen mitmachen durfte: die Übungen der Soldaten mit ihren bedrohlichen Waffen. Er wusste, wie schwer sie waren und staunte über die Art, wie die Männer sie schwangen - als ob sie aus Holz wären. Die einzigen Hinweise auf den Kraftaufwand der Männer waren die Grunzer und Schreie, die tief aus ihren Kehlen kamen, als Stahl auf Stahl schlug und Funken sprühten. Die Armee war in Toletum in der Mitte Spaniens gewesen und viele der Rüstungen und Waffen waren dort erst kürzlich aus dem feinsten Stahl des gesamten Imperiums geschmiedet worden, um den neuen Caesar, Marcus Aurelius, zu ehren. Dieser war der adoptierte Nachfolger des verstorbenen Antoninus Pius. Das Lager in der Nähe des Meeresstrandes war nur ein Übergangslager und jeder wusste, dass sie bald wieder nach Norden ziehen würden, um dort Aufstände der nördlichen Stämme zu unterdrücken, welche von dem Machtwechsel in Rom profitiert hatten. Es gab sogar Gerüchte, dass Caesar das Lager besuchen würde, sobald er seine vielen Legionen inspiziert hatte. Das Lagerleben bedeutete nicht nur Arbeit. Während der Abendstunden saßen die Männer um die Feuer und unterhielten sich leise oder sie vertrieben sich die Zeit mit weniger gefährlichen Spielen, die mit Würfeln und Steinen zu tun hatten. Maximus war sich sehr wohl bewusst, dass nachts einige der ortsansässigen Frauen das Lager besuchten und er sah Soldaten, die mit ihnen in den Zelten verschwanden. Es ging immer nur einer mit hinein, nur um Minuten später wieder herauszukommen. Dabei kratzten sie sich ihre Bäuche und lachten, während ein anderer ihren Platz einnahm. Maximus wusste, was in diesen Zelten vor sich ging, genauso wie die anderen älteren Jungen. Aber sie verstanden nur in groben Zügen, was zwischen Männern und Frauen passierte. Er und seine beiden engsten Freunde, Lucius und Quintus, saßen mit dem Rücken an Heuballen gelehnt und beobachteten die lange Reihe der Männer, die das Zelt betraten und verließen. Quintus, ein Jahr älter als seine Gefährten, hatte kühn versucht, sich in die Reihe zu stellen, aber war mit Ohrfeigen zurück an seinen Platz neben den Jungen befördert worden begleitet von viel Gelächter und Spott der Männer. Mit fünfzehn trainierte Quintus bereits mit richtigen Waffen und hielt sich selbst beinahe für einen Mann. Er saß neben seinen Freunden und kochte vor Wut und Verlegenheit. Lucius brach das Schweigen. "Sie brauchen nicht sehr lange, nicht wahr? Sogar Hunde brauchen länger..." Maximus und Quintus drehten beide ihre Köpfe, um ihn anzuschauen und Quintus grinste. "Es braucht eben so lange, wie es braucht." Quintus stammte aus Rom und betrachtete sich selbst als weit über seinen Gefährten stehend, die beide aus den Provinzen kamen. Lucius z.B. war im nahe gelegenen Aquitanien geboren. Es gab eine gewisse Rivalität unter den Jungen, die alle wussten, dass die Armee ihr Leben für viele Jahre bestimmen würde. Sie wetteiferten alle um die Arbeiten mit dem größten Prestige. Sie wussten, dass in den folgenden Jahren die Führer der Armee aus ihren Reihen kommen würden und sie waren bemüht, den besten Eindruck bei den wichtigsten Leuten zu hinterlassen. Der Idealfall war, aus der Gruppe herausgenommen zu werden um einem hochrangigen Offizier zu dienen und in dessen Unterkunft zu leben. Quintus war sich sicher, dass seine Zeit bald kommen würde, da er nun schon in der Armee gedient hatte, seit er neun Jahre alt war. Maximus schaute Quintus in die Augen und sagte leise: "Du weißt auch nicht mehr über dieses Thema als er, Quintus." Der überlegene Ton des älteren Jungen konnte sehr schneidend sein, aber er beeindruckte Maximus nie, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Quintus an seinen Platz zu verweisen, wann immer er die Notwendigkeit dazu sah. "Und ich nehme an, dass du es weißt?" "Das habe ich niemals behauptet." Quintus wusste, wann er einen Streit mit Maximus verlor, da das häufig passierte. Der Spanier schien den "Späßen" des älteren Jungen gegenüber unzugänglich zu sein und er wusste, wie man Quintus mit einer ruhigen Aussage zum Schweigen brachte. Quintus entschied sich dafür, das Thema zu wechseln. "Ich habe gehört, dass nun bald junge Soldaten ausgesucht werden, um den höchstrangigen Offizieren zu dienen. Das gilt auch für General Patroclus." Quintus lächelte. "Dieser Job wird mir gehören, wartet es nur ab." Maximus sagte nichts. Er hatte das gleiche Gerücht gehört. "Mir würde das auch gefallen" sagte Lucius. "Und was hast du getan, um irgendjemanden zu beeindrucken?" fragte Quintus. Lucius wurde jetzt langsam böse. "Ich bin so gut wie jeder andere hier. Ich arbeite hart. Ich bin schlau und ich sehe besser aus als du." Maximus brüllte vor Lachen über Lucius` direkten Treffer gegen Quintus` Selbstgefälligkeit. "Worüber lachst du denn, Maximus? Als ob dich irgendjemand zweimal ansehen würde!" Quintus sprang auf die Füße und raste davon. Er wollte es nicht riskieren, seinem Kameraden das letzte Wort zu überlassen. Maximus schlug Lucius auf das Knie. "Dieses Mal hast du ihn erwischt, mein Freund. Gut für dich." "Manchmal hasse ich ihn." "Oh, er ist in Ordnung. Er ist nun schon eine geraume Zeit länger hier als wir und er denkt, er hätte ein paar Rechte mehr, nehme ich an. Er ist auch ein sehr guter Soldat, Lucius, ein sehr guter." "Du bist genauso gut wie er." "Vielleicht, aber bis jetzt hatte ich noch nicht die Gelegenheit, mit irgendetwas anderem als hölzernen Schwertern zu kämpfen. Es wird trotzdem nicht mehr lange dauern." "Willst du versuchen, eine Stelle bei einem der Offiziere zu bekommen?" "Ja." "Bei wem?" "General Patroclus." Lucius sah seinen Freund überrascht und bewundernd an. Er jedenfalls hatte keine Zweifel, dass Maximus für größere Dinge bestimmt war. Es war in jeder Faser seines Wesens, seiner Stimme, seiner Haltung, seiner Einstellung. Es war einfach nur eine Frage der Zeit.
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Kapitel 3 - Hercules "Hierher, Junge. Komm hierher, Junge." Maximus hielt seine Hand auf und lockte den großen grauen Hund mit einem Stück Fleisch. Der Hund lag außerhalb des Zeltes seines Herrn, um immer sofort jeglichen Befehlen des Generals folgen zu können. Seine großen Ohren neigten sich nach vorne und seine Nase zuckte, während er in der Luft herumschnüffelte. Als er eine Entscheidung getroffen hatte, erhob er sich faul und trottete schwerfällig vorwärts, um seine Zunge auszustrecken und das Fleisch von der ausgestreckten Hand herunter zu schlecken. Maximus schaffte es, den großen Kopf des Tieres schnell zu tätscheln, bevor es sich umdrehte und seinen Platz vor der Tür seines Herrn wieder aufnahm. Der Junge ging in die Hocke und sprach leise über nichts Besonderes mit dem Hund. Die meisten Menschen im Lager fürchteten sich vor dem Tier, da er wie ein großer Wolf aussah. Selten verließ der Hund seinen Platz an der Seite seines Herrn. Er begleitete ihn sogar in die Schlacht. Maximus hatte nun schon tagelang kleine Stücke seiner Mahlzeiten zurückbehalten, um kurz vor Beginn der Nacht zum Zelt zu schleichen und den Hund damit zu locken. Die ersten paar Male war er ignoriert worden, aber nach und nach gewöhnte sich das Tier an ihn und bald, so hoffte er, würde der Hund zu ihm kommen, ohne dass ihm geschmeichelt werden musste. Er hatte nicht viel Zeit. In der darauffolgenden Woche standen alle Jungen des Lagers besonders früh auf und badeten ausgiebig, zähmten widerspenstiges Aussehen mit Wasser und Spucke. Stiefel waren in der Nacht zuvor poliert worden und standen jetzt wartend am Ende eines jeden Feldbettes. Sie unterhielten sich nervös, als sie sich für die kommenden Tagesereignisse vorbereiteten. Sie wussten, dass innerhalb weniger Stunden einige Glückliche unter ihnen ihr gemeinsames Zelt verlassen würden, um in vornehmere Quartiere umzuziehen. Am Vormittag standen sie dann in einer langen Reihe in Hab-Acht-Stellung, während die Offiziere, die neue Soldaten für ihr Gefolge brauchten, die Blicke über sie schweifen ließen. Maximus betete, dass er nicht ausgesucht werden würde und hielt den Kopf gesenkt, bis er die Stimme hörte, auf die er gewartet hatte. Am Kopfende der Reihe, mit nicht mehr als fünf Jungen zwischen ihm und Maximus, stand der General, der an diesem Morgen ganz zwanglos in eine lederne Rüstung gekleidet war. Neben ihm befand sich der Hund. Der General schritt langsam die Reihe ab und lächelte jeden Jungen freundlich an, während er ein paar anerkennende Worte sprach. Als er näher kam, wackelte Maximus mit den Fingern und seine Bemühungen wurden belohnt, als der Hund auf der Stelle stehen blieb und Maximus` Hand anstarrte, seine Ohren nach vorne gelegt. Er sah seinen Herrn für einen Moment unsicher an, dann sprang er zu Maximus hinüber und vergrub seine Nase in dessen Hand. Der General blieb stehen und betrachtete erstaunt die Szene. Dann ging er sofort auf den Jungen zu. "Magst du meinen Hund, Maximus?" "Ja, General." Der General wusste seinen Namen? "Die meisten Menschen haben ziemlich viel Angst vor ihm." "Ich nicht, General." Maximus wagte es nicht, dem Mann ins Gesicht zu sehen und hielt die Augen in Brusthöhe gesenkt. "Nein, das kann ich sehen. Kennst du seinen Namen?" "Nein, Gen- ." "'Nein' genügt, Maximus." "Nein." "Er heißt Hercules. Ich habe ihn noch nie vorher von meiner Seite weichen und so zu jemandem hinlaufen sehen. Der Hund wird zu fett, da ihm das Training fehlt und er würde niemals mit irgendjemand anderem mitgehen. Glaubst du, du könntest diese Aufgabe übernehmen, Maximus, auf Hercules aufpassen?" "Ja. Es wäre mir eine große Ehre. Ich liebe Hunde, und Pferde auch." General Patroclus kicherte. "Nun, lass uns erst mal mit dem Hund beginnen. Lauf los und hole deine Sachen und melde dich dann in meinem Quartier. Einer der Männer dort wird dir zeigen, wo du dich einrichten kannst." Maximus ließ einen großen Seufzer der Erleichterung entweichen. Er wagte es, seinen Blick für einen Moment in das Gesicht des Generals zu heben. Mit großem Ernst sagte er: "Danke. Sie werden ihre Entscheidung nicht bereuen." Der General lächelte und entließ ihn. Dann ging er weiter die Reihe der Jungen entlang. Es war eine leichte Entscheidung gewesen. Der junge Maximus hatte schon vor längerem seine Aufmerksamkeit erregt. |
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Kapitel 4 - Die Kaiser Das Leben im Praetorium -- das war das Gebiet im Lager, wo das Zelt des Generals aufgestellt war -- unterschied sich sehr von dem Leben im Bereich der Jungen. Maximus benötigte ein paar Tage, um sich einzugewöhnen. Er vermisste Lucius und sogar Quintus, welche beide ausgesucht worden waren, um hochrangigen Offizieren zu dienen. Er vermisste sie, obwohl sie jeden Abend Zeit miteinander verbrachten. Zuerst verhielt sich Quintus sehr kühl und beschuldigte Maximus des Betrugs, aber insgeheim war er eifersüchtig auf Maximus, weil dieser und nicht er selber sich die List ausgedacht hatte. Langsam entwickelte sich eine starke Rivalität zwischen den Jungen. Nun war ihnen Maximus schon einen Schritt voraus. Maximus ging mit den Aufmerksamkeiten für Hercules verschwenderisch um. Bald waren er und der Hund die besten Freunde. Sie unternahmen zusammen lange Ausflüge und hielten oft am Strand an, um in den Wellen herumzutollen. Hercules verlor das gewünschte Gewicht und Maximus gewann an Stärke und Ausdauer gegenüber den anderen Jungen, welche mehr herumsaßen als er. Auch begann er in die Höhe zu schießen und seine Stimme brach, wobei sie gelegentlich kaskadenartig zwischen dem niedrigen Klang der Stimme seines Vaters und hohen Quietschern hin und her wechselte. Das war ihm natürlich schrecklich unangenehm. Der General, der sehr nett aber gedankenverloren war, bemerkte schließlich die Veränderungen sowohl in dem Hund als auch in dem Jungen und übertrug Maximus zusätzlich die Sorge für sein wundervolles graues Pferd, Sparta. Da er nun ständig in der Nähe des Generals arbeitete, sah Maximus das unentwegte Kommen und Gehen der Offiziere, die sich mit ihrem Führer beratschlagten. Bald kannte er deren Namen und Ränge. Oft trafen Kuriere mit Mitteilungen anderer Führer aus allen Teilen des Imperiums ein. An einem warmen Herbsttag ritt ein Kurier in vollem Galopp ins Lager, sein erschöpftes Pferd in Schweiß gebadet. Er wurde eilig in das Zelt des Generals geführt und Maximus wurde losgeschickt, um für das ausgelaugte Tier zu sorgen. Am nächsten Morgen befahl man ihm, das nun ausgeruhte Pferd zu holen und er hielt das Tier, damit der Kurier aufsteigen konnte. Währenddessen erteilte der General dem Kurier die Anweisung, sich bei der Beförderung seiner Post zu beeilen. Die Kaiser könnten sonst im Lager eintreffen, bevor die Nachricht ihr Ziel erreichte. Eintreffen? Die Kaiser kamen hierher? An diesem Abend suchte Maximus Lucius und Quintus auf, um ihnen die Neuigkeiten mitzuteilen. "Lucius Verus kommt? Wisst ihr, ich wurde nach ihm benannt", sagte Lucius voller Stolz. "Vor einer Weile war er für kurze Zeit Kaiser und ich wurde nach ihm benannt." "Ich verstehe nicht, warum es zwei Kaiser gibt", gab Quintus zu. "Ich glaube, Marcus Aurelius und Lucius Verus sind Brüder die adoptierten Söhne des Antoninus Pius, der vor ein paar Monaten gestorben ist. Vielleicht konnte er sich nicht entscheiden, welcher der beiden nach ihm regieren sollte also hat er sie beide zu seinen Nachfolgern bestimmt", sagte Maximus. "Das hört sich richtig dumm an. Was, wenn sie nicht einverstanden sind?" fragte Quintus voller Erstaunen. "Wer hat dann das letzte Wort?" Maximus zuckte mit den Schultern. "Vielleicht der älteste." "Wer ist der älteste?" fragte Quintus. Maximus zuckte abermals mit den Schultern, aber Lucius legte los: "Wahrscheinlich Lucius Verus, weil er ja vor einer Weile schon mal Kaiser war. Ich wurde nach ihm benannt, wisst ihr." "Wir wissen es", sagten Maximus und Quintus wie aus einem Munde. "Ich frage mich, wann sie eintreffen?" sagte Quintus. "Bald, denke ich. Im Praetorium arbeiten sie Tag und Nacht, reparieren Zelte und geben sich Mühe, alles richtig hübsch aussehen zu lassen -- neue Stoffe, Lampen und Betten. Alles wird poliert und gereinigt." "Du wirst sie sehen können", sagte Quintus mit einer Spur von Neid. "Wir alle werden sie sehen können." "Nicht so aus der Nähe wie du." "Ich möchte Lucius Verus aus der Nähe sehen", pflichtete Lucius bei. "Ich wurde nach ihm ben..." Ein scharfer Blick von Maximus ließ ihn mitten im Satz anhalten. Lucius blieb für einen Moment still, bevor er sehr vorsichtig von Neuem begann: "Ich frage mich, wie sein Pferd wohl aussieht. Ich frage mich ..." Dieses Mal unter-brach ihn der Ton eines Signalhorns. Es war das Zeichen für alle Männer, zu ihren Zelten zurückzukehren und sich für die Nacht vorzubereiten. Die Jungen sagten sich schnell Auf Wiedersehen und eilten dann in drei verschiedenen Richtungen in die dunkle Nacht davon.
Vier Tage später machte ein weiteres Signal die gut vorbereitete Legion auf
das Nahen der Kaiser aufmerksam. Infanterie und Kavallerie verteilten sich
schnell auf ihre Plätze auf beiden Seiten der Straße. Maximus stand an der
Seite und etwas hinter dem General, bereit die Zügel der Kaiserpferde zu
empfangen. Neben ihm stand Lucius, auf Maximus` spezieller Bitte hin. Der
General sah großartig aus, gekleidet in seiner besten Rüstung mit den
vorzüglichsten Pelzen. Maximus an seiner Seite strahlte vor Stolz. Soldaten verneigten sich vor der näherkommenden Gruppe und das Wort "Hoheit" kam feierlich aus Tausenden von Kehlen. Es war unmöglich, Einzelheiten der Bilder zu erkennen, die vor seinen Augen wogten: tänzelnde, weiße Pferde mit federgeschmückten Harnischen, schwer bewaffnete Mitglieder der Praetorianergarde in langen, schwarzen Mänteln, Standartenträger, Trompeter alle wirbelten vor seinen Augen durcheinander. Maximus konzentrierte sich wieder auf den prächtigen Adler hoch über seinem Kopf und war momentan verwirrt, als sich der Adler in den Kopf eines schnaubenden weißen Pferdes verwandelte und schließlich in das Gesicht eines Mannes. Dieser trug einen goldenen Lorbeerkranz auf dem Haupt das Symbol seiner Macht. Maximus starrte den Mann ehrfürchtig an, der in aufrechter Haltung auf seinem Pferd saß. Er war in königliches Purpur und eine goldbesetzten Rüstung gekleidet. Diese war verschwenderisch mit Machtsymbolen dekoriert. Kaiser Marcus Aurelius zügelte vor dem General sein Pferd, warf dann einen flüchtigen Blick auf Maximus und lächelte auf den Jungen hinab, der ihn aus großen blauen Augen ansah. Plötzlich wich Maximus zurück und senkte das Kinn auf die Brust, als der Soldat, der hinter ihm stand, ihm einen kräftigen Schlag zwischen die Schulterblätter versetzte. Er errötete und erkannte voller Wut, dass er es gewagt hatte, den Kaiser so zu begrüßen, als ob sie einander ebenbürtig wären. Ein leises Gelächter wehte über seinen Kopf hinweg und Maximus begann vor Besorgnis zu zittern. Marcus Aurelius stieg graziös von seinem Pferd. Er kam näher, bis seine Stiefelspitzen den Boden verbargen, der im Blickfeld des jungen Soldaten lag. Hinter ihm stieg ein ähnlich gekleideter Mann ab und begrüßte den General, der sich vor ihm verneigte. "Wie heißt du, Junge?" Der Kaiser sprach ihn an? Maximus atmete heftig und versuchte, seiner Stimme einen festen Klang zu verleihen, aber seine Antwort klang wie ein leises Quietschen: "Maximus, eure Hoheit." "Maximus! Was für ein großartiger Name für jemanden, der so jung ist. Sieh mich an, junger Mann." Langsam hob er den Blick, den Kopf noch immer gesenkt, bis er erkannte, wie furchtsam er erscheinen musste. Deshalb hob er das Kinn nach oben, bis er wieder in die fröhlichen Augen des Kaisers blickte. Marcus streifte sich durch den graubraunen Bart, während er das junge Gesicht mit dem offenen Blick betrachtete. Sein Ton wurde ernst. "Und hast du vor, die Erwartungen zu erfüllen, die dein eindrucksvoller Name an dich stellen, Sohn?" Maximus nickte mit derselben Ernsthaftigkeit und mit großer Überzeugung. "Ja, Hoheit, das habe ich. Ich habe vor, ein großer Soldat zu werden." Gelächter brandete unter den Männer des Kaisers auf und Maximus fühlte die Röte wieder in sein Gesicht zurückkehren. Trotzdem hielt er weiterhin Caesar's Blick stand. Marcus beugte sich nach vorn und griff nach den Schultern des Jungen, wobei er sich über die Stärke wunderte, die er in solch einem jungen Mann feststellen konnte. "Ohne Zweifel wirst du einer werden, mein Junge, ohne Zweifel. Ich werde starke Soldaten wie dich brauchen und ich weiß, dass das Imperium in solch fähigen Händen, wie du sie hast, sicher sein wird." Maximus starrte ihn fassungslos an. "Nimm jetzt mein Pferd, Maximus", sagte Marcus, als er die Zügel an den jungen Soldaten weitergab. "Ich bin mir sicher, ich kann ihn dir anvertrauen." "Ich werde ihn mit meinem Leben beschützen, Hoheit", antwortete Maximus und verneigte sich abermals. "Vater, was ist mit meinem Pferd?" Die süße, weibliche Stimme erklang hinter dem Kaiser und drang an Maximus' Ohren. Marcus trat einen Schritt zur Seite und ein weiteres, vollkommen weißes Ross kam zum Vorschein. Es war kleiner als sein eigenes. Auf diesem saß das lieblichste Mädchen, das Maximus jemals gesehen hatte. Er schätze sie auf ein paar Jahre jünger als er selbst, aber sie saß auf ihrem Pferd wie eine erwachsene Dame. Unter ihrem blauen, pelzbesetzten Kapuzenmantel fielen weiche, braune Locken auf ihre Schultern und sie blickte Maximus mit neugierigen, grünen Augen an. Als sie ihn so betrachtete, erschien langsam ein Lächeln auf ihren Zügen und er fluchte leise, als es wieder warm in seinem Nacken zu werden begann. Er glühte förmlich vor Verlegenheit. Marcus betrachtete stolz seine Tochter. "Lucilla, ich bin sicher, dass Maximus genug mit meinem Pferd zu tun haben wird. Ein anderer Soldat kann sich um deines kümmern", sagte er neckend. "Ich werde mit beiden fertig, Herr", warf Maximus schnell ein. "Ich bin es gewöhnt mit Pferden umzugehen." General Patroclus hielt seine geöffnete Hand vor den Jungen, um ihn zu warnen, nicht weiterzusprechen. Marcus sah von dem Jungen zurück zu seiner hübschen Tochter, deren Blick nicht von Maximus gewichen war. "Nun, dann, ich bin sicher ...." "Vater! Was dauert denn solange?" erklang eine weinerliche Stimme hinter Lucilla. Maximus folgte Lucilla's Blick, die sich umdrehte, um ihren jüngeren Bruder anzusehen. Der Junge machte ein wenig einladendes, finsteres Gesicht und trat seinem schwarzen Pferd hart in die Seite. Das Tier schnaubte und tänzelte, während er es vorwärts trieb auf einen Platz neben seiner Schwester. Als Lucilla's Blick wieder zu Maximus zurückkehrte, richtete ihr Bruder seinen Missmut auf den jungen Soldaten, der ihn gelassen ansah. Maximus hatte bereits erraten, dass die beiden Bruder und Schwester waren, noch bevor Marcus Aurelius seinen Sohn ansprach. "Commodus", warnte der Kaiser, "nicht in diesem Ton. Dafür gibt es keinen Grund." "Sieh ihn dir doch an", Commodus knurrte Maximus an. "Er hat sich noch nicht einmal vor mir verneigt!" Maximus erkannte seinen Fehler und ließ den Blick zu Boden sinken. Über ihm hörte er den Kaiser seufzen und fühlte auf seiner Schulter noch einmal die sanfte Berührung der Hand, die ihn beruhigend drückte. "Er ist müde, Sohn, für einen Siebenjährigen war es eine lange Reise." Der Kaiser griff nach oben und umfing Lucilla um die Taille, um sie sanft auf den Boden zu stellen. Mit einem Zwinkern übergab er die Zügel ihres Pferdes an Maximus. Dann drehte er sich nach Commodus um und hob ihn herunter, gab aber die Zügel dieses Pferdes einem anderen Soldaten. Mit einem Kind an jeder Hand begrüßte der bedeutende Mann schließlich den General. Dann drehte er sich um, um sich zu dem wartenden Lucius Verus zu gesellen und führte seine Kinder zu der Unterkunft des Patroclus. Lucilla warf einen letzten schnellen Blick auf Maximus, bevor sie sich ebenfalls umdrehte und glücklich neben ihrem Vater einherhüpfte. Sofort klopften Hände auf seinen Rücken und Fäuste knufften sein Kinn, während die Soldaten ihn gnadenlos aufzogen. "Hey, Maximus, vielleicht hofft sie ja, dass du deinem Namen ebenfalls Ehre machst", lachte eine bekannte Stimme hinter ihm schallend. Maximus wirbelte herum, um sich seinem Freund zu stellen. Deutlich stand Zorn in seinem jugendlichen Gesicht geschrieben. "Halt dich zurück, Lucius", brummte er. "Sie ist eine Dame. Sprich nicht so über sie." Lucius wich einen Schritt zurück. Er erlebte Maximus nicht oft zornig, aber wenn, dann zogen sich manch junge Soldaten abrupt zurück. Es gab da etwas an Maximus, das die anderen Jungen nicht herausfordern wollten. Wie gewöhnlich lichteten sich die dunklen Wolken um Maximus' Stirn jedoch recht schnell und wurden von einer unerschütterlichen Entschlossenheit ersetzt. "Ich habe Arbeit zu erledigen, Lucius, und du auch." Maximus betrachtete den großartigen, rotbraunen Hengst des Kaisers Lucius Verus, dessen Zügel Lucius fest in seiner Hand hielt. "Und du auch." Lucius zuckte mit den Schultern, froh darüber, nicht mit seinem Freund zu streiten. Diese Streitigkeiten gewann er nie. "Wir machen uns besser an die Arbeit." "Gut. Folge mir." Maximus machte mit den beiden Pferden kehrt und ging in Richtung der Ställe, fest entschlossen, die Tiere solange zu striegeln, bis sie glänzten. Als er so ging, dachte er über die gütigen Augen nach, die seinem Blick standgehalten hatten, die neckende Stimme und die sanfte Berührung. Es war schon so lange her, seit ihn irgendjemand "Sohn" genannt hatte. |
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Kapitel 5 - Lucilla Die königliche Familie blieb drei Tage im Lager, um sich auszuruhen und den beiden Kaisern Gelegenheit zu geben, sich mit einem der besten Generäle der Armee, Patroclus, zu unterhalten. Sie verließen das Praetorium nicht oft, welches zu Ehren des königlichen Besuchs verschwenderisch ausgestattet worden war. Sogar Maximus hatte neue Kleidung und Stiefel erhalten. Das war auch gut so, da er ständig aus Kleidung und Schuhwerk herauswuchs. Da er in der unmittelbaren Nähe des Generals arbeitete, erhaschte er von Zeit zu Zeit kurze Blicke auf den großen Kaiser und dessen hübscher Tochter. Maximus war von ihr fasziniert. Er hatte keine Schwester gehabt und die einzigen weiblichen Wesen in seinem Alter, mit denen er sich jemals angefreundet hatte, waren seine Cousinen gewesen. Aber diese Mädchen waren einfache Mädchen gewesen, nichts im Vergleich zu dieser jungen Vision in Samt und Pelz. Sie trug ihr Haar offen, es schwebte wie Wolken um ihre Schultern. Goldene Armbänder und Ringe zierten ihre Hände. Kostbare Edelsteine glitzerten an ihren Ohren. Eine solche Schönheit hatte er sich bisher nicht vorzustellen gewagt. Obwohl es so aussah, als hätte sie ihn nicht bemerkt, hatte sich Lucilla ebenfalls sehr oft nach ihm umgesehen. Dabei beobachtete sie Maximus von der Türschwelle des Quartiers des Generals aus, wenn der Junge mit irgendeiner Arbeit beschäftigt war. Was sie sah, beeindruckte sie. Maximus war stämmig und groß, mit dichtem, welligen Haaren und wunderschönen, aber irgendwie traurigen Augen. Manchmal erschienen diese Augen blau und dann wiederum hatte es den Anschein, als wären sie mehr grün. Seine Stimme verzauberte sie, während er mit dem Hund sprach oder wenn er während der Arbeit Melodien summte oder pfiff. Er bewegte sich mit der Stärke, Grazie und Gewandtheit eines jungen Hengstes. Wenn er zufällig in ihre Richtung blickte, zog sie sich -- zur Erheiterung ihrer ständig anwesenden Dienerschaft -- schnell ins Zelt zurück. Lucilla war gelangweilt. Sie war es müde, ihrem Vater und Lucius Verus zuzuhören, wie sie Angelegenheiten mit dem General besprachen -- Angelegenheiten, die sie nicht verstehen konnte. Sie war der Spiele und Geschichten ihrer Dienerinnen überdrüssig. Sie wollte die Gegend außerhalb des Zeltes erkunden und mit dem Jungen mit dem Hund sprechen. Die Gelegenheit dazu ergab sich am letzten Abend ihres Aufenthalts, als sie Maximus außerhalb seines Zeltes sitzen sah, der gerade dabei war, vorsichtig Kletten aus dem dichten Fell des Hundes herauszukämmen. Lucilla beeilte sich und ließ ihre erschrockenen Begleiterinnen hinter sich, als sie schnell auf den Jungen zulief. Maximus war auf Schwierigkeiten gefasst, als Hercules ein kehliges Knurren von sich gab und sich das Fell in seinem Nacken aufrichtete. Er konnte gerade noch sehen, wie das junge Mädchen in dem fließenden Samtgewand näher kam. Sofort umfasste er den Nacken des Hundes und befahl ihm streng, ruhig zu sein. Aber Hercules wollte nicht hören. Der Hund war wildentschlossen, seinen jungen Freund vor diesem Fremdling in seltsamer Kleidung zu beschützen. Der Hund bäumte sich auf, dann duckte er sich, seine Zähne gefletscht. Lucilla blieb abrupt stehen, ihr Gesicht aschfahl. Ihre Hand hatte sie auf den offenen Mund gelegt, als ob sie einen Schrei unterdrücken wollte. Maximus warf sich mit seinem ganzen Gewicht auf den Hund und umklammerte seine Kiefer mit den Händen. Gleichzeitig fuhr er ihn an, leise zu sein, dann warf er ein Bein über das Tier, um es mittels seiner kräftigen Beine festzuhalten. Erst als er Hercules vollkommen unter Kontrolle hatte, sah er hinauf zu dem jungen Mädchen. Er erwartete, in ihrem Gesicht Tränen der Angst zu sehen. Aber sie lachte! Sie lachte! Wusste sie denn nicht, dass dieser Hund sie Stück für Stück auseinanderreißen konnte? Maximus war wütend. Als Lucilla's Begleiterinnen sie von hinten packten, knurrte er: "Bist du verrückt? Dieser Hund könnte dich töten. Er ist für die Schlacht trainiert und er mag andere Leute nicht, besonders keine Mädchen." "Ist das so?" Lucilla schüttelte die Hände ihrer Dienerinnen ab, welche verzweifelt versuchten, sie wegzuziehen. "Warum bringt er dich dann nicht um?" "Weil er mich kennt. Ich arbeite jeden Tag mit ihm." "Ist er dein Hund?" Lucilla trat trotz der Proteste der Frauen ein wenig näher. "Nein, er gehört dem General." Lucilla streckte langsam die Hand nach Hercules aus und Maximus fühlte abermals das Knurren in der Brust des Hundes. Er presste die Knie noch mehr zusammen. "Herrin, bitte tun Sie das nicht. Ich bin nicht sicher, wie lange ich ihn noch in der Gewalt habe", bat er. "Warum, bist du nicht stark genug, die Gewalt über ihn zu behalten?" Maximus war verärgert. "Nein, ...Ja! Ja, aber..." "Dann lass mich ihn streicheln." "Nichts zu machen. Nehmen Sie Ihre Hand weg oder er beißt sie ab." Lucilla warf ihm einen verschlagenen Blick zu. "Ich wette, er lässt mich ihn ..." "Lucilla!" Das Mädchen ließ die Hand sinken, als es die Stimme des Vaters hörte, aber ihr Blick ruhte weiterhin auf Maximus. Ihr Mund verzog sich zu einem kleinen, verschwörerischen Lächeln. "Vater, Maximus hat mir gerade den Hund des Generals gezeigt." Patroclus sprach Maximus direkt an. "Nun, Maximus hat die Situation verkannt, Herr. Ich werde dafür sorgen, dass er streng bestraft wird." Lucilla riss vor Schreck die Augen auf, eine Emotion, welche sich in Maximus' Gesicht widerspiegelte. Während er im Lager war, hatte er noch nie mehr als einen Tadel erhalten und nun sollte er "streng bestraft" werden? Widerspruch begann sich in ihm zu regen, aber er unterdrückte ihn. Sein Blick wanderte von Patroclus zu Lucilla, dann richtete sich seine Aufmerksamkeit auf den Hund des Generals, der zwischen seinen Knien zu wimmern begonnen hatte. Lucilla wirbelte mit einem kreidebleichen Gesicht zu General Patroclus herum. Sie hatte keinerlei Vorstellung davon, wie solch eine Bestrafung aussah, aber sie wusste, dass sie nicht dafür verantwortlich sein durfte, dass diesem Jungen ein Leid zugefügt wurde. "Nein, nicht, es war nicht seine Schuld. Ich war diejenige, die auf den Hund zugegangen ist und Maximus hat mich davor gewarnt. Er ist wirklich sehr mutig und hat den Hund davon abgehalten, mich zu beißen."
Marcus Aurelius betrachtete seine Tochter mit liebevoller Verzweiflung. "Ich
weiß, dass du gelangweilt bist, meine Liebe, aber wir reisen morgen früh ab.
Denkst du, du kannst dich solange aus allen Schwierigkeiten heraushalten?" Der Kaiser lächelte dem Jungen zu, der noch immer rittlings auf dem Hund saß. Er nahm die Hand seiner Tochter. "Danke, Sohn. Meine Tochter ist ein wenig impulsiv, fürchte ich, aber es sieht ganz danach aus, als hättest du die Situation im Griff." "Hoheit." Maximus konnte nur flüstern. Da er wieder einmal mit "Sohn" angesprochen worden war, verhinderte der Klumpen in seinem Hals jegliches weiteres Sprechen. Noch lange, nachdem die beiden Mitglieder der königlichen Familie im Zelt verschwunden waren, stand er mit dem Hund zwischen den Knien da. Der sich krümmende große Hund brachte ihn in die Wirklichkeit zurück und er setzte sich neben das Tier. Er blickte in die glänzenden, braunen Augen des Hundes, umarmte ihn und sagte: "Danke, Hercules." Am nächsten Morgen stand Maximus besonders früh auf, versorgte wie gewöhnlich die Pferde und unternahm mit Hercules den gewohnten Ausflug. Aber als er zurückkam, war der Kaiser und seine Familie bereits fort. Der junge Soldat stand da und starrte die leere Straße hinunter. Dabei fragte er sich, ob er den gütigen Kaiser und seine verspielte Tochter jemals wiedersehen würde. |
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Kapitel 6 - Der Marsch Das Lager wurde nun zu einem Hort der Geschäftigkeit, da sich die 7. Germanische Felix Legion, die einzige, in Spanien stationierte Legion, auf den Marsch nach Norden vorbereitete. Sie sollte Verstärkung für die fünfzehn Legionen bringen, die bereits dort stationiert waren elf entlang der Donau und vier entlang des Rheins. Die römische Armee funktionierte wie eine gut geölte Maschine und die Felix Legion bildete da keine Ausnahme. Sie bestand aus über 5.000 schwer bewaffneten Männern und war in zehn Kohorten unterteilt, welche jede wenigstens 480 Mitglieder zählte. Die Kohorte wiederum war in sechs Zenturien mit 80 bis 100 Männern unterteilt. Die erste Kohorte der Legion beinhaltete die besten Soldaten und bestand aus fünf Doppelzenturien mit 160 Männern. Jede Zenturie wurde von einem Zenturio geleitet, der bevollmächtigte Offizier mit dem niedrigsten Rang. Er wurde aus den Reihen der Mannschaft wegen seiner Leistungen im Dienst und als Führungskraft in diesen Rang erhoben. Zenturios arbeiteten hart, um vorwärts zu kommen, da jede Legion verschiedene Abstufungen des Ranges eines Zenturio kannte. Offiziere mit einem höheren Rang als den des Zenturios wurden von ausserhalb der Legion bestallt und kamen immer aus den beiden höchsten Ständen der römischen Gesellschaft. Der General, der eine Legion befehligte, musste aus der höheren Klasse der Senatoren stammen und sein nachfolgender Offizier, der Legat, aus der niederen Klasse. Die anderen Offiziere, die sechs Tribune, stammten aus der nächst niedrigeren Klasse, dem Adel. Maximus betrachtete es als sehr grosses Glück überhaupt Teil dieser Legion zu sein, da Legionäre nur aus den Reihen der römischen Bürgerschaft rekrutiert wurden und ein Mann aus der Provinz, so wie er einer war, nur bei den Hilfstruppen erlaubt war. Diese hatten einen weit geringeren Status als die Legionen inne. Hilfstruppen wurden oft bei der Grenzkontrolle eingesetzt. Maximus wusste auch, dass, selbst wenn ihm ein Verbleib in der Legion gestattet werden würde, ihn seine vorwärtstreibenden Ambitionen niemals über den Rang eines Zenturio hinaus bringen würden ... aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft beziehungsweise dem Mangel daran. Quintus war da besser dran. Bereits ein Bürger Roms hatte er einen deutlichen Vorsprung gegenüber Maximus und Lucius, welche beide erst nach ihrer Entlassung aus dem aktiven Dienst nach 25 langen Jahren als Soldaten Bürger werden würden. Mit vierzehn waren 25 Jahre einfach zuviel, um sie sich wirklich vorstellen zu können. Maximus war von der Aussicht, Spanien zum ersten Mal in seinem Leben zu verlassen, begeistert. Er sehnte sich danach, mehr von der Welt zu sehen und hoffte darauf, eines Tages Rom zu besuchen. Jetzt war er allerdings auf dem Weg in die entgegengesetzte Richtung, tiefer in die Wildnis der nördlichen Provinzen hinein. Dort drohten germanische Stämme die Donau zu überqueren und in römisches Territorium einzumaschieren. Die Truppen waren sehr aufgeregt darüber, dass es endlich weitergehen sollte. Das Lager wurde in sehr kurzer Zeit abgebrochen. Der Abschied von den geliebten Menschen, der Kinder und "Beinahe"-Ehefrauen währte nur kurz, so dass sich die Legion bereits am Vormittag auf der Strasse nach Norden befand. Auf einer Strasse, welche vor vielen Jahren von Legionären wie ihnen gebaut worden war. Die Prozession hinter der Standarte des goldenen Adlers zog sich meilenweit hin Tausende marschierender Männer und Jungen, Hunderte Mitglieder der Kavallerie und Offiziere, Dutzende Wagen voll mit Verpflegung, von Ochsen gezogen; Esel, beladen mit schweren Taschen voller Proviant; Schaf- und Ziegenherden, gackernde Hühner in kleinen Verschlägen, grossartige und schreckenerregende Zerstörungswaffen, z. B. massive Armbrüste, Ballistas; sowie Maultiere. Der Zug bestand auch aus anderem Personal, welches benötigt wurde, um eine Armee wie diese am Laufen zu halten: Schreiber und juristisches Personal, Ärzte und Veterinäre, Schmide und Zimmermänner, Steinmetze und viele weitere Handwerker. Maximus trug seine Besitztümer sowie die Verpflegung nach Art der Soldaten über der rechten Schulter. Die Soldaten trugen gleichfalls ihre Rationen, sowie die schwere Rüstung, Waffen (z.B. einen Dolch, einen Speer und ein kurzes Schwert, welches für den Vorstoss gedacht war). Weiterhin ein ovales, hölzernes Schild, Leinen und Kalbleder, sowie Werkzeuge eine rückgratbrechende Last von circa 30 kg. Maximus marschierte gemeinsam mit den Jungen, die noch nicht alt genug waren, um Soldaten zu sein aber sie marschierten hocherhobenen Hauptes, so wie jeder andere Mann in der Legion. Während des Marsches sprachen die Soldaten sehr wenig miteinander, da sie sich auf die holprige, steinerne Strasse konzentrierten und sich ihren Atem lieber für die schwierigen Aufstiege sparten. Soweit es möglich war, marschierten sie in geordneter Formation, wachsam für jegliches Anzeichen von Gefahr, bereit sich wenn nötig sofort zu bewaffnen und zu verteidigen. Maximus fand die Vorstellung jedoch ziemlich albern, dass es irgendeine plündernde Bande wagen könnte, solch eine machtvolle, bis an die Zähne bewaffnete und gut trainierte Legion anzugreifen. Die Reise nach Norden erwies sich als schwierig, da das Terrain bald gebirgig und die Luft dünner und kälter wurde. Dieser Umstand belastete Maximus weniger als es bei einigen anderen der Fall war, da er ja in einer ähnlichen Umgebung aufgewachsen war. Einige der Pässe waren sehr eng und viele Hänge gingen steil bergauf. Dies hatte zur Folge, dass die beladenen Wagen alarmierend langsamer vorankamen. Als einer der Wagen nach hinten zu rollen begann und dabei die an ihm festgemachten, verschreckten Tiere mitzog, schloss sich Maximus den hinter den Wagen gesprungenen Männern an, um ihn den steilen Hang hinauf zu schieben. Jeden Tag, kurz vor der Dämmerung, nach einem Marsch von ungefähr zwanzig Meilen, wurde das Lager errichtet. Die Jungen halfen den Männern dabei, eine tiefe Grube rund um das Lager auszuheben und einen Erdwall hinter diesem so entstandenen Schützengraben aufzuschütten, welcher von einer Palisade spitzer Pfähle überzogen wurde. Innerhalb dieser geschützten Anlage wurden die Mahlzeiten zubereitet. Dann hatte man etwas Zeit, um sich zu entspannen, bevor man in den dringend benötigten Schlaf sank. Während dieser Augenblicke suchte Maximus seine Freunde auf am liebsten Lucius, der starrsinnige Junge, der ihm sehr ans Herz gewachsen war. Maximus und Quintus waren bereits ein gutes Stück in die Höhe geschossen, wurden von Tag zu Tag stärker und ihre Stimmen immer tiefer. Lucius hingegen hatte verglichen mit ihnen noch immer sehr viel von einem kleinen Jungen. Er beklagte oft seine geringere Grösse und Stärke und war voller Angst, dass er die Mindestgrösse, welche ein Soldat haben musste 1,73 m nicht würde erreichen können. Diese Grösse hatten sowohl Quintus als auch Maximus bereits überschritten. Lucius war auch nicht so stark wie sie und Maximus beobachtete ihn sorgfältig, ob er Anzeichen von Ermüdung zeigte. Wenn Lucius zu schwanken schien, nahm Maximus dessen Bündel und trug es über seiner freien Schulter. Die nächsten sechzig Tage arbeitete sich die Legion nach Norden vor, überquerte tiefe Flüsse und hohe Berge, durchzog Wälder und Sümpfe, bis sie die dunklen, grünen Wälder der nördlichen Provinzen erreicht hatte. Endlich, nahe der breiten Donau, errichtete die Felix Legion ein festes Lager und ruhte sich für ein paar Tage aus, bevor sie sich auf einen möglichen Krieg vorbereitete. |
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Kapitel 7 - Darius Das Leben in der Armee konnte durchaus eintönig werden, allerdings nicht, wenn ein Krieg drohte. Jeden Tag prüften die Zenturios stundenlang ihre Truppen auf Herz und Nieren und bereiteten sie so körperlich und psychisch auf den Kampf vor. Absoluter Gehorsam den Offizieren gegenüber war unerlässlich, die Erziehung streng. Während eines Kampfes musste sich die Legion wie ein einzelner Mann bewegen die Reihen mussten geschlossen bleiben, jede Drehung, jeder Schritt korrekt und schnell ausgeführt werden. Die Augen und Ohren der Soldaten mussten offen für Signale sein und ihre Hände bereit, in Aktion zu treten. Sie übten die Formationen auf Befehl in eine Reihe, in zwei Reihen, das Einkreisen, die Keilformation, das Karree und die sogenannte "Schildkröte", eine spezielle Quadratformation zur Erstürmung von Stadtmauern. Dabei wurden die Schilde derart gehalten, dass sich die Männer wie unter dem Panzer einer Schildkröte befanden. Sie fochten fingierte Schlachten, die fast die Heftigkeit echter Kämpfe erreichten, wobei es vorkam, dass unvorsichtige Soldaten verletzt wurden. Stundenlang beobachteten Maximus und seine Freunde das Exerzieren. Seine Kameraden ergötzten sich an der Gewalt, aber Maximus achtete auf die wiederkehrenden Muster, hörte auf die Befehle und sah sich die Authoritätsmerkmale der Zenturios genau an. Eines Abends nahm Maximus all seinen Mut zusammen und näherte sich einem Zenturio namens Darius, den er besonders bewunderte. Dieser Mann hatte die Fähigkeit, das Beste aus seinen Truppen herauszuholen, ohne Strafen androhen zu müssen. Genau wie seine Männer war er verdreckt und müde und nahm sogar öfter eine Waffe zur Hand, um selbst eine Bewegung zu demonstrieren oder kniete sich hin, um eine bestimmte Strategie in den Sand zu zeichnen. Ausserdem wusste er den Namen jedes einzelnen Mitglieds seiner Zenturie. In dieser Nacht sass Darius ausserhalb seines Zeltes und reinigte gewissenhaft seine Waffen. Sein Gesicht sah furchterregend aus mit Narben übersät aber Maximus schüchterten sie nicht ein. "Herr ?" Darius blickte auf und lächelte. "Maximus." Maximus war etwas überrascht. "Woher wissen Sie meinen Namen ?" " Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, mögliche Soldaten zu erkennen. Mir gefällt, was ich hier vor mir sehe." "Danke, Herr. Ich bewundere Sie auch sehr." Darius lachte über die Aufrichtigkeit des Jungen. "Was kann ich für dich tun, Maximus ?" "Ich möchte trainieren, um ein Soldat zu werden, Herr. Ich fühle mich bereit dazu." Darius betrachtete ihn, sah die starken Schultern und Arme. "Wie alt bist du ?" "Beinahe fünfzehn, Herr." "Beinahe ?" "In ein paar Wochen, denke ich." "Mmmmh. Nun, du bist noch sehr jung, aber es hat den Anschein, als wärst du in guter Verfassung. Ich sage dir etwas. Wenn du mir beweisen kannst, dass du bereit bist, würde es mich sehr freuen mit dir zu arbeiten." "Wie kann ich das beweisen, Herr ?" "Ich bereite ein paar Prüfungen für dich vor, dann kannst du deine Reife unter Beweis stellen." Maximus war begeistert. "Danke, Herr." Er wollte sich abwenden, da er befürchtete, den Zenturio zu verärgern, wenn er noch länger dessen Zeit beanspruchte. "Maximus, setz dich hierher." Darius deutete auf einen Platz neben sich. "Du kannst mir bei der Reinigung meiner Waffen helfen." Maximus setzte sich auf den niedrigen Holzstuhl und nahm den schweren Schild, den der Mann ihm hinhielt. "Sag mir, Maximus, warum hast du mich zu deinem Lehrer erwählt ? Es gibt doch ältere Männer als mich, welche dir helfen könnten." "Ich bewundere Ihren Stil, Herr. Ich mag die Art, wie Sie mit Ihren Männern sprechen und wie Sie mit ihnen gemeinsam arbeiten. Sie bewundern Sie, das kann ich sehen. Sie kämpfen für Sie, weil sie Sie bewundern, nicht, weil Sie ihnen drohen, so wie manche der anderen Zenturios es tun. Manche der anderen wollen sich wohl die Kleidung nicht schmutzig machen." Darius sah den Jungen erstaunt an. Dies war kein gewöhnlicher junger Mann, welcher erregt von der Aussicht war, das Blut des Feindes zu vergiessen. Er blieb ruhig und liess Maximus fortfahren. "Und die Struktur der Kriegsführung, die Sie entwickeln die Strategien ich halte sie für wirklich brilliant." Dieser Junge beobachtet Manöver ? "Äh, danke, Maximus." Sie sassen für eine Weile still da, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken. Dann sagte Darius: "Wo kommst du her, Junge ?" "Spanien, Herr. Aus den Bergen. Ich wurde dort auf einem Bauernhof geboren." "Wie kommt es, dass du nun in der Felix Legion bist ?" Ein Schatten fiel über das Gesicht des Jungen. "Meine Familie ist in einem Feuer umgekommen, Herr. Ich wurde verschont. Ich weiss nicht, warum." "Manchmal werden wir aus gutem Grund verschont, Maximus. Die Götter haben Pläne mit uns." Darius dachte für einen Moment nach und fügte dann hinzu: "Es tut mir leid, dass ich dich unterbrochen habe. Erzähle weiter." "Sie haben mich fortgeschickt, um bei meiner Grosstante und meinem Grossonkel zu leben, aber ich habe da nicht hingepasst. Als ich eines Tages das Lager dieser Legion in der Nähe des Meeresstrandes sah, bin ich einfach Soldat geworden. Ich wusste, das war es was ich wollte." Darius legte sein schimmerndes Schwert zur Seite und wand sich um, um in das Gesicht des jungen Mannes neben sich zu blicken. Voller Ernst sagte er: "Du weißt wohl, Maximus, dass du eigentlich nicht hier sein solltest. Du bist kein Bürger Roms. Eigentlich gehörst du in die Hilfstruppen." Darius lächelte gütig, als er sah, wie der Junge unter seiner dunklen Bräune merklich bleicher geworden war. "Vielleicht können wir dagegen etwas unternehmen. Vielleicht. Warum versuchst du bis dahin nicht einfach der beste Soldat zu werden und überlässt alles andere mir ?" "Danke, Herr" flüsterte Maximus, der vom Gedanken daran, diese Legion verlassen zu müssen, völlig erschüttert war. "Jetzt lauf los,
Junge, und versuche, soviel Schlaf wie möglich zu bekommen. Du wirst ihn
brauchen, um für deine Prüfungen gut vorbereitet zu sein. Wir beginnen in
zwei Tagen. Komm am Freitag nach dem Exerzieren zu mir." "Ja, Herr, und
vielen Dank." Darius nickte nur und entliess so den Jungen, während er sich
umdrehte und mit der Zeltplane herumspielte. Aber der junge Mann war noch
immer in Gedanken. Darius hatte noch nie jemanden wie ihn kennengelernt.
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